Donnerstag, 20. Februar 2020

Tut nicht so überrascht!


Drecksfaschos. Jetzt hat Tobias Rathjen, einer dieser selbsternannten Abendlandsretter, in Hanau zehn Menschen getötet und sich selbst. Abgesehen davon, den trauernden Hinterbliebenen alles Mitgefühl auszusprechen, fällt einem nicht mehr viel ein, was man noch sagen könnte. Dieses inzwischen so routiniert wirkende Gedenken! Das Überraschtsein! Dabei hatte man das längst kommen sehen können, wenn man denn nur gewollt hätte. Seit dreißig Jahren, als in den neuen Ländern Nazis 'National Befreite Zonen' errichteten. Seit ungefähr zehn Jahren, als Rassismus salonfähig wurde. Seitdem die zunächst zu 'Döner-Morden' verharmloste NSU-Mordserie bekannt wurde. Halle. Lübcke. Warnzeichen gab es, massenhaft. Überraschend war da gar nichts.

Montag, 17. Februar 2020

Wahre Worte


"Wenn man sich mit Menschen über die Verteilung der Vermögen und Einkommen in Deutschland unterhält, klagen erst einmal viele darüber, wie ungerecht es in Deutschland doch zugeht. Wenn man mal etwas genauer nachfragt, kann man aber auch feststellen, dass einige Leute in Wirklichkeit gar kein Problem mit der Verteilung des Vermögens oder mit arm und reich haben, sondern dass sie in erster Linie ein Problem damit haben, dass sie auf der falschen Seite stehen. […] 140 Millionen abgegebene Lottotipps pro Woche sprechen m.E. für sich." (Ein Nutzer im SPON-Forum)

Samstag, 15. Februar 2020

Links, rechts, Hufeisen


"Die DDR und die Sowjetunion sind Schnee von vorgestern, und dabei sollte es auch bleiben. [...] Die Gräuel des Staatssozialismus des 20. Jahrhunderts sollten nicht dafür missbraucht werden, jede Kritik an den Problemen des heutigen Kapitalismus zum Verstummen zu bringen." (Kristen Ghodsee)

Groß ist ja seit dem Tag von Erfurt im bourgeoisen Preßwesen auch das Erstaunen darüber, dass die hirnlose Hufeisentheorie vielleicht doch nicht so das hammermäßige politische Universal-Welterklärungsmodell ist, so alles in allem. Wenn auch zähneknirschend muss man sich eingestehen, dass ein Bodo Ramelow, obschon Mitglied der Linken, während seiner Amtszeit nachweislich anderes im Schilde führte als Gulags und Mauern errichten, rote Fahnen hissen, Landwirtschaft kollektivieren, Staatsfeinde liquidieren, Geheimpolizeien aufbauen, Bürger in hässliche blaue Hemden zwingen oder gar, Horror of Horrors des deutschen Bildungsbürgers, das Gymnasium abzuschaffen.

Dienstag, 11. Februar 2020

Ronny des Monats - Februar 2020


Bei allem Rummel um die Ereignisse in Thüringen ist fast untergegangen, dass auch noch anderes Berichtenswertes geschehen ist in letzter Zeit. Wiewohl vermutlich nicht geplant, geriet dadurch das gerade in der Woche zuvor stattgefundene Gedenken an den 75. Jahrestag der Befreiung von Auschwitz in den Hintergrund. Was umso pikanter ist, als dass maßgebliche Teile der AfD, allen voran der Thüringische Franktionsvorsitzende, das als Teil eines angeblich krankhaften ‚Schuldkultes‘ gern zur Fußnote schrumpfen würden. Aber:

Samstag, 8. Februar 2020

Gespalten und verhöhnt


Sieben Thesen zu Thüringen

Da der ganze Qualm nun langsam sich verzieht, kann man sich vielleicht an einer nüchternen Analyse versuchen. Was genau ist da am Mittwoch in Erfurt eigentlich genau passiert? Passiert ist folgendes: CDU und FDP wollten in Thüringen um jeden Preis einen Ministerpräsidenten Ramelow verhindern, der im Land allgemein beliebt ist. Weil die eigenen Stimmen der Thüringer Knackwürste dazu nicht reichten, haben sie die AfD ins Boot geholt. Vermutlich von langer Hand geplant. Das hat allgemein zu so großer Empörung geführt, dass Union und Liberale hastig zurückruderten. Jetzt hat eine Forsa-Umfrage ergeben, dass der geniale Coup komplett nach hinten losgegangen ist. Satte Gewinne für die Linke (+ 10), leichte für SPD (+1) und Grüne (+2), Klatsche für CDU (-10) und FDP (-1, < 5%), nur plus 1 für die AfD. Ein Versuch der Einordnung in sieben Akten.

Donnerstag, 6. Februar 2020

Ein Tag mit Folgen


"Nur bleibt, auch wenn viele Leute den Vergleich mit 1933 satthaben, stehen: Die FDP hat in Thüringen den Tabubruch begangen. Das, was von demokratisch, tolerant, antifaschistisch gesinnten Menschen in Deutschland seit den Wahlen im vergangenen Jahr gefürchtet worden war, ist eingetreten." (Barbara Junge)

Es stellt sich zunehmend dringender die Frage, wieso Liberale und Konservative sich eigentlich so standhaft weigern, historische Parallelen zu erkennen, die mit Händen zu greifen sind, ja, jedem entsprechend Halbgebildeten förmlich ins Auge springen müssen? Dass es weiß Gott reicht, schon einmal einem Faschisten ins Amt geholfen zu haben, weil man fälschlicherweise glaubte, ihn locker kontrollieren, vulgo: An die Wand quetschen zu können.

Sonntag, 2. Februar 2020

Peripherie


Die auch durch mein Heimatsprengel führende Autobahn 2 trägt hier den inoffiziellen Namen 'Warschauer Allee'. Ein Teilstück davon, das zwischen dem Kreuz Oberhausen und der Ausfahrt Hamm-Uentrop nämlich, könnte man auch, analog zur 'Romantischen Straße' oder zur 'Deutschen Alpenstraße', problemlos in 'Deutsche Kohlekraftwerksstraße' umbenennen. An den Gestaden von Rhein-Herne- und Datteln-Hamm-Kanal liegt dort wie an einer Perlenschnur ein kohlegefeuerter Meiler neben dem anderen. Da denkt man sich als Hiesiger zuweilen: Wieso eigentlich das ganze Aufhebens um dieses Dattelner Kraftwerk? Darauf kommt es nun wirklich nicht mehr an. Und der Rest der Republik so: Datteln? Sind das nicht diese picksüßen Gnubbel, die man im Supermarkt bekommt?

Freitag, 31. Januar 2020

Und tschüss!


Es spricht das eine oder andere dafür, dass Historiker den heute stattfindenden 'Brexit' dereinst als Meisterstück der Demagogie einordnen werden. Weil es gelungen ist, genügend Leuten einzureden, die EU sei ein böser Moloch, der tapfere kleine Nationen am autonomen Weltreichsein hindere. Die einem Politclown die Schnurre abgekauft haben, jetzt, ohne das EU-Diktat, hätte man Abermilliarden zur Verfügung, sie für Wohltaten im eigenen Lande zu verwenden. Obwohl man sich in konservativen Kreisen längst damit brüstet, den eh schon armseligen Sozialstaatsrest jetzt so richtig zu f***en. Woraufhin sie in Schottland wohl ein neues Referendum veranstalten werden und… Was soll‘s, so ziemlich alles schon gesagt dazu. Daher:

Dienstag, 28. Januar 2020

Weiwei, SPD


Versteht einer die ganze Aufregung um Sigmar Gabriel und Thilo Sarrazin? Einem alten Bonmot zufolge, ist die SPD eine kleinbürgerliche Partei, die sich einen linken Flügel hält. Nachdem der linke Flügel, will heißen: der, der noch am ehesten sozialdemokratische Werte vertreten hat, sich weitgehend zu den Linken oder in Richtung Nichtwählerschaft verabschiedet hat, bleibt halt fast nur noch Kleinbürgertum übrig. Was unter anderem bedeutet, wenn‘s dem eigenen Fortkommen dient, auf Solidarität, auf internationale zudem, mal gepflegt zu pfeifen und sich, wenn nötig, auch mit dem Kapital ins Bett zu legen.

Sonntag, 26. Januar 2020

No crap in OB


Hui, wie die Zeit vergeht. IQ war in den frühen Neunzigern eine der Bands, die noch tapfer die Idee hochhielten, dass Rockmusik mehr sein kann als drei Minuten, drei Akkorde und Chart- oder Bikerclubtauglichkeit. Übernächstes Jahr feiern sie 40jähriges Bühnenjubiläum. Vierzig! Kommt mir fast wie vorgestern vor, dass der liebe S. mir zum Geburtstag die CD-/DVD-Box zum 20jährigen Jubiläum geschenkt hat. Gestern also in Oberhausen. Wie üblich bei Konzerten dieses Genres, ist ein gut gemischtes, recht gesetztes Publikum zwischen 16 und 75 Jahren anwesend. Das macht vieles entspannter.

Freitag, 24. Januar 2020

Grenzerfahrungen in der Konsumgesellschaft (21)


Kürzlich frühmorgens in eine nicht eben alte Jeans gestiegen und - zack! - verabschiedete der Reißverschluss sich auf finale Weise aus seinem aktiven Dienst. Ärger. Nachmittags, nach der Arbeit mal geschaut, ob ich den Beleg noch hatte. Hatte ich. Sinnvoll, in zunehmenden Alter Alteleutegewohnheiten zu entwickeln wie Kaufbelege aufzubewahren. Etwas über sechs Monate her, der Kauf. Puh. Zwar beträgt die gesetzliche Gewährleistungsdauer zwei Jahre, aber nach sechs Monaten kehrt sich die Beweislast um, weswegen es im Gespräch mit einzelnen Einzelhändlern bereits zu, sagen wir, mitunter unschönen Szenen gekommen ist.

Mittwoch, 22. Januar 2020

Jenseits der Blogroll - 01/2020


Das aktuelle Datum hat schon wieder eine Zwei als erste Ziffer. Die Links und Fundstücke des Monats:

Politik und Gesellschaft. Anlässlich jüngerer politischer Entwicklungen werden oft Parallelen zu den 1920er-Jahren gezogen. Der Zeithistoriker Martin Sabrow im Interview über schiefe Vergleiche und wieso die 'Goldenen Zwanziger' ein im Nachhinein geschaffener Mythos sind.

Sonntag, 19. Januar 2020

Schmähkritik des Tages (35)


Heute: Micky Beisenherz über das "Deppenemirat" Dubai - reloaded

"Ist Instagram der unbestritten dümmste Ort des Internets, so wird es jedes Jahr im Winter durch zahllose Posts aus ebendiesem Bling-Bling-Kalifat noch einmal eine ganze Terz trauriger. Und wenn Sie sich immer schon gefragt haben, was all diejenigen, die fürs neue iPhone oder neue Yeezies vorm Laden pennen und am Black Friday die Malls stürmen, sonst noch für Sehnsüchte haben: Et voilà. There you have it: Dubai it is. It's that time of the year! […]

Dienstag, 14. Januar 2020

Damit mal Ruhe ist


Ein regelmäßiger Leser wird nicht müde, den unter dem Pseudonym ('Künstlername' möcht' man's nicht nennen) 'Chris Tall' arbeitenden Witzeknubbel Christopher Nast für einen 'Ronny des Monats' zu nominieren. Ich habe das immer vor mir hergeschoben. Sich an ihm abzuarbeiten, ist nämlich nicht ganz einfach. Ich komme mir dabei ein wenig vor wie ein peinlicher Vater, der seiner pubertierenden Tochter erklären muss, wieso es jetzt keine so gute Idee ist, im Bikini durch die Altstadt von Marrakesch zu laufen. Oder sich spießig die Ohren zuhält angesichts von 'Krachmusik'. So möchte man eigentlich nicht sein bzw. wollte es nie werden. Außerdem ist der Kerl mir dafür einfach zu egal.

Samstag, 11. Januar 2020

Ronny des Monats - Januar 2020


Wir leben in Zeiten, in denen ein brennender Einkaufswagen eines Betrunkenen und eine anschließende, gewaltsame Auseinandersetzung mit der Polizei in gewissen, nicht einmal zwingend rechten Kreisen aufgebauscht werden zu Linksterrorismus, Morddrohungen gegen Bürgermeister oder einen Polizeipräsidenten, der sich kritisch gegen die AfD geäußert hat, in denselben Kreisen gerade mal ein Schulterzucken hervorrufen. In denen es als Nazimethoden denunziert und als Gefahr für die Meinungsfreiheit hochgejazzt wird, wenn ein paar Studenten gegen die Vorlesung eines Professors protestieren, der mal die AfD mitgegründet hat, anderen ihre Meinungsfreiheit per MG abgewöhnt werden soll.

Dienstag, 7. Januar 2020

Bonlose Anarchie


Deutschland gilt ja vielen nicht nur, und das nicht zu unrecht, als Land der Unentspannten, sondern auch als das der Blockwarte und der Denunzianten. Vornehmlich, so will es das Klischee, sind es Rentner, die den ganzen Tag hinter der Gardine hängen, wo sie darauf lauern, dass einer seinen Wagen einen Millimeter falsch parkt. Um dann zum Telefon zu greifen und die Behörden zu alarmieren. Und da sie meist viel Tagesfreizeit haben, schrecken sie auch vor langwierigen Briefwechseln mit diversen Behörden nicht zurück. Ein vergleichsweise billiges Hobby.

Samstag, 4. Januar 2020

Lektüre zwischen den Jahren


So, paar Tage frei gehabt. Und sogar Muße, ein wenig Belletristisches einzupflegen. Wen es interessiert:

Adel ohne Kitsch

So genannte historische Romane sind normalerweise grottenöde, wenn die Zeit, in der sie spielen, bloße Kulisse ist. Schwer zu verdrängen für mich Marion Zimmer Bradleys 'Die Feuer von Troja'. Im Prinzip bloß eine phrasenstrotzende amerikanische Soap Opera in Sandalen und langem Rauschegewand. Weit geschickter stellte sich Umberto Eco an in seinem Erstling 'Der Name der Rose'. Der Bologneser Professor legte sich zusätzlich zu der Aufgabe, eine spannende Geschichte zu erzählen, die Hürde in den Weg, das nach bestem Wissen aus der Perspektive eines damaligen Menschen zu tun, nämlich dem Ich-Erzähler Adson von Melk. Das erschloss sich zwar schwerer, brachte einen als Leser aber weiter.

Donnerstag, 2. Januar 2020

Zwanziger


Nun, da der unangefochtene König der satirischen Jahresrückblicke wegen umfangreicher 'Black Mirror'-Verpflichtungen wohl endgültig keinen Jahresrückblick mehr produzieren wird, derjenige der 'heute-Show' schon vor Weihnachten über die Flatscreens gegangen ist, ich Dieter Nuhr weder witzig noch satirisch finde, Dietmar Wischmeyer seinen Jahresrückblick bereits im April erledigt hat und beim einzig verlinkenswerten, dem von Urban Priol nämlich, man mir zuvorgekommen ist --