Montag, 6. April 2026

Reste von Dienstleistung


"Zu den Plagen der Arbeit im Servicebereich gehört der Zwang, ein bestimmtes Auftreten an den Tag zu legen. Bei Burger King soll dies nun eine computergenerierte Stimme aus dem Headset überwachen. Das KI-Programm »Patty«, das nach und nach in allen Burger-King-Filialen in den USA eingeführt wird, gibt nicht nur Arbeitsanweisungen und beantwortet Fragen wie die, ob die Cola-Maschine nachgefüllt werden muss; es analysiert die Gespräche mit den Kunden. Dabei achtet es vor allem auf Si­gnalwörter wie »bitte« und »danke« sowie auf den Tonfall der Angestellten. Der daraus errechnete »Freundlichkeits-Score« gibt dann Rückmeldung darüber, ob die Arbeit zufriedenstellend ist oder das Personal gefälligst netter zu klingen habe." (Paul Simon)

Das oben Beschriebene trifft vor allem auf die Bereiche des Dienstleistungswesens zu, die in die Finger von Risikokapitalisten, Startuppern und BWLern gefallen sind. (Bin ich der einzige, dem inzwischen jedes Mal ein Messer in der Tasche aufklappt, wenn so ein Silicon Valley-Milliardär davon faselt die Welt zu einem besseren Ort machen zu wollen?) Jenseits von fordistisch durchgetakteten systemgastronomischen Kettenbetrieben gibt es durchaus noch Inseln, etwa in gut geführten Restaurants ab dem mittleren Preissegment, in denen Servicekräfte keine dressierten, servilen Worthülsenabsonderer sind, sondern geachtete Fachkräfte, die auch keine Domestiken sind, die man herumscheucht, sondern die eigentlichen Chefs im Ring, ohne einen das merken zu lassen, versteht sich. Aber gewiss, diese Inseln werden weniger und sie werden teurer.

Freitag, 3. April 2026

Vermischtes und Zeugs (CXLV)


Zunächst zum Spocht. Es scheint inzwischen zum beruflichen Profil von Fußball-Bundestrainern (m) zu gehören, einen Hassspieler zu haben, den sie partout nicht aufstellen, nur im Notfall nominieren, obwohl dieser Spieler der Mannschaft wirklich helfen würde. Bei Joachim Löw war das Stefan Kießling, ein klassischer Strafraumstürmer. Löw setzte aber auf kunstvolles Tiki-Taka-Rasenschach a l'Espagnole mit falscher Neun, da passte ein kunstloser Knipser nicht ins Konzept. Vor allem keiner, der auch mal aufmuckt. Bei Nagelsmann scheint das Deniz Undav zu sein. Der wurde kurz vor Schluss eingewechselt, machte das Siegtor und wurde danach vom Trainer in coram publico derart abgesaut, dass ernsthafte Zweifel an Nagelsmanns Professionalität angebracht sind.

Mittwoch, 1. April 2026

Elefant im Raum


Es gibt diesen sprichwörtlichen Elefanten im Raum. Der nimmt fast sämtlichen Platz ein, sodass man sich kaum mehr bewegen kann, aber trotzdem redet niemand drüber. Sinnbildlich steht der Elefant im Raum für ein Problem, das eigentlich allen bewusst ist, aber niemand den Mut oder die Ehrlichkeit aufbringt, es offen anzusprechen. Die 'A'fD etwa verdankt einen Gutteil ihres politischen Aufstiegs ihrer Kernerzählung, sie sei die einzige Partei, die den Mut besäße, den Elefanten beim Namen zu nennen, und der hieße: Illegale bzw. irreguläre Massenmigration. 

Samstag, 28. März 2026

Vermischtes und Zeugs (CXLIV)


Der offenkundig hochgradig schusselige Buckelwal, der in der Lübecker Bucht bei Timmendorfer Strand auf Grund gerauscht war (und von einigen allen Ernstes 'Timmi' getauft wurde) und sich auch ohne die Bemühungen von Tierrettern irgendwie freigeschwommten hatte, ist jetzt bei Wismar schon wieder gestrandet. Fun fact: Derweil sich halb Deutschland einen Kopf macht um das arme Tier, rollen Tag für Tag 3,6 Millionen Tiere in Tiertransporten durch eben jenes Deutschland, um dann als Produkte in Bedien- und SB-Theken zu landen. Nun bin ich bekanntlich weder Vegetarier noch Veganer, aber bin ich der einzige, dem das ein kleines Bisschen befremdlich dünkt?

Mittwoch, 25. März 2026

Paar Worte.


Kollege Chris Kurbjuhn ist gestorben (via). Die Reihen lichten sich weiter.

Nach allem, was von ihm zu lesen war und mir fällt keine Ausnahme ein, ist da ein grundfreundlicher und maximal liebenswürdiger Mensch gegangen. Einer, der das Leben und die schönen Dinge des Lebens über alles liebte und der uns ganz unaufgeregt, nie prätentiös daran teilhaben ließ. Einer der Blogger, die ich gern persönlich getroffen hätte. Ich kann mich nicht erinnern, dass ich mich auch nur einmal nicht gefreut habe, wenn irgendwo etwas neues aufploppte von ihm, sei es in seinem Blog oder den Kommentaren hier. Ich wusste: Der Tag, die Welt würde ein wenig schöner sein. Danke dafür.

Dienstag, 24. März 2026

Diskurs. Links


Wolfgang M. Schmitt ist hier lesenden eventuell bekannt als Betreiber des empfehlenswerten und hier empfohlenen YouTube-Kanals 'Die Filmanalyse'. Daneben betreibt er mit Ole Nymoen den Podcast 'Wohlstand für alle', der sich mit wirtschaftlichen Fragen befasst, sowie 'Die neuen Zwanziger', wo es vor allem um Kultur und Politik geht. Jasmin Kosubek ist als ehemalige Mitarbeiterin von 'RT DE' als Journalistin nicht unumstritten. Allerdings muss man sagen, dass sie wirklich vielen Stimmen Raum gibt und bereit ist, sich mit Standpunkten, die nicht die ihren sind, ernsthaft auseinanderzusetzen, und das verdient unbedingt Respekt. Hier unterhält sie sich knapp zwei Stunden lang mit Schmitt und ich habe etliches mitnehmen können. Wenn politischer Diskurs öfter so liefe, diese Welt wäre definitiv eine bessere.

Sonntag, 22. März 2026

Jenseits der Blogroll - 03/2026


Davon, was das Œuvre des letzte Woche verstorbenen Jürgen Habermas bzw. dessen Lektüre mit mir gemacht hat, kann ich nicht viel berichten. In jüngeren Jahren versuchte ich mich, wie viele, an 'Strukturwandel der Öffentlichkeit', kurz darauf erschien sein, wie es hieß, eminentes Hauptwerk 'Faktizität und Geltung'. Zwar war ich damals überaus lesehungrig und pfiff mir alles mögliche ein, aber problematischerweise gab es immer auch so viel anderes Interessante zu entdecken, da blieb Habermas oft unten im Lesestapel. Tatsächlich gelesen habe ich damals seinen Beitrag 'Eine Art Schadensabwicklung' der den Historikerstreit mit lostrat, der letztlich die deutsche Schuld an der Shoah im akademischen Mainstream etablierte und Relativierungsbemühungen wie die von Nolte und Hillgruber problemlos erledigte.

Freitag, 20. März 2026

Vermischtes und Zeugs (CXLIII)


Mokant mit nacktem Zeigefinger und mithilfe von K'I'-Manipulation darauf hinzuweisen, dass Heidi Reichinnek (LINKE) zuweilen mit einem Audi A8 herumchauffiert wird, ist angesichts der Rabatte, die Autohersteller bestimmten Kundenkreisen einräumen, ziemlicher Quatsch und offenbart vor allem, dass da welche nicht rechnen können. Abgesehen davon, dass der Humbug, es handele sich um ihren Privatwagen, schnell erledigt war, kann so eine geleaste Chefinnenschubse für eine Bundestagsfraktion pro Kilometer unter dem Strich günstiger sein als ein gekaufter deutlich bescheidenerer 08/15-Jahreswagen. 

Dienstag, 17. März 2026

Grenzerfahrungen in der Konsumgesellschaft (32)

 
Wie viele, habe ich für das aktuelle Auto so einen Fernbedienungsschlüssel, der sehr praktisch ist. Schont nicht nur das computermausgeplagte Handgelenk, weil man sich jedes Mal das beschwerliche Drehen des Schlüssels im Türschloss erspart und das nur noch beim Anlassen des Motors nötig ist. Nein, man findet das Vehikel auch im Stockdunkeln auf einem unbeleuchteten Parkplatz wieder, wenn man vergessen hat, wo man die Karre abgestellt hat. Ein Tastendruck, blink blink, huhu, hier bin ich! Irre! Bei der nächsten Generation Superschlüssel spart man sich angeblich sogar die beschwerliche Drehung im Zündschloss.

Samstag, 14. März 2026

Deutscher wird's nicht


Die von der Presse nahezu unisono gefeierte Serie 'Kacken an der Havel' ist eine weitere gescheiterte deutsche Humor-Bemühung. Die zudem einen interessanten politischen Subtext hat.

Glaubt man den überwiegend hymnischen Besprechungen der auf Netflix zu streamenden neunteiligen Serie 'Kacken an der Havel', dann handelt es sich um einen Geniestreich, dann ist dort nicht weniger geschehen als die Rettung des darniederliegenden deutschen Humors. Denn 'Kacken an der Havel', so der nicht selten anzutreffende Unterton, sei ja nicht produziert worden vom drögen, verpupten, woken öffentlich-rechtlichen Ärmelschoner-Staatsfunk, der -- LAAAME! -- immer politisch korrekt auf Diversität und Quote achtet/achten muss, sondern von den coolen Boys and Girls von Netflix. Was kann da schon schiefgehen? Eine ganze Menge, wie sich zeigen wird.