Mittwoch, 27. August 2025

Jenseits der Blogroll - 08/2025


Der Monat ist fast schon wieder rum und die Bigotterie von Teilen der politischen Klasse schraubt sich in ungeahnte Höhen, besonders zu motivieren scheint da der Abgang Robert Habecks von der parlamentarischen Bühne. Jetzt will ausgerechnet die Union einen Untersuchungsausschuss einberufen, weil Habeck angeblich Milliarden veruntreut haben soll. Für eine Partei, die einem Jens Spahn immer noch einen weiteren Spitzenjob zuschanzt, schon eine reife Leistung. Und empört im Stile der pikierten Höheren Tochter wird sich über zwei im Ton vielleicht unfeine, aber inhaltlich völlig korrekte Sätze über Julia Klöckner und Markus Söder. Nein, so was aber auch! Wie kann er nur? Nachdem man sich in dreieinhalb Jahren Ampel für keine Verbalinjurie in Richtung Grün zu schade war. Conservatives doing conservative things halt. 

Montag, 25. August 2025

Vermischtes und Zeugs (CXXII)


Große Überraschung: Wenn man ein Gesetz macht, das ganz gewiss lieb gemeint ist und dem sicher ein irre positives Menschenbild zugrundeliegt, das aber leider auch dem Missbrauch Tür und Tor sperrangelweit öffnet, man jegliche diesbezüglichen Bedenken wegwischt mit Quatschargumenten wie: "Also bitte, wer würde SO WAS bitteschön JEMALS tun???", weil Menschen ja grundsätzlich gut sind und niemals böse Absichten hegen, erst recht nicht, wenn sie einer diskriminierten Community angehören -- dann darf man sich nicht wundern, wenn welche einfach die Spielräume nutzen, die das Gesetz ihnen bietet, unabhängig davon, wie gut gemeint es sein und wie doof man das finden mag. Nichts anderes bedeutet Rechtsstaat. 

Samstag, 23. August 2025

Auf Reisen (15)


Es gibt da in einem der Nachbarländer diese Provinzstadt, ich komme gerade nicht auf den Namen. Fängt mit P an. Irgendwann im Frühjahr hatte ich das untrügliche Gefühl, da unbedingt endlich mal hin zu müssen. Bei meinen bisherigen Frankreichurlauben zu Jugendzeiten habe ich auf der Durchreise vom Boulevard périphérique aus immer nur Eiffelturm und Sacré Cœur im Dunst liegen sehen. Dann sind zwei Freunde in den Neunzigern mal zum Frühstück dahin gefahren. Eigentlich wollten wir zu dritt fahren, Dummerweise lag ich ausgerechnet an dem Tag mit Magen-Darm flach. Ah ja, jetzt weiß ich's wieder: Paris! 

Montag, 18. August 2025

Mühen der Ebenen


Eine Ursache für viele derzeitige Probleme ist gewiss die durch 'soziale' Medien beschleunigte Polarisierung des politischen Diskurses. Es scheint nur mehr Schwarz und Weiß zu geben, dazwischen nichts mehr. Wer leise Zweifel an einem Genozid in Gaza anmeldet, befürwortet Massenmord, und wer es für eine kluge Idee hält, die Bundeswehr zumindest zu befähigen, im Rahmen der NATO eine halbwegs überzeugende militärische Abschreckung darzustellen, ist ein Kriegstreiber, der sich an der Vorstellung berauscht, dass deutsche Panzer demnächst wieder bis Moskau durchrollen. 

Samstag, 16. August 2025

Generationenquark


Ich finde ja, wenn das mit Demokratie und Marktwirtschaft überhaupt noch einen Sinn haben soll, dann den, dass jeder Mensch die Freiheit haben sollte, über seinen persönlichen Krimskrams innerhalb geltender Gesetze verdammt noch mal selbst zu entscheiden. Es ist meine Sache, ob und wohin ich etwa in Urlaub fahre und wofür ich meine sauer verdienten Penunzen sonst so ausgebe. Selbstverständlich gehört dazu auch die Freiheit, eigene Prioritäten zu setzen. Etwa zu entscheiden, wie viel ich arbeite. Also etwa zu sagen: Mein Verdienst ist zum Glück so gut, dass ich problemlos auch Teilzeit arbeiten kann, ohne groß auf was verzichten zu müssen und trotzdem finanziell alles gestemmt bekomme. That's freedom. 

Mittwoch, 13. August 2025

Vermischtes und Zeugs (CXXI)


Der Sportartikelhersteller Adidas hat jetzt eine Sandale herausgebracht, die an traditionelle mexikanische Sandalen namens 'Huarachas' erinnert, und prompt ist der Teufel los. Man spricht von 'kultureller Aneignung', Mexikos Präsidentin Claudia Sheinbaum meint, es handele sich um bei den Tretern um kollektives geistiges Eigentum und verlangt von Adidas eine Entschädigung. Ohne einen internationalen Multimilliardenkonzern unötig in Schutz nehmen zu wollen, halte ich, wie bereits erwähnt, den Mumpitz mit der 'kulturellen Aneignung' für ein hirnverbranntes, kulturloses Quatschkonzept. 

Sonntag, 10. August 2025

Auf Reisen (14)


Wenn man aus dem Ruhrgebiet in eine andere Stadt reist, dann fällt nicht selten auf, wie viel sauberer es woanders ist/sein kann. Dabei gehört meine bescheidene Heimatstadt in dieser Hinsicht noch zu den besseren in der Gegend, wie ich finde. Und ja, gewiss, auch in einer Stadt wie Hamburg, wo ich die letzten Tage das Vergnügen hatte, mich aufzuhalten (weswegen es hier etwas ruhiger war), gibt es Licht und Schatten. Nur dass die helle Seite für mich bei weitem überwiegt. Zumindest in den innerstädtischen Bereichen, in denen ich mich so bewegte. Mich beschlich der Gedanke, dass an dem Spruch "Hamburg, meine Perle!" eventuell was dran ist.

Dienstag, 5. August 2025

Sommerloch: Preußen in Weltall


"Weißt du noch", so frug ich mich die Tage selbst, "als du mit Begeisterung 'Mark Brandis'-Bücher gelesen hast?" Na, wer kennt noch Mark Brandis? 31 Bände mit den Abenteuern des Raumkadetten und späteren Piloten sind zwischen 1971 und 1987 erschienen. Die Originalausgaben aus dem Herder-Verlag waren sauteuer und in der Kinder- und Jugendbücherei waren sie andauernd ausgeliehen. Die einzige Chance für einen Schuljungen mit schmalem Taschengeld war Mutterns Mitgliedschaft im Bertelsmann-Buchclub. Da wurden immerhin zehn der Romane in fünf Doppelbänden für einen halbwegs bezahlbaren Preis verlegt. Ich trug Zeitungen aus. Irgendwann war meine kleine Sammlung komplett.

Samstag, 2. August 2025

Faule Säcke!

 
Es ist immer wieder herzig, wenn CDU und CSU offenkundig nicht bemerken oder bemerken wollen, wie ihr patriarchales Familienbild ein ums andere Mal frontal kollidiert mit den Realitäten einer spätkapitalistischen Gesellschaft. Wenn wieder irgendwo die Forderung erhoben wird, wir müssten alle gefälligst mehr und länger arbeiten und später in Rente gehen, dann sollte man sich klar machen, dass, erstens, gar nicht alle in der Lage sind, mehr und länger zu arbeiten, und dass, zweitens, die Forderung nur Sinn ergibt, wenn man noch einen Nebensatz dran hängt. Er lautet: "... weil wir nichts an den gesellschaftlichen Verhältnissen ändern wollen."

Donnerstag, 31. Juli 2025

Sommerloch: Orwell revisited


1946 erschien im 'Evening Standard' George Orwells berühmter Text über das Moon Under Water. Eine Phantasiereise durch einen idealen Pub, der aber nicht existiert. Das hat mich schon vor längerer Zeit auf die Idee gebracht, das auf die hiesige Institution der Kneipe zu übertragen. Weil Orwell ein grandioser Erzähler war, habe ich gar nicht erst versucht, seinen Stil zu kopieren. Mir ist sehr wohl bewusst, dass die Verhältnisse auf den Britischen Inseln nicht unbedingt vergleichbar sind. Britische Pubs sind, wiewohl im Einzelnen verschieden, im Prinzip ziemlich homogen. Dagegen herrschen hierzulande zum Teil erhebliche regionale Unterschiede. Eine hessische Weinschänke, ein bayerisches Wirtshaus, ein rheinländisches Brauhaus, auch eine Ruhrpott-Trinkhalle -- all das sind keine Kneipen im engeren Sinne. Das bedeutet nicht, dass es dort nicht auch schön sein kann und dass es keine Schnittmengen gäbe, im Gegenteil, nur ist es eben etwas anderes.