"Wien ist eine Dampframme ins Gesicht jedes freundlich fühlenden Menschen. [...] So viel Fieses wie Wien war nie. [...] Der Beitrag Österreichs zur Weltkultur heißt im Wesentlichen Hitler-Heller-Haider-Walzer, und dann gibt es noch das Urabbild des Österreichers: Leopold von Sacher-Masoch, nach dem die Herrentorte ebenso benannt ist wie das Versessensein auf Herrenhiebe.
Das wirklich Böse an Wien ist das Wienerische. [...] »Gey scheyssn! Am Heyssel!« attert es aus dem Wiener heraus und immer schwingt etwas Drohendes mit: geducktes Knurren der geprügelten Kreatur. Diese in Servilität eingewickelte Aggression hält der Wiener für Charmanz und nennt sie Schmäh." (Wiglaf Droste)
"Für mich sprechen die Wiener das schönste Hochdeutsch überhaupt. Ich liebe diese genießerischen Artgenossen über die Maßen." (Vincent Klink)
Was lernen wir daraus? Man kann trotz in einzelnen Fragen komplett entgegengesetzter Ansichten weiterhin eng befreundet sein, bis der Tod einen scheidet, wie im Fall der Herren Droste und Klink. Die Passage aus Drostes Polemik 'Ganz Wien träumt von Formalin' (1999) wurde vornan gestellt, weil es sehr leicht ist, bei einem Wienbesuch ins Schwärmen und ins Schwelgen zu geraten. Ein wenig Erdung dann und wann ist da hilfreich. So wie eine Prise Salz allem Süßen geschmacklich erst richtig auf die Sprünge hilft. Zumal, wenn man als Kind medial ein Bild von Wien vermittelt bekommen hat, das im Wesentlichen aus 'Sissi'-Filmen sowie überzuckerter Operetten-, Heurigen- und Walzerseligkeit bestand ('Kottan ermittelt' lief in der BRD erst später).