Dienstag, 31. Dezember 2013

Dinner For None


Vielleicht habe ich damals ja zu früh angefangen damit. Meine verstorbene Großtante, die des Englischen überhaupt nicht mächtig war und auch sonst, durchaus generationentypisch, angelsächischem Idiom gegenüber eher misstrauisch war, liebte es, und die ganze Familie, ich als Grundschulkind eingeschlossen, musste mitgucken. Möglicherweise war es auch falsch, das Ding damals als eine der ersten Übungen in den neuen Videorecorder zu programmieren und danach mehrmals anzuschauen. Vielleicht habe ich den entscheidenden Fehler gemacht, mir vor zirka zwanzig Jahren das Transkript des Drehbuchs in Buchform zugelegt zu haben. Ich kann jedenfalls nicht mehr darüber lachen. Keine Chance. Ein müdes Lächeln hier und da ist alles, was ich mir noch abzuringen vermag.

Montag, 30. Dezember 2013

Sozialschmarotzer



"Dumm sein und Arbeit haben, das ist das Glück." (Gottfried Benn)

Was ist eigentlich ein Sozialschmarotzer? Versuchen wir es mit der folgenden, bewusst einfach gehaltenen Definition, der vermutlich viele zustimmen würden: Ein Sozialschmarotzer ist jemand, der ganz oder teilweise auf Kosten der Allgemeinheit lebt, zum Beispiel in Form von Transferleistungen, ohne jedoch seinerseits einen Beitrag dazu zu leisten. Beispielsweise jene von der Fama zum Massenphänomen hochstilisierten Langzeitarbeitslosen, die Jobangebote ablehnen und lieber weiter vom Amt leben. Bei arbeitsscheuem Gesindel ist also recht einfach Konsens herzustellen. Bei Steuerhinterziehung wird das schon schwieriger. Nicht bei tricksenden Kleingewerbetreibenden, versteht sich, sondern bei den großen Nummern. Sie leisten doch schon so viel! Und dann will man ihnen die paar Brosamen, die ihnen bleiben, auch noch nehmen. Stellt man es richtig an, dann bringt man mit so was eine ganze Halle dazu, in Jubelstürme und Mitleidstränen auszubrechen.

Freitag, 27. Dezember 2013

Keine dämlichen Vorsätze


Na, schon gute Vorsätze gemacht fürs neue Jahr? Man kann viele Silvesterbräuche kritisch sehen: Knallerei ist laut, stinkt und macht die Straße dreckig, lustige Hüte sind niemals lustig, Bleigießen ist allenfalls für Kinder interessant und Fondue liegt zu schwer im Magen. Der zweifellos blödeste, weil sinnloseste Brauch aber ist der, so genannte gute Vorsätze zu machen und vor allem, anderen Anwesenden davon zu erzählen. Bei den üblichen Vorsätzen (Sport treiben, abnehmen, auf Süßes verzichten, Rauchen und/oder Trinken einstellen etc.) ist das Scheitern nämlich mit hoher Wahrscheinlichkeit vorprogrammiert und damit auch jede Menge Stress und das Gefühl, versagt zu haben.

Montag, 23. Dezember 2013

Wünsche schöne Feiertage


Klar, es gäbe noch so vieles zu schreiben, aber im Augenblick ist einfach, wie beim einen oder anderen Kollegen auch, ein wenig die Luft raus. Was soll man sich also unnütz herumquälen als nicht kommerzieller Hobbyblogger? Also gibt es bis nach Weihnachten nur einen musikalischen Feiertagsgruß.

Mittwoch, 18. Dezember 2013

Der große Coup der Angela M.


Kulturpessimisten klagen ja gern über die Verlotterung der Sprache und haben dabei meist die üblichen Verdächtigen im Blick: Jugendliche, Unterschichtler und andere Minderbemittelte verhunzen das schöne Kulturgut deutsche Sprache durch den falschen Gebrauch des Plusquamperfekts, mit ihren Angliszismen, ihrem "LOL!!!", "fett krass ey!" und anderen Modeerscheinungen. Leicht geht dabei unter, dass, wenn man schon über den ständigen Sprachverfall klagen muss, auch die, deren professionelles Handwerkszeug die Sprache ist bzw. sein sollte, eifrig daran mitstricken. "Ist es nicht immer wieder erstaunlich, mit welchem Weihrauch im Ton Journalisten das Ausfüllenkönnen von Bewirtungsquittungen schon für Schreiben ausgeben?", fragte Wiglaf Droste letztes Jahr rhetorisch. Um zu ermessen, wie recht er damit hat, braucht man sich nur die mediale Begleitung einer Personalie im Rahmen der jüngsten Regierungsbildung näher anzusehen.

Sonntag, 15. Dezember 2013

Der Unerschrockene schlägt wieder zu


(zum Glück aber erst im Februar)

Hui, ich bin schon ganz wuschig. Vor Vorfreude natürlich, was haben Sie denn wieder gedacht? Thilo Sarrazin hat nämlich ein neues Buch fertig, das im Februar erscheinen wird. 'Der neue Tugendterror – Über die Grenzen der Meinungsfreiheit in Deutschland', so wird das Werk heißen (unter 'Terror' macht's ja keiner mehr in diesen Zeiten). Man ahnt, was kommt. Sein Verlag DVA kündigt an, der unerschrockene Thilo werde den "grassierenden Meinungskonformismus" analysieren (unter 'grassierend' geht ja gar nichts mehr heutzutage) und die "14 vorherrschenden Denk- und Redeverbote" unserer Zeit gnadenlos beim Namen nennen. Da werden die zehn Gebote aber einpacken können.

Samstag, 14. Dezember 2013

Wenn Poeten träumen


Wir leben in Zeiten, in denen man nicht oft genug Kästner zitieren kann: Leben ist immer lebensgefährlich. Egal, wie sehr wir auf uns achten, egal, wie bewusst und gesund wir leben, egal, wie wir verzichten und vorsorgen, wenn der Schnitter kommt, dann kommt er und hundertprozentige Sicherheit kann es niemals geben. Für zahllose Generationen zuvor war das eine Selbstverständlichkeit. Für unsere offenbar nicht mehr. Wir leben in einer Zeit des Übergangs. Das bürgerliche Zeitalter scheint sich dem Ende zu neigen und wir wissen nicht, was danach kommt. Das lässt alte Sicherheiten erodieren und schafft Zukunftsängste. Einige der Folgen fasste Wilhelm Heitmeyer zusammen unter dem Begriff der 'Verrohten Bürgerlichkeit'.

Dienstag, 10. Dezember 2013

Alles muss raus!


Die Stadt Detroit verbinden die meisten mit Autoindustrie, Motown und eventuell noch mit Eishockey. Vor allem aber ist die Stadt seit diesem Jahr als erste Kommune der USA offiziell pleite und steht unter Kuratel eines Insolvenzverwalters. Weniger bekannt ist, dass das Detroit Institute Of Arts (DIA) mit zirka 65.000 Exponaten aus allen Epochen und aus aller Welt eine der größten Kunstsammlungen Nordamerikas beherbergt, die so manche europäische Hauptstadt vor Neid erblassen lässt. Der Gesamtwert der Sammlungen wird auf zirka 20 Milliarden Dollar taxiert. In Zeiten wie diesen weckt das Begehrlichkeiten von Aasgeiern und anderen Gewinnlern. "Dedicated by the People of Detroit to the knowledge and enjoyment of art", steht oben auf dem Portikus des Museums. Wie altmodisch!

Samstag, 7. Dezember 2013

Ismen damals und heute


"Diese Wirtschaft tötet!" (José Mario Bergoglio alias Der Papst)
Der Militarismus der deutschen Kaiserzeit war ein vornehmlich bourgeoises Minderheitenphänomen. Den Bauern, Handwerkern und Arbeitern, die damals die große Mehrheit der Bevölkerung bildeten, waren die Herrlichen Zeiten nationaler Glorie, die der schneidigdumme Wilhelm Zwo propagiert hatte, herzlich egal. Neuere Arbeiten haben gezeigt, dass die Annahme, eine allgemeine Kriegsbegeisterung habe das deutsche Volk 1914 ergriffen, wohl auf einer optischen Täuschung beruht. Es handelt sich um ein Phänomen, das vor allem auf die größeren Städte beschränkt war, wo es eine konservativ und monarchistisch eingestellte, bürgerliche Mittel und Oberschicht aus Beamten, Unternehmern, Kaufleuten und Lehrern gab. Und eine akademische Jugend, der man so gewaltig ins Hirn geschissen hatte, dass sie sich freiwillig ins große Schlachten warf. Den meisten Bauern dürfte eine Mobilmachung ausgerechnet Anfang August, mitten in der Erntesaison, sehr ungelegen gekommen sein. Die Arbeiterschaft, damals noch durch die SPD vertreten (und verraten), war höchst gespalten.

Mittwoch, 4. Dezember 2013

Hell is 57 varieties


"Alles so schön bunt hier! Ich kann mich gar nicht entscheiden!", sang Nina Hagen einst. Man kann nur spekulieren, ob sie sich ihrerzeit bewusst war, wie genau sie mit diesen Versen die zweifelhaften Segnungen der heutigen Konsumgesellschaft vorweg genommen hat.

Der hier schon einmal erwähnte britische Autojournalist, Top Gear-Moderator, Sunday Times-Kolumnist und bekennende Deutschenhasser Jeremy Clarkson ist ein Erzkapitalist. Aus seiner Sicht ist das sogar verständlich, denn er hat exakt während der Thatcher- und Major-Jahre eine glänzende Karriere hingelegt, die ihn zum Multimillionär gemacht hat. Klar, wieso sollte er ein Wirtschafts- und Gesellschaftsmodell infrage stellen, dessen Rahmenbedingungen ihn stinkreich werden ließen? Aber sogar diesen ehernen Verfechter der freiestmöglichen Marktwirtschaft vermag selbige an seine Grenzen zu führen. Vor ein paar Jahren testete er eines seiner Lieblingsautos, den damals aktuellen BMW M5 - Clarkson mag zwar die Deutschen nicht, findet aber, dass sie gute Autos bauen und ansonsten nach Möglichkeit die Klappe halten sollten - und die Karre brachte ihn schier zur Verzweiflung. Alles und jedes ließ sich einstellen, von der Fahrwerksabstimmung über Getriebeübersetzung, Härte der Sitze bis zu der Frage, wie lang die Innenbeleuchtung nach Verlassen des Autos an bleiben soll. Sein Fazit: Die Wahl zu haben ist ja schön und gut, aber was zu viel ist, ist zu viel. Geht es nicht auch ein klein wenig sozialistischer?

Dienstag, 3. Dezember 2013

Der schwarze Spiegel


"If technology is a drug – and it does feel like a drug – then what, precisely, are the side-effects?" (Charlie Brooker)
Da ich im Moment einiges um die Ohren habe und nicht sonderlich viel Zusammenhängendes auf die Reihe bekomme, will ich wenigstens einen Tipp loswerden. Wer mit schrägem, gut gemachtem britischem Fernsehschaffen etwas anfangen kann und noch etwas als Geschenk oder zum selbst zuführen für die dräuenden Feiertage Ende des Monats sucht, sollte sich, so noch nicht bekannt, für die britische Science-Fiction-Miniserie Black Mirror interessieren.

Dass der von mir bekanntlich sehr geschätzte Satiriker Charlie Brooker seine wöchentliche Kolumne im Guardian vorläufig eingestellt hat, fand ich schade. Obwohl sich zum Schluss schon Zeichen der Ermüdung zeigten. Aber untätig ist er zum Glück nicht. Wir dürfen uns nicht nur auf seinen Jahresrückblick 2013 freuen, er ist Coautor und -produzent der Miniserie Black Mirror. Aus unterschiedlichen Blickwinkeln setzt sich Black Mirror in bislang sechs Folgen mit den Auswirkungen der zunehmenden Digitalisierung und Vernetzung der Welt auseinander. 'Black Mirror' steht dabei für das Display eines der allgegenwärtigen Pads oder Smartphones.