Mittwoch, 16. Juli 2014

Doch ein Nachklapp: Kirchen und Dörfer


Auch ich war Täter

Das kommt davon, wenn man immer alles groß und gigantomanisch haben will. Bis jetzt wurden Siegesfeiern des DFB grundsätzlich am Sitz des Verbandes in Frankfurt am Main zelebriert. Die siegreichen Helden präsentierten die errungene Trophäe auf dem Römerbalkon, ließen sich von den auf dem Römerberg versammelten Fans huldigen und feierten ein wenig mit ihnen. Dann ging es rein ins Rathaus, Eintrag ins goldene Buch, kurzes geselliges Beisammensein, Gläschen Sekt und aus die Maus. Draußen gab es Bratwurst, Bier und Ebbelwoi fürs Volk, eventuell noch ein wenig Partybeschallung. Gemessen an der Monstersause vom Montag, war das so rührend provinziell wie die alte westdeutsche Bundesrepublik eben war. Es gibt Momente, da sehnt man sich danach zurück.

Dienstag, 15. Juli 2014

Abschließendes zur WM


Stolz? Worauf?

Was der WM-Titel mit mir zu tun hat? Nichts. Ich habe nicht den geringsten Anteil daran, dass am Sonntag 14 von 23 Jungmillionären mit 1:0 gewonnen haben. Worauf sollte ich also stolz sein? Eine Nationalmannschaft ist streng genommen nichts weiter als ein Allstar-Team aus jenen, die in der Liga am besten gespielt haben, gerade fit sind und einen deutschen Pass haben. Während eines Turniers ist es die Mannschaft, die ich anfeuere, wenn sie schön spielt und vielleicht auch gewinnt und über die ich mich ärgere, wenn sie verliert bzw. sich mit unbeholfenem Gemauer zum Sieg wurstelt. Alles weitere, zum Beispiel jetzt auf die Idee zu kommen, stolz zu sein, weil die Kicker einen Bundesadler auf dem Leibchen haben, scheint mir absurd.

Samstag, 12. Juli 2014

Die geplatzte Blase


Fußballbegeisterte sind sich uneins, an welchem Tag der brasilianische Fußball starb, der einmal der Goldstandard für die Welt war. Der 8. Juli 2014 war es jedenfalls nicht. Jener Abend, an dem eine respektabel und diszipliniert, keineswegs entfesselt auftretende deutsche Mannschaft, die nach einer halben Stunde selbst nicht mehr wusste, wie ihr geschah, die Seleção im heimischen Stadion in ihre Einzelteile zerlegte, war bloß der traurige Endpunkt eines langen Siechtums. Sterbehilfe, vielleicht gar Leichenfledderei. Der Niedergang hatte viel früher eingesetzt. Man kann streiten, wann genau. Für die einen am 5. Juli 1982, an dem Paolo Rossi im letzten Spiel der Zwischenrunde der besten Mannschaft aller Zeiten drei Tore verpasste. Für die anderen, zu denen ich mich zähle, am 21. Juni 1986.

Freitag, 11. Juli 2014

Grenzerfahrungen in der Konsumgesellschaft (5)


Sondernummer: Ach, Karstadt!

Ist es bloß der Lauf der Dinge? Führt der Weg mich einmal zu Karstadt, dann denke ich ein wenig wehmütig daran, dass der Laden früher fast immer meine erste Anlaufstelle war, wenn ich irgendetwas brauchte und wie wenig das jetzt noch der Fall ist. Meine Besuche während der letzten zehn Jahre lassen sich fast an den Fingern einer Hand abzählen. Der Alternativen sind inzwischen viele: Allein auf dem Heimweg von der Arbeit komme ich auf gerade drei Kilometern an einem wohlsortierten Verbrauchermarkt, einem Baumarkt, meinem Leib-und-Magen-Asia-Laden und an drei Discounterfilialen vorbei. Da lassen sich fast alle Notwendigkeiten des Alltags besorgen, alle haben massig kostenlose Parkplätze direkt vor der Tür, keine Rolltreppen und sind übersichtlich aufgeteilt.