Dienstag, 19. Januar 2016

Glückwunsch nachträglich, Golfkrieg!


An den Beginn des zweiten Golfkrieges vor genau 25 Jahren und zwei Tagen erinnere ich mich sehr gut. Es war mein Geburtstag. Der Radiowecker sprang an und brachte Nachrichten. Das, was die Welt seit Monaten befürchtet hatte, war eingetreten: Die von den USA angeführte Koalition gegen Saddam Hussein hatte in der Nacht unter dem Namen Operation Desert Storm mit dem Bombardement des Irak begonnen. Zum ersten Mal seit dem Vietnamkrieg flogen westliche Mächte masssive, systematische Luftangriffe gegen ein anderes Land. Ohne zu ahnen, dass sich im ehemaligen Jugoslawien bereits weiteres Unheil zusammenbraute, hatte auch ich eine Zeitlang geglaubt, gehofft, das Thema Krieg sei nach gut 40 Jahren eines irrwitzigen kalten Krieges endlich mal bis auf weiteres vom Tisch.

Ich hatte morgens Vorlesung an dem Tag. Auf den Korridoren der historischen Fakultät aufgeregte Diskussionen. Zwei junge Frauen, die aus dem Nahen Osten zu stammen schienen, debattierten besonders lautstark. Wir kamen ins Gespräch. Sie fragten mich, ob ich Neues wüsste. Ich entgegnete, es gäbe Gerüchte, irakische Gegenangriffe seien im Gange. Daraufhin brachen sie in Jubel aus. Hussein werde zurückschlagen und den gottlosen Amerikanern eine blutige Nase verpassen. Der Mann schien nicht nur Gegner zu haben. Diskussionen über den Krieg sollten die folgenden Tage und Wochen bestimmen. Kaum ein Prof, der sich nicht zu einem Statement genötigt sah. Eines ist mir sogar in Erinnerung geblieben. Ein Mediävist legte uns ans Herz, wir sollten uns statt der Nachrichten lieber 'Apocalypse Now' anschauen, wenn wir etwas über den Krieg erfahren wollten. Ich ahnte damals  nicht, wie recht der Mann haben sollte.

Die Hoffnung auf ein zumindest vorläufiges Ende der Kriege war damals übrigens gar nicht so naiv wie es heute aussieht. Die USA trugen immer noch am Vietnam-Trauma. Der Nimbus der Unbesiegbarkeit war angekratzt und die Sorge groß, die Heimatfront könnte, wie einst in den Sechzigern, aufmucken, wenn die Sache aus dem Ruder laufen sollte. Präsident Reagan hatte zwar schon punktuell die Kriegstoleranz der Fellow Americans angetestet, schreckte aber vor größeren Schlägen zurück. Zu mehr als zu Luftangriffen auf Tripolis und Bengasi und einen Einmarsch im unbedeutenden Inselstaat Grenada, reichte es nicht. Eine Unternehmung wie die von seiner Kollegin Margaret Thatcher angezettelte Invasion der Falklandinseln war ihm zu heikel. Zu groß die Gefahr, dass ein von den USA geführter Krieg in eine Konfrontation mit der Sowjetunion mündete. Sein Vizepräsident und späterer Nachfolger George Bush hatte da weniger Skrupel.

Die US-Militärs hatten ihre Konsequenzen aus Vietnam gezogen und kontrollierte rigoros die Berichterstattung. Erstmals wurde in den Medien ein videospielähnlicher, 'sauberer Krieg' inszeniert. Dazu wurde der Wortschatz um einige bis dahin unbekannte Fachausdrücke erweitert: 'Intelligente Waffen' sollten mit 'chirurgischer Präzision' nur minimale 'Kollateralschäden' anrichten. Die Hemmschwellen sollten sinken, Krieg als eine unbedenkliche, saubere, jederzeit machbare Sache erscheinen, die keinen Protest mehr in der Heimat hervorrief. Das war natürlich Quatsch. Dieser auf Lügen gegründete Krieg war mindestens so schmutzig, brutal und grausam wie alle anderen Kriege auch. Trotz gegenteiliger Beteuerungen, überstiegen die zivilen Opfer im Irak noch die militärischen. Von den Folgen, etwa wegen Munition aus abgereichertem Uran, ganz zu schweigen.

Spätestens seit den Kriegen, die die französische Revolutionsregierung geführt hat, sind Angriffskriege immer noch ein Mittel, die eigene Bevölkerung zusammenzuschweißen und innenpolitische Konflikte zuzuschütten. Bei Bush senior klappte noch einmal, was bei seinem Sohn 2003 schon nicht mehr wirklich funktionierte: Der unerwartet leichte Sieg der US-geführten Koalition löste in den USA einen patriotischen Rausch aus. Die heimkehrenden Soldaten, die die irakische Armee dank modernster Technik weitgehend widerstandslos hinweggefegt hatten, wurden bei jeder sich bietenden Gelegenheit als Helden gefeiert.

Und bei uns so? 1991 wurde noch der Rosenmontagszug in Köln abgesagt, es gab Proteste, aufgeregte Debatten und Betroffenheit allerorten. Die Zeit der Friedensbewegung wirkte noch nach. Dabei waren wir noch nicht einmal dabei. Die Bundesregierung hatte sich aus Bushs Koalition herausgekauft. Nicht aus Pazifismus, sondern wegen völkerrechtlicher Bedenken. Die damals noch existierende Sowjetunion hatte den Zwei-plus-vier-Vertrag noch nicht ratifiziert. Es lag sicher nicht an diesem Krieg allein, dass heute kaum noch jemand wirklich Notiz nimmt, geschweige denn jemanden aufregt, wenn wieder einmal deutsche Soldaten in den Krieg ziehen, die Luftwaffe eine Ecke der Welt bombardiert.

Artikel 26 GG:
(1) Handlungen, die geeignet sind und in der Absicht vorgenommen werden, das friedliche Zusammenleben der Völker zu stören, insbesondere die Führung eines Angriffskrieges vorzubereiten, sind verfassungswidrig. Sie sind unter Strafe zu stellen.


1999: Von deutschem Boden ging der Kosovokrieg aus.
2001: Von deutschem Boden ging der Afghanistankrieg aus.
2003: Ohne deutsche Hilfe wäre der nächste Irakkrieg nicht möglich gewesen.
2015: Von deutschem Boden geht der Syrienkrieg aus.

Seit dem zweiten Golfkrieg ist Krieg ein immer normaleres Mittel der Politik geworden. Den Kölner Karneval ausfallen lassen wegen des unter deutscher Beteiligung in Syrien stattfindenden Krieges? Spitzenwitz! Tusch, tatäää, Kamelle! Hammse noch so einen? Auch in dieser Hinsicht war Operation Desert Storm also ein voller Erfolg. Kann man nur gratulieren.


Kommentare :

  1. Was ist die Alternative zu einem bewaffneten Eingreifen in Syrien? Fernseher aus wenn Nachrichten kommen, und ansonsten Grenzen dicht?

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    1. Netter Versuch einer Provokation, ich steige mal nicht drauf ein. Zu Ihrer Frage: Ich weiß es nicht.
      Was ich weiß, ist folgendes:
      1. Es gibt immer Alternativen.
      2. Solange Artikel 26 GG gilt, sind Kriegseinsätze deutscher Truppen jenseits von Landesverteidigung nach wie vor verfassungsrechtlich zumindest heikel.
      3. Der Kosovokrieg war ein klarer Bruch des Völkerrechts, der dritte Golfkrieg ein blutiger Irrtum, der Afghanistankrieg hat nichts zum Besseren verändert.
      4. Wer das Völkerrecht bricht, hat das Problem, hinterher nicht mehr glaubhaft damit argumentieren zu können.
      5. Nirgendwo steht, dass ich den Syrienkrieg prinzipiell ablehne.
      6. Ihre Frage wäre einfacher zu beantworten, wenn ich ungefähr wüsste, gegen wen oder was bzw. für wen oder was wir in Syrien eigentlich kämpfen. Gegen Assad? Den IS? Was machen wir da genau? Nicht zuletzt finde ich es beunruhigend, dass das alles nur mehr geräuschlos durchgewunken wird.

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    2. Kein Grund, mich zu siezen. Das irritiert mich immer ungemein. Gehen wir zum Du über? Eine Provokation sollte es übrigens nicht sein, ich bin ehrlich an einer Antwort interessiert.

      Zu den 6 Punkten:

      1. Welche? Logistische Unterstützung ohne direkte Kampfhandlungen lehnst du ab, Nichtstun auch. Was bleibt? Bewaffnet eingreifen? Diplomate zu Daesh schicken?
      2. Artikel 26 GG lese ich so, dass man durchaus einer (Bürger)Kriegspartei zu Hilfe kommen darf. Ich bin aber kein Jurist.
      3. Zu diesen drei Kriegen habe ich nichts gesagt.
      4. Volle Zustimmung.
      5. Es klang implizit sehr stark im Text an.
      6. Deutschland hat erst eingegriffen, als Daesh hart an der Grenze zum Völkermord operiert hat, und dann auch zunächst nur durch logistische Unterstützung der Kurden. Dass die Assad-Regierung als weitere Konfliktpartei mit dabei ist macht die Situation aber schon sehr unübersichtlich.

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    3. Tantal, das Problem ist, dass sowohl die Argumente der Befürworter einer Intervention (nennen wir's halt so) als auch die der Gegner nicht zu 100 Prozent wasserdicht sind. Ich bin kein prinzipieller Gegner aller Kriegseinsätze, ich sehe nur, dass die genannten Kriege der letzten 20 Jahre kein Problem gelöst, sondern die Lage schlimmer gemacht haben. Bis auf eine Ausnahme (Kosovo), aber die war dummerweise eine Verletzung des Völkerrechts (was Putin dem Westen im Fall seiner Ukraine-Politik genüsslich aufs Butterbrot schmierte).
      Vielleicht sind's auch gar nicht mal so sehr die Kriege, sondern die Tatsache, dass wir die Länder danach ihrem Schicksal überlassen. Der IS/Daesh wäre so nicht möglich, wenn die Amerikaner nicht auf die grandiose Idee verfallen wären, die Irakische Armee ersatzlos aufzulösen und dadurch eine Menge Fachkräfte plötzlich arbeitslos gewesen wären. Gaddafi zu stürzen, mag vielleicht geboten gewesen sein, aber das Vakuum danach hat die Region erst recht destablilisiert, was massiv zur momentanen so genannten Flüchtlingskrise beiträgt.
      Warum sind wir in Syrien? Weil da gemordet wird und Menschenrechte verletzt werden? Okay. Wo waren wir bzw. der Westen dann, als in Ruanda eines der größten Massaker seit dem zweiten Weltkrieg quasi unter den Augen der Weltöffentlichkeit stattgefunden hat? In Saudi-Arabien, China, Russland und anderswo werden Menschenrechte verletzt. Und? Sind halt wichtige Handelspartner oder im Zweifel stärker, da muss Diplomatie dann reichen. Sicher, wir, der Westen, können nicht immer überall eingreifen, aber wonach entscheiden wir dann? Nach moralische Gesichtspunkten offenbar nicht, die werden immer nur hergenommen, wenn es gilt, so was zu legitimieren.

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  2. Wenn die zwei genannten Frauen gegen die Gottlosen wetterten und damit für die Seite der religiösen Fanatiker einstanden , haben sie der falschen Seite Beifall gezollt...
    Hussein zumindest war weitgehend unreligiös ...

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    1. Merkwürdige Koalitionen allerorten und jederzeit...

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  3. Lieber Herr Rose,

    Chapeau, nicht nur für den eindrucksvollen Text, sondern für Ihre Antwort zu dem Kommentar von Tantal.

    Meine Empfehlung für ihn und all die ahnungslosen Claqueure des Krieges, Verzeihung: Friedenseinsätze, Polizeiaktionen und anderen unsäglichen Wortschöpfungen aus der political-correctness-Fraktion:
    1 Woche Aufenthalt in einer Stadt, einem Dorf in der Kampfzone.
    Wurde das mit Glück überlebt, wird zur Erholung 1 Woche Aufenthalt in einem Flüchtlingscamp auf türkischer Seite, dran gehängt.
    Zur Abrundung des Themas wird eine weitere Woche Wanderurlaub mit einem Flüchtlingstreck, der in Ungarn aufschlagen wird, verordnet.
    Danach werden diese unerträglichen Gestalten nochmals zu ihrer ursprünglichen Meinung befragt, so sie dann noch in der Lage sind, zusammenhängende Sätze artikulieren zu können.

    Mir geht dieses sinnlose und ekelhafte Rechtfertigungsgestammel zum Krieg meiner Zeitgenossen immer mehr auf die Nerven.

    Ich kann mich nicht entscheiden, was ich mehr verachte: Gier, Dummheit oder diese allgegenwärtige Unfähigkeit zur Empathie, quer durch alle Schichten dieser Gesellschaft.

    Mit besten Grüßen

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    1. Wenigstens eine Frage konnte ich für mich kürzlich klären. Das was ich auch immer als "Unfähigkeit zur Empathie" bezeichnete ist offensichtlich ein ganz normaler psychologischer Effekt den die meisten Menschen zum Selbstschutz haben. Zumindest fand ich den Artikel im Freitag zum Thema "victim blaming" sehr lesenswert und plausibel.

      Gruesse
      Jon

      https://www.freitag.de/autoren/fpeter/das-gerechtigkeitsparadoxon

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    2. Meine Empfehlung für "Alles nur Satire" und all die nützlichen Idioten von mordenden Fanatikern und Diktatoren, Verzeihung: Pazifisten, Friedensbewegten und anderen unsäglichen Wortschöpfungen aus der political-correctness-Fraktion:
      1 Woche Aufenthalt ohne Nahrung und Wasser im Sindschad-Gebirge.
      Wurde das mit Glück überlebt, wird zur Erholung 1 Woche Aufenthalt in Kobane nahe der türkischen Grenze unter IS-Beschuss dran gehängt.
      Zur Abrundung des Themas wird eine weitere Woche Wanderurlaub mit einer Gruppe Menschen auf der Suche nach Nahrung in Madaja verordnet.
      Danach werden diese unerträglichen Gestalten nochmals zu ihrer ursprünglichen Meinung befragt, so sie dann nochin der Lage sind, zusammenhängende Sätze artikulieren zu können.

      Mir geht dieses sinnlose und ekelhafte Rechtfertigungsgestammel zum Ignorieren von Kriegsverbrechen und Völkermord meiner Zeitgenossen immer mehr auf die Nerven.

      Ich kann mich nicht entschieden, was ich mehr verachte: Dogmatismus, unterkomplexe Weltbilder oder dieses Suhlen im Gefühl der moralischen Überlegenheit, quer durch alle Schichten dieser Gesellschaft.

      Mit besten Grüßen


      *Kurzer Nachtrag, dies ist natürlich wirklich alles nur Satire. ICH wünsche politisch Andersdenkenden nicht Leid und Tod an den Hals.

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    3. @ Tantal,
      "it needs two to Tango" und ich habe absolut kein Interesse daran mit Ihnen in einen ausschweifenden und dazu noch völlig sinnlosen Dialog über den Sinn und die moralische Rechtfertigung von Kriegen zu treten.

      Den gibt es nämlich nicht, gab es nie und wird es nie geben. Krieg war und ist immer nur Leiden, Tod, Vernichtung meist unschuldiger Menschen zum Nutzen einiger weniger Schwerverbrecher aus Wirtschaft und Politik. Das war zu Zeiten der Pharaonen so, zu Zeiten Alexanders, Roms und der gesamten Geschichte der Menschheit.

      Dummheit ist nicht strafbar, daher können Sie und all diejenigen, die dem gleichen Glauben anheim gefallen sind, weiter völlig ungeniert die Parolen von BILD, ZEIT, Spiegel, FAZ, Tagesschau, und PolitikerInnen aller großen und doch völlig obsoleten Parteien dieser Republik nachbeten.

      Wenn die Verachtung von Krieg und ihrer Unterstützer, ihrer Betreiber und Initiatoren durch Sie als Dogmatismus bezeichnet wird, gut dann bin ich gerne auch Dogmatiker.

      Wenn die Ablehnung von Krieg als Mittel zu Konfliktlösungen Ihrem suboptimalen Denkbild als ein unterkomplexes Weltbild erscheint, dann sei es so. Ich achte den Glauben eines jeden Mitmenschen, sei er noch so abstrus.

      Da Sie selbst Kriegsgegner als Menschen beurteilen, die sich im „Gefühl der moralischen Überlegenheit suhlen“, dann kann es Ihnen auch nichts ausmachen als amoralischer Mensch bezeichnet zu werden. Ihr Glaube wird Sie stark machen und als guter Christ werden Sie bestimmt gerne die andere Wange hinhalten. Oder doch lieber die christliche Urtradition von „Auge um Auge“ anwenden?

      Wikipedia-Links sind nicht immer hilfreich, um einen angeblich eigenen Standpunkt untermauern zu wollen. Es zeugt eigentlich mehr davon, das man Unterstützung benötigt, um einen angeblich „eigenen Standpunkt“ zu generieren.

      Blogs sind nicht die UN-Vollversammlung in der der Kriegstreiber Nr. 1 dieser Welt die USA, mit sogenannten Beweisen einen „völkerrechtlich legalen“ Vorwand zur Kriegführung suchten. Auch Wikipedia hat mittlerweile einen neoliberalen „Ruch“ bekommen.

      Aber das sind natürlich alles VT.

      Schlußsatz: Dies ist keine Satire – oder vielleicht doch? Ach man weiß so vieles nicht. Daher ist es wichtig ein oder mehrere gefestigte Vorurteile, nein Weltbilder von schlichtem „Gut und Böse“ zu pflegen, so haben die Tage Struktur, und das ist wichtig für eine solide Lebenslüge.
      Auf weitere Einlassungen werde ich nicht mehr antworten, zumal zu Vermuten steht, das Sie doch wieder meinen Text mit Ihnen genehmen Einlassungen abändern.

      Mit ….. Grüßen

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    4. "Dummheit ist nicht strafbar."

      Wieso habe ich das Gefühl, dass Sie unter Dummheit jede von Ihrer eigenen abweichende Meinung verstehen, und insgeheim bedauern, dass Meinungsfreiheit herrscht?

      "Wikipedia-Links sind nicht immer hilfreich [...] Aber das sind natürlich alles VT."

      Pegida krakeelt von der Lügenpresse, Sie raunen von einem neoliberalen Ruch der Wikipedia. Beides zeugt von einem gewissen Unwillen, über Fakten zu reden. Glauben Sie ernsthaft, dass in Srebrenica kein Massaker stattgefunden hat, Saddam Hussein nur aus Versehen und Kuwait einmarschiert ist, und dass die Taliban Feministen sind?

      "Ich habe absolut kein Interesse daran mit Ihnen in einen ausschweifenden und dazu noch völlig sinnlosen Dialog über den Sinn und die moralische Rechtfertigung von Kriegen zu treten."

      Stattdessen halten Sie einen ausschweifenden Monolog voller Unterstellungen, Beleidigungen und Gewaltfantasien. Schade. Ein offener Dialog darüber, wie man den drohenden Massenmord an 7000 Zivilisten im Sindschar-Gebirge hätte verhindern können, ohne Daesh gewaltsam zu stoppen hätte ich spannend gefunden.

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    5. Ich will dazu tatsächlich nichts mehr sagen, möchte abschließend Ihnen, Tantal, dazu einen Link posten, mit der Bitte, das dort Geschriebene zu überdenken.

      Es wird Ihre Frage und Ihren Diskussionsbedarf nicht befriedigen, es wird Ihnen aber vielleicht dabei behilflich sein, zu verstehen, warum ich beim Thema Krieg / Rechtfertigung von Kriegen, so und nicht anderes reagiere und immer reagieren werde.

      http://ad-sinistram.blogspot.com/2016/01/traumanovelle.html

      "Ad Sinistram ist hier auch verlinkt, im Blogroll. Daher denke ich, das Hr. Rose, als Blogeigentümer keine Einwände äußern wird.

      Danke

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    6. @Tantal

      Bitte bei den Details bleiben! Niemand hat bezweifelt, dass Saddam Hussein in den Kuwait einmarschiert ist! Oder dass es in Srebrenica kein Massaker gab. Es geht um die Lügen, die uns aufgetischt wurden, um den Krieg der euphemistisch als "humanitäre Intervention" bezeichnet wurde, zu rechtfertigen! Nämlich genau NUR darum, dass Scharping gesagt hatte, dass es in Serbien KZ´s gäbe und dass Hussein Atomwaffen/Massenvernichtungswaffen haben würde sowie Babys aus Brutkästen reißt. Wenn die Kriege...sorry, die "humanitären Einsätze" alle so absolut unabwendbar und notwendig seien, warum muss man uns dann belügen, hm? Und das immer und immer wieder?

      Davon abgesehen, haben Sie mal überlegt, warum in manche Krisenrgionen eingegriffen wird und in anderen gar nicht? Überall auf der Welt sind Kriege, Unruhen, Massenmorde. Ständig. Afrika wird zum großen Teil komplett links liegen gelassen, obwohl durch die Kongo-Kriege mehrere Millionen Menschen abgeschlachtet wurden. Auch beim Völkermord in Ruanda hat die tolle westliche Welt nur zugeschaut. Warum wohl, hm? Und warum wird überall da eingegriffen, wo es etwas "zu holen" gibt? Rohstoffe, Transportwege, militärisch günstige Lage etc.?

      Ganz ehrlich, wer heute noch glaubt, Kriege werden geführt, weil sie der "Menschheit dienen" oder um menschliches Elend zu verhindern, der ist wirklich naiv.

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    7. @ epikur

      "Bitte bei den Details bleiben! Niemand hat bezweifelt, dass Saddam Hussein in den Kuwait einmarschiert ist! Oder dass es in Srebrenica kein Massaker gab."

      Das sehe ich anders. Was sonst als ein in Zweifel ziehen ist das Gerede vom neoliberalen Ruchs der Wikipedia von 'Alles nur Satire'?

      "Es geht um die Lügen, die uns aufgetischt wurden, um den Krieg der euphemistisch als "humanitäre Intervention" bezeichnet wurde, zu rechtfertigen!"

      In diesen "Lügen" steckt allerdings mehr als nur ein Körnchen Wahrheit. Scharping hat mit seinem KZ-Kommentar heillos übertrieben, aber Srebrenica ist ein deutliches Beispiel dafür, dass in den Jugoslawienkriegen tatsächlich ethnisch motivierte Massenmorde stattgefunden haben. Saddam's Truppen haben keine Babies aus Brutkästen gerissen, aber waren nichts desto trotz dabei Kuwait zu plündern, nachdem die Hälfe der Kuwaitis vor den Irakern aus ihrer Heimat geflüchtet waren. Saddam HATTE übrigens Massenvernichtungswaffen und hat diese auch gegen die eigene Bevölkerung eingesetzt. Allerdings nicht mehr zu dem Zeitpunkt, als Rumsfeld vor den Vereinten Nationen gesprochen hat. Und die Taliban, die übrigens diese Woche erst über 20 Studenten in Pakistan ermordet haben, haben eines der frauenfeindlichsten Regime der Welt betrieben.

      "Auch beim Völkermord in Ruanda hat die tolle westliche Welt nur zugeschaut."

      Genau das nervt mich. Greift der Westen ein und hindert Daesh daran Jesiden abzuschlachten, geht es nur darum sich Rohstoffe und Transportwege unter den Nagel zu reißen. Greift der Westen nicht ein, wird auch fleißig kritisiert. Damned if you do, damned if you don't.

      "...ist wirklich naiv."

      Wer glaubt, dass JEDER Militäreinsatz nur dazu dient, sich was "zu holen" ist nicht minder naiv. In Afghanistan und Jugoslavien war nichts zu holen, und das irakische Öl hätte man einfacher haben können. Immer die gleiche monokausale Erklärung für jeden Konflikt zu verwenden greift zu kurz.

      Zum Abschluß auch an dich die Frage: 7000 unschuldige Zivilisten ohne Nahrung und Wasser sind im Gebirge eingeschlossen und drohen von religiösen Fanatikern ermordet zu werden. Was tun? Nichts, wie in Ruanda? Eingreifen, wie man es getan hat?

      @Alles nur Satire

      Sicherlich ein interessanter Text, der mich aber eher ratlos zurücklässt. Hier wie dort fehlt mir ein konkreter Vorschlag, was man sich eigentlich statt des Kritisierten wünscht.

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  4. Auf den Punkt gebracht!

    Den Vorschlag von "Alles nur Satire" unterschreibe ich sofort! "Mir geht dieses sinnlose und ekelhafte Rechtfertigungsgestammel zum Krieg meiner Zeitgenossen immer mehr auf die Nerven." Volle Zustimmung! Es ist vor allem extrem realitätsfremd. Zuhause bequem auf der Couch lümmeln, mit dem smartphone in facebook und/oder twitter rumpöbeln und/oder sich an shitstorms beteiligen und dann in Ruhe "Call of Duty" zocken und böse Islamisten und Terroristen abknallen. Viele haben wikrlich absolut keine Ahnung oder zumindest eine Vorstellung davon, was es heißt, in einem Krieg zu leben, auf der Flucht zu sein, Freunde und Familienmitglieder durch Bomben zu verlieren, keinerlei Empathie für das Leiden mehr usw.

    Aber dann mit völlig halbseidenden "Argumenten" zu versuchen einen Krieg zu rechtfertigen. Wie war das noch damals? In Serbien hat es KZ´s gegeben, laut Scharping. Im Irak gab es Massenvernichtungswaffen und Hussein ließ Babys aus Brutkästen reißen. In Afghanistan habe man für Frauenrechte gekämpft. Alles Lügen! Ich habe absolut keinen Zweifel, dass das was uns über die Ukraine-Krise und jetzt über Syrien erzählt wird, nicht auch voller Lügen steckt. In diesem Sinne: Krieg kann niemals die Lösung sein!

    Der militärisch-indstrielle Komplex hingegen (nicht nur in den USA) will und braucht Kriege. irgendwo müssen ja die Waffen getestet und alte "abgeworfen" werden, nicht wahr? Dieser Aspekt kommt mir, auch in linken Kreisen häufig viel zu kurz. Denn hier geht es um Milliarden-Geschäfte. Gutes Buch zum Thema ist "Waffenhandel" von Andrew Feinstein. Er hat beispielsweise akribisch dargelegt, dass alle (!!) großen Rüstungskonzerne im Zweiten Weltkrieg gegen einen Frieden waren.

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    1. https://en.wikipedia.org/wiki/Srebrenica_massacre

      https://en.wikipedia.org/wiki/Invasion_of_Kuwait
      https://en.wikipedia.org/wiki/Human_rights_in_Saddam_Hussein's_Iraq

      https://en.wikipedia.org/wiki/Taliban_treatment_of_women

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