Donnerstag, 26. Mai 2022

Vermischtes und Zeugs (XXII)


Aus dem Trubel um den Frankfurter OB Feldmann (SPD) lernen wir: Du kannst mit so ziemlich allem durchkommen. Damit, deiner Ehefrau Pöstchen zuzuschanzen, damit, in diverse Fettnäpfchen zu treten, alles kein Problem. Aber sich im Flieger öffentlich zu äußern über die hormonellen Wirkungen, die gewisse Flugbegleiterinnen haben bei einem -- da hört sich der Spaß auf. Sexistische Kackscheiße! Rücktritt! Pronto! Ach so: Wie wäre das eigentlich, wenn eine postklimakterische Petra Feldmann (SPD) sich in vergleichbarer Weise wohlwollend über männliche Flugbegleiter geäußert hätte? Frage für einen Freund.
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Flatter in a nutshell: Wer anderer Meinung ist als ich, ist ein hirnamputierter Idiot und soll gefälligst das dreckige Maul halten. Ich könnte euch sogar erklären, wieso ihr alle hirnamputierte Idioten seid, aber das würdet ihr eh nicht verstehen. Weil ihr ja hirnamputierte Idioten seid. Ein sowohl in Bezug auf Differenziertheit als auch auf analytische Tiefe und erhabene Schlichtheit nur schwer zu toppendes Weltbild. Habe ich übrigens schon gesagt, wie unfassbar derart antiautoritär tickende Menschen mich seit jeher beeindrucken?

Sascha Lobo (der es auch noch wagt, einen Iro zu tragen und daher erst recht Fresse halten muss), zitierte jüngst Mahatma Gandhi. Der hat 1938 die deutschen Juden nach den Novemberpogromen dazu aufgerufen, sich tunlichst nicht zu wehren: 

"Ich wage es zu behaupten, daß, wenn die Juden die Seelenkraft, die allein aus der Gewaltfreiheit entspringt, zu ihrer Unterstützung aufböten, Herr Hitler sich vor einem Mut, wie er ihn im Umgang mit Menschen bisher noch nie in nennenswertem Maße erfahren, verbeugen würde."

Nun hat der weitere Gang der Geschichte folgendes gezeigt: Der größte Teil der europäischen Juden, die danach gefoltert, erschossen, erschlagen oder in die Gaskammern getrieben wurden (was Gandhi 1938 noch nicht wissen konnte), hat sich, von wenigen Ausnahmen abgesehen, nicht gewehrt. Gewaltfreiheit praktiziert. Und? Hat Herr Hitler sich davor verbeugt? Hat das auch nur einen der Mörder irgendwie beeindruckt? Hat das dazu geführt, dass ein Eichmann, ein Heydrich, ein Frank, ein Himmler und fast alle, die mitmachten, Zweifel bekamen an dem, was sie da taten? Nein. Die haben erst aufgehört, als die Front immer näher rückte. Wäre das nicht gewesen, sie hätten weitergemacht, bis sie auch noch den letzten europäischen Juden zu Tode gebracht hätten.

(Das war jetzt übrigens ein Auschwitzvergleich. Den darf man als Angehöriger des Tätervolkes aber auf keinen Fall verwenden und muss Fresse halten. Weil: isso. Also bitte streichen.)

Wenn welche zutiefst der Überzeugung sind, Massenmord sei ein legitimes Mittel der Politik und diente irgendeinem höheren Ziel, dann hilft meist (leider) nur eins: Das Morden beenden, und zwar wenn es sein muss, auch mit Gewalt. Den Mördern die Waffe aus der Hand schlagen. Alles andere ist weltfremdes, ideologisches Gefasel. Und ja, man macht auch die eigene Weste schmutzig. Aber was red' ich.

In Israel hat man aus der o.g. Erfahrung übrigens die Konsequenz gezogen, dass niemals wieder Juden ihren Mördern wehrlos gegenüberstehen dürfen. Eine pfuiteuflische Kriegstreiber-Haltung, die deutsche Friedensbewegte und Opferanwälte, die den Israelis gewohnheitsmäßig im hohen moralischen Ton Schlaubi-Ratschläge erteilen, selbigen wohl niemals verzeihen werden. Weswegen nicht wenige deutsche Friedensbewegte und Opferanwälte auch verkappte Antisemiten sind.

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"War is peace. Freedom is slavery. Ignorance is strength." (Orwell)

Letzter heißer literaturwissenschaftlicher Scheiß made in Russia: Orwells '1984' ist nicht etwa eine Satire auf die stalinistische Sowjetunion, wie immer gedacht, sondern auf den westlichen Liberalismus. So ließ jetzt Marija Wladimirowna Sacharowa verlauten, ihres Zeichens Pressechefin des russischen Außenministeriums. Dass Orwells Roman den Totalitarismus beschreibe, sei einer der größten global verbreiteten Fakes, meinte sie. Ferner wird sie zitiert mit:

"Orwell did not write about the USSR, it wasn’t about us [sic!]. He wrote about the society in which he lived, about the collapse of the ideas of liberalism. And you were made to believe that Orwell wrote it about you. It’s you in the west who live in a fantasy world where a person can be cancelled." (Pjotr Sauer, The Guardian)

Genau! Was sind schon so ein paar Jährchen im Gulag gegen die Tortur, von einer Talkschow ausgeladen zu werden? Sportliche These. Begründung? Iss halt so. Weil Westen halt. Böse. War Orwell damals eigentlich mit dem Konzept der Cancel Culture vertraut? So was kann wohl nur ein gehirngewaschener Westler fragen. Die Dame scheint sich übrigens nicht nur als Bürgerin der Sowjetunion zu sehen, sondern auch sonst eine Vorliebe für Versprecher zu haben:

"In 2017, while comparing mainstream western media to 'Big Brother", the leader of the totalitarian state in Orwell’s novel, Zakharova mistakenly called the book 1982." (ebd.)

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Nachdem die Frisöre der Nation fast geschlossen durchgewortspielt sind (nur meiner heißt immer noch schlicht 'Stadtfrisör' -- man muss ihn einfach mögen), sind jetzt offenbar die Eisdielen dran...


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Beim letzten Mal vorausgesagt, schon geliefert. "Weiße Menschen verdienen unsere Tattoos nicht.", so schallt's identitär auf TikTok. Ab zum Lasern, Leute!






 

7 Kommentare:

  1. "Flatter in a nutshell" ...
    irgendwie ist er ja zuerst Opfer (der Umstände) und dann Täter — "alles Idioten". Eigentlich bemitleidenswert, da er ja jetzt schon anscheinend nur noch für sich selber schreibt — so eine Art Heino Jaeger 4.0 — weit übers Ziel hinausgerast, immer um sich selber kreisend und er kann es nicht wahrnehmen. Traurig.

    Gruß
    Jens

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  2. Andere Idioten nennen, geschenkt ... aber davon, einem Gewalttäter nicht mit Gewalt zu antworten, davon ist bei flatter nicht die Rede. Er macht nur einen Unterschied zwischen Staaten und Personen. Ok, ok, Pazifismus ist eine haarige Sache ...

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  3. In einem meiner damaligen Blogs hatte ich einmal geschrieben, dass sich Orwells 'Animal Farm' auf die stalinistische Sowjetunion beziehe. Ich wurde vom ganzen Kleinbloggersdorfer Kommentariat ausgelacht und beschimpft. Die meisten dieser Leute kommentieren inzwischen auf Zeitgeistlos, Feynsinn , Neulandrebellen oder Ähnlichem.
    A propos Feynsinn: Er lobte und verlinkte kürzlich einen Anti-Nato-Artikel von Norman Paech. Dieser Norman Paech wird auch von KenFM gerne genommen. Rubikon listet Norman Paech als Autor...

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    1. DasKleineTeilchen27. Mai 2022 um 20:03

      Ich wurde vom ganzen Kleinbloggersdorfer Kommentariat ausgelacht und beschimpft

      sehr wahrscheinlich. aber garantiert nicht für

      dass sich Orwells 'Animal Farm' auf die stalinistische Sowjetunion bezieht

      kannst du nicht wenigstens einmal bischen würde an den tag legen, karl?

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    2. Dir wird es gehen wie der UUUUUhh-kraine.

      Gewogen wurdest du auf
      der Waage und für zu leicht
      befunden.

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    3. @DasKleineTeilchen
      Doch, genau dafür.
      http://blog.todamax.net/2022/gruesse-an-den-stuttgarter-katholikentag-2022/#comment-953543

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  4. DasKleineTeilchen27. Mai 2022 um 20:34

    mir gefällt ja, wie flatters definition von pazifismus ohne zweifel die einzig gültige ist, denn andere definitionen sind "illusorisch";

    Es mag ja Menschen geben, die glauben, auf jede 'Gewalt' verzichten zu können, aber das geht erstens über Pazifismus hinaus und ist zweitens illusorisch

    und sowas aus seiner feder. nach den klöppern, die er die letzten 3 monate abgeliefert hat. dabei hätte er zum thema pazifismus schlicht auf den recht ausführlichen und (meiner ansicht nach) durchaus objektiv gehaltenen wikipedia-artikel verlinken können, was aber natürlich nicht geht, weil die wikipedia ja mittlerweile ausschliesslich purste propaganda ist. whatever.

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