Mittwoch, 27. Februar 2013

Nochn Skandal


Pferdefleisch in Lasagne und Tortellini? Bio-Eier, die keine sind? Laaangweilig! Unsere amerikanischen Freunde zeigen mal wieder, wie ein ordentlicher Lebensmittelskandal geht. Der weltgrößte Brauereikonzern Anheuser-Busch hat mehrere Klagen am Hals. Die Sorten Budweiser (US), Bud Light Platinum, Bud Ice und die so genannte Premium-Marke Michelob sollen mit Wasser gestreckt sein, sodass in Bezug auf den angegebenen Alkoholgehalt ein Betrug vorliege. Die Kläger berufen sich auf Aussagen von zum Teil hochrangigen Mitarbeitern des Konzerns. Außerdem sei man der Meinung, "ein Konzern sollte seine treuen Kunden nicht belügen."

Dienstag, 26. Februar 2013

Schock! In Italien gibt es Demokraten!


Nein, diese Italiener! Wie konnten sie es nur wagen? Sie haben ihre Schicksalswahl vergeigt und statt dessen eine Chaos-Wahl hingelegt! Haben sie doch tatsächlich nicht nur den Goldman-Sachs-Berater Monti abgewählt, sondern auch noch das Land unregierbar gemacht, indem sie eine Pattsituation herbeigeführt haben. Wenn es um die Wahl in Italien geht, schlägt einem exakt jenes herablassende, paternalistische Gehabe entgegen, mit dem schon Griechenland zur Genüge überzogen wurde. Wann hat es in Europa zuletzt ein solches Maß an Verachtung für das Votum des Souveräns eines demokratischen Staates gegeben? In den Reaktionen auf die Wahl in Italien offenbart sich wieder einmal, wie weit der politisch-finanzkapitalistische Komplex sich mittlerweile entfernt hat von seinem Stimmvieh, das gerade noch gelitten ist, ihm gefälligst seine Legitimation zu verschaffen.

Sonntag, 24. Februar 2013

Cucina povera


Wir wissen natürlich nicht, ob sich Hartwig Fischer (CDU) und später auch Dirk Niebel (FDP) einen Moment lang ganz christlich, geradezu barmherzig vorgekommen sind. Nein, das wäre eine reine Unterstellung. Dennoch haben sie ihre Idee, die pferdefleischhaltigen Produkte, die jüngst aus dem Handel genommen wurden, an Bedürftige abzugeben, allem Anschein nach für eine sehr gute gehalten. Lasagne und Tortellini satt für alle! Sind wir nicht irre nett? Vermutlich kommen sie sich wirklich so vor. In Wahrheit haben sie lediglich die Jubelrhetorik jener Regierung, in der genau die politischen Kräfte sitzen, denen die beiden wiederum entstammen, endgültig und damit quasi offiziell als die Propaganda entlarvt, die sie von Anfang an war.

Samstag, 23. Februar 2013

Versuch einer Ehrenrettung


Irgendwo hieß es letztens wieder, die CD sieche vor sich hin und sei bald mausetot, abgelöst wahlweise von Dateien ohne jedwede Haptik oder der wiedererstarkenden Vinylplatte. Natürlich wird die CD in Zukunft nicht mehr die Hauptrolle im Musikgeschäft spielen, aber sie wird so wenig ganz verschwinden wie das gedruckte Buch. Dafür gibt es immer noch viel zu viele Jäger und Sammler, die ihre Musik gern in irgendeiner manifesten Form besitzen wollen. Überhaupt ist das fashionable Gegreine darüber, was für ein inferiorer Tonträger die gute, alte CD doch sei, im höchsten Maße unfair. Denn sie war und ist längst nicht so übel wie sie seit einiger Zeit geredet wird. Dass die meisten DJs dieser Welt aus immer an den Vinylscheiben festgehalten haben, steht auf einem anderen Blatt, denn das hat kulturelle und technische Gründe. Zudem mag die CD im Mainstream-Sektor vielleicht an Bedeutung verlieren, in mehr oder weniger großen Nischen des Musikmarktes scheint sie das keineswegs. So kaufen die meisten mir bekannten, metallischen und progressiven Kram hörenden Leute die Dinger nach wie vor und nutzen die Dienste des Netzes zur Erweiterung ihres musikalischen Horizonts.

Donnerstag, 21. Februar 2013

Sechs fürs Sitzenbleiben


Nein, in der Schule eine Klasse zu wiederholen, a.k.a. sitzen zu bleiben, ist keine Katastrophe. Man befindet sich als betroffener Schüler durchaus in illustrer Gesellschaft und dass eine Ehrenrunde irgendwelche Auswirkungen auf Chancen oder Nicht-Chancen im späteren Leben hätte, lässt sich nicht nachweisen. Einigen hilft es tatsächlich, ihre Lücken in neuer Umgebung und mithilfe neuer Lehrer zu stopfen. Die meisten verbessern ihre Leistungen jedoch nicht. Das Sitzenbleiben abzuschaffen, wie es jetzt die neue niedersächsische Regierung vorhat, ist daher auch keine Katastrophe. Der Aufschrei dagegen kam mit Ansage, denn in Deutschland ist es immer noch verbreitet, Lernen und Schule als im Zweifel autoritäre Veranstaltungen zu begreifen.

Dienstag, 19. Februar 2013

Doppelte Fallhöhe


Sportler, vor allem Spitzensportler gelten als Vorbilder, zu denen wir tunlichst aufschauen sollen. Wegen ihrer Disziplin, ihrer Selbstüberwindung und ihrer Härte gegen sich selbst. Wegen ihrer Ausdauer, ihrer Bessessenheit, immer wieder ein kleines Bisschen besser werden zu wollen. Noch eine Hundertstel schneller, noch eine Körpertäuschung mehr. Spitzensport hat nichts mehr zu tun mit frisch-fromm-fröhlich-freier Leibesertüchtigung. Seine Protagonisten sind zu Ikonen eines grassierenden Selbstoptimierungswahns geworden, in millionenteuren Werbespots von Sportartikelfirmen werden sie zu einer Art höherer Wesen aufgeblasen und in nicht wenigen Sportarten mit absurden Salären entlohnt. Schaut man sich die Auswüchse dieses Treibens an, kommt es einem zuweilen vor, als habe die halbe Welt beschlossen, Kaltblutpferde kultisch zu verehren. Und als ob das noch nicht schon seltsam genug wäre, reicht es vielen offenbar nicht, deren Fähigkeit zu bewundern, Bierkutschen zu ziehen oder Pflüge, nein, sie interessieren sich auch noch brennend dafür, was die Tiere so treiben, wenn sie wieder im Stall sind.

Samstag, 16. Februar 2013

Fury In The Billigburger


Keine Panik, all ihr, die ihr euch von der Lebensmittelindustrie betuppt fühlt! Man hat euch in eure günstige TK-Lasagne und eure Fixundfertig-Burger Pferdefleisch unters Rinderhack geschmuggelt und ihr findet das total eklig? Langsam. Abgesehen von kulturellen Barrieren und davon, dass es schlicht Betrug im strafrechtlichen Sinne ist, gewolftes Hottehü nicht zu deklarieren, gibt es nichts, wovor man sich ekeln müsste: Pferdefleisch stammt normalerweise nicht aus industrieller Massentierhaltung, denn Zustände wie in der Rinderzucht würden die Tiere nicht lang genug überleben. Zudem ist es fett- und cholesterinarm. Dass Pferde keine Nieren haben und dass, was andere Tiere normalerweise unter sich gehen lassen, im Fleisch anreicherten, ist ein hartnäckiges Gerücht. Pferde haben genauso Nieren wie jedes andere Säugetier auch. Im Rheinland weiß man von jeher, dass ein richtig guter Sauerbraten nicht nur Printen braucht, sondern am besten auch vom Pferd ist.

Donnerstag, 14. Februar 2013

Ideale Arbeitnehmer am Werk


Vor ein paar Jahren traf ich nach längerer Zeit einen alten Bekannten wieder, der in der Medienbranche gelandet war, genauer gesagt, beim Fernsehen. Noch genauer, bei einer Produktionsfirma in der Nähe von Köln. Irgendwann erzählte er über seine Anfänge in der Redaktion. Als er eines Morgens fragte, wo er denn hier einen Kaffee bekommen könnte, sagte man ihm, er solle doch einfach die Praktikantin losschicken, ihm einen zu holen, das gehöre zu ihrem Job. Zunächst hatte er noch Hemmungen, die junge Dame, die sich eh schon für ein Taschengeld die Hacken blutig lief, wegen einem Becher Kaffee oder einer Flasche Wasser zu bemühen, aber sie erweckte so überzeugend den Eindruck, sie täte nichts lieber als alles stehen und liegen zu lassen um ihm, dem kleinen Redaktionsassistenten sogleich zu Diensten zu sein, dass er seine Vorbehalte schnell überwand.

Montag, 11. Februar 2013

Hölle alaaf!


Nein, ich kann wirklich nicht behaupten, es schlecht getroffen zu haben. Ich kann mich nicht beklagen. Es könnte schlimmer sein. Weil ich in einer Gegend Nordrhein-Westfalens siedele, die nicht zu den so genannten Karnevalshochburgen zählt, besteht eine reelle Chance, den heutigen Tag in Ruhe verbringen zu können. Ein paar Vorkehrungen sind freilich vonnöten. Erstens: Auf keinen Fall Fernseher oder Radiogerät einschalten, denn der WDR kennt keine Gnade. Zweitens: Wenn man an einer Ausfallstraße Richtung Innenstadt wohnt und keine Garage zur Verfügung steht, sollte das Auto außer Reichweite der närrischen Ströme geparkt werden. Leider scheinen nämlich immer wieder ganz besonders ulkige Zeitgenossen Sachbeschädigung für gelebtes Witzigsein zu halten, wenn sie parkende Autos sehen. Drittens: Türen und Fenster fest geschlossen halten. Hat man sich dann noch mit einem guten Buch ausgerüstet und mit ein paar Berlinern, der mit Abstand erträglichsten Begleiterscheinung der Saison, dann steht einem geruhsamen und vor allem friedlichen Rosenmontag eigentlich nichts mehr im Wege.

Freitag, 8. Februar 2013

Die Titelverteidigerin

"Che bel' colpo, che bel' caso! / E cresciutto a tutti il naso."
(Lorenzo da Ponte, La nozze di Figaro)
"Es gibt nichts Schöneres, als wenn Selbstgerechtigkeit eins aufs Dach kriegt."
(Kenneth Tynan)
Man möchte Bildungsministerin Schavan packen und schütteln und ihr eindringlich sagen, dass wer im Loch sitzt, tunlichst aufhören sollte zu graben. Selbst wenn ihre Klage gegen den Entzug ihres Doktorgrades Erfolg hat, es wird eine Art Freispruch zweiter Klasse werden. Ihre akademischen Meriten werden immer noch einen Beigeschmack haben. Dass Frau Merkel ihrer Ministerin volles Vertrauen ausgesprochen hat, erinnert ein wenig an Pressekonferenzen vom Abstieg bedrohter Bundesligavereine. Wenn da das Präsidium verlauten lässt, man stehe voll und ganz hinter dem Trainer, dann sollte der Coach sich schon mal nach einem neuen Job umsehen. Nebenbei lässt sich an dieser Geschichte aber auch sehr schön studieren, wie unsere Eliten, vor allem die sich konservativ nennenden, es mit den von ihnen progagierten Werten und Maßstäben halten.

Mittwoch, 6. Februar 2013

El Candidate lassen bloggen


Bislang habe ich mich aus Diskussionen über SPD-Kanzlerkandidat Steinbrück weitgehend heraus gehalten. Das hat unter anderem damit zu tun, dass ich immer noch keine sonderlich differenzierte Meinung zu dem Mann habe und mir das auch nicht zu einfach machen will. Als gegeben wird man voraussetzen müssen, dass eine von ihm geführte rot-grüne Koalition im Gegensatz zur momentan am Ruder befindlichen und sich im Regieren übenden keinen wirklichen Politikwechsel mit sich brächte, somit keine echte Alternative wäre, sondern gerade mal ein kleineres Übel. Der mit viel Wohlwollen ungeschickt zu nennende Beginn seiner Kampagne tat ein Übriges, dass von dem großen Hoffnungsträger ordentlich Lack abgeblättert ist.

Sonntag, 3. Februar 2013

Eine Frage des Anstands


Zu den Grundpfeilern unserer Rechtsordnung gehört, dass es keine Frage des Einkommens sein darf, sein Recht wenn nötig vor Gericht zu erstreiten. Weil Anwalts- und Gerichtskosten teuer werden können, gibt es Prozesskostenhilfe. Das ist eine Sozialleistung, die auf Antrag gewährt wird und die es auch einkommensschwachen Menschen ermöglichen soll, ihr Recht bei Gericht durchzusetzen. Vor allem Hartz-IV Empfängern bleibt oft nur der Gang zum Sozialgericht, wenn es gilt, sich gegen Willkür der Jobcenter zur Wehr zu setzen. Der Bedarf ist offenbar groß, denn die Gerichte schieben nach wie vor massenweise unerledigte Fälle vor sich her.