"Zu den Plagen der Arbeit im Servicebereich gehört der Zwang, ein bestimmtes Auftreten an den Tag zu legen. Bei Burger King soll dies nun eine computergenerierte Stimme aus dem Headset überwachen. Das KI-Programm »Patty«, das nach und nach in allen Burger-King-Filialen in den USA eingeführt wird, gibt nicht nur Arbeitsanweisungen und beantwortet Fragen wie die, ob die Cola-Maschine nachgefüllt werden muss; es analysiert die Gespräche mit den Kunden. Dabei achtet es vor allem auf Signalwörter wie »bitte« und »danke« sowie auf den Tonfall der Angestellten. Der daraus errechnete »Freundlichkeits-Score« gibt dann Rückmeldung darüber, ob die Arbeit zufriedenstellend ist oder das Personal gefälligst netter zu klingen habe." (Paul Simon)
Das oben Beschriebene trifft vor allem auf die Bereiche des Dienstleistungswesens zu, die in die Finger von Risikokapitalisten, Startuppern und BWLern gefallen sind. (Bin ich der einzige, dem inzwischen jedes Mal ein Messer in der Tasche aufklappt, wenn so ein Silicon Valley-Milliardär davon faselt die Welt zu einem besseren Ort machen zu wollen?) Jenseits von fordistisch durchgetakteten systemgastronomischen Kettenbetrieben gibt es durchaus noch Inseln, etwa in gut geführten Restaurants ab dem mittleren Preissegment, in denen Servicekräfte keine dressierten, servilen Worthülsenabsonderer sind, sondern geachtete Fachkräfte, die auch keine Domestiken sind, die man herumscheucht, sondern die eigentlichen Chefs im Ring, ohne einen das merken zu lassen, versteht sich. Aber gewiss, diese Inseln werden weniger und sie werden teurer.