Dank des überaus ferdienstfollen Fernsehsenders Arte gibt es bis Ende des Jahres Gelegenheit, 'Twin Peaks' noch einmal anzuschauen, jene von David Lynch und Mark Frost kreierte und produzierte Fernsehserie, die völlig zu recht als Meilenstein des Genres gilt und vieles vorwegnahm, was heute längst selbstverständlich ist. Es steht daher zu befürchten, dass Jüngere damit vermutlich nur wenig anfangen können. Natürlich war es 1990 nicht neu, Dunkles und Abgründiges filmisch zu verhandeln, auch eine Erkenntnis wie die, dass hinter der Fassade bürgerlicher Wohlanständigkeit nicht selten das nackte Grauen lauert, war alles andere als bahnbrechend. Aber dergleichen fand üblicherweise im Kino statt. Fernsehserien galten gemeinhin als mehr oder minder seichte Unterhaltung. Und Seriendarsteller waren nicht selten Schauspieler, deren Karrieren sich dem Ende neigten oder stagnierten oder die dringend Geld brauchten.
Fliegende Bretter
Nicht immer Kritisches über Politik, Gesellschaft, Medien, Kultur, Essen und manchmal auch Sport
Samstag, 17. Januar 2026
Verlorener Faden
Dank des überaus ferdienstfollen Fernsehsenders Arte gibt es bis Ende des Jahres Gelegenheit, 'Twin Peaks' noch einmal anzuschauen, jene von David Lynch und Mark Frost kreierte und produzierte Fernsehserie, die völlig zu recht als Meilenstein des Genres gilt und vieles vorwegnahm, was heute längst selbstverständlich ist. Es steht daher zu befürchten, dass Jüngere damit vermutlich nur wenig anfangen können. Natürlich war es 1990 nicht neu, Dunkles und Abgründiges filmisch zu verhandeln, auch eine Erkenntnis wie die, dass hinter der Fassade bürgerlicher Wohlanständigkeit nicht selten das nackte Grauen lauert, war alles andere als bahnbrechend. Aber dergleichen fand üblicherweise im Kino statt. Fernsehserien galten gemeinhin als mehr oder minder seichte Unterhaltung. Und Seriendarsteller waren nicht selten Schauspieler, deren Karrieren sich dem Ende neigten oder stagnierten oder die dringend Geld brauchten.
Mittwoch, 14. Januar 2026
Merz und die Mullahs
Sicher ist da natürlich gar nichts, aber es könnte sein, dass ich in diesem Leben noch mitbekomme, wie im Iran ein Revolutionsregime von einem anderen Revolutionsregime wieder abgelöst wird. Das wäre kein Grund zur Trauer. Immer mehr Iraner:innen haben nach zirka 45 Jahren offenbar die Nase voll von einer Oligarchie religiöser Fundamentalisten, die ihnen in die private Lebensführung hineinregiert und sie mit immer weniger Erfolg zu einem gottgefälligen Leben nötigen will, während immer mehr verarmen. Letzteres dürfte der wichtigste Grund sein für die in immer kürzeren Abständen erfolgenden Protestwellen im Iran, auf die Mullahs immer schlechter den Deckel bekommen.
Samstag, 10. Januar 2026
Vermischtes und Zeugs (CXXXVI)
FIFA-Supremo Gianni Infantino will bei der anstehenden Fußball-WM feste Trinkpausen in der Mitte jeder Halbzeit einführen, und zwar unabhängig vom Wetter. Das hat natürlich absolut nichts zu tun mit Sorge um die Gesundheit der Spieler. Erstens ist nicht bekannt, dass Spieler auch bei hohen Temperaturen reihenweise wegen Dehydrierung umgekippt wären und zweitens dürfen Spieler mit Erlaubnis der Schiedsrichter schon jetzt was trinken, wenn die Bedingungen entsprechend sind. Das ganze dient lediglich dazu, zwei Mal öfter pro Spiel Werbespots schalten zu können.
Donnerstag, 8. Januar 2026
Lernen vom Ancien Régime
Man kann sich gewiss täuschen, aber es sieht so aus, als hätten vor allem Konservative/Rechte ein echtes Händchen dafür, in Katastrophen- und Krisensituationen so rüberzukommen, als ginge sie das alles nicht wirklich was an und nicht zu kapieren, wieso ausgerechnet Wichtigmenschen wie sie sich zum Pöbel herabbegeben sollen. Und sich damit ohne Not um Wahlchancen bringen. Nach Lokalpatriot Stoiber und Schmunzelmuffe Laschet (international ließen sich zum Beispiel noch George W. 'Flyover' Bush oder Melania 'I really don‘t care' Trump erwähnen) hat jetzt der Berliner Bürgermeister Wegner (CDU) sein PR-Desaster am Start, das ihn vermutlich die Wiederwahl kosten wird.
Sonntag, 4. Januar 2026
Unkomplex
Würde das Weltgeschehen wenigstens zu Beginn des Jahres so freundlich sein, unsereins armen Bloggern, die angetreten sind, selbiges ein wenig einzuordnen, eine Chance zu geben, mal kurz durchzupusten? Erst schneidet angeblich ein Haufen verpeilter Salonrevolutionäre 50.000 Berliner Haushalte von der Stromversorgung ab und glaubt vermutlich ernsthaft, das Schweinesystem damit kippen zu können (das Kapital in New York, Frankfurt und London ist erfahrungsgemäß immer schwerst beeindruckt und schlottert vor Angst, wenn irgendwo bei einer Demo Autos brennen oder Menschen in ihren Wohnungen zu erfrieren drohen), dann lässt Trump mal eben den venezolanischen Präsidenten Maduro hopsnehmen und in den USA einknasten.
Freitag, 2. Januar 2026
Vermischtes und Zeugs (CXXXV)
Mit dem Jahreswechsel wäre auch das alljährliche Hickhack um ein Böllerverbot wieder glücklich überstanden. Glaubt man Umfragen, dann ist inzwischen eine Mehrheit der Bevölkerung arg genervt von der Knallerei. Die Argumente sind auch jedes Jahr dieselben. Hie: Angst! Gefahr! Feinstaub! Denkt denn keiner an die Kinder/Tiere! Dort: Tradition! Ich lasse mir von diesem linksgrünen Nanny-/Verbotsstaat nicht meinen Spaß zu Silvester nehmen! (Wobei ein öffentliches Gesundheitswesen, das infolge eigener Doofheit zerfetzte Flossen ohne Mehrkosten wieder zusammenflickt und eine Stadtreinigung, die Tags drauf den ganzen Dreck wegmacht, natürlich gern genommen werden.)
Dienstag, 30. Dezember 2025
2025 - abgehakt
So denn, liebe Lesys und Lesende, das Jahr wäre fast geschafft und es ist an der Zeit für den kleinen bloginternen Rückblick. Mit dem ganz großen Rad, von wegen, was für ein verrücktes Jahr das doch wieder gewesen und wie schnell das wieder vorbei gewesen sei, habe ich normalerweise nichts am Hut. Aufmerksamen Dauergästen wir aber eventuell nicht entgangen sein, dass es im Laufe dieses Jahres drei größere Änderungen gab:
Mittwoch, 24. Dezember 2025
Jenseits der Blogroll - 12/2025
Es ist, werte Lesende, eine Art Tradition geworden, dass die letzte Linksammlung des Jahres tagsüber am Heiligabend erscheint, quasi um die Weihnachtsfeierlichkeiten einzuläuten. Und auch heuer lege ich mir keine Beschränkungen auf a'la "Puh, ist das nicht ein wenig viel?", sondern haue gnadenlos alles raus. Es muss ja niemand alles anklicken. Alles kann, nichts muss. Bevor wir in medias res schreiten, möchte ich es aber nicht versäumen zu erwähnen, wie sehr es mich freut, dass Käpt'n Kurbjuhn, Nordhesse in Berlin vom Dienst, wieder auf Brücke ist. Und, Obacht, inzwischen ist er sogar bewaffnet (in Berlin vielleicht keine grundsätzlich schlechte Idee). Wehe also dem unglückseligen Köchlein, das es in Zukunft wagen sollte, inferiores Essen aufzutischen.
Sonntag, 21. Dezember 2025
Vermischtes und Zeugs (CXXXIV)
In Kochrezepten ist gelegentlich zu lesen "Saft von 1 Bio-Zitrone". Was soll das? Ist es nicht meine Entscheidung, ob ich Bio-Zitronen verwende oder nicht? Dass man, wenn man Zitronenschale benötigt, besser zu unbehandelter Bio-Ware greifen sollte, ist natürlich sinnvoll. Aber, frage ich mich, was passiert, wenn man nicht den Saft einer Bio-Zitrone verwendet, sondern einer popligen Normalozitrone? Etwa weil man gerade keine zur Hand hat. Schlimme Dinge? Fällt eine Finsternis über die Welt? Göttliche Plagen? Wird Alice Weidel Kanzlerin?
Donnerstag, 18. Dezember 2025
Zum Bund?
Natürlich ist dem Kollegen Sasse recht zu geben, wenn er sagt, Schulen würden mit Gründen den Teufel tun, Kindern und Jugendlichen frei zu geben, um gegen die Wehrpflicht zu demonstrieren und auch keine elterlichen Entschuldigungen deswegen zu akzeptieren. Natürlich kann man einwenden, es gönge schließlich um ein ehrenwertes, edles Ziel. Aber das nehmen im Zweifel alle für sich in Anspruch. Was, wenn irgendwo eine Mehrheit der Schüler:innenschaft einer Schule gegen 'unkontrollierte Massenmigration' demonstrieren will und dafür frei haben will?
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