Samstag, 24. August 2019

Vor der Haustür


Kinderland ist abgebrannt

Die einen oder anderen werden es mitbekommen haben: In meiner bescheidenen Heimatstadt ist ein Indoor-Spielplatz komplett ausgebrannt. Es wurde niemand verletzt oder ist sonstwie zu Schaden gekommen. In der Südhälfte der Stadt roch es den Tag über ein wenig unangenehm. Dem konnte man aber wirkungsvoll begegnen, indem man die Fenster geschlossen hielt. Und die giftigen Dämpfe? Nun gut, es wird keine Vitaminspritze gewesen sein, aber wir im Ruhrpott haben früher noch ganz anderen Schmodder inhaliert, und zwar permanent. Bei meiner Oma selig hatte man die Wahl, bei Ostwind den Dreck der benachbarten Kokerei abzubekommen, bei Südwind den der Raffinerie in Herne und im Westen lag auch auch noch einiges an Montanindustrie. Nur Nordwind war immer ein bisschen wie Weihnachten.

Mittwoch, 21. August 2019

Jenseits der Blogroll - 08/2019


Na, heute auch schon den Stand der Dinge gecheckt? Wo die 'Malizia II' sich gerade auf dem Atlantik befindet? Waren Sie auch so erleichtert zu erfahren, dass unser Greta auch nach acht Tagen immer noch nicht reihernd über der Reling hängt (oder enttäuscht, je nach Sichtweise)? Warum reden eigentlich alle nur über Greta und nicht darüber, dass Skipper Boris Herrmann, der eine extrem aufwändige und teure Randsportart betreibt und somit weithin unbekannt war, plötzlich bekannter ist als je zuvor? (Er mag ja lautere Absichten haben, aber die PR wird ihm sicher nicht unwillkommen sein.) Oder darüber, dass sich sein Kompagnon und Sponsor Pierre Casiraghi, Sohn von Caroline von Hannover (ehem. von Monaco), hauptberuflich millionenschwerer Bauunternehmer, dazu Hobbyrennfahrer, sich zum Klimaretter stilisieren kann?

Montag, 19. August 2019

From my cold, dead hands


Da lacht des Linken Herz. Bernd Riexinger (Die Linke) will die klassenlose Gesellschaft einführen, so war zu hören. Gut, vorerst nur in Regionalzügen, aber es ist immerhin ein Anfang. Dort soll nach seinen Vorstellungen die erste Klasse in Zukunft entfallen. Die geringere Sitzplatzdichte und Auslastung in der First Class seien in Zeiten überfüllter Pendlerzüge nicht mehr zeitgemäß, findet er. Nun gut, ich bin schon länger nicht mehr Bahn gefahren, aber wenn ich mich recht erinnere, beschränkt die erste Klasse in diesen Doppelstockwagen sich eh bloß auf ein paar Sitzreihen am Ende einiger Waggons. Die abzuschaffen mag im Gegenzug vielleicht ein wenig Platz schaffen, dürfte an den grundlegenden Problemen, die der ÖPNV in Deutschland seit Jahrzehnten vor sich herschiebt, aber wohl nicht viel ändern.

Samstag, 17. August 2019

Saisonauftakt und Rittersleut'


Normalerweise halte ich wenig bis gar nichts von diesen Selbsttests zum ankreuzen, deren schiere Masse mit dem Aufkommen des Internet noch einmal exponentiell gestiegen zu sein scheint. Aber keine Regel ohne Ausnahme und Anlässe wie der Saisonauftakt der Bundesliga wollen begangen werden. So ergab der Test, welcher Bundesligaverein am besten zu mir passt, folgendes:

Freitag, 16. August 2019

Woodstock yourself!


Damals in...

Am sich diese Tage zum fünfzigsten Male jährenden Woodstock-Festival lässt sich studieren, dass auch Menschen, die sich einst selbst genervt die Ohren zuhielten oder den Raum verließen, wenn Vati vom Krieg erzählte, ihrerseits in zunehmendem Alter der Folgegeneration nicht minder mit ihren jugendlichen Heldentaten auf den Nagel gehen. Woodstock, das war mal so was wie der Omaha Beach der Babyboomer-Generation, dabeigewesen zu sein ein Ritterschlag. Auch in Deutschland übrigens. Eine Krankenschwester, die ich im Zivildienst kennengelernt hatte, schwärmte einst verklärten Blickes davon, sich den ganzen Film im Nachtprogramm angeschaut zu haben. Und ein kurzzeitiger Gitarrenlehrer von mir konnte endlos über die Genialität referieren, die Alvin Lee von Ten Years After bei 'I Am Going Home' zeigte.

Mittwoch, 14. August 2019

Reiseimpressionen (10)


Deutschlands Esoterik-Vizehauptstadt

Ich schrieb‘s schon vor einigen Jahren: Der einst mondäne, als 'Meran des Nordens' gehandelte Kurort Bad Reichenhall hat ein wenig zu kämpfen, seit Kuren von den Krankenkassen nur mehr sparsam vergeben werden und die Reichen und Schönen längst andere Destinationen ansteuern zwecks Wellness. Aber man gibt nicht klein bei. So machen sie in aggressivem Salzmarketing. Nehmen Puffpreise als Eintritt für ihre Therme. Verhökern handgebrochenes 'Ur-Salz' für Apothekenpreise. Und es siedeln sich zunehmend Esoteriker und andere Scharlatane in der Stadt an. Mag Murnau am Staffelsee Deutschlands Esoterik-Hauptstadt sein, dann dürfte Reichenhall inzwischen dicht auf Platz zwei folgen.

Montag, 12. August 2019

Reiseimpressionen (9)


Quid pro quo

Kommt man auf Besuch nach Bayern und bleibt ein paar Tage, dann beschleicht einen mitunter das Gefühl, das mit Abstand drängendste Problem im Freistaat seien die traditionell horrenden Münchner Wuchermieten. Hier bei meinen Verwandten an der Grenze zu Salzburg hat vor über zehn Jahren ein Verbrauchermarkt aufgemacht. Die Halle ist so bemessen, dass man sie zwecks Nachnutzung notfalls an Airbus vermieten kann. Zwei 320er dürften sich darin locker generalüberholen lassen. Gleichzeitig. Der Laden, in dem es alles gibt und nichts, darunter als Lockangebot eine ordentliche Leberkassemmel für perverse 1,10 Euro, machte einst allen Ernstes Werbung mit dem Spruch: Wo die Welt noch in Ordnung ist.

Samstag, 10. August 2019

I love Sanifair!


Der Pestarzt, der einzig wahre Wiedergänger, hat gesprochen: Nur in Deutschland sei es möglich, meint er, Menschen fürs Pinkeln 50 Cent abzuknöpfen, ohne dass eine spontane Revolte losbräche. Als jemand, der gerade wieder urlaubsbedingt (Klimaschänder - evil, evil...) längere Zeit auf Autobahnen verbracht hat und dabei die eine oder andere Pinkelpause nötig hatte, kann ich nur sagen: Sanifair mag meinethalben eine mafiöse Ausbeuterorganisation sein (was für Monopolisten immer irgendwie zutrifft), man kann es selbstredend lästig finden, jedes Mal 70 Cent abdrücken zu müssen fürs sich lösen können, trotzdem halte ich den Verein für nichts weniger als einen Segen. Warum? Ganz einfach, ich lege, ganz etepetete, einen gewissen Wert auf gepflegte Toiletten, Und ich kenne die Zeiten vor Sanifair.

Freitag, 2. August 2019

Sommerloch


Weil ich ab heute ein wenig meine CO2-Bilanz nach oben schrauben werde, bricht mit dem August auch eine kurze Sommerpause hier im Blog an und es wird daher erst mal nichts Neues zu lesen geben. Wenn sich nun die einen oder anderen fragen, wie sie diese Zeit nun überbrücken sollen -- machen Sie‘s doch einfach wie ich und suchen sich ein Hobby. Ich habe zum Beispiel damit angefangen, lustige Aufkleber auf Laternenmasten und anderswo zu sammeln. Und an die frische Luft kommt man auch dabei.

Allwissend im Alter


Es muss das Alter sein. Geht nicht anders. Ab einem gewissen Alter scheinen ältere Herren mit viel Tagesfreizeit keinen Bock mehr zu haben, ihren Rassismus noch mühsam zu bemänteln, und lassen endlich die Sau raus. Dann salbadern sie ellenlang, selbstverliebt und im belehrenden, hochfahrenden Tonfall des allwissenden Erleuchteten über ihr früheres Links- und Naivsein, über ihr Aufgewachtsein 2015 (oder dass sie es immer schon gewusst hätten, das aber niemals jemand habe wahrhaben wollte) und ziehen als Experten für alles Mögliche gegen linke Träumer und grüne Gutmenschen zu Felde. Und immer werden sie von allen missverstanden, schluchz! Angesichts des furchtbaren Vorfalls von Frankfurt lässt sich etwa das hier als jüngstes Beispiel bestaunen:

Dienstag, 30. Juli 2019

Ablasshandel, modern


Wie es aussieht, werden wir uns an  den Gedanken gewöhnen müssen, dass die Billigreise-Party vorbei ist. Wenn Urlaub, dann wie zu Großvaters Zeiten. Mein seliger Großvater hatte ein zerlegbares Blockhaus in einer Art Trailerpark im niederländischen Heiloo gelagert. Im Sommer fuhr er mit zweien seiner Söhne hin und baute auf, ein paar Tage später rückte die komplette Familie nach und der Hausstand wurde für ein paar Wochen dorthin verlegt (meine Oma selig hatte natürlich keinen Urlaub, sondern hausfraute einfach weiter wie daheim). Nach getaner Erholung wurde das Ding wieder zerlegt und bis zum nächsten Jahr eingelagert.

Samstag, 27. Juli 2019

Blaublütige Wiedergänger


"Ah! ça ira, ça ira, ça ira, / Les aristocrates à la lanterne!" (frz. Volksweise)

Man darf sich von Figuren wie der derer von Storch nicht täuschen lassen. Der Adel ist nicht blöd. Hat im Gegensatz zu Politikern, die immer auf die nächste Wahl schielen müssen, gelernt, in großen Zeiträumen zu denken. Und weiß, dass das Volk, erst recht ein so verführbares und autoritätshöriges mit Hang zum Esoterischen wie das deutsche, doof genug ist. Teile davon sind nämlich immer noch bereit, hündisch und gläubig aufzuschauen zu welchen, die aus nichts weiter als dem Zufall ihrer Geburt, ihrer Herkunft aus über Jahrhunderte durch konsequente Inzucht degenerierten Sippen einen Herrschaftsanspruch ableiten. Man schaue sich nur einen beliebigen Zeitungskiosk an und das in der Hofberichterstattung der Yellow Press sich offenbarende, anhaltende Interesse am komplett belanglosen Familienleben dieser Mischpoke.

Mittwoch, 24. Juli 2019

Jenseits der Blogroll - 07/2019


Woran erkennt man eigentlich, dass Hochsommer ist? Abgesehen von den Temperaturen, unter anderem am Sommerloch. Sommerloch ist, wenn es zur veröffentlichenswerten Meldung, ja nachgerade zum Skandal gerät, dass in einem niederösterreichischen Freibad die von der dortigen Gastronomie verabfolgten Wurstsemmeln ziemlich teuer, aber dafür eher übersichtlich belegt sind. Mein Gott, was kommt als nächstes? Dass die Islamisierung des Abendlands vor der Tür steht, weil eine kleine Kita in Leipzig Rücksicht auf zwei muslimische Kinder nimmt und den anderen Sprösslingen schnöde ihr Schweinernes vorenthält? Nicht auszudenken! Egal, mitten in der fettesten Sommerhitze, am Beginn der Hundstage also, der Lorenz ist volles Rohr am ballern, die allmonatlichen Links zur Sommerlektüre:

Sonntag, 21. Juli 2019

Sinnvoll wie ein Eiffelturm


Eine Prise Pathos zum 50. Jahrestag

Aus den Sechzigern kursiert folgende Anekdote: Als Präsident Lyndon B. Johnson das Apollo-Trainingszentrum besuchte, um sich über die Fortschritte des Mondprogramms zu informieren, fiel ihm beim Hinausgehen ein älterer Mann auf, der einen NASA-Overall trug und den Boden fegte. Johnson fragte routiniert leutselig, was er denn hier mache und was sein Job sei. Der soll geantwortet haben: "Ich arbeite daran, dass wir zum Mond fliegen, Mr. President." Wenn’s nicht stimmt, dann ist es gut erfunden. Die Mondlandung war auch Jahre nach 1969 in einem Maße allgegenwärtig, das man sich heute nicht mehr vorstellen kann. Die Buchhandlungen waren voll mit Sachbüchern für Jungen, die in mehr oder weniger vielen bunten Bildern von der Eroberung des Mondes kündeten.

Freitag, 19. Juli 2019

Der nächste große Coup der Angela M.


Wir erinnern uns (auch wenn es schwerfällt): 2013 war der damalige Verteidigungsminister Karl-Theodor Maria Nikolaus Johann Jacob Philipp Franz Joseph Sylvester Buhl-Freiherr von und zu Guttenberg wegen diverser Unregelmäßigkeiten bezüglich seiner akademischen Meriten bzw. seines Umganges damit politisch untragbar geworden, musste seinen Hut nehmen und entschwand nebst Familie erst einmal im Exil. Wusch sich das ganze Wetgel aus der Frisur und machte dann bei der EU irgendwas mit Internet. Und hält sich seitdem bereit für den Fall, dass die Nation ihn wieder ruft.

Mittwoch, 17. Juli 2019

Gesaftelhuber


"Eine Lektion, die wir nur langsam zu lernen scheinen, ist, dass in schlecht regulierten digitalen Märkten der Preis, den man zahlt, nicht unbedingt dem entspricht, der die tatsächlichen Kosten widerspiegelt." (Julian Baggini)

Andere Zeiten, andere Berufsbilder. Microjobber etwa. So eine Art Akkordarbeiter. Nur ohne soziale Absicherung, denn das ist voll 20. Jahrhundert. Oder wissen Sie, was ein Juicer ist? Ein professioneller Saftpresser? Weit gefehlt! Betreiber eines Saftladens (was Juicer zu einem der eher häufiger anzutreffenden Berufe machen würde)? Nope. Ein Juicer ist kein Ent-, sondern vielmehr ein Besafter. Von E-Rollern. Juicer sammeln im Auftrag von Sharing-Unternehmens nachts leere E-Scooter ein, laden sie an einer Steckdose auf, meist einer heimischen, und verteilen sie nach getanem Laden wieder im Stadtgebiet.

Montag, 15. Juli 2019

Schmähkritik des Tages (30)


Heute: Michael Herl über das weitgehend durchmediterranisierte Deutschland

"Fortan wurde die Mediterranisierung mit preußischer Gründlichkeit exerziert, und die Deutschen geben sich plötzlich einem Lebensstil hin, wie er selbst in Mittelmeerländern undenkbar wäre. Gegrillt wird heute auch im tiefsten Winter, Spaghetti Carbonara richtet man mit Sahne und Formvorderschinken hin, Lokale ohne Freisitze gehen im Sommer pleite, Bankangestellte tragen kurze Hosen und Gerichtsvollzieher Ohrringe. […] Pizzerien backen »Pizza Bierschinken« und Metzgereien »Pizza-Fleischkäse«, Oberstudienräte verabschieden sich mit einem lässigen »Ciao«, ganz normale Menschen watscheln über die Straße, als kämen sie gerade zu Hause aus dem Bad; da wir das Mittelmeer leer gefressen haben, futtern wir nun Frutti di mare aus vietnamesischer Aquakultur, und dank des Klimawandels wächst an der Mosel Merlot.

Freitag, 12. Juli 2019

Gewollt, nicht gekonnt (4)


Die Tage erstmals einen Blick in die neue örtliche Stadtbibliothek geworfen. Hell, neu, sauber, aber auch ziemlich steril. Lädt nicht wirklich zum Verweilen und Wohlfühlen ein. Mich zumindest nicht, aber Geschmäcker sind bekanntlich verschieden. Der Bestand wurde beim Umzug ins neue Domizil offenbar radikal zusammengestrichen. Die Abteilung Geschichte, die mich besonders interessiert, beschränkt sich gerade mal auf ein Drittel eines Regals (zum Vergleich: in der von mir frequentierten Bücherei der um ein Drittel einwohnerärmeren Nachbarstadt ist das eine Viertel Etage). Und dann noch echte Perlen im Sortiment:

Dienstag, 9. Juli 2019

Ronny des Monats - Juli 2019


Die Aktion des Monats war zweifellos, dass die Ostritzer Bürger die Teilnehmer eines Rechtsrock-Festivals in ihrer Stadt trockengelegt haben, indem sie sämtliche Biervorräte aufkauften. Ohne Alk ist das Nazileben halt nur halb so schön. Ich meine, es ist ja kein Zufall, warum Rechte so auf starke, charismatische Führer stehen. Weil die Bande endlos feige ist. Bei weniger als fünf gegen einen und unter 1,2 Promille hält man sich lieber bedeckt. Und wenn sie einmal mehr die halbe Welt in Trümmer gelegt haben, dann können sie immer sagen: Der da war‘s! Ich wurde bloß verführt und hatte meine Befehle auszuführen, sonst hätte ich doch selber Schwierigkeiten bekommen.

Samstag, 6. Juli 2019

Überraschung!


"Wie argumentationslos Rechtsradikale sind erkennt man daran, dass sie ihre Agenda mit Gewalt durchsetzen wollen und müssen. Jeder mit einem Funken Verstand und Empathie erkennt gleich, dass die Forderungen dieser Menschen Blödsinn sind." (chris)

Das Eklige an denen von Pegida ist ja, dass sie einerseits alle Empathie der Welt für sich reklamieren -- Weil sie verkauft, belogen, betrogen und hintergangen wurden. Weil ihre Sorgen und Nöte nicht ernst genommen werden. Weil keiner Verständnis zeigt für ihre Wut. Weil alle sie zu Nazis stempeln, bloß weil sie eine marginal vom linksgrünversifften Mainstream abweichende Meinung zu äußern wagen, obwohl sie doch nur 'Besorgte Bürger' sind. Schluchzbuhu! --, dass sie andererseits aber nicht bereit sind, Flüchtlingen/Zuwanderern/Migranten, aber auch durchaus Hiesigen, die ihnen irgendwie querkommen, auch nur einen Funken jener Menschlichkeit und Empathie zuzugestehen, die sie so dreist für sich beanspruchen. Das macht den Umgang mit ihnen, zumindest mit denen, die die Schnauze aufreißen und Inhumanes pöbeln, nicht eben einfach.

Mittwoch, 3. Juli 2019

Völkerballerei


Opa erzählt von früher - müssen Sie jetzt durch

'Scharfschützen', so und ähnlich wurden G. und O. damals genannt. Ihren schusswaffenhaften Würfen entkam nichts und niemand. Weil unsere Sportlehrer das bald raus hatten, sorgten sie dafür, dass G. und O. beim Völkerball nie in der selben Mannschaft waren. Sonst wäre die Sache nämlich nach wenigen Minuten vorbei gewesen. Völkerball erschien mir damals vor allem hochgradig entlastend für Sportlehrer zu sein. Keine große Vorbereitung, kein Geräteaufbauen, einfach einen Ball gegriffen und gesagt: So, wählt mal eben zwei Mannschaften, wir spielen ne Runde Völkerball! Was sollten sie auch groß machen? Zu meiner Zeit gab es noch einzelne Sportstunden von 45 Minuten Länge. Zog man das Umziehen ab, blieben da netto vielleicht noch zwanzig Minuten übrig.

Sonntag, 30. Juni 2019

Abendgedanken - Déjà-vu


Knapp 800 Menschenleben hat das Dichtmachen und -halten der innerdeutschen Grenze gekostet. Bei 40 Jahren, von 1949 bis 1989, macht das ziemlich genau 20 Tote im Jahr. 20 Tote an der Grenze per annum genügten damals, um vom 'freien Westen' im Brustton moralischer Überlegenheit als 'Unrechtsstaat' gebrandmarkt zu werden (für den Fall, dass mal jemand Interesse hat). Das gilt aber nur, so lange Genosse Afrikaner nicht übers Meer angeschissen kommt. Da gilt es vielmehr, unsere Lebensweise und unseren Wohlstand zu verteidigen, den wir uns bekanntlich ohne jegliches Zutun des Rests der Welt ganz allein hart erarbeitet haben. Wenn‘s sein muss, "bis zur letzten Patrone" (Seehofer, der Salvini von Bayern).

Samstag, 29. Juni 2019

Zitteraale


Vor ziemlich genau drei Jahren passierte es: Ich hatte mir bei einem Arbeitsunfall das Handgelenk angeknackst, musste einen Gips tragen, war krank geschrieben und durfte sechs Wochen lang weder radfahren noch schwimmen; auch Auto fahren war tabu. Weil ich es keine Option fand, mich daheim einzuigeln, die Vorhänge zuzuziehen und die Decke anzustarren, nahm ich mir jeden Tag einen mindestens einstündigen Fußmarsch vor. Um Frischluft, Tageslicht und Kondition zu tanken. Eines Tages ging ich so meiner Wege, es war ähnlich drückend heiß wie die Tage, als mir 500 Meter vor meiner Wohnung plötzlich schwarz vor Augen wurde. Ich konnte mich kaum auf den Beinen halten, fing am ganzen Körper zu zittern an und war froh, es zur nächsten schattigen Parkbank zu schaffen.

Mittwoch, 26. Juni 2019

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Acht superknackoriginelle Hammertipps, wie Sie mit der Hitze fertig werden, die noch niemals irgendwo zu lesen waren - hacken Sie Ihr Leben!

Montag, 24. Juni 2019

Jenseits der Blogroll - 06/2019


Die Fundstücke und Leseempfehlungen des Monats. Ohne Schlaubi-Einleitung dieses Mal. Die Hitze.

Politik. Allein schon wegen dieses Absatzes muss man Jörg Schneiders Essay über das Phänomen des Rezo-Videos einfach gern haben:

"Da verwundert es nur wenig, dass sich die allgemeine Beliebtheit der gerne pauschal über einen Kamm gescherten Politikerkaste momentan irgendwo zwischen Anders Breivik, dem Weißen Hai und Bauchspeicheldrüsenkrebs eingependelt hat. Und da sind die mit allerlei Fahnenfirlefanz und empathischen Minderleistungen unterhalb des sozialen Gefrierbrandes agierenden rechtspopulistischen Evolutionsverweigerer, die sich offenbar in einer Art von selbstauferlegtem Wissenszölibat für ein Leben in kollektiver intellektueller Askese entschieden haben, noch nicht mal mit eingerechnet."

Samstag, 22. Juni 2019

Schnittmengen


"Hier ruht die Bundesrepublik Deutschland. Sie ging zugrunde an der unfassbaren Dämlichkeit, Geschichtsvergessenheit und Selbstüberschätzung ihrer bürgerlichen Eliten."

-- So oder so ähnlich stelle ich mir den Spruch vor, der den Grabstein dieses herrschenden Staatswesens dereinst zieren wird, wenn wir uns im Faschismus 2.0 wiederfinden sollten.

Man dürfe die Rechten nicht unnötig stark machen, heißt es seit Jahren immer wieder. Dumm nur, dass Teile des bürgerlichen Lagers daran nicht wirklich interessiert zu sein scheinen. Auf die Idee könnte man ja fast verfallen. Wenn man wissen will, wie man die Rechten stark macht, dann braucht man sich nämlich nur anzusehen, was die CDU spätestens seit 2015 so veranstaltet. Hierzu sollte man sich vergegenwärtigen, dass Rechte, allen voran große Teile der AfD, sich vor allem von folgenden beiden Narrativen nähren, die zum Kern ihres Selbstverständnisses gehören:

Mittwoch, 19. Juni 2019

Gretchenfragen


"Da steht der Feind – und darüber ist kein Zweifel: dieser Feind steht rechts!" (Joseph Wirth)

Hallo? Ich warte! Hat schon jemand aus dem konservativen oder rechten Lager darauf hingewiesen, dass der Tod von Walter Lübcke zwar eine ganz eine schlimme Sache sei, aber bei aller gebotenen Empörung und Betroffenheit niemals nie nicht vergessen werden dürfe, dass Linksextremismus noch viel, viel schlimmer sei? Gut, die schöne Einzelleistung von Max Otte (CDU), den Toten zum willkommenen Popanz für eine von ihm imaginierte linke Mehrheit zu degradieren, damit diese wieder einen NSU-Skandal und damit was zum Empören und Hexenjagen habe, war ein solider Anfang, aber nicht mehr.

Sonntag, 16. Juni 2019

Zwei Mythen


Sehr interessante Ausstellung im Gustav-Lübcke-Museum in Hamm: ‚Mythos Germanien‘. Wie in der NS-Zeit vor allem im Schulunterricht die 'rassische' Überlegenheit nordischer Völker vermittelt wurde. Keine spektakulären Riesenexponate, aber viel zu lesen, viele Unterrichtsschaubilder, wie sie noch bis vor wenigen Jahren an den Kartenständern der Schulen hingen. Die Techniken der Manipulation reichten von subtil bis plump. Spannend. Bei Arte lief vor einige Wochen übrigens eine Dokumentation über NS-Wissenschaft, die sich dem Thema ebenfalls widmet (noch bis 26.07. in der Mediathek).

Samstag, 15. Juni 2019

Aber nicht alles verjuxen!


Auf frischer Mildtat ertappt

Wir erinnern uns: Im April hat es in einem in Paris gelegenen kultischen Bauwerk einen Dachstuhlbrand gegeben, der einigen Schaden angerichtet hat. Huch, fast schon verdrängt, oder? Egal. Wir erinnern uns ferner: Sofort waren die Reichen und Superreichen der Grande Nation zur Stelle mit großzügigen Spendenzusagen. Darunter Bernard Arnault (geschätztes Vermögen: 75 Milliarden US-$) und François Pinault (30 Milliarden US-$). Keine 48 Stunden, nachdem das Feuer gelöscht war, war eine knappe Milliarde an Spendenzusagen eingetrudelt. Botschaft: Sehet, wir sind reich, übernehmen aber Verantwortung für das kulturelle Erbe!

Mittwoch, 12. Juni 2019

Schmähkritik des Tages (29)


Heute: Sophie Passmann über den Sommer und Biergärten.

"Es gibt drei Regeln, die es zu befolgen gilt, wenn man den Sommer ohne Schaden überstehen möchte: Meide Menschen, suche Schatten, und egal was du tust, trage dabei niemals Flip-Flops. […] Der Deutsche an sich bricht oft alle drei Regeln auf einmal, denn er besucht im Sommer gerne Biergärten. In Biergärten, so die teutonische Mär, sei der Sommer besonders gut zu ertragen. Das ist Quatsch. […] Biergärten sind das Symptom eines größeren Problems: Wir Deutschen sind sehr, sehr schlecht darin, den Sommer würdevoll zu  ertragen. Scheinbar intuitiv suchen wir uns die unlogischsten, dümmsten, ungesündesten Aktivitäten aus, sobald Juni ist, als würden wir die Hitze als Herausforderung und Sonnenbrand als Wettbewerb verstehen.

Montag, 10. Juni 2019

Ronny des Monats - Juni 2019


Obwohl die Europawahl für rechte Kräfte in diversen Ländern im Desaster geendet ist, will heißen, die schweigende Mehrheit ihnen die Machtergreifung schnöde verweigert hat (vermutlich aufgrund mieser Manipulationen von Systemmedien), bedeutet das keineswegs Entwarnung. So lässt sich am Beispiel Österreichs, wo die FPÖ am längsten in Politik und Regierungen eingebunden ist, sehr gut studieren, wie tief das Opfernarrativ in diesen Kreisen inzwischen verankert ist.

Samstag, 8. Juni 2019

Grenzerfahrungen in der Komsumgesellschaft (18)


Das wird jetzt ein wenig länger. Es wurde gewarnt. Letztens hatte ich schon erwähnt, dass ich dabei gewesen sei, mir ein gebrauchtes Kraftfahrzeug zuzulegen. Da ich zwar nicht völlig abgebrannt bin, andererseits auch nicht in der Lage, mit Fünfhundertern bündelweise um mich zu werfen, erwies sich das als zeitraubendes, diffiziles Unterfangen.  Zumal ich mir vorab eine Marschroute zurecht gelegt hatte:

Donnerstag, 6. Juni 2019

Obst returns


Er war wieder da. Mr. Obst. Mit seiner Sprühdose. Hat sich verewigt. Häufchen gemacht. Befindet er sich am Ende gar auf einer Mission? Und wenn ja, wann wird sie erfüllt sein? Wenn alle Brücken im Stadtgebiet sein Name ziert? Alle Brücken Nordrhein-Westfalens? Deutschlands? Der Welt???!?!?! Wann wird die Welt vor seinem irren Lachen erschauern? MUHAHAHAHAH!!1!1!!

Montag, 3. Juni 2019

War's das? Zehn Thesen zur SPD


(Na ja, nicht ganz. Genau genommen sind es nur neun. Eine ist über die Grünen. Reicht trotzdem.)

Es ist keineswegs zu hoch gegriffen, die SPD in der tiefgreifendsten Krise seit den Sozialistengesetzen des 19. Jahrhunderts zu sehen. Die Koalition mit der CDU scheint kaum mehr haltbar und die Union schwächelt wegen des Fettnäpfchenmarathons ihrer Vorsitzenden erheblich. Vielleicht wird die alte Tante nicht völlig verschwinden, vielleicht wird sie weiterhin da und dort Ministerpräsidenten stellen (man vergesse nicht, dass die SPD kommunalpolitisch nach wie vor sehr gut aufgestellt und so gut wie keine deutsche Großstadt mehr CDU-regiert ist), aber bundespolitisch wird sie auf absehbare Zeit kaum eine Rolle spielen.

Freitag, 31. Mai 2019

Durchhalten, Annegret!


Groß war die Aufregung über Annegret Krampf-Knarrenbauer. Denn die wollte "alle umbringen, die nicht konservativ und aus dem Saarland sind". Nein, natürlich nicht, sie fand lediglich, man müsse über gewisse Regeln des Online-Diskurses nachdenken, weil ein so ungezogener u30er ohne Respekt vor dem Alter, der offenbar so wenig ausgelastet ist, dass er noch Gelegenheit hatte, ein Video zu drehen, mit der CDU eher wenig freundlich umgesprungen ist und - das ist die wahre Katastrophe für alle, die ticken wie AKK - auch noch großen Erfolg hatte damit. Und da ist natürlich zappenduster beim Social Media-Durchschnittsdödel. Wer der Meinung ist, das Internet müsse irgendwie reguliert werden, so viel steht fest, will die Meinungsfreiheit abschaffen. Mindestens.

Dienstag, 28. Mai 2019

Drachenfutter im Pott


Was eine simple Schokoladentafel über gesellschaftliche Verhältnisse aussagen kann

Interessant, wer oder was hier im heimischen Ruhrpott so alles von der Montanindustrie abhing. Letztens zum Beispiel geriet mir ein altes Bild einer Tafel Novesia Goldnuss in den Blick. Und schon kam die Kindheit wieder hoch. Die 'Goldnuss' war eine für die damalige Zeit sehr edel in grün-goldener Pappe verpackte Schokolade. Besonderer Clou war ein Sichtfenster aus Zellophan, das den Blick auf ein Stück der Tafel und die darin enthaltenen ganzen Nüsse freigab. Hier wird nicht geschummelt, sollte das wohl bedeuten. Auf jeden Fall aber: Das ist was besonderes, was anderes als die sandige Blockschokolade, die man mit dem Hammer essen muss. Eine Zeitlang gab es sogar die 'Garantie 27'. Wer weniger als 27 ganze Nüsse in der Tafel vorfand, konnte sie zurückschicken und bekam Ersatz plus Porto in Naturalien.

Samstag, 25. Mai 2019

Endlich!


Ehrlich, ich bin Menschen wie Greta Thunberg und Rezo unendlich dankbar. Ich bin ein Alter Sack und habe live und in Farbe miterlebt, wie es damals in meinem bürgerlichen Umfeld für gymnasiale Jugendliche schon mit u18 schick wurde, sich anzupassen, der JU beizutreten, Helmut Kohl cool zu finden und auf Geburtstagen, bei denen 'reingefeiert' wurde, zu Ehren des Jubilars die Nationalhymne anzustimmen. Ich bin gottfroh für jedes kleinste Anzeichen dafür, dass es wieder cool werden könnte, uns Alten Säcken mal wieder ein wenig Feuer unterm Dach zu machen. Wir, damit meine ich mich mit, haben es nämlich verdient. Gar nicht mal mangels guten Willens, sondern wegen unserer Ignoranz und Trägheit.

Dienstag, 21. Mai 2019

Jenseits der Blogroll - 05/2019


Die Fundstücke und Leseempfehlungen des Monats: Politik. Als das Ereignis mindestens der Woche kann das unfreiwillige Filmdebut von zwei ehemaligen Teilen der FPÖ-Führungsriege gelten. (Meine Güte. Erst HC Strache als Depp enttarnt und nun auch noch Niki Lauda verstorben! Was muss dieses schwerst geprüfte Nachbarland noch alles ertragen? Und wie geht es eigentlich Dietrich Mateschitz?) Diverse getroffene Hunde jedenfalls jaulten sofort so herum, wie es zu erwarten war: Whataboutism, Täter-Opfer-Umkehr, relativieren, Rachephantasien, wirre Geheimdienst-Spinnereien und natürlich das unerlässliche, klebrige Selbstmitleid. Eine der besten Analysen der Methode Strache kommt von Nils Minkmar, schöne Polemiken von Bernhard Torsch und Robert Misik.

Samstag, 18. Mai 2019

Not. Gonna. Happen.


Damit keine Missverständnisse aufkommen: Ich bin entzückt und freue mich wie ein Schnitzel, dass der inzwischen zurückgetretene österreichische Vizekanzler Heinz 'Bumsti' Christian 'Dreibier' Strache und sein mindestens genauso doofer Schoßhund und Leibfux Johann 'Wotan' Gudenus nunmehr ziemlich ohne Hosen dastehen. Weil sie sich in diesem Oligarchenvilla-Video im Gespräch mit einer angeblichen russischen Oligarchennichte exakt als die quasimafiösen Hackbraten erweisen, für die sie von ihren politischen Gegnern schon immer gehalten wurden. Unter anderem ließen die Herren sich zu dem Angebot hinreißen, die privatwirtschaftliche, mehrheitlich im Besitz der Funke Medien Gruppe befindliche 'Kronen Zeitung' in russische Hände zu überführen.

Freitag, 17. Mai 2019

Wiglaf Droste (1961-2019)


Der Moment, in dem ich vom Tod meines Lieblingsautors Wiglaf Droste hörte, war einer der Momente, in denen ich als Agnostiker gern gläubig wäre. Wie tröstlich muss die Gewissheit sein, dass da einer zwar aus diesem Leben gehen musste, jetzt aber irgendwo drüben ist. Wo das, was nicht begraben wird von ihm, es sich in einer Tour gut gehen lässt, keine Schmerzen und keine Angst mehr kennt, vielleicht gar von seiner Wolke kopfschüttelnd oder milde belustigt auf das Treiben derer blickt, die er zurückgelassen hat, derweil er sich auf ewig mit Harry Rowohlt genüsslich einen verkasematuckelt. Sie halten sich raus, Dawkins!

Mittwoch, 15. Mai 2019

Schmähkritik des Tages (28)


Heute René Hamann über die Schunkel-Shanty-Band 'Santiano'

"Es gibt Abgründe in dieser Welt, von denen man gar keine Ahnung hat, dachte ich, während ein ice-cold weißer Hybrid-SUV von BMW an uns vorbeischaukelte, fast geräuschlos. Von hinten hörten wir: eine Fiedel, ein paar Flöten, einen Schunkelrhythmus, eine reibeisenharte Männerstimme. Eine Mischung aus Seefahrerliedern und Mittelalterrock mit stark irischer Anmutung. Waren das die Pogues? Nein, dafür war die Musik zu schlecht. Die Levellers oder Poems for Laila? Nein, die Musik war deutscher, auf keinen Fall studentisch oder links. Sie war erwachsener, spießiger. [...]

Montag, 13. Mai 2019

Sonntagsbummel: Geisterstraße


Sie sehen hier, Mesdames et Messieurs, was von einer der wichtigsten Einkaufsstraßen meiner bescheidenen Heimatstadt im Jahr 2019 noch übrig ist. Beste Innenstadtlage übrigens. Im unteren Teil werden zur Zeit sechs von ca. 30 Ladenlokalen genutzt. Ein gut gehender Friseursalon, zwei Fotogeschäfte, ein Stoff- und Gardinengeschäft, ein öffentlich geförderter Second-Hand-Laden für Kinderbekleidung und ein Juwelier. Im ersten Stock noch ein Bildungsträger und einmal Thai-Massage. Zuletzt haben ein türkischer Kiosk mit Spätverkauf, ein Spielwarenladen, eine Stehpizzeria und eine SB-Aufbackfiliale die Segel gestrichen (lassen Sie sich durch das 'Kino'-Schild nicht täuschen, das ist nach der Schließung vor knapp 20 Jahren einfach drangeblieben).

Samstag, 11. Mai 2019

Ronny des Monats - Mai 2019


Das Fiese an den Zeiten, in denen wir zu leben haben, ist ja, dass man sich nicht so recht entscheiden kann. War das, was seit einiger Zeit überall an die Oberfläche schwappt, wirklich vorher in diesem Ausmaß nicht da oder traut das Pack sich inzwischen einfach nur mehr? Das ist nicht einfach zu beantworten, ich würde sagen, sowohl als auch. Vermutlich hat es was damit zu tun, dass man sich heute - Kachelmann lässt grüßen - besser vernetzten kann und noch für die abgefahrensten Minderheitenmeinungen Bestätigung findet. Leute, die glauben, Impfen sei tödlich, die Erde flach oder die Bundesrepublik kein souveräner Staat, wären vor, sagen wir, 20 Jahren ziemliche Außenseiter gewesen und haben sich bedeckt gehalten. Soziale Netzwerke und die unter deren Haube tickenden Algorithmen sorgen dafür, dass man sich als Teil einer ernst zu nehmenden Bewegung begreifen kann. Was dann auch Zulauf generiert.

Mittwoch, 8. Mai 2019

In Edekas Neandertal


Warum es zu kurz greift, den umstrittenen Edeka-Muttertagsspot nur für männerfeindlich zu halten.

Männer, Familienväter zumal, in allen häuslichen Belangen als in jeder Hinsicht überforderte, imbezile Totalausfälle darzustellen, gehört in der wunderbaren Welt der Reklame seit Jahrzehnten zur Standardfolklore. Die vermutlich angepeilte Kernzielgruppe - jene Frauen, die, Marktforschungen zufolge, im durchschnittlichen Privathaushalt inzwischen 80 Prozent aller Konsumentscheidungen treffen - mag das erheitern. Meinetwegen, so's einen denn weiterbringt (nicht mein Menschenbild, nicht meine Peergroup). Männer fühlen sich durch so was jedenfalls zunehmend angepisst und reagieren genervt, in sozialen Netzwerken zumal.

Sonntag, 5. Mai 2019

Klangwelten im Nirgendwo


Der 1987 viel zu früh verstorbene Conny Plank hat die Welt der Popmusik geprägt wie nur wenige. Zu Conny‘s Studio im rheinischen Wolperath, gelegen im Nirgendwo zwischen Köln und Bonn, pilgerten sie alle, um ihre Alben dort aufzunehmen. In den Siebzigern erst die Krautrocker. Kraftwerk, Neu!, Cluster, Faust, Guru Guru, Kraan. Dann die Scorpions, Brian Eno, Ultravox, Devo, D.A.F., Eurythmics. Um nur ein paar zu nennen. All die internationalen Stars kehrten für einige Wochen auf dem Bauernhof ein, wo sie von Connys Lebensgefährtin Christa Fast bekocht wurden. Plank war bekannt dafür, weder Schubladen noch Arbeitszeiten zu kennen und sich vor nichts bange zu machen, solange er nur einen Funken Kreativität sah, aus dem sich etwas würde machen lassen. Seine zahlreichen Auszeichnungen bewahrte er in der Gästetoilette auf.

Freitag, 3. Mai 2019

Return of the Rote Socke


"Hätte sich Marx vor allem geirrt, wäre sein Einfluss schnell verflogen. Die vielen Tausend, die sich hingebungsvoll dem Nachweis seiner Fehler gewidmet haben, hätten sich andere Beschäftigungen gesucht." (John Kenneth Gailbraith)


Hat eigentlich schon jemand angemerkt, aus einem, der Kevin mit Vornamen heiße, könne per se nur Bildungsfernes herauskommen? Warte ich noch drauf, nachdem sich bereits einer nicht entblödet hat, den den Jusos vorsitzenden Kevin Kühnert wegen ein paar erfrischend unzeitgemäßen Sätzen allen Ernstes mit Donald Trump gleichzusetzen. Ist in Bezug auf intellektuelle Fallhöhe bzw. deren Mangel in etwa dieselbe Liga. Im Moment scheinen zwei große Wettrennen im Gange zu sein: Das um die schnellste Distanzierung vom dunkelroten Kevin, das vor allem innerhalb der SPD und bei den Grünen stattfindet. Und das um die bildungsfernste öffentliche Reaktion. Momentan in Führung: Da will wohl einer die DDR zurück, wie? Wir wissen ja alle, wie das geendet hat!

Dienstag, 30. April 2019

Obst


Obst ist angeblich gesund. An apple a day keeps the Doctor away, weiß der Angelsachse (alternativ: Have an apple a day and see the Doctor anyway). Egal, schmecken tut‘s jedenfalls. Meistens. Vielen aber scheint nicht immer klar zu sein, dass man sich auch sehr schön selbst zum Obst machen kann. Was der folgenden Szenerie einen gewissen Charme verleiht, wie ich finde:

Sonntag, 28. April 2019

Neu gegen Alt


Mit dem Print-Journalismus verhält es sich im Prinzip nicht viel anders als mit dem stationären Einzelhandel, der Privatkundenbank oder dem Taxigewerbe: Allen ist irgendwie klar, dass da gerade was zu Ende geht. Dass es Kassiererinnen bald wohl nicht mehr geben, das Bargeld an Bedeutung verlieren wird. Und dass die gute alte Kraftdroschke wie wir sie kennen noch während der Lebenszeit meiner Post-Babyboomer-Generation, von Nischen einmal abgesehen, wohl auch verschwinden wird. Selbst wenn es gelingt, Fahrdienste wie uber per Gesetz einzudämmen, spätestens wenn das autonome Fahren kommt, wird sich das erledigen. Wie gesagt, allen scheint es irgendwie klar zu sein, aber richtig wahrhaben will man es noch nicht. Man glaubt, sich mit Durchlavieren retten zu können. Und macht damit alles noch schlimmer.

Donnerstag, 25. April 2019

Sex. Rock 'n' Roll. Deadly Sins


Und ich habe es wieder getan. All you can eat-Buffett beim Chinesen. Fast immer, wenn ich ein paar Tage frei habe, lande ich an einem Mittag in so einem Überfresstempel. In die Vitrine gekübelter Wareneinsatz. Fressorgie mit Ansage. Alles, was fettig und ungesund ist. Und sollte sich doch etwas Gesundes dorthin verirren, dann wird ihm das Gesundsein mittels Backteig und Fritteuse sofort gnadenlos ausgetrieben. Abgesehen vom guten alten Mettbrötchen "gibt [es] nichts Vergleichbares, mit dem man so einfach und symbolisch perfekt sämtlichen Gesundheitsgurus in den Arsch treten kann." (Maik Söhler) Wenn Essen der Sex des fortschreitenden Alters ist, dann ist das China-Buffett das Rauchen des Ex-Rauchers.

Mittwoch, 24. April 2019

Schmähkritik des Tages (27)


Heute: Stefan Gärtner über Akademisches für Kinder

"Im Buchladen ist Satire jetzt tatsächlich in die Realität gewandert: »Allgemeine Relativitätstheorie für Babys«, ein Pappbilderbuch »ab 2 Jahren«, darin etwa ein von einem schweren Objekt gekrümmtes Raumzeitgitter, und wenn ich schreibe: Das ist kein Witz, dann stimmt das nur zur Hälfte. »Allgemeine Relativitätstheorie für Babys ist eine heitere und verständliche Hinführung zu Albert Einsteins berühmtester Theorie. […] Auf unnachahmlich leichte Weise und stets mit einem Augenzwinkern schafft es der Quantenphysiker und Familienvater Chris Ferrie, Kinder und Erwachsene gleichermaßen zu inspirieren. Die Bücher der Baby-Universität sind der einfachste Weg, um schon unsere Jüngsten für die Wunder der Wissenschaft zu begeistern.« [...]

Montag, 22. April 2019

Jenseits der Blogroll - 04/2019


Ladys und Gentlemen, leider sind sie nicht mehr vor den für die meisten arbeitsfreien Ostertagen fertig geworden, die Links und Fundstücke dieses Monats. Garantiert Notre-Dame- und religionsfrei, trotz Ostern. Und auch nix über Tanzverbote. Übrigens: Bitte mir ruhig mitzuteilen, wenn verlinkte Artikel inzwischen hinter einer Paywall verschwunden sind, die Links werden umgehend entfernt.

Samstag, 20. April 2019

Unerbetene Verbindlichkeiten


Na, auch schon mal vor der Frage gestanden: Wie zur Hölle werd ich eigentlich Feminist? Nicht verzagen, Marga fragen! Einfach sich an 40 simple Regeln halten und der Drops, pardon, das Bonbon, ist gelutscht. Lack fertig. Kittel geflickt. Diese Regeln sind deswegen so simpel, weil sie im Wesentlichen auf dem Prinzip beruhen: Gehorchen und Fresse halten. Und um Himmels Willen nicht mit Madame diskutieren. Dass Fragenstellen und Diskutieren nicht erlaubt sind, hat übrigens einen guten Grund.

Mittwoch, 17. April 2019

Notre-Drama


Die Berichterstattung über den Brand in Notre-Dame war überwiegend ärgerlich und offenbarte zudem einen beklagenswerten Mangel an kulturellem Horizont in den Redaktionen.

Medienschelte ist sicher müßig, aber eben leider auch nötig. So auch anlässlich des Brandes in Notre-Dame in Paris. Zu loben ist hier ausdrücklich die ARD, die keinen 'Brennpunkt' gesendet hat. Warum, ist egal, die Entscheidung war richtig. Nicht nur wegen des Wortspiels. Denn was bitteschön, hätte man, wie Thomas Laschyk richtigerweise fragt, am Dienstagabend schon groß berichten sollen, außer dass es brennt, die Löscharbeiten im Gange sind und man noch nichts Genaues weiß? (Zumal man bereits früh wusste, dass es keine Toten und nur einen Verletzten gegeben hatte.) Den 450. betroffenen O-Ton einspielen? Kann man machen. Informationswert? Unbekannt. Vermutlich nicht hoch.

Montag, 15. April 2019

Merde!


Ja, ich weiß, auf der Welt werden jetzt gerade Kriege geführt, werden Menschen gequält, verstümmelt, ausgebeutet und müssen hungern - trotzdem schmerzt es, wenn Weltkulturerbe so was widerfährt:

Sonntag, 14. April 2019

Aus Feigheit in die Vormoderne


Wie definiert man eigentlich Feigheit? Man könnte sagen, Feigheit bedeutet, angesichts eigener Verfehlungen mit dem Finger auf andere zu zeigen. Er war‘s, er war‘s! Anständige Leute versuchen Schulkindern das normalerweise abzugewöhnen (außer die Eltern derjenigen, die, kaum dass sie sprechen können, mit Papas Anwalt drohen, versteht sich). Der greise Mit-Papst Benedikt alias Joseph Ratzinger hat damit augenscheinlich weniger Probleme. Zu den Missbrauchsskandalen in der Katholischen Kirche fiel ihm, der immer noch als bedeutender Intellektueller gehandelt wird, nur ein, mit dem Finger zu zeigen: Die 68er sind schuld. Aber sicher doch. Die 68er sind immer schuld, wenn die Welt nicht so läuft, wie Rechte und Konservative sich das vorstellen. Was muss das für eine herrlich kuschelige Welt sein, in der immer die anderen schuld sind!

Donnerstag, 11. April 2019

Ronny des Monats - April 2019


Mann, Mann, Mann, ist schon interessant, wie schnell man heutzutage zu einer kriminellen Vereinigung werden kann. Bzw. in den Verdacht geraten kann, eine zu sein. Paar Betonklötze in den falschen Nachbargarten gesetzt, schon richtet Gevatter Staatsanwalt sein scharfes Auge des Gesetzes auf einen. Auch wenn das jetzt fallen gelassen wurde: So ganz neu ist der Vorwurf, die deutsche Justiz sei auf dem rechten Auge, wenn schon nicht blind, dann aber zumindest gewaltig getrübt, ja nicht. Hat eine gewisse Tradition. Schon Tucholsky alias Ignaz Wrobel hat 1921 eine ziemlich eindeutige Rechnung aufgemacht. 

Montag, 8. April 2019

Artgerechte Haltung


"Eine ausgewogene Ernährung, ausreichend Bewegung und soziale Teilhabe – das sind wesentliche Bausteine für ein gutes und gesundes Leben, gerade auch im Alter.“

-- Also sprach Julia Klöckner, ihres Zeichens Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft, kürzlich auf der Fachtagung »Im Alter in Form« der Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren-Organisationen in Bonn.

Samstag, 6. April 2019

Wegsehen hilft nicht


Heute vor 25 Jahren begann der Völkermord an den Tutsi in Ruanda

"Aus der Geschichte der Völker können wir lernen, dass die Völker aus der Geschichte nichts gelernt haben." (Georg Wilhelm Friedrich Hegel)

Vor genau 25 Jahren, am 6. April 1994, wurde die Maschine des ruandischen Präsidenten Habyarimana beim Anflug auf den Flughafen der Hauptstadt Kigali von zwei Boden-Luft-Raketen getroffen. Es gab keine Überlebenden. Das und die Ermordung der belgischen Blauhelme, die zum Schutz von Premierministerin Uwilingiyimana abgestellt worden waren, war das Startsignal für die Hutu-Milizen, damit zu beginnen, die Tutsi-Minderheit im ganzen Land zu massakrieren. Dabei legten sie eine Effizienz an den Tag, die diejenige der NS-Mordindustrie im zweiten Weltkrieg bei weitem überstieg. Zwischen 800.000 und eine Million Menschen wurden binnen 100 Tagen ermordet. 8.000-10.000 pro Tag. Im Schnitt. Und das mit vergleichsweise einfachen Mitteln. In Handarbeit.

Dienstag, 2. April 2019

Oldies, not Goldies


Verstärkt seit dem Schandsommer 2015 wird Japan von interessierten Kreisen gern als leuchtendes Beispiel hergenommen. Sehet gen Nippon, auch im 21. Jahrhundert lässt sich als hoch komplexe, hoch vernetzte und hoch arbeitsteilige Gesellschaft prima klarkommen, wenn man die Grenzen dicht hält und auf ethnisch einigermaßen homogen ist. Mag vielleicht sein, problematisch wird es nur, wie sich jetzt herausstellt, wenn man nicht auch für ausreichend Nachwuchs sorgt und dann im Schnitt auch noch steinalt wird dabei.

Sonntag, 31. März 2019

Vorbilder, klimatisch


In dem Krankenhaus, in dem ich einst Zivildienst machte, arbeitete eine schon ältere Ambulanzschwester, die ihr Leben an dieses Haus geknüpft zu haben schien. Meist war sie für sich, kaum jemand redete mit ihr. Nicht weil sie geschnitten wurde, sie war einfach nicht besonders gesellig. Zudem wusste wohl keiner so recht, worüber man reden sollte mit ihr außer über das Krankenhaus oder über die Arbeit. Jeden Morgen kam sie um kurz vor sieben auf ihrem Fahrrad angeradelt. Es hieß, sie lebte allein in einem kleinen Einzimmerapartment in der Nähe. Ihr einziger Luxus seien ein Fernseher und ein kleiner Kühlschrank. Gefrühstückt und zu Mittag gegessen hat sie immer in der Kantine, abends aß sie mit den Ordensschwestern im Konvent. Vor der Arbeit habe sie zu Hause immer nur einen Keks zum Kaffee gegessen, sagten Kollegen, die mal mit ihr geredet hatten.

Freitag, 29. März 2019

Grenzerfahrungen in der Konsumgesellschaft (17)


Da stiefelst du, nichts Böses ahnend, mir nichts, dir nichts in den Getränkemarkt deines Vertrauens, um eine Kiste Wasser zu erstehen. Und dann, am Ausgang, du warst so weit mit allem durch und deuchtetest dich schon beinahe in Sicherheit, das:

Dienstag, 26. März 2019

Schönes bleibt (3)


"History does not repeat itself - but it rhymes." (Mark Twain)

Gibt so Dinge, die scheinen sich wirklich nicht zu ändern im Leben. Gibt viele, die das beruhigend finden. Ich kann mich da meist nicht so recht entscheiden. So wurde ja bald nach der 1:1-Gala der DFB-Elf am letzten Mittwoch gegen Serbien in Wolfsburg bekannt, dass Leroy Sané und İlkay Gündoğan von der Tribüne rassistisch beleidigt wurden. Was immer das im Einzelnen ist, neu ist das jedenfalls nicht.

Die Älteren werden sich erinnern, dass Leroy Sanés Vater Souleymane Sané einst bei Nürnberg spielte und ab 1990 beim Bundesliga-Aufsteiger SG Wattenscheid 09 zur Legende wurde. Mit Tony Baffoe, Jay Jay Okocha und Anthony Yeboah gehörte er Ende der Achtziger, Anfang der Neunziger zu den ersten schwarzen Spielern in der Bundesliga und wurde mit Bananen beworfen, musste sich Affenlaute anhören oder Fangesänge wie "Husch, husch, husch - Neger in den Busch!".

Sonntag, 24. März 2019

Man vs. Food - Ruhrpott Edition


Vielleicht liegt es daran, dass ich nicht aus einer der sexy pulsierenden super-duper angesagten Metropolen wie Berlin/London/Nüjork/München/Düsseldorf/Schweppenhausen stamme bzw. mich dort nicht bewege, sondern bloß am Rande jener verranzten Ex-Boomregion namens Ruhrpott. Vielleicht habe ich mir aber auch über die Jahre eine gewisse Kindlichkeit und damit die Fähigkeit zum Staunen bewahrt. Hermann van Veen und die Folgen? Nicht auszudenken. Trotzdem: Dieses Brunch-Buffett, zu dem ich heute geladen ward, war das mit Abstand gewaltigste, das sich mir bisher in den Weg gestellt hat. Stilecht in einer verranzten Zeche, wie das hier seit den Neunzigern Sitte ist. Hat mich überfordert. Reizüberflutung. Vornehmlich Tex-Mex. Alles, was fett und ungesund ist. Tacos, Wraps, Fajitas, Chili, Hot Dogs sowie alles, was sich irgendwie mit Käse überbacken lässt. Der unangebrachteste Satz hier lautet: "Du, ich muss auf meinen Cholesterinwert/meinen Blutzucker achten."

Samstag, 23. März 2019

Jenseits der Blogroll - 03/2019


Das letzte Wochenende des Monats ist schon wieder erreicht und damit ist es Zeit für den Lesestoff des Monats. Musik/Literatur/Kunst ist dieses Mal weniger, dafür umso mehr über Essen. Muss mit der momentan grassierenden Fastenzeit zusammenhängen. Obwohl ich mir außer einem mehrwöchigen, nicht religiös motivierten Alkoholverzicht gar keinen Zwang anzutun pflege, diesbezügliche Phantomschmerzen also ausscheiden. Außerdem bin ich katholisch sozialisiert, daher sind mir alle Hintertürchen bestens vertraut (Flüssiges bricht das Fasten nicht, auch Tiere, die ertränkt wurden, gehen als Fische durch etc.). Seltsam.

Dienstag, 19. März 2019

$tudio$i


Jetzt haben die doch tatsächlich herausbekommen, was niemand für möglich halten konnte: Dass Reiche und Prominente ihre eher durchschnittlich begabten Sprösslinge mittels großzügiger Spenden an US-Privatunis quasi auf der Überholspur dort hinein und da durch bugsiert haben sollen nämlich. Das hat mein Weltbild schon ein wenig ins Wanken gebracht. Ich meine, wir leben doch in einer Leistungsgesellschaft, oder? Ist es etwa nicht so, dass Reiche aus purer Menschenliebe heraus spenden ohne eine Gegenleistung dafür zu erwarten? Und wer würde schon auf die absurde Idee verfallen, private Universitäten seien irgendwie empfänglich für finanzielle Zuwendungen?

Samstag, 16. März 2019

Schmähkritik des Tages (26)


Heute: Magnus Klaue über Bernhard Schlinks 'Der Vorleser'

"1995, acht Jahre nach seinem Krimidebüt und sechs Jahre nach dem Mauerfall, sah Schlink die Zeit für seinen genozidalen Pageturner gekommen, dessen Protagonistin nach Beteiligung an Holocaust und Wiederaufbau noch über genügend Restlibido verfügt, um den weitaus jüngeren Ich-Erzähler, dessen erste Liebhaberin sie ist, nach der wöchentlichen Kernseifenwaschung erschöpfend und moralisch einwandfrei zu befriedigen. Sadistische Gutmütigkeit, sentimentale Herzenskälte, viehischer Anstand und bodenständige Sexualhygiene des Romans wie seiner Heldin sicherten diesem einen Spitzenplatz auf den Leselisten von Oberstufenklassen, VHS-Kursen und DaF-Seminaren. Effizient bei der Beihilfe zum Massenmord, aber im Einzelfall kulant, lebenslustig anpackend bei der Juden- wie der Trümmerbeseitigung und mit einem Herz für Unterprivilegierte, avancierte Schlinks […] Selbst-ist-die-Frau, die sich vom Goebbels- zum Primo-Levi-Fan mausert, zum Idol einer Generation aufarbeitungsgeschädigter Sozialkundelehrer, die Schlink fast noch mutiger fanden als Gudrun Pausewang.

Donnerstag, 14. März 2019

Re: FCB vs. LFC


Natürlich ist der FC Bayern München nicht an allem schuld. Aber an vielem. An dem Bild nämlich, das die Bundesliga und der hiesige Fußball zur Zeit abgeben, lässt sich schön studieren, was passiert, wenn man Wettbewerb so gar nicht reguliert: Der Teufel scheißt auf den dicksten Haufen. Die letzten Jahre über hat der FC Bayern seine dominierende Stellung in der Liga genutzt, Wettbewerb systematisch zu behindern und Konkurrenz um den abonnierten Titel nach Möglichkeit gar nicht erst aufkommen zu lassen (und ist damit zum Karrieregrab für zahlreiche junge Talente geworden). Jegliche Kritik daran wurde damit abgebügelt, man sei halt erfolgreich, habe gut gewirtschaftet und das dürfe ja wohl nicht bestraft werden.

Dienstag, 12. März 2019

Gebt ihnen halt Globuli


Warum redet eigentlich alles immer nur über streikende Schüler? Warum reden wir nicht mal darüber, in welchem Maße der Staat, i.e. die Bundesländer Kindern und Jugendlichen ihr Recht auf Beschultwerden vorenthalten? (Zur Erinnerung: Aus der Schulpflicht resultiert umgekehrt ein Recht auf Schule.) Abertausende Stunden fallen aus, weil Lehrerstellen nicht besetzt werden können, nicht einmal mit Fachfremden und Quereinsteigern. Neuester Ausfallgrund: Impfgegner. Kein Witz. In Teilen Niedersachsens haben die Masernfälle derart zugenommen, dass eine Schule in Hildesheim alle Kinder, Jugendlichen und Erwachsenen, die keine gültige Masernimpfung vorweisen können, zwei Wochen lang vom Schulbetrieb ausgeschlossen hat.

Sonntag, 10. März 2019

Ronny des Monats - März 2019


Seit der letzten Verleihung ist so einiges passiert. Etwa der quasi offizielle Beweis, dass die AfD schlimmer röche als eine Biogasanlage, wenn Eigenlob stinken würde. Oder der 58jährige Münchner, der einem widerborstigen Taxifahrer mal die Meinung geigte. Oder was da aus der Schweiz zu vernehmen war. Die ist ja für nicht wenige Rechtsdrehende so was wie ein Musterland. Direkte Demokratie! Roger Köppel! Braune Kühe! Und jetzt das! Ein Schweizer Pressegrossist hat, so ist zu hören, die Zeitung 'Junge Freiheit' aus dem Sortiment von vier Filialen gelistet - und bei der NZZ reiben sie sich die Augen. Schockschwerenot! Zensur! Säuberungsaktion! Wann brennen die Bücher? Sind die Deutschen am Ende toleranter? Fragen über Fragen. Es sind also wieder einige heiße Kandidaten leer ausgegangen.

Donnerstag, 7. März 2019

Bullerei und Elfenstaub


Den Erinnerungen Vincent Klinks zufolge, musste ein Koch, der es zum Küchenchef bringen wollte, früher vor allem über drei Dinge verfügen: Trinkfestigkeit, die Fähigkeit, endlos über Fußball zu reden sowie einen unerschöpflichen Vorrat an Weibergeschichten. Wobei es bei letzteren egal gewesen sei, ob sie sich wirklich zugetragen hatten. Dazu in jedem Fall eine infernalisch laute Kasernenhofstimme. Halbwegs kochen zu können, so Klink, rangierte damals an vierter Stelle. Höchstens.

Montag, 4. März 2019

Närrisches Rollback


Der größte Vorteil, nicht in einer so genannten Karnevalshochburg zu leben, ist, dass man die Wahl hat. Derweil das närrische Volk sich draußen das Schietwetter schönsäuft, kann man sich kuschelig einigeln, sich ein paar Berliner reinpfeifen und den lieben Gott ansonsten einen guten Mann sein lassen. Man muss auch sonst keinen Aufwand betreiben wie seinerzeit mein Biolehrer. Der war Kölner mit Leib und Seele und liebte seine Heimatstadt von Herzen, gehörte aber zu jener Minderheit, der das närrische Treiben gewaltig auf den Docht ging. Also reisten er und seine Frau alljährlich für fünf Tage in eine humorlosere Gegend und kehrten erst Aschermittwoch wieder zurück.

Samstag, 2. März 2019

Unverhofftes Wiedersehen


Bis vor etwa zehn Jahren gab es in der von mir bewohnten Randständigen Mittelgroßen Ruhrgebietsstadt eine wunderbare Gaststätte, deren Inhaber einige Jahre lang das Kunststück hinbekommen hat, auf dem schmalen Grat zwischen Kneipe und Bar entlangzubalancieren. Vorne eine Kneipe mit einem Publikum, das nicht wirklich meins war. Zu alt, zu viele Goldknöpfe auf den Navyblazern. Hinten aber gab es ein Kaminzimmer. Klimatisiert. Dort saß man in tiefen englischen Ledersofas und ließ sichs gutgehen. Kein Laden, in den man ein Date ausführt, wie die jungen Leute das heute sagen, sondern einer, in dem man im Kreise guter Freunde die Woche Revue passieren lässt und das Weltgeschehen verhandelt. Gratis Salzstangen waren übrigens inbegriffen.

Donnerstag, 28. Februar 2019

Neues vom Kapitalismus (2)


Immer wieder herzig (oder steckt da am Ende Methode hinter?), wenn entsprechend Gestrickte auf den Trichter kommen, dass hart arbeiten doch nicht automatisch zu Wohlstand und einem properen Leben führt, sondern einen durchaus auch in einem Leben in Armut halten kann. Dabei ist das eigentlich längst bekannt. So hat zum Beispiel Barbara Ehrenreich in einer Wallraff-mäßigen Aktion schon vor knapp 20 Jahren enthüllt, was es bedeutet, in den U.S. of A. mit so genannten Dienstleistungsjobs durchschlagen zu müssen. Und sie war weiß Gott nicht die einzige.

Sonntag, 24. Februar 2019

Jenseits der Blogroll - 02/2019


Die letzte Woche des Monats ist wieder einmal angebrochen und damit auch die Zeit für die Netzfundstücke. Für alle, die nicht vor haben, sich in der nächsten Woche im Karneval die Kante zu geben, sondern lieber Lesestoff konsumieren wollen. Aber nicht nur für die, versteht sich.

Samstag, 23. Februar 2019

Geframt geschwurbelt


Die Sprachwissenschaftlerlin Elisabeth Wehling, die uns seit der Wahl Donald Trumps zum POTUS unermüdlich das Phänomen des Framing erklärt, ist Absolventin der University Of California, Berkeley. Sie betreibt das International Berkeley Framing Institute, das 2017 von der ARD beauftragt worden ist, einen Leitfaden zu entwickeln, wie diese linguistische Allzweckwaffe eingesetzt werden kann im Kampf gegen marktradikale Heuschreckenmedien. An sich eine charmante Idee, denn eine Kommunikationstechnik, mit deren Hilfe sich einer wie Donald Trump zum US-Präsidenten und eine Partei wie die AfD zur ernstzunehmenden politischen Größe pimpen lässt, kann nicht völlig unpfiffig sein.

Mittwoch, 20. Februar 2019

Von 'bösen' Onkeln und Vertrauenspersonen


Ein Schwank aus meiner Jugend, an den ich in letzter Zeit öfter denken muss

Im Sexualkundeunterricht, den wir in den Siebzigern immerhin bereits bekamen, wurde uns unter anderem beigebracht, dass es da draußen ganz bestimmte 'nette Onkel' gibt. In Wahrheit seien das aber 'böse Onkel', weil sie uns auflauerten, uns entweder mit Gewalt, meist jedoch mit Nettigkeit mit zu sich holten, um sich dann geschlechtlich an uns zu vergehen und uns schlimme Schmerzen zuzufügen (wie genau, verriet man uns natürlich nicht, es musste reichen zu wissen, dass so einer einem weh tun wollte). Daher sollten wir nie, niemals mit Fremden mitgehen. Nun ist dagegen, Kindern diesen Ratschlag einzuschärfen ja weiß Gott nichts einzuwenden, im Gegenteil. Nur erschienen diese 'netten Onkel' ausschließlich als namenlose, sadistisch veranlagte Perverslinge, die von außen in die heile Welt von uns Kindern einbrachen.

Sonntag, 17. Februar 2019

Wortspielhölle, revisited


Hier in der Gegend wird gerade ein katholischer Kindergarten zwecks Sanierung entkernt. Und nicht einmal hier entkommst du ihr, der allgegenwärtigen Wortspielhölle...

Freitag, 15. Februar 2019

Schmähkritik des Tages (25)


Heute: Jürgen Roth über Frankfurt und die Herrschaft der Asozialcharaktere

"Neulich bin ich durch die sogenannte neue Frankfurter Altstadt spaziert. Man muss es diesem vom feixenden Weltgeist ersonnenen Deppenort lassen: Eine derart verlogen historistische, lächerliche architektonische Aufführung, die zudem all jene Knete verschlungen hat, die für sozialen Wohnungsbau angeblich nicht zur Verfügung steht, bringt nicht mal das dummheitsgestählte Berlin mit seinem Halunkenschloss zuwege. Kein Zweifel: Der von der EU verliehene Spezialpreis 'Europäischer Stadtidiot des Jahrtausends' wird Frankfurt nimmer abzuknöpfen sein.

Dienstag, 12. Februar 2019

Bildet Clans!


"Ja, mach nur einen Plan! / Sei nur ein großes Licht!
Und mach dann noch’nen zweiten Plan / Gehn tun sie beide nicht." 

(Bertolt Brecht)

Alles immer planen zu wollen geht gern mal schief. Ist dem Stiefvater eines guten Freundes passiert. Der hatte das Leben in der Zukunft auf die Spitze getrieben: Sich nie was gegönnt, immer alles gespart. Für später. Wenn wir in Rente sind, sagte er immer zu seiner Frau, dann machen wir es uns schön. Das sah in der Praxis so aus, dass er ein Jahr nach erfolgtem Renteneintritt eine Gehirnblutung erlitt und noch ein halbes Jahr im Koma lag, bevor man ihn für austherapiert erklärte. Feine Idee. Ein Extremfall, gewiss. Aber auch eine Warnung, das Hier und Jetzt nicht zu vergessen.

Sonntag, 10. Februar 2019

Ronny des Monats - Februar 2019


Wieder einmal ziert eine 10 den Tageskalender, was bedeutet: Es werden wieder Ronnys vergeben. Überflüssig zu sagen, dass sich wieder viele mit schönen Einzelleitungen beworben haben, obwohl leider nur 5 Preise plus ein Ehrenpreis zu vergeben sind. Zum Beispiel der seines Jobs verlustig gegangene 'Volkslehrer' Nikolai Nerling aus Berlin, der jetzt, da er mehr Tagesfreizeit hat, offenbar KZ-Gedenkstätten unsicher macht. Oder die Berufsempörte und Broder-Herzerin Alice Weidel, die mit ihrem beleidigten Tweet über die Ansprache von Charlotte Knobloch im Bayerischen Landtag anlässlich des 27. Januar ihr ganzes Können gezeigt hat.

Aber auch woanders war schwer was los am 27. In Dortmund zum Beispiel. Die Top 5:

Donnerstag, 7. Februar 2019

Mach gut, Rudi!


Im Ruhrgebiet wird Fußball deutlich emotionaler gelebt als anderswo. Und nirgends im Ruhrgebiet wird er so emotional gelebt wie beim FC Schalke 04. Nirgends wurde und wird Tradition so gepflegt wie in Gelsenkirchen, nirgends flossen bei Hauptversammlungen mehr Tränen der Rührung, nirgends wurde mehr Bohei um 'verdiente Mitglieder' gemacht als auf Schalke. Gerüchten zufolge gab es 'verdiente Mitglieder' im Rentenalter, die dafür, dass sie ein, zwei Mal im Monat Besuchergruppen 'ma dat Paakstadion zeichten' und sie ein wenig herumführten, pauschal ein paar tausend DM bekamen. Monatlich. Bar auf die Hand, versteht sich. (Wer überdies das alte Parkstadion kennt, weiß, dass man schon ein äußerst glühender Anhänger des FC Herne West sein musste, um die zugige Schüssel ernsthaft schön oder gar spektakulär zu finden.) Eine dieser Geschichten nach dem Motto: Wenn‘s nicht stimmt, ist es wenigstens gut erfunden. Es passte jedenfalls ins Bild. 

Dienstag, 5. Februar 2019

Alles esoterischer Quark? - revisited


Taugt das was? Eindeutig JEIN!

Ein Gastbeitrag von Gerhard Keller

Momentan ist es mir aus gesundheitlichen Gründen nicht möglich, Sport zu treiben. Lust auf Gewichtszunahme habe ich aber keine. Daher habe ich gut zwei Wochen beschlossen, einen Selbstversuch mit Aphagie zu unternehmen, auch als 'Intervallfasten' bekannt.

Samstag, 2. Februar 2019

The longer read: Generation Greta


Aufräumen und Rebellieren

Leute, die ihrer Umwelt aggressiver Weise und mit seligem Grinsen unter die Nase reiben, wie irresuper strukturiert sie ihr Leben im Griff, vielleicht gar ein Geschäftsmodell daraus gemacht haben, kann ich von jeher nicht ab. Triggern mich. Ich suche dann das Haar in der Suppe. Jeder hat schließlich seine Leichen im Keller. So strahlt die Aufräum- und Entrümpelgöttin Marie Kondo eine derartige Perfektion aus, dass man glaubt, so ihr jemals überhaupt mal ein Furz entwiche, dann röche der wahrscheinlich nach Chanel No. 5. Gelegentlich ertappe ich mich dabei, mir unter sparkendem joy vorzustellen, wie Frau Kondo am späten Vormittag mit vollgekotzter, derangierter Garderobe und mächtigem Kater in einer komplett zugemüllten Bude aufwacht und nicht dagegen ankämpfen kann, es auf eine perverse Weise irgendwie geil zu finden. Ich kann nicht anders. Bin doch auch nur ein Mensch!

Donnerstag, 31. Januar 2019

Palim, palim!


Erstaunlich, über was man alles so stolpert (besten Dank, Herr Laschyk!). Schon 1995 spielte Dieter 'Didi' Hallervorden die Rolle eines gewissen Alois Moosbrecher von einer gewissen 'Arbeitsgemeinschaft Freunde der Diktatur', kurz AFD. Prophetisch? Keine Ahnung, glaube nicht an Hokuspokus. Aber definitiv scharf beobachtet, obwohl damals, so meine Erinnerung mich nicht trügt, noch niemand außerhalb von Fachkreisen der Kommunikations- und Sprachwissenschaft andauernd von Framing faselte. 

Dienstag, 29. Januar 2019

Volks-Narreteyen


"Früher war sogar die Zukunft besser!" (Karl Valentin)

Karneval naht, die Narren drehen wieder durch. So bekommt jetzt der 'Volks Rock'n'-Roller' Andreas Gabalier den diesjährigen Karl-Valentin-Orden der Münchner Faschingsgesellschaft Narrhalla umgehängt. Günter Malescha, Vizepräsident des Vereins, wird mit den Worten zitiert, man könne den Musiker keinesfalls einfach in die rechte Ecke stellen und ihm Homophobie oder Frauenfeindlichkeit vorwerfen. Gerade bei seinen Konzerten würden ihn ja auch überwiegend weibliche Fans feiern. Na sicher, und ich habe auch nichts gegen Frauen, da meine Mutter schließlich eine Frau ist. Und Homophobie? Ach Gottchen!

Sonntag, 27. Januar 2019

27. Januar


"Es ist geschehen und folglich kann es wieder geschehen." (Primo Levi)

Ein paar dritte Programme, NDR, WDR und SWR, werden zur Zeit heftig, für meinen Geschmack ein wenig zu heftig, dafür gefeiert, vor einigen Wochen Marvin J. Chomskys vierteilige Serie 'Holocaust' von 1978 wiederholt zu haben. Es mag in Zeiten von Streaming und Mediatheken müßig erscheinen, erschließt sich aber dennoch nicht, wieso man das nicht bundesweit am heutigen 27. Januar sendet. Ist vielleicht zu viel verlangt. Vermutlich genau so, wie das länger als eine popelige Woche in den Mediatheken verfügbar zu halten. Die Reaktionen auf die Erstausstrahlung indes wirken heute, 40 Jahre später, fremd und vertraut gleichermaßen. Mitbekommen habe ich das damals nicht wirklich. Ich ward mit meinen 9 Lenzen für zu jung befunden, das anzusehen.

Donnerstag, 24. Januar 2019

Jenseits der Blogroll - 01/2019


Politik. Für mich der Blogbeitrag des Monats in Sachen Politik ist Stefan Sasses Serie über die Gründe, aus denen Hillary Clinton 2016 gegen Donald Trump unterlegen ist. Gewohnt detailliert, kenntnisreich und in der Tiefe schürfend. Wer verstehen will, ist gut beraten, sich das in Ruhe anzutun. Nur so viel: Die meisten journalistischen Analysen im deutschsprachigen Raum haben bislang zu kurz gegriffen und/oder waren reichlich oberflächlich.

Dienstag, 22. Januar 2019

Alles esoterischer Quark?


Ein Gastbeitrag von Gerhard Keller

Fasten? Anti Aging? Nahrungsverzicht? Entschlackungskur? Alles esoterischer Quark? Autophagie? Zellrecycling? Kannte ich bisher überhaupt nicht. Nie gehört. Erst in den letzten Jahrzehnten hat die Wissenschaft das Fasten aus der eher esoterischen Ecke in seröse schulmedizinische Forschung überführt. Der Zellbiologe Yoshinori Ōsumi hat im Jahr 2016 den Medizin-Nobelpreis für die Erforschung der Wirkung der Aphagie auf den menschlichen Organismus bekommen. Geehrt wird seine Arbeit zu Abbauprozessen in Zellen. Warum sind die so wichtig?

Samstag, 19. Januar 2019

Ohne Seife


2005 machte Harald Schmidt den Begriff 'Unterschichtenfernsehen' populär. Hier lag der große Entertainer mal falsch, denn eigentlich hätte es Mittelschichtsfernsehen heißen müssen. Die diversen Trash-Formate, die mit den Terminus vom Unterschichtenfernsehen gemeint waren, richten sich nach meinem Dafürhalten nämlich weniger an die so genannte Unterschicht, sondern primär an die Mittelschicht. Die soll sich das wohligen Schauers ansehen, sich dabei selbstzufrieden über den Lullu streichen und sich trösten: Tss, tss, tss, da sieht man‘s mal. Zustände wie im alten Rom! Jaja, das kommt davon, wenn man sich morgens nicht aus dem Bett wuchtet zwecks HarterarbeitTM. Wie gut, dass unsereins da gaaanz anders ist!

Donnerstag, 17. Januar 2019

Altwerden - eine Zwischenbilanz


"Reif ist, wer auf sich selbst nicht mehr hereinfällt." (Heimito von Doderer)

Für eitle Bauchpinselei sollte hier normalerweise kein Platz sein, aber aus aktuellem Anlass erlaube ich mir eine Ausnahme. Eine kleine Zwischenbilanz des bisherigen Alterungsprozesses. In bewährter The Good – The Bad – The Ugly-Manier.

Sonntag, 13. Januar 2019

Die Pflicht zu twittern


Wie es so um den freien Willen bestellt ist bzw. um die freie Wahl, die wir ja im Kapitalismus alle genießen, wurde mir vor einiger Zeit mal an einer kleinen Episode deutlich: Wie viele nutze ich die Software WhatsApp. Als die Firma eines Tages von Facebook aufgekauft wurde, beschlossen mein guter Freund P. (der mit Facebook ebensowenig am Hut zu haben begehrt wie ich) und ich: Schluss damit, es gibt doch Alternativen. Threema zum Beispiel. Als ich Freunden und Bekannten davon erzählte, winkten bis auf zwei alle ab. Och nööö, viiiel zu umständlich! Zudem hatte eine Freundin damals ein Windows-Phone, auf dem das nicht lief. Auf meinen Einwand mit der Datensicherheit bekam ich die Antwort, man habe schließlich nichts zu verbergen und sei doch überhaupt so ein kleines einzelnes Licht, dessen Daten eh nicht auffielen.

Donnerstag, 10. Januar 2019

Ronny des Monats - Januar 2019


Weil Ronny und Konsorten anscheindend gut ins neue Jahr gekommen sind, wird es auch in diesem Jahr selbstverständlich wieder Ronny-Verleihungen geben. Nicht dass sich noch jemand zu früh freut. Obwohl natürlich wieder einiges hintenüber fallen musste, es aber zu den Top 5 jeweils schon genug anzumerken gibt, geht es dieses Mal auch ohne große Vorrede zur Sache.

Die 5 Preisträger des Monats Januar:

Dienstag, 8. Januar 2019

Die Saat geht auf


Frank Magnitz, Bundestagsabgeordneter und Chef der Bremer AfD, ist bekanntlich am Montagabend in Bremen von drei Unbekannten attackiert und  so schwer verletzt worden, dass er bewusstlos ins Krankenhaus eingeliefert wurde, wo er sich noch befindet. Widerlich. Auch als Linker macht man sich nicht gemein mit so was. Es ist so selbstverständlich, dass es einem fast überflüssig erscheint, das eigens zu erwähnen: Jenseits unmittelbarer Notwehr ist körperliche Gewalt kein akzeptables Mittel der Auseinandersetzung und grundsätzlich abzulehnen. No exceptions.

Sonntag, 6. Januar 2019

Schmähkritik des Tages (24)


Heute: Christian Baron über moderne Erwerbsarbeit

"Früher musste man die Menschen in die Fabriken hineinknüppeln. Heute muss man sie aus den Betrieben und Büros herausprügeln. So sehr haben sie ihre abhängige Erwerbsarbeit als sinnstiftend, unabdingbar und naturnotwendig akzeptiert. Viele Umfragen zeigen: Selbst wenn es ein bedingungsloses Grundeinkommen gäbe, würden die meisten einer Erwerbsarbeit nachgehen wollen. Vordergründig ist also kein Zwang mehr notwendig, damit die Leute große Teile ihrer Lebenszeit einem Unternehmen übereignen.

Donnerstag, 3. Januar 2019

Fehlstart


Es gibt deutlich angenehmeres, als sich schon zu Beginn des frischen Jahres mit einem Terroranschlag zu befassen. Zu Silvester hat wieder einmal jemand sein Auto als Waffe benutzt und mehrere Menschen überfahren. Ist doch ein Terroranschlag, oder? Wenn jemand aus politischen Gründen Gewalt anwendet mit dem Ziel, Menschen zu verletzten und/oder zu töten, um so ein Klima der Unsicherheit und der Angst zu erzeugen? Habe ich das richtig verstanden? Und ein politisches bzw. ein rassistisches Motiv liegt wohl auch vor. So es sich bestätigt, der Festgenommene habe sich an jenen rächen wollen, die er als 'Ausländer' ansieht, sollte es keinen Zweifel geben daran.