Dienstag, 19. März 2019

$tudio$i


Jetzt haben die doch tatsächlich herausbekommen, was niemand für möglich halten konnte: Dass Reiche und Prominente ihre eher durchschnittlich begabten Sprösslinge mittels großzügiger Spenden an US-Privatunis quasi auf der Überholspur dort hinein und da durch bugsiert haben sollen nämlich. Das hat mein Weltbild schon ein wenig ins Wanken gebracht. Ich meine, wir leben doch in einer Leistungsgesellschaft, oder? Ist es etwa nicht so, dass Reiche aus purer Menschenliebe heraus spenden ohne eine Gegenleistung dafür zu erwarten? Und wer würde schon auf die absurde Idee verfallen, private Universitäten seien irgendwie empfänglich für finanzielle Zuwendungen?

Samstag, 16. März 2019

Schmähkritik des Tages (26)


Heute: Magnus Klaue über Bernhard Schlinks 'Der Vorleser'

"1995, acht Jahre nach seinem Krimidebüt und sechs Jahre nach dem Mauerfall, sah Schlink die Zeit für seinen genozidalen Pageturner gekommen, dessen Protagonistin nach Beteiligung an Holocaust und Wiederaufbau noch über genügend Restlibido verfügt, um den weitaus jüngeren Ich-Erzähler, dessen erste Liebhaberin sie ist, nach der wöchentlichen Kernseifenwaschung erschöpfend und moralisch einwandfrei zu befriedigen. Sadistische Gutmütigkeit, sentimentale Herzenskälte, viehischer Anstand und bodenständige Sexualhygiene des Romans wie seiner Heldin sicherten diesem einen Spitzenplatz auf den Leselisten von Oberstufenklassen, VHS-Kursen und DaF-Seminaren. Effizient bei der Beihilfe zum Massenmord, aber im Einzelfall kulant, lebenslustig anpackend bei der Juden- wie der Trümmerbeseitigung und mit einem Herz für Unterprivilegierte, avancierte Schlinks […] Selbst-ist-die-Frau, die sich vom Goebbels- zum Primo-Levi-Fan mausert, zum Idol einer Generation aufarbeitungsgeschädigter Sozialkundelehrer, die Schlink fast noch mutiger fanden als Gudrun Pausewang.

Donnerstag, 14. März 2019

Re: FCB vs. LFC


Natürlich ist der FC Bayern München nicht an allem schuld. Aber an vielem. An dem Bild nämlich, das die Bundesliga und der hiesige Fußball zur Zeit abgeben, lässt sich schön studieren, was passiert, wenn man Wettbewerb so gar nicht reguliert: Der Teufel scheißt auf den dicksten Haufen. Die letzten Jahre über hat der FC Bayern seine dominierende Stellung in der Liga genutzt, Wettbewerb systematisch zu behindern und Konkurrenz um den abonnierten Titel nach Möglichkeit gar nicht erst aufkommen zu lassen (und ist damit zum Karrieregrab für zahlreiche junge Talente geworden). Jegliche Kritik daran wurde damit abgebügelt, man sei halt erfolgreich, habe gut gewirtschaftet und das dürfe ja wohl nicht bestraft werden.

Dienstag, 12. März 2019

Gebt ihnen halt Globuli


Warum redet eigentlich alles immer nur über streikende Schüler? Warum reden wir nicht mal darüber, in welchem Maße der Staat, i.e. die Bundesländer Kindern und Jugendlichen ihr Recht auf Beschultwerden vorenthalten? (Zur Erinnerung: Aus der Schulpflicht resultiert umgekehrt ein Recht auf Schule.) Abertausende Stunden fallen aus, weil Lehrerstellen nicht besetzt werden können, nicht einmal mit Fachfremden und Quereinsteigern. Neuester Ausfallgrund: Impfgegner. Kein Witz. In Teilen Niedersachsens haben die Masernfälle derart zugenommen, dass eine Schule in Hildesheim alle Kinder, Jugendlichen und Erwachsenen, die keine gültige Masernimpfung vorweisen können, zwei Wochen lang vom Schulbetrieb ausgeschlossen hat.

Sonntag, 10. März 2019

Ronny des Monats - März 2019


Seit der letzten Verleihung ist so einiges passiert. Etwa der quasi offizielle Beweis, dass die AfD schlimmer röche als eine Biogasanlage, wenn Eigenlob stinken würde. Oder der 58jährige Münchner, der einem widerborstigen Taxifahrer mal die Meinung geigte. Oder was da aus der Schweiz zu vernehmen war. Die ist ja für nicht wenige Rechtsdrehende so was wie ein Musterland. Direkte Demokratie! Roger Köppel! Braune Kühe! Und jetzt das! Ein Schweizer Pressegrossist hat, so ist zu hören, die Zeitung 'Junge Freiheit' aus dem Sortiment von vier Filialen gelistet - und bei der NZZ reiben sie sich die Augen. Schockschwerenot! Zensur! Säuberungsaktion! Wann brennen die Bücher? Sind die Deutschen am Ende toleranter? Fragen über Fragen. Es sind also wieder einige heiße Kandidaten leer ausgegangen.

Donnerstag, 7. März 2019

Bullerei und Elfenstaub


Den Erinnerungen Vincent Klinks zufolge, musste ein Koch, der es zum Küchenchef bringen wollte, früher vor allem über drei Dinge verfügen: Trinkfestigkeit, die Fähigkeit, endlos über Fußball zu reden sowie einen unerschöpflichen Vorrat an Weibergeschichten. Wobei es bei letzteren egal gewesen sei, ob sie sich wirklich zugetragen hatten. Dazu in jedem Fall eine infernalisch laute Kasernenhofstimme. Halbwegs kochen zu können, so Klink, rangierte damals an vierter Stelle. Höchstens.

Montag, 4. März 2019

Närrisches Rollback


Der größte Vorteil, nicht in einer so genannten Karnevalshochburg zu leben, ist, dass man die Wahl hat. Derweil das närrische Volk sich draußen das Schietwetter schönsäuft, kann man sich kuschelig einigeln, sich ein paar Berliner reinpfeifen und den lieben Gott ansonsten einen guten Mann sein lassen. Man muss auch sonst keinen Aufwand betreiben wie seinerzeit mein Biolehrer. Der war Kölner mit Leib und Seele und liebte seine Heimatstadt von Herzen, gehörte aber zu jener Minderheit, der das närrische Treiben gewaltig auf den Docht ging. Also reisten er und seine Frau alljährlich für fünf Tage in eine humorlosere Gegend und kehrten erst Aschermittwoch wieder zurück.

Samstag, 2. März 2019

Unverhofftes Wiedersehen


Bis vor etwa zehn Jahren gab es in der von mir bewohnten Randständigen Mittelgroßen Ruhrgebietsstadt eine wunderbare Gaststätte, deren Inhaber einige Jahre lang das Kunststück hinbekommen hat, auf dem schmalen Grat zwischen Kneipe und Bar entlangzubalancieren. Vorne eine Kneipe mit einem Publikum, das nicht wirklich meins war. Zu alt, zu viele Goldknöpfe auf den Navyblazern. Hinten aber gab es ein Kaminzimmer. Klimatisiert. Dort saß man in tiefen englischen Ledersofas und ließ sichs gutgehen. Kein Laden, in den man ein Date ausführt, wie die jungen Leute das heute sagen, sondern einer, in dem man im Kreise guter Freunde die Woche Revue passieren lässt und das Weltgeschehen verhandelt. Gratis Salzstangen waren übrigens inbegriffen.

Donnerstag, 28. Februar 2019

Neues vom Kapitalismus (2)


Immer wieder herzig (oder steckt da am Ende Methode hinter?), wenn entsprechend Gestrickte auf den Trichter kommen, dass hart arbeiten doch nicht automatisch zu Wohlstand und einem properen Leben führt, sondern einen durchaus auch in einem Leben in Armut halten kann. Dabei ist das eigentlich längst bekannt. So hat zum Beispiel Barbara Ehrenreich in einer Wallraff-mäßigen Aktion schon vor knapp 20 Jahren enthüllt, was es bedeutet, in den U.S. of A. mit so genannten Dienstleistungsjobs durchschlagen zu müssen. Und sie war weiß Gott nicht die einzige.

Sonntag, 24. Februar 2019

Jenseits der Blogroll - 02/2019


Die letzte Woche des Monats ist wieder einmal angebrochen und damit auch die Zeit für die Netzfundstücke. Für alle, die nicht vor haben, sich in der nächsten Woche im Karneval die Kante zu geben, sondern lieber Lesestoff konsumieren wollen. Aber nicht nur für die, versteht sich.

Samstag, 23. Februar 2019

Geframt geschwurbelt


Die Sprachwissenschaftlerlin Elisabeth Wehling, die uns seit der Wahl Donald Trumps zum POTUS unermüdlich das Phänomen des Framing erklärt, ist Absolventin der University Of California, Berkeley. Sie betreibt das International Berkeley Framing Institute, das 2017 von der ARD beauftragt worden ist, einen Leitfaden zu entwickeln, wie diese linguistische Allzweckwaffe eingesetzt werden kann im Kampf gegen marktradikale Heuschreckenmedien. An sich eine charmante Idee, denn eine Kommunikationstechnik, mit deren Hilfe sich einer wie Donald Trump zum US-Präsidenten und eine Partei wie die AfD zur ernstzunehmenden politischen Größe pimpen lässt, kann nicht völlig unpfiffig sein.

Mittwoch, 20. Februar 2019

Von 'bösen' Onkeln und Vertrauenspersonen


Ein Schwank aus meiner Jugend, an den ich in letzter Zeit öfter denken muss

Im Sexualkundeunterricht, den wir in den Siebzigern immerhin bereits bekamen, wurde uns unter anderem beigebracht, dass es da draußen ganz bestimmte 'nette Onkel' gibt. In Wahrheit seien das aber 'böse Onkel', weil sie uns auflauerten, uns entweder mit Gewalt, meist jedoch mit Nettigkeit mit zu sich holten, um sich dann geschlechtlich an uns zu vergehen und uns schlimme Schmerzen zuzufügen (wie genau, verriet man uns natürlich nicht, es musste reichen zu wissen, dass so einer einem weh tun wollte). Daher sollten wir nie, niemals mit Fremden mitgehen. Nun ist dagegen, Kindern diesen Ratschlag einzuschärfen ja weiß Gott nichts einzuwenden, im Gegenteil. Nur erschienen diese 'netten Onkel' ausschließlich als namenlose, sadistisch veranlagte Perverslinge, die von außen in die heile Welt von uns Kindern einbrachen.

Sonntag, 17. Februar 2019

Wortspielhölle, revisited


Hier in der Gegend wird gerade ein katholischer Kindergarten zwecks Sanierung entkernt. Und nicht einmal hier entkommst du ihr, der allgegenwärtigen Wortspielhölle...

Freitag, 15. Februar 2019

Schmähkritik des Tages (25)


Heute: Jürgen Roth über Frankfurt und die Herrschaft der Asozialcharaktere

"Neulich bin ich durch die sogenannte neue Frankfurter Altstadt spaziert. Man muss es diesem vom feixenden Weltgeist ersonnenen Deppenort lassen: Eine derart verlogen historistische, lächerliche architektonische Aufführung, die zudem all jene Knete verschlungen hat, die für sozialen Wohnungsbau angeblich nicht zur Verfügung steht, bringt nicht mal das dummheitsgestählte Berlin mit seinem Halunkenschloss zuwege. Kein Zweifel: Der von der EU verliehene Spezialpreis 'Europäischer Stadtidiot des Jahrtausends' wird Frankfurt nimmer abzuknöpfen sein.

Dienstag, 12. Februar 2019

Bildet Clans!


"Ja, mach nur einen Plan! / Sei nur ein großes Licht!
Und mach dann noch’nen zweiten Plan / Gehn tun sie beide nicht." 

(Bertolt Brecht)

Alles immer planen zu wollen geht gern mal schief. Ist dem Stiefvater eines guten Freundes passiert. Der hatte das Leben in der Zukunft auf die Spitze getrieben: Sich nie was gegönnt, immer alles gespart. Für später. Wenn wir in Rente sind, sagte er immer zu seiner Frau, dann machen wir es uns schön. Das sah in der Praxis so aus, dass er ein Jahr nach erfolgtem Renteneintritt eine Gehirnblutung erlitt und noch ein halbes Jahr im Koma lag, bevor man ihn für austherapiert erklärte. Feine Idee. Ein Extremfall, gewiss. Aber auch eine Warnung, das Hier und Jetzt nicht zu vergessen.

Sonntag, 10. Februar 2019

Ronny des Monats - Februar 2019


Wieder einmal ziert eine 10 den Tageskalender, was bedeutet: Es werden wieder Ronnys vergeben. Überflüssig zu sagen, dass sich wieder viele mit schönen Einzelleitungen beworben haben, obwohl leider nur 5 Preise plus ein Ehrenpreis zu vergeben sind. Zum Beispiel der seines Jobs verlustig gegangene 'Volkslehrer' Nikolai Nerling aus Berlin, der jetzt, da er mehr Tagesfreizeit hat, offenbar KZ-Gedenkstätten unsicher macht. Oder die Berufsempörte und Broder-Herzerin Alice Weidel, die mit ihrem beleidigten Tweet über die Ansprache von Charlotte Knobloch im Bayerischen Landtag anlässlich des 27. Januar ihr ganzes Können gezeigt hat.

Aber auch woanders war schwer was los am 27. In Dortmund zum Beispiel. Die Top 5:

Donnerstag, 7. Februar 2019

Mach gut, Rudi!


Im Ruhrgebiet wird Fußball deutlich emotionaler gelebt als anderswo. Und nirgends im Ruhrgebiet wird er so emotional gelebt wie beim FC Schalke 04. Nirgends wurde und wird Tradition so gepflegt wie in Gelsenkirchen, nirgends flossen bei Hauptversammlungen mehr Tränen der Rührung, nirgends wurde mehr Bohei um 'verdiente Mitglieder' gemacht als auf Schalke. Gerüchten zufolge gab es 'verdiente Mitglieder' im Rentenalter, die dafür, dass sie ein, zwei Mal im Monat Besuchergruppen 'ma dat Paakstadion zeichten' und sie ein wenig herumführten, pauschal ein paar tausend DM bekamen. Monatlich. Bar auf die Hand, versteht sich. (Wer überdies das alte Parkstadion kennt, weiß, dass man schon ein äußerst glühender Anhänger des FC Herne West sein musste, um die zugige Schüssel ernsthaft schön oder gar spektakulär zu finden.) Eine dieser Geschichten nach dem Motto: Wenn‘s nicht stimmt, ist es wenigstens gut erfunden. Es passte jedenfalls ins Bild. 

Dienstag, 5. Februar 2019

Alles esoterischer Quark? - revisited


Taugt das was? Eindeutig JEIN!

Ein Gastbeitrag von Gerhard Keller

Momentan ist es mir aus gesundheitlichen Gründen nicht möglich, Sport zu treiben. Lust auf Gewichtszunahme habe ich aber keine. Daher habe ich gut zwei Wochen beschlossen, einen Selbstversuch mit Aphagie zu unternehmen, auch als 'Intervallfasten' bekannt.

Samstag, 2. Februar 2019

The longer read: Generation Greta


Aufräumen und Rebellieren

Leute, die ihrer Umwelt aggressiver Weise und mit seligem Grinsen unter die Nase reiben, wie irresuper strukturiert sie ihr Leben im Griff, vielleicht gar ein Geschäftsmodell daraus gemacht haben, kann ich von jeher nicht ab. Triggern mich. Ich suche dann das Haar in der Suppe. Jeder hat schließlich seine Leichen im Keller. So strahlt die Aufräum- und Entrümpelgöttin Marie Kondo eine derartige Perfektion aus, dass man glaubt, so ihr jemals überhaupt mal ein Furz entwiche, dann röche der wahrscheinlich nach Chanel No. 5. Gelegentlich ertappe ich mich dabei, mir unter sparkendem joy vorzustellen, wie Frau Kondo am späten Vormittag mit vollgekotzter, derangierter Garderobe und mächtigem Kater in einer komplett zugemüllten Bude aufwacht und nicht dagegen ankämpfen kann, es auf eine perverse Weise irgendwie geil zu finden. Ich kann nicht anders. Bin doch auch nur ein Mensch!

Donnerstag, 31. Januar 2019

Palim, palim!


Erstaunlich, über was man alles so stolpert (besten Dank, Herr Laschyk!). Schon 1995 spielte Dieter 'Didi' Hallervorden die Rolle eines gewissen Alois Moosbrecher von einer gewissen 'Arbeitsgemeinschaft Freunde der Diktatur', kurz AFD. Prophetisch? Keine Ahnung, glaube nicht an Hokuspokus. Aber definitiv scharf beobachtet, obwohl damals, so meine Erinnerung mich nicht trügt, noch niemand außerhalb von Fachkreisen der Kommunikations- und Sprachwissenschaft andauernd von Framing faselte. 

Dienstag, 29. Januar 2019

Volks-Narreteyen


"Früher war sogar die Zukunft besser!" (Karl Valentin)

Karneval naht, die Narren drehen wieder durch. So bekommt jetzt der 'Volks Rock'n'-Roller' Andreas Gabalier den diesjährigen Karl-Valentin-Orden der Münchner Faschingsgesellschaft Narrhalla umgehängt. Günter Malescha, Vizepräsident des Vereins, wird mit den Worten zitiert, man könne den Musiker keinesfalls einfach in die rechte Ecke stellen und ihm Homophobie oder Frauenfeindlichkeit vorwerfen. Gerade bei seinen Konzerten würden ihn ja auch überwiegend weibliche Fans feiern. Na sicher, und ich habe auch nichts gegen Frauen, da meine Mutter schließlich eine Frau ist. Und Homophobie? Ach Gottchen!

Sonntag, 27. Januar 2019

27. Januar


"Es ist geschehen und folglich kann es wieder geschehen." (Primo Levi)

Ein paar dritte Programme, NDR, WDR und SWR, werden zur Zeit heftig, für meinen Geschmack ein wenig zu heftig, dafür gefeiert, vor einigen Wochen Marvin J. Chomskys vierteilige Serie 'Holocaust' von 1978 wiederholt zu haben. Es mag in Zeiten von Streaming und Mediatheken müßig erscheinen, erschließt sich aber dennoch nicht, wieso man das nicht bundesweit am heutigen 27. Januar sendet. Ist vielleicht zu viel verlangt. Vermutlich genau so, wie das länger als eine popelige Woche in den Mediatheken verfügbar zu halten. Die Reaktionen auf die Erstausstrahlung indes wirken heute, 40 Jahre später, fremd und vertraut gleichermaßen. Mitbekommen habe ich das damals nicht wirklich. Ich ward mit meinen 9 Lenzen für zu jung befunden, das anzusehen.

Donnerstag, 24. Januar 2019

Jenseits der Blogroll - 01/2019


Politik. Für mich der Blogbeitrag des Monats in Sachen Politik ist Stefan Sasses Serie über die Gründe, aus denen Hillary Clinton 2016 gegen Donald Trump unterlegen ist. Gewohnt detailliert, kenntnisreich und in der Tiefe schürfend. Wer verstehen will, ist gut beraten, sich das in Ruhe anzutun. Nur so viel: Die meisten journalistischen Analysen im deutschsprachigen Raum haben bislang zu kurz gegriffen und/oder waren reichlich oberflächlich.

Dienstag, 22. Januar 2019

Alles esoterischer Quark?


Ein Gastbeitrag von Gerhard Keller

Fasten? Anti Aging? Nahrungsverzicht? Entschlackungskur? Alles esoterischer Quark? Autophagie? Zellrecycling? Kannte ich bisher überhaupt nicht. Nie gehört. Erst in den letzten Jahrzehnten hat die Wissenschaft das Fasten aus der eher esoterischen Ecke in seröse schulmedizinische Forschung überführt. Der Zellbiologe Yoshinori Ōsumi hat im Jahr 2016 den Medizin-Nobelpreis für die Erforschung der Wirkung der Aphagie auf den menschlichen Organismus bekommen. Geehrt wird seine Arbeit zu Abbauprozessen in Zellen. Warum sind die so wichtig?

Samstag, 19. Januar 2019

Ohne Seife


2005 machte Harald Schmidt den Begriff 'Unterschichtenfernsehen' populär. Hier lag der große Entertainer mal falsch, denn eigentlich hätte es Mittelschichtsfernsehen heißen müssen. Die diversen Trash-Formate, die mit den Terminus vom Unterschichtenfernsehen gemeint waren, richten sich nach meinem Dafürhalten nämlich weniger an die so genannte Unterschicht, sondern primär an die Mittelschicht. Die soll sich das wohligen Schauers ansehen, sich dabei selbstzufrieden über den Lullu streichen und sich trösten: Tss, tss, tss, da sieht man‘s mal. Zustände wie im alten Rom! Jaja, das kommt davon, wenn man sich morgens nicht aus dem Bett wuchtet zwecks HarterarbeitTM. Wie gut, dass unsereins da gaaanz anders ist!

Donnerstag, 17. Januar 2019

Altwerden - eine Zwischenbilanz


"Reif ist, wer auf sich selbst nicht mehr hereinfällt." (Heimito von Doderer)

Für eitle Bauchpinselei sollte hier normalerweise kein Platz sein, aber aus aktuellem Anlass erlaube ich mir eine Ausnahme. Eine kleine Zwischenbilanz des bisherigen Alterungsprozesses. In bewährter The Good – The Bad – The Ugly-Manier.

Sonntag, 13. Januar 2019

Die Pflicht zu twittern


Wie es so um den freien Willen bestellt ist bzw. um die freie Wahl, die wir ja im Kapitalismus alle genießen, wurde mir vor einiger Zeit mal an einer kleinen Episode deutlich: Wie viele nutze ich die Software WhatsApp. Als die Firma eines Tages von Facebook aufgekauft wurde, beschlossen mein guter Freund P. (der mit Facebook ebensowenig am Hut zu haben begehrt wie ich) und ich: Schluss damit, es gibt doch Alternativen. Threema zum Beispiel. Als ich Freunden und Bekannten davon erzählte, winkten bis auf zwei alle ab. Och nööö, viiiel zu umständlich! Zudem hatte eine Freundin damals ein Windows-Phone, auf dem das nicht lief. Auf meinen Einwand mit der Datensicherheit bekam ich die Antwort, man habe schließlich nichts zu verbergen und sei doch überhaupt so ein kleines einzelnes Licht, dessen Daten eh nicht auffielen.

Donnerstag, 10. Januar 2019

Ronny des Monats - Januar 2019


Weil Ronny und Konsorten anscheindend gut ins neue Jahr gekommen sind, wird es auch in diesem Jahr selbstverständlich wieder Ronny-Verleihungen geben. Nicht dass sich noch jemand zu früh freut. Obwohl natürlich wieder einiges hintenüber fallen musste, es aber zu den Top 5 jeweils schon genug anzumerken gibt, geht es dieses Mal auch ohne große Vorrede zur Sache.

Die 5 Preisträger des Monats Januar:

Dienstag, 8. Januar 2019

Die Saat geht auf


Frank Magnitz, Bundestagsabgeordneter und Chef der Bremer AfD, ist bekanntlich am Montagabend in Bremen von drei Unbekannten attackiert und  so schwer verletzt worden, dass er bewusstlos ins Krankenhaus eingeliefert wurde, wo er sich noch befindet. Widerlich. Auch als Linker macht man sich nicht gemein mit so was. Es ist so selbstverständlich, dass es einem fast überflüssig erscheint, das eigens zu erwähnen: Jenseits unmittelbarer Notwehr ist körperliche Gewalt kein akzeptables Mittel der Auseinandersetzung und grundsätzlich abzulehnen. No exceptions.

Sonntag, 6. Januar 2019

Schmähkritik des Tages (24)


Heute: Christian Baron über moderne Erwerbsarbeit

"Früher musste man die Menschen in die Fabriken hineinknüppeln. Heute muss man sie aus den Betrieben und Büros herausprügeln. So sehr haben sie ihre abhängige Erwerbsarbeit als sinnstiftend, unabdingbar und naturnotwendig akzeptiert. Viele Umfragen zeigen: Selbst wenn es ein bedingungsloses Grundeinkommen gäbe, würden die meisten einer Erwerbsarbeit nachgehen wollen. Vordergründig ist also kein Zwang mehr notwendig, damit die Leute große Teile ihrer Lebenszeit einem Unternehmen übereignen.

Donnerstag, 3. Januar 2019

Fehlstart


Es gibt deutlich angenehmeres, als sich schon zu Beginn des frischen Jahres mit einem Terroranschlag zu befassen. Zu Silvester hat wieder einmal jemand sein Auto als Waffe benutzt und mehrere Menschen überfahren. Ist doch ein Terroranschlag, oder? Wenn jemand aus politischen Gründen Gewalt anwendet mit dem Ziel, Menschen zu verletzten und/oder zu töten, um so ein Klima der Unsicherheit und der Angst zu erzeugen? Habe ich das richtig verstanden? Und ein politisches bzw. ein rassistisches Motiv liegt wohl auch vor. So es sich bestätigt, der Festgenommene habe sich an jenen rächen wollen, die er als 'Ausländer' ansieht, sollte es keinen Zweifel geben daran.