Man gestatte mir an dieser Stelle ein paar Worte zum unten an erster Stelle verlinkten Beitrag. Die Tendenz, dass absolut niemand mehr für irgendeine Entscheidung, irgendein Verhalten, wie krass auch immer, verantwortlich sein soll und auch niemandem irgendwelche Konsequenzen zumuten sind, wie begründet und moderat auch immer, geht mir schon länger auf den Keks. Immer ist irgendwer oder irgendwas anderes schuld: die Gesellschaft/das Scheißpatriarchat/das leidige Machtgefälle/die Grünen und ihr Klimafetisch/die harte Kindheit/der verlogene Westen/die imperialistischen USA/die Globalisten, aberdasdarfmanjanichtsagen/die Systemmedien/das faschistoide Jobcenter etc. Und wenn alles nicht mehr hilft, der Dreckskapitalismus, dessen Annehmlichkeiten man aber ansonsten gern in Anspruch nimmt.
Fliegende Bretter
Nicht immer Kritisches über Politik, Gesellschaft, Medien, Kultur, Essen und manchmal auch Sport
Donnerstag, 24. September 2026
Jenseits der Blogroll - 09/2026
Man gestatte mir an dieser Stelle ein paar Worte zum unten an erster Stelle verlinkten Beitrag. Die Tendenz, dass absolut niemand mehr für irgendeine Entscheidung, irgendein Verhalten, wie krass auch immer, verantwortlich sein soll und auch niemandem irgendwelche Konsequenzen zumuten sind, wie begründet und moderat auch immer, geht mir schon länger auf den Keks. Immer ist irgendwer oder irgendwas anderes schuld: die Gesellschaft/das Scheißpatriarchat/das leidige Machtgefälle/die Grünen und ihr Klimafetisch/die harte Kindheit/der verlogene Westen/die imperialistischen USA/die Globalisten, aberdasdarfmanjanichtsagen/die Systemmedien/das faschistoide Jobcenter etc. Und wenn alles nicht mehr hilft, der Dreckskapitalismus, dessen Annehmlichkeiten man aber ansonsten gern in Anspruch nimmt.
Dienstag, 22. September 2026
Landtagswahlen Berlin/MV 2026 - 8 Thesen
1. Die Mitte erodiert weiter.
Es mag eine Plattitüde sein, aber bei allen Unterschieden können beide Wahlergebnisse als weiterer Beleg dafür dienen, dass die bürgerliche Mitte der 'alten' Bundesrepublik, die parlamentarisch vor allem durch CDU, SPD und Grüne repräsentiert wurde (die FDP spielt bis auf weiteres wohl keine Rolle mehr), zunehmend in die Defensive gerät. Parteien wie die 'A'fD, Teile der Linken und das BSW, die Teile des bundesrepublikanischen Grundkonsens infrage stellen, gewinnen an Einfluss und kratzen aufsummiert in den neuen Ländern bereits an der absoluten Mehrheit. Wenn man sich vor Augen führt, dass das ein Trend ist, der schon länger in vielen Ländern zu beobachten ist und dass eine weitere von den USA ausgehende Weltwirtschaftskrise drohen könnte, dann braut sich da möglicherweise ein perfekter Sturm zusammen.
Sonntag, 20. September 2026
Farbenlehre
Cephalopoden wie Kalmare, Sepien und Oktopoden, zu denen auch ein gewisser Squishy Nobones gehört, verfügen über Chromatophoren und sind daher in der Lage, Struktur und Farbe ihrer Haut quasi beliebig zu verändern. Das macht sie zu echten Experten in der Farbenlehre. Im Gegensatz zu einer Partei, die das nur von sich behauptet. Das Video erscheint hier auch, weil ich dem moppernden Mollusken deutlich mehr Aufmerksamkeit wünsche.
Donnerstag, 17. September 2026
Auf der Brennsuppe
Am Wahlsonntag in Sachsen-Anhalt postete Ulrich Siegmund oder sein Social Media-Team auf instagram ein Foto, das ihn und seine Frau in der Mittagspause zeigen. Es gab Spirelli mit Wurstgulasch, dazu Coca Cola und geriebener 'Gut & Günstig leicht'-Gouda (es hätte noch gefehlt, dass ein Simson-Mopped quer durchs Bild gebröttert wäre). Das war natürlich geschickt gemacht. Verbindet Ost-Identität und DDR-Nostalgie mit zartem Winken gen Westen. Ein Essen wie Spirelli mit Wurstgulasch erinnert zwar an Schulspeisung, ist aber auch im Westen anschlussfähig, deutlich anschlussfähiger als z.B. Soljanka. Coladosen, günstiger Edekakäse sowie die Tatsache, dass kein Gewese mit Servierschüsseln etc. gemacht wird, spiegeln die alltägliche gesamtdeutsche Erfahrungswelt jener breiten Mehrheit, die nicht im Bioladen einkauft.
Montag, 14. September 2026
Vermischtes und Zeugs (CLVIII)
Ulrich Siegmund, Wahlsieger in Sachsen-Anhalt, hat bei einer Pressekonferenz jetzt ganz offen gesagt, Waffen und andere Rüstungsgüter könnten bei der Duchführung der geplanten Remigrationsaktionen sehr hilfreich sein. Was braucht die bräsige Mitte eigentlich noch, um sich endlich mal zu einem Prüfverfahren aufzuraffen? Oder wollen wir noch warten, bis in Sachsen-Anhalt Bürgerwachten patrouillieren. Die dann, der infantile Hohoho Humor des Vereins ist inzwischen hinlänglich bekannt, vermutlich 'Sicherheitsservice SachsenAnhalt' oder so heißen würden (die Abkürzung darf ein:e jede:r sich selbst zusammenklöppeln).
Donnerstag, 10. September 2026
Alarm im Abo
Wer im Bildungswesen arbeitet, legt sich beizeiten lieber einen gesunden Zynismus zu, um nicht irgendwann durchzudrehen. Denn auf alle Sonntagsreden, in denen die Rede ist davon, die Köpfe unserer Kinder seien unser wertvollstes und wichtigstes Kapital und alle Anstrengungen und yaddayadda, folgt garantiert der Montag, an dem verkündet wird, dass irgendwo wieder Mittel gekürzt werden, kein Geld da ist, Projekte auslaufen etc. Man braucht im übrigen auch keine aufwändigen Studien, um herauszufinden, dass mit einem Schulsystem, das pro Jahr bis zu 64.000 junge Menschen ohne Abschluss entlässt, irgendwas faul sein muss.
Montag, 7. September 2026
Landtagswahl Sachsen-Anhalt 2026 - 10 Thesen
"Je schlechter es Deutschland geht, desto besser für die AfD." (Christian Lüth, 'A'fD)
1. Das bürgerliche Zeitalter neigt sich dem Ende.
Fast die Hälfte der Wahlberechtigten in Sachsen-Anhalt hat für eine Partei gestimmt, die gegen jede Vernunft 'Remigration' genannte Massendeportationen will, nötigenfalls mittels "wohltemperierter Grausamkeit", und auch sonst dem Drangsalieren von Minderheiten alles andere als abgeneigt ist, Fakten weitgehend ignoriert, hemmungslos Vetternwirtschaft betreibt, Lehrkräften an Schulen einen Maulkorb verpassen, für Kultureinrichtungen Gesinnungs-TÜV und Patriotismuspflicht einführen, die Schulpflicht abschaffen, das staatliche Gewaltmonopol zugunsten von 'Bürgerwehren' aufweichen, den öffentlich-rechtlichen Rundfunk abschaffen und die Westintegration der Bundesrepublik Deutschland beenden will.
Donnerstag, 3. September 2026
Vermischtes und Zeugs (CLVII)
Mag die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt am Sonntag auch glimpflich ausgehen, weil eine absolute Mehrheit der 'A'fD noch einmal verhindert werden konnte, ändert das am grundlegenden Problem der Parteienlandschaft nichts: Der Erfolg der Dixiklos zwingt die übrigen Parteien in Koalitionen, deren einziger gemeinsamer Nenner ist, eine blaubraune Regierung(-sbeteiligung) irgendwie zu verhindern. Eine solide Basis ist was anderes, zudem bekommt durch solche Konstellationen das rechte Narrativ vom korrupten Altparteienkartell, das sich voll undemokratisch gegen den Volkswillen verschworen habe, weiteres Futter. Catch-22.
Montag, 31. August 2026
Ost-westlicher Divan
Ost-West-Debatten finde ich meist ermüdend, weil sie kaum Erkenntnis bringen. Ossis breiten ihre schlimmen Erfahrungen aus, Wessis kontern mit dem Vorwurf der Undankbarkeit. Ich denke schon, dass die Radikalität des Umschwungs im Osten nach 1990 und dessen Auswirkungen auf die Menschen leicht zu unterschätzen sind, so man es nicht selbst erlebt hat. Wer aber daraus ableitet, nur 'Betroffene' hätten das Recht, sich dazu zu äußern und anderen das Wort abschneidet, sich aber gleichzeitig beklagt, ja nichts mehr sagen zu dürfen, sollte sich nicht wundern, nicht für voll genommen zu werden.
Samstag, 29. August 2026
Jenseits der Blogroll - 08/2026
'Konservativ' kommt bekanntlich von conservare. Das ist Latein und bedeutet bewahren oder erhalten. Angesichts der momentanen Performance des deutschen Konservatismus frage ich mich aber, was die eigentlich so bewahren. Christliche Werte? Die Umwelt? Den Wohlstand der bürgerlichen Mitte? Die Rente? So was wie Anstand im politischen Diskurs? Das Bildungssystem? Die Gesundheit der breiten Bevölkerung? Einhaltung von geltendem Recht (z.B. Steuerrecht, Arbeitsrecht, Mietrecht etc. etc.)? Der letzte für mich erkennbare Rest von Konservativsein besteht für mich darin, sein Fähnchen im allerletztmöglichen Moment in den Wind zu hängen und sich dafür auch noch als irre mutig zu feiern.
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