Heute: Thomas Fischer über stehende Ovationen
"Die »stehende Ovation« hat sich über die Jahrzehnte von den Oscarverleihungen seuchenartig bis ins letzte Stadttheater und auf die läppischsten Ereignisse ausgebreitet und auch von der Politik-Inszenierung Besitz ergriffen. Sie führt, ihrer Natur nach, zu einer selbsterfüllenden Verstärkung und Bestätigung ihrer selbst und der kollektiven Illusion, Zeuge eines einzigartigen, begeisternden Ereignisses geworden zu sein. Während der Zuschauer oder Zuhörer beim Beifallspenden im Sitzen buchstäblich »bei sich« bleiben und die Frequenz und Stärke seiner Klatschbewegungen langsam und unbeachtet ausklingen lassen kann, fordert das Aufspringen der Nachbarschaft fast schon verpflichtend dazu auf, es ihr nachzutun. Und wenn man dann steht, kann man auch schlecht die Hände in die Hosentaschen stecken oder sich die Nase pudern; das fällt auf und lässt einen als Außenseiter dastehen." (SPON, 28. Februar 2026)