Mittwoch, 5. Oktober 2022

Kaffeeklatsche

 
Disclaimer: Ich liebe Kaffee. Sehr. Er ist fester Teil meines Alltags, auf den ich nur sehr schwer verzichten könnte. Daheim habe ich eine Bialetti und eine French Press sowie für den Alltag eine regelmäßig entkalkte und gepflegte Padmaschine. Wobei meine Pads aus dem Bioladen kommen und das Resultat schon bei ausgemachten Vollautomatenfans Eindruck gemacht hat.

Sonntag, 2. Oktober 2022

Warum ausgerechnet jetzt?

 
Die Tage las ich Stefanie Flamms schöne Hypothese, der ganz und gar wunderbare Roman 'Tschick' des viel zu früh, dafür selbstbestimmt aus dem Leben gegangenen Wolfgang Herrndorf, sei mitnichten ein Jugendbuch. Vieles spräche dafür, dass 'Tschick' ein "Buch für Eltern und Lehrer war, die darin die intensive, nicht ganz ungefährliche Jugend fanden, die sie selbst gern gehabt hätten, aber nicht mal nachholen konnten, seit in den Neunzigerjahren alles nur noch Ironie und irgendwie meta war." Gefiel mir. Und irgendwie musste ich sofort daran denken, dass heuer eine Neuverfilmung von Erich Maria Remarques Antikriegsroman 'Im Westen nichts Neues' erscheint.

Freitag, 30. September 2022

Best of Nordstream 2


Angesichts der offenen Frage, wer denn nun die Lecks in die schöne Nordstream 2-Pipeline hineinsabotiert hat, kann man es, auch wenn schon der Hals weh tut, nicht oft genug sagen:

Mittwoch, 28. September 2022

Vermischtes und Zeugs (XXXII)


Dass mit dem Menschenbild im herrschenden Kapitalismus irgendwas nicht stimmt, sehen wir am Verhältnis zum Geld. Denkt jemand darüber nach, Arbeitslosen und Armen in Zeiten, da die Lebenshaltungskosten sprunghaft steigen, 50 lumpige Euros mehr zu überweisen, zumindest zeitweise auf sinnloses Drangsalieren zu verzichten und das dann 'Bürgergeld' zu nennen, hat das kleinbürgerliche Lager Schaum vorm Mund: Pfuibah, falsche Anreize! Keine Motivation zur Arbeitsaufnahme! Wenn es aber um Spitzengehälter, Kapitalrenditen, Steuersenkungen bzw. Steuergeschenke für Reiche geht, sieht die Sache anders aus: Die können gar nicht genug irgendwo reingeschoben bekommen, um ihnen irgendwie schmackhaft zu machen, einen Finger zu rühren ("Kapital ist ein scheues Reh.", "Unter fuffzich Mille stehe ich morgens gar nicht erst auf.").

Montag, 26. September 2022

Italien ruckt


Der bisherige Witz des Jahres ist Giorgia Melonis Dementi, eine Faschistin zu sein. Denn wenn sie eine Faschistin wäre, so ihre Logik, dann würde sie das sagen. Der ist echt zu gut! Als wenn auch nur ein Faschist/Rechter/Nazi mit politischen Ambitionen seit 1945 jemals offen dazu gestanden hätte, einer zu sein. Stattdessen wird bloß doof rumgeschwurbelt : Allenfalls ist man "rechts", tritt irre mutig für "gesunden Patriotismus" ein, gegen "Genderwahn" und "politische Korrektheit", man ist "mit Sicherheit kein Nazi/Faschist, aber...", man "holt sich sein Land zurück". Und überhaupt: "Wie kommen Sie darauf? Sehen Sie hier vielleicht irgendwo ein Hitlerbärtchen und eine SA-Uniform? Sehen Sie? Haha! Und überhaupt, seit wann ist es ein Verbrechen, sein Land zu lieben?"

Samstag, 24. September 2022

Jenseits der Blogroll - 09/2022

 
Die Links und Fundstücke des Monats schon wieder. Dieses Mal ohne große Präliminarien. Das, was ich zum Thema Russland/Ukraine zu sagen habe, war die Tage hier schon Thema. Zu der italienische Polit-Blondine fällt mir noch nix ein und, ja, das Ende der documenta habe ich eher erleichtert zur Kenntnis genommen. Also, viel Spaß damit:

Mittwoch, 21. September 2022

Neues vom Iwan - Anfang vom Endspiel?


Was die mediale Begleitung des Ukraine-Kriegs angeht, gilt wohl mehr denn je, dass Seriösität sich am ehesten daran ablesen lässt, wie sehr sich entsprechend Qualifizierte in der Öffentlichkeit zurückhalten und sich auf das beschränken, was sie beherrschen. Dass Ralf Raths vom Panzermuseum länger keine Videos mehr zum Thema veröffentlicht hat, mag daran liegen, dass gerade die Dauerausstellung umgebaut wird. Oder dass er das, was so zu sagen ist, bereits gesagt hat. Empfehlenswert sind momentan zum Beispiel die Analysen von Oberst Reisner vom österreichischen Bundesheer, die sich dadurch auszeichnen, geradezu einschläfernd dröge und nüchtern zu sein und sich aufs Militärische zu beschränken. Zudem ist Österreich kein NATO-Mitglied.

Sonntag, 18. September 2022

Vermischtes und Zeugs (XXXI)

 
In Puncto Doofheit nehmen identitäre Canceler und rechte Recken sich in der Tat nur wenig. Dennoch erscheinen letztere mir meist noch einen Tick mehr drüber. Momentan wird sich über die Disney-Neuverfilmung des Trickfilms 'Arielle' aufgekröppt, in dem die schwarze Schauspielerin Halle Bailey die Titelrolle spielt. Mein Lieblingsargument: Eine schwarze Arielle sei voll unrealistisch, denn unter Wasser käme gar nicht genug UV-Licht an, um so braun zu werden. Jetzt bin ich weder Film- noch Pigmentexperte, aber für einen Film, dessen Hauptfigur ein Fabelwesen ist, eine Meerjungfrau nämlich, und in dem Meerestiere sprechen, singen und tanzen können, ist 'realistisch' eventuell nicht sooo die Kategorie der Wahl, will mir scheinen.

Samstag, 17. September 2022

Hund und Katz'

 
Was ist der Unterschied zwischen Katzen und Hunden, abgesehen von offensichtlichen physiologischen Differenzen? Katzen müssen immer alles dürfen, Hunde müssen gefälligst sozialisiert sein. Der Halter eines Hundes, der sich eins von Nachbars Kaninchen schnappt, bekommt ein Problem, schlimmstenfalls kriegt die Justiz Arbeit. Katzenfans hingegen verbitten sich oft empört jegliche Einmischung, wenn es heißt, die Viecher killten jedes Jahr Millionen von Singvögeln und anderes Kleingetier, oder sie reden das Problem zur Bagatelle klein.

Dienstag, 13. September 2022

Ronny des Monats - September 2022


Wegen des nicht vollständig unerwarteten Ablebens des dienstältesten europäischen Staatsoberhauptes musste die allfällige Ronny-Verleihung für diesen Monat aus protokollarischen Gründen ein wenig hinten an stehen. Man weiß schließlich, was sich gehört und wann man den Vortritt zu lassen hat. Aber aufgeschoben ist bekanntlich, einer weiteren Platitüde zum Trotze, keineswegs aufgehoben. Und wie immer war aucch wieder eine Menge dabei, das es nicht in die Top 5 geschafft hat. Etwa die Meldung, dass in der CDU noch vor gar nicht langer Zeit intensive Kontakte zu Putins Partei 'Einiges Russland' unterhalten wurden und auch die jeweiligen Jugendorganisationen enge Kontakte pflegten. Russlandkuscheln wirft man ansonsten gern den vaterlandslosen Sozen vor. 

Samstag, 10. September 2022

Anflüge von Sympathie


Die am Donnerstag mit 96 Jahren final von ihren Funktionen entbundene Elizabeth Windsor, formerly known as Sachsen-Coburg-Gotha, besser bekannt als Königin Elisabeth II., war sicher keine Intellektuelle. Aber sie war eine kluge Frau, die sich keinen Illusionen hingab. Aus den wenigen privaten Äußerungen, die so durchsickerten, kann man herauslesen, dass sie ihre Rolle und die der britischen Monarchie keineswegs überschätzte, erst recht nicht sich selbst, und dass sie, mit Ausnahme Winston Churchills, mit Labour-Premierministern normalerweise besser klarkam als mit konservativen. Als sie 1953 den Thron bestieg, war Adenauer Kanzler, Harry S. Truman saß im Weißen Haus und Stalin im Kreml. Das letzte Staatsoberhaupt, das im Amt war, als ich zu Welt kam.

Mittwoch, 7. September 2022

Schmähkritik des Tages (61)

 
Heute: Leon Igel über BWL-Studenten

Hier. (FAZ, 21. August 2022)

(Der Artikel ist recht kurz, mehr eine Glosse, und schnell gelesen. Daher würden längliche Zitate nicht recht lohnen. Weiß auch nicht, wie es da mit dem Urheberrecht aussieht. Lieber nichts riskieren)

Sonntag, 4. September 2022

Am Ende des Sommers


It's the economy, stupid!

 
Man kann durchaus sagen: Putin hat noch diesen Winter und den nächsten Sommer, das mit der Ukraine geregelt zu kriegen. Gelingt es nicht, den Westen entscheidend zu destabilisieren, dann wird es bald finster aussehen. Im Winter 2023/24 wird die EU ihre Energieversorgung von Russland unabhängig gemacht haben und nicht mehr erpressbar sein. Für diesen Winter planen auch die neoliberalsten Regierungen massive Hilfspakete und sind bereit, notfalls in den Markt einzugreifen. In Deutschland haben grüne Regierungsmitglieder bereits signalisiert, auch Fracking und Laufzeiten von Atomkraftwerken seien unter den gegebenen Umständen keine heiligen Kühe für sie. Verkürzt könnte man sagen: Kommt der Westen gut durch den Winter, ist Putin Toast. Oder Russland eine Kolonie Chinas.

Donnerstag, 1. September 2022

Vermischtes und Zeugs (XXX)


Klopapier scheint irgendwie Rauchen und Heroin abgelöst zu haben. In den vergangenen Jahren las man da und dort, dieses oder jenes sei Das Neue Heroin (Zucker) bzw. So schädlich/gefährlich wie rauchen (sitzen). Gipfel allen Übels: Nikotin. Das macht angeblich süchtiger als Heroin und ist gefährlicher als Rattengift. (Man kann überigens auch daran sterben, in zu kurzer Zeit zu viel Wasser zu trinken. Wasservergiftung. Gibt's wirklich. Da sagt aber niemand, Wasser sei so gefährlich wie Zyankali. Just sayin’.)

Dienstag, 30. August 2022

Winnetou. Senf


Noch jemand keinen Löffel Senf dazugegeben zum Thema Winnetou? Ich habe auch noch einen. 

Es war noch nie so einfach, spottbillig und risikolos wie heute, sich als irre mutiger Rebell zu gerieren. Ein Verlag entscheidet nach heftiger Kritik, ein Begleitbuch zu einer Karl-May-Spin off-Verfilmung vom Markt zu nehmen, das wohl innerhalb des Verlages bereits heftig umstritten war. Und sofort so: Hiiilfäää! Sie wollen uns unseren Karl May wegnehmen! Ich lasse mir von woken linksgrünversifften Volxerziehern doch nicht vorschreiben, was ich zu lesen habe!1!!11!

Samstag, 27. August 2022

Jenseits der Blogroll - 08/2022

 
Warum, mögen sich welche vielleicht fragen, erscheint hier eigentlich kaum mehr was zum Ukraine-Krieg? Ganz einfach: Weil es da für mich wenig zu schreiben gibt. Weil im Krieg die Wahrheit als Erstes stirbt, ist das allermeiste, was so durch diverse Medien gepustet wird, für mich nicht einzuordnen. Was soll ich kommentieren, wenn es wieder heißt, die russische Armee habe dies, die ukrainische jenes? Kann ich nicht beurteilen, bin kein Militärexperte und ich habe keine Satellitenbilder zur Verfügung. Wie auch sonst keine zuverlässigen Quellen. Und wenn, müsste ich mich da aufwändig reinarbeiten. Zu vielem habe ich keine klare Meinung, und wer eine hat, ist mir suspekt.

Dienstag, 23. August 2022

Lest we forget (7)

 
In diesen Tagen vor dreißig Jahren, zwischen dem 22. und dem 28. August 1992, blies ein mordbereiter Mob aus Rechtsextremen und Neonazis in Rostock-Lichtenhagen zur Menschenjagd auf Asylbewerber und ehemalige 'Vertragsarbeiter' aus Vietnam, allgemein beklatscht, bejubelt und angefeuert von Anwohnern. Die Polizei stand die meiste Zeit hilflos daneben und war zum Zusehen verdammt. Dass in diesem Orlog aus Körperverletzung und Brandstiftung kein Mensch ums Leben gekommen ist, grenzt an ein Wunder. Sicher hatten Neonazis aus dem Westen entscheidenden Anteil, aber hier, kurz nach der und mitten in den Zumutungen der 'Wende' fiel ihre Arbeit endlich auf fruchtbaren Boden.

Samstag, 20. August 2022

Vermischtes und Zeugs (XXIX)


Die Tatsache, dass Palästinenserpräsident Mahmoud Abbas in Berlin jüngst von "50 Holocausts" faselte, die Israel seiner Meinung nach an den Palästinensern begangen habe, offenbart sehr schön, in welchen Gaga-Dimensionen der Nahost-Diskurs inzwischen angekommen ist. Ist 'Holocaust' inzwischen eine neue SI-Einheit? 1 Holo = sechs Millionen tote Juden (plus Sinti und Roma, Homosexuelle, Kommunisten u.a.)? Hat Israel demnach 300 Millionen Palästinenser umgebracht, oder wie sollen wir das verstehen?

Mittwoch, 17. August 2022

Unreformierbar?

 
"An allem Unfug, der passiert, sind nicht etwa nur die schuld, die ihn tun, sondern auch die, die ihn nicht verhindern." (Erich Kästner)

Der Trubel um die frischgebackene Ex-RBB-Intendantin Patricia Schlesinger ist überwiegend armselig und dient vor allem dazu, das System des öffentlich-rechtlichen-Rundfunks weiterhin für seine Profiteure am Laufen zu halten. Aller Wahrscheinlichkeit ist die Dame, wiewohl allzuviel Mitleid mit ihr unangebracht ist, ein Bäuer:innenopfer. Weil die Causa Schlesinger denjenigen hervorragende Argumente liefert, die den öffentlich-rechtlichen Rundfunk drastisch zusammenstreichen oder gleich ganz abschaffen wollen, gerät dessen Geschäftsmodell unter Druck. Da wirft man die lieber die raffgierige Hexe der Öffentlichkeit zum Fraße vor, bevor es einem selbst ans Leder geht.

Sonntag, 14. August 2022

Peter Pan im Saustall

 
Würd ma den Eberhofer Franz amoi charakterisieren wollen, wie die Eierkepf des nenna tuan, denn würd i so sogn: Der mog hoit ned recht erwachsen werdn, der Franz. Lebt in Niederkoidenkiachen bei de Oma und dem Babba aufm Hof im Saustall (ned, weils do herinnen ausschaugt wie in oanem, sondern weils amoi wirkli a Saustall war. De Babba rauchat oiwei des Gras, was er sölbst anbaun tuat, und Leopold, dem Franz sei Bruader, des is a Schleimsau, is des. Essn tuat der Franz am liabsdn des, was die Oma kochen tuat, am zwoatliebsten die Leberkässemmeln vom Metzger Simmerl. Überhaupt, die Oma! Heans, manchemoi, da denk i, die is goa net schwerhörig. Schlau is sie allemal. Die woaß: So a Bua, egal wie oid, muss oiwei was G'scheits essen. Wos hoaßt: Ois unter 3000 Galorien ist ka Mahlzeit, sondern a Imbiss.

Donnerstag, 11. August 2022

Ronny des Monats - August 2022

 
Bevor wir zur Verleihung der Ronnys des Monats schreiten, würde ich gern das hier zur Kenntnis bringen. Ich weiß, sind Aussagen und persönliches Erleben. Ich weiß, Oliver Polak ist nicht unkontrovers. Aber wenn das so war, dann wundert’s mich nicht. Bestätigt das vieles, was ich über diese Band schon lange denke. Ist mir immer suspekt geblieben. Ja, man kann sich seine Fans nicht aussuchen. Ja, die Onkelz sind (längst) keine Nazi-Band (mehr) und ihre Fans nicht automatisch Rechte und Nazis. Doch trotz aller Distanzierung von der Vergangenheit scheint man offenbar immer noch durchaus anschlussfähig in gewissen Milieus. Weniger wegen expliziter Inhalte, Texte oder konkreter Aussagen, sondern mehr wegen gewisser Haltungen. In der Art von: "Eine abgehobene Kulturelite will euch vorschreiben, was ihr gut zu finden habt und was nicht (aber wir verstehen uns – wink wink)". Man gerät da mitunter leicht, wenn auch keineswegs zwingend, in brackiges Fahrwasser.  Und so halte ich es mit Farin Urlaub, der einst sagte: "Ich mag die nicht. Immer noch nicht."

Montag, 8. August 2022

Vermischtes und Zeugs (XXVIII)

 
Inzwischen bin ich mir einigermaßen sicher, dass dieses Internet und vor allem die 'sozialen' Medien auf einer fundamentalen Fehleinschätzung beruhen: Der nämlich, dass Menschen prinzipiell gut seien, und wenn nur genügend Gute und Gutwillige versammelt seien, dann hätten die paar Arschlöcher und Deppen, die es halt immer irgendwo gibt, keine Chance. Schaut man sich diverse Ecken von Twitter an oder Kommentarspalten in diversen Medien, könnte man hingegen glatt auf die Idee kommen, diese Welt sei unrettbar verloren.

Samstag, 6. August 2022

Schmähkritik des Tages (60)

 
Heute Robert Misik über Online-Mobs und Appeasement

"In Österreich wurde eine Ärztin vom rechtsextremen Impfgegner-Mob in den Tod gehetzt. Lisa-Maria Kellermayr hatte sich von Beginn der Covid-19-Pandemie an um Patienten gekümmert, sie hatte ganz praktische Behandlungserfahrungen gesammelt, als Anfangs alle noch im Blindflug unterwegs waren, sie hatte damit auch eine gewisse Prominenz erlangt, war dann den Covid-Leugnern und Impfgegnern ein Dorn im Auge. Sie erhielt Hassmails, Morddrohungen, in denen ihre Todesart in den grellsten Farben und explizit ausgemalt wurde. Die Polizei nahm sie nicht ernst und fraternisierte noch mit dem Mob. [...]

Mittwoch, 3. August 2022

Neun Euro. Der Selbstversuch

 
Wieder einmal stand der alljährliche mehrtägige Besuch bei einem alten Freund an, der in der Nähe von Bremen residiert. Die Alternativen waren: Entweder mindestens eine Tankfüllung verballern, und das zu den momentanen Preisen, dafür komfortabel und unabhängig sein von Fahrplänen und Anschlüssen. Oder sich in vermutlich überfüllte Züge quetschen, sich an Fahrpläne halten, auf Anschlüsse hoffen und Maske tragen. Andererseits würde die Reise auf keinen Fall mehr als neun Euro kosten. Ein No-brainer, wie der Angelsachse da sagt. Zumal ich Urlaub hatte, ein verpasster Anschluss oder eine Verspätung mich nicht aus der Bahn werfen (hihi!) würden.

Montag, 1. August 2022

Da hört sich doch...

 
"Umso bedauerlicher ist daher das Schauspiel, das die Engländerinnen vor allem in den letzten Minuten des Finales aufgeführt haben: Zeitspiel bis zum Äußersten. Sei es beim Ausführen von Ecken, wo die Lage des Balles nur millimeterweise korrigiert wurde, sodass die Linienrichterin drei Mal eingreifen musste. Oder die Torhüterin Mary Earps, die auch nach einfachsten Paraden erst einmal vornüber kippte, um noch mit dem Ball in den Armen liegen zu bleiben: Hauptsache, wieder ein paar Sekunden von der Uhr nehmen. Hinzu kommt Einwechselspielerin Jill Scott, die nach einem Zweikampf mit Sydney Lohmann aufsprang und die Deutsche mit »Fuck off, you fucking prick!« beschimpfte, zu deutsch etwa: »Verpiss Dich, Du Idiotin!« – und dafür in sozialen Medien von England-Fans gefeiert wird." (Thomas Krause)

Sonntag, 31. Juli 2022

Spaltung? Bitte gern!


"Es ist mittlerweile klar, was »Querdenker« und Co. meinen, wenn sie von »Meinungsfreiheit« reden: Alle anderen sollen die Meinung der »Querdenker« als Wahrheit anerkennen. Sie sollen nicht widersprechen und wagen sie es doch, wird der ganze Sturm des Hasses und der Häme losgelassen. Das trifft Leute unterschiedlich hart. Manche müssen sich »nur« dumme Sprüche anhören. Anderen wird mit Mord und Totschlag gedroht. Wohin auch digitale Hetze und Hass führen können, haben wir gesehen." (Frederick Mallon)

Es gibt Tage, da will man nur noch den Liebermann machen. Da wird die österreichische Ärztin Lisa-Maria Kellermayr tot in ihrer Wohnung gefunden, nachdem sie viele Monate lang von Impfgegnern auch persönlich in ihrer Praxis bedroht wurde. Die Polizei sah übrigens keinen Grund für Personenschutz und riet ihr, sich lieber nicht so in die Öffentlichkeit zu drängen. Die hämischen, kernverrohten Reaktionen aus der Impfgegner- und Querdenkerszene mag ich nicht weiter kommentieren. Die Versuchung, auf dieses Niveau zu sinken, ist zu groß. Das richtet sich selbst. Hoffentlich.

Freitag, 29. Juli 2022

Reiseimpressionen (12)


Oldenburg

Im Krieg ist hier kaum etwas zu Bruch gegangen. Und nach dem Krieg war das vermutlich strukturschwache Region. Daher hat sich in der Oldenburger Altstadt, trotz vereinzelter ärgerlicher Bausünden und trotz erkennbarer Bemühungen von Stadtplanern, jeglichen Charme zu exorzieren, eine alteuropäische Verwinkeltheit erhalten, wie sie in Städten dieser Größe in Norddeutschland nur noch selten zu finden ist. Stelle ich mir im Herbst und Winter nett vor, wenn alles von innen erleuchtet ist. 

Dienstag, 26. Juli 2022

Was reimt sich eigentlich auf...?


Der notorische Mario Barth führte einst ein bedrucktes Leibchen spazieren, auf dem es hieß: "Nichts reimt sich auf Uschi!". Dass das Wort 'Sushi' sich damals vielleicht noch nicht bis in den letzten Winkel bildungsferner Schichten herumgesprochen hatte, mag man zu seinen Gunsten annehmen. Immerhin wissen wir neuerdings, was sich auf 'Layla' reimt. Ein Frauenname auch das. Der, auf den das heurige Sommerloch hört. Nun wäre mein Leben um keinen Deut ärmer, wenn derlei Gesänge nicht existierten. Not my kind of entertainment. Wenn es mich also auf eine Veranstaltung verschlüge, wo derlei gespielt werden könnte, ich würde demnach nichts vermissen. Es ist mir auch egal, ob zu der eh schon unübersehbaren Kollektion an Fickificki-stumpfa-stumpfa-Partymusik sich ein weiteres Stück hinzugesellt.

Samstag, 23. Juli 2022

Jenseits der Blogroll - 07/2022

 
Bevor wir zu den Links und Fundstücken des Monats kommen, eine kleine Beobachtung: Mit will scheinen, dass  Teile der 'alternativen' Medien zunehmend dazu neigen, die andere Seite zu pathologisieren, mithin etwas tun, das sie anderen selbst gern vorwerfen. Dass Menschen sich aus rationalen Er- und Abwägungen heraus für oder gegen etwas entscheiden, mit dem man dann halt nicht einverstanden ist -- dergleichen aufklärerisches Gedankengut findet man immer seltener. Nein, wenn andere etwas tun, was man falsch findet, dann nur, weil sie irgendeine Neurose haben, ein schweres Kindheitstrauma spazierenführen. Sie tragen weiterhin Maske, weil sie irrationale Ängste haben. Mindestens. Geil darauf sind, sich Autoritäten unterzuordnen. Drunter machen sie’s nicht.

Mittwoch, 20. Juli 2022

Vermischtes und Zeugs (XXVII)


Hitzewelle Spezial

Sagt mal, Großbriten, wie habt ihr das damals eigentlich geschafft, so viele tropische Gegenden der Erde zu beherrschen, wenn ihr jetzt wegen ein paar heißen Tagen schon das große Stöhnen anfangt? Und seit wann kriegen die Gardisten vor Buckingham Palace, St James's Palace und Windsor Castle hitzefrei? Rückzug? Bloß wegen ein bisschen Sonne? Zur Erinnerung: Die Schlacht von Waterloo fand damals auch im Sommer statt. Hat da irgendeiner so: "Blimey, ist das heiß! Mimimi, vor den Franzosen habe ich keine Angst, aber diese dicke Uniformjacke bringt mich noch uuuuum! Hat mal jemand Sonnencreme, boys?" Mann, Mann, Mann, mit solchen Weicheiern und Schattenparkern in Uniform kann das ja nichts werden mit former glory.

Dienstag, 19. Juli 2022

Sommerloch: Sissi mit Handschellen

 
Unter der (vernichtenden) Kritik über den Film 'Fifty Shades Of Grey' im Guardian schrieb eine Kommentatorin, sie sei seit über 15 Jahren in der Fetisch-/BDSM-Szene unterwegs und niemals, nicht ein einziges Mal, sei ihr dort jemand begegnet, der versucht habe, einen Menschen, der nicht von sich aus Zustimmung, Interesse oder zumindest Neugier signalisiert habe, zu solchen Praktiken zu bekehren bzw. dazu zu manipulieren. Wer so etwas täte, betriebe nichts anderes als Missbrauch.

Sonntag, 17. Juli 2022

Sommerloch: Über die Achtziger


"Die Welt von Westeros nämlich ist bereits eine im Zustand der Entzauberung. Die Menschen hängen noch alten Legenden nach, sie träumen von einer besseren Vergangenheit; sie verhalten sich wie die Bewohner einer barbarischen, postheroischen Kultur zu einer heroischen Vergangenheit, in der, vielleicht, die Werte, auf die man sich gelegentlich bezieht, noch wirklich gegolten haben." (Georg Seeßlen) 
 
Es war im letzten Sommer. Ich saß mit Teilen meiner bayerischen Verwandtschaft beim Grillen, als der neben mir sitzende, schweigend trinkende Beinahe-Ehemann meiner Großcousine auch mal was sagte. Im Hintergrund lief irgendeine Achtzigerjahre-Mucke und es wurde gerätselt, von wem sie sei. Da grummelte mein Sitznachbar plötzlich: "Die Achtziger waren eh des Beste, hernach is nur noch Schmarrn kemma." Ich zuckte innerlich zusammen. Sieh an, dachte ich, noch so einer, der die Achtziger für das tollste aller Jahrzehnte hält. Nicht rumdiskutieren, beherrschte ich mich, das bringt eh nix. Aber diese Achtzigerjahre-Nostalgie geht mir dermaßen auf die Eier! Glücklicherweise ließ er's dann auch bei dieser einen Bemerkung bewenden und wandte sich wieder seinen Weißbieren zu.

Freitag, 15. Juli 2022

Bald brennt's

 
Na, Holgi, alter antifaschistischer Widerstandskämpfer, freust du dich schon? Dass das System, das du so abgrundtief hasst, demnächst endlich brennen wird? Das System, das dir, wie und warum auch immer, die letzten Jahrzehnte, trotz aller Zumutungen ein Leben geboten hat, um das größere Teile der Weltbevölkerung dich immer noch beneiden. (Nein, ich finde nicht, wir sollten unserem System 'dankbar' sein oder so, das ist unangebracht. Es hilft aber zuweilen, den Blick mal über Doitschland und Europa auszuweiten. Um gewisse Dinge in Perspektive zu rücken.)

Montag, 11. Juli 2022

Vermischtes und Zeugs (XXVI)


Was für ein Gejammer in den Kommentarspalten! Da kommen einige Menschen nicht damit klar, dass es für geäußerte Meinungen auch Gegenwind geben kann. Leute wie Precht und Wagenknecht konnten sich stundenlang im TV zu Russland präsentieren. Auch in den Printmedien erschienen ihre Meinungen zu dem Thema und jetzt wird darüber rumgeflennt, dass diese Meinungen nahezu kollektiv auf Ablehnung stoßen. So ist das nun einmal im Leben. Shit happens.

Samstag, 9. Juli 2022

Ronny des Monats - Juli 2022

 
Wer glaubt, Sommerzeit sei Urlaubszeit und auch Ronny & Cie. machten daher auch Pause, sieht sich wieder einmal eines Besseren belehrt, wie die unten versammelten Top 5 zeigen werden. Wussten Sie eigentlich schon, dass die Polizei in einigen Bundesländern voll genervt ist von den dauernden Rassismus-Studien? Weil sie immer in so schlechtem Licht dastehen täte, sekundiert der von Rainer Wendt präsidierte Berufsverband. Aha. Ich habe übrigens keinen Bock auf das andauernde "Aber der Linksextremismus ist mindestens genau so schlimm!", wenn wieder irgendwo rechte Gewalt verharmlost werden soll. Und nu? Wussten Sie ferner, dass die russische Duma schon 2015 die deutsche Wiedervereinigung zur völkerrechtswidrigen Annexion erklären wollte? Okay, auch andere hatten ja was geahnt. Und über Sachsen können wir gern verhandeln, wenn's dem Kriegsende dient.

Dienstag, 5. Juli 2022

Die Dienstpflicht ruft - nicht.


Momentan wird wieder "händeringend" nach Arbeitskräften gesucht. Wie eigentlich immer. Nach Arbeitskräften zu suchen, ohne dabei die Hände zu ringen, ist ja seit Jahrzehnten verpönt, quasi kaum mehr denkbar. Ist die Fähigkeit eigentlich angeboren oder kann man das irgendwo lernen, dieses Händeringen? Gibt es da VHS-Kurse oder IHK-Fortbildungen? "Willkommen zu unserem Wochenendseminar 'Erfolgreich Hände ringen für Anfänger'"? Oder kann man da einen Bachelor drin machen, einen Master oben drauf setzen und promovieren? Wenn nicht, dann kann das, gemessen an der Allgegenwärtigkeit dieser Kulturtechnik, nicht mehr allzu lange dauern.

Sonntag, 3. Juli 2022

Schmähkritik des Tages (59)

 
Heute: Slavoj Žižek, kontrast-mittel.org und Wiglaf Droste über das Problem der Linken in Kriegszeiten im Allgemeinen und die Zeitschrift 'Konkret' im Speziellen.

"Ein Linker, der »Verständnis« für Russland zeigt, ist mit jenen Linken vergleichbar, die vor dem deutschen Überfall auf die Sowjetunion die deutsche »antiimperialistische« Rhetorik gegen Großbritannien ernst nahmen und sich für Neutralität im Krieg Deutschlands gegen Frankreich und Großbritannien einsetzten. Wenn die Linke hier versagt, ist das Spiel für sie aus." (Der Freitag, 1. Juli 2022)

Donnerstag, 30. Juni 2022

Vermischtes und Zeugs (XXV)


Eines muss man den evangelikalen Eiferern in den USA lassen, die nun mit dem gekippten Roe vs. Wade Urteil und dem daraus folgenden, faktischen Abtreibungsverbot in vielen Bundesstaaten eines ihrer wichtigsten Ziele erreicht haben: Der Slogan 'Pro life' - für das Leben - ist gut ausgewählt. Vorausgesetzt, man versteht die Pointe, dass mit 'life' ausschließlich ungeborenes Leben gemeint ist. Wenn Schulkinder von einem weggemetzelt werden, der sein Grundrecht auf Waffenbesitz wahrnimmt, stößt das an Grenzen. Mal sehen, ob die drüben jetzt auch so konsequent sind, illegale Abtreibungen in Zukunft mit dem Tod zu bestrafen. Wegen 'Pro life' halt. (Was soll's, von fanatisierten Aktivisten Denken in Zusammenhängen zu erwarten, war schon immer gewagt.)

Montag, 27. Juni 2022

Separatoren-Sauerei

 
Mein längst verstorbener bayerischer Urgroßonkel verdiente seine Semmeln einst als Viehhändler. Einmal nahm er meinen Vater, der gerade zu Besuch war, mit in die Schlachthofkantine. Da gab es für kleines Geld ein Stammessen. Lüngerl mit Knödeln, Bruckfleisch, Herzragout oder saure Nierndl. Mitunter auch Stierbeutel. Oder man bediente sich für ein paar Groschen aus dem riesigen Schlachtkessel, der in der Ecke vor sich hin simmerte. Darin schwammen neben Innereien wie Lebern auch Rüssel, Pfötchen, Schwänzchen und Ohren. Vatern wandte sich mit Grausen, die versammelten Fleischer- und Viecherer-Gesellen lachten sich eins über den Saupreiß', den damischen, und hatten eine klare Meinung: Da hat einer absolut keine Ahnung, was für Leckerbissen so a Schweinderl, a Kaibi, a Kuah oder a Ochs’ so alles bereithält.

Samstag, 25. Juni 2022

Jenseits der Blogroll - 06/2022

 
Die Links und Fundstücke des Monats. Kann man, so die kurrente Gretchenfrage, Pazifist sein und den ukrainischen Widerstand gegen die russische Invasion trotzdem gutheißen, so im Sinne von: Notwendiges Übel? Meine Position ist bekannt. Seit dem 24. Februar ist es ziemlich müßig, stundenlang bis in die fallende Nacht über diverse Versäumnisse und Sauereien 'des Westens' zu diskutieren (wozu ich übrigens gern bereit bin, wenn mit gleicher Offenheit und Akribie über diverse Versäumnisse und Sauereien Russlands debattiert wird). Wer den Frieden will, muss diesen Konflikt beenden wollen. Das aber geht nur aus einer Position der Stärke heraus und, leider, leider, wohl nur mit Gewalt. Auch wenn dadurch eventuell jahrzehntelang gehegte Wertvorstellungen Kratzer bekommen.

Dienstag, 21. Juni 2022

documentata

 
Das Schöne am Antisemitismus ist ja: Es gehört absolut kein Mut dazu. Wenn du nicht gerade eine halbe israelische Olympiamannschaft massakrierst, wird kein Mossad-Kommando ausrücken, dich zu liquidieren und es dann wie einen Unfall aussehen lassen. Es braucht ein bisschen Gratismut Marke "Wird man ja wohl noch sagen dürfen! Wosimmerdennhier?",  sonst nichts. Weil man's ja nicht sagen darf! Humbug. Man kriegt verbal auf die Mütze, sonst nichts. Schlimmstenfalls wird mal ein Bild abgehängt. Doof, ja. Aber sonst? Richtige religiöse Fanatiker offen zu kritisieren, dazu gehört mitunter schon mehr Mut, wie sich immer wieder gezeigt hat.

Samstag, 18. Juni 2022

Ehre, wem Ehre gebührt

 
"Das Titelblatt heißt Titelblatt, weil's Titten hat." (anonym, H. Nannen zugetraut)

Die kriegen ja alles raus. Absolut alles kriegen die raus. Jetzt haben die tatsächlich rausgefunden, dass 'Stern'-Gründer Henri Nannen nicht nur mehr oder minder fröhlich bei den Nazis mitgemacht hat. Nein, er soll sogar, jüngeren Recherchen zufolge, als Mitglied der Waffen-SS für ein übles antisemitisches Propagandapamphlet verantwortlich gewesen sein, das von der SS-Einheit 'Südstern' (wink, wink!) an der Italienfront verteilt wurde. Tja, und jetzt steht man da mit seinem Nannen-Preis und der Henri-Nannen-Journalistenschule. Und benennt erst mal um. Hoppala, hier müffelt's ja! Der Henri-Nannen-Preis soll in diesem Jahr einmalig unter dem Namen 'Stern-Preis' verliehen werden, bis einem was besseres eingefallen sei, so wurde verlautet.

Donnerstag, 16. Juni 2022

Vom Gleichschalten und Treibjagen

 
Den klugen Paul Mason sinngemäß zitierend, könnte man sagen: Die unbestreitbare Tatsache, dass (westliche liberale) Demokratien zweifellos ihre systemimmanenten Fehler, Schwächen und blinden Flecken haben, macht noch lange keine Diktaturen aus ihnen. Diverse 'alternative' Medien bedienen sich zunehmend einer heillos entgrenzten Sprache, um aktuelle, von ihnen missbilligte Erscheinungen als Anzeichen dafür zu framen, dass wir in einer Diktatur leben. Da wird dann eine eher triviale Beobachtung wie die, dass an einen Mainstream gerichtete Medienangebote eben Mainstream-Erwartungen bedienen, zu 'Gleichschaltung' hochgejazzt. Der Unterschied zu Jana aus Kassel ist da nicht mehr besonders groß. Haste Kummer - mach die Opfernummer!

Montag, 13. Juni 2022

Vermischtes und Zeugs (XXIV)


Die Älteren werden sich vielleicht erinnern: In den 1970ern gab es Gruppierungen wie die RAF oder den 'Revolutionären Kampf'. Letztere waren die Leutchen um Matthias Beltz, Daniel Cohn-Bendit, Joschka Fischer et al., die beim Opel in Rüsselsheim anheuerten, um die dortigen Arbeiter zum Revolutionmachen zu bewegen. Die waren alle überzeugt, das herrschende System stünde unmittelbar vor dem Kollaps, ein letzter Schubs würde genügen, um es zum Einsturz zu bringen. Was, fragen sich heute viele mit gewissem Befremden, machte die bloß so sicher?

Samstag, 11. Juni 2022

Teurer Königsweg

 
Der Imperativ, sich bittesehr gesund, ausgewogen, aus frischen Zutaten zu ernähren und, wenn überhaupt mal, dann bitte nur ganz selten mal ganz hochwertiges Fleisch zu essen, mag aus ökologischer und physiologischer Sicht vernünftig sein. Nur haftet dem unter kapitalistischen Rahmenbedingungen auch immer ein unangenehmer Klassenaspekt an. Das empörte Fingerzeigen auf billiges Grillfleisch im Discount erinnert durchaus nicht zufällig an die empörte bildungsbürgerliche Frage, ob denn jetzt wirklich jeder Abitur machen und studieren müsse (will heißen: Die Welt war doch völlig in Ordnung, so lange im wesentlichen nur unsere Kinder diese Privilegien hatten und wir bestimmten, wer aus den niederen Ständen 'es schaffte').

Mittwoch, 8. Juni 2022

Ronny des Monats - Juni 2022

 
Schon wieder ist nicht nur fast das halbe Jahr, sondern auch ein kompletter Monat rum, und das bedeutet: Es ist Ronny-Time. Nachdem der Krieg in der Ukraine nicht mehr komplett die Nachrichten dominiert, kommen auch wieder vermehrt Neuigkeiten aus dem blaubraunen Lager und deren Assoziierten an die Öffentlichkeit. Und natürlich sind auch dieses Mal wieder einige auf der Shortlist gebleiben, ohne es in die Top 5 geschafft zu haben: Etwa dass im Land der unbegrenzten rechten Möglichkeiten der Verfassungsschutz wochenlang einen bekannten NPD-Politiker an der Pforte sitzen hatte. Man denkt dort also das Konzept des V-Manns konsequent zu Ende. Oder Springers 'Welt', die mutig zur Verteidigung deutschen Nachwuxes gegen die Verschwulungsversuche von ARD und ZDF schreitet...

Sonntag, 5. Juni 2022

Was Macht macht

 
So es denn eine gibt, lässt die Moral von der Geschicht', die die hervorragende dänische Serie 'Borgen' anbietet, sich recht kurz zusammenfassen: Macht ist eine Droge. Wer nicht beizeiten lernt, von ihr zu lassen, den wird sie zerstören. Zuverlässig und gnadenlos. Panzern. Hart und brutal machen. Sie zerstört nicht nur die, die sie haben, sondern auch deren Familien und deren Umfeld. Und noch etwas lernen wir: So etwas wie oben ankommen gibt es nicht. Wenn du oben bist, dann wird es erst richtig übel. Dann bist du der Gejagte und die Jäger werden immer jünger und zahlreicher. Daher musst du mindestens so viel Aufwand darauf verwenden, dich an der Macht zu halten wie auf deine eigentliche Arbeit.

Freitag, 3. Juni 2022

Vermischtes und Zeugs (XXIII)

 
Elon Musk will, dass alle Tesla-Mitarbeiter 40 Stunden pro Woche im Büro sind. Wer das nicht täte, so ließ er per Mail verlauten, bei dem werde davon ausgegangen, dass der Betreffende das Unternehmen verlassen hätte. Boah, ist schon ein voll krasser Visionär, der Elon! Herzlich willkommen im hypersupi quietschmodernen Digitalkapitalismus, wo wir genauso doof roboten gehen müssen wie 1960. Dann kann man's auch lassen.

Montag, 30. Mai 2022

Gut konserviert


Konservative und Rechte, die politischen Gegnern vorwerfen, in Traumwelten zu leben, sollten sich zunächst vielleicht mit den Traumwelten befassen, in denen sie selbst leben. Nicht nur in Deutschland natürlich.

Nicht alle, aber auch nicht eben wenige Konservative und viele Rechte werfen anderen gern Spinnerei vor, leben ihrerseits aber erst recht in einer Traumwelt. Ihnen träumt, früher sei so ziemlich alles besser gewesen. Die Leute hätten sich nicht scheiden lassen, junge Menschen nicht zügellos rumgemacht, sonntags seien die Kirchen voll gewesen, die Frauen hätten noch nicht aufgemuckt, und wenn doch, dann durfte der Ehemann auch mal ungestraft Gewalt anwenden. (Überhaupt hat damals eine gesunde Watschen noch keinem geschadet.) Alle waren hetero und wenn mal einer von der Brücke sprang, weil er das dauernde Mobbing (das früher noch nicht so hieß, sondern 'Hänselei' oder so) nicht mehr ertrug, dann war er halt zu weich für diese Welt. Und eh selbst schuld. Musste ja nicht so aus der Reihe tanzen.

Sonntag, 29. Mai 2022

Local Heroes


Am Wochenende war Local Heroes Night im hiesigen Kulturzentrum. Exoplanets aus der bescheidenen Heimatstadt, Kaozzz Konzzzept aus dem westfälischen Hamm. Gute Musik, nette Leute, entspannte Stimmung, günstiger Eintritt, bezahlbare Getränke, keine Masken mehr - passt. Herzwärmend. Hat gefehlt, so was. Mein Dank ergeht an alle Beteiligten.

Donnerstag, 26. Mai 2022

Vermischtes und Zeugs (XXII)


Aus dem Trubel um den Frankfurter OB Feldmann (SPD) lernen wir: Du kannst mit so ziemlich allem durchkommen. Damit, deiner Ehefrau Pöstchen zuzuschanzen, damit, in diverse Fettnäpfchen zu treten, alles kein Problem. Aber sich im Flieger öffentlich zu äußern über die hormonellen Wirkungen, die gewisse Flugbegleiterinnen haben bei einem -- da hört sich der Spaß auf. Sexistische Kackscheiße! Rücktritt! Pronto! Ach so: Wie wäre das eigentlich, wenn eine postklimakterische Petra Feldmann (SPD) sich in vergleichbarer Weise wohlwollend über männliche Flugbegleiter geäußert hätte? Frage für einen Freund.

Dienstag, 24. Mai 2022

Billiger Bumerang

 
Und? Auch schon so ein modernes Neun-Euro-Ticket besorgt? Billig Bus und Bahn fahren? Für neun Schleifen nach Sylt, Reiche gucken? Ich weiß ja nicht, was Sie so denken, aber mit meiner Vergangenheit als Bahnpendler würde ich sagen, die Milliarden, die der Bund ins das Ticket steckt, könnten sich am Ende als höchst erfolgreiche Kampagne gegen den ÖPNV entpuppen. Weil viele, die schon ewig nicht mehr ÖPNV gefahren sind, hinterher sagen werden: Nie wieder! Das Problem wird nicht sein, dass Züge und Busse überfüllt sein werden. Das wird vermutlich der Fall sein, vor allem an Wochenenden, aber damit werden die meisten eh rechnen.

Sonntag, 22. Mai 2022

Jenseits der Blogroll - 05/2022

 
Verehrte Damen und Herren, liebe Lesende. Es ist so weit. Offiziell. Ein für alle Mal. Der Rubikon aber so was von überschritten. Unumkehrbar. Das Böse hat mich am Kanthaken. Auch wenn es mir körperliche Schmerzen bereitet, kann ich nicht anders als einen Beitrag von Jan Fleischhauer hier zu verlinken. Zwar ging mir sein xtes Wiederaufwärmen der dämlichen Hufeisentheorie ziemlich auf den Senkel, aber sein Offenlegen diverser Praktiken, die beim Portal 'Tichys Einblick' gang und gäbe zu sein scheinen, rissen es wieder heraus. Und das hier:

Donnerstag, 19. Mai 2022

Posonby auf Russisch

 
Es ist dieselbe Geisterbahn wie zu höchsten Pandemiezeiten: Noch nie wurde da von so vielen öffentlich und weitgehend folgenlos über die Einschränkung der Meinungsfreiheit gejammert und darüber, in welch brutaler Diktatur man lebe und welchen inkompetenten Tyrannen man schutzlos ausgeliefert sei. Fing schon 2010 mit Thilo Sarrazin an: Da wurde beklagt, wie ganzschlimm verfolgt und mundtot der arme Mann gemacht würde. Dass der Verfemte so viel Medienpräsenz genoss und Millionenhonorare einstrich wie noch kein Sachbuchautor vor ihm -- der kleine Fehler auf dem Bild wurde großzügig ignoriert.

Montag, 16. Mai 2022

Vermischtes und Zeugs (XXI)


Gesichtstätowierungen, so ist zu erfahren, seien längst keine Karrierekiller mehr. Gut, Artikel der Marke "Die schlimmsten No-gos im Vorstellungsgespräch" fand ich schon immer lachhaft, da sich das allermeiste für alle, die nicht große Teile des Lebens unter irgendwelchen Steinen verbracht haben, selbst erklärt. Aber Moment mal, sind Tätowationen generell nicht übelste kulturelle Aneignung? Haben die sich vorher bei den Maori und in Polynesien erkundigt, ob sie das überhaupt dürfen? Wenn nicht, dann gehören aber nicht nur diese fazial Illustrierten aber sofort aus dem öffentlichen Leben entfernt! #Kanzel-Kultur!!1!!11!!

Freitag, 13. Mai 2022

Keinen billigen Exorzismus bitte

 
Ich muss hier was gestehen: Die Wahrscheinlichkeit, dass ich in jüngeren Jahren auf einen wie Fynn Kliemann reingefallen wäre, ist einigermaßen hoch. Wäre mein jüngeres Ich in seinen Bannkreis geraten, mit Feuereifer wäre ich dabeigewesen im Kliemannsland. Hätte kostenlos oder gegen ein warmes Abendessen Arbeitsstunden gekloppt. Und wäre mächtig stolz drauf gewesen, Teil von etwas so Schönem zu sein. Hätte noch danke gesagt dafür.

Donnerstag, 12. Mai 2022

Ronny des Monats - Mai 2022

 
Die aktuell beste Nachricht ist wohl, dass die AfD in Schleswig-Holstein aus dem Landtag geflogen ist. Ein erfreulicher Trend, der sich in anderen westlichen Bundesländern durchaus fortsetzen könnte. Ob das aber eine durchgehend gute Nachricht ist, wird sich erweisen. Hält der Trend an, werden die Braunblauen zu einer weiter sich radikalisierenden Ost-Partei mit Vorfeldorganisationen im rechten (Bildungs-)Bürgertum unter einem Vorsitzenden BerndBjörn Höcke, die sich in Teilen der dortigen Länder bei ca. 20 Prozent Wählerstimmen etabliert und keine Rücksicht mehr nehmen muss auf West-Landesverbände, die eher Sammelbecken von der Union enttäuschter Konservative waren. War sonst noch was? Natürlich. Diverse An-, Übergriffe und andere Widerwärtigkeiten sind natürlich auch wieder massenhaft passiert und lassen sich u.a. hier nachlesen.

Montag, 9. Mai 2022

Doctor Whober


Kennen Se den? Zwei Medizinstudenten unterhalten sich. Der eine so: "Kommste am Wochenende mit nach Sylt?" Der andere so: "Nee, keine Zeit, da schreib' ich meine Doktorarbeit." Bruhahahaha, Spitzenklopper!

Nun hat Martin Huber nicht Medizin studiert, sondern Politische Wissenschaft. Und hat promoviert drin. Und kaum ward er als neuer CSU-Generalsekretär benannt, schon gibt es Stress mit seiner Doktorarbeit. Sie stammt aus dem Jahr 2008 und trägt den Titel: "Der Einfluss der CSU auf die Westpolitik der Bundesrepublik Deutschland von 1954 bis 1969 im Hinblick auf die Beziehungen zu Frankreich und den USA". (Es soll Magisterarbeiten geben, deren Themen weiter gefasst sind.) Bereits auf den ersten 26 Seiten von Hubers Dissertation sollen 25 Zitate ohne oder mit falscher Quellenangabe gefunden worden sein. Bingo!

Freitag, 6. Mai 2022

Patriarchen am Werk


Mit der Frage, was das eigentlich genau ist, dieses Patriarchat, habe ich mich lange schwer getan. So habe ich gedacht, Patriarchat bedeute im Kern, Kontrolle über weibliche Sexualität auszuüben. Damit das Vermögen in der Familie bleibt. Das finde ich in vieler Hinsicht immer noch schlüssig, greift aber zu kurz. Es brauchte das Gespräch, das Leon Windscheidt mit der wunderbaren Seyran Ateş geführt hat. Die brachte es auf den Punkt: Patriarchat ist überall da, wo Frauen weniger wert sind als Männer. So simple. Treffer, gesunken.

Dienstag, 3. Mai 2022

Vermischtes und Zeugs (XX)

 
O weh, o weh! Die berliner Weetschaff 'Ständige Vertretung', einst angetreten, den Berlinern rheinische Lebensart beizubringen, hat die unter der Bezeichnung 'Alt-Kanzlerfilet' feilgebotene Currywurst, bekanntlich eine der Leibspeisen des aktuellen Bösnickel der SPD, von der Karte gestrichen. Hammses ihm aber gegeben! Und Putin schläft bestimmt auch schon ganz schlecht und überlegt ob dieser mutigen Geste, die Truppen wieder aus der Ukraine abzuziehen. Paar zehntausend tote russische und ukrainische Soldaten und Zivilisten - hey, kommt vor. Aber eine 'Ständige Vertretung' ohne Busenfreund Gjerds Leib- und Magenspeise, den "Kraftriegel der Facharbeiter" - das ist zu viel!

Samstag, 30. April 2022

Selbst schuld?

 
Dieselben Leute, die sich jetzt länglich über die Mitschuld des Westens am Ukrainekrieg auslassen, wären vermutlich höchst empört, wenn jemand sagt: Na ja, wenn man mal ehrlich ist, dann hat die Frau es ja auch ein Stück weit provoziert mit ihrem kurzen Rock. Oder: Na ja, diese Zwölfjährige ist ein ganz schön frühreifes Früchtchen, da darf man sich nicht wundern, wenn mal einer nicht an sich halten kann. Gern genommen wird zur Zeit auch der Schulhofvergleich: Wenn zwei Kinder sich prügeln, dann rede man schließlich auch mit beiden. Ja, richtig. Der Fall liegt nur ein wenig anders, wenn ein Siebzehnjähriger, egal ob provoziert oder nicht, eine Fünfjährige vom Fahrrad tritt. So viel zum Thema Hinkende Vergleiche.

Donnerstag, 28. April 2022

Vermischtes und Zeugs (XIX)


Ist eigentlich schon mal jemandem aufgefallen, dass ganz viele Verkehrsschilder in der Farbkombination schwarz-weiß-rot gehalten sind? Zufall??? #Diktatur #Faschismus #Schlafschafe #aufwachen1!!11!!!

***

Kleiner kostenloser Tipp an alle Politiker (außer die von der AfD, die mögen sich weiter blamieren): Sich mit historischen Persönlichkeiten zu vergleichen, geht eigentlich immer schief. Also besser lassen. Bloß weil du beim Einkaufen einen Mund-Nase-Schutz tragen sollst, bist du NICHT Sophie Scholl. Bloß weil du nicht so viele Freunde zum Kindergeburtstag einladen durftest wie sonst, bist du NICHT Anne Frank. Bloß weil du mit einer schrägen, aus 'alternativen' Medien zusammengebollerten Hypothese zu Corona um die Ecke kommst und man dir widerspricht, bist du NICHT Galileo Galilei. Bloß weil du dir erfolgreich einen Furz verkniffen hast, bist du NICHT der Dalai Lama. Bloß weil du dir ein paar YouTube-Videos von Flatearthern angeschaut hast, bist du NICHT Albert Einstein.

Montag, 25. April 2022

Merci Vladimir! Cinq thèses


1. Nicht Macron wurde gewählt, sondern Le Pen verhindert.

Eines der größten Missverständnisse in Bezug auf Wahlen ist zu glauben, es würde in einem Akt rationalen Abwägens der geeignetste Kandidat ausgesucht. Das ist natürlich Quatsch. Viele Regierungswechsel sind vor allem Abwahlen. Sie passieren, weil die Wähler die Schnauze derart voll haben vom Amtsinhaber, dass sie auch einen blattlausbefallenen Gummibaum wählen würden. In Frankreich kam so der wandelnde Leitzordner François Hollande ins Amt, der den mit hohem Fremdschampotenzial und krimineller Energie ausgestatteten napoleonischen Chefzwerg Sarkozy aus dem Elysée kegelte.

Samstag, 23. April 2022

Jenseits der Blogroll - 04/2022


"Zyniker sehen alles voraus, ausser dass jemand ein Herz hat." (Constantin Seibt)

Die Fundstücke des Monats. Es mag pathetisch klingen, aber morgen stimmen die wahlberechtigten Franzosen über die Zukunft Europas ab. Wird die kreidefressende Katzenlady Marine Le Pen Präsidentin, dann könnte das durchaus das Ende der EU bedeuten. Wie alle Populisten tischt Le Pen ihren Wählern das Märchen auf, die Gegenwart sei dekadent und scheiße und ein Zurück in ein kuscheliges kleines Gallisches Dorf würde ihre Probleme lösen. Selbstverständlich ist die EU keineswegs ideal, sondern wie alle bürgerlichen Konstrukte zuvörderst dazu da, dass die Geschäfte reibungslos laufen und die Reichen reicher werden.

Mittwoch, 20. April 2022

Abgänge (3)


Heute: Alte Zeitungen

Alle hacken ja gern auf den bösen Boulevardmedien herum. Dabei ist deren beruhigende Wirkung nicht zu unterschätzen. Eine Zeit nach jenem Elften September 2001 lustwandelte ich durchs Stadtzentrum. Da sprang mir die Schlagzeile eines Springerblattes ins Auge, derzufolge irgendeine Promi-Schnatze, deren Name hier nichts zu Sache tut, sich dazu bekannt hatte, sich die Lippen hat aufspritzen zu lassen. Als ich das sah, dachte ich nicht etwa: "Boah, was für ein belangloser Tinnef! Wer braucht das?" -- nein, ich dachte: "Ach, schau an, offenbar ist heute nichts wirklich Schlimmes auf der Welt passiert."

Samstag, 16. April 2022

Der Frevel von Camp Nou

 
1989 kickte der FC Schalke 04 schon einmal in der zweiten Liga. Unter anderem musste man auch beim SV Meppen ran. Das dortige Hindenburgstadion, das heute natürlich anders heißt, fasste 15.000 Zuschauer, die fast alle schalker Königsblau trugen und das vermeintliche Auswärtsspiel in ein Heimspiel verwandelten. Ähnliches ist jetzt dem großen FC Barcelona widerfahren. Als Eintracht Frankfurt zum Auswärtsspiel der Europa League im Camp Nou antrat, waren 30.000 Eintracht-Fans im Stadion, obwohl nur 5.000 Gästekarten kontigentiert waren.

Mittwoch, 13. April 2022

Vermischtes und Zeugs (XVIII)


Manchmal fragt man sich, ob Putin, der geniale Stratege, seine Schritte wirklich zu Ende denkt. Oder für wen er eigentlich arbeitet. Im Moment passiert ja folgendes: Ehemalige Ostblock-Länder in der NATO wie Tschechien, Polen, die Slowakei etc. liefern ihre alten Waffen und Waffensysteme sowjetischer Bauart an die Ukraine, seit Kurzem auch schwerere Waffen wie T-72-Panzer und BMP-Schützenpanzer. Das wird dazu führen, dass diese Länder bald neue Waffen und Waffensysteme als Ersatz benötigen werden. Die wiederum müssen irgendwo herkommen. Und woher werden die wohl kommen? Röchtööch, die Länder, die momentan schwere Waffen gen Ukraine liefern, werden ihre Arsenale mit modernem westlichen Kriegsgerät auffüllen.

Sonntag, 10. April 2022

Ronny des Monats - April 2022

 
In Zeiten wie diesen beherrscht das Geschehen in der Ukraine die Nachrichten ziemlich einsam. Wenn sich nicht gerade eine amtierende Bundesregierung bei dem Versuch, eine Impfpflicht einzuführen, anstellt wie Stan Laurel und Oliver Hardy bei dem Versuch, ein Klavier ordnungsgemäß abzuliefern. Das macht es nicht unbedingt einfacher, eine reguläre Ronny-Verleihung durchzuführen (im letzten Monat, die älteren werden sich erinnern, ist die Verleihung gleich ganz ausgefallen). Doch -- die Sache will’s! Schaut man an den richtigen Stellen, dann finden sich auch in Kriegszeiten genügend preiswürdige Einzelleistungen.

Donnerstag, 7. April 2022

Duck and cover


Panzerrr rrrollen gen Osten für den Sieg, und die Bevölkerung ist verunsichert - so vermeldet dieses Fachorgan für Kriegsgeheul der gleichgeschalteten deutschen Stahlhelmpresse. Übrigens: An derselben Eisenbahnstrecke spazierte ich vor Jahren einst entlang und sah mit Befremden, wie auf Tiefladern verladene Marder-Schützenpanzer der Bundeswehr in Richtung neue NATO-Ostgebiete verfrachtet wurden. War ich nicht mehr gewohnt, so einen Anblick.

Dienstag, 5. April 2022

Verwechselt

 
"Rugby is a game for barbarians played by gentlemen, football is a game for gentlemen played by barbarians." (Oscar Wilde)

Zum Fußball. Ein russischer Sender hat die Übertragung des Spiels Borussia Dortmunds gegen RB Leipzig abgebrochen, als pro-ukrainische Botschaften im Stadion zu sehen waren. Muss eine lupenreine Demokratie so was nicht aushalten? Wie Berlin einen Autokorso russischnationaler Trötemänner aushalten muss? Oder muss man das irgendwie verstehen, wenn eine Stolze Große NationTM über Jahrzehnte vom Westen und der NATO belogen, betrogen und hintergangen wurde?

Sonntag, 3. April 2022

Schmähkritik des Tages (58)


Heute: Leo Fischer über den Niedergang der Linken


"[Selbst] hartgesottene Stammwähler*innen fragen sich, ob die Partei in ihrem jetzigen Zustand überhaupt in die Parlamente sollte, so völlig richtungslos zeigt sie sich. Da ist natürlich der Krieg, der jahrzehntelang gehegte Überzeugungen in Frage stellte - wie »Friedenspolitiker« auseinanderfallen, die Verständnis für jedes beliebige diktatorische Regime haben, solange es bloß nicht der Nato angehört, konnte man mit heißer Scham beobachten. [...]

Samstag, 2. April 2022

Dänen lügen doch

 
Freunde anspruchsvollen Fernsehgenusses, die der Firma Netflix gestatten, ihnen einen monatlichen Obolus von der Mastercard zu hobeln, sollten sich Donnerstag, den 14. April, dunkelrot im Kalender anstreichen. Denn da läuft die vierte Staffel der brillanten dänischen Serie 'Borgen' an ('Borgen' heißt zu deutsch 'Burg‘, womit Christiansborg in Kopenhagen gemeint ist, Sitz des dänischen Parlaments, der Regierung und des Obersten Gerichts). Die Staffeln 1-3 sind dankenswerterweise für Otto Normalgebührenzahler in der Arte-Mediathek verfügbar. An diejenigen, die es noch nicht gesehen haben und interessiert sind, wie Politik funktioniert, ergeht hiermit eine dringende Empfehlung mit dezentem Befehlscharakter.

Donnerstag, 31. März 2022

Vermischtes und Zeugs (XVII)

 
Russland, so verlautete jetzt, sei grundsätzlich offen für einen EU-Beitritt der Ukraine. Das ist in zweierlei Hinsicht interessant. Erstens wurde der Ukraine noch vor kurzem von Vlad dem Eroberer himself die Staatlichkeit abgesprochen. Wie kann ein Nicht-Staat Mitglied der EU werden? Habe ich da was verpasst? Und zweitens wäre eine Mitgliedschaft der Ukraine das beste, was Russland passieren könnte. Billiger als die Beseitigung der Kriegsschäden in der Ukraine aus EU-Mitteln finanzieren zu lassen, wird man nicht davonkommen.

Dienstag, 29. März 2022

Jenseits der Blogroll - 03/2022


Schon wieder neigt ein Monat sich dem Ende entgegen und es wird Zeit für den Blick ins Netz. Was so herausragte im Riesenstrom an Meinungen und Analysen. Natürlich auch dieses Mal wieder dominiert von dem, was östlich immer noch vonstatten geht. Und wieder geht es mir gewaltig auf die Eier, wie in Teilen der 'alternativen Medien' mit der Unterstellung hantiert wird, die 'Alt-/System-/Lügenmedien' schlügen geschlossen und gleichgeschaltet die Kriegstrommel und ergingen sich ausschließlich in Kriegsrhetorik (tun sie nicht) als hätten wir wieder 1914 (haben wir nicht), und jeder, der das auch nur marginal anders sieht, sei vom internationalen Großkapital gehirngewaschen. Aber egal. Menschen haben's halt gern kuschelig. Ein andermal vielleicht mehr darüber.

Samstag, 26. März 2022

Vom Gendern, Aneignen, Kärchern etc.


Das Problem an einer provokanten Idee ist ist ja nicht, dass sie provokant ist. Geht in Ordnung. Kann einen weiterbringen. Ich kriege es zum Beispiel nicht hin, mich über Gendern wirklich zu empören. Ich finde es legitim und auch spannend, sich Gedanken zu machen, wie sich verändernde gesellschaftliche Verhältnisse sich auch in der Sprache widerspiegeln könnten. Meine Probleme sind eher der autoritäre Gestus, in dem da gern mal top-down was verfügt wird. Und sie sind ästhetischer Natur: Gendern macht die Sprache für meinen Geschmack in unangenehm bürokratischer Weise ungelenk. So wie früher das "Herr/Frau/Fräulein" auf Formularen. (Das "Fräulein" ist übrigens längst weggegendert, ohne dass deswegen die Welt untergegangen wäre.)

Donnerstag, 24. März 2022

Schmähkritik des Tages (57)

 
Heute: Leo Fischer über Gerhard Schröder und Oskar Lafontaine

"Soeben ist Gerhard Schröder von seiner Spezialoperation aus Moskau zurückgekommen. Spötter meinen, die Reise habe vor allem den Bedürfnissen seines Privatvermögens gegolten. [...] Sein alter Erzrivale Lafontaine hingegen ist aus der Linkspartei ausgetreten, seiner eigenen Gründung. Sie sei ihm nicht mehr »friedenspolitisch« genug, womit er wahrscheinlich meint, dass es auch noch Vertreter der Partei gibt, die nicht eins zu eins die Kremlpropaganda nachplappern. Jetzt sind sie beide, Schröder und Lafontaine, zuguterletzt auf ihr publizistisches und unternehmerisches Glücksrittertum heruntergefallen; skurrile Gestalten, denen man kaum anmerkt, dass sie vor 20 Jahren noch Berge versetzt haben; [...]

Sonntag, 20. März 2022

Grenzerfahrungen in der Konsumgesellschaft (30)


Für einen kurzen Moment im vorletzten Jahr, da war dieses zarte Pflänzchen Hoffnung gekeimt. Wir erinnern uns: Im Jahr Eins der Großen Seuche, da der Begriff ‚Vorratshaltung‘ einen völlig neuen Klang bekam. Mehl war quasi nicht mehr zu kriegen, Nudeln auch nicht. Vor allem aber: Klopapier. Zeitweise war es schwieriger, ein Paket der begehrten Arschwischrollen aufzutreiben als einen Ersttagesbogen der Blauen Mauritius. Welchen Laden man auch immer betrat: Gähnende Leere in den Regalen, in denen sonst Klorollen lagerten. Ein örtlicher arabischer Händler, der wohl irgendwo einen Posten aufgetrieben hatte und die Ware zum marktüblichen Wucherpreis feilbot, entging nur knapp der Lynchjustiz.

Donnerstag, 17. März 2022

Vermischtes und Zeugs (XVI)


Eines hatte Wladi Wahnwitz wohl nicht auf der Rechnung: Dass der Krieg die Spritpreise steigen lässt und dass nichts den Wehrwillen der deutschen Bevölkerung derart anstachelt wie teures Tanken. Merke: Über "Benzin-Wut!" können hier Regierungen stürzen. Wenn Leute sich teure Mieten nicht mehr leisten können -- nun ja, da wird schon auch berichtet. Aber mehr so mit dem Unterton: Können sich ja eine billigere Wohnung suchen. Oder aufs Land ziehen. Wenn aber der Liter Super irgendeine magische Grenze reißt, sind die Medien voll mit O-Tönen empörter und verzweifelter Tankstellenkunden.

Montag, 14. März 2022

Sieben Thesen zum aktuellen Geschehen


1. Putin ist nicht irre, sondern spielt va banque.

Ein Teil der Qual-Litätsmedien scheint sich da sicher zu sein: Waldimir Putin ist ein nicht mehr zurechnungsfähiger Diktator. Von Napoleonskomplex befallen, ja vom Cäsarenwahn. Schlimmstenfalls ein über Atomwaffen gebietender Nero. Ein Killer, ein Terrorist. Hat seine Karten überreizt, sein Imperium überdehnt. Der Topos vom gaga gewordenen Autokraten geistert durch Teile des Preßwesens - zum Glück nur durch Teile - wie weiland 1990, als die Springersche mit Blick auf Saddam Hussein die Frage in den Raum stellte: "Was macht der Irre jetzt?".

Donnerstag, 10. März 2022

Schmock des Monats - März 2022

 
Hiermit sei's gleich zu Beginn ventiliert: Die monatliche Ronny-Verleihung fällt dieses Mal aus. Das hat vor allem mit der Nachrichtenlage zu tun. Die Quellen, die ich üblicherweise zur Recherche heranziehe, haben, scheint's, geschlossen auf Kriegswirtschaft umgestellt und auch sonst ist - aus verständlichen Gründen übrigens - das Thema Ukraine derart dominant, dass der Aufwand, geeignete Kandidat/innen zusammenzuklauben, unverhältnismäßig hoch wäre. Glücklicherweise gibt es immer noch ein paar Aufrechte, die ihrer Chronistenpflicht nachkommen, und bei denen man sich entsprechend informieren kann, wenn man mag. Etwa in der wöchentlichen Rubrik 'Deutsches Haus' der 'jungle world':

Dienstag, 8. März 2022

Genialer Grantler

 
Gestern ist Walter Röhrl 75 geworden. Der oberpfälzische Lulatsch, für viele der beste Autofahrer der Welt, war damals für uns präpubertante Jugendliche ein Held. Die Zeit Ende der Siebziger, Anfang der Achtziger war hierzulande keine leichte für motorsportinteressierte Autoquartettspieler wie uns. Trotz ein paar wackerer Mitfahrer wie Hans-Joachim Stuck und Jochen Maass fanden Fahrer aus dem Mutterland des Automobils in der Königsklasse Formel 1 quasi nicht statt. Ja, im Motorradsport gab es Seriensieger Toni Mang, aber der interessierte uns mit Matchboxautos Sozialisierte nicht weiter. Im Rallyesport aber, da räumten Röhrl und sein getreuer Kopilot Christian Geistdörfer alles ab was ging, fuhren Konkurrent/innen wie Michèle Mouton, Rauno Aaltonen und Ari Vatanen in Grund und Boden. Einer, für den die Bezeichung 'Perfektionist' noch untertrieben ist.

Montag, 7. März 2022

Keine Ahnung

 
Der kluge Max Goldt meinte als Betroffener mal, eine Schreibblockade sei nicht auf kreatives Ausgetrocknetsein zurückzuführen, also darauf, dass man keine oder kaum mehr Ideen habe, sondern im Gegenteil darauf, dass einem viel zu viel im Kopf herumgehe. So geht es mir seit gut einer Woche. Es ist einfach zu viel. Zu viel Information, zu viel Meinung, Analyse und was weiß ich. Overflow. So wird man momentan - no pun intended - zugeballert mit Psychogrammen über Putin. Was ist er für ein Mensch? Was treibt ihn um, was treibt ihn an? Von hospitalisierungsbedürftiger, tablettensüchtiger Psychopath bis eiskalt kalkulierendes macchiavellistisches Superhirn ist für jeden Geschmack was dabei. Alles von Leuten, die sich als Experten für irgendwas oder Berater von irgendwem gerieren, sich in irgendwelchen Kreisen bewegen und es wissen müssen, so wird der Eindruck erweckt. Stellt sich aber nicht ein. Was in der Gesamtschau rauskommt, ist bloß Nebel und Quark.

Samstag, 5. März 2022

Eskapismus an der Wupper

 
Es sind schlimme Zeiten und der Kopf rotiert. Doch das Wetter ist bilderbuchmäßig schön. Also raus in die Welt. Dinge nicht unnötig aufschieben, sondern machen. Durchziehen. Vor vielen Jahren, ich war kein Kind mehr und noch kein richtiger Jugendlicher, machten mein Vater und ich einen Ausflug zu zweit. Es ging nach Wuppertal. Die Schwebebahn hatte es mir angetan und er war wohl auch neugierig. Nebenbei, dachten wir, könnte man sich ja auch noch den Zoo anschauen. Und so taten wir. Es war ein trüber Herbsttag und ich war - enttäuscht. Im Fernsehen glitt die Bahn majestätisch, von Musik untermalt, durch die Höhen. In Wirklichkeit machten die Wagen einen Krach wie eine x-beliebige ordinäre Straßenbahn. 

Mittwoch, 2. März 2022

Vermischtes und Zeugs (XV)


Mit Einschätzungen der militärischen Lage in der Ukraine sollte man überaus vorsichtig sein. Erstens, weil das ohne militärische Expertise schwierig ist, zweitens, weil der 'Nebel des Krieges' über allem liegt. Die einen sagen so, die anderen so, nichts ist wirklich verlässlich und alles im Zweifel Propaganda. Einigermaßen fest zu stehen scheint nur: Sollte Putin geplant haben, mit einem schnellen, harten Schlag die ukrainische Armee binnen weniger Tage zur Kapitulation zu zwingen, das Land zu besetzen, eine genehme Regierung einzusetzen und ein paar haöbherzige Sanktionen des Westens auszusitzen, dann ist er damit gescheitert.

Samstag, 26. Februar 2022

Jenseits der Blogroll - 02/2022

 
Die Links und Fundstücke des Monats. Dieses Mal aus Gründen etwas verspätet. Kam ein Krieg dazwischen. Daher zunächst eine Sektion zum Thema Russland/Ukraine. Ein paar Analysen, die mir besonders aufgefallen sind:

Donnerstag, 24. Februar 2022

Extraausgabe. Invasion

 
Hat er's also doch getan, der Putin. Invasion, full scale. Seit gestern 5:50 Uhr wird nunmehr zurückgeschossen. Trotz aller versammelten Weisheit und aller strategischen Expertise, die in den letzten Tagen so zu lesen war ("Aaach, das riskiert der nicht!" - "Das kann der sich gar nicht leisten!" - "Was bringt ihm das?" - "150.000 Mann reichen niemals für eine Invasion!" - "Alles bloß Kriegstreiberei des Westens! Putin-Bashing." - "Der ist Schachspieler, der blufft nur, und alle haben die Hosen voll, hihihi!"). Man gestatte mir erneut ein paar Bemerkungen, für die ich vermutlich wieder auf die Omme kriegen werde (was mir aber egal ist):

Dienstag, 22. Februar 2022

Technisches Update

 
Die österreichische Datenschutzbehörde dsb hat im Januar in einem Bescheid festgestellt, dass die Nutzung von Google Analytics gegen die DSGVO verstößt und somit für europäische Webseitenbetreiber illegal ist. Am 11. Februar schloss sich die französische Datenschutzbehörde CNIL dem an. Tatsächlich habe ich irgendwann einmal ein Analytics-Konto angelegt (und quasi nie genutzt). Dieses Konto steht zur Löschung durch Google an und ich habe bereits keinen Zugriff mehr darauf. 

Platzhirsche, die keinen Kaffee mehr trinken


Schock! Horror! Awe! Harald Martenstein kolumniert nicht mehr für den 'Tagesspiegel'. Das ist mir erstens weitgehend egal, da sein frischgebackener Ex-Brötchengeber die Früchte seines Kolumnierens immer hinter die Paywall gepackt hat, und zweitens wenig überraschend. Martenstein war mal einer von denen, die um die Jahrtausendwende herum mal den einen oder anderen erfrischenden Einfall hatten. Junge Wilde und so.

Samstag, 19. Februar 2022

Denkt selber! Geht raus!

 
Das kursierte gestern in diversen Netzwerken. Gefiel mir:

"Lasst euch wegen der Orkan-Warnungen bloß nichts einreden!  Die Meteorologen wollen sich nur wichtig machen und euch in euren Häusern einsperren! Wetterprognosen waren in der Vergangenheit mehrfach unzuverlässig und daher solltet ihr auch die aktuellen Warnungen nicht zu ernst nehmen.

Es ist euer gutes Recht, auch bei Sturm und Wetter in den Wald zu gehen! Lasst euch das auf keinen Fall verbieten - fordert es ein!

Mittwoch, 16. Februar 2022

Vermischtes vom Iwan

 
Um die gewiss ehrenwerte, aber eher wohlfeile Forderung "Frieden mit Russland!!1!11!!!" umzusetzen, müsste man wissen, was Russland genau will. Exakt das wird Putin aber niemandem verraten, denn den Westen im Unklaren über seine weiteren Schritte zu lassen, ist Teil der russischen Strategie und verschafft der russischen Seite klare Vorteile. Wer seine Absichten verschleiert, hat mehr Optionen, diktiert die Bedingungen und hat somit die Oberhand. Internationale Beziehungen sind eben kein Kindergarten.

Sonntag, 13. Februar 2022

Handgewerkel

 
Es ergab sich, dass ich während der letzten gut eineinhalb Jahre öfter mit Handwerkern zu tun hatte als sonst. So mit fünfen oder sechsen. Und das bringt mich dazu, ein ganz heißes Eisen anzufassen. In ein Wespennest zu stechen. Mich auf sehr dünnes Eis zu begeben. Nicht nur nett über Handwerker zu reden nämlich. Denn der Handwerker, oder schlimmer: der 'kleine' Handwerker, oder, dritte Stufe: der 'ehrbare kleine' Handwerker ist so was wie der Heilige Gral der deutschen Volkswirtschaft. Bosslevel. Sakrosankt. Gott schütze das ehrbare Handwerk mit dem Goldenen Boden, Hosianna! Du kannst ein drogendealender Mädchenhändler sein, auf Deppendemos Galgen Gassi führen und tonnenweise Unflat in asoziale Netzwerke kübeln und wirst irgendwo immer noch auf Verständnis stoßen. Aber Handwerker kritisieren geht gar nicht. Sie haben es doch so schwer!

Samstag, 12. Februar 2022

Ronny des Monats - Februar 2022


Beginnen wir, verehrte Damen und Herren, dieses Mal ausnahmsweise mit den Lokalnachrichten: Gestern Abend fand in meiner bescheidenen Heimatstadt zum soundsovielten Mal eine Querkasperparade der Ungeimpften, a.k.a. 'Spaziergang', statt und hielt den ÖPNV auf. Die Geisterbahn wurde von einem großen Polizeiaufgebot geschützt. Eine deutlich kleinere Gegenveranstaltung fand auf dem Rathausplatz statt. Was nur logisch ist, weil vernünftige Menschen momentan Kontakte reduzieren oder unter dem Strich vielleicht ein weniger ausgeprägtes Mitteilungsbedürfnis haben. Habe ich schon gesagt, wie brutal hart es ist, in einer coronafaschistischen Drecksdiktatur zu leben die Aufgabe zu haben, in der jedwede Meinungsabweichung dazu führt, dass man gefoltert und ins Loch geworfen wird?

Donnerstag, 10. Februar 2022

Schmähkritik des Tages (56)

 
Heute: Jan Feddersen über die "einst noble" NGO Amnesty International

"Ein Fünftel der israelischen Bürger*innenschaft ist nicht jüdisch - und eine Fülle von arabischen Bürger*innen geht qua Bildungsaufstieg den Marsch durch die Institutionen, sie werden Ärzt*innen und so weiter. [...] An israelischen Stränden gibt es keine jüdisch separierten Teile; dort sieht man arabische Familien, deren Frauen häufiger als hierzulande in Burka herumlaufen.

Dienstag, 8. Februar 2022

Strukturwandel, manifest (4)

 
"Da die Deutschen keine Veränderungen mögen, entwickeln sie zu allem eine emotionale Anhänglichkeit, das einfach nur lange genug da war -- auch wenn es noch nie gut war. [...] Raserei auf der Autobahn, Jogi Löw, Thomas Gottschalk, Ladenschlussgesetz, Roland Koch, Günther Jauch, Helmut Kohl, ZDF Traumschiff, Angela Merkel." (Tammox)

Meine Damen und Herren, willkommen zu einer weiteren Folge unserer losen Reihe (1, 2, 3) über den hier allfälligen Strukturwandel in und um die bescheidene Heimatstadt. Hier sehen Sie das Gelände von Schacht 7 der Zeche General Blumenthal. Bis auf eine andere Ausnahme sind inzwischen sämtliche Fördergerüste aus dem Stadtbild verschwunden. Der am nördlichen Rand der Stadt in den Feldern gelegene Schacht 7 war ein reiner Versorgungs- und Wetterschacht. Daher ist die Anlage eher überschaubar. Seit 2016 kümmert sich ein Verein um eine Nachnutzung.

Samstag, 5. Februar 2022

Olympisches


'Olympia-Splitter' - so oder ähnlich hieß das damals, als Sportmoderatoren im Öffentlichrechtlichen noch zu 99 Prozent männlich und hetero waren und hässliche Pullover trugen. Alle paar Tage wurde ein Korrespondent mit einem Kameramann losgeschickt, um den Menschen daheim vor den Geräten Staunenswertes aus dem Austragungsland zu präsentieren. Dass man hier rohen Fisch und kalten, sauren Reis mit Stäbchen isst. Dass man hier links fährt, das Bier keinen Schaum hat, Städte 10 Millionen Einwohner haben, in denen es viele Arme gibt, die aber alle immer irre gut drauf sind und irgendwie alles anders ist als bei uns.

Donnerstag, 3. Februar 2022

Aus die Maus


Bekanntlich hat eine Schulbehörde des Landkreises McMinn County im US-Bundesstaat Tennessee untersagt, Art Spiegelmans Graphic Novel 'Maus' im Unterricht einzusetzen. Nun finde ich eine offene Diskussion darüber, wie viel an bildlicher Brutalität und Grausamkeit man Achtklässlern zumuten soll/kann/darf, nicht grundsätzlich falsch oder abwegig. Die Begründung(en) aber, die Tony Allman, Mitglied des zuständigen Gremiums abgab, sind eine Nummer für sich. Er verwies darauf, das Schimpfwörter wie "verdammt" oder "Schlampe" vorkämen sowie auf eine Nacktszene (in einem stark stilisiert gezeichneten Schwarzweißcomic wohlgemerkt).

Montag, 31. Januar 2022

'Der Russe' und wir


Putin. Russland. Ukraine. Iwan. Invasion. Puh! Wo fängt man da an? Vielleicht links und früher:

Es gibt Linke, die reflexhaft in den Nothelfer-Modus schalten, wenn irgendwo jemand sich überzeugend genug als Opfer der imperialistischen "Vereinigten Staaten von Bösemerika" (Ordenbandit) oder deren israelischen Handlangern geriert. Da wird sich auch mal mit einer Organisation wie der Hamas solidarisiert, bekanntlich eine Ansammlung ausgewiesener Menschenrechtsaktivisten, die, wenn sie das Sagen bekämen, ganz bestimmt Religionsfreiheit, Frauen-, und Minderheitenrechte hochhalten würden. Haben sie ganz doll und fest in die Hand versprochen. Und sie leiden doch so! Die Taliban sollen ja auch nicht so schlimm sein, ist jetzt zu hören. Echt jetzt! Dass die Taliban vielleicht gerade tonnenweise Kreide fressen, um irgendwie an internationale Hilfen zu kommen, weil Afghanistan komplett pleite ist, nun ja, das ist bestimmt bloß transatlantische Kriegstreiber-Feindpropaganda.

Samstag, 29. Januar 2022

Vermischtes und Zeugs (XIV)

 
Es gibt Länder, in denen sind Staatsgeheimnisse die Abschusscodes von Atomraketen. Oder die Baupläne streng geheimer Atom- und Brennstoffzellen-U-Boote. Aufmarschpläne. Neue Panzer. Irgendwas mit Militär und Krieg halt. In Österreich ist es die Faltung der Kaiserserviette. Jenes "Geheimnis [...], wie aus einem etwa einen Quadratmeter großen Stück Stoff ein kunstvoll gefaltetes Gebilde wird, in dem zwei Stück frisches Jourgebäck (ein Semmerl links, ein Salzstangerl rechts) Platz haben, das einer liegenden Lilie nachempfunden ist - und nur ganz kindische Menschen ein bisserl an ein männliches Gemächt erinnert." Felix Austria!  

Mittwoch, 26. Januar 2022

Römischer Ruin

 
Als katholisch sozialisierter Agnostiker hat sich lange etwas gesträubt bei mir, wenn Worte fielen wie 'Kinder****erverein' oder ähnliches. Zwar konnte ich mit dem Spirituellen nie viel anfangen, doch habe ich auch viele positive Aspekte kirchlichen Lebens kennengelernt. Mich kaum je beengt gefühlt, und unsittlich berührt wurde ich auch nie. Schade auch um all diejenigen, die dort immer noch mit Herzblut und Überzeugung arbeiten, nicht selten für niedrige Löhne. Ein nicht verknöchertes, am Religionsstifter orientiertes christliches Menschenbild ist ja nicht das allerschlechteste von allen.

Sonntag, 23. Januar 2022

Moppernder Molluske

 
Darf ich vorstellen? Squishy Nobones. Der Youtube-Kanal des krakeelenden Kraken mit dem Niedersachsen-Akzent, der auch bloggt, scheint ganz unterhaltsam zu sein. Hier arbeitet das wetternde Weichtier sich an Ivo Sasek ab, seines Zeichens Stifter und Chef einer Sekte namens Organische Christus Generation (OCG), Fan von Körperstrafen in der Kindererziehung, Anhänger antisemitischer Verschwörungstheorien, Buddy von Schlangenöldealer Jim Humble, und, man ahnt es, strikter Impfgegner:

Samstag, 22. Januar 2022

Jenseits der Blogroll - 01/2022


Zu den Fundstücken des Monats. Das mit Abstand traurigste war das, welches vom überraschenden Tod der Kollegin Mühlstein kündete. Zwar gab es keinen persönlichen Kontakt, doch bedeutete Mechthild als Mitbloggerin mir sehr viel. Wegen ihres scharfen Verstandes, ihres reflektierten, aber nie theorielastigen Linksseins (ich habe da viel von ihr gelernt und bin sehr dankbar) und wegen ihrer nie versiegenden Diskussionsbereitschaft. Ihr kultureller Horizont war riesig, vor allem aber war sie in diesen verückten Zeiten, in denen etliche Blogger sich leider ins Spralloland verabschiedet haben, eine unverdrossene Streiterin gegen jedwede Verschwörungsspinnereien und für Wissenschaftlichkeit. Diese Lücke wird bleiben. Möge sie in Frieden ruhen. (Einer dieser Momente übrigens, in denen ich als Agnostiker gern gläubig wäre).

Sonntag, 16. Januar 2022

Spatzen rasieren

 
Seit Jahren gehe ich während der Wintersaison am späten Sonntagvormittag eine Runde im hiesigen städtischen Hallenbad schwimmen. Schwimmschluss für Männer war immer 12:15 Uhr, weil sonntags ab 12:30 Uhr das wöchentliche Frauenschwimmen stattfindet. In Corona-Zeiten wurde die Öffnungszeit des Bades von 15:00 Uhr auf 14:00 Uhr vorverlegt. Wegen Desinfektion. Daher muss ich immer schon um 11:45 durch sein. Unerhört! Meine Grundrechte sind beschnitten und meine Menschenwürde ist besudelt. In den Staub getreten. Zerfickt. Atomisiert. Zur Strafe werde ich mir ein Pappschild mit einem ausgesucht doofen Spruch drauf basteln und damit in Anführungsstrichen vor dem Rathaus 'spazieren gehen'. Das wird das coronafaschistische Dreckssystem lehren!

Freitag, 14. Januar 2022

Schmähkritik des Tages (55)


Heute: Arno Frank über 'Die fabelhafte Welt der Amélie'

"Willkommen in »Die fabelhafte Welt der Amélie« mit neckischem accent aigu, einem hollywoodhaften Bilderbuch-Paris, wo selbst kleine Kellnerinnen sich traumschöne Appartements leisten können und immer irgendwo Sehenswürdigkeiten in der weichgezeichneten Gegend herumstehen.

In Erinnerung hatte ich die klebrige Niedlichkeitsmusik von Yann Tiersen, eine »starke Frau«, die murmeläugige Audrey Tatou als kindliche Göttin ihres Quartiers, mit schwarzen Herrenwinkern und ausreichend Freizeit, vermittels ausgeklügelter Streiche ihren Mitmenschen das Leben in etwas Märchenhaftes zu verwandeln.

Dienstag, 11. Januar 2022

Ronny des Monats - Januar 2022


Das Jahr hat gerade erst angefangen und es gab schon so viel zu lernen. Zum Beispiel, dass in Rumänien jetzt das Schulfach 'Holocaust und die Geschichte der Juden' eingeführt werden. Moment mal! Ei Potzdonner! Ja dürfen die denn das, die Rumänen? Einfach so? Moral- und Vergangenheitsbewältigungsweltmeister sind immer noch wir, habe ich gedacht. Wie passt das zum (rechten) Narrativ vom exklusiv deutschen 'Schuldkult'? Was habe ich noch gelernt? Ach ja, dass hier ganz in der Nähe in Bochum ein Gastronomiebetrieb in der ehemaligen Zeche Gibraltar, die während des Großen Vogelschisses zeitweise als SA-Kaserne und 'wildes KZ' diente, von einer Betreiberin mit Nähe zur rechten Szene betrieben wird. Echte Erlebnisgastronomie.

Samstag, 8. Januar 2022

Vermischtes und Zeugs (XIII)


Meine Boosterimpfung habe ich mir an legendärer Stelle abgeholt. Das hiesige kommunale Impfzentrum haust in der Vestlandhalle. Dort fand am 15. November 1984 ein Konzert der damals von mir juvenil verehrten Gruppe BAP statt. Ohne mich. Meine Eltern beharrten drauf, dass ich noch keine 16 war. Drama! Ganz große Oper! Die Vestlandhalle liegt nämlich auf der Grenze zur Bronx. Wo brave Bürgerkinder wie ich nicht hingingen. Zwei Fans aus unserer Klasse schafften es. Ein Scheidungskind, damals noch eine Ausnahme, das seine Eltern gegeneinander ausspielte, und mein damaliger Kumpel Ch., dessen Erzeuger schon ziemlich cool waren.

Mittwoch, 5. Januar 2022

Grenzerfahrungen in der Konsumgesellschaft (29)


"Ich blättere durch Möbelkataloge und frage mich, welches Geschirr mich als Person definieren könnte." (Tyler Durden in 'Fight Club')


Solange ich nicht betroffen bin bzw. mein engstes Umfeld, oder sich inhuman betätigt wird, gehen die persönlichen Gewohnheiten meiner Mitmenschen mich nichts an und interessieren mich auch nicht weiter. Es ist mir wumpe, was Menschen essen, lesen, was sie streamen, wie oft und mit wem genau sie sich auf welche Weise sexuell betätigen etc. Sie mögen mit ihren diesbezüglichen Entscheidungen glücklich werden oder eben nicht, ich habe da keinem was zu verbieten oder vorzuschreiben. Sich über so was das Maul zu zerreißen ("Geht ja gaaar nicht!"), ist was für Klatschtanten, in deren Leben absolut nichts (mehr) los ist und für unreife Menschen.

Sonntag, 2. Januar 2022

Zwischen den Jahren Konsumiertes


Gelesen: Martin Walker: Französisches Roulette

Bruno ermittelt wieder. Der jüngste dreizehnte Fall der Serie beginnt damit, dass ein alter, aber nicht uralter Bauer tot in seinem Haus aufgefunden wird. Wie sich herausstellt, hat er kurz zuvor noch sein Testament dahingehend geändert, dass seine leiblichen Kinder leer ausgehen, während der Betreiber einer Luxus-Seniorenresidenz absahnt. Wie immer zieht die Sache weite Kreise, und zwar bis in sinistre russische Oligarchenkreise hinein, eine alte Freundin taucht wieder auf, Brunos getreuer Basset Balzac bekommt eine Freude gemacht und erweist sich als würdig. Es wird wie immer auch ausgiebig ausgeritten, gekocht und gespachtelt. Mehr wird hier nicht verraten.