Donnerstag, 19. Mai 2022

Posonby auf Russisch

 
Es ist dieselbe Geisterbahn wie zu höchsten Pandemiezeiten: Noch nie wurde da von so vielen öffentlich und weitgehend folgenlos über die Einschränkung der Meinungsfreiheit gejammert und darüber, in welch brutaler Diktatur man lebe und welchen inkompetenten Tyrannen man schutzlos ausgeliefert sei. Fing schon 2010 mit Thilo Sarrazin an: Da wurde beklagt, wie ganzschlimm verfolgt und mundtot der arme Mann gemacht würde. Dass der Verfemte so viel Medienpräsenz genoss und Millionenhonorare einstrich wie noch kein Sachbuchautor vor ihm -- der kleine Fehler auf dem Bild wurde großzügig ignoriert.

Montag, 16. Mai 2022

Vermischtes und Zeugs (XXI)


Gesichtstätowierungen, so ist zu erfahren, seien längst keine Karrierekiller mehr. Gut, Artikel der Marke "Die schlimmsten No-gos im Vorstellungsgespräch" fand ich schon immer lachhaft, da sich das allermeiste für alle, die nicht große Teile des Lebens unter irgendwelchen Steinen verbracht haben, selbst erklärt. Aber Moment mal, sind Tätowationen generell nicht übelste kulturelle Aneignung? Haben die sich vorher bei den Maori und in Polynesien erkundigt, ob sie das überhaupt dürfen? Wenn nicht, dann gehören aber nicht nur diese fazial Illustrierten aber sofort aus dem öffentlichen Leben entfernt! #Kanzel-Kultur!!1!!11!!

Freitag, 13. Mai 2022

Keinen billigen Exorzismus bitte

 
Ich muss hier was gestehen: Die Wahrscheinlichkeit, dass ich in jüngeren Jahren auf einen wie Fynn Kliemann reingefallen wäre, ist einigermaßen hoch. Wäre mein jüngeres Ich in seinen Bannkreis geraten, mit Feuereifer wäre ich dabeigewesen im Kliemannsland. Hätte kostenlos oder gegen ein warmes Abendessen Arbeitsstunden gekloppt. Und wäre mächtig stolz drauf gewesen, Teil von etwas so Schönem zu sein. Hätte noch danke gesagt dafür.

Donnerstag, 12. Mai 2022

Ronny des Monats - Mai 2022

 
Die aktuell beste Nachricht ist wohl, dass die AfD in Schleswig-Holstein aus dem Landtag geflogen ist. Ein erfreulicher Trend, der sich in anderen westlichen Bundesländern durchaus fortsetzen könnte. Ob das aber eine durchgehend gute Nachricht ist, wird sich erweisen. Hält der Trend an, werden die Braunblauen zu einer weiter sich radikalisierenden Ost-Partei mit Vorfeldorganisationen im rechten (Bildungs-)Bürgertum unter einem Vorsitzenden BerndBjörn Höcke, die sich in Teilen der dortigen Länder bei ca. 20 Prozent Wählerstimmen etabliert und keine Rücksicht mehr nehmen muss auf West-Landesverbände, die eher Sammelbecken von der Union enttäuschter Konservative waren. War sonst noch was? Natürlich. Diverse An-, Übergriffe und andere Widerwärtigkeiten sind natürlich auch wieder massenhaft passiert und lassen sich u.a. hier nachlesen.

Montag, 9. Mai 2022

Doctor Whober


Kennen Se den? Zwei Medizinstudenten unterhalten sich. Der eine so: "Kommste am Wochenende mit nach Sylt?" Der andere so: "Nee, keine Zeit, da schreib' ich meine Doktorarbeit." Bruhahahaha, Spitzenklopper!

Nun hat Martin Huber nicht Medizin studiert, sondern Politische Wissenschaft. Und hat promoviert drin. Und kaum ward er als neuer CSU-Generalsekretär benannt, schon gibt es Stress mit seiner Doktorarbeit. Sie stammt aus dem Jahr 2008 und trägt den Titel: "Der Einfluss der CSU auf die Westpolitik der Bundesrepublik Deutschland von 1954 bis 1969 im Hinblick auf die Beziehungen zu Frankreich und den USA". (Es soll Magisterarbeiten geben, deren Themen weiter gefasst sind.) Bereits auf den ersten 26 Seiten von Hubers Dissertation sollen 25 Zitate ohne oder mit falscher Quellenangabe gefunden worden sein. Bingo!

Freitag, 6. Mai 2022

Patriarchen am Werk


Mit der Frage, was das eigentlich genau ist, dieses Patriarchat, habe ich mich lange schwer getan. So habe ich gedacht, Patriarchat bedeute im Kern, Kontrolle über weibliche Sexualität auszuüben. Damit das Vermögen in der Familie bleibt. Das finde ich in vieler Hinsicht immer noch schlüssig, greift aber zu kurz. Es brauchte das Gespräch, das Leon Windscheidt mit der wunderbaren Seyran Ateş geführt hat. Die brachte es auf den Punkt: Patriarchat ist überall da, wo Frauen weniger wert sind als Männer. So simple. Treffer, gesunken.

Dienstag, 3. Mai 2022

Vermischtes und Zeugs (XX)

 
O weh, o weh! Die berliner Weetschaff 'Ständige Vertretung', einst angetreten, den Berlinern rheinische Lebensart beizubringen, hat die unter der Bezeichnung 'Alt-Kanzlerfilet' feilgebotene Currywurst, bekanntlich eine der Leibspeisen des aktuellen Bösnickel der SPD, von der Karte gestrichen. Hammses ihm aber gegeben! Und Putin schläft bestimmt auch schon ganz schlecht und überlegt ob dieser mutigen Geste, die Truppen wieder aus der Ukraine abzuziehen. Paar zehntausend tote russische und ukrainische Soldaten und Zivilisten - hey, kommt vor. Aber eine 'Ständige Vertretung' ohne Busenfreund Gjerds Leib- und Magenspeise, den "Kraftriegel der Facharbeiter" - das ist zu viel!

Samstag, 30. April 2022

Selbst schuld?

 
Dieselben Leute, die sich jetzt länglich über die Mitschuld des Westens am Ukrainekrieg auslassen, wären vermutlich höchst empört, wenn jemand sagt: Na ja, wenn man mal ehrlich ist, dann hat die Frau es ja auch ein Stück weit provoziert mit ihrem kurzen Rock. Oder: Na ja, diese Zwölfjährige ist ein ganz schön frühreifes Früchtchen, da darf man sich nicht wundern, wenn mal einer nicht an sich halten kann. Gern genommen wird zur Zeit auch der Schulhofvergleich: Wenn zwei Kinder sich prügeln, dann rede man schließlich auch mit beiden. Ja, richtig. Der Fall liegt nur ein wenig anders, wenn ein Siebzehnjähriger, egal ob provoziert oder nicht, eine Fünfjährige vom Fahrrad tritt. So viel zum Thema Hinkende Vergleiche.

Donnerstag, 28. April 2022

Vermischtes und Zeugs (XIX)


Ist eigentlich schon mal jemandem aufgefallen, dass ganz viele Verkehrsschilder in der Farbkombination schwarz-weiß-rot gehalten sind? Zufall??? #Diktatur #Faschismus #Schlafschafe #aufwachen1!!11!!!

***

Kleiner kostenloser Tipp an alle Politiker (außer die von der AfD, die mögen sich weiter blamieren): Sich mit historischen Persönlichkeiten zu vergleichen, geht eigentlich immer schief. Also besser lassen. Bloß weil du beim Einkaufen einen Mund-Nase-Schutz tragen sollst, bist du NICHT Sophie Scholl. Bloß weil du nicht so viele Freunde zum Kindergeburtstag einladen durftest wie sonst, bist du NICHT Anne Frank. Bloß weil du mit einer schrägen, aus 'alternativen' Medien zusammengebollerten Hypothese zu Corona um die Ecke kommst und man dir widerspricht, bist du NICHT Galileo Galilei. Bloß weil du dir erfolgreich einen Furz verkniffen hast, bist du NICHT der Dalai Lama. Bloß weil du dir ein paar YouTube-Videos von Flatearthern angeschaut hast, bist du NICHT Albert Einstein.

Montag, 25. April 2022

Merci Vladimir! Cinq thèses


1. Nicht Macron wurde gewählt, sondern Le Pen verhindert.

Eines der größten Missverständnisse in Bezug auf Wahlen ist zu glauben, es würde in einem Akt rationalen Abwägens der geeignetste Kandidat ausgesucht. Das ist natürlich Quatsch. Viele Regierungswechsel sind vor allem Abwahlen. Sie passieren, weil die Wähler die Schnauze derart voll haben vom Amtsinhaber, dass sie auch einen blattlausbefallenen Gummibaum wählen würden. In Frankreich kam so der wandelnde Leitzordner François Hollande ins Amt, der den mit hohem Fremdschampotenzial und krimineller Energie ausgestatteten napoleonischen Chefzwerg Sarkozy aus dem Elysée kegelte.

Samstag, 23. April 2022

Jenseits der Blogroll - 04/2022


"Zyniker sehen alles voraus, ausser dass jemand ein Herz hat." (Constantin Seibt)

Die Fundstücke des Monats. Es mag pathetisch klingen, aber morgen stimmen die wahlberechtigten Franzosen über die Zukunft Europas ab. Wird die kreidefressende Katzenlady Marine Le Pen Präsidentin, dann könnte das durchaus das Ende der EU bedeuten. Wie alle Populisten tischt Le Pen ihren Wählern das Märchen auf, die Gegenwart sei dekadent und scheiße und ein Zurück in ein kuscheliges kleines Gallisches Dorf würde ihre Probleme lösen. Selbstverständlich ist die EU keineswegs ideal, sondern wie alle bürgerlichen Konstrukte zuvörderst dazu da, dass die Geschäfte reibungslos laufen und die Reichen reicher werden.

Mittwoch, 20. April 2022

Abgänge (3)


Heute: Alte Zeitungen

Alle hacken ja gern auf den bösen Boulevardmedien herum. Dabei ist deren beruhigende Wirkung nicht zu unterschätzen. Eine Zeit nach jenem Elften September 2001 lustwandelte ich durchs Stadtzentrum. Da sprang mir die Schlagzeile eines Springerblattes ins Auge, derzufolge irgendeine Promi-Schnatze, deren Name hier nichts zu Sache tut, sich dazu bekannt hatte, sich die Lippen hat aufspritzen zu lassen. Als ich das sah, dachte ich nicht etwa: "Boah, was für ein belangloser Tinnef! Wer braucht das?" -- nein, ich dachte: "Ach, schau an, offenbar ist heute nichts wirklich Schlimmes auf der Welt passiert."

Samstag, 16. April 2022

Der Frevel von Camp Nou

 
1989 kickte der FC Schalke 04 schon einmal in der zweiten Liga. Unter anderem musste man auch beim SV Meppen ran. Das dortige Hindenburgstadion, das heute natürlich anders heißt, fasste 15.000 Zuschauer, die fast alle schalker Königsblau trugen und das vermeintliche Auswärtsspiel in ein Heimspiel verwandelten. Ähnliches ist jetzt dem großen FC Barcelona widerfahren. Als Eintracht Frankfurt zum Auswärtsspiel der Europa League im Camp Nou antrat, waren 30.000 Eintracht-Fans im Stadion, obwohl nur 5.000 Gästekarten kontigentiert waren.

Mittwoch, 13. April 2022

Vermischtes und Zeugs (XVIII)


Manchmal fragt man sich, ob Putin, der geniale Stratege, seine Schritte wirklich zu Ende denkt. Oder für wen er eigentlich arbeitet. Im Moment passiert ja folgendes: Ehemalige Ostblock-Länder in der NATO wie Tschechien, Polen, die Slowakei etc. liefern ihre alten Waffen und Waffensysteme sowjetischer Bauart an die Ukraine, seit Kurzem auch schwerere Waffen wie T-72-Panzer und BMP-Schützenpanzer. Das wird dazu führen, dass diese Länder bald neue Waffen und Waffensysteme als Ersatz benötigen werden. Die wiederum müssen irgendwo herkommen. Und woher werden die wohl kommen? Röchtööch, die Länder, die momentan schwere Waffen gen Ukraine liefern, werden ihre Arsenale mit modernem westlichen Kriegsgerät auffüllen.

Sonntag, 10. April 2022

Ronny des Monats - April 2022

 
In Zeiten wie diesen beherrscht das Geschehen in der Ukraine die Nachrichten ziemlich einsam. Wenn sich nicht gerade eine amtierende Bundesregierung bei dem Versuch, eine Impfpflicht einzuführen, anstellt wie Stan Laurel und Oliver Hardy bei dem Versuch, ein Klavier ordnungsgemäß abzuliefern. Das macht es nicht unbedingt einfacher, eine reguläre Ronny-Verleihung durchzuführen (im letzten Monat, die älteren werden sich erinnern, ist die Verleihung gleich ganz ausgefallen). Doch -- die Sache will’s! Schaut man an den richtigen Stellen, dann finden sich auch in Kriegszeiten genügend preiswürdige Einzelleistungen.

Donnerstag, 7. April 2022

Duck and cover


Panzerrr rrrollen gen Osten für den Sieg, und die Bevölkerung ist verunsichert - so vermeldet dieses Fachorgan für Kriegsgeheul der gleichgeschalteten deutschen Stahlhelmpresse. Übrigens: An derselben Eisenbahnstrecke spazierte ich vor Jahren einst entlang und sah mit Befremden, wie auf Tiefladern verladene Marder-Schützenpanzer der Bundeswehr in Richtung neue NATO-Ostgebiete verfrachtet wurden. War ich nicht mehr gewohnt, so einen Anblick.

Dienstag, 5. April 2022

Verwechselt

 
"Rugby is a game for barbarians played by gentlemen, football is a game for gentlemen played by barbarians." (Oscar Wilde)

Zum Fußball. Ein russischer Sender hat die Übertragung des Spiels Borussia Dortmunds gegen RB Leipzig abgebrochen, als pro-ukrainische Botschaften im Stadion zu sehen waren. Muss eine lupenreine Demokratie so was nicht aushalten? Wie Berlin einen Autokorso russischnationaler Trötemänner aushalten muss? Oder muss man das irgendwie verstehen, wenn eine Stolze Große NationTM über Jahrzehnte vom Westen und der NATO belogen, betrogen und hintergangen wurde?

Sonntag, 3. April 2022

Schmähkritik des Tages (58)


Heute: Leo Fischer über den Niedergang der Linken


"[Selbst] hartgesottene Stammwähler*innen fragen sich, ob die Partei in ihrem jetzigen Zustand überhaupt in die Parlamente sollte, so völlig richtungslos zeigt sie sich. Da ist natürlich der Krieg, der jahrzehntelang gehegte Überzeugungen in Frage stellte - wie »Friedenspolitiker« auseinanderfallen, die Verständnis für jedes beliebige diktatorische Regime haben, solange es bloß nicht der Nato angehört, konnte man mit heißer Scham beobachten. [...]

Samstag, 2. April 2022

Dänen lügen doch

 
Freunde anspruchsvollen Fernsehgenusses, die der Firma Netflix gestatten, ihnen einen monatlichen Obolus von der Mastercard zu hobeln, sollten sich Donnerstag, den 14. April, dunkelrot im Kalender anstreichen. Denn da läuft die vierte Staffel der brillanten dänischen Serie 'Borgen' an ('Borgen' heißt zu deutsch 'Burg‘, womit Christiansborg in Kopenhagen gemeint ist, Sitz des dänischen Parlaments, der Regierung und des Obersten Gerichts). Die Staffeln 1-3 sind dankenswerterweise für Otto Normalgebührenzahler in der Arte-Mediathek verfügbar. An diejenigen, die es noch nicht gesehen haben und interessiert sind, wie Politik funktioniert, ergeht hiermit eine dringende Empfehlung mit dezentem Befehlscharakter.

Donnerstag, 31. März 2022

Vermischtes und Zeugs (XVII)

 
Russland, so verlautete jetzt, sei grundsätzlich offen für einen EU-Beitritt der Ukraine. Das ist in zweierlei Hinsicht interessant. Erstens wurde der Ukraine noch vor kurzem von Vlad dem Eroberer himself die Staatlichkeit abgesprochen. Wie kann ein Nicht-Staat Mitglied der EU werden? Habe ich da was verpasst? Und zweitens wäre eine Mitgliedschaft der Ukraine das beste, was Russland passieren könnte. Billiger als die Beseitigung der Kriegsschäden in der Ukraine aus EU-Mitteln finanzieren zu lassen, wird man nicht davonkommen.

Dienstag, 29. März 2022

Jenseits der Blogroll - 03/2022


Schon wieder neigt ein Monat sich dem Ende entgegen und es wird Zeit für den Blick ins Netz. Was so herausragte im Riesenstrom an Meinungen und Analysen. Natürlich auch dieses Mal wieder dominiert von dem, was östlich immer noch vonstatten geht. Und wieder geht es mir gewaltig auf die Eier, wie in Teilen der 'alternativen Medien' mit der Unterstellung hantiert wird, die 'Alt-/System-/Lügenmedien' schlügen geschlossen und gleichgeschaltet die Kriegstrommel und ergingen sich ausschließlich in Kriegsrhetorik (tun sie nicht) als hätten wir wieder 1914 (haben wir nicht), und jeder, der das auch nur marginal anders sieht, sei vom internationalen Großkapital gehirngewaschen. Aber egal. Menschen haben's halt gern kuschelig. Ein andermal vielleicht mehr darüber.

Samstag, 26. März 2022

Vom Gendern, Aneignen, Kärchern etc.


Das Problem an einer provokanten Idee ist ist ja nicht, dass sie provokant ist. Geht in Ordnung. Kann einen weiterbringen. Ich kriege es zum Beispiel nicht hin, mich über Gendern wirklich zu empören. Ich finde es legitim und auch spannend, sich Gedanken zu machen, wie sich verändernde gesellschaftliche Verhältnisse sich auch in der Sprache widerspiegeln könnten. Meine Probleme sind eher der autoritäre Gestus, in dem da gern mal top-down was verfügt wird. Und sie sind ästhetischer Natur: Gendern macht die Sprache für meinen Geschmack in unangenehm bürokratischer Weise ungelenk. So wie früher das "Herr/Frau/Fräulein" auf Formularen. (Das "Fräulein" ist übrigens längst weggegendert, ohne dass deswegen die Welt untergegangen wäre.)

Donnerstag, 24. März 2022

Schmähkritik des Tages (57)

 
Heute: Leo Fischer über Gerhard Schröder und Oskar Lafontaine

"Soeben ist Gerhard Schröder von seiner Spezialoperation aus Moskau zurückgekommen. Spötter meinen, die Reise habe vor allem den Bedürfnissen seines Privatvermögens gegolten. [...] Sein alter Erzrivale Lafontaine hingegen ist aus der Linkspartei ausgetreten, seiner eigenen Gründung. Sie sei ihm nicht mehr »friedenspolitisch« genug, womit er wahrscheinlich meint, dass es auch noch Vertreter der Partei gibt, die nicht eins zu eins die Kremlpropaganda nachplappern. Jetzt sind sie beide, Schröder und Lafontaine, zuguterletzt auf ihr publizistisches und unternehmerisches Glücksrittertum heruntergefallen; skurrile Gestalten, denen man kaum anmerkt, dass sie vor 20 Jahren noch Berge versetzt haben; [...]

Sonntag, 20. März 2022

Grenzerfahrungen in der Konsumgesellschaft (30)


Für einen kurzen Moment im vorletzten Jahr, da war dieses zarte Pflänzchen Hoffnung gekeimt. Wir erinnern uns: Im Jahr Eins der Großen Seuche, da der Begriff ‚Vorratshaltung‘ einen völlig neuen Klang bekam. Mehl war quasi nicht mehr zu kriegen, Nudeln auch nicht. Vor allem aber: Klopapier. Zeitweise war es schwieriger, ein Paket der begehrten Arschwischrollen aufzutreiben als einen Ersttagesbogen der Blauen Mauritius. Welchen Laden man auch immer betrat: Gähnende Leere in den Regalen, in denen sonst Klorollen lagerten. Ein örtlicher arabischer Händler, der wohl irgendwo einen Posten aufgetrieben hatte und die Ware zum marktüblichen Wucherpreis feilbot, entging nur knapp der Lynchjustiz.

Donnerstag, 17. März 2022

Vermischtes und Zeugs (XVI)


Eines hatte Wladi Wahnwitz wohl nicht auf der Rechnung: Dass der Krieg die Spritpreise steigen lässt und dass nichts den Wehrwillen der deutschen Bevölkerung derart anstachelt wie teures Tanken. Merke: Über "Benzin-Wut!" können hier Regierungen stürzen. Wenn Leute sich teure Mieten nicht mehr leisten können -- nun ja, da wird schon auch berichtet. Aber mehr so mit dem Unterton: Können sich ja eine billigere Wohnung suchen. Oder aufs Land ziehen. Wenn aber der Liter Super irgendeine magische Grenze reißt, sind die Medien voll mit O-Tönen empörter und verzweifelter Tankstellenkunden.

Montag, 14. März 2022

Sieben Thesen zum aktuellen Geschehen


1. Putin ist nicht irre, sondern spielt va banque.

Ein Teil der Qual-Litätsmedien scheint sich da sicher zu sein: Waldimir Putin ist ein nicht mehr zurechnungsfähiger Diktator. Von Napoleonskomplex befallen, ja vom Cäsarenwahn. Schlimmstenfalls ein über Atomwaffen gebietender Nero. Ein Killer, ein Terrorist. Hat seine Karten überreizt, sein Imperium überdehnt. Der Topos vom gaga gewordenen Autokraten geistert durch Teile des Preßwesens - zum Glück nur durch Teile - wie weiland 1990, als die Springersche mit Blick auf Saddam Hussein die Frage in den Raum stellte: "Was macht der Irre jetzt?".

Donnerstag, 10. März 2022

Schmock des Monats - März 2022

 
Hiermit sei's gleich zu Beginn ventiliert: Die monatliche Ronny-Verleihung fällt dieses Mal aus. Das hat vor allem mit der Nachrichtenlage zu tun. Die Quellen, die ich üblicherweise zur Recherche heranziehe, haben, scheint's, geschlossen auf Kriegswirtschaft umgestellt und auch sonst ist - aus verständlichen Gründen übrigens - das Thema Ukraine derart dominant, dass der Aufwand, geeignete Kandidat/innen zusammenzuklauben, unverhältnismäßig hoch wäre. Glücklicherweise gibt es immer noch ein paar Aufrechte, die ihrer Chronistenpflicht nachkommen, und bei denen man sich entsprechend informieren kann, wenn man mag. Etwa in der wöchentlichen Rubrik 'Deutsches Haus' der 'jungle world':

Dienstag, 8. März 2022

Genialer Grantler

 
Gestern ist Walter Röhrl 75 geworden. Der oberpfälzische Lulatsch, für viele der beste Autofahrer der Welt, war damals für uns präpubertante Jugendliche ein Held. Die Zeit Ende der Siebziger, Anfang der Achtziger war hierzulande keine leichte für motorsportinteressierte Autoquartettspieler wie uns. Trotz ein paar wackerer Mitfahrer wie Hans-Joachim Stuck und Jochen Maass fanden Fahrer aus dem Mutterland des Automobils in der Königsklasse Formel 1 quasi nicht statt. Ja, im Motorradsport gab es Seriensieger Toni Mang, aber der interessierte uns mit Matchboxautos Sozialisierte nicht weiter. Im Rallyesport aber, da räumten Röhrl und sein getreuer Kopilot Christian Geistdörfer alles ab was ging, fuhren Konkurrent/innen wie Michèle Mouton, Rauno Aaltonen und Ari Vatanen in Grund und Boden. Einer, für den die Bezeichung 'Perfektionist' noch untertrieben ist.

Montag, 7. März 2022

Keine Ahnung

 
Der kluge Max Goldt meinte als Betroffener mal, eine Schreibblockade sei nicht auf kreatives Ausgetrocknetsein zurückzuführen, also darauf, dass man keine oder kaum mehr Ideen habe, sondern im Gegenteil darauf, dass einem viel zu viel im Kopf herumgehe. So geht es mir seit gut einer Woche. Es ist einfach zu viel. Zu viel Information, zu viel Meinung, Analyse und was weiß ich. Overflow. So wird man momentan - no pun intended - zugeballert mit Psychogrammen über Putin. Was ist er für ein Mensch? Was treibt ihn um, was treibt ihn an? Von hospitalisierungsbedürftiger, tablettensüchtiger Psychopath bis eiskalt kalkulierendes macchiavellistisches Superhirn ist für jeden Geschmack was dabei. Alles von Leuten, die sich als Experten für irgendwas oder Berater von irgendwem gerieren, sich in irgendwelchen Kreisen bewegen und es wissen müssen, so wird der Eindruck erweckt. Stellt sich aber nicht ein. Was in der Gesamtschau rauskommt, ist bloß Nebel und Quark.

Samstag, 5. März 2022

Eskapismus an der Wupper

 
Es sind schlimme Zeiten und der Kopf rotiert. Doch das Wetter ist bilderbuchmäßig schön. Also raus in die Welt. Dinge nicht unnötig aufschieben, sondern machen. Durchziehen. Vor vielen Jahren, ich war kein Kind mehr und noch kein richtiger Jugendlicher, machten mein Vater und ich einen Ausflug zu zweit. Es ging nach Wuppertal. Die Schwebebahn hatte es mir angetan und er war wohl auch neugierig. Nebenbei, dachten wir, könnte man sich ja auch noch den Zoo anschauen. Und so taten wir. Es war ein trüber Herbsttag und ich war - enttäuscht. Im Fernsehen glitt die Bahn majestätisch, von Musik untermalt, durch die Höhen. In Wirklichkeit machten die Wagen einen Krach wie eine x-beliebige ordinäre Straßenbahn. 

Mittwoch, 2. März 2022

Vermischtes und Zeugs (XV)


Mit Einschätzungen der militärischen Lage in der Ukraine sollte man überaus vorsichtig sein. Erstens, weil das ohne militärische Expertise schwierig ist, zweitens, weil der 'Nebel des Krieges' über allem liegt. Die einen sagen so, die anderen so, nichts ist wirklich verlässlich und alles im Zweifel Propaganda. Einigermaßen fest zu stehen scheint nur: Sollte Putin geplant haben, mit einem schnellen, harten Schlag die ukrainische Armee binnen weniger Tage zur Kapitulation zu zwingen, das Land zu besetzen, eine genehme Regierung einzusetzen und ein paar haöbherzige Sanktionen des Westens auszusitzen, dann ist er damit gescheitert.

Samstag, 26. Februar 2022

Jenseits der Blogroll - 02/2022

 
Die Links und Fundstücke des Monats. Dieses Mal aus Gründen etwas verspätet. Kam ein Krieg dazwischen. Daher zunächst eine Sektion zum Thema Russland/Ukraine. Ein paar Analysen, die mir besonders aufgefallen sind:

Donnerstag, 24. Februar 2022

Extraausgabe. Invasion

 
Hat er's also doch getan, der Putin. Invasion, full scale. Seit gestern 5:50 Uhr wird nunmehr zurückgeschossen. Trotz aller versammelten Weisheit und aller strategischen Expertise, die in den letzten Tagen so zu lesen war ("Aaach, das riskiert der nicht!" - "Das kann der sich gar nicht leisten!" - "Was bringt ihm das?" - "150.000 Mann reichen niemals für eine Invasion!" - "Alles bloß Kriegstreiberei des Westens! Putin-Bashing." - "Der ist Schachspieler, der blufft nur, und alle haben die Hosen voll, hihihi!"). Man gestatte mir erneut ein paar Bemerkungen, für die ich vermutlich wieder auf die Omme kriegen werde (was mir aber egal ist):

Dienstag, 22. Februar 2022

Technisches Update

 
Die österreichische Datenschutzbehörde dsb hat im Januar in einem Bescheid festgestellt, dass die Nutzung von Google Analytics gegen die DSGVO verstößt und somit für europäische Webseitenbetreiber illegal ist. Am 11. Februar schloss sich die französische Datenschutzbehörde CNIL dem an. Tatsächlich habe ich irgendwann einmal ein Analytics-Konto angelegt (und quasi nie genutzt). Dieses Konto steht zur Löschung durch Google an und ich habe bereits keinen Zugriff mehr darauf. 

Platzhirsche, die keinen Kaffee mehr trinken


Schock! Horror! Awe! Harald Martenstein kolumniert nicht mehr für den 'Tagesspiegel'. Das ist mir erstens weitgehend egal, da sein frischgebackener Ex-Brötchengeber die Früchte seines Kolumnierens immer hinter die Paywall gepackt hat, und zweitens wenig überraschend. Martenstein war mal einer von denen, die um die Jahrtausendwende herum mal den einen oder anderen erfrischenden Einfall hatten. Junge Wilde und so.

Samstag, 19. Februar 2022

Denkt selber! Geht raus!

 
Das kursierte gestern in diversen Netzwerken. Gefiel mir:

"Lasst euch wegen der Orkan-Warnungen bloß nichts einreden!  Die Meteorologen wollen sich nur wichtig machen und euch in euren Häusern einsperren! Wetterprognosen waren in der Vergangenheit mehrfach unzuverlässig und daher solltet ihr auch die aktuellen Warnungen nicht zu ernst nehmen.

Es ist euer gutes Recht, auch bei Sturm und Wetter in den Wald zu gehen! Lasst euch das auf keinen Fall verbieten - fordert es ein!

Mittwoch, 16. Februar 2022

Vermischtes vom Iwan

 
Um die gewiss ehrenwerte, aber eher wohlfeile Forderung "Frieden mit Russland!!1!11!!!" umzusetzen, müsste man wissen, was Russland genau will. Exakt das wird Putin aber niemandem verraten, denn den Westen im Unklaren über seine weiteren Schritte zu lassen, ist Teil der russischen Strategie und verschafft der russischen Seite klare Vorteile. Wer seine Absichten verschleiert, hat mehr Optionen, diktiert die Bedingungen und hat somit die Oberhand. Internationale Beziehungen sind eben kein Kindergarten.

Sonntag, 13. Februar 2022

Handgewerkel

 
Es ergab sich, dass ich während der letzten gut eineinhalb Jahre öfter mit Handwerkern zu tun hatte als sonst. So mit fünfen oder sechsen. Und das bringt mich dazu, ein ganz heißes Eisen anzufassen. In ein Wespennest zu stechen. Mich auf sehr dünnes Eis zu begeben. Nicht nur nett über Handwerker zu reden nämlich. Denn der Handwerker, oder schlimmer: der 'kleine' Handwerker, oder, dritte Stufe: der 'ehrbare kleine' Handwerker ist so was wie der Heilige Gral der deutschen Volkswirtschaft. Bosslevel. Sakrosankt. Gott schütze das ehrbare Handwerk mit dem Goldenen Boden, Hosianna! Du kannst ein drogendealender Mädchenhändler sein, auf Deppendemos Galgen Gassi führen und tonnenweise Unflat in asoziale Netzwerke kübeln und wirst irgendwo immer noch auf Verständnis stoßen. Aber Handwerker kritisieren geht gar nicht. Sie haben es doch so schwer!

Samstag, 12. Februar 2022

Ronny des Monats - Februar 2022


Beginnen wir, verehrte Damen und Herren, dieses Mal ausnahmsweise mit den Lokalnachrichten: Gestern Abend fand in meiner bescheidenen Heimatstadt zum soundsovielten Mal eine Querkasperparade der Ungeimpften, a.k.a. 'Spaziergang', statt und hielt den ÖPNV auf. Die Geisterbahn wurde von einem großen Polizeiaufgebot geschützt. Eine deutlich kleinere Gegenveranstaltung fand auf dem Rathausplatz statt. Was nur logisch ist, weil vernünftige Menschen momentan Kontakte reduzieren oder unter dem Strich vielleicht ein weniger ausgeprägtes Mitteilungsbedürfnis haben. Habe ich schon gesagt, wie brutal hart es ist, in einer coronafaschistischen Drecksdiktatur zu leben die Aufgabe zu haben, in der jedwede Meinungsabweichung dazu führt, dass man gefoltert und ins Loch geworfen wird?

Donnerstag, 10. Februar 2022

Schmähkritik des Tages (56)

 
Heute: Jan Feddersen über die "einst noble" NGO Amnesty International

"Ein Fünftel der israelischen Bürger*innenschaft ist nicht jüdisch - und eine Fülle von arabischen Bürger*innen geht qua Bildungsaufstieg den Marsch durch die Institutionen, sie werden Ärzt*innen und so weiter. [...] An israelischen Stränden gibt es keine jüdisch separierten Teile; dort sieht man arabische Familien, deren Frauen häufiger als hierzulande in Burka herumlaufen.

Dienstag, 8. Februar 2022

Strukturwandel, manifest (4)

 
"Da die Deutschen keine Veränderungen mögen, entwickeln sie zu allem eine emotionale Anhänglichkeit, das einfach nur lange genug da war -- auch wenn es noch nie gut war. [...] Raserei auf der Autobahn, Jogi Löw, Thomas Gottschalk, Ladenschlussgesetz, Roland Koch, Günther Jauch, Helmut Kohl, ZDF Traumschiff, Angela Merkel." (Tammox)

Meine Damen und Herren, willkommen zu einer weiteren Folge unserer losen Reihe (1, 2, 3) über den hier allfälligen Strukturwandel in und um die bescheidene Heimatstadt. Hier sehen Sie das Gelände von Schacht 7 der Zeche General Blumenthal. Bis auf eine andere Ausnahme sind inzwischen sämtliche Fördergerüste aus dem Stadtbild verschwunden. Der am nördlichen Rand der Stadt in den Feldern gelegene Schacht 7 war ein reiner Versorgungs- und Wetterschacht. Daher ist die Anlage eher überschaubar. Seit 2016 kümmert sich ein Verein um eine Nachnutzung.

Samstag, 5. Februar 2022

Olympisches


'Olympia-Splitter' - so oder ähnlich hieß das damals, als Sportmoderatoren im Öffentlichrechtlichen noch zu 99 Prozent männlich und hetero waren und hässliche Pullover trugen. Alle paar Tage wurde ein Korrespondent mit einem Kameramann losgeschickt, um den Menschen daheim vor den Geräten Staunenswertes aus dem Austragungsland zu präsentieren. Dass man hier rohen Fisch und kalten, sauren Reis mit Stäbchen isst. Dass man hier links fährt, das Bier keinen Schaum hat, Städte 10 Millionen Einwohner haben, in denen es viele Arme gibt, die aber alle immer irre gut drauf sind und irgendwie alles anders ist als bei uns.

Donnerstag, 3. Februar 2022

Aus die Maus


Bekanntlich hat eine Schulbehörde des Landkreises McMinn County im US-Bundesstaat Tennessee untersagt, Art Spiegelmans Graphic Novel 'Maus' im Unterricht einzusetzen. Nun finde ich eine offene Diskussion darüber, wie viel an bildlicher Brutalität und Grausamkeit man Achtklässlern zumuten soll/kann/darf, nicht grundsätzlich falsch oder abwegig. Die Begründung(en) aber, die Tony Allman, Mitglied des zuständigen Gremiums abgab, sind eine Nummer für sich. Er verwies darauf, das Schimpfwörter wie "verdammt" oder "Schlampe" vorkämen sowie auf eine Nacktszene (in einem stark stilisiert gezeichneten Schwarzweißcomic wohlgemerkt).

Montag, 31. Januar 2022

'Der Russe' und wir


Putin. Russland. Ukraine. Iwan. Invasion. Puh! Wo fängt man da an? Vielleicht links und früher:

Es gibt Linke, die reflexhaft in den Nothelfer-Modus schalten, wenn irgendwo jemand sich überzeugend genug als Opfer der imperialistischen "Vereinigten Staaten von Bösemerika" (Ordenbandit) oder deren israelischen Handlangern geriert. Da wird sich auch mal mit einer Organisation wie der Hamas solidarisiert, bekanntlich eine Ansammlung ausgewiesener Menschenrechtsaktivisten, die, wenn sie das Sagen bekämen, ganz bestimmt Religionsfreiheit, Frauen-, und Minderheitenrechte hochhalten würden. Haben sie ganz doll und fest in die Hand versprochen. Und sie leiden doch so! Die Taliban sollen ja auch nicht so schlimm sein, ist jetzt zu hören. Echt jetzt! Dass die Taliban vielleicht gerade tonnenweise Kreide fressen, um irgendwie an internationale Hilfen zu kommen, weil Afghanistan komplett pleite ist, nun ja, das ist bestimmt bloß transatlantische Kriegstreiber-Feindpropaganda.

Samstag, 29. Januar 2022

Vermischtes und Zeugs (XIV)

 
Es gibt Länder, in denen sind Staatsgeheimnisse die Abschusscodes von Atomraketen. Oder die Baupläne streng geheimer Atom- und Brennstoffzellen-U-Boote. Aufmarschpläne. Neue Panzer. Irgendwas mit Militär und Krieg halt. In Österreich ist es die Faltung der Kaiserserviette. Jenes "Geheimnis [...], wie aus einem etwa einen Quadratmeter großen Stück Stoff ein kunstvoll gefaltetes Gebilde wird, in dem zwei Stück frisches Jourgebäck (ein Semmerl links, ein Salzstangerl rechts) Platz haben, das einer liegenden Lilie nachempfunden ist - und nur ganz kindische Menschen ein bisserl an ein männliches Gemächt erinnert." Felix Austria!  

Mittwoch, 26. Januar 2022

Römischer Ruin

 
Als katholisch sozialisierter Agnostiker hat sich lange etwas gesträubt bei mir, wenn Worte fielen wie 'Kinder****erverein' oder ähnliches. Zwar konnte ich mit dem Spirituellen nie viel anfangen, doch habe ich auch viele positive Aspekte kirchlichen Lebens kennengelernt. Mich kaum je beengt gefühlt, und unsittlich berührt wurde ich auch nie. Schade auch um all diejenigen, die dort immer noch mit Herzblut und Überzeugung arbeiten, nicht selten für niedrige Löhne. Ein nicht verknöchertes, am Religionsstifter orientiertes christliches Menschenbild ist ja nicht das allerschlechteste von allen.

Sonntag, 23. Januar 2022

Moppernder Molluske

 
Darf ich vorstellen? Squishy Nobones. Der Youtube-Kanal des krakeelenden Kraken mit dem Niedersachsen-Akzent, der auch bloggt, scheint ganz unterhaltsam zu sein. Hier arbeitet das wetternde Weichtier sich an Ivo Sasek ab, seines Zeichens Stifter und Chef einer Sekte namens Organische Christus Generation (OCG), Fan von Körperstrafen in der Kindererziehung, Anhänger antisemitischer Verschwörungstheorien, Buddy von Schlangenöldealer Jim Humble, und, man ahnt es, strikter Impfgegner:

Samstag, 22. Januar 2022

Jenseits der Blogroll - 01/2022


Zu den Fundstücken des Monats. Das mit Abstand traurigste war das, welches vom überraschenden Tod der Kollegin Mühlstein kündete. Zwar gab es keinen persönlichen Kontakt, doch bedeutete Mechthild als Mitbloggerin mir sehr viel. Wegen ihres scharfen Verstandes, ihres reflektierten, aber nie theorielastigen Linksseins (ich habe da viel von ihr gelernt und bin sehr dankbar) und wegen ihrer nie versiegenden Diskussionsbereitschaft. Ihr kultureller Horizont war riesig, vor allem aber war sie in diesen verückten Zeiten, in denen etliche Blogger sich leider ins Spralloland verabschiedet haben, eine unverdrossene Streiterin gegen jedwede Verschwörungsspinnereien und für Wissenschaftlichkeit. Diese Lücke wird bleiben. Möge sie in Frieden ruhen. (Einer dieser Momente übrigens, in denen ich als Agnostiker gern gläubig wäre).

Sonntag, 16. Januar 2022

Spatzen rasieren

 
Seit Jahren gehe ich während der Wintersaison am späten Sonntagvormittag eine Runde im hiesigen städtischen Hallenbad schwimmen. Schwimmschluss für Männer war immer 12:15 Uhr, weil sonntags ab 12:30 Uhr das wöchentliche Frauenschwimmen stattfindet. In Corona-Zeiten wurde die Öffnungszeit des Bades von 15:00 Uhr auf 14:00 Uhr vorverlegt. Wegen Desinfektion. Daher muss ich immer schon um 11:45 durch sein. Unerhört! Meine Grundrechte sind beschnitten und meine Menschenwürde ist besudelt. In den Staub getreten. Zerfickt. Atomisiert. Zur Strafe werde ich mir ein Pappschild mit einem ausgesucht doofen Spruch drauf basteln und damit in Anführungsstrichen vor dem Rathaus 'spazieren gehen'. Das wird das coronafaschistische Dreckssystem lehren!

Freitag, 14. Januar 2022

Schmähkritik des Tages (55)


Heute: Arno Frank über 'Die fabelhafte Welt der Amélie'

"Willkommen in »Die fabelhafte Welt der Amélie« mit neckischem accent aigu, einem hollywoodhaften Bilderbuch-Paris, wo selbst kleine Kellnerinnen sich traumschöne Appartements leisten können und immer irgendwo Sehenswürdigkeiten in der weichgezeichneten Gegend herumstehen.

In Erinnerung hatte ich die klebrige Niedlichkeitsmusik von Yann Tiersen, eine »starke Frau«, die murmeläugige Audrey Tatou als kindliche Göttin ihres Quartiers, mit schwarzen Herrenwinkern und ausreichend Freizeit, vermittels ausgeklügelter Streiche ihren Mitmenschen das Leben in etwas Märchenhaftes zu verwandeln.

Dienstag, 11. Januar 2022

Ronny des Monats - Januar 2022


Das Jahr hat gerade erst angefangen und es gab schon so viel zu lernen. Zum Beispiel, dass in Rumänien jetzt das Schulfach 'Holocaust und die Geschichte der Juden' eingeführt werden. Moment mal! Ei Potzdonner! Ja dürfen die denn das, die Rumänen? Einfach so? Moral- und Vergangenheitsbewältigungsweltmeister sind immer noch wir, habe ich gedacht. Wie passt das zum (rechten) Narrativ vom exklusiv deutschen 'Schuldkult'? Was habe ich noch gelernt? Ach ja, dass hier ganz in der Nähe in Bochum ein Gastronomiebetrieb in der ehemaligen Zeche Gibraltar, die während des Großen Vogelschisses zeitweise als SA-Kaserne und 'wildes KZ' diente, von einer Betreiberin mit Nähe zur rechten Szene betrieben wird. Echte Erlebnisgastronomie.

Samstag, 8. Januar 2022

Vermischtes und Zeugs (XIII)


Meine Boosterimpfung habe ich mir an legendärer Stelle abgeholt. Das hiesige kommunale Impfzentrum haust in der Vestlandhalle. Dort fand am 15. November 1984 ein Konzert der damals von mir juvenil verehrten Gruppe BAP statt. Ohne mich. Meine Eltern beharrten drauf, dass ich noch keine 16 war. Drama! Ganz große Oper! Die Vestlandhalle liegt nämlich auf der Grenze zur Bronx. Wo brave Bürgerkinder wie ich nicht hingingen. Zwei Fans aus unserer Klasse schafften es. Ein Scheidungskind, damals noch eine Ausnahme, das seine Eltern gegeneinander ausspielte, und mein damaliger Kumpel Ch., dessen Erzeuger schon ziemlich cool waren.

Mittwoch, 5. Januar 2022

Grenzerfahrungen in der Konsumgesellschaft (29)


"Ich blättere durch Möbelkataloge und frage mich, welches Geschirr mich als Person definieren könnte." (Tyler Durden in 'Fight Club')


Solange ich nicht betroffen bin bzw. mein engstes Umfeld, oder sich inhuman betätigt wird, gehen die persönlichen Gewohnheiten meiner Mitmenschen mich nichts an und interessieren mich auch nicht weiter. Es ist mir wumpe, was Menschen essen, lesen, was sie streamen, wie oft und mit wem genau sie sich auf welche Weise sexuell betätigen etc. Sie mögen mit ihren diesbezüglichen Entscheidungen glücklich werden oder eben nicht, ich habe da keinem was zu verbieten oder vorzuschreiben. Sich über so was das Maul zu zerreißen ("Geht ja gaaar nicht!"), ist was für Klatschtanten, in deren Leben absolut nichts (mehr) los ist und für unreife Menschen.

Sonntag, 2. Januar 2022

Zwischen den Jahren Konsumiertes


Gelesen: Martin Walker: Französisches Roulette

Bruno ermittelt wieder. Der jüngste dreizehnte Fall der Serie beginnt damit, dass ein alter, aber nicht uralter Bauer tot in seinem Haus aufgefunden wird. Wie sich herausstellt, hat er kurz zuvor noch sein Testament dahingehend geändert, dass seine leiblichen Kinder leer ausgehen, während der Betreiber einer Luxus-Seniorenresidenz absahnt. Wie immer zieht die Sache weite Kreise, und zwar bis in sinistre russische Oligarchenkreise hinein, eine alte Freundin taucht wieder auf, Brunos getreuer Basset Balzac bekommt eine Freude gemacht und erweist sich als würdig. Es wird wie immer auch ausgiebig ausgeritten, gekocht und gespachtelt. Mehr wird hier nicht verraten.