Sonntag, 26. Januar 2014

Alle Jahre wieder


Die belagerte Hofburg

Es gibt Dinge, für die mir jegliches Verständnis abgeht. Karneval zum Beispiel. Oder die Wiener Ballsaison. Mag daran liegen, dass ich eh ein ausgemachter Tanzmuffel bin, aber öffentlich inszenierte, prunkvolle Bälle, auf denen man bis in den frühen Morgen steife Kleidung tragen und noch steifere Etikette einhalten muss, sind nicht meine Welt. Auch werde ich den Eindruck nicht los, dass viele dergestalt Feiernde ihr Gewalze nicht etwa diskret im Stillen zelebrieren (was ja noch ginge), sondern sich an so einem Abend für was ganz Besonderes zu halten scheinen und daher Bewunderung und Bestauntwerden für sich reklamieren von den nicht eingeladenen Zaungästen. Wenn das so sein sollte, liegt das vermutlich an der höfischen Tradition solcher Veranstaltungen. Ich will das natürlich nicht verbieten oder so was, Blödsinn. Nur fehlt mir eben jeglicher Sinn dafür. Kann sein, dass ich ein kompletter Ignorant bin. Oder es liegt daran, dass ich kein Wiener bin.

Sonntag, 19. Januar 2014

Gedanken zu einem überbewerteten Kraut


Glaubt man Fallbeispielen, wie sie früher immer in Drogenaufklärungs-Traktätchen oder in alten Politik- oder Sowi-Schulbüchern zu lesen waren, dann ist der eine, leichtfertige Zug an der Haschischzigarette auf der Party das Tor zur Hölle. Wer da nicht standhaft nein sage, der verfiele ratzfatz auch Sister Morphine und hinge hastdunichtgesehen an der Nadel, so wurde gedroht. Wer einmal neugierig am hingehaltenen Joint nuckele, der würde bald schon gezwungen sein, bei rapide fortschreitendem körperlichem Verfall seine Brötchen mit dem Ausrauben alter Damen oder dem Verhökern geklauter Autoradios zu verdienen, hieß es. Oder gar damit, gewisse Teile seines Körpers in übel beleumundeten Gegenden feilzubieten, bevor ihm lang vor der Zeit Freund Hein auf einer Bahnhofstoilette die Eieruhr um die Ohren hauen würde.

Sonntag, 12. Januar 2014

Wenn Toleranz verdächtig wird


Was den Umgang mit Minderheiten aller Art angeht, waren es vor allem zwei, drei Maximen, die mir in den letzten Jahrzehnten dabei geholfen haben, halbwegs entspannt durchs Leben zu gehen. Erstens: Es ist reichlich zweitrangig, welchen Geschlechts, welcher Hautfarbe und Herkunft ein Mensch ist oder welche sexuelle Orientierung er hat. Viel wichtiger ist die Frage, ob jemand ein Schwachkopf ist oder nicht. Zweitens: Die allermeisten Angehörigen gesellschaftlicher Minderheiten wollen mitnichten das christliche Abendland mit einer klandestinen Agenda unterwandern und erwarten weder Bewunderung noch gesonderte Aufmerksamkeit, erst recht keine roten Teppiche oder Extrawürste, sondern eigentlich nur, dass man sie möglichst unbehelligt und ohne großes Bohei ihr Leben leben lässt. Und drittens: Mein Horizont, meine Wertvorstellungen sind nicht absolut und haben daher nicht für alle zu gelten.