Die spanische Mannschaft habe den Fußball gerettet, so meldeten Teile der internationalen Presse pathetisch. Aber auch nicht völlig falsch. So drückend war die Dominanz der Spanier, dass ein Endspielgegner zum zweiten Mal nach 2010 sich nicht anders zu helfen wusste, als das Match in eine Art Straßenschlägerei zu verwandeln. Meckern, Gebolze, Fouls, Nickligkeiten, diskutieren, Rudelbildung, fallen lassen und darauf hoffen, von diskutablen Schiedsrichtentscheidungen zu profitieren. Als Quittung flog Fernandez nach einem üblen Foul an Cubarsi mit Gelb-Rot vom Platz (93.). Die Spanier haben vor allem den regelkonformen Fußball gerettet.
Hätten diese Argentinier die Verlängerung überstanden, sich irgendwie noch ins Elfmeterschießen getankt und durch eine Parade von Martínez haarscharf gewonnen, dann wäre das am Ende zwar die endgültige Apotheose Lionel Messis gewesen, doch hätte es sich falsch angefühlt, weil damit auch ein zynischer, destruktiver Antifußball gekrönt worden wäre.
Es war kein unterhaltsames Spiel für die Showbühne, sondern wieder einmal überlegenes, beharrliches Beackern des Gegners und Abpassen des richtigen Moments. Das ist unglamorös und man kann das mit Gründen langweilig finden, aber es ist zweifellos erfolgreich. Für Endspiele gilt, dass man sich an den Titel erinnern wird, nicht daran, wie er zustande gekommen ist. (Wer erinnert sich noch an das Finale 1990, eine der ödesten menschlichen Aktivitäten, die je im Fernsehen übertragen wurde?) Selten traf die alte Weisheit, dass Angreifer Spiele gewinnen, die Abwehr hingegen Turniere, mehr zu als auf dieses spanische Team, das völlig verdient Weltmeister geworden ist. Wie schon allen vorigen Gegnern gelang es, die Argentinier nicht ins Spiel kommen zu lassen und ihnen so die Luft herauszulassen. 20 zu zwei Torschüsse in mehr als 120 Minuten sprechen eine eindeutige Sprache.
Auch eine andere Weisheit verlor in diesem Finale ihre Gültigkeit: Dass man unbedingt einen herausragenden 'Unterschiedsspieler' benötigt. Hat man ein Ensemble auf einem Niveau zusammen wie diese spanische Mannschaft, ist das nicht nötig. Fuentes konnte sich sogar erlauben, Olmo in der 75. Minute auszuwechseln. Ferner sollte man sich hüten, den spanischen Fußball zu einer Art edlem Gegenmodell zur durchkapitalisierten Entertainment-Maschinerie zu idealisieren. Auch in der Primera Divisíon makes money the world go round.
Unterhaltsamen Fußball für die Showbühne soll es im angeblich so überflüssigen Spiel um Platz drei am Samstag zwischen den Franzosen und den Engländern gegeben haben. Ein episches Aufeinanderprallen wie seit Azincourt nicht mehr, hieß es, nur ohne Bogenschützen. Nachdem die Insulaner zur Pause schon bequem mit 4 : 0 führten, rafften die Bleues sich noch einmal auf und es wurde noch mal spannend. Am Ende stand es nach zehn Toren in einem Spiel 6 : 4 für Kane & Co. Und ich konnte es mangels Magenta-Abo nicht gucken. Ob Tuchel mit diesem Platz drei allerdings seinen Job gerettet hat, bleibt fraglich.
Dass der sich vorhersehbar in die Jubelbilder drängelnde Donald Trump nun ausgerechnet der Mannschaft des Landes gratulieren musste, mit dem er gerade Beef hat und nicht der des von seinem Bruder im Geiste und Kettensägenmann regierten Argentinien, ist sicher eine nette Fußnote, die aber nicht überbewertet werden sollte. Die aufgeblasene Halbzeitshow nach Super Bowl-Vorbild war dem Problem geschuldet, dass US-Amerikaner offenbar nicht kapieren, dass das wahre Entertainment beim Fußball auf den Rängen stattfindet, und stank ziemlich ab. Überdies zeigten sich die Prioritäten der FIFA und der US-Organisatoren: Riesenaufwand um eine eher mediokre Maxi-Playbackshow, aber nicht in der Lage, den Rasen ordentlich zu präparieren.
Peinliche FIFA-Panne: 26 Spanier schleichen sich dreist auf Siegerfoto von Trump und Infantino www.der-postillon.com/2026/07/phot...
— Der Postillon 📯 (@der-postillon.com) 20. Juli 2026 um 12:17
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Erkenntnisse? Sehr viele Spiele, vor allem ab der K.O.-Runde, endeten knapp mit 1 : 0 oder 2 : 1. Das lag daran, dass fast alle teilnehmenden Mannschaften inzwischen tief standen und ihre Abwehr so perfektionlert hatten, dass dieser Riegel nur von absoluten Spitzenmannschaften zu durchdringen ist. Anders als in der Champions League, wo die Offensiven meist besser eingespielt sind, wirkten viele Teams damit überfordert. So stellte man mit einiger Überraschung fest, dass etwa die favorisierten Franzosen sich gegen die paraguaynische Betonmauer über weite Strecken ähnlich schwer taten wie die deutsche Mannschaft und sich meist auch mit Halbfeldflanken behalf. Nur verfügte die DFB-Elf nicht über Weltklasseleute wie Olisé und Mbappé, die das hätten entscheiden können.
stell dir vor du gibst 1 Million Dollar aus, um am Seitenrand eines Spiels zu sitzen, das nicht unterscheidbar ist von VfL Bochum gegen Dynamo Dresden
— E L H O T Z O (@elhotzo) July 19, 2026
Insgesamt werden die Europäer sich trotz der heurigen Dominanz ab dem Viertelfinale in Zukunft damit arrangieren müssen, nicht mehr für alle Zeiten das Zentrum der Fußballwelt zu sein. Afrikanische Mannschaften werden immer stärker werden und das große Geld kommt, mögen Traditionalisten darob die Nase rümpfen, immer öfter aus den Golfstaaten und aus Saudi-Arabien, wo auch die WM 2034 ausgetragen werden wird.
Und die Deutschen so? Das Turnier hat endgültig offenbart, dass das DFB-Team allenfalls Mittelklasse ist. Sogar der Torrekord aus dem Spiel gegen Curaçao hielt nur bis Samstag. Immerhin bewegt man sich auf Augenhöhe mit der italienischen Mannschaft. Auch wenn man nicht an einem totalen Tiefpunkt gelandet ist wie nach der Desaster-EM 2000, da es durchaus Talente gibt, mit denen sich was reißen lässt, sollte man sich von den nächsten Turnieren nicht zu viel erwarten. Selbst wenn Neutrainer Jürgen Klopp es gelingt, beim Verband was ins Rollen zu bringen, wird das seine Zeit brauchen.
Deutschland, Italien, Brasilien, Uruguay, vielleicht noch Niederlande haben fertig erstmal
AntwortenLöschen"Dass der sich vorhersehbar in die Jubelbilder drängelnde Donald Trump nun ausgerechnet der Mannschaft des Landes gratulieren musste, mit dem er gerade Beef hat und nicht der des von seinem Bruder im Geiste und Kettensägenmann regierten Argentinien, ist sicher eine nette Fußnote, die aber nicht überbewertet werden sollte"
AntwortenLöschenahhh, der spanische fussballverband hat drumfo ausm siegerfoto rausgeshopped, das is schon deutlich;
https://www.comicsands.com/media-library/spain-s-football-association-with-the-world-cup-trophy-with-donald-trump-edited-out.jpg?id=67508307&width=900&quality=55
https://www.comicsands.com/spain-trump-world-cup-photo
https://old.reddit.com/r/Trumpvirus/comments/1v1kfaa/bro_tried_and_failed_being_the_main_character_lmao/