Opa erzählt von früher
Nachdem mein ZX Spectrum eingemottet worden war, verlebte ich ein paar undigitale Jahre. Als ich dann das Studieren anfing stellte sich mehr und mehr heraus, dass ein PC eine sinnvolle Anschaffung sein könnte. Möglich wurde das dank eines lukrativen Ferienjobs und eines Teils des Erbes meiner seligen Oma. Was dann folgte, ist jungen Leuten heute nur noch schwer vermittelbar. Wenn man in den Neunzigern einen PC einschaltete, blieb der Bildschirm schwarz. Mit weißer Schrift.
Der Spaß hieß MS-DOS und verstand nur Tastaturbefehle. Wer etwa eine Datei namens 'HALLO.EXE' von einem Verzeichnis in ein anderes verschieben wollte, musste folgendes eingeben:
XCOPY C:\PROGRAMME\HALLO.EXE C:\DATEIEN
Danach musste man die Quelldatei noch von Hand löschen, weil der Befehl MOVE, der das automatisch machte, in den früheren Versionen von DOS noch nicht implemetiert war. Und das war noch harmlos. Richtig heftig war die Bedienung früher Komprimierungsprogramme wie ARJ. Wer als Checker gelten wollte, hatte zudem ein möglichst aufgeräumtes DOS-Stammverzeichnis. Dateinamen einzugeben konnte daher schon mal dauern.
Dateinamen durften übrigens nur acht Zeichen lang sein und keine Leerzeichen enthalten. Alles, was über acht Zeichen hinausging, wurde automatisch durch eine Tilde (~) ersetzt. Groß- und Kleinschreibung war auch nicht. 255 Zeichen lange Dateinamen mir Groß- und Kleinschreibung sowie Leerzeichen waren erst mit Windows 95 möglich, was entsprechend gefeiert wurde. Die Apple-Nutzer guckten gelangweilt.
Die Buchhandlungen waren voll mit Büchern mit Titeln wie: '1000 Tricks für Windows -- vom Computer-Profi'.
Apropos: 'Computer-Profis' erkannte man daran, dass sie nach dem Start von MS-DOS Windows 3.1 lässig mit dem Befehl 'win' starteten. Wer Windows automatisch starten ließ, war ein Noob oder ein Mädchen. Eltern trauten sich damals noch gar nicht an die Höllenmaschinen heran.
Von Spezialsoftware abgesehen, waren die einzigen wirklich sinnvollen Anwendungen für Windows damals Word und Solitär. Die frühen Excel-Versionen waren eine Katastrophe, mit der sich nur BWL-Studenten freiwillig herumschlugen. Anstatt Word konnte man auch StarWriter verwenden und anstatt Excel Lotus 1-2-3, aber das war beides nicht kompatibel, weder untereinander noch mit Word und Excel.
Meine erste Navigationssoftware hieß 'AutoRoute Express 1.0' und konnte seitenlange Wegbeschreibungen ausdrucken plus eine grobe Anfahrtsskizze. Ein Wunder der Technik!
Wer noch nie etwas von 'CONFIG.SYS' und 'AUTOEXEC.BAT' gehört hat oder von XMS und EMS, wer noch nie ganze Tage und Nächte damit verbracht hat, den Hauptspeicher des Rechners so zu konfigurieren (es gab damals nur 640 Kilobyte unmittelbar nutzbaren Hauptspeicher, das hatte Bill Gates so entschieden), um ein paar letzte Bytes herauszukitzeln, wenn man ein Spiel wie 'Comanche' zum Laufen bekommen wollte, weiß nicht, was zocken ist.
Wer sich nie am Wochenende mit Freunden zur LAN-Party verabredet hat, dann 12 Stunden versucht hat, das LAN einzurichten, um dann nach 26 Litern Kaffee und drei Schachteln Kippen endlich ein wenig zu daddeln, um dann nach zwei Stunden einzupennen, weiß nicht, was zocken ist.
XCOPY C:\PROGRAMME\HALLO.EXE C:\DATEIEN
Danach musste man die Quelldatei noch von Hand löschen, weil der Befehl MOVE, der das automatisch machte, in den früheren Versionen von DOS noch nicht implemetiert war. Und das war noch harmlos. Richtig heftig war die Bedienung früher Komprimierungsprogramme wie ARJ. Wer als Checker gelten wollte, hatte zudem ein möglichst aufgeräumtes DOS-Stammverzeichnis. Dateinamen einzugeben konnte daher schon mal dauern.
Dateinamen durften übrigens nur acht Zeichen lang sein und keine Leerzeichen enthalten. Alles, was über acht Zeichen hinausging, wurde automatisch durch eine Tilde (~) ersetzt. Groß- und Kleinschreibung war auch nicht. 255 Zeichen lange Dateinamen mir Groß- und Kleinschreibung sowie Leerzeichen waren erst mit Windows 95 möglich, was entsprechend gefeiert wurde. Die Apple-Nutzer guckten gelangweilt.
Die Buchhandlungen waren voll mit Büchern mit Titeln wie: '1000 Tricks für Windows -- vom Computer-Profi'.
Apropos: 'Computer-Profis' erkannte man daran, dass sie nach dem Start von MS-DOS Windows 3.1 lässig mit dem Befehl 'win' starteten. Wer Windows automatisch starten ließ, war ein Noob oder ein Mädchen. Eltern trauten sich damals noch gar nicht an die Höllenmaschinen heran.
Von Spezialsoftware abgesehen, waren die einzigen wirklich sinnvollen Anwendungen für Windows damals Word und Solitär. Die frühen Excel-Versionen waren eine Katastrophe, mit der sich nur BWL-Studenten freiwillig herumschlugen. Anstatt Word konnte man auch StarWriter verwenden und anstatt Excel Lotus 1-2-3, aber das war beides nicht kompatibel, weder untereinander noch mit Word und Excel.
Meine erste Navigationssoftware hieß 'AutoRoute Express 1.0' und konnte seitenlange Wegbeschreibungen ausdrucken plus eine grobe Anfahrtsskizze. Ein Wunder der Technik!
Wer noch nie etwas von 'CONFIG.SYS' und 'AUTOEXEC.BAT' gehört hat oder von XMS und EMS, wer noch nie ganze Tage und Nächte damit verbracht hat, den Hauptspeicher des Rechners so zu konfigurieren (es gab damals nur 640 Kilobyte unmittelbar nutzbaren Hauptspeicher, das hatte Bill Gates so entschieden), um ein paar letzte Bytes herauszukitzeln, wenn man ein Spiel wie 'Comanche' zum Laufen bekommen wollte, weiß nicht, was zocken ist.
Wer sich nie am Wochenende mit Freunden zur LAN-Party verabredet hat, dann 12 Stunden versucht hat, das LAN einzurichten, um dann nach 26 Litern Kaffee und drei Schachteln Kippen endlich ein wenig zu daddeln, um dann nach zwei Stunden einzupennen, weiß nicht, was zocken ist.
Apropos Kippen: Weil Computerhardware bis 1998 grundsätzlich in Farbtönen wie Aktenschrankgrau und Hornhautbeige gehalten war, verlieh ihr die damals noch allgegenwärtige Qualmerei sehr bald eine entsprechende Patina. Der Zigarettenkonsum eines Computernutzers ließ sich also zuverlässig am Farbton der Kisten ablesen.
Überhaupt, Spiele! Die kamen mit z.T. mehreren hundert Seiten starken Benutzerhandbüchern, etwa 'Falcon 3.0' oder 'Formula 1 Grand Prix'. Höhepunkt war ein Game namens '1944 - Across The Rhine'. Das war zwar quasi unspielbar, aber man bekam nicht nur ein 300seitiges Spielhandbuch, sondern auch ein 250seitiges mit historischem Hintergrund.
Ging aber auch anders. Ein Wort: Wolfenstein3D. Loslegen und losballern.
Als 1993 der erste Teil der FIFA-Serie herauskam, hatte Electronic Arts noch keine Lizenzen, nur einen Werbevertrag mit Adidas. So erschien andauernd Werbung für die damals neuen 'Predator'-Treter. Der deutsche Nationalstürmer hieß Joerg Rohrer und machte 35 Buden pro Spiel, wenn man wusste, von wo man schießen musste.
Wo wir gerade bei Zocken sind: Da ich unbedingt 'Great Naval Battles 3' spielen wollte, mir aber ein Patch fehlte und mein Spieledealer nicht helfen konnte, habe ich in Chipping Sodbury/GB bei der Firma MicroProse angerufen und gefragt, ob sie mir den schicken könnten. Wie ich es geschafft habe, denen meine Postadresse telefonisch zu übermitteln, weiß ich bis heute nicht, aber eine Woche später war ein Umschlag mit einer 3 ½ Zoll-Diskette im Briefkasten.
Auch 'Formula 1 Grand Prix' enthielt aus Lizenzgründen nicht die richtigen Namen der Teams und Fahrer. Man konnte die aber von Hand editieren. Da galt es, Programmzeitschriften zu wälzen.
Irgendwann kamen die ersten CD-ROM-Laufwerke. Und alle so: Boah, 650 MB! Die Festplatte ist tot! Das holen die nicht mehr auf!
Nach den Computer-Profi-Büchern kamen die Hefte mit den Gratis-CDs.
Apple-Rechner waren zwar damals auch langweilige hornhautgraue Kisten und noch keine Designikonen, aber schon doppelt so teuer wie ein normaler PC. Und deren Besitzer dünkten sich auch bereits was Besseres. Ihr Standardspruch: "Systemabsturz? Kenn' ich nicht. Was soll das sein?"
Ein Trost: Apple-Rechner mochten zwar super funktionieren, waren aber keine Spaßmaschinen. Das einzige Spiel für Macs hieß MYST und war so spannend wie Farbe beim Trocknen zuzusehen.
Mochten teure Apples damals nur was für die Schnösel in den Redaktionen gewesen sein, waren frühe Windows-PCs die VW-Computer für jedermann. Selbst zusammenbaubar, schraubbar, riesiger Teilemarkt, die Software meist kein Problem.
Der Sohn eines Nachbarn meiner Eltern war damals so doof, per Kleinanzeige einen gebrauchten PC mit 500 Games zu kaufen. Kurz darauf kam Post von der Staatsanwaltschaft.
Wer erinnert sich noch an Highscreen und Escom? Oder den Colani-PC von Vobis?
Selbst erlebt: Als 1999 einer der ersten Aldi-PCs (Marke 'Lifetec') rauskam, arbeitete ich in Essen gegenüber einer Aldi Nord-Filiale. Die Warteschlange ging um 7 Uhr morgens schon rund um den Häuserblock.
Internet funktionierte erst ab Windows 95. Man musste aber Modem-Treiber und das TCP/IP-Protokoll von der CD installieren, sonst tat sich gar nichts.
Ach, das frühe Internet! Man musste sich immer einwählen. Wenn man dann im Netz weilte ('auf der Datenautobahn surfte'), war das Telefon besetzt und ein Megabyte herunterzuladen dauerte mit meinem 14.4-Modem knapp eineinviertel Stunden. Wenn die Verbindung nicht mittendrin abriss, dann musste man von vorn anfangen.
Erzählen Sie mal einem USB- und WLAN-verwöhnten u30-Bürschchen was von serieller und paralleler Schnittstelle oder von Controllerkarten, Nullmodem-Kabeln, Gameports und RS232. Aber passen Sie auf, dass er nicht den psychiatrischen Notdienst verständigt.
Apropos USB: Bis Windows ME kam Windows noch ohne USB-Treiber. Wer bereits mit Windows 2000 und den ersten USB-Sticks arbeitete, bekam ein Problem, wenn jemand eine ältere Kiste hatte.
Dieser Beitrag erschien hier zuerst am 21. Juni 2023, wurde an zwei Stellen ergänzt und ist, wie ich finde, eine nette Fortsetzung des letzten hier Veröffentlichten.
Überhaupt, Spiele! Die kamen mit z.T. mehreren hundert Seiten starken Benutzerhandbüchern, etwa 'Falcon 3.0' oder 'Formula 1 Grand Prix'. Höhepunkt war ein Game namens '1944 - Across The Rhine'. Das war zwar quasi unspielbar, aber man bekam nicht nur ein 300seitiges Spielhandbuch, sondern auch ein 250seitiges mit historischem Hintergrund.
Ging aber auch anders. Ein Wort: Wolfenstein3D. Loslegen und losballern.
Als 1993 der erste Teil der FIFA-Serie herauskam, hatte Electronic Arts noch keine Lizenzen, nur einen Werbevertrag mit Adidas. So erschien andauernd Werbung für die damals neuen 'Predator'-Treter. Der deutsche Nationalstürmer hieß Joerg Rohrer und machte 35 Buden pro Spiel, wenn man wusste, von wo man schießen musste.
Wo wir gerade bei Zocken sind: Da ich unbedingt 'Great Naval Battles 3' spielen wollte, mir aber ein Patch fehlte und mein Spieledealer nicht helfen konnte, habe ich in Chipping Sodbury/GB bei der Firma MicroProse angerufen und gefragt, ob sie mir den schicken könnten. Wie ich es geschafft habe, denen meine Postadresse telefonisch zu übermitteln, weiß ich bis heute nicht, aber eine Woche später war ein Umschlag mit einer 3 ½ Zoll-Diskette im Briefkasten.
Auch 'Formula 1 Grand Prix' enthielt aus Lizenzgründen nicht die richtigen Namen der Teams und Fahrer. Man konnte die aber von Hand editieren. Da galt es, Programmzeitschriften zu wälzen.
Irgendwann kamen die ersten CD-ROM-Laufwerke. Und alle so: Boah, 650 MB! Die Festplatte ist tot! Das holen die nicht mehr auf!
Nach den Computer-Profi-Büchern kamen die Hefte mit den Gratis-CDs.
Apple-Rechner waren zwar damals auch langweilige hornhautgraue Kisten und noch keine Designikonen, aber schon doppelt so teuer wie ein normaler PC. Und deren Besitzer dünkten sich auch bereits was Besseres. Ihr Standardspruch: "Systemabsturz? Kenn' ich nicht. Was soll das sein?"
Ein Trost: Apple-Rechner mochten zwar super funktionieren, waren aber keine Spaßmaschinen. Das einzige Spiel für Macs hieß MYST und war so spannend wie Farbe beim Trocknen zuzusehen.
Mochten teure Apples damals nur was für die Schnösel in den Redaktionen gewesen sein, waren frühe Windows-PCs die VW-Computer für jedermann. Selbst zusammenbaubar, schraubbar, riesiger Teilemarkt, die Software meist kein Problem.
Der Sohn eines Nachbarn meiner Eltern war damals so doof, per Kleinanzeige einen gebrauchten PC mit 500 Games zu kaufen. Kurz darauf kam Post von der Staatsanwaltschaft.
Wer erinnert sich noch an Highscreen und Escom? Oder den Colani-PC von Vobis?
Selbst erlebt: Als 1999 einer der ersten Aldi-PCs (Marke 'Lifetec') rauskam, arbeitete ich in Essen gegenüber einer Aldi Nord-Filiale. Die Warteschlange ging um 7 Uhr morgens schon rund um den Häuserblock.
Internet funktionierte erst ab Windows 95. Man musste aber Modem-Treiber und das TCP/IP-Protokoll von der CD installieren, sonst tat sich gar nichts.
Ach, das frühe Internet! Man musste sich immer einwählen. Wenn man dann im Netz weilte ('auf der Datenautobahn surfte'), war das Telefon besetzt und ein Megabyte herunterzuladen dauerte mit meinem 14.4-Modem knapp eineinviertel Stunden. Wenn die Verbindung nicht mittendrin abriss, dann musste man von vorn anfangen.
Erzählen Sie mal einem USB- und WLAN-verwöhnten u30-Bürschchen was von serieller und paralleler Schnittstelle oder von Controllerkarten, Nullmodem-Kabeln, Gameports und RS232. Aber passen Sie auf, dass er nicht den psychiatrischen Notdienst verständigt.
Apropos USB: Bis Windows ME kam Windows noch ohne USB-Treiber. Wer bereits mit Windows 2000 und den ersten USB-Sticks arbeitete, bekam ein Problem, wenn jemand eine ältere Kiste hatte.
Dieser Beitrag erschien hier zuerst am 21. Juni 2023, wurde an zwei Stellen ergänzt und ist, wie ich finde, eine nette Fortsetzung des letzten hier Veröffentlichten.
Etwas Ähnliches könnte ich über Fahrräder schreiben. Es wäre genauso langweilig. Für mich zumindest.
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