Sonntag, 31. März 2013

Osterbotschaft der Weisen



Ist es Zufall? Ein Ostermirakel gar? Jedenfalls ist es frappierend, dass Papst Franziskus und Christoph Schmidt, einer der so genannten Wirtschaftsweisen, in einem zentralen Punkt einer Meinung sind. Schmidt, im Hauptberuf Professor an der Universität Duisburg-Essen, ist nämlich wie sein neurömischer Mitweiser der Ansicht, Egoismus, Habsucht und Gier nach schnellem Profit seien die größten Geißeln der Menschheit. Und so erteilte Schmidt ganz im päpstlichem Geiste der Habgier eine klare Absage. Na ja, nicht der von allen, sondern zunächst derjenigen von Arbeitnehmern. Denn er meinte, ein gesetzlicher Mindestlohn von 8,50 Euro pro Stunde, wie er von SPD und Grünen gefordert wird, sei deutlich zu hoch.

Donnerstag, 28. März 2013

Bildungsfernsehen zum stillen Feiertag


Ken FM im Gespräch mit Hans-Jürgen Krysmanski, Autor des Buches '0,1%', über Superreiche. Wer sie eigentlich sind, wie sie zu ihrer Macht gekommen sind, wie sie sie nutzen und vor allem wie sie sie verteidigen. Krysmanski ist emeritierter Professor für Soziologie an der Universität Münster und hat die unter Soziologen nicht unbedingt selbstverständliche Gabe, äußerst anregend und auch für Fachfremde verständlich reden zu können. Das zweiteilige Interview war vorletzte Woche schon beim Kritischen Netzwerk eingestellt. Weil ich in letzter Zeit hier nur zu wenig komme, stelle ich dieses hoch informative Gespräch hier noch einmal ein - nicht zuletzt auch im Hinblick auf den dräuenden Feiertag, der in vielen Bundesländern dem Tanzverbot unterliegt.

Sonntag, 24. März 2013

Was für Eltern...?


Es ist reichlich billig, sich über die Namen zu erheitern, die Kinder so mit sich herumschleppen müssen. Sie können ja nichts dafür. Nicht über Nachnamen natürlich. Für die können ja auch die Eltern nichts. Nein, es geht um Vornamen, bei denen Eltern mehr oder weniger die freie Wahl haben. Seit einigen Jahren existiert die These, gewisse Namen träten in gewissen sozialen Schichten gehäuft auf. Im Bildungsbürgertum sind demnach häufig bewusst traditionelle Namen zu finden, am besten welche, die eine gewisse Familientradition widerspiegeln. Dem verdanken zum Beispiel kleine Ludwigs, Sophias oder Maximilians ihre Benennungen. Eine Zeit lang wurden auch Namen von IKEA-Schränken wie Sören, Madita, Gunilla oder Torben in gewissen Kreisen gern genommen. 

Donnerstag, 21. März 2013

Liberal, scheißliberal, egal


Noch nicht einmal die politischen Kräfte im Bundestag, die ein Verbot der NPD fordern, sind so naiv, anzunehmen, damit lasse sich Rechtsextremismus wirksam bekämpfen. Ein Parteiverbot ändert im Zweifelsfall gar nichts und ist bisher in der Geschichte der Bundesrepublik nicht umsonst nur sehr selten verhängt worden. Genau genommen, zwei Mal: 1952 gegen die Sozialistische Reichspartei (SRP), die an die NSDAP anknüpfen wollte, und 1956 gegen die KPD. Würde die NPD tatsächlich verboten, dann würde es natürlich kurze Zeit später eine Neugründung geben unter anderem Namen, mit geänderter Programmatik. Wie gesagt, die unmittelbaren Auswirkungen eines Verbots der NPD dürfen keineswegs überschätzt werden. Eines aber würde es doch bewirken: Die Nationalen bekämen immerhin keine Wahlkampfkostenerstattung mehr aus Steuermitteln.

Dienstag, 19. März 2013

Alles völlig harmlos


Es kann viele Gründe geben, den ausgestreckten rechten Arm zu über Nasenniveau zu heben. Um als Rechtshänder auf etwas zu zeigen, das sich weiter oben auf der Tribüne eines Fußballstadions befindet zum Beispiel. Selbstverständlich gibt es hier und da auch begriffsstutzige Kellner, die die verbal vorgetragene Bestellung, bitteschön noch drei Bier zu bringen, nicht verstehen und die auf eine entsprechende Geste besser ansprechen. Etwas in der Art, auf jeden Fall aber etwas völlig Harmloses, hatte sicher auch Georgios Kantidis im Sinn, seines Zeichens Mittelfeldspieler beim AEK Athen, als er das Ärmchen hob. Schließlich hatte er eine harte Kindheit und kommt auch sonst aus problematischem Umfeld, wie sein Trainer Ewald Lienen zu bedenken gibt. Der griechische Fußballverband hat Kantidis lebenslänglich für Spiele der Nationalmannschaft gesperrt. Bei Vereinen kann er weiterhin sein Geld verdienen.

Sonntag, 17. März 2013

Car Crash TV


Katja Riemann war in den Neunzigern einmal eine sehr gefragte Schauspielerin. Sie hat in gefühlt 80 Prozent dieser gefürchteten Liebeskomödien mitgespielt, in die man damals immer von seiner Freundin unter Androhung des Beziehungsabbruchs hineingeschleppt wurde. Darin gab sie eigentlich immer denselben Typ Frau: Den der aufdringlich sich als 'starke Frau' bezeichnenden, penetrant modernen, entweder in Köln oder Berlin lebenden Großstadtschnalle, die in einem Loft von irgendwas Freiberuflichem lebte, das kaum Arbeit machte, und die von ihrem wahlweise von Til Schweiger oder Thomas Heinze gespielten Machofreund betrogen wurde, bevor dann am Ende war alles wieder gut war. Irgendwann war sie dadurch so festgelegt, dass der Begriff Filmemitkatjariemann-Gutfinder es fast auf eine dieser zuletzt vor zirka zehn Jahren leidlich komischen Weichei-Warmduscher-Schmunzellisten geschafft hätte. Das letzte, das ich mitbekommen habe, war, dass sie sich künstlerisch unterfordert fühlte und unter anderem auch Musik macht.

Samstag, 16. März 2013

Der Agenda zum Zehnten


Man kann nicht pauschal sagen, dass die Agenda 2010 kein Erfolg gewesen sei, denn ein paar Gewinner gibt es schon: Die deutsche Exportwirtschaft und die Branche der Leiharbeitsfirmen wären da als erste zu nennen. Auch bei den Sozialgerichten braucht sich so schnell niemand Sorgen zu machen, dass die Auftragslage einbricht. Insgesamt aber gibt es eine Menge Verlierer. Viele stehen seit 2003 schlechter da als vorher: Wer arbeitslos wird, ist seitdem nur noch zwölf Monate entfernt vom Abstieg in die Armut. Wer einmal drinsteckt, sieht sich von vielen Seiten marginalisiert und als parasitärer Faulenzer diffamiert. Zu den Verlierern gehören auch, vergessen wir das nicht, Mitarbeiter der Jobcenter. Oft mangelhaft geschult und selbst prekär beschäftigt, müssen sie ein kompliziertes, lückenhaftes Gesetzeswerk voller Grauzonen auf Menschen anwenden, von denen sich viele in einer Krisensituation befinden. Die Kollateralschäden sind manchmal tödlich.

Mittwoch, 13. März 2013

Vatikanische Pikanterien


Aller Überdruss hilft nichts, momentan dominiert Vatikanisches die Schlagzeilen. Und da kommen auch Details ans Licht, die sonst womöglich unter den Tisch gefallen wären. Wie entzückend ist es zum Beispiel doch zu erfahren, welch glückliches Händchen der Vatikan bewiesen hat auf der Suche nach standesgemäßen Quartieren für in Rom hausende Geistliche. So meldet die britische Zeitung The Independent, der Vatikan habe 2008 in einem noblen Wohnblock an der Via Aureliana insgesamt 18 Appartements erworben. Sicherlich hat der Kirchenstaat noch viele weitere Liegenschaften in der Stadt, auch will ich wirklich nicht unken und auch weiß Gottchen nichts unterstellen, aber hat man es damals wirklich einfach nur übersehen, dass das Gebäude in den unteren Etagen seit 2004 auch die angeblich größte Schwulensauna Europas beherbergt? Oder kaufen die ihre Immobilien immer, ohne sie zu besichtigen?

Dienstag, 12. März 2013

Nationales Echo


1975 wurden in der Gegend, in der ich siedle, die Städte Wattenscheid und Wanne-Eickel zu Stadtteilen von Bochum und Herne, die Stadt Castrop-Rauxel ein Teil des Kreises Recklinghausen. Die Autokennzeichen WAT, WAN und CAS verschwanden und Autofahrer aus diesen Städten mussten bis vor kurzem Blechschilder mit BO, HER und RE drauf spazieren fahren. In allen diesen Städten gibt es Menschen, die die Eingemeindungen gern rückgängig machen würden. Seit diesem Jahr ist man ihnen ein wenig entgegen gekommen, indem man die alten Autokennzeichen wieder erlaubt hat. Ähnlich verhält es sich mit dem heutigen Essener Stadtteil Werden, bis 1925 eigenständig. Noch heute soll es dort Alteingesessene geben, die konsequent sagen, sie führen nach Essen, wenn sie in die Stadt fahren. Insgesamt hat man sich aber mit den Gegebenheiten weitestgehend arrangiert und von separatistischer Militanz gar ist nur wenig zu spüren.

Freitag, 8. März 2013

Compte a'la fille de la lait


Mal ganz blöd gerechnet und gefragt

In verschiedenen Medien war in den letzten Tagen zu lesen, dass acht Jahre nach Einführung von Hartz IV dafür insgesamt 355 Milliarden Euro ausgegeben worden sind. Woah! In Zahlen notiert sind das:

355.000.000.000,00 €

Teilt man das einfach durch acht, ergibt das durchschnittliche jährliche Kosten von:

44.375.000.000,00 €

Dienstag, 5. März 2013

Institutionalisierter Sadismus


"Gewalt beginnt, wo das Reden aufhört." (Hannah Arendt)

Wer eine diagnostizierte Dyskalkulie hat, sollte es sich vielleicht etwas gründlicher als andere überlegen, ein Mathematikstudium zu beginnen oder eine Ausbildung, die viel mit Zahlen zu tun hat. Wer absolut nicht mit Menschen kann, sollte sich ernsthaft fragen, ob Verkäufer oder Sozialarbeiter wirklich der richtige Beruf ist. Auch ist es keine Schande, mit Kindern und Jugendlichen nicht recht umgehen zu können. Weil Menschen nun einmal verschieden sind, ist so etwas ist normalerweise auch kein Problem. Daher ist niemand, der von größeren Ansammlungen Kindern und Jugendlichen schnell genervt ist, prinzipiell ein schlechter Mensch oder muss sich irgendwie schuldig fühlen, so lange er seiner Wege geht und die Boys und Girls nicht unnötig terrorisiert. Zum Problem wird das nur, wenn so eine Person sich trotzdem in einem pädagogischen Beruf versucht, beziehungsweise in einem Beruf, der sie Tag für Tag mit Kindern und Jugendlichen konfrontiert.

Montag, 4. März 2013

Neidgenossen


Jetzt auch noch die Schweizer! Ausgerechnet jenes tapfere, kleine Alpenvölkchen, das immer der kapitalistische Musterknabe war, mag nicht mehr recht mitmachen beim weiteren Öffnen der Gehaltsschere. Dabei wurde in kaum einem anderen Land Europas die alte Formel vom Geld, das nicht stönke, überzeugender in die Tat umgesetzt als in Helvetien. Generationen mordlüsterner Monarchen und raffgieriger Schweinediktatoren mit blutigen Stiefeln konnten auf absolute Diskretion hoffen, wenn sie ihre zusammengeraubten Reichtümer in einem der stillen Häuser am Züricher Paradeplatz in Sicherheit bringen wollten. Wer diese Schweiz immer für ein verschlafenes Nest gehalten hat, wo man sich gegenseitig so lange mit Nettigkeiten eindeckt, bis alle eingeschlafen sind, kann sich angesichts dessen, was am Wochenende dort passiert ist, nur überrascht die Augen reiben.