Montag, 31. Dezember 2018

2018, abgehakt


Es ist hier guter Brauch, am Silvestertag das abgelaufene Jahr ein wenig Revue passieren zu lassen. Jahresrückblicke machen andere besser, überlasse ich denen. War im Zweifel eh wieder alles schlimmschlimmschlimm. Ich liste lieber  - so viel Bauchspiegelung muss sein - noch einmal die zehn meistgelesenen Beiträge des Jahres 2018 auf. Zum immer wieder Nachlesen, Kuscheln und Träumen:

Sonntag, 30. Dezember 2018

Beknallt


Es gibt durchaus gute Gründe, gegen die Silvesterknallerei zu sein. Mein Leben etwa wäre an Silvester definitiv angenehmer ohne, denn ich hatte bis weit in meine Jugend ziemlichen Schiss davor und fühle mich immer noch nicht wirklich wohl. Wenn ich an Silvester das Haus verlassen muss, habe ich zur Sicherheit auch heute noch Ohrenstöpsel in der Tasche. Sehe ich vor mir an der Kassenschlange im Supermarkt welche, die hunderte von Euros für Baller- und Flitterkram hinlegen, frage ich mich schon, ob die Deutschen in toto wirklich so wenig Geld haben wie oft kolportiert. Wenn ich erfahre, das Gelände eines führenden Herstellers von Feuerwerksartikeln im Rheinland gliche schon Tage vor dem alljährlichen Werksverkauf einem Heerlager, weil knallgeiles Volk in Legionsstärke dort kampiert, dann ertappe auch ich mich bei der Frage, ob die alle nichts wichtigeres zu tun haben (zwischen den Jahren alten Freunden auf die Nerven gehen etwa).

Montag, 24. Dezember 2018

Jenseits der Blogroll - 12/2018


Weihnachtssondernummer

Pünktlich zum Fest die letzte Linksammlung des Jahres. Dies Format hat vor ziemlich genau einem Jahr ganz bescheiden mit gerade mal sieben zaghaften Links angefangen. Inzwischen muss ich aufpassen, dass das nicht jedes Mal viel zu viel Holz wird. Derlei Zurückhaltung habe ich mir für diesen Monat aber nicht auferlegt, denn es wollen bei einigen vielleicht ein paar (hoffentlich) ruhige Tage gefüllt werden. Lesen und sich bilden sind da zwei der nicht ganz schlechten Ideen. In diesem Sinne: Schöne Feiertage - ob, wie und mit wem sie nun begangen werden oder auch nicht.

Sonntag, 23. Dezember 2018

Besinnliches zum Fest


Abt.: Warten aufs Christkind mit Prof. Lesch

Harald Lesch, hauptberuflich Professor für Physik an der LMU München und gefühlt allgegenwärtiger Hauswissenschaftler des ZDF, mit einem hörenswerten Vortrag an der TU Ilmenau über den Zustand der Menschheit und den Klimawandel. Lesch nennt das Erdzeitalter, in dem zu leben wir die Aufgabe haben, übrigens nicht 'Anthropozän', wie es gerade populär ist, sondern, nota bene: 'Kapitalozän'...

Mittwoch, 19. Dezember 2018

The longer read: Von bösen Ismen


Heute: der Rass- und der Antisemitis-

Die folgenden Ausführungen sind auch als Antwort gedacht auf die Frage eines Kommentators letztens, ob man denn nicht einfach Kritik an der israelischen Siedlungspolitik üben dürfte, ohne gleich als Antisemit abgestempelt zu werden. Die Antwort lautet, kurz: Im Prinzip ja, aber… Der Rest ist aber nicht so einfach, daher länger. Es wurde gewarnt.

Gibt immer wieder so Missverständnisse. Etwa, dass jemand, der nie ein Problem mit Juden hatte, dem die schrecklichen Aspekte der Geschichte des 20. Jahrhunderts stets vollauf bewusst sind, der KZ-Gedenkstätten besucht, Kontakt zur örtlichen jüdischen Gemeinde pflegt und sich aufrichtig einsetzt für ein 'Nie wieder!', doch unmöglich selbst antisemitische Denkmuster hegen kann. Oder darauf hereinfallen kann, wenn andere es tun. Ein anderes ist, dass Linke sich oft nicht selten immun glauben gegen Antisemitismus und Rassismus. Weil sie dazu neigen, sich klüger zu dünken als der doofe Rest. Und nicht merken, wie sie rechts überholt werden. (Ihr geneigter Schreiberling will und kann sich übrigens nicht immer guten Gewissens ausnehmen davon.)

Samstag, 15. Dezember 2018

Ist das ein Mensch oder kann das weg?


Das einzig Einfache an der Frage, wie mit Schwangerschaftsabbrüchen rechtlich umzugehen sei, ist, dass nichts daran wirklich einfach ist. Keine Frau mache sich diese Entscheidung leicht, heißt es allüberall. Das ist ein tröstlicher Gedanke, ich will das gern glauben und das mag für die Mehrheit sicher auch zutreffen. Aber eben nicht auf alle. Vielleicht bin ich auch bloß zu weichlich für diese pimmelharte Welt, aber die Eiseskälte und Rohheit, mit der ich einzelne Frauen über Abtreibungen habe reden hören, als handele es sich um eine Mandeloperation, und mit der nicht wenige der 'Mein Bauch gehört mir!'-Fraktion von jeher auftreten, hat mich schon immer abgeschreckt. Im Zusammenhang mit einem heranwachsenden Menschen von "Wegmachen lassen" zu sprechen, war da noch eine der harmloseren Äußerungen.

Dienstag, 11. Dezember 2018

Blut, Schweiß und Tränen - begraben unter 'Schwarzem Gold'


Ein Gastbeitrag von Gerhard Keller

Am Freitag, 21.12.2018, endet mit der Schließung von Prosper Haniel in Bottrop als letzter Zeche im Ruhrgebiet die Geschichte des Steinkohlebergbaus in Deutschland. Die Abschlussfeierlichkeiten werfen bereits seit einigen Wochen in Gestalt von Reportagen und historischen Rückblicken in den Medien ihre Schatten voraus. Es kündigt sich im Vorfeld die emotionale Orgie einer Lebenslüge an.

Mein Elternhaus stand 500 Meter von der Zeche Lothringen entfernt an der Straße 'Knappensiedlung' in Herbede, heute ein Ortsteil von Witten. Alle der rund 100 Familien, die dort wohnten, kannten sich untereinander. Die Hausfrauen trafen sich in den 50er und 60er Jahren völlig unbefleckt von Alice Schwarzer gemäß der damals standardisierten Rollenverteilung zum Schwätzchen im Tante-Emma-Laden, beim Milchbauern oder beim ambulanten Gemüsehändler. Die Männer nach Feierabend auf dem lehmigen Fußballplatz des lokalen Vereins aus der dritten Kreisklasse und beim Bierchen nah dem Heimspiel. Der männliche Nachwuchs verschwand nach der Schulzeit selbstverständlich auch im Förderkorb. Leider gab es für die Familien im Ruhrgebiet nach dem Krieg kaum Alternativen.

Sonntag, 9. Dezember 2018

Ronny des Monats - Dezember 2018


So denn, Zeit für die letzte Ronny-Verleihung des Jahres. Weihnachten ist ja die Zeit der Weihnachtsmärkte und traditionsreicher christlich-abendländischer Symbolik wie blinkende Weihnachtsmannmützen und Glühwein mit Schuss. Da sind Ronny & Co. Immer besonders auf der Hut, dass wir hier nicht islamsiert und umgevolkt werden, weil etwa irgendwo ein 'Lichtermarkt' veranstaltet wird anstatt eines deutschen Weihnachtsmarktes. Neben vielem Schlimmem, das passiert ist und selbstverständlich vermeldet werden muss, lässt sich allerdings auch ein erfreulicher Trend feststellen. Nämlich der, dass es Teilen der rechten Szene offenbar sehr um das Amusement der überwiegenden Bevölkerungsmehrheit bestellt ist. Zumindest wenn man sich die köstlichen Protestaktionen ansieht, die sie sofort zu veranstalten pflegen, wenn sie irgendwo einen Witz nicht verstanden haben.

Donnerstag, 6. Dezember 2018

Wenn Kunst mal weh tut


Das Zentrum für politische Schönheit (ZPS) hat bekanntlich das Projekt 'Soko Chemnitz', bei dem zur Denunziation von Nazis aufgerufen wurde, mit bestem Dank vom Netz genommen und enthüllt, dass es sich um einen 'Honeypot' gehandelt habe. Eine Falle, um möglichst viele der Angesprochenen zum Anklicken zu bewegen und so an ihre Daten zu kommen. Die Aktion sei, heißt es, umstritten. Zu recht. Und absolut nicht schlimm, im Gegenteil. Die bürgerliche Presse sieht das überwiegend anders. Deren Sturmgeschütz Jochen Bittner verstieg sich gar zu der rhetorischen Frage, ob die, die die Aktion des ZPS gutheißen, es auch als Kunst goutierten, wenn 'Identitäre' demnächst Bilder von Linksextremisten veröffentlichen würden. Aha.

Dienstag, 4. Dezember 2018

Untote


"Merz will Parteivorsitzender anstelle der Parteivorsitzenden werden, vermutlich dann auch Kanzler anstelle der Kanzlerin. Nach allem, was man bisher weiß, hat er sich zu diesem Zweck vorgenommen, erst die Partei, dann das Land in die Vergangenheit zu führen. Denn was er etwa über das Asylrecht sagt - und gar nicht so gemeint haben will -, hat er ganz genau so schon im Dezember 2000 gesagt, und dabei alles, was sich seitdem verändert hat, offenbar nicht mitbekommen. Das sollte man ihm nicht vorwerfen, denn er war damit beschäftigt, als Banker Millionen zu verdienen, was wiederum nichts Verwerfliches ist." (Jakob Augstein)

Was ist der Unterschied zwischen Friedrich Merz und dem völlig zu Unrecht verstorbenen Manfred Krug? Antwort: Manne Krug, der olle Crooner, hat’s irgendwann begriffen. Dass dem Volk massenhaft Aktien aufzuschwatzen nicht zu allgemeinem Wohlstand führt, sondern vielmehr dazu, dass ein paar wenige gewinnen und ziemlich viele mehr oder minder viel verlieren. Wie sollte es auch anders im herrschenden Wirtschaftssystem? Leider kann er nicht mehr widersprechen, aber Krugs Lernfähigkeit könnte unter anderem damit zusammenhängen, dass er während seiner Jugend, die er in der DDR verbrachte, mehr über Kapitalismus gelernt hatte als viele im Westen, wenn auch aus anderer Perspektive.

Sonntag, 2. Dezember 2018

In der Lindenstraßen-Diktatur


Es soll ja Leute geben hierzulande, die wähnen sich in einer Diktatur. In der man ohne Gerichtsverfahren ins Verlies geworfen wird und mit der linksgrünversifften Nazikeule eins übergebraten bekommt, bloß weil einem mal irgendwo rausgerutscht ist, was man mit Flüchtlingen am besten machen sollte. Ist natürlich Quatsch, also das mit der Diktatur. Bester Beweis: Frau Merkels Linienflug nach Buenos Aires, weil die Flugbereitschaft der örtlichen Streitkräfte mal wieder indisponiert war. Hefte raus, mitschreiben! Alle Diktaturen dieser Welt hatten und haben eines gemeinsam: In ihnen mag nichts, aber auch gar nichts funktionieren, bis auf die Armee. Diktaturen verfügen immer über hoch effizientes Militär. Deutschland über die Bundeswehr.

Mittwoch, 28. November 2018

Um der Menschlichkeit willen


Warum es lohnt, David Chazelles großartigen Film 'Aufbruch zum Mond' anzusehen

"Dass ich so was noch erleben darf!", war mein erster Gedanke, als der Film ausblendete und der Abspann einsetzte. Ich hatte mich zwei Stunden und zwanzig Minuten keine Minute gelangweilt, obwohl es die Nachmittagsvorstellung und ich müde von der Arbeit war. Ich war ehrlich berührt. Musste das erst mal verdauen. Was erwartet man, wenn man einen amerikanischen Film anschaut über Neil Armstrong und die erste Mondlandung 1969? Es gruselt einen bei dem Gedanken, was etwa ein Michael Bay aus diesem Sujet gemacht hätte. Ein nur mit viel Bier erträgliches, auf bloße Überwältigung angelegtes, nationalistisches Special Effects-, Propaganda- und Schnulzenspektakel wahrscheinlich. David Chazelle dagegen hat in 'Aufbruch zum Mond' fast alles anders gemacht und damit ein Meisterwerk abgeliefert.

Montag, 26. November 2018

Wir müssen reden - nicht!


Gibt immer wieder mal so Debatten, die ich nicht verstehe. Bzw. ich begreife nicht, wieso es sich überhaupt um Debatten handelt. Etwa die so heiß diskutierte Frage, ob man denn nun mit Rechten reden müsse oder nicht. Vasteh ick nich. Warum? Ich muss mit niemandem reden. Wie ich auch sonst nichts wirklich muss, außer irgendwann sterben. Ein Wildfremder, der mir in der Öffentlichkeit ein Gespräch über, sagen wir, Reichsflugscheiben aufzwingen will und meine Aufmerksamkeit zu erpressen trachtet mit dem Nichtargument, ich hätte sein wirres Gefasel gefälligst zu erdulden, da wir ja Meinungsfreiheit hätten, müsste je nach Tagesform mit kompletter Ignoranz oder einer deutlichen Abfuhr meinerseits rechnen.

Samstag, 24. November 2018

Jenseits der Blogroll - 11/2018


Die letzte Woche des Monats bricht an. Zeit für die monatliche Linksammlung.

Politik. Sind Sie auch so erleichert, dass Horst Seehofer sich nicht mehr jeden Tag zu Wort meldet? Puh, den sind wir erst mal los. Leicht verwirrter Opa mit Sprechdurchfall, wirkte immer ein wenig wie der peinliche Onkel, damals auf den Familienfeiern. Erzählte immer die gleichen abgestandenen Zoten. Keiner mochte ihn wirklich, aber niemand traute sich, ihn nicht einzuladen. Hätte auch nix genützt, er wäre trotzdem aufgekreuzt. Doch Obacht, meint Onkel Maike, auch schlechte Politiker haben eindeutig ihre Vorzüge.

Mittwoch, 21. November 2018

Deppen, Medien, Metaebene


"Auch vor dem Internet gab es in jedem Dorf einen Deppen, manchmal auch zwei. Durch das Internet können sich nun die Dorfdeppen untereinander austauschen und organisieren." (Jörg Kachelmann)

Wir lebten in einer Zeit zunehmender Wissenschaftsfeindlichkeit, so ist da und dort zu hören. Man kann da die Frage stellen, ob das in Zeiten der herrschenden Kommunikationsmöglichkeiten nicht auch ein Wahrnehmungsproblem sein könnte. Analog zum o.g. Zitat könnte man sagen: Leute, die Wissenschaft doof finden, hat es früher auch gegeben, aber dank Internet können sich heute alle Wissenschaftsdooffinder dieser Welt vernetzen. Definitiv ein Problem scheint es aber zu geben mit der medialen Aufarbeitung wissenschaftlicher bzw. vermeintlich wissenschaftlicher Erkenntnisse ("Amerikanische Wissenschaftler haben herausgefunden, dass..."). Die hat inzwischen Formen von Sensationsjournalismus angenommen, sodass es nicht mehr um Aufklärung geht, sondern offenbar nur noch darum, möglichst viele Säue möglichst klickzahlenträchtig durchs Dorf zu treiben.

Samstag, 17. November 2018

Mittelschicht und Mittelmaß


"Faustregel: Wer mehr als ein Flugzeug besitzt, ist wahrscheinlich nicht Mittelschicht." (Oliver Welke)


Will eigentlich noch irgendjemand Oberschicht sein? Oder sich dazu bekennen, Unterschicht zu sein? Ist übrigens gar nicht so abwegig. Es gab nämlich Zeiten, da war Proletariat schick, da wollte man dazugehören, wenn die Revolution um die Ecke kam. In den Siebzigern auch die Studenten aus gediegenem Hause, die von Mutti immer den Bundeswehrparka gewaschen kriegten, weil sie selbst nicht dazu kamen vor lauter Revolutionmachen (daraus sind später die Grünen entstanden). In den Achtzigern dann konnte es für viele gar nicht Oberschicht genug sein. Die Bürgerkinder begehrten, reiche Säcke zu werden. Kamen mit Aktenköfferchen zur Schule, wählten Wirtschaft-LK, drohten mit Papis Anwalt, gingen BWL studieren und träumten von einem Job als Broker, um alsbald herumzulaufen wie Gordon Gekko.

Donnerstag, 15. November 2018

Sabbaticals sind scheiße


Ha, Aufmerksamkeit generiert! Hab ich Sie drangekriegt. Vielleicht sollte man es differenzierter ausdrücken und sagen: Längere berufliche Auszeiten, allgemein als Sabbaticals bekannt, werden in der Regel maßlos überschätzt und je penetranter sie propagiert werden als Wundermittel gegen ausbeutungsbedingte Abgespanntheit und andere Gebresten, desto verdächtiger wird es.

Da wäre zunächst einmal das Problem, dass man sich so ein Sabbatical überhaupt erst leisten können muss. Will man während einer Auszeit nicht jeden Cent umdrehen, sollte man was gespart haben. Oder man muss, wie bei den bisher üblichen Modellen, einige Jahre auf einen Teil des Gehalts verzichten, um so eine Art Guthaben für das freie Jahr zusammen zu haben. Um auf einen Teil verzichten zu können, muss man allerdings erst einmal genug verdienen. Damit wären diejenigen, die vielleicht am dringendsten eine längere Pause bräuchten, nämlich die, die in krank machenden, mies bezahlten Drecksjobs ohne jegliche Aus-, geschweige denn Aufstiegschance festsitzen, von vornherein ausgeschlossen.

Sonntag, 11. November 2018

Sensation! Weltexklusiv! Irre!


Wir werden investigativ. Aber hallo! Exklusiv aus Uli Höneß' Mantel (der in die Reinigung musste): Der Zettel mit der Einkaufsliste des FC Bayern München für das nächste Transferfenster:

Samstag, 10. November 2018

Ronny des Monats - November 2018


Ist ja wieder so einiges Unerwartete passiert seit letzten Monat. So fand ich es sehr überraschend, herauszufinden, dass AfD-Politiker doch ein Herz haben. Ein wissenschaftlicher Mitarbeiter der AfD-Fraktion im Düsseldorfer Landtag ist nämlich mit Herzproblemen kollabiert. Das beste: Ausgerechnet ein SPD-Kollege mit türkischem Migrationshintergrund hat ihm erste Hilfe geleistet und ihm damit wohl nicht nur den Arsch gerettet. Hat Hollywood schon ein Angebot für die Filmrechte abgegeben? Oder dass ausgerechnet (Achtung, Weltbild-Einsturzgefahr!) die mutigsten Streiter für die Wahrheit in puncto Fake News selber keine Unschuldslämmer sind. Traurig, wenngleich weniger überraschend fand ich, dass es in Sachsen offenbar kaum mehr möglich ist, sich an dortigen Schulen gegen Rechtsextremismus zu engagieren, weil es auch in den Kollegien inzwischen reichlich bräunlich müffelt.

Freitag, 9. November 2018

Vor 80 Jahren


"Es ist geschehen und folglich kann es wieder geschehen." (Primo Levi)

Gedenken am Mahnmal der hiesigen Synagoge zum 80. Jahrestag. (Wegen des heutigen Sabbatabends  schon gestern.) Präsenz zeigen. Etwas mehr los als letztes Jahr. Polizei war heuer auch anwesend, wenngleich dezent und glücklicherweise war Kampfmontur nicht nötig. Die Vorsitzende der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit hielt eine kurze Ansprache und zitierte Primo Levi. Der Bürgermeister, obwohl politisch nicht mein Lager, hielt wie jedes Jahr eine kurze Ansprache, an der es nichts zu meckern gab. Kein Gendenkpathos, durchaus klare Worte gegen rechts. Aufrechter Demokrat, kein Zweifel. Letztes Jahr hatte der Kantor der Jüdischen Gemeinde das El male Rahamim noch hier am Ort der zerstörten Synagoge unter freiem Himmel rezitiert. Dieses Jahr nicht. Schade.

Dienstag, 6. November 2018

Der Weiter-so-Mann


Der Journalistik-Dozent Scott Maier sagte einst, Menschen würden JournalistInnen, weil sie gerne Geschichten erzählten und Mathe hassten. Das liefert immerhin eine schöne Erklärung dafür, wieso Teilen der Qualitätspresse angesichts des unverhofften Wiederauftauchens des einst weggemerkelten neoliberalen Messias Friedrich Merz der Sabber der Vorfreude aus allen Knopflöchern quillt. Merz ist einer breiten Öffentlichkeit nämlich vor allem durch die Forderung erinnerlich, eine Steuererklärung müsse auf einen Bierdeckel passen. Ich fand es schon als Schüler, als ich gelegentlich mit Spickzetteln arbeitete, immer bloß die entscheidende Frage, wie klein man zu schreiben imstande ist.

Samstag, 3. November 2018

Gefegt und trockengeputzt


Lange in keinem Kurort mehr gewesen. Selber auch nie auf Kur gewesen. Vielleicht kein schlechtes Zeichen. Man hat ja so seine Vorurteile. Morgens Fango, abends Tango. Beige gekleidete Senioren lustwandelnd im Park. Mürbfleischig-welke, krampfadrige Unterschenkel beim Wassertreten. Ein aus unterbezahlten osteuropäischen Hilfskräften zusammengesetztes Kurorchester, das in einer baufälligen Konzertmuschel lustlos süßliche Operettenpotpourris zusammenfiedelt. Stiernackige Masseure und resolute, matronenhafte, sofakissenbrüstige Masseurinnen, unter deren schraubstockartigem Eisengriff noch der verspannteste Kassenpatient schlagartig wieder zum Springinsfeld mutiert.

Mittwoch, 31. Oktober 2018

Schmähkritik des Tages (23)


Passend zu Halloween: Anja Rützel über ein Konzert des 'Volks-Rock‘n-Rollers' Andreas Gabalier in Berlin

"Wenn man mit Andreas Gabaliers Werk nur so weit vertraut ist, wie es sich eben nicht vermeiden lässt, wenn man gelegentlich durch das Samstagabendfernsehprogramm zappt, staunt man an diesem Abend, wie einfach das Einfache dann tatsächlich ist. Ein Refrain über das Daheim-Gefühl geht dann auch schonmal so: »Des is dahoam, des is dahoam / Ja, do nur do bin I dahoam.« Selbst die Kollateralschäden eines ländlichen Lebens nimmt man da gern in Kauf: In »Kleine heile steile Welt« singt Gabalier nonchalant vom »Holzscheitelknien«, einer, nun ja, traditionellen Art, Kinder zu bestrafen, indem man sie lange auf Holzstücke mit harten Kanten knien lässt. Gehört halt dazu, so wie Fummeleien auf dem Heuboden und das Kreuz an der Wand.

Sonntag, 28. Oktober 2018

Heimatschutz am Tresen


Man soll ja die ausgetretenen Pfade verlassen, heißt es immer. Gewohnheiten aufbrechen. Neues wagen. Das erweitere den Horizont, sagen sie. Eröffne neue Perspektiven. Stimmt. Erst kürzlich wieder erlebt. Nach einem ausgiebigen Dinner mit lieben Menschen sollte am späten Samstagabend zum Ausklang desselben noch ein Absacker her. Leider waren sämtliche einschlägigen Etablissements der Innenstadt durch ein Großevent namens Musiknacht geblockt und hätten Eintritt genommen. Also landeten wir in einer Stadtteilkneipe etwas außerhalb. Und gleich am Eingang stand er. Der mit dem T-Shirt. Schwarz. Mit weißer Schrift. Dazu trug er ungelogen eine rote Hose. Kann man sich auch seine Gedanken zu machen, wenn man denn will.

Donnerstag, 25. Oktober 2018

Jenseits der Blogroll - 10/2018


Wie immer in der letzten Woche des Monats, die Links und Fundstücke der letzten Wochen. Solange das neue Urheberrecht einen noch lässt.

Politik. Vor 10 Jahren starb Jörg Haider eines unnatürlichen alkoholinduzierten Todes. Im 'profil' erinnern sie mit einem wieder aufgelegten Artikel von Herbert Lackner aus dem Jahr 2009, wie Haider 1989 die Anti-Ausländer-Politik erfand. Nur so viel sei vorweggenommen: Dass das im Jahr 1989 geschah, ist alles andere als ein Zufall.

Montag, 22. Oktober 2018

Sozialneid von rechts


Erwähnte ich schon, dass ich eine goldene Taschenuhr besitze? 585er Gold, Baujahr 1901, gebaut in Genf. (Bevor hier jemand auf originelle Ideen kommt: Das Messgerät befindet sich an einem sicheren Ort, auf den ich keinen direkten Zugriff habe. Mich mit Gewalt zu irgendetwas zwingen zu wollen, wäre also zwecklos.) Und, sind Sie schon rechtschaffen neidisch auf mich rumprotzendes Kapitalistenarschloch? Wie kommt so einer bloß an so viel Kohle? Darf der so was überhaupt haben? Ja geht das denn? Antwort: Wieso nicht? So eine Uhr zu kaufen, könnte ich mir natürlich nicht leisten, selbst wenn ich meine drei Deutsche-Bank-Aktien versetzen würde, die ich einst zur Firmung bekommen habe.

Samstag, 20. Oktober 2018

Grenzerfahrungen in der Konsumgesellschaft (16)


In der Warteschlange an der Discounterkasse vermögen sich mitunter Welten aufzutun. So sprang mich heute die dort ausliegende Meistverkaufte der Nation mit der Headline an, Bestsellerautorin Charlotte Link gönge auf Merkel los. Hui, dachte ich, gedenken da am Ende zwei nicht mehr ganz juvenile Damen sich im Schlammcatchen zu üben? Nein, erfuhr ich näheren Blickes, die Unterhaltungsliteraturschreiberin, hieß es dort, sei der Meinung, es habe 2015 einen immensen Kontrollverlust gegeben, will heißen: Sie findet Merkels Flüchtlingspolitik eher nicht so gut. Nähere Recherchen meinerseits haben ergeben, dass die Lady am Vorabend zu Gast beim servilen Markus Lanz war und dortselbst die hoch originelle Einsicht zum Besten gab, wer nicht 100 Prozent auf Merkels Willkommenstrip sei, gölte als rechts außen.

Freitag, 19. Oktober 2018

Keep the Kreishaus!


Bitte die inferioren Handyfotos zu entschuldigen, ich hatte schlechtes Licht und die Linse nicht geputzt vorm Knipsen. Das Kreishaus, das Sie hier sehen, verehrte Leser*innen, ist Baujahr 1979 und liegt ein wenig versteckt in der Peripherie der Innenstadt. Vielleicht ist es bloß Nostalgie, aber ich mag diese Art öffentlicher Architektur sehr. Natürlich ist die Hütte kein großer Wurf und kein Schmuckstück. Es ist jene vielgeschmähte 'Sparkassenarchitektur', in der auch das ungeliebte Bundeskanzleramt in Bonn ausgeführt ist. Aber gerade die unmonumentale Unauffälligkeit und geschäftsmäßige Nüchternheit macht den Charme aus, finde ich. Da wird nicht geprotzt, da drängt sich nichts auf, es soll niemand beeindruckt oder eingeschüchtert und auch nicht groß repräsentiert werden. Betritt man das Gebäude, läuft man weiter auf Kopfsteinpflaster. Ein öffentliches Forum.

Dienstag, 16. Oktober 2018

Finis Bavariae


(wie wir es kennen)

Jo sog amal, wo leben wir eigentlich? Da geht eine Landtagswahl ungefähr so aus wie von Demoskopen seit Wochen und Monaten prognostiziert, in Bayern muss die CSU sich zum zweiten Mal in ihrer Geschichte in eine Koalitionsregierung bequemen (und wird das wohl auch in Zukunft tun müssen) und dann übertrifft man sich medial mit Katastrophen-Superlativen. Ein politisches Erdbeben! Ein Fiasko! Casca il mondo! Was soll nur werden? (Fürs Protokoll: Dass Mehrheiten sich ändern, gilt außerhalb Bayerns als ziemlich normaler demokratischer Vorgang.) Was werden soll, weiß natürlich keiner, weil man nicht in die Zukunft sehen kann.

Samstag, 13. Oktober 2018

Die Unreifeprüfung


Aufgabe: Interpretieren Sie den Songtext 'Aussa mit die Depf' der österreichischen Sängerin Hannah. Achten Sie dabei besonders auf die korrekte Verwendung geeigneter Fachausdrücke.

Der Text zum in alpenbairischer Mundart verfassten Song 'Aussa mit die Depf' ist in einfacher Strophen-Refrain-Form gearbeitetet. Nach einem kurzen Prolog ("He Weiberleit, was koch' ma heit?"), der die Grundstimmung des Kommenden vorgibt, folgt der Refrain, der allein aus dem Vers "He Weiber! Aussa mit de Depf - heut gibt‘s Nudeln!" besteht. Die Strophen sind jeweils aus vier Versen mit Endreim nach dem Schema aabb aufgebaut. Die Wahl dieser höchst konventionellen Form könnte darin begründet sein, dass eine möglichst breite Massenwirkung dieses eminent politischen Textes angestrebt wird.

Mittwoch, 10. Oktober 2018

Ronny des Monats - Oktober 2018


Bei allem Üblen, was so vor sich geht, sollte man das Positive nie vergessen. Möge man mich deswegen für einen unverbesserlichen Optimisten halten - bitte sehr, da kann ich mit leben. Aber ich brauch das nun mal, um nicht durchzudrehen. So fand ich es sehr erfreulich, dass Ronny und seine Spießgesellen ein paar Mal tüchtig ins Klo gegriffen und auch mal Gegenwind bekommen haben. Etwa, dass diverse rechte Musikveranstaltungen in Thüringen krachend gescheitert sind, weil die zuständigen Staatsgewalten ihren Job ernst genommen haben. (Moral: Geht alles, wenn nur der politische Wille da ist). Oder dass die AfD in Hamburg mit ihrer dämlichen Lehrerdenunziations-Hotline mit massenhaft Nonsens-Meldungen getrollt wird.

Sonntag, 7. Oktober 2018

Lob des Krempels


Ballast abwerfen ist ja das Gebot der Stunde. Radikal entrümpeln. Besitz belastet nur. Jeder dessen Hausrat nicht in zwei Kartons passt, ist ein krankhafter Messie und soll mal aufräumen, so geht die Fama. "Simplify your life!", predigt uns der frühere evangelische Pfarrer, spätere Zeichner frommer Witzbildchen und jetzige Oberentrümpler Werner Tiki Küstenmacher seit Jahren (und dürfte damit ironischerweise einiges an Mammon angehäuft haben, der ihn irgendwie so gar nicht zu belasten scheint). Erst wenn dein Heim aussieht wie eine leerstehende Wartehalle, dann wirst du erkennen, was wirklich wichtig ist im Leben, heißt es. Mag sein, aber ich mag nicht. Was, wenn ich es gerade faszinierend finde, dass das Leben eben nicht simpel ist, sondern komplex, kompliziert und manchmal eben unauflösbar schwierig?

Donnerstag, 4. Oktober 2018

Einigkeit und Recht und Freizeit


Gestern war ja wieder dieser Einheitsgedenktag, an dem immer frei ist. Den gedachte ich unter anderem dafür zu nutzen, im hübschen Bad der Nachbarstadt eine Runde zu schwimmen und hernach im herrlich temperierten Solebecken noch ein wenig zu entspannen. Da ich zudem für meine Verhältnisse recht früh auf den Beinen war, dachte ich: Mach dich zeitig auf den Weg, dann hast du eine Chance, halbwegs ungestört ein paar Bahnen zu ziehen. Guter Plan. Hatte ich mir so gedacht. In der Theorie. Als ich auf den Parkplatz einbog, sah ich nur noch Volksmassen in allen Farben, Formen, Größen und Altersgruppen strömen. Und zwar dummerweise fast ausschließlich hinein. Also Plan gecancelt. Dumm gelaufen. Zuerst geärgert, dann aber dachte ich: Dass so viele Menschen an diesem Tag offenbar wichtigeres und Schöneres zu tun zu haben, als daheim vor der Glotze dieser 'Deutschen Einheit' zu gedenken, kann kein ganz schlechtes Zeichen sein. Und ward wieder ein wenig versöhnt mit dem Tag.

Dienstag, 2. Oktober 2018

Vermisches vom 2.10.2018


Was ich an der Causa Kavanaugh so interessant finde: Ich kann autoritäres Schulhofrowdy-Gehabe auf den Tod nicht ausstehen und es verursacht mir fast körperliche Beschwerden, wenn Leute immer wieder mit so was durchkommen. Es mag meinetwegen höchst unreif sein, aber es verschafft mir eine gewisse Befriedigung zu sehen, wie so ein Rumbrüller, Einschüchterer, Empörter, Aufdentischhauer und Backenaufbläser auch mal vor die Wand läuft mit seinem Rumbrüllen, Einschüchtern, Empören, Aufdentischhauen und Backenaufblasen, wie er vor laufenden Kameras und vor den Augen der Welt Gegenwind bekommt und es gar nicht fassen kann. Ob er den Job am SCOTUS am Ende bekommt oder nicht (man wird schon einen Weg finden) - egal, allein das war es wert.

Sonntag, 30. September 2018

Warum, ach sag', warum


Michael Spreng, seines Zeichens ehemaliger Chefredakteur des meistverkauften Presseerzeugnisses der Nation, muss sich doch sehr wundern. Wieso ist sein früherer Arbeitgeber in letzter Zeit bloß so komisch? Die Gazette "[...] zersetzt [...] systematisch den Respekt vor den Institutionen und Repräsentanten des Staates und delegitimiert die liberale deutsche Demokratie. Die Zeitung macht sich damit freiwillig oder unfreiwillig zur Vorfeldorganisation der AfD." Der nicht mehr gar so neue Schriftleiter "[…] Julian Reichelt hat offenbar eine Truppe von selbsternannten Kriegern um sich geschart, die glauben, sie lägen im Schützengraben und müssten nicht nur die Kanzlerin, sondern auch den liberalen Rechtsstaat sturmreif schießen.“ Büschen viel Weltkriegsmethaphorik. Egal.

Freitag, 28. September 2018

Patriarchat, fortgeschrieben


Sicher, es sind die USA und die sind - Platitüde - in vielem anders. Einigen wir uns vielleicht darauf: Richter, egal wo und welcher Instanz, sollten zunächst einmal über den nötigen Sachverstand verfügen, ihren Job ordentlich zu erledigen. Weiterhin steht nirgendwo geschrieben, dass Richter moralisch zu 100 Prozent integer sein müssen. Und nein, Richter müssen auch keine Heiligen sein, es wäre weltfremd, geradezu kindisch, das zu erwarten. Ein Bewusstsein aber, eine Art Kompass für das, was richtig und falsch ist, muss man schon erwarten von einem Richter. Ferner eine Fähigkeit zur Reflexion, sich in die andere Seite hineinversetzen zu können. Ich mit meinem laienhaften Verständnis von Rechtsprechung wüsste jedenfalls nicht, wie man sonst Recht sprechen könnte.

Montag, 24. September 2018

Jenseits der Blogroll - 09/2018


Preisfrage: Woran erkennt man, dass es wieder Herbst wird? An den sinkenden Temperaturen? Den bunt sich färbenden Blättern? Iwo, der sicherste Indikator ist die alljährlich anhebende Berichterstattung über das Oktoberfest. Dieselben Preßfritzen, die uns sonst streng ermahnen, dass schon das kleinste Feierabendbierchen pures Gift sei und es im Prinzip keine vertretbaren Alkoholmengen gäbe, schalten im September kollektiv auf Partymodus. Und so werden wir auch dieses Jahr wieder zugeballert mit allerlei Details über das größte Massenbesäufnis der Welt. Über Bierpreise, Alkoholleichen, betrügerisches Einschenken, wie ein Dirndl korrekt zu tragen ist, welcher Promi mit welchen anderen unwichtigen Menschen in welcher Feierbutze gesehen wurde, die Wonnen vormittäglicher Druckbetankung im Festzelt und dass es überhaupt nichts Geileres gibt als sich in alberner Gewandung systematisch die Birne rauszuschrauben. Sexuelle Übergriffe hingegen werden normalerweise eher diskret behandelt. Wegen christlich-abendländische Kultur vermutlich.

Sonntag, 23. September 2018

Jesses!


Mag man auch inhaltlich nicht immer mit allem einverstanden sein, was dort geschrieben steht (etwa wenn der Autor Harald Martenstein heißt), ist der berlinische Tagesspiegel für das eine oder andere unbedingt zu loben. Er ist mit einigen anderen Ausnahmen (taz, Frankfurter Rundschau) eines der wenigen größeren Presseorgane, das nicht ganz oder teilweise hinter Bezahlschranken verschwunden ist, kein Bezahlmodell praktiziert und einen auch nicht andauernd auffordert, den doofen Adblocker auszumachen. Ferner muss man hervorheben, dass man dort bereit und in der Lage ist, es zu thematisieren, wenn man Mist gebaut hat und dann auch bereit ist, das entsprechend zu korrigieren.

Freitag, 21. September 2018

Schmähkritik des Tages (22)


Heute: Micky Beisenherz über die Personalie Maaßen

"Annette Schavan und Karl Theo Guttenberg wiegen gerade in Embryonalstellung unter der Dusche, während Christian Wulff traurig seine Kreise auf dem Bobbycar in der Einfahrt dreht. Binnen weniger Stunden ist »Maaßen« vom Substantiv zum Verb mutiert:

Maaßen- größtmögliche Karriereschritte machen bei erwiesener Inkompetenz.

Dienstag, 18. September 2018

Opa erzählt vom Kalten Krieg


An der bei RTL gefloppten Serie 'Deutschland 83' gibt es erfreulich wenig auszusetzen.

Mit den seit einigen Jahren so angesagten Fernsehserien ist das bei mir ja so eine Sache. Gucke ich meist erst dann, wenn sie schon ein paar Jahre alt sind. Keine Ahnung, wieso. Vielleicht weil mir 'Hypes' aller Art so gegen den Strich gehen. Ferner halte ich auch in Zeiten des Streamings eisern am guten alten Datenträger fest. Man sollte den Datensammlern dieser Welt ihr Geschäft so schwer wie möglich machen, wenn man es ihnen schon nicht komplett verunmöglichen kann. Ich finde immer noch, es geht außer mir und von mir ausgewählten Personen niemanden etwas an, wann ich wie lange was genau anschaue.

Samstag, 15. September 2018

Stei! Polizop!


Wie die Prioritäten liegen

3.500 bis 4.000 Polizeibeamte mit schwerem Gerät bietet das Land Nordrhein-Westfalen nach Medienangaben auf, um 200 Hektar rheinischen Restwald roden zu können. Dazu war es nötig, amtlich festzustellen (vermutlich nachdem man neueste Supercomputer angeschafft und die brightesten US-Hochschulabsolventen rekrutiert hatte), dass die 50, zum Teil seit Jahren existieren Baumhäuser den Bestimmungen des Brandschutzes nicht genüge tun (ein Glück, dass die Waldbrandsaison...). Gut, spätestens seit dem Berliner Flughafen weiß jedes Kind, dass in Deutschland Gebäude, die die Auflagen des Brandschutzes nicht erfüllen, qua ministerieller Verfügung unverzüglich durch die Polizei per Bulldozer abzuräumen sind. Bei Gefahr im Verzuge darf Der RechtsstaatTM kein Pardon kennen, es geht schließlich um unser aller Sicherheit.

Donnerstag, 13. September 2018

Steinerne Schlussstriche


Vorweg ein Bekenntnis: Ich habe durchaus etwas über und ein Faible für alte Gemäuer und so genannte 'geschichtsträchtige' Orte. Stehe ich im Oktogon des Aachener Doms, vor dem Speyerer Dom, in der Hagia Sophia, der Kathedrale von Saint-Denis, am Londoner Tower, auf dem Forum Romanum, der Nürnberger Kaiserburg oder an ähnlichen Orten - you name it - und lasse die Gedanken schweifen, dann geht mir das Herz auf. Als Kind und Heranwachsender fand ich den alten Kram erst totenöde, da komplett uninteressant, dann war er mir egal. Als ich begann, mich für Geschichte zu interessieren, wurde das anders. Wer mit mir in den Kölner Dom geht, muss sich auf einen längeren Aufenthalt gefasst machen, denn ich finde immer was Spannendes zu entdecken. In Stratford-upon-Avon hätte ich einmal fast meinen Zug verpasst, weil ich mit einem freundlichen und hochkompetenten Mitarbeiter der Shakespeare-Gedenkstätte ins Fachsimpeln geraten war.

Montag, 10. September 2018

Ronny des Monats - September 2018


"Meine Zweifel an der Lernfähigkeit der Gesellschaft wachsen." (Bettina Gaus)

Schaut man sich die Masse der Bewerber an, dann könnte man nach den Ereignissen der letzten Wochen glatt den Eindruck bekommen, nicht wenige Leute hielten den Ronny des Monats für einen echten Preis. Die Auswahl war riesig dieses Mal, die Shortlist lang. So haben Wissenschaftler jetzt herausgefunden, dass es eine Korrelation gibt zwischen gehäuft auftretender Hate Speech in sozialen Netzwerken und realer rassistischer Gewalt. Wow! Was finden die als nächstes heraus? Dass Kaffee ohne Zucker weniger süß schmeckt? Wer hat die Studie verfasst? Captain Obvious?

Samstag, 8. September 2018

Über die Maaßen klebrige Stühle


"Das sind meine Prinzipien. Wenn die Ihnen nicht gefallen, habe ich noch andere." (Groucho Marx)

Vieles war und ist mit Recht zu hören und zu lesen vom Verrat, den die moderne Sozialdemokratie an ihrer proletarischen Kernklientel begangen habe. Wenngleich leicht in Vergessenheit gerät, dass der Arbeiterverrat bei den Sozialdemokraten, beginnend mit 1914, eine über 100jährige Tradition hat und nicht erst mit Gerhard Schröder angefangen hat. Über all dem darf aber nicht der permanente Verrat vergessen werden, den moderne Konservative seit Jahrzehnten begehen. Den an ihren Idealen nämlich. Ja, richtig gelesen. Konservative, zumindest einige unter ihnen, hatten mal Ideale. Etwa das unerschütterbare Bekenntnis zu Europa eines Helmut Kohl. Man sollte das natürlich nicht überbewerten. Konservative Ideale waren meist eher Feigenblätter, ein Hauch von nichts, maximal dehnbar. Oder von solch rührender Unterkomplexität wie der plumpe Antikommunismus eines Franz Josef Strauß.

Dienstag, 4. September 2018

Vom Starkmachen der Rechten


"Die deutschen Konservativen und ihre Führungsriege sind unfähig, sich von rechts wirklich bedroht zu fühlen. Für sie steht der eigentliche Feind immer noch links. Rechts - das sind irgendwie ungezogene Verwandte."

Fällt das nur mir auf? Egal, was man tut oder nicht tut, man macht damit die Rechten stark. Ignoriert man sie, macht sie das stark, weil sie glauben, niemand wehre sich und die Straße gehöre ihnen. Protestiert man, macht sie das stark, weil sie sich dann als diskriminierte Opfer fühlen. Diskutiert man mit ihnen, macht sie das stark, weil es sie aufwertet, verweigert man jegliche Diskussion, macht sie das ebenfalls stark, weil das ihre Wahrnehmung vom arroganten Mainstream nur bestätigt. Andere wieder behaupten, man mache die Rechten stark, wenn man sie so nenne, denn schließlich seien sie nach eigenem Bekunden ja gar keine, aber... Man fragt sich ernsthaft, ob es eigentlich noch irgendwas gibt, was man tun oder lassen kann, das die Rechten nicht stark macht.

Sonntag, 2. September 2018

Werte Wespen,


wir müssen mal reden. Ich verstehe euch ja in vieler Hinsicht. Vor allem in der, dass ihr dauernd auf Nahrungssuche seid. Alles roger, sind wir alle, irgendwie. Weil ihr aber im Gegensatz zu unsereins keine Aldimärkte habt, müsst ihr, wie die meisten Tierarten, halt gucken, wo es gerade was zu spachteln gibt. So weit, so schön. Wir wollen alle leben. Ich sollte auch erwähnen, dass ich im Gegensatz zu anderen meiner Artgenossen keine Panikattacken kriege, wenn ich eine von euch bloß von weitem sehe, weder gegen eure doofe Stecherei allergisch bin noch sonst irgendwie Angst habe vor euch. Erst recht nicht vor eurem anorektischen 'Biene Maja in böse'-Look. Wir könnten also wunderbar nebeneinander her existieren auf diesem Planeten. Wenn, ja wenn ihr euch nicht so steindumm anstelltet.

Freitag, 31. August 2018

Jenseits der Blogroll - 08/2018


Überschattet von aktuellen Ereignissen, kommt die allmonatliche Linksammlung dieses Mal erst zum Ultimo. Es gibt eine gute und eine schlechte Nachricht: Es hat sich wirklich verdammt viel angesammelt dieses Mal. Mag daran liegen, dass ich Urlaub hatte und damit auch mehr Zeit zum Lesen. Aber immer dran denken: Man muss das nicht alles lesen. Kein Druck! 

Zuvor aber noch ein wichtiger Hinweis (danke, Claudia!): Es führt wohl kein Weg daran vorbei, sich als Blogger näher mit dem geplanten neuen Rundfunkstaatsvertrag zu befassen. Regelmäßige Leser dieser kuscheligen Ecke im Netz wissen, dass Kulturpessimismus mir auf den Sack geht, dass ich normalerweise nicht zum Schwarzsehen neige, eher zurückhaltend bin mit Kurzschlüssen wie 'Zensur!' oder 'Beschneidung der Meinungsfreiheit' und mich darob auch schon mal anlege mit wem. Wenn aber das stimmt, was da im Gespräch ist, könnte der Vertrag in dieser Form wohl wirklich das Ende der Bloggerei bedeuten, wie wir sie kennen. Dann wäre nämlich auch ich gezwungen, eine Rundfunklizenz zu beantragen (die mir jederzeit wieder entzogen werden könnte). Wieder stellte sich die Frage: Ist das den Spaß noch wert? Ich bin da noch am Anfang, bin juristisch nicht wirklich qualifiziert und auch bei der als ebenso tödlich für Kleinblogger geltenden DSGVO ist der ganz große Weltuntergang bislang ausgeblieben. Trotzdem scheint mir da erhöhte Wachsamkeit geboten.

Dienstag, 28. August 2018

Sachsen konkurrenzlos


Die Fakten, so weit bekannt: Ein 22jähriger Iraker und ein 23jähriger Syrer sollen am Wochenende in Chemnitz einen 35 Jahre alten deutschen Staatsbürger mit kubanischen Wurzeln so schwer verletzt haben, dass er kurze Zeit später im Krankenhaus seinen Verletzungen erlegen ist. Die beiden Tatverdächtigen wurden inzwischen dem Haftrichter vorgeführt. Chemnitz trauerte. Und wie es trauerte! In der Praxis sah das dann unter anderem so aus:

Sonntag, 26. August 2018

Lenny@100


Mir ging's vermutlich wie vielen Heranwachsenden: So genannte 'Klassische' Musik fand ich totenöde. Hintergrundbeschallung für Oma-Kaffeekränzchen. Staubige Sterbebegleitmusik für scheintote, schickgemachte Rentner. In den Konzerten war stundenlanges Stillsitzen Pflicht, wer hustete oder mit dem Stuhl knarzte, musste befürchten, auf der Stelle gelyncht zu werden. Oder vom damals allgegenwärtigen, stets hohepriesterlich einherschwebenden Herbert von Karajan mit einem gruseligen Bannfluch belegt zu werden. Schlimmer als in jeder Kirche. Dann aber sah ich eines Sonntagmorgens im TV zufällig das hier:

Freitag, 24. August 2018

Der Elefant im Raum


#MeToo wäre tatsächlich eine Chance gewesen, über wirklich wichtige Dinge ins Gespräch zu kommen. Über Ausbeutung zum Beispiel. Es ist doch so einfach: Immer wenn irgendwo Geld, Macht, Einfluss winken, wird Sex zur Ressource. Oder droht es zumindest zu werden. Männer? Frauen? Zweitrangig. Es geht darum, wer in welcher - no pun intended - Position ist. Hätte man drüber debattieren können. Statt dessen werden überwiegend die sattsam bekannten Dummformeln abgelaicht: Männer sind Täter, Frauen sind hilflose, schutzbedürftige Engel (wahlweise sind sie omnipotente, moralisch höher stehende Superwesen, je nach dem), die grundsätzlich nur Gutes im Schilde führen und die mit aller staatlichen Macht vor jeder erdenklichen Zumutung geschützt werden müssen.

Dienstag, 21. August 2018

Craftgebiere


Am Wochenende war Hopfenfest in der Heimatstadt. Ein Franchise namens 'Hopfen sei Dank'. 200 verschiedene Biere gab es zu probieren. Dazu Streetfood. Zum Preis von 4 Euro konnte man ein Glas erwerben mit Eichstrichen bei 0,1, 0,2 und 0,3 l. 0,1 l gab es für 1-1,50 Euro. Teurer als in der Kneipe, sicher, aber angesichts des Gebotenen keine Mondpreise, musste man schon sagen. Außerdem gab es so die Chance, sich ordentlich durchzutesten, ohne auf halber Strecke schon hackenstramm zu sein. Abgesehen davon, dass es gruseliges Ankobersprech wie die Aufforderung, gefälligst "Teil einer Genussbewegung" zu werden, geflissentlich zu ignorieren galt, gäbe es für mich also eigentlich gute Gründe, das Event prima zu finden.

Sonntag, 19. August 2018

Der Klassenfeind am Esstisch


2008 hätte es angesichts der so genannten 'Finanzkrise' nur eine logische Konsequenz gegeben: Dem Kapital, das den Schlamassel angerichtet hatte, hätte es ans Leder gehen müssen. Statt dessen wurde die Allgemeinheit zur Kasse gebeten und zahlt seither bis heute die Zeche. Auf Jahrzehnte. In Form von verrottender Infrastruktur, geschlossenen Schwimmbädern, Theatern und Büchereien etc. In anderen Ländern, die es noch weit schlimmer erwischt hat, in Form von handfestem Massenelend. Dummerweise haben viele aus der bürgerlichen Mittelschicht ein Problem damit, dem Kapital ans Leder zu gehen. Weil sie sich nach wie vor nach oben orientieren, und sei es noch so zu Unrecht, sehen sie ihr eigenes Hab und Gut mit in Gefahr. Und so ward das Kapital bald wieder aus dem Schneider, die Wut der vielen aber, die Abstiegsängste mussten irgendwo hin, brauchten ein Ventil.

Samstag, 18. August 2018

Schmähkritik des Tages (21)


Heute: Bettina Weber über die Wellnessindustrie

"Das Gespräch kommt unweigerlich darauf, an jeder Party, an jedem Apéro. Man erwähnt so ganz nebenbei, müde zu sein oder gerade eine Migräne hinter sich zu haben, und schon legt das Gegenüber den Kopf schräg und sagt: »Dein Säure-Basen-Haushalt ist total aus dem Gleichgewicht.« Meist sind es Frauen, die einem ungefragt eine Diagnose stellen und gleich noch das Behandlungskonzept mitliefern, zum Beispiel, eine Detox-Kur zu machen. Oder Yoga.

Es sind nie Ärztinnen, die einen da ungewollt beraten. Aber sie wissen trotzdem Bescheid in Sachen Gesundheit. Weil die Gesundheit zum liebsten Hobby und zur grössten Obsession des modernen Menschen geworden ist. Obschon er noch nie so gesund und die medizinische Versorgung noch nie so hervorragend war wie heute, fühlt er sich dauernd krank. Latent ­leidend. Einfach nicht richtig gut. Die Lösung heisst: Wellness.

Mittwoch, 15. August 2018

Benimm dich entsprechend, Homo!


Früher, da war ja, wenn schon nicht alles besser, dann aber doch einfacher. Da waren Heteros noch Heteros und Schwule noch Schwule. Die hießen Detlef oder Dietmar, hatten rosa als Lieblingsfarbe, verkleideten sich als Frauen, machten immer hach Gooottchen! und heititei und knickten das Handgelenk so komisch ab dabei. Sie tranken Pikkolöchen statt Pils, aßen Monchéri dazu statt Bratwurst, waren dauergeil und baggerten immer alle Kerle in Sichtweite an. (Gut, das war zwar eklig und die bekamen schon mal aufs Maul dafür, aber es sorgte immerhin für klare Verhältnisse.) Von Beruf waren sie Friseur oder was mit Mode oder Kunst, sie hörten Opern, Marianne Rosenberg und Rosenstolz und vor allem: Sie blieben unter sich. In ihren Kneipen und Clubs, ihrer eigenen Subkultur. Na kommen Sie, so war es doch, oder? Weiß doch jeder.

Montag, 13. August 2018

Call Off Duty


Für 20 Monate hatten sie mich nach dem Abitur einberufen zum Zivildienst. Nach mir wurden noch welche für 24 Monate einberufen, aber das wurde noch während deren Dienstzeit wieder reduziert. Bundeswehr dauerte 18 Monate damals. Begründet wurde die Differenz mit den Wehrübungen, zu denen die Amateursoldaten im Gegensatz zu den Zivildienstleistenden nach ihrer Dienstzeit noch einberufen wurden. Wurden sie aber kaum noch. In den Achtzigern zumindest. Ging wohl auch nicht wirklich darum, sondern darum, Zivildienst weniger attraktiv erscheinen zu lassen. Wer mit Abitur zum Bund ging und nicht explizit darum bat, kam nach der zur 'Grundi' verniedlichten Grundausbildung auch nicht zu einer Kampfeinheit. Zu viele Scherereien, zu viele Beschwerden und Eingaben. Die meisten schienen in irgendwelchen Schreibstuben vor sich hin zu gammeln.

Freitag, 10. August 2018

Ronny des Monats - August 2018


Da Ronny und Co, wie schon letztens gesagt, keine Sommerpause machen, tut die Jury das auch nicht. Auswahl gab es jedenfalls wieder genug. Der notorische Viktor Orbán etwa, der die Rechten Europas zum Kampf aufgerufen hat. Oder der schweizer Sprinter Pascal Mancini, der mit dem Ausgang der heurigen Fußball-WM offenbar nicht einverstanden war und aus seinem Herzen diesbezüglich keine Mördergrube machte. Verfassungsschutzpräsi Hans-Georg Maaßen hat es als mutmaßlicher AfD-Berater leider verbockt, auf die Liste zu kommen, weil in der Sache noch nichts bewiesen ist. Schade, hätte bestimmt eine vordere Platzierung gegeben, aber wir bleiben dran. Gleiches gilt für den Berliner Anti-Terror-Beamten, der gern mal bräunlich müffelnde SMS verschickt haben soll und damit der Redewendung vom Bock, der zum Gärtner gemacht wird, eine neue Qualität geben würde.

Dienstag, 7. August 2018

Reiseimpressionen (8)


Länger her, dass ich mal mehr als einen Tag lang in den Niederlanden war. Nicht, dass ich nicht gewollt hätte, hatte sich nur irgendwie nicht ergeben. Jetzt war es mal wieder so weit. Und wieder einmal kam dieses relaxte, sympathische Nachbarland mir vor wie eines, an dem sich studieren lässt, wie es auch gehen könnte. Natürlich, auch dort gibt es Schattenseiten, zudem sind meine Eindrücke flüchtig und oberflächlich. Zumal man in Urlaubsstimmung gewisse Dinge eh anders wahrnimmt. Als ich im einmal im Supermarkt sah, wie die Kundin vor mir ein ausgiebiges Schwätzchen mit der Kassiererin hielt, dachte ich: Ach ja. Daheim, gestresst und womöglich einen Termin vor der Brust, wäre ich vermutlich schwer genervt gewesen davon. Sogar das badeschwammartige Brot kann einem da schmecken (oder zumindest nichts ausmachen). Ist also alles mit Vorsicht zu genießen. Trotzdem, einiges sticht schon sehr ins Auge:

Montag, 6. August 2018

Vom Reisen


Es muss nicht zwingend schlecht sein, wenn etwas, das ursprünglich nur wenigen Privilegierten vorbehalten war, zum Massenphänomen wird. Gesundheitsversorgung etwa. Dass Arztbesuche und andere medizinische Maßnahmen in vielen europäischen Ländern keine reine Frage des Geldes mehr sind, hat die durchschnittliche Lebenserwartung nachweisbar nach oben gedrückt. Überhaupt ist immer Vorsicht geboten, wenn es heißt, es könne ja wohl nicht jeder... Bzw. solle denn jetzt etwa jeder...? Das ist meistens ein sicheres Zeichen, dass da jemand seine Privilegien gefährdet sieht und die Strickleiter der Solidarität, auf der er vielleicht einst selbst emporgeklettert ist, lieber wieder einziehen möchte. 

Sonntag, 29. Juli 2018

Dichotomie des Tages


Georg Seeßlen über Kommunist und Anarchist sein

"Wenn ein Kommunist ist, wer es nicht mag, dass Menschen ausgebeutet, entrechtet, vernachlässigt oder unterdrückt werden, und wenn ein Kommunist ist, wer dafür weder die Natur noch das Wesen des Menschen verantwortlich macht, sondern konkrete Verhältnisse, in denen Profit und Macht auf eine spezielle, extrem ungerechte Weise verteilt werden, dann bin ich eben ein Kommunist. […]

Samstag, 28. Juli 2018

Jenseits der Blogroll - 07/2018


Es ist wieder Zeit für die Fundstücke aus den unendlichen Weiten des Netzes, auf die ich so gestoßen bin. Ist einigermaßen viel Lesestoff dieses Mal, denn der hier zuständige Blogger wird sich nächste Woche für ein paar Tage in den Urlaub verabschieden und wird diesen auch als kurze Auszeit vom Bloggen gestalten. Da soll die Zeit nicht zu lang werden. Übrigens: Geht es noch jemandem so? Jedes Mal, wenn so eine luftig gekleidete Wetterfee aus ihrem voll klimatisierten Studio heraus bestens gelaunt vom "herrlichen Sommerwetter" schwärmt, das wir gefälligst zu genießen hätten, werden die Gewaltphantasien, die einen dabei überkommen, krasser. Hey, dabei wollte ich gar nichts über das Wetter schreiben. Muss am Wetter liegen.

Donnerstag, 26. Juli 2018

Schmähkritik des Tages (20)


Heute: Vincent Klink über Sternegastronomie in Deutschland und Harald Martenstein.

"Man darf Deutschland nicht mit Paris vergleichen und glauben was die Franzmänner können könne der Teutone auch. Deutsche Köche können das wohl, aber der Bürger hierzulande gibt für ein Menü kaum 300 Euro aus, und die braucht es, um ohne Hotel oder Sponsor im Rücken mit der Zwei- Drei-Sterneküche nicht zu verhungern.

Dienstag, 24. Juli 2018

Nur falsche Gewinner


Man muss kein Fan Angela Merkels sein, um ihr ein beängstigendes Gespür für politische Stimmungen zu bescheinigen. Vor vier Jahren noch ließ sie kaum eine Gelegenheit aus, sich in der Nähe der deutschen Fußball-Nationalmannschaft zu zeigen. War im Stadion zugegen und machte auch vor Besuchen in der Kabine nicht halt. Gut, das mit den Stadionbesuchen war dieses mal schwierig, weil die WM beim Iwan, pardon, beim Wladimir stattfand. Aber sonst? Bis auf ein kleines Shakehands auf der Durchreise in Südtirol war da wenig, wenn ich mich nicht täusche. Ahnte sie, welche Auswirkungen ein Fototermin zweier Spieler mit einem unverzichtbaren Verbündeten und 1A-Kunden der deutschen Rüstungsindustrie noch haben würde? Hatte sie Wind bekommen davon, wie es beim DFB hinter den Kulissen rumste?

Sonntag, 22. Juli 2018

Der Krampflöser


"Du, Mutti!" - "Ja, mein Kind?" - "Ich mag mein Brechmittel nicht essen."
Da hilft nur Pornosan! Mit dem Wirkstoff Sanoporn.
"Du, Susi." - "Ja, Föhni?"
Kinderpsychologe Doktor Prügelpeitsch meint…
"Graben!"
Bitte einen Sonderapplaus für den Hausmeister hier. Ein wunderbarer Mensch, man muss ihn einfach gern haben - sonst schmeißt er einen raus.
Da gibt es Leute, die stülpen sich kleine Gummitütchen über ihren Schniedelwutz.
Otto versaut Hamburg!
Peter, Paul and Mary are planning a bankrobbery.
"Auge an Großhirn, Auge an Großhirn!"

Donnerstag, 19. Juli 2018

So sieht's aus


»Wenn Trump morgen sagt, der Mond sei aus Käse, dann lauten die Schlagzeilen:
"Trump: Mond aus Käse"
"Trumps Äußerung zum Mond wird von Nasa zurückgewiesen"
"Diskussion um Trumps umstrittene Mond-Meinung"
Drei Tage später lässt sich die Wirkung auf Facebook beobachten, in Form von Beiträgen der Sorte: "Nasa gibt zu: Neil Amstrongs Cousin war zum Zeitpunkt der 'Mondlandung' an einer Käsefabrik beteiligt". Und "Käsemond - Was verschweigen sie uns?". 200.000 Likes. Dann erscheinen verständnisvolle Debattenartikel, die dazu aufrufen, die Ängste und Sorgen der Käsemondbürger ernst zu nehmen.

Sonntag, 15. Juli 2018

WM-Bilanz


Also gut, versuchen wir uns am Ende des vierwöchigen Ballgekickes an einer Bilanz. In bewährter Thesenform. Acht sind's geworden.

1. Die französische Mannschaft ist völlig verdient Weltmeister geworden. Glückwunsch.
Das Team, das über das gesamte Turnier hinweg am besten und cleversten gespielt hat, hat völlig zu recht gewonnen. Waren von Anfang an meine Favoriten. Haben im torreichsten Finale seit Jahrzehnten (und einer der torreichsten Partien des Turniers) den kroatischen Konterkönigen, die allerdings auch drei Verlängerungen in den Knochen hatten, überzeugend den Zähne gezogen. Und als Nebeneffekt einem aggressiven Nationalismus, wie er von Teilen der kroatischen Fanszene praktiziert wird, ebenfalls.

Mittwoch, 11. Juli 2018

Ronny des Monats - Juli 2018


Im Gegensatz zu diversen Fernsehsendungen und sonstigen Einrichtungen ist bei der Ronny-Jury keine Sommerpause angesagt. Wäre auch schwierig bei all dem Material, das einem so Monat für Monat auf den Schreibtisch flattert. War auch dieses Mal wieder so einiges an Grenzwertigem, das es leider nur auf die Backlist geschafft hat. Dass der ehemalige, mit Staatskohle bestens versorgte Ex-Polizeigewerkschaftssupremo Rainer Wendt das rechtsstaatliche Gedusel manchmal schon echt lästig findet. André Poggenburg, der die Bundeswehr entschwulen will und sich nach seinem Erwin sehnt. Die Entsorgungs- und Säuberungsphantasien von AfD-Männern wie Dubravko Mandic und Carsten Härle. Dass Teilnehmer des heurigen Kyffhäuser-Treffens Journalisten bedroht und attackiert haben. Dass ORF-Mitarbeiter auch privat einen Maulkorb verpasst bekommen sollen. Oder, apropos Österreich, dass der Salzburger Gemeinderat zum wiederholten Male einstimmig (!) gegen die Umbenennung der Josef-Thorak-Straße entschieden hat.

Und und und. Menge Holz also. Die Top 5 des Monats

Samstag, 7. Juli 2018

Mittwoch, 4. Juli 2018

Lernen vom Sieger


"Das Wasser ist trüb, die Luft ist rein, Franz Josef muss ertrunken sein." (Otto Waalkes)

Als ich vor einigen Jahren auf Besuch war bei der bayerischen Verwandtschaft, herrschte dorten gerade Landtagswahlkampf. Oder zumindest das, was man angesichts der alle vier Jahre anstehenden CSU-Reakklamation so nennen kann. Einen Tag wartete ich im damals beschaulichen Freilassing - es war der Sommer, bevor Gevatter Flüchtling aufschlug - an der Kirche auf den Bus, der mich nach Salzburg kutschieren sollte. Mein Blick fiel auf eine Plakatwand. Auf der waren so ziemlich alle zur Wahl stehenden Parteien vertreten. Alle hatten sich irgendwie Mühe gegeben, einen wenn auch hochgradig nichtssagenden Slogan zu verzapfen. "Für ein starkes Bayern", "Voran mit Alois Hinterzipfler" oder so was in der Art.

Sonntag, 1. Juli 2018

Auch heuer wieder


Die alljährliche 'Extraschicht' hier im Ruhrgebiet ist eines dieser Events, die man uneingeschränkt empfehlen kann. Wenn das Wetter gut ist. Das Ticket ist mit 17 € (VVK, AK: 20 €) nicht ganz billig, dafür ist überall freier Eintritt und freie Fahrt mit allen Öffis. Wer sich das nicht leisten kann bzw. möchte, radelt zu einem der größeren Veranstaltungsorte (die ehemaligen Zechengelände, wie hier Ewald in Herten, sind inzwischen gut mit Radwegen auf ehemaligen Bahntrassen vernetzt) und tut ich das Volksfest an. Essen, trinken, Livemusik, die Atmosphäre genießen. Kein Verzehrzwang, niemand mit mitgebrachten Getränken wird dumm angemacht oder des Ortes verwiesen. Inklusiv, entspannt, unaggressiv, das Ganze. So muss das.

Samstag, 30. Juni 2018

Eine Zäsur


Es wird ekelhafter, jeden Tag. Auch im Alltag. Sie verbrämen es längst nicht mehr, erst recht nicht verschämt. Die Tage erst, im Büro: Arbeitslose und Flüchtlinge bekämen Luxus-Zahnersatz gratis, während wir unser sauer verdientes Geld... Jede Gegenrede ist da sinnlos, verfängt nicht. Du kannst mit dem SGB V in der Hand argumentieren, du kannst belegen, so unaufgeregt, freundlich und sachlich wie möglich. Irgendwann erwidern sie garantiert, sie kennten da einen, der einen kenne, der säße da an der Quelle und wisse da ganz genau Bescheid. Über jeden Zweifel erhaben. Diskussion beendet. Ja, danke auch fürs Gespräch.

Mittwoch, 27. Juni 2018

Jenseits der Blogroll - 06/2018


So, alles rollt die schwarzrotgüldenen Feudel wieder zusammen, packt die Fanartikel in die Mottenkiste und geht nach Hause. Sinniert vielleicht darüber nach, ob das grottendämliche Verhalten zweier DFB-Angestellter am Samstag die Schweden vielleicht noch extra motiviert haben könnte, den Mexikanern einen reinzutun. Müßig. National Tickende können sich entweder bestätigt sehen oder es sich als Verdienst anrechnen, es zwei Spielern mit Migrationshintergrund richtig gegeben und sie schwachgepfiffen zu haben. Wenn sie mögen. (Gewissen Leuten ist da einiges zuzutrauen.) Oder man nutzt als Fußballfan die nächsten zwei Wochen, um Mannschaften bei der Arbeit zuzuschauen, die den Job können. Und ja, okay, ich lag falsch mit meiner Prognose, ein Vorrundenaus der deutschen Mannschaft für unwahrscheinlich zu halten.

Dienstag, 26. Juni 2018

Schmähkritik des Tages (19)


Heute: Ilja Behnisch über den Island-Hype bei der WM

"Es ist schick, die Wikinger aus dem Huh super zu finden. Seit der Europameisterschaft vor zwei Jahren hält die Island-Euphorie nun schon an. Die tollen Nordlichter zeigen es den großen Nationen aber eben auch mal so richtig. Ein Land mit der Einwohnerzahl Bielefelds. Und dabei sind sie noch so freundlich. Und der Trainer ist doch Zahnarzt. Und sie haben ein Feen-Ministerium. Und überhaupt sind ja 20 Prozent aller Isländer in Russland bei der WM. Lauter großartige, ganz unbedingt sympathische Geschichten aus der Fußball-Diaspora.



Montag, 25. Juni 2018

Nationale Sippenhaft


"Nationalismus bedeutet Krieg" (François Mitterand)

Das Spiel der deutschen Mannschaft gegen die schwedische am vergangenen Samstag hat sehr schön offenbart, was das Problem ist am Konzept des Nationalismus. Es bedeutet, von welchen, die so gar nichts haben außer ihrer Nationalität, in Sippenhaft genommen zu werden. Etwa von Leuten, die damals, als Dezenz und gute Manieren verteilt wurden, offenbar gerade kacken waren. Oder anderweitig beschäftigt. Vielleicht damit, anderen Menschen überheblich ins Gesicht zu grölen. Die beim DFB schaffenden Herren Behlau und Voigt sind solche Prachtexemplare. Und denen soll ich mich nun irgendwie näher fühlen als den freundlichsten Mitmenschen aus irgendeinem beliebigen anderen Land? Wegen Nation? Weil wir zufällig Herkunftsgegend, im Pass eingetragene Staatsbürgerschaft und Muttersprache teilen?

Samstag, 23. Juni 2018

Einer von uns


Mesut Özil ist in Gelsenkirchen quasi auf dem Aschenplatz groß geworden. Als wie er im Ruhrgebiet Sozialisierter weiß ich ungefähr, was das heißen kann. Fußball hat hier schon immer und immer noch mehr mit Maloche zu tun als mit Spiel, noch einen Tick mehr mit Eierhaben (Kahn) und Dreck fressen als anderswo. Auf zahlreichen Plätzen beschränkt sich das Standardrepertoire taktischer Anweisungen noch immer auf: "Tu ihn angehön!", "Los, tretn'umm!", "Lass domma datt Fummeln, ey!", "Lauf, du Sack!" und "Getz spieldo'ab, Mann!". In dieser Welt ist der Ruf, ein 'Schönspieler' zu sein, mitunter fatal. Wer ihn anpappen hat, muss doppelt so gut sein wie jeder rustikale Gegnerumhauer. Wem noch das verwandte Etikett, eine 'Schwuchtel' zu sein anhaftet, dreimal so gut. Wenn überhaupt.

Donnerstag, 21. Juni 2018

Nicht ganz dicht


Momentan droht die Regierung ja an der Migrationsfrage zu zerfliegen. Und zwar, das ist wichtig, allein weil es einem bayerischen Provinzfürsten, in dessen Windschatten und in dessen Rektum rechte Nachwuchskräfte an die Fleischtöpfe sich zu glitschen trachten, so gefällt. Noch einmal: Es geht weder um Migranten, noch um das deutsche Vaterland und erst recht nicht um Menschlichkeit. Es geht nur noch darum, Angela Merkel zu stürzen. Das wäre keine Katastrophe und auch nicht der Weltuntergang. Sie ist weiß Gott keine Heilige. Aber man sollte zur Kenntnis nehmen, dass sie momentan eine der letzten ist, die sich, entgegen allen rechten Gegeifers und aller Verleumdungen, noch an geltendem Recht orientieren. Ihr größter Fehler war nicht die imaginierte Grenzöffnung, sondern den Bitchmove Österreichs und Ungarns im Sommer 2015 nicht rechtzeitig durchschaut und nicht erkannt zu haben, wie die Rechten jene imaginierte Grenzöffnung seither zur Dolchstoßlegende 2.0 aufbauen.

Montag, 18. Juni 2018

Apocalypse Now


Formulieren wir höflich und sehen wir das Positive: Elf freundliche Mexikaner sorgten gestern für eine ungestörte Nachtruhe. In der untergangsbesoffenen Journaille aber tut man so, als sei's wieder '45. Na gut. Bisschen dick aufgetragen. Sagen wir 2000. Jene Stunde null, da Der Deutsche FußballTM offiziell am Boden lag.

Donnerstag, 14. Juni 2018

Jetzt geht's lo-hos!


Neun Thesen zur WM bzw. Gründe, sie sich trotz allem anzutun

1. Private Boykotte sind sicher ehrenwert, aber sinnlos. Eine überschätzte symbolische Geste.
In moralischer Hinsicht spricht natürlich nichts dagegen, das Event zu boykottieren. Problem ist, das beeindruckt kaum einen und bringt auch keinem wirklich was. Außer einem selbst die Gewissheit, die richtige Gesinnung Gassi zu führen. Weil es keine nennenswerte politische Resonanz gibt dafür und die Zeit zu kurz, der Anlass zu punktuell ist, dass sich eine breite Graswurzelbewegung bilden kann. Stimmt ja, Putins Russland ist eine Demokratur mit autokratischen Zügen, in der kritische Stimmen sich nicht sicher fühlen können, in der Religion als Herrschaftsinstrument eingesetzt wird und etliches andere mehr. Sportliche Großereignisse zu goutieren, verlangt einem minunter die Fähigkeit zum Ausblenden ab. Olympische Spiele und Fußball-Weltmeisterschaften haben auch nach 1936 in Ländern mit Geschmäckle stattgefunden. Eine Fußball-WM in Südafrika wäre in den 1980ern wegen des Apardheit-Regimes kaum machbar gewesen. Eine in einem von einer Mörderbande in Uniform regierten Argentinien in den 1970ern sehr wohl.

Dienstag, 12. Juni 2018

Schmähkritik des Tages (18)


Heute: Anthony Bourdain über Henry Kissinger

"Once you’ve been to Cambodia, you’ll never stop wanting to beat Henry Kissinger to death with your bare hands. You will never again be able to open a newspaper and read about that treacherous, prevaricating, murderous scumbag sitting down for a nice chat with Charlie Rose or attending some black-tie affair for a new glossy magazine without choking. Witness what Henry did in Cambodia* - the fruits of his genius for statesmanship - and you will never understand why he’s not sitting in the dock at The Hague next to Milošević." (Anthony Bourdain, 2001, zit. in: slate.com, 8.6.2018)

Samstag, 9. Juni 2018

Ronny des Monats - Juni 2018


Möglicherweise war demjenigen, der Alexander Gauleiters (ups, mit der Maus ausgerutscht) Gaulands Klamotten gemopst hat, die historische Dimension dieser Aktion bewusst. Kollege Pantoufle hat zu Recht an die 'Badehosen-Affäre' erinnert. 1919 waren Friedrich Ebert und Gustav Noske beim Baden in der Ostsee in unvorteilhaft sitzenden Badehosen fotografiert worden (damals galten auch für Männer Badeanzüge als angemessen). Dieses Foto wurde von den Rechten bis zum Tod Eberts dazu missbraucht, ihn zu desavouieren und die Republik insgesamt zu delegitimieren. Bevor mal also über das "entwürdigende Foto" Gaulands greint, wie man etwa bei Springers 'Welt' sich nicht entblödete zu tun, oder meint, den senilen (Fleischhauer) "Holocaustrelativierer" (Fischer) Gauland gegen einen "Zivilisationsbruch" in Schutz nehmen zu müssen, wie Jochen Bittner dies allen Ernstes in der 'Zeit' unternommen hat, sollte vielleicht noch mal ins Gechichtsbuch (Kohl) schauen.

Freitag, 8. Juni 2018

Unser Mann im All


Und, sind Sie auch so im Alexander-Gerst-Fieber? Haben Sie auch so gebannt den Start der Rakete verfolgt und sich die Nägel abgekaut? Haben mitgelitten mit ihm, weil er so lang nicht hat austreten dürfen? Haben Sie sich auch so gefreut für ihn, dass der höchst fliegende Schwabe des bekannten Universums auch dort nicht auf Maultaschen und Käsespätzle wird verzichten müssen? Fragen Sie sich auch in einer Tour, ob es ihm auch sonst an nichts fehlen wird, droben im lebensfeindlichen All? Ob er sein Schnuffeltuch mitbringen durfte? Wo sind die Berichte, ob und wie seine Familie, Freunde und Angehörigen mit der Geschäftsreise emotional klarkommen? Los, Medien, wir, die Bevölkerung, haben ein Recht, das zu erfahren!

Montag, 4. Juni 2018

Horror vacui im Spargelfeld


"Schlechte Zeiten -- der Kaviar wird ooch teurer." (Heinrich Zille)

Schon gemerkt? Eine Katastrophe spielt sich derzeit ab auf Deutschlands Feldern. Denn siehe, das Ende ist nah! Spargel und Erdbeeren verrotten mangels Geerntetwerden. Warum? Weil die osteuropäischen Erntehelfer sich nicht mehr dankbar um die Jobs auf unseren Äckern schlagen. Sie heuern, wie man hört, bei Paketdiensten an, wo sie mehr verdienen. Sie ziehen weiter, dorthin, wo es lukrativer ist. Oder sie bleiben gleich in ihren Heimatländern, wo, so ist zu hören, die Löhne inzwischen so gestiegen sind, dass die strapaziöse Odyssee über die hiesigen Felder nicht mehr lohnt.

Samstag, 2. Juni 2018

Werner zum 13. - ouhauerha!


Als Rötger Feldmanns alias 'Brösels' 'Werner'-Comics in den Achtzigern zuerst erschienen, hatte es so was noch nicht gegeben. Sie wirkten, als habe sie jemand mal eben hingetuscht (was sie nicht waren) und es hab Mut zum Absurden (man sollte bedenken, dass Monty Python zu der Zeit in Deutschland noch weitestgehend unbekannt war). Die Alben waren zusammengebastelt aus längeren Geschichten und Einseitern. Werner, gelernter Installateur und Motorrad-Fan, ging keiner Bierflasche ('Flaschbier') aus dem Weg, und wenn am nächsten Morgen der Kopf drückte, gab es 'Tasskaff'. Zucker fürs Gemüt, wenn er blasierte Popper und deren Vespas - klöter! - mit dem Chopper überfuhr. Zu Hochform lief Brösel auf, wenn er sich Geräusche ausdachte, die Werners alte Horex machte, wie etwa 'farz', 'schigger schigger schigger', 'öttel' oder 'verschleiß'. Oder wenn er sich autobiographisch an seinem ehemaligen Lehrherrn abarbeitete, indem er einen jüngeren Werner auf den Installateurmeister Röhrich losließ.

Donnerstag, 31. Mai 2018

Orwell revisited


1946 erschien im Evening Standard George Orwells berühmter Text über das 'Moon Under Water'. Eine liebevoll geschriebene Phantasiereise durch einen Pub, wie er sein sollte, der aber nicht existiert. Das hat mich schon vor längerer Zeit auf die Idee gebracht, das auf die hiesige Institution der Kneipe zu übertragen. Weil Orwell ein grandioser Erzähler war, habe ich gar nicht erst versucht, seinen Stil zu kopieren. Mir ist sehr wohl bewusst, dass die Verhältnisse auf den Britischen Inseln nicht unbedingt vergleichbar sind. Britische Pubs sind, wiewohl im Einzelnen verschieden, im Prinzip ziemlich homogen. Dagegen herrschen hierzulande zum Teil erhebliche regionale Unterschiede. Eine hessische Weinschänke, ein bayerisches Wirtshaus, ein rheinländisches Brauhaus, auch eine Ruhrpott-Trinkhalle ist keine Kneipe im engeren Sinne. Das bedeutet nicht, dass es dort nicht auch schön sein kann und dass es keine Schnittmengen gäbe, im Gegenteil, nur ist es eben etwas anderes.

Montag, 28. Mai 2018

Missverhältnisse, Grübeleien


Es ist immer wieder spaßig, wenn der AfD (eine rechtsextreme, in Teilen rechtsradikale Partei, deren Mitglieder zu Weinerlichkeit neigen, wenn sie kritisiert wird) Angehörende und Nahestehende feststellen müssen, wie jetzt am Wochenende in Berlin, dass eine Demo mit Menschen aus Fleisch und Blut andere Gesetze hat als eine Facebook-Gruppe und eine Kommentarspalte in einer Zeitung, die sich mit multiplen Accounts kapern lässt, wodurch dann der Eindruck entstehen kann, vor allem bei ihnen selber, die blaulackierten Braunen seien 'Das Volk'. Oder 'Die Schweigende Mehrheit'. Die kursierenden Erklärungen für das krasse Missverhältnis von ca. 5.000 AfD-Demonstranten zu 25.000 Gegendemonstranten waren denn auch richtig putzig: Viele seien gar nicht erst erschienen aus Angst vor den gewalttätigen Linksradikalen oder aus Angst davor, vom Chef gesehen zu werden und den Job zu verlieren, von wegen linkgrünversiffte Meinungsdiktatur und und und...

Donnerstag, 24. Mai 2018

Jenseits der Blogroll - 05/2018


Die so genannte Spaßgesellschaft, da gebe ich Hape Kerkeling recht, war ein Segen. Sie hat viele Verkrampfungen gelöst, die die hiesige Nachkriegs-Humorkultur mit sich herumschleppte, da man zwei Generationen zuvor die meisten coolen, kreativen Köpfe geschurigelt, vertrieben oder ermordet hatte. Ironiefähigkeit war einmal ziemlich hip, damals ab den späten Achtzigern. Wer irgendwas ernst nahm, galt als armseliger, verkrampfter Wicht. Was aber, wenn Humor und Ironie überhaupt nichts mehr lösen, weil in so genannten 'Sozialen Netzwerken' Hemmungen im wesentlichen abgeschafft sind und auch der fieseste Mordaufruf mit Tränenlach- und Zwinkersmileys versehen ist? Rechnerisch gehört Hazel Brugger zur ersten Generation, die unter vollironisch imprägnierten Spaßbacken aufzuwachsen die Aufgabe hatte. Und sie hat von der allgemeinen Verwitzelung langsam die Nase voll. Erfrischend.

Dienstag, 22. Mai 2018

Biedermänner am Werk


"Die Brandstifter können nicht ernst meinen, was sie sagen, glaubt Biedermann und gewährt ihnen deshalb immer mehr Raum in seinem Haus. Bis sie es anzünden und so die ganze Stadt zerstören. […] Das Tückische an den Brandstiftern ist, dass sie sanftpfötig daherkommen. Sie sagen schreckliche Dinge, aber sie tun es so wohlerzogen, dass Biedermann ihnen nichts Böses zutrauen kann." (Bettina Gaus)

Keine Frage, Salonrassisten vom Schlage eines Alexander Dobrindt, eines Boris Palmer oder eines Christian Lindner* sind geistige Brandstifter, die es, entgegen ihrem Beteuern, exakt so meinen, wie sie es sagen. Der Herr Dobrindt möchte, wenn man sein Gefasel von der Abschiebungsverhinderungsindustrie ernst nimmt (und warum sollte man nicht?), dass Ausländer in Zukunft nicht mehr ihre gesetzlich garantierten Rechte in Anspruch nehmen dürfe. Es hat sich offenbar noch nicht bis zu Herrn Palmer herumgesprochen, dass auch ein dunkelhäutiger Fahrradrowdy deutscher Herkunft sein kann. Und Lindner? Herrgott ja, die FDP hat traditionell eine hohe Ekeltoleranz. Nicht beim Bäcker, aber in Bezug auf jene, mit denen man sich politisch ins Bett legt.

Sonntag, 20. Mai 2018

Aus gegebenem Anlass


Weil's so schön ist und manche Siege süßer schmecken als andere. Auch wenn man nie wirklich Fan oder Sympathisant der SGE war.

Samstag, 19. Mai 2018

Menschen am Buffet


Kennen Sie das auch? Ist mir letzte Woche wieder passiert: Am Nachmittag bei einer Tagung zugegen, bei der auch eine Kleinigkeit gereicht wurde. Warme und kalte Getränke, belegte Brötchen. Eigentlich hatte ich zum Mittag was zu essen, wenn auch nur was leichtes, trotzdem bediente ich mich gern bei den Brötchen. Man muss ja nicht gleich zulangen wie ein Scheunendrescher. Und da passierte es. Wieder einmal. Eine andere Anwesende greift sich ein Brötchen und tat dies mit der Bemerkung, sie habe heute den ganzen Tag noch nichts gegessen. Aha. Jedes verdammte Mal! Jedes Mal bei solchen oder vergleichbaren Anlässen weist mindestens eine oder einer am Buffet darauf hin, kurz vor dem Verhungern zu sein, den ganzen Tag nichts gegessen zu haben bzw. noch gar nicht zum Essen gekommen zu sein. 

Donnerstag, 17. Mai 2018

Kopfballer


Professionelle Fußballer profitieren bekanntlich allein von der Tatsache, dass ihre höchst speziellen, ansonsten im Hinblick auf Produktivität im Prinzip reichlich nutzlosen Fähigkeiten seit einigen Jahrzehnten nachgefragt sind wie geschnitten Brot und ihnen Millionen einbringen können. Könnte man es, aus welchen Gründen auch immer, zu ähnlichem Reichtum und Ansehen bringen, wenn man besonders formvollendet Einrad führe, sich währenddessen möglichst schnell mit dem Gummihammer auf die Omme gäbe und gewinnen täte, wer am längsten auf dem Rad bliebe und sich die meisten Hiebe verabreicht hätte dabei, dann gäbe es halt Rekordhalter und Superstars in dieser Disziplin.

Dienstag, 15. Mai 2018

Incelbegabungen


Seit einiger Zeit wissen wir nun also, dass der Amokfahrer von Toronto, der 10 Menschen tötete und etliche weitere verletzte, ein 'Incel' war. Das ist die Abkürzung für 'involuntary celibate', also etwa 'unfreiwillig zölibatär'. Obwohl die Bezeichung von einer Frau stammt, werden damit neuerdings Männer bezeichnet, die gern Beziehungen zu und Sex mit Frauen hätten, aus irgendwelchen Gründen aber immer wieder scheitern und mit ihren Wünschen und Sehnsüchten auf der Strecke bleiben. Und weil wir im Zeitalter der Echokammern leben, verbittern diese Menschen nicht selten unter ihresgleichen und entwickeln, sich gegenseitig bestätigend darin, eine Opferhaltung. Sie sehen sich als Opfer einer Gesellschaft, in der außer den finanziell Potenten noch diejenigen zum Zuge kommen, die oberflächlichen Kriterien an Hotness entsprechen und werfen Frauen vor, nur noch darauf zu schauen. 

Samstag, 12. Mai 2018

Ronny des Monats - Mai 2018


Prolog: Das große Mimimi

Spätestens seit den Tagen Thilo Sarrazins praktizieren Rechte einigermaßen erfolgreich folgende Diskursstrategie: Menschenverachtende bis faschistische Äußerung trifft auf Widerstand und wird kritisiert. Reaktion: Da sitzen die wahren Faschisten! Wir werden verfolgt, unterdrückt und unsere Meinungsfreiheit wird beschnitten. Da sieht mans mal, was vom hochtrabenden Toleranzgefasel der Linken zu halten ist, schluchzbuhu! Via Opferrolle soll das Äußerungsrecht der Meinungsfreiheit nach und nach umgedeutet werden zur Zustimmungspflicht. "Weil ein Opferstatus jede Aggression, jede noch so maßlose Forderung und jede demokratie- und menschenfeindliche Haltung zur Notwehr adelt." (dame.von.welt) Interessant ist nun, wie sehr das inzwischen fruchtet und wie das zunehmend im bürgerlichen Lager salonfähig zu werden beginnt.

Donnerstag, 10. Mai 2018

Das Arschlochkraut


Vom verstorbenen Paul Bocuse habe ich dank eines seiner Kochbücher ein paar Dinge gelernt. Etwa, dass es, ungeachtet des Gehubers diverser Fernsehweißmützen, auch bei den Kulinarikweltmeistern jenseits des Rheins durchaus in Ordnung geht, etwas mit Stärke zu binden. Dass Gemüsesuppen deutlich klarer und delikater schmecken, wenn man auf Bouillon und Fonds verzichtet, sondern nur mit Salzwasser arbeitet. Und vor allem: frischer Thymian rockt. Ein paar Zweige davon machen alles lecker. Katapultieren die simpelsten Gerichte in die Champions League. Aber nicht das traurige getrocknete Zeugs, sondern, wie gesagt, frisch aus dem Blumentopf oder vom Beet. Man ist schnell angefixt, fragt sich schon bald, wie man eigentlich ohne frischen Thymian hat kochen können und mag nicht mehr darauf verzichten. Merci beaucoup, Grand Mâitre!

Montag, 7. Mai 2018

Steuereinnahmen winken!


Quellenangabe gibt's nicht, wenn es nicht stimmt, ist es gut erfunden: Als der große Leonard Bernstein 1990 mit 72 Jahren gestorben war, entblödete sich der Autor des Nachrufs in der New York Times nicht, dem Verstorbenen hinterherzurufen, der Menschheit seien noch viele schöne Arbeiten von ihm entgangen, weil er es zeitlebens so sehr habe krachen zu lassen (Bernstein war berühmt-berüchtigt für seinen Alkohol- und Zigarettenkonsum). Keine Ahnung, ob das ironisch gemeint war oder nicht. Vor zwanzig Jahren hätte ich das für möglich gehalten, heute würde ich sagen, wäre das, hihi, todernst gemeint. Bis vor einigen Jahren pflegte ich auf die blöde Frage nach meinen guten Vorsätzen zu Silvester immer zu antworten: Mehr rauchen, mehr trinken, mehr essen, weniger bewegen. Damit habe ich aufgehört, als ich zunehmend in entsetzte Gesichter sah. Die Zeiten ändern sich eben.

Samstag, 5. Mai 2018

Nehmt dies!


Wiewohl es hier und da angeklungen ist, dass ich nicht der glühendste Fan des Herrn Böhmermann bin und demnach nicht bei jeder halbwegs gelungenen Aktion gleich in eine Art Duracellhasen-Modus verfalle und ihn als Retter der Satire bejuble, verfolge ich das Schaffen des Mannes durchaus wohlwohllend, wenn auch nicht regelmäßig. (Man muss ja nicht die Fehler der vorherigen Generationen Alter Säcke wiederholen und alles per se doof/unreif/albern/untergangdesabendlandes finden, was die jungen Leute so treiben.) Ausgesprochen gelungen und daher verbreitenswert fand ich letzte Woche seinen Aufruf, Das InternetTM von den Hatern und Trollen zurückzuerobern 

Dienstag, 1. Mai 2018

Geht's noch, Helmut Schümann?


"Fußball kräftigt die Muskeln des ganzen Körpers. Indem er überschüssige Säfte nach unten befördert, sorgt er für einen klaren Kopf." (Richard Mulcaster)

Karl-Heinz Rummenigge kann man sympathisch finden oder nicht. Analog zu jener Fußballmannschaft, der er präsidiert, rangiert er in meinem persönlichen Sympathieranking irgendwo in der Gegend von Fußpilz und kein Bier im Haus zu haben. (Ist natürlich nur auf die öffentliche Persona bezogen, privat mag er ein feiner Mensch sein.) Herr Rummenigge jedenfalls hat am Tag des Champions-League-Halbfinalrückspiels gegen Real Madrid wörtlich einen "heroischen Kampf" gefordert, an dessen Ende notfalls auch ein "Heldentod" stehen könne. Das fand Helmut Schümann vom Berliner 'Tagesspiegel' so unentschuldbar, dass er Rummenigge allen Ernstes in den Mund legte, den Befehl erteilt zu haben, "dass der Pole Lewandowski für Bayern ab 20.45 gefälligst zurück zu schießen hat." - und fragte rhetorisch: "Geht's noch, Karl-Heinz Rummenigge?"

Montag, 30. April 2018

Ruhig Blut!


Abt.: Ich habe ja schon viel Schwachsinn gehört, aber...

Gute Nachrichten für alle, die sich Gedanken, eventuell gar Sorgen machen wegen eines dritten Weltkrieges zwischen USA und Russland. Fürchtet euch nicht! Denn siehe, Atombomben gibt es gar nicht. Ja, richtig gelesen, alles Bluff. Ein einziger riesiger Schwindel, mit dem die Menschheit in Angst und Demut gehalten werden soll. Hiroshima und Nagasaki sind in Wahrheit durch Napalm zerstört worden und alle Fotos und Filmaufnahmen von Explosionen sind auch gefälscht. Lassen Sie sich also nichts einreden. Seien Sie lieber dankbar, dass es ein paar unerschockene Aufgewachte gibt, die uns auf YouTube mit der Wahrheit beglücken.

Samstag, 28. April 2018

Geht nicht gibt's nicht


"Gegen eine Dummheit, die gerade in Mode ist, kommt keine Klugheit auf." (Theodor Fontane)

Es mag ein Klischee sein, aber wenn Amerikaner etwas in die Finger kriegen, dann machen sie mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Riesengeschäft daraus. Nicht etwa eine kleine Butze, die bescheidenen Wohlstand abwirft, nein, es muss immer gleich mindestens die Weltherrschaft sein. Als drei Amis vor ein paar Jahrzehnten herausfanden, dass Kaffee nicht zwingend eine geschmacksarme Plörre sein muss, kam Starbucks in die Welt. Und sodomisierte selbige flächendeckend mit von ausgebeuteten Hilfskräften gebrautem, in eimerartigen Einweggebinden gereichten aromatisiertem Einheitsgebräu. Hat natürlich nicht nur Nachteile. Als ich vor Jahren einmal mit einer alten, unter Laktoseintoleranz leidenden Studienfreundin flanierte und uns nach einem Kaffee war, da war die örtliche Filiale der Kaffeesiederkette die einzig gangbare Alternative. Die führte nämlich als einzige Soja- und Mandelmilch. Solange der Laden den gleichen Steuersatz löhnen würde wie der Familienbetrieb nebenan, wäre auch alles in Ordnung.

Donnerstag, 26. April 2018

Jenseits der Blogroll - 04/2018


Hoppla, längst schon wieder Zeit für die allmonatliche Linksammlung. Es wird einigen nicht entgangen sein, dass ich trotz einiger Bedenken an dem Begriff 'Verschwörungstheorie' festhalte (wenngleich ich mich bemühe, ihn nicht allzu inflationär zu verwenden). In linken Kreisen (was immer das genau ist) gibt man ja gern etwas auf seine Auf- und Abgeklärtheit. Daher geht mir diese auch dort immer mehr anzutreffende Wagenburgmentalität gehörig auf den Zeiger. Dieser Hang, es sich ganz einfach zu machen, indem man sagt, jeder, der etwas vom Mainstream Abweichendes sage, gelte sofort als Verschwörungstheoretiker. Neben einer in meiner Wahrnehmung steigenden Unfähig- bzw. Unwilligkeit, Ambivalenzen und Zwischentöne auszuhalten, stört mich zunehmend, dass im politischen Diskurs offenbar das Prinzip um sich zu greifen scheint, der Feind eines Feindes sei automatisch ein Freund.

Montag, 23. April 2018

Held auf vier Pfoten


Manchmal denkste nur: Geht's noch? Ich kann ja verstehen, wenn man es nicht gutheißt, dass der Staffordshire-Mischling Chico auf Beschluss des Veterinäramtes Hannover eingeschläfert, vulgo: getötet wurde. Dieses Tier hatte seinerseits jene Menschen getötet, die es jahrelang grauenhaft falsch gehalten haben und heillos überfordert waren damit. Chico in professionelle Hände zu vermitteln hätte wohl nur funktioniert, wenn er als Arbeits- oder Diensthund hätte eingesetzt werden können. Ihn an Privatleute zu vermitteln, egal wie hundeerfahren, oder an einen Gnadenhof hätte ein kaum zu vertretendes Risiko bedeutet. Infrage gekommen wäre vielleicht eine armselige Zwingerhaltung irgendwo in Nirgendwo, was letztlich bloß bedeutet hätte, sein bisheriges tristes Dasein zu verlängern, wenn auch vielleicht mit mehr frischer Luft.

Freitag, 20. April 2018

Der Schandpreis


"Ich habe gemerkt, wie bei mir in den vergangenen Tagen mit jeder weiteren Echo-Rückgabe das Bedürfnis zum Widerspruch wuchs. Noch drei Künstler, die ihre Preise loswerden, und ich schreibe eine Verteidigung der beiden Rapper, die den Skandal auslösten. Rechnen Sie es meinem Oppositionsgeist zu, aber wenn alle ihr Gewissen entdecken, wenn klar ist, dass man dafür nur Beifall bekommt, regt sich bei mir eine Stimme, die sagt: Kann man die Dinge nicht auch anders sehen? Ich misstraue aus Prinzip Leuten, die mit der Verspätung des Opportunisten zu ihrer Überzeugung finden." (Jan Fleischhauer)

Montag, 16. April 2018

Noch mal in eigener Sache: Datenschmutz


Mag sein, dass ich aufgrund aktueller Ereignisse, über die ich vielleicht beizeiten noch genauer berichten werde, ein wenig überempfindlich bin, was die rechtlichen Aspekte der Bloggerei angeht. Ich hoffe sogar, dass das so ist. Aber mich treibt das ziemlich um. Am 25. Mai tritt die Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) in Kraft, die Dienstanbieter im Netz zu etlichen Maßnahmen in Puncto Datenschutz zwingt. In letzter Konsequenz sieht es so aus, dass wohl nur große professionelle Anbieter diesen Anforderungen wirklich gerecht werden können. Diesen Blog gibt es jetzt seit September 2011, das sind immerhin gut sechseinhalb Jahre. Hat mir fast immer Spaß gemacht und macht es nach wie vor. Im Lichte der demnächst geltenden Vorschriften trage ich mich aber zum allerersten Mal ernsthaft mit dem Gedanken, die Sache dranzugeben und hier den Stecker zu ziehen.

Sonntag, 15. April 2018

Schmähkritik des Tages (17)


Heute: Georg Diez über die Echo-Verleihung und Teile der CSU

"Die bürgerliche Mitte also, darüber habe ich vergangene Woche geschrieben, die sich dem rechten oder rechtsextremen Denken anbiedert - verbunden mit einer generellen Apathie und Wurstigkeit einer Öffentlichkeit, die bestimmte Dinge einfach hinzunehmen scheint. […] Wie kann es also sein, dass ein Rapper mit einem scheinbar wichtigen Musikpreis ausgezeichnet wird, der in einem seiner Songs davon berichtet, sein Körper sei »definierter als von Auschwitz-Insassen«? Sinnvollerweise fand die Preisverleihung auch noch am 12. April statt, dem Tag des »Marsch der Lebenden«, mit dem Juden in der ganzen Welt an den Holocaust erinnern. [...]

Donnerstag, 12. April 2018

Um die Wurst


"Je weniger die Leute davon wissen, wie Würste und Gesetze gemacht werden, desto besser schlafen sie." (Otto von Bismarck)

Groß das Entsetzen, als kürzlich ein braver Metzgersmann öffentlich demonstrierte, wie sich aus minderwertigen Zutaten eine Wurst zusammenkuttern lässt, die in der Herstellung 59 Cent das Kilo kostet und sich im Supermarkt nach Angaben des Metzgers problemlos für 7 Euro pro Kilo anbieten ließe. Mafiamargen also, bei denen Don Vito Corleone glatt das Nuscheln einstellt vor Neid. Die Wurst bestand nur zu 9 Prozent aus Hühnerfleisch, dafür knapp zur Hälfte aus so genanntem Separatorenfleisch. Als weitere Zutat kam noch Plasmapulver hinzu. Damit ließ sich der Wurst noch 27 Prozent  Wasser hinzufügen, ohne dass das auffiel. Bisschen Paprikaschnipsel für die Optik, geheime Gewürzmischung, fertig war der Lack. Das Erzeugnis bekam sogar auf Anhieb eine silberne DLG-Medaille. "Skandal!", hieß es da. "Wie aus Abfall Wurst wird" - so wurde da getitelt. Und das ist nun ziemlich albern.

Montag, 9. April 2018

Ronny des Monats - April 2018


Liegt es an der Zeitumstellung? Am Wetter? Von Ronny und seinesgleichen bzw. den Gegnern gab es die letzte Zeit über ungewöhnlich viel Positives zu vermelden: 2.500 Gegendemonstranten gegen 500 Pegidioten in München. Ein scheinbar unscheinbarer brütender Zugvogel verhindert ein Rechtsrock-Festival. Die Briten wollen Pegida-Supremo Butz Lachmann nicht im Land haben. Fast möchte man da, von Frühlingsgefühlen und Heuschnupfen beflügelt, schon die alten Platten rauskramen, auf denen latzbehoste Holländer vom weichen Wasser singen, das den Stein bricht. Aber das wäre natürlich unangebracht und außerdem verfrüht. Denn es ist immer noch mehr als genug weniger Erfreuliches vorgefallen.

Die Top 5 des Monats:

Samstag, 7. April 2018

Kram catalan


Es gibt ja diese Menschen, und sie scheinen irgendwie mehr zu werden (oder sie sind dank so genannter sozialer Netze einfach sichtbarer), für die Politik im Wesentlichen nach dem Schema 1 + 1 = 2 funktioniert. So nach dem Motto: Geheime Macht, die wir alle kennen, aber deren Namen wir nicht sagen dürfen, befiehlt die Große UmvolkungTM, Merkel muss gehorchen und schon dekretiert sie, die Grenzen zu öffnen, auf dass unkontrolliert Flüchtlinge angeschissen kommen können, um uns unseren Hart Erarbeiteten WohlstandTM abspenstig zu machen, unsere schmucken Städte zu islamisieren und in industriellem Maßstab Unsere FrauenTM zu molestieren.

Dienstag, 3. April 2018

Meedienschelte


Hossa, bei der 'Zeit' scheints ja zu Teilen gerade lustig zu gehen, seitdem man sich von Thomas Fischer getrennt hat. Zur Erinnerung: Der hatte als nicht völliger juristischer Laie in einer bei meedia erschienenen Kolumne Zweifel angemeldet, dass es sinnvoll bzw. hilfreich ist, wenn Journalistinnen , wie in Sachen Dieter Wedel geschehen, für sich in Anspruch nehmen, mal eben den Job der Justiz zu erledigen. Dieselbe Sabine Rückert, stellvertretende Chefredakteurin der 'Zeit', die in der Causa Kachelmann noch auf Fischers Seite war, verfiel, scheint's daraufhin in eine Art Heimzahl-Modus. Sie erklärte die Zusammenarbeit für beendet, kündigte Fischers Frei-Abo und zog auch ihren bereits eingereichten Beitrag zu einer Festschrift wieder zurück.

Sonntag, 1. April 2018

Ulmentanz & Osterei


In weniger als einem Jahr werde ich 50. Halbes Jahrhundert. Leck das Crack aus meiner Spalte und nenn’ mich Waldemar! Mannmannmann. Von jenen, die ab einem gewissen Alter keinen Bock mehr haben auf EmpathieTM und Solidarität (oder es vielleicht noch nie hatten) wird man ja gern mit dem angeblichen Churchill-Zitat bombardiert von wegen, wer mit zwanzig kein Sozialist sei, habe kein Herz und wer mit vierzig nicht konservativ sei, kein Hirn. Vielleicht sollte ich als demnächst offizieller Alter Sack langsam auch damit anfangen, irre kluge Sprüche zu sammeln, die alle anfangen mit "Wer mit fünfzig immer noch..." - mit denen ich dann allen tierisch auf den Dömmel gehe. Etwa: Wer mit fünfzig immer noch einen arroganten Zinnober im italienischen Restarant veranstaltet, weil am Nebentisch jemand 'Radicchio' falsch ausspricht oder den korrekten Plural von 'Espresso' nicht kennt, hat es eventuell gewaltig nötig.

Samstag, 31. März 2018

Empathie, Empatha


Unter Empathie versteht man ganz allgemein die Fähigkeit, sich mehr oder weniger in andere Menschen hineinzuversetzen. Es wäre kein Problem, wenn Empathie in wesentlichen so begriffen würde. Wird es aber nicht. So ziemlich jeder, der irgendwie eine Meinung zum Weltverbessern absondert, sondert auch diese wichtig klingende Vokabel mit hoher Wahrscheinlichkeit mit ab. So im Sinne von: Wir müssen alle empathischer werden. Dabei wäre eine Welt, in der es nur noch empathisch zuginge, nichts weniger als ein Alptraum. Was in mir vorgeht, ist meine Sache, mein Gemütszustand, meine Sorgen Und NöteTM, meine Gefühle etc. gehen exakt mich und handverlesene Menschen meines engeren Umfeldes etwas an, alles andere empfinde ich als höchst übergriffig.

Donnerstag, 29. März 2018

De' Russ' kütt


So sprach angeblich immer ein aus Köln stammender Kamerad, mit dem ein längst verstorbener Freund der Familie damals an der Ostfront war. Jetz' kütt he ja widder, de' Russ'. Also fast. Zumindest wenn man diversen Qualitätsmedien glauben kann. Wenn das so sein sollte, dann ist das nicht zwingend eine schlechte Nachricht. Das Problem ist doch: Wenn de' Russ' nit kütt, dann läuft scheinbar nicht viel zusammen in unseren Hoch Entwickelten Westlichen IndustriestaatenTM. Jens Berger hat jetzt auf die Meldung hingewiesen, die EU-Kommission wolle zusätzliche Mittel für die Infrastruktur locker machen, damit im Fall des Falles die Panzer auch zügig rollen könnten. Das stünde beim momentanen Zustand hiesiger Straßen und Brücken nämlich sehr infrage. Natürlich kann man darüber den Kopf schütteln und sich fragen, wieso erst der Russe kommen muss, und sei's im Geiste, dass der beklagenswerte Zustand unserer Straßen und Brücken mal jemandem auffällt.

Dienstag, 27. März 2018

In eigener Sache


Für den Fall, dass sich jemand wundert, wo die Beiträge vor 2016 geblieben sind: Die sind nicht gelöscht, sondern zurück auf Entwurf und damit auf unveröffentlicht gestellt. Ich werde die, so wie ich Zeit habe, nach und nach wieder ins Netz stellen. Vielleicht wird es auch eine (Wieder-) Veröffentlichung ausgewählter Beiträge im Rahmen einer Art Best-Of-Reihe geben oder so, keine Ahnung. Ferner werden sich welche fragen, wo denn die meisten Fotos geblieben sind. Die sind in der Tat gelöscht. Vorsichtsmaßnahme.

Samstag, 24. März 2018

Jenseits der Blogroll - 03/2018


"Ich glaube nicht an Heilslehren und Einseitigkeiten, nicht an das Niederbrüllen von Ungläubigen und an den einen, alles entscheidenden Menschheitsfehler. Ich glaube nicht, dass alles in Wirklichkeit ganz einfach wäre, wenn man nur die Richtigen kaltstellt oder wegschafft oder fertigmacht, kastriert oder abknallt. Ich glaube auch nicht, dass ich oder irgendjemand sonst sich von einem aufgehetzten, vielfach uninformierten Mob das Maul verbieten lassen sollte." (Thomas Fischer)

Es ist wieder einmal Zeit für die monatliche Linksammlung mit allem, was mir so an Interessantem, Überraschendem und sonstwie Lesenswertem untergekommen ist. Da wäre etwa Thomas Fischer. Dass seine Kolumne 'Fischer im Recht' eingestellt wurde, ist schade. Aber dass er es ohne nicht lange würde aushalten können, war irgendwie klar. Also schreibt er jetzt gelegentlich für meedia. Jüngst über kenntnisfreie Faktenchecker in Frank Plasbergs Quasselrunde. Der Mann ist kontrovers, manchmal weitschweifig, sieht sich vielleicht selbst gern schreiben, aber er versteht in der Regel sehr viel von dem, über das er da schreibt, und vor allem ist er nie langweilig.

Mittwoch, 21. März 2018

Ein Jubiläum (5)


Heute vor 100 Jahren, am 21. März 1918, begann die so genannte 'Michael-Offensive' der deutschen Armee

Mit der Bemerkung, Recht sei kostbarer als Frieden, hatte der pazifistisch gesinnte US-Präsident Wilson im April 1917 den Eintritt der bis dahin mehrheitlich isolationistischen USA in den ersten Weltkrieg begründet. Auf Friedensangebote Wilsons ging man nicht ein, da man immer noch die Möglichkeit eines 'Siegfriedens' sah und dergleichen Verhandlungen als verbrämte Kapitulation auffasste. Ende 1917 sah die Entente sich keineswegs auf der Siegerstraße und auf deutscher Seite dachte man, mit einer letzten großen Offensive im Westen, es wäre die erste seit 1916, müsste sich das Blatt wenden lassen. 'Kaiserschlacht', so wurde das Vorhaben auch genannt. Doch Wilhelm II. war politisch längst kaltgestellt und bloß noch Symbolfigur. Auch wusste man um die Stimmung in der Heimat. Diese eine allerletzte Anstrengung, so erzählte man den Soldaten und der Bevölkerung, ein letzter Schlag, und die kriegsmüden Alliierten würden umkippen wie ein tönerner Riese, dann würden die Osterglocken den Sieg einläuten. Es sollte, wie so oft in diesem seit dreieinhalb Jahren dauerndem Krieg, anders kommen.