Hat der alte Fuchs Gary Lineker wieder einmal recht behalten. Die aktuelle deutsche Nationalmannschaft, so gab er vor dem Sechzehntelfinale zu Protokoll, sei eine der schwächsten, die er je gesehen habe. Nun will ich nicht den Schlaubischlumpf geben, aber die zahlreichen Baustellen innerhalb der Truppe waren auch für mich als Nicht-Experten derart eklatant, dass es einem Wunder gleichgekommen wäre, wenn man sich plötzlich zusammengerauft und mittels Brechstange und Deutscher TugendenTM auf wundersame Weise wieder zur 'Turniermannschaft' mutiert wäre, wie das 2002 zuletzt passiert ist.
Nicht immer Kritisches über Politik, Gesellschaft, Medien, Kultur, Essen und manchmal auch Sport
Dienstag, 30. Juni 2026
Auweh-Em (4) - Aus, aus! Es ist aus!
Hat der alte Fuchs Gary Lineker wieder einmal recht behalten. Die aktuelle deutsche Nationalmannschaft, so gab er vor dem Sechzehntelfinale zu Protokoll, sei eine der schwächsten, die er je gesehen habe. Nun will ich nicht den Schlaubischlumpf geben, aber die zahlreichen Baustellen innerhalb der Truppe waren auch für mich als Nicht-Experten derart eklatant, dass es einem Wunder gleichgekommen wäre, wenn man sich plötzlich zusammengerauft und mittels Brechstange und Deutscher TugendenTM auf wundersame Weise wieder zur 'Turniermannschaft' mutiert wäre, wie das 2002 zuletzt passiert ist.
Montag, 29. Juni 2026
Vemischtes und Zeugs (CLIII)
Allen guten Willen zusammenkratzend, kann man Dieter Nuhr in einem einzigen Nebenaspekt tatsächlich so was wie teilweise recht geben: Es gibt in der Tat Frauen, die in einem -- Obacht, Modewort! -- toxischen Beziehungsmuster festhängen. Die immer wieder an Männer geraten, die aus verschiedenen Gründen nicht gut für sie sind und vor denen Freundinnen und Familie sie vergeblich warnen. Arschgeigen sind, dominant sind, schlimmstenfalls gewalttätig oder noch schlimmer. Solche Frauen wären in der Tat gut beraten, sich zu fragen, was sie bei Männern eigentlich suchen. Aber auch denen hilft -- natürlich von Meinungs- und Kunstfreiheit gedecktes -- Gefrotzel, das mit den Worten "Einfach mal..." eingeleitet zu werden pflegt, nicht wirklich weiter.
Samstag, 27. Juni 2026
Weh-Em (3) - Vorläufige Vorrundenbilanz
Vorab bedanke ich mich herzlich bei Gonzalo Plata. Der schoss am Donnerstag das 2 : 1 für die ecuadorianische Mannschaft. Da mein Arbeitgeber mich zwingt, werktags zu viel zu früher Stunde das Gesäß vom Futon zu lüpfen, war ich sehr froh, dass die große Gröl- und Hupparty ausfiel und meine Nachtruhe gesichert war. Ähnliches gilt für unsere türkischen Freunde, die netterweise gleich ganz ausgeschieden sind.
Im Gastgeberland USA scheint die Propagandamaschinerie gerade auf Hochtouren zu laufen. Die DuTube ist voll mit Videos, in denen Amis sich begeistert zeigen über europäische bzw. süd- und mittelamerikanische Fankultur, die sich gerade in den Stadien und Städten ereignet. Andere wiederum sammeln O-Töne begeisterter Besucher, für die die USA das geilste Land der Welt ist, die vom amerikanischen Essen schwärmen und überhaupt alles super finden und so. Subtext: Die Welt wurde von linken Miesmachern BELOGEN über das Greatest Country In The World und erkennt nun die Wahrheit.
Mittwoch, 24. Juni 2026
The Heat Is On
Ziemlich genau vor zehn Jahren im Juni knaxte ich mir bei einem Arbeitsunfall das Handgelenk an. In der Ambulanz verpasste man mir eine gipserne Dorsalschiene und einen Krankenschein. Die nächste Zeit musste ich einmal die Woche zur Kontrolle vorsprechen, um den Heilungsverlauf begutachten zu lassen. In jenem Frühsommer 2016 hatten wir nicht nur Fußball-EM, sondern auch eine heftige Hitzewelle. An einem besonders heißen Tag saß ich in der klimatisierten Wartezone und wurde Zeuge, wie Sanis im Akkord Hitzeopfer ankarrten. Vor allem viele alte Menschen waren kollabiert, weil deren Organismus die Belastung nicht mehr so wegsteckt.
Sonntag, 21. Juni 2026
Jenseits der Blogroll - 06/2026
Mit Donald Trump ist es ähnlich wie mit der 'A'fD: Wenn bei dem, was er macht, irgendwas, wie minimal auch immer, zu finden wäre, das außer einer kleinen Kaste von Superreichen und Lobbyisten irgendwem nützte, meinetwegen auch nationalen Interessen diente, ich könnte zumindest einige seiner Wähler:innen irgendwie verstehen. Das Problem ist nun: Der Mann schadet nicht nur der US-Bevölkerung, sondern auch dem weltpolitischen Standing der USA erheblich. Jetzt hat er sich nach dem Abzug aus Afghanistan, bei dem er sich von den Taliban hatte über den Tisch ziehen lassen, dem iranischen Regime die bedingungslose Kapitulation unterschrieben. Wären religiöse Fundamentalisten nicht so humorlos, die Mullahs müssten sich gerade in einer Tour die Schenkel zertrümmern vor Lachen.
Donnerstag, 18. Juni 2026
Weh-Em (2) - Vorrunde/Spieltag 1
1. Spielerisch wissen wir gar nichts.
Was auch sonst? Größe ist nicht natürlich nicht alles. Der DFB hat doppelt so viele Mitglieder wie Kroatien Einwohner:innen hat. Trotzdem stand die kroatische Auswahl vor vier Jahren im Finale. Aber es gibt Grenzen. Das 7 : 1 der deutschen Mannschaft gegen Curaçao (160.000 Einwohner:innen) ist sicher eine gute Basis und sorgt für Stimmung, wird aber am Ende so viel oder so wenig wert sein wie das eher gehemmte torlose Unentschieden der favorisierten Spanier gegen die Kapverden oder das dominante 4 : 2 der englischen Auswahl gegen die kroatische. Ein Sieg im Auftaktspiel kann beflügelnd wirken, eine Niederlage muss einen aber nicht zurückwerfen. Bestes Beispiel: Die späteren Weltmeister aus Argentinien verloren 2022 ihr Auftaktspiel gegen Saudi-Arabien. Am ehesten wird eine Mannschaft zur Meistermannschaft, wenn sie im Turnierverlauf einmal am Abgrund stand, in einer der k.o.-Runden ein Spiel zu überstehen hatte, nach dem das Team das Gefühl hat: Jetzt kann uns keiner mehr.
Dienstag, 16. Juni 2026
Vermischtes und Zeugs (CLII)
Das Konzept der Coolness ist angeblich einst in der Community afroamerikanischen Sklaven in den USA entstanden. Indem man die Demütigungen und Misshandlungen der Besitzer regungslos und ohne eine Miene zu verziehen ertrug, bewahrte man seine Würde und teilte gleichzeitig ohne offenen Protest mit: Was immer ihr tut, ihr brecht mich nicht! Das wurde ins Gegenteil verkehrt. Inzwischen kommt es darauf an, der Welt möglichst laut und ausdauernd mitzuteilen, wie getriggert, traumatisiert, gemobbt, geghostet und gewasauchimmer mensch ist. Stoische, grummlig-resiliente Gelassenheit ist jetzt cringer Boomerkram.
Sonntag, 14. Juni 2026
Nächste Stufe
Normalerweise mag man eine gewisse Genugtuung empfinden, wenn eine Prognose, die man aufgestellt hat, sich bewahrheitet. Im Fall des amtierenden Bundeskanzlers, der sich alle Mühe gibt, sämtlichen Vorhersagen, die ich und etliche andere vor Regierungsantritt getan haben, eins zu eins umzusetzen. Merz hat mehr als einmal gezeigt, dass er tatsächlich über keinerlei Impulskontrolle verfügt, das diplomatische Geschick einer Schlagbohrmaschine hat, und ist, zumindest in der Öffentlichkeit, zu Empathie nicht fähig. Neu hinzugekommen ist, wiewohl wenig überraschend, dass er sich als dünnhäutig und selbstmitleidig erweist und in coram publico beweint, wie gemein doch alle zu ihm seien.
Donnerstag, 11. Juni 2026
Weh-Em (1) - Versuch einer Vorfreude
"Someone told me once that the best World Cup you ever saw was the one you watched when you were 11 years old. Give or take a year or two either side, of course. The appreciation sweet spot is right at the beginning of adolescence, when you're old enough to appreciate the magic of it, but young enough not to understand cynicism." (Paul Howard)
Nachdem die argentinische Mannschaft 2022 das Finale gewonnen hatte, bekam Mannschaftskapitän Messi vom zuständigen Emir übergriffigerweise eine Bisht umgehängt, ein traditionelles halbtransparentes Übergewand. (Man stelle sich vor, der damalige Bundespräsident Rau hätte 2006 dem italienischen Kapitän Cannavaro einen Seppelhut auf die Nuss gesetzt.) Jetzt fragt sich: Was wird Trump mit dem Kapitän der Sieger tun? Zu große Schuhe schenken? Einen Liberace-mäßigen Hermelinmantel umhängen? Den West Wing des Weißen Hauses abreißen und eine Hall Of Fame bauen? Havanna bombardieren?
Sonntag, 7. Juni 2026
Windmühlen, Bratkartoffeln, Blagen
"In Deutschland gilt ein Rechtsdrall als vernünftig und erwachsen, linke Alternativen sind dagegen immer utopische Spinnereien. Wenn von harten Reformen die Rede ist, verbergen sich dahinter Kürzungen von Sozialleistungen, aber sicher nicht das von Thomas Piketty empfohlene Erbe für alle, das Ende des Dienstwagenprivilegs oder gar ein konsequenter Entzug aus unserer fossilen Abhängigkeit." (Nils Minkmar)
Will man, sagen wir, einen Ausflug unternehmen ins liebliche Waldecker Land, zum Beispiel um das schöne Warburg zu besuchen, das nicht zu unrecht als Rothenburg Westfalens bezeichnet wird, benutzt man, so man nicht öffentlichen Verkehr frequentieren mag, von hier aus am besten die A 44. Und da fährt man dann, vor allem in den Ebenen hinter Paderborn, zeitweise durch wahre Wälder an Windkraftanlagen. Glaubt man Frau Weidel von der 'A'fD, handelt es sich dabei um "Windmühlen der Schande", die alle "niedergerissen" gehören.
Donnerstag, 4. Juni 2026
Vermischtes und Zeugs (CLI)
Ein Problem der FDP ist ihr Alleinvertretungsanspruch. Andauernd wird herumgeheult, ohne sie, die FDP, sei der stolze Liberalismus am Ende, tot und begraben auf ewig. Das ist aber Humbug. Ein Blick über den Tellerrand hilft. In vielen europäischen Ländern regieren liberale Parteien (mit). In den Niederlanden gibt es gleich drei liberale Parteien: Die progressiv-linksliberalen Demokraten 66, die konservativ-liberale VVD und die rechtsliberale PVV. Nachdem die traditionelle liberale Partei in Österreich nach ganz rechts abgerutscht ist, gelang es dort, mit NEOS eine neue liberale Partei zu etablieren, die sogar grüne Positionen (!) vertritt und derart problemlos mit SPÖ und ÖVP regiert, dass vom verhinderten 'Volkskanzler' Kickl kaum mehr was zu hören ist. Also, werte deutsche Liberale, wie wäre es mal mit ein wenig Start up-Kultur?
Sonntag, 31. Mai 2026
Hoffentlich ein Nachruf
Wir leben bekanntlich in Zeiten exzessiver Selbstoptimierung. Wenn da einer keinen Sport macht, nicht mehrmals die Woche im Gym ist oder laufen geht, sich dem sozialen Druck verweigert, beim alljährlichen Firmenlauf mitzuhecheln, kein Yoga macht, offen und ehrlich dazu steht, sich gern gepflegt einen zu zwitschern und einen Schiss gibt auf das, was gemeinhin als gesunde Ernährung durchgeht (von absurden Social Media-Trends wie Looks- Protein- oder was auch immer -maxxing gar nicht erst zu reden), müsste einem das in diesen Zeiten doch eigentlich sympathisch sein.
Donnerstag, 28. Mai 2026
Zucker steuern?
"Die Tatsache, dass wir moralisch sind und uns besser fühlen als die »tumben Fettsäcke«, gibt uns das Gefühl, gute Menschen zu sein. So brauche ich den Lustgewinn nicht mehr, den mir eine Bratwurst bereitet. Weil wir den moralistischen Verzicht aber letztlich doch nicht als Glück erfahren können, wird daraus etwas anderes, nämlich Wut auf diejenigen, die sich nicht so kasteien wie wir, die sich hochverarbeitet ernähren, auf primitive Weise glücklich sind und die dann als »Assis« mit Fremdscham bedacht werden." (Florian Schroeder)
Letztens hatte der Discounter des Vertrauens Bio-Tomatensauce im Glas im Angebot. So was habe ich immer gern in Reserve, also nahm ich ein Gebinde mit. Sicher ist es kein großer Akt, immer ein paar Dosen ordentliche Tomaten vorrätig zu haben und daraus fix ein Sößchen runterzukochen, doch gibt es so Tage, an denen man auch darauf wenig Lust hat. Beim Verzehr dann hatte ich das Gefühl, es weniger mit einer Tomatensauce, sondern mit einer Marmelade zu tun zu haben. Ein Blick aufs Etikett verriet, dass das Gebräu nicht weniger als 20 Gramm Zucker auf 100 Milliliter enthielt.
Dienstag, 26. Mai 2026
Vermischtes und Zeugs (CL)
Würde hier noch der 'Ronny des Monats' vergeben, dann ginge er an Torsten Albig (SPD), einst Ministerpräsident von Schleswig-Holstein und nunmehr als Cheflobbyist für den Tabakkonzern Philip Morris unterwegs. Albig meinte, eine Partei wie die 'A'fD, die 30 Prozent erreiche, dürfe man nicht so behandeln, als sei sie die Ausgeburt der Hölle, sondern man müsse halt irgendwann mit ihr zusammen arbeiten. Schon klar: Wenn nur genug Leute für irgendeinen Quatsch sind, dann isses in Ordnung. Abgesehen davon, dass das das allererbärmlichste Argument aller wirbellosen Mitläufer ist, die hinterher dann sagen werden, man habe das ja alles gar nicht ahnen können, hat das natürlich schon eine Logik.
Sonntag, 24. Mai 2026
Jenseits der Blogroll - 05/2026
Dann betätige ich mich mal als Hellseher. Nachdem der Walkadaver nunmehr vermodernd in der Gegend rumliegt und kaum mehr jemanden interessiert, werden wir in den nächsten Wochen zuverlässig mit Berichterstattung behelligt werden zu der anstehenden Fußball-WM, die unter anderem in Trumpland stattfinden wird, und den unerklärlicherweise unaufhaltsamen Aufstieg der 'A'fD. Der ist übrigens keineswegs unaufhaltsam, wie ein Blick nach Schleswig-Holstein zeigt. Daniel Günther macht vor, wie man die Dixiklo-Partei kleinhält: Professionelle, geräuschlose Regierungsarbeit ohne sich dauernd zu fetzen wie die Kesselflicker, raus zu den Menschen gehen, ihnen wirklich zuhören. Alles keine Raketenwissenschaft.
Mittwoch, 20. Mai 2026
Neuerdings Nationaltorwart
Direkte Parallelen zu ziehen zwischen Sport und der Verfasstheit eines Landes ist in der Regel Kokolores. Weil Spitzensport oft lediglich ein Indikator dafür ist, wie viel Geld und Ressourcen ein Gemeinwesen, ein Regime oder eine sonstige Vereinigung bereit ist, dafür aufzuwenden. Das gilt auch für andere Bereiche. Deutschlands Donnerhallruf in Sachen Auto etwa hat nichts damit zu tun, dass Autodinge dem Deutschen irgendwie im Blut lägen, wie völkische Tröten immer noch bzw. wieder verbreiten, sondern ist vor allem ein Produkt der NS-Zeit. Die Naziführung hatte ein Faible für Sport und moderne Technik, wusste um die Massenwirkung und steckte auf Pump Riesensummen in Autowerke und Straßenbau.
Samstag, 16. Mai 2026
Vermischtes und Zeugs (CXLIX)
Familie Trump hat zirka 60 Mille eingenommen, indem sie 600.000 MAGA-Ultras jeweils 100 Dollar aus der Tasche geleiert haben als Anzahlung für ein güldenes patriotisches Trump-Smartphone, das vielleicht irgendwann mal geliefert werden wird. Oder auch nicht. Zentrales Verkaufsargument: 100 Prozent Made in USA. Wird aber wohl, wenn es denn mal produziert werden sollte, in China gebaut werden. Geld zurück wird auch schwierig. Die Kaufverträge sind nämlich so ausgearbeitet, dass es mit unverhältnismäßigem Aufwand verbunden wäre, das Geld einzuklagen. Wie heißt es so schön? A fool and his money are soon parted.
Donnerstag, 14. Mai 2026
Total normal - Deepdive
Wie gesagt, habe ich mir Høckes Viereinhalbstunden-Monolog nicht angetan, da ich, wie ich fand, wichtigeres mit meiner zunehmend wertvolleren Lebenszeit anzufangen hatte. Aber der Herr Schröder hat das mal übernommen und genau hingehört, was für eine bräunliche Brühe da verschwurbelt wurde:
Sonntag, 10. Mai 2026
Total normal
"Eines Tages wirst du morgens aufwachen und alles wird sein wie früher. Und es wird dir überhaupt nicht gefallen." (Raymond Chandler)
Um Missverständnisse zu vermeiden und auf die Gefahr hin, mich zu wiederholen: Gäbe es in Deutschland eine größere Partei, die rechts von CDU/CSU stünde, ansonsten aber auf dem Boden der Verfassung, und die es unter anderem absolut nicht duldete, dass sich in ihr um um sie herum Faschisten und Neonazis tummeln, dann wäre das zwar immer noch eine Partei, die konträr zu fast allem stünde, wofür ich politisch stehe, aber ich müsste sie, auch wenn’s schwerfiele, als Demokrat als Teil des politischen Spektrums akzeptieren. Allein: Die 'A'fD ist so eine Partei nicht.
Dienstag, 5. Mai 2026
Vermischtes und Zeugs (CXLVIII)
Weil ich vor Jahrzehnten mal Lehrer werden wollte, ist damals pflichtgemäß auch ein zwanzigprozentiges Pädagogikstudium -- offiziell ESL (Erziehungswissenschaftliches Studium Lehramt) genannt -- an mir vorbeigerauscht. Nur weniges ist bis heute haften geblieben. Darunter die Aussage eines damals kurz vor der Emeritierung stehenden Profs, der seit den wilden 68ern vieles erlebt, alles Mögliche kommen und gehen gesehen hat. Der meinte zu uns: "Es gibt keine pädagogischen Patentrezepte, denn Menschen kommen zwar gleich zur Welt, sind aber verschieden, das müssen Sie aushalten. Und noch etwas: Sie können tausend Konzepte, Methoden und Modelle im Kopf haben, das mächtigste von allen war, ist und bleibt vorleben."
Samstag, 2. Mai 2026
Scheck, lass nach!
Als ich zu Beginn der Neunziger das Studieren begann, tat der Ordinarius für Literaturwissenschaft das, was alle seiner Zunft bei Erstys machen: Ein Einführungsbuch ins wissenschaftliche Arbeiten empfehlen nämlich. In dem von ihm Empfohlenen befand sich eine Passage, in der es sinngemäß hieß, man solle nicht verzweifeln, wenn eine Lehrperson einem die mühevoll verfasst Seminararbeit gnadenlos zerpflücke. Wer mit etwas an die Öffentlichkeit ginge, und auch so eine Prosemiararbeit sei ja ein wissenschaftliches Paper, müsse unter Umständen damit rechnen, dass die Späne flögen. Im Gegenteil sei es im Massenbetrieb Universität geradezu ein Kompliment, wen ein:e Professor:in oder Dozent:in sich die Zeit nähme, eine Arbeit detailliert auseinanderzufieseln.
Dienstag, 28. April 2026
Vermischtes und Zeugs (CXLVII)
Es erfüllt einen durchaus mit einer gewissen Genugtuung, wenn Entwicklungen exakt auf die zurückschlagen, die sie losgetreten oder befeuert haben. Kein US-Präsident hat in ähnlicher Weise von Verschwörungserzählungen profitiert wie Trump, jetzt fliegt ihm das um die Ohren, weil inzwischen bereits das zweite Attentat auf ihn binnen eineinhalb Jahren als inszeniert bzw. False flag-Aktion diskutiert wird. Auch hat kein US-Präsident der jüngeren Geschichte zum gewaltsamen Kampf gegen einen unliebsamen Amtsinhaber aufgerufen. Man muss nicht in hämisches "So was kommt von so was" verfallen, aber: Ist es wirklich ein Wunder, wenn so was irgendwann mal nach hinten losgeht in einem Land, in dem jeder Hans und Franz an der Tanke eine Knarre kaufen kann?
Freitag, 24. April 2026
Jenseits der Blogroll - 04/2026
Um die ganze Uninspiriertheit und Bigotterie derzeitiger Bundespolitik zu ermessen, braucht man sich eigentlich nur die Farce mit dem 'Tankrabatt' anzuschauen. 'Tankrabatt' bedeutet, der Staat verzichtet eine Zeitlang auf Steuereinnahmen -- die natürlich irgendwo anders fehlen werden, raten Sie mal, wo --, in der Hoffnung, ein Oligopol aus Mineralölkonzernen, das sich gerade goldene Nasen verdient, würde das anständigerweise schon an die Endkund:innen an den Zapfsäulen weitergeben. Und wenn nicht? Jo. Pfff. Dumm gelaufen jetzt. Machste nix. Aber jeder Euro zu viel, den irgendwo jemand vom Jobcenter kassiert, ist ein nicht hinnehmbarer Skandal, der die bourgeoise Weltordnung aus der Balance bringt.
Dienstag, 21. April 2026
Sonntag, 19. April 2026
Timmy for Wappentier!
"Was man an sich selbst und dem Mitmenschen vermisst -- Treue, Stärke, Selbstbewusstsein, Erlebnishunger, emotionale Intensität --, wird dem Tier eingeschrieben und aufgedrängt. [...] Bei viel zu vielen Facebook-Nutzern und Twitterern gibt es eine sichere Korrelation zwischen der Anzahl verkitschter Tierbilder, die sie posten, und plötzlich herausbrechenden Gewaltfantasien gegen Ausländer, Frauen, Juden oder Schwule. Hämische Tränenlach-Smileys sind die Reste emotionaler Interaktion, die diesem Sozialcharakter verblieben ist." (Leo Fischer)
Wenn Tierliebe obsessiv wird, ist Vorsicht geboten. Die NS-Ideologie zum Beispiel legte großen Wert auf Tierschutz. So wurde SS-Männern als arischen Mustermannsbildern beigebracht, jegliche Tierquälerei, derer sie gewahr wurden, zu unterbinden. Mit als rassisch minderwertig angesehenen Menschen war man bekanntlich weit weniger sensibel. Damit ist natürlich nicht gesagt, dass es ein prinzipielles Problem gibt mit Tierschutz oder dass alle Tierschützer:innen Nazis sind, aber wenn Tierliebe mit Menschenhass als Kehrseite einhergeht, kann es sehr schnell anrüchig werden und schützt im Zweifel vor gar nichts. Erst recht gaga wird es, wenn Tiere vermenschlicht werden und Tierliebe selektiv wird.
Mittwoch, 15. April 2026
Vermischtes und Zeugs (CXLVI)
Der Benzinpreis ist momentan keineswegs brutal hoch, sondern immer noch ziemlich im Rahmen. Derzeit muss ein durchschnittlicher Facharbeiter im produzierenden Gewerbe gut fünf Minuten schaffen für einen Liter, 1970 waren es: knapp fünf. Ich selbst kann mich gut an Zeiten in den Nullern erinnern, da es noch keinen Mindestlohn gab und Hans-Werner Sinn in jeder zweiten Talkshow verkündete, die Löhne seien immer noch zu hoch, und für einen Liter bleifreies Super zeitweise 1,70 Euro fällig waren.
Montag, 13. April 2026
Hoffnung, nicht Euphorie
Viktor Orbán wurde nach 16 Jahren mit einer Zweidrittelmehrheit abgewählt, und das ist nichts weniger als ein Grund zur Erleichterung. Ein Hoffnungsschimmer vielleicht, dass die Welle des Rechtsnationalismus beginnt, ihren Zenit zu erreichen. Aber auch nicht mehr. Zucker fürs Gemüt, dass der globalen Rechten ihr größtes Vorbild abhanden gekommen ist. Vor allem aber verlieren Putin und Trump ihren wichtigsten europäischen Verbündeten und ihr U-Boot in Brüssel. Mit der EU-Obstruktionspolitik wird es wohl auch vorbei sein. Was in der Ukraine mit Erleichterung zur Kenntnis genommen werden wird, denn die ist ein eindeutiger Gewinner dieser Wahl.
Donnerstag, 9. April 2026
Wahre Worte (81)
Heute: Thomas Fischer über stehende Ovationen
"Die »stehende Ovation« hat sich über die Jahrzehnte von den Oscarverleihungen seuchenartig bis ins letzte Stadttheater und auf die läppischsten Ereignisse ausgebreitet und auch von der Politik-Inszenierung Besitz ergriffen. Sie führt, ihrer Natur nach, zu einer selbsterfüllenden Verstärkung und Bestätigung ihrer selbst und der kollektiven Illusion, Zeuge eines einzigartigen, begeisternden Ereignisses geworden zu sein. Während der Zuschauer oder Zuhörer beim Beifallspenden im Sitzen buchstäblich »bei sich« bleiben und die Frequenz und Stärke seiner Klatschbewegungen langsam und unbeachtet ausklingen lassen kann, fordert das Aufspringen der Nachbarschaft fast schon verpflichtend dazu auf, es ihr nachzutun. Und wenn man dann steht, kann man auch schlecht die Hände in die Hosentaschen stecken oder sich die Nase pudern; das fällt auf und lässt einen als Außenseiter dastehen." (SPON, 28. Februar 2026)
Montag, 6. April 2026
Reste von Dienstleistung
"Zu den Plagen der Arbeit im Servicebereich gehört der Zwang, ein bestimmtes Auftreten an den Tag zu legen. Bei Burger King soll dies nun eine computergenerierte Stimme aus dem Headset überwachen. Das KI-Programm »Patty«, das nach und nach in allen Burger-King-Filialen in den USA eingeführt wird, gibt nicht nur Arbeitsanweisungen und beantwortet Fragen wie die, ob die Cola-Maschine nachgefüllt werden muss; es analysiert die Gespräche mit den Kunden. Dabei achtet es vor allem auf Signalwörter wie »bitte« und »danke« sowie auf den Tonfall der Angestellten. Der daraus errechnete »Freundlichkeits-Score« gibt dann Rückmeldung darüber, ob die Arbeit zufriedenstellend ist oder das Personal gefälligst netter zu klingen habe." (Paul Simon)
Das oben Beschriebene trifft vor allem auf die Bereiche des Dienstleistungswesens zu, die in die Finger von Risikokapitalisten, Startuppern und BWLern gefallen sind. (Bin ich der einzige, dem inzwischen jedes Mal ein Messer in der Tasche aufklappt, wenn so ein Silicon Valley-Milliardär davon faselt die Welt zu einem besseren Ort machen zu wollen?) Jenseits von fordistisch durchgetakteten systemgastronomischen Kettenbetrieben gibt es durchaus noch Inseln, etwa in gut geführten Restaurants ab dem mittleren Preissegment, in denen Servicekräfte keine dressierten, devoten Worthülsenabsonderer sind, sondern geachtete Fachkräfte, die auch keine Domestiken sind, die man herumscheucht, sondern die eigentlichen Chefs im Ring, ohne einen das merken zu lassen, versteht sich. Aber gewiss, diese Inseln werden weniger und sie werden teurer.
Freitag, 3. April 2026
Vermischtes und Zeugs (CXLV)
Zunächst zum Spocht. Es scheint inzwischen zum beruflichen Profil von Fußball-Bundestrainern (m) zu gehören, einen Hassspieler zu haben, den sie partout nicht aufstellen, nur im Notfall nominieren, obwohl dieser Spieler der Mannschaft wirklich helfen würde. Bei Joachim Löw war das Stefan Kießling, ein klassischer Strafraumstürmer. Löw setzte aber auf kunstvolles Tiki-Taka-Rasenschach a l'Espagnole mit falscher Neun, da passte ein kunstloser Knipser nicht ins Konzept. Vor allem keiner, der auch mal aufmuckt. Bei Nagelsmann scheint das Deniz Undav zu sein. Der wurde kurz vor Schluss eingewechselt, machte das Siegtor und wurde danach vom Trainer in coram publico derart abgesaut, dass ernsthafte Zweifel an Nagelsmanns Professionalität angebracht sind.
Mittwoch, 1. April 2026
Elefant im Raum
Es gibt diesen sprichwörtlichen Elefanten im Raum. Der nimmt fast sämtlichen Platz ein, sodass man sich kaum mehr bewegen kann, aber trotzdem redet niemand drüber. Sinnbildlich steht der Elefant im Raum für ein Problem, das eigentlich allen bewusst ist, aber niemand den Mut oder die Ehrlichkeit aufbringt, es offen anzusprechen. Die 'A'fD etwa verdankt einen Gutteil ihres politischen Aufstiegs ihrer Kernerzählung, sie sei die einzige Partei, die den Mut besäße, den Elefanten beim Namen zu nennen, und der hieße: Illegale bzw. irreguläre Massenmigration.
Samstag, 28. März 2026
Vermischtes und Zeugs (CXLIV)
Der offenkundig hochgradig schusselige Buckelwal, der in der Lübecker Bucht bei Timmendorfer Strand auf Grund gerauscht war (und von einigen allen Ernstes 'Timmi' getauft wurde) und sich auch ohne die Bemühungen von Tierrettern irgendwie freigeschwommten hatte, ist jetzt bei Wismar schon wieder gestrandet. Fun fact: Derweil sich halb Deutschland einen Kopf macht um das arme Tier, rollen Tag für Tag 3,6 Millionen Tiere in Tiertransporten durch eben jenes Deutschland, um dann als Produkte in Bedien- und SB-Theken zu landen. Nun bin ich bekanntlich weder Vegetarier noch Veganer, aber bin ich der einzige, dem das ein kleines Bisschen befremdlich dünkt?
Mittwoch, 25. März 2026
Paar Worte.
Kollege Chris Kurbjuhn ist gestorben (via). Die Reihen lichten sich weiter.
Nach allem, was von ihm zu lesen war und mir fällt keine Ausnahme ein, ist da ein grundfreundlicher und maximal liebenswürdiger Mensch gegangen. Einer, der das Leben und die schönen Dinge des Lebens über alles liebte und der uns ganz unaufgeregt, nie prätentiös daran teilhaben ließ. Einer der Blogger, die ich gern persönlich getroffen hätte. Ich kann mich nicht erinnern, dass ich mich auch nur einmal nicht gefreut habe, wenn irgendwo etwas neues aufploppte von ihm, sei es in seinem Blog oder den Kommentaren hier. Ich wusste: Der Tag, die Welt würde ein wenig schöner sein. Danke dafür.
Dienstag, 24. März 2026
Diskurs. Links
Wolfgang M. Schmitt ist hier lesenden eventuell bekannt als Betreiber des empfehlenswerten und hier empfohlenen YouTube-Kanals 'Die Filmanalyse'. Daneben betreibt er mit Ole Nymoen den Podcast 'Wohlstand für alle', der sich mit wirtschaftlichen Fragen befasst, sowie 'Die neuen Zwanziger', wo es vor allem um Kultur und Politik geht. Jasmin Kosubek ist als ehemalige Mitarbeiterin von 'RT DE' als Journalistin nicht unumstritten. Allerdings muss man sagen, dass sie wirklich vielen Stimmen Raum gibt und bereit ist, sich mit Standpunkten, die nicht die ihren sind, ernsthaft auseinanderzusetzen, und das verdient unbedingt Respekt. Hier unterhält sie sich knapp zwei Stunden lang mit Schmitt und ich habe etliches mitnehmen können. Wenn politischer Diskurs öfter so liefe, diese Welt wäre definitiv eine bessere.
Sonntag, 22. März 2026
Jenseits der Blogroll - 03/2026
Davon, was das Œuvre des letzte Woche verstorbenen Jürgen Habermas bzw. dessen Lektüre mit mir gemacht hat, kann ich nicht viel berichten. In jüngeren Jahren versuchte ich mich, wie viele, an 'Strukturwandel der Öffentlichkeit', kurz darauf erschien sein, wie es hieß, eminentes Hauptwerk 'Faktizität und Geltung'. Zwar war ich damals überaus lesehungrig und pfiff mir alles mögliche ein, aber problematischerweise gab es immer auch so viel anderes Interessante zu entdecken, da blieb Habermas oft unten im Lesestapel. Tatsächlich gelesen habe ich damals seinen Beitrag 'Eine Art Schadensabwicklung' der den Historikerstreit mit lostrat, der letztlich die deutsche Schuld an der Shoah im akademischen Mainstream etablierte und Relativierungsbemühungen wie die von Nolte und Hillgruber problemlos erledigte.
Freitag, 20. März 2026
Vermischtes und Zeugs (CXLIII)
Mokant mit nacktem Zeigefinger und mithilfe von K'I'-Manipulation darauf hinzuweisen, dass Heidi Reichinnek (LINKE) zuweilen mit einem Audi A8 herumchauffiert wird, ist angesichts der Rabatte, die Autohersteller bestimmten Kundenkreisen einräumen, ziemlicher Quatsch und offenbart vor allem, dass da welche nicht rechnen können. Abgesehen davon, dass der Humbug, es handele sich um ihren Privatwagen, schnell erledigt war, kann so eine geleaste Chefinnenschubse für eine Bundestagsfraktion pro Kilometer unter dem Strich günstiger sein als ein gekaufter deutlich bescheidenerer 08/15-Jahreswagen.
Dienstag, 17. März 2026
Grenzerfahrungen in der Konsumgesellschaft (32)
Wie viele, habe ich für das aktuelle Auto so einen Fernbedienungsschlüssel, der sehr praktisch ist. Schont nicht nur das computermausgeplagte Handgelenk, weil man sich jedes Mal das beschwerliche Drehen des Schlüssels im Türschloss erspart und das nur noch beim Anlassen des Motors nötig ist. Nein, man findet das Vehikel auch im Stockdunkeln auf einem unbeleuchteten Parkplatz wieder, wenn man vergessen hat, wo man die Karre abgestellt hat. Ein Tastendruck, blink blink, huhu, hier bin ich! Irre! Bei der nächsten Generation Superschlüssel spart man sich angeblich sogar die beschwerliche Drehung im Zündschloss.
Samstag, 14. März 2026
Deutscher wird's nicht
Die von der Presse nahezu unisono gefeierte Serie 'Kacken an der Havel' ist eine weitere gescheiterte deutsche Humor-Bemühung. Die zudem einen interessanten politischen Subtext hat.
Glaubt man den überwiegend hymnischen Besprechungen der auf Netflix zu streamenden neunteiligen Serie 'Kacken an der Havel', dann handelt es sich um einen Geniestreich, dann ist dort nicht weniger geschehen als die Rettung des darniederliegenden deutschen Humors. Denn 'Kacken an der Havel', so der nicht selten anzutreffende Unterton, sei ja nicht produziert worden vom drögen, verpupten, woken öffentlich-rechtlichen Ärmelschoner-Staatsfunk, der -- LAAAME! -- immer politisch korrekt auf Diversität und Quote achtet/achten muss, sondern von den coolen Boys and Girls von Netflix. Was kann da schon schiefgehen? Eine ganze Menge, wie sich zeigen wird.
Mittwoch, 11. März 2026
Vermischtes und Zeugs (CXLII)
Nicht ausgeschlossen, dass ich es noch erleben werde, im Frührentner- und Arbeitslosenparadies Stuttgart spezielle Führungen buchen zu können. Bei denen wird man dann von einem verrenteten Hoschd, Mampfred, Ewwin, Mehmet oder vielleicht gar einer Jacqueline eine verranzte Werkshalle vom Daimler gezeigt bekommen, in der sie damals die Esch-Klasse gebaut haben ("Des beschde Audo der Welt, bis de Chines' komme isch mit seine subbwenndsionierde Badderiekischde"). Nach getaner Arbeit wird man im Restaurant 'Gottlieb' oder so, das in einer anderen, mit Staatskohle hübsch gemachten verranzten Werkshalle untergebracht ist und das nägschdes Jahr bestimmt den ersten Stern bekommt, auf Fine Dining hochgerüschte schwäbische Spezialitäten einpfeifen können. Trust me, ich bin aus dem Ruhrpott.
Freitag, 6. März 2026
Was sagen?
Was soll ich denn sagen? Zum Krieg im Iran. Keine Ahnung. Sicher, ich könnte erwähnen, der Unterschied zu früheren US-Feldzügen im Namen von Freedom and Democracy ist, dass man sich gar nicht erst um eine internationale Koalition bemüht hat, sondern es gleich alleine durchzieht. Eine neue Qualität, zweifellos. Hatten wir aber schon in Venezuela. Ein Testlauf vielleicht. Paar Nummern kleiner. Wie das ausgeht? Der Iran ist ein riesiges Land. Wer weiß, was von der Opposition noch übrig ist nach all dem Morden, wie stark die Revolutionsgarden noch sind. Vielleicht hat der Mossad da genauere Infos. Der wusste ja auch, wo Khamenei wohnt.
Dienstag, 3. März 2026
Vermischtes und Zeugs (CXLI)
Wie auch immer man sonst zu ihnen stehen mag, eines muss man den Grünen lassen: Sie sind lernfähig. Im Wahlkampf waren sie immer die letzten, die naiverweise noch an die Kraft des logos und des besseren Arguments glaubten. Und dabei wirkten wie das Streberkind, das immer brav die Hausaufgaben macht, mit seiner Rohkostbox am Schulhofrand steht, von den Platzhirschen immer gehänselt und mit dem Hintern in den Papierkorb gesetzt wird, aber leider nur Freunde außerhalb der Schule hat, und für coole Antworten zu verkrampft ist.
Samstag, 28. Februar 2026
Vier Jahre Ukrainekrieg. Eine Zwischenbilanz
Seit über vier Jahren führt Russland nunmehr Krieg in der Ukraine. Damit dauert dieser Krieg bereits länger als der 'Große Vaterländische Krieg' gegen das Deutsche Reich 1941 bis 1945, in dessen Tradition die russische Propaganda das Ganze gern stellen würde. Nimmt man Putin beim Wort und geht davon aus, dass er den Großmachtstatus Russlands wiederherstellen wollte (den schon die UdSSR allein wegen ihres hochgerüsteten Militärs innehatte, wenn überhaupt), dann sahen die Kriegsziele, die Putin und die Kreml-Krieger 2022 verfolgten, höchstwahrscheinlich so aus:
Donnerstag, 26. Februar 2026
Jenseits der Blogroll - 02/2026
Und? Sind Sie auch so erleichtert? Haben Sie die spontanen Partys in den Straßen mitbekommen? Die Jubel- und Dankgesänge? Habecks Heiz-Hammer ist endlich Geschichte! Dank unserer genialen Regierung ist die Nation endlich erlöst von den finsteren Machenschaften des Thermo-Terroristen, der nur ganz knapp daran gehindert werden konnte, Oma Kasuppke die Gasheizung aus dem Keller ihres klein Häuschens zu reißen, auf dass sie fürderhin gar jämmerlich fröre im Winter oder auf ewig in Zinsknechtschaft sich hätte begeben müssen, weil sie gezwungenermaßen so eine neumodische, linksgrüne, woke Wärmepumpe hätte kaufen müssen. Gerettetet, hurra!
Montag, 23. Februar 2026
Vermischtes und Zeugs (CXL)
Maskenmann und CDU-Fraktionsvorsitzender Jens Spahn hat jetzt vorgeschlagen, Studienjahre nicht mehr auf die Rentenversicherung anzurechnen. Denn: Studienjahre seien keine Arbeitsjahre. Das stimmt zwar, aber dennoch, Spahn, eine kleine Lerneinheit: Es werden nicht nur Studienjahre als Rentenjahre angerechnet, sondern generell bis zu acht Jahren Schul- und Ausbildungszeiten. Wer etwa nach der zehnten Klasse eine dreijährige Ausbildung absolviert hat, bekommt diese Jahre auch angerechnet, obwohl während der Ausbildung keine Rentenversicherungsbeiträge entrichtet werden.
Samstag, 21. Februar 2026
Andy Capone?
Irgendwann in den Neunzigern las ich irgendwo mal ein Interview mit dem ehemaligen Monty Python-Mitglied John Cleese. Ein Satz ist mir besonders im Gedächtnis geblieben. Cleese sagte, er fühle sich in Wien immer sehr wohl, denn dort habe man bereits das hinter sich, was Großbritannien noch bevorstünde: Die Abschaffung einer sehr alten, sehr traditionsreichen Monarchie, deren Umwandlung in ein Museum und die Einführung der Republik. Er sei durchaus zuversichtlich, das in Großbritannien noch zu erleben.
Mittwoch, 18. Februar 2026
Vermischtes zu Olympia (II)
Die ersten mokieren sich schon über die eher schmale Medaillenausbeute der deutschen Teilnehmer:innen bei den kurrenten Winterspielen. Deutschland abgehängt! Buhuuu! Kannjawohlnichsein, dass das bevölkerungsreichste Land Europas so wenig Medaillen holt. Kommwadenndahin? Kann nicht mehr lange dauern, dann geht das kulturpessimistische Gebramme wieder los von wegen, da sei eine Delegation aus wohlstandsverwahrlosten Schneeflöckchen zu Olympia entsandt worden, die nur mehr Work-life-balance im Kopf habe und sich verweichlichterweise nicht mehr recht plagen und schinden wolle.
Samstag, 14. Februar 2026
Epstein. Fünf Annäherungen
"Die bürgerliche Gesellschaft besteht aus zwei Arten von Männern, aus solchen, die sagen, irgendwo sei eine Lasterhöhle ausgehoben worden, und solchen, die bedauern, die Adresse zu spät erfahren zu haben." (Karl Kraus)
Kurze Frage zum Einstieg: Irgendwo jemand über der Gehaltsklasse eines mittleren Managers der Raiffeisenbank, der nicht in irgendeinem E-Mail-Verteiler von Jeffrey Epstein (+) steht? Bitte um Handzeichen! Danke. Das wird übrigens die letzte flapsige Einlassung in diesem Beitrag sein. Das Thema ist zu ernst und vielschichtig. Daher der Versuch, sich aus fünf Richtungen anzunähern. Ob sich daraus am Ende ein schlüssiges Bild ergibt, sei allen selbst überlassen.
Mittwoch, 11. Februar 2026
Revanche!
Wer die Neunziger bewusst erlebt hat wird sich noch an Diddl erinnern, jene grotesk klumpfüßige, vom Grafiker Thomas Goletz erdachte Comicspringmaus. Und wie könnte man auch nicht? Diddl und seine Spießgesell:innen überzogen die Republik damals flächenbombardementartig mit bonbonrosa Knuddelbotschaften in gruseliger Typografie. Kein Kiosk, von dem einem das blöde Vieh nicht entgegengrinste, gern auch im Verbund mit seiner Gespielin Diddelina. Briefpapier, Geschirr, Schulranzen, Schreibblöcke, Bettzeug, Aufkleber, Schlüsselanhänger, Karten, Magnete etc. Es gab kein Entrinnen. Wer einen Laden betrat, der das Zeugs feilbot, riskierte, sich vom bloßen Anblick dieser Überdosis Kitsch Typ 2-Diabetes einzuhandeln.
Sonntag, 8. Februar 2026
Vermischtes zu Olympia
Für Olympische Spiele habe ich bekanntlich, allem Kommerztamtam und allen problematischen Implikationen zum Trotze, einen Soft Spot. Vor allem weil dort Sportarten und Sportler:innen in den Fokus rücken, von denen man sonst nichts mitbekommt und die von den Aktiven, die davon nicht leben können, geschweige denn reich werden damit, allein aus Liebe zum Sport betrieben werden. Und die auch von Menschen mit nicht durchoptimierten Körpern betrieben werden können, eine Wampe unterm Hemd oder eine etwas ausladenere Kiste in der Hose keine Nachteile sind. Im Sommer sind das vor allem die Schießdisziplinen, im Winter ist es Curling.
Freitag, 6. Februar 2026
Inhaltlich blank
"Die Friedhöfe der Welt sind voll von Leuten, die sich für unentbehrlich hielten." (Georges Clemenceau)
Nicht unbeträchtliche Teile Deutschlands erinnern in diesen Zeiten an einen älteren, langjährigen Mitarbeiter eines kriselnden Traditionsunternehmens, der sich angesichts einer Entlassungswelle einredet, ihm werde schon nichts passieren, der neumodische Kram ihn schon nicht betreffen, überdies habe er doch so viel geleistet, sei doch schon so lange dabei, sie könnten ihm gar nichts, sollen sie doch kommen und überhaupt. Der parlamentarische Arm dieses Denkens hört auf den Namen CDU.
Montag, 2. Februar 2026
Vermischtes und Zeugs (CXXXIX)
Noch so ein kulturelles Phänomen, das verloren gegangen ist: Dass man sich bei Arcadeautomaten in die Bestenliste eintragen konnte, wenn man einen Highscore geknackt hatte. In der Frittenbude, in der wir uns früher öfter trafen, stand ein 'Donkey Kong'-Automat. Einmal war dem Monitor zu entnehmen, dass ein gewisser 'OTTO ZIBULSKI' auf Platz eins war, dicht gefolgt von einer Person mit Namen 'SUPERPIMMEL'. Ungekrönter König der Arena war ein gewisser 'SCHEISSBULLE', der, wie ich irgendwann erfuhr, gar kein Polizeibeamter war, sondern nicht arbeitete und vom Erbe lebte. So hatte er die Zeit und offenbar auch das Geld, halbe Tage in dem öligen Etablissement zu verbringen und den Daddelmaten so lange mit Einemarkmünzen zu füttern, bis sein Kampfname auf Platz 1 bis 10 stand, wie es ein paar mal vorkam. Schön, wenn Menschen noch Ziele haben im Leben.
Samstag, 31. Januar 2026
Im Patchwork Valley
Deutschland sei, so heißt es allenthalben, ein digitales Entwicklungsland. Die Welt lache sich entweder kaputt über uns deutsche Digital-Höhlenmenschen oder schüttele mitleidig den Kopf. Tss tss, was ist bloß aus den übereffizienten deutschen Organisationsweltmeistern geworden? Während anderswo alles nur mehr ganz bequem digital und online gönge und niemand auch nur auf die Idee käme, ein Blatt Papier auch nur zur Hand zu nehmen, geschweige denn, persönlich bei einem Amt zu erscheinen, säßen hier überall mausgraue, verpupte Ärmelschoner, Bedenkenträger und E-Mail-Ausdrucker herum, für die alles, was sich nicht in einem Leitzordner abheften lässt, neumodisches Teufelswerk ist und die jede ausgedruckte Mail dann noch einmal faxen. Zur Sicherheit. Man kann schließlich nie wissen. Keine Experimente!
Mittwoch, 28. Januar 2026
Jenseits der Blogroll - 01/2026
"Wenn wir zu hoffen aufhören, kommt, was wir befürchten, bestimmt." (Ernst Bloch)
Als ich Ende 2017 diese Rubrik vom Stapel und in die Welt ließ, frug ich mich noch jedes Mal: Hui, wirst du überhaupt genügend Material zusammenbekommen? Inzwischen geht einiges an Zeit dafür drauf, jede Menge wieder auszusortieren, erst recht in politisch so bewegten Zeiten wie diesen. Scheint aber gut anzukommen. Die monatliche Linksammlung erzielt regelmäßig hohe und höchste Klickzahlen. Dieses Mal ist übrigens ungewohnt viel Feuilleton dabei. Warum? Keine Ahnung. Das nur als Vorwarnung.
Sonntag, 25. Januar 2026
Vermischtes und Zeugs (CXXXVIII)
Bei der Union demonstrieren sie wieder einmal eindrucksvoll ihre Wirtschaftskompetenz und ihr Talent für Realitätsverweigerung. Teile der CDU sähen nämlich gern den Rechtsanspruch auf Teilzeitarbeit abgeschafft. Das würde Arbeitgebern die Möglichkeit eröffnen zu sagen: Entweder Vollzeit oder kein Job. Ausnahmen soll es nur noch geben im Fall von Kindererziehungspflichten oder Pflege von Angehörigen. Abgesehen davon, dass Deutschland eine der höchsten Unterbeschäftigungsquoten Europas hat, was ein sicherer Indikator dafür ist, dass viele gern Vollzeit arbeiten würden, dies aber, meist aus exakt den beiden genannten Gründen nicht können und dass viele Jobs inzwischen eh nur mehr in Teilzeit ausgeschrieben werden, sodass das mit der unionsseitig beklagten 'Lifestyle-Teilzeit' wohl eher ein Popanz ist, um Arbeitnehmer:innenrechte weiter zu beschneiden:
Samstag, 24. Januar 2026
Frage am Rande
Was ich mich schon länger frage: Wie ist das eigentlich so als Fan von Bayern München? Jener Übermannschaft, die den Meistertitel, von einem Ausrutscher abgesehen, seit zehn Jahren quasi abonniert hat, in dieser Saison bislang jeden Gegner aus dem Stadion geschossen hat, schon jetzt, am 18. Spieltag, komfortable elf Punkte vorn liegt und deren größte Herausforderung für den Rest der Saison sein dürfte, die Spannung für die Champions League hochzuhalten. Sollte also während der Restsaison kein Meteorit an der Säbener Straße während des Trainings einschlagen und den gesamten Kader ausschalten, wodurch der FCB gezwungen wäre, mit einer B-Garnitur anzutreten (aber auch das müsste nichts heißen), können sie in München schon mal in aller Ruhe die nächste Meisterfeier vorbereiten.
Donnerstag, 22. Januar 2026
Chickening Out
Dass die USA, wie vom Donald Trump postuliert, unbedingt Grönland annektieren müssten wegen der Rohstoffe und der überragenden strategischen Lage, ist natürlich völliger Kokolores. Wie immer ging es Trump allein ums Prestige und ums Habenwollen. Darum, aufstrebenden Mächten wie China zu zeigen, wer den längeren Hebel hat. Trump will als der GröPaZ in die Geschichte eingehen. Friedensnobelpreisträger, YÄY! Ausrichter der besten Fußball-WM ever, BÄM! Als derjenige, der das Territorium der USA vergrößert hat wie noch niemand vor ihm, POW! Der Putin zeigt, wie Neoimperialismus geht, BIFF! Captain America strikes again, ZOW!
Montag, 19. Januar 2026
Vermischtes und Zeugs (CXXXVII)
Im 'Freitag' beklagte Pepe Egger jetzt, Friedrich Merz habe bei seiner Neujahrsansprache den Osten ganz vergessen und damit das halbe Land vor den Kopf gestoßen. Ähhh... nein. So leid es mir tut, einfach nein. Nada. Nope. Niente. Laut aktuellen Zahlen hat 'der Osten', womit normalerweise die fünf nicht mehr ganz neuen Länder abzüglich Berlin gemeint sind, zirka 12,4 Millionen Einwohner. Das ist bei einer Gesamtbevölkerung von 83,5 Millionen niemals, nie, nicht, nicht einmal beim allerbestmöglichen Willen die Hälfte, sondern gerade einmal etwas mehr als ein Achtel, genauer: knapp 15 Prozent.
Samstag, 17. Januar 2026
Verlorener Faden
Dank des überaus ferdienstfollen Fernsehsenders Arte gibt es bis Ende des Jahres Gelegenheit, 'Twin Peaks' noch einmal anzuschauen, jene von David Lynch und Mark Frost kreierte und produzierte Fernsehserie, die völlig zu recht als Meilenstein des Genres gilt und vieles vorwegnahm, was heute längst selbstverständlich ist. Es steht daher zu befürchten, dass Jüngere damit vermutlich nur wenig anfangen können. Natürlich war es 1990 nicht neu, Dunkles und Abgründiges filmisch zu verhandeln, auch eine Erkenntnis wie die, dass hinter der Fassade bürgerlicher Wohlanständigkeit nicht selten das nackte Grauen lauert, war alles andere als bahnbrechend. Aber dergleichen fand üblicherweise im Kino statt. Fernsehserien galten gemeinhin als mehr oder minder seichte Unterhaltung. Und Seriendarsteller waren nicht selten Schauspieler, deren Karrieren sich dem Ende neigten oder stagnierten oder die dringend Geld brauchten.
Mittwoch, 14. Januar 2026
Merz und die Mullahs
Sicher ist da natürlich gar nichts, aber es könnte sein, dass ich in diesem Leben noch mitbekomme, wie im Iran ein Revolutionsregime von einem anderen Revolutionsregime wieder abgelöst wird. Das wäre kein Grund zur Trauer. Immer mehr Iraner:innen haben nach zirka 45 Jahren offenbar die Nase voll von einer Oligarchie religiöser Fundamentalisten, die ihnen in die private Lebensführung hineinregiert und sie mit immer weniger Erfolg zu einem gottgefälligen Leben nötigen will, während immer mehr verarmen. Letzteres dürfte der wichtigste Grund sein für die in immer kürzeren Abständen erfolgenden Protestwellen im Iran, auf die Mullahs immer schlechter den Deckel bekommen.
Samstag, 10. Januar 2026
Vermischtes und Zeugs (CXXXVI)
FIFA-Supremo Gianni Infantino will bei der anstehenden Fußball-WM feste Trinkpausen in der Mitte jeder Halbzeit einführen, und zwar unabhängig vom Wetter. Das hat natürlich absolut nichts zu tun mit Sorge um die Gesundheit der Spieler. Erstens ist nicht bekannt, dass Spieler auch bei hohen Temperaturen reihenweise wegen Dehydrierung umgekippt wären und zweitens dürfen Spieler mit Erlaubnis der Schiedsrichter schon jetzt was trinken, wenn die Bedingungen entsprechend sind. Das ganze dient lediglich dazu, zwei Mal öfter pro Spiel Werbespots schalten zu können.
Donnerstag, 8. Januar 2026
Lernen vom Ancien Régime
Man kann sich gewiss täuschen, aber es sieht so aus, als hätten vor allem Konservative/Rechte ein echtes Händchen dafür, in Katastrophen- und Krisensituationen so rüberzukommen, als ginge sie das alles nicht wirklich was an und nicht zu kapieren, wieso ausgerechnet Wichtigmenschen wie sie sich zum Pöbel herabbegeben sollen. Und sich damit ohne Not um Wahlchancen bringen. Nach Lokalpatriot Stoiber und Schmunzelmuffe Laschet (international ließen sich zum Beispiel noch George W. 'Flyover' Bush oder Melania 'I really don‘t care' Trump erwähnen) hat jetzt der Berliner Bürgermeister Wegner (CDU) sein PR-Desaster am Start, das ihn vermutlich die Wiederwahl kosten wird.
Sonntag, 4. Januar 2026
Unkomplex
Würde das Weltgeschehen wenigstens zu Beginn des Jahres so freundlich sein, unsereins armen Bloggern, die angetreten sind, selbiges ein wenig einzuordnen, eine Chance zu geben, mal kurz durchzupusten? Erst schneidet angeblich ein Haufen verpeilter Salonrevolutionäre 50.000 Berliner Haushalte von der Stromversorgung ab und glaubt vermutlich ernsthaft, das Schweinesystem damit kippen zu können (das Kapital in New York, Frankfurt und London ist erfahrungsgemäß immer schwerst beeindruckt und schlottert vor Angst, wenn irgendwo bei einer Demo Autos brennen oder Menschen in ihren Wohnungen zu erfrieren drohen), dann lässt Trump mal eben den venezolanischen Präsidenten Maduro hopsnehmen und in den USA einknasten.
Freitag, 2. Januar 2026
Vermischtes und Zeugs (CXXXV)
Mit dem Jahreswechsel wäre auch das alljährliche Hickhack um ein Böllerverbot wieder glücklich überstanden. Glaubt man Umfragen, dann ist inzwischen eine Mehrheit der Bevölkerung arg genervt von der Knallerei. Die Argumente sind auch jedes Jahr dieselben. Hie: Angst! Gefahr! Feinstaub! Denkt denn keiner an die Kinder/Tiere! Dort: Tradition! Ich lasse mir von diesem linksgrünen Nanny-/Verbotsstaat nicht meinen Spaß zu Silvester nehmen! (Wobei ein öffentliches Gesundheitswesen, das infolge eigener Doofheit zerfetzte Flossen ohne Mehrkosten wieder zusammenflickt und eine Stadtreinigung, die Tags drauf den ganzen Dreck wegmacht, natürlich gern genommen werden.)
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