Sonntag, 24. September 2017

Passt!


Nicht immer, aber manchmal braucht man in der Tat nur Wikipedia zu zitieren. 1980 gab der damalige Kanzler Schmidt angesichts von Gruppierungen wie der Wehrsportgruppe Hoffmann, einer wieder erstarkenden NPD und Neugründungen wie der FAP die so genannte SINUS-Studie zum Rechtsextremismus in Auftrag. Dazu wurden 7.000 wahlberechtigte Westdeutsche befragt. Die Ergebnisse:

"13 oder mehr Prozent der west-deutschen Bevölkerung [verfügten] über ein »geschlossenes rechtsextremes Weltbild« [...]. Etwa jeder zweite in dieser Gruppe befand auch Gewalt als ein probates Mittel, um dieses durchzusetzen. Weitere 37 Prozent seien zwar gegen Antisemitismus, Militarismus und Führerkult immun, aber seien dennoch empfänglich für »rechtsextreme Denkinhalte«. Insbesondere die Konservativen hätten rechtsradikales Gedankengut »salonfähig« gemacht. [Anm. d. Verf.: Hört, hört!]"

13 oder mehr Prozent also. Habe ich heute Abend doch schon mal irgendwo gesehen. Wo war das doch gleich? Ach da war's:


Und da auch:


Übrigens: Wie hat man damals eigentlich Rechtextremismus definiert? So:

"Die Sinus-Studie hat sechs Komponenten betrachtet, die zusammengenommen ein rechtsextremes Einstellungsmuster ergäben:
  • Autoritarismus, d.h. die Bereitschaft, sich freiwillig einem Stärkeren zu unterwerfen 
  • Nationalismus, d.h. die Überbetonung der eigenen Nation und die Abwertung anderer 
  • Fremdenfeindlichkeit, d.h. die Abwertung, Benachteiligung, Ausgrenzung anderer Ethnien 
  • Wohlstandschauvinismus, d.h. die Diskriminierung von Menschen aus sozioökonomischen Motiven 
  • Antisemitismus, d.h. Feindseligkeit gegenüber Jüdinnen und Juden
  • Pronazismus, d.h. Verharmlosung oder Rechtfertigung des Nationalsozialismus"

Wenn man mit der Komponente 'Antisemitismus' mal großzügig ist, kommt auch das knapp vierzig Jahre später noch ziemlich genau hin. (Man bedenke: Man schrieb das Jahr 1980 in Westdeutschland. Die Mauer stand noch, die Realeinkommen stiegen noch, wenn auch langsamer, an den Grenzen wurde kontrolliert, dass es eine Art hatte, es herrschten einigermaßen stabile Verhältnisse.) Nichts wirklich Neues unter der Sonne also. Nun ja, vielleicht doch: Bei der AfD kommt Rechtsextremismus nicht mehr in Gestalt intellektuell Herausgeforderter a'la NPD daher, die bei ihren öffentlichen Auftritten kaum einen geraden Satz auf die Kette bekommen und auch sonst kaum eine Gelegenheit auslassen, sich zuverlässig zum Obst zu machen, sondern in der Maske des braven, honorigen Kleinbürgers.



Kommentare :

  1. Nur 13 Prozent? Schön wärs! Der Anteil ist nach Jahrzehntelangem Neoliberalismus deutlich höher. Und du begehst (einmal mehr) den Fehler, das alleine an der AfD festzumachen. Denn wo waren diese geächteten AfD-Wähler denn vorher? Auf dem Mars...!? Was haben sie vorher gewählt - und war das dort dann besser, weil es in der "Mitte" war? Gibt es vielleicht auch unter denen, die trotzdem Union, SPD, FDP und Grüne gewählt haben nicht immer noch mehr als genügend originär "Rechtsextreme"? Aber die können das ja dann doch wieder nicht sein, wenn man stur am Rechts-Mitte-Links-Narrativ festhält und dabei ausblendet, wie weit die "Mitte" in den vergangenen Jahrzehnten inhaltlich(!) zweifelsfrei nach Rechts gerückt ist. Und da sollte man sich grade nicht von progressiven Blendgranaten wie (Neoliberalismuskompatiblen) "Feminismus" und Homoehe blenden lassen. Da muss sich sowas wie eine AfD dann halt schon besonders anstrengen, um da noch irgendwie hervorzustechen.

    Einmal mehr läuft hier von Seiten der "Mitte" das Programm: "Haltet den Dieb". Dabei ist das eine einzige kriminelle Vereinigung; Hütchenspieler und ihre Komplizen, die die Opfer zum Mitspielen animieren sollen...

    Denn ich persönlich betrachte die SPD (die Hartz IV und inkl. Totalsanktionen eingeführt hat) und Union daher ebenfalls als Rechtsradikal. Wer es als selbstverständlich und rechtmäßig erachtet, einem Menschen das Existenzminimum zu streichen, weil er nicht brav Männchen macht und Stöckchen holt: Ist ein faschistisches Arschloch! Und daran ändert auch ein Kreuz bei der SPD oder der Union nix!

    Die in der "Mitte" unterscheiden sich doch nur marginal von der AfD. Die AfD hat nur noch nicht geschnallt, dass ihre nicht minder neoliberale und menschenfeindliche Politik sich mit billigem Menschenmaterial aus dem Ausland viel besser umsetzen ließe!

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    1. Jop, alles Faschos, außer Dennis82 und seinen drei aufrechten Genossen - so einfach ist die Welt. Dein Beitrag ist ein schönes Beispiel dafür, wieso die Linke auch weiterhin gesellschaftlich komplett irrelevant bleiben wird und die 'Mitte' auch weiterhin ruhig wird schlafen können. Aber egal, Hauptsache, die Gesinnung bleibt sauber...

      Weißt du, Dennis, ich finde das ja lustig. Alle paar Monate kommst du bei diversen Blogs angeschissen, laichst dort passiv-aggressiv und in hochtrabendem Belehrungstonfall deine ideologischen Simpelpredigten ab und jammerst hinterher dann rum, wieso keiner mit einem Großdenker wie dir diskutieren will und wie arrogant alle doch zu dir sind.

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    2. @Stefan Rose – dass die Zerschlagung es Sozialstaats zugunsten von Hartz4 keine linke, sondern rechte Politik ist, und zwar in Extremform – wirst du nicht im Ernst bestreiten. In diesem Punkt ist Dennis82 also zuzustimmen.

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    3. Dass die so genannte 'Agenda 2010' keine linke Politik ist, lässt sich auch schwer bestreiten. Sie wäre auch relativ leicht wieder korrigierbar, wenn der entsprechende politische Wille da wäre. Sie aber als rechtsextrem zu bezeichnen und damit auf eine Stufe zu stellen mit völkisch-rassistischer Politik, ist in jeder Hinsicht maßlos und bringt keine Debatte irgendwie weiter.

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    4. Das ist nicht ganz richtig @Stefan Rose. Dazu sollte man sich das Verhältnis zwischen Himmlers Esoterik und der Ideologie der Sachlichkeit eines Otto Adolf Eichmanns in ihrer Kombination etwas genauer ansehen, um erkennen zu können, wie Menschenverachtung bzw. auch ökonomische Entfremdung von Menschen entstehen kann. Aus humaner wie sozialer Sicht, ist die Agenda rechtsextrem. Da gibt's nix zu beschönigen. Schon ihre Systemtheorie, ist diesbezüglich jenseits von Gut und Böse. Verharmlosung, hilft uns da nicht weiter.

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    5. Auch der Begriff; "human ressources", (wenn damit die Agenda auch nur indirekt zu tun hat), ist nicht geeigent für rhetorische Nonchalance mit fliessenden Übergängen zur Normalität. (Denn genau das, ist dabei passiert)

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    6. Recht gebe ich dir allerdings, dass sie leicht wieder korrigierbar wäre. "Wäre". Die Frage bleibt trotzdem dabei, - warum macht jeder so einen Bogen darum, - und macht es nicht?

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    7. Ganz einfach. Weil's nicht nötig ist. Man macht so einen Bogen darum, weil im Noch-Bundestag alle außer der Linkspartei und einzelnen Abgeordneten aus anderen Fraktionen die 'Agenda 2010' für insgesamt ziemlich gelungen halten und das wohl auch für eine Mehrheit der Bevölkerung gilt. Mit freundlicher Unterstützung des Großteils der Medien, versteht sich. Nicht schön, der Gedanke, aber ist so.
      Vor allem der Teil der 'Agenda' mit Hartz IV ist geprägt von Neoliberalismus, reflektiert ein autoriäres Staatsverständnis, basiert auf komplett falschen Grundannahmen (es gibt im Prinzip genügend Jobs für alle, den Arbeitslosen muss halt nur Druck gemacht werden) und lässt reichlich Raum für Behördenwillkür (daher die zahllosen Klagen).
      Aber rechtsextrem ist nun mal was anderes. Was, das lässt sich übrigens oben noch einmal nachlesen. Alles andere ist, pardon, esoterisches Geschwurbel und wer in diesem Zusammenhang allen Ernstes Eichmann und Himmler bemüht, hat aus meiner Sicht einen an der Waffel.

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    8. Sorry, - klingt für mich zu nochchalant. Du hast ja vollkommen recht, -aber das ist das Problem. Du normalisierst mit deiner Nonchalance das Schlechte. Was soll das werden, der Gedanke" Nicht schön, -aber ist so". Natürlich ist es so, - aber das ist das Problem". Und eine Entfremdung von Menschen, - ist im Sinne der Separation der Rechten immer rechts, - und je technokratischer das wird, - ist es auch rechtsextrem. Wie weit willst du das extrem noch so weit von den Menschen entfernen, - bis es ganz weit weg davon ist? Das esoterische Geschwurbel ist bereits schon durch alle Facetten jeder erdenklichen Realität einer auch nur annähernd noch erdenklichen Ernsthaftigkeit
      gezogen, die du jetzt nicht versuchen musst gerade zu biegen, -also komm einfach zurück auf den Teppich. Deine Waffel ist deine ganz eigene Arroganz der Gewohnheit ans Gewohnte, die dann zur Normalität wird.

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    9. Ach ja, Arroganz - der Gratisanwurf, wenn man nicht mehr weiter weiß. Plus Unterstellungen natürlich. Ich bemühe mich um eine halbwegs präzise Schilderung des Status Quo, den ich deswegen keineswegs gutheißen muss, ebensowenig wie die Tatsache, dass unsereins eine Minderheitenposition vertritt. Ferner halte ich es erstens nicht für zielführend, sich darüber irgendwelche Illusionen zu machen und zweitens mit schiefen, maßlosen Analogien zu hantieren.
      Das, was du mir so vorwirfst, ließe sich übrigens auch sehr schön gegen dich richten (nicht auf dem Teppich sein z.B.). Ach ja, kompliziert klingende, verschwurbelt und 'kreativ' klingende Sprache ist von jeher ein probates Mittel, Mangel an geistigem Gehalt zu kaschieren.

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    10. Wenn ich für dich einen an der Waffel habe, - ok. Sagen wir "Patt". Und? Ist dabei irgendwas gewonnen, - du Meisterdemokrat du. Boooah. Unter dem Gesichtspunkt, - kann man das alles vergessen.

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    11. Wer hat denn mit den Beleidigungen angefangen, - du Witzbold? Merken wir was?

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    12. Elmar, ich kann nicht sagen, dass ich stolz darauf bin, hier ein wenig ausgerastet zu sein, ich mag auch nicht urteilen, wer letztlich angefangen hat oder schuld ist (ist nach Paule Watzlawick eh schwierig). Nur ist mir eben angesichts des Verlaufes der Debatte hier schlicht der Sack geplatzt: Ich verweise auf eine Studie, die schon 1980 ergeben hat, dass Rechtsextremismus (wofür ich die zugrunde liegende Definition gleich mitliefere) weiß Gott nichts Neues ist und es auch für Ex-Westdeutsche keinen Grund zur Arroganz gibt. Da kann man ja unterschiedlicher Meinung sein, keine Frage. Wie man mich selbstverständlich gern darauf hinweisen darf, dass es auch andere Definitionen von Rechtsextemismus gibt.
      Statt dessen aber kommt erst mal der linke Gesinnungs-TÜV (nicht du!) hier reingeplatzt und belehrt mich in strengem Schulmeister-Tonfall über meine diversen Denkfehler und Theoriedefizite. Kann ich schon mal überhaupt nicht leiden, so was. Gibt ja auch keine drängenderen Probleme auf der Welt. Dann kommst du und haust hartnäckig in dieselbe Kerbe - und irgendwann reicht's dann mal. Wir haben selbstverständlich einen Rechtsruch draußen im Lande. Und, was macht die Linke? Geht sich wegen theoretischer Kinkerlitzchen gegenseitig an die Gurgel. Nichts Neues unter der Sonne halt...

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  2. Ich setze rechtsextrem nicht gleich mit völkisch-nationalistisch. Jeder Vergleich mit den Nazis verbietet sich in der deutschen Polit-Szene. Allerdings nehme ich Rechtsextreme wahr, in rauhen Mengen. Durchaus auch SPDler dabei.

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  3. Ich aber (zur hier verwendeten Definition von Rechtsextremismus vgl. die oben zitierten Punkte). Autoritarismus ist aber nicht gleich Rechtsextremismus und umgekehrt. Das eindimensionale Rechts-links-Schema führt hier in der Tat nicht weiter. Hilfeicher ist schon das Modell des 'Politischen Kompass.

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    1. Verstanden: du hast ein konkret anderes Verständnis vom Begriff „rechtsextrem“ als ich, und zwar quantitativ. Ok. Hier hat keiner Recht, einigen wir uns, dass wir nicht einig sind.

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    2. Darauf können wir uns gern einigen. :-)

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  4. Für alle (auch den Autor mit seiner SINUS-Studie) mal einen historischen Vergleich:

    "Noch ist keiner auf die Idee gekommen, die Lage der Deutschen des Jahres 1932 mit der von heute zu vergleichen, um herauszufinden, dass »die deutsche Volksseele« damals bei einer Arbeitslosigkeit von 44 Prozent der erwerbsfähigen Bevölkerung, einer Halbierung der Industrieproduktion seit 1928 bei gleichzeitiger Senkung der Löhne und Gehälter um vierzig Prozent auf erst 37,3 Prozent für die NSDAP hochgekocht war. Wie die Volksseele bei ähnlicher Lage 2017 brodelte, lässt sich gar nicht übertreiben. Noch auch brannten 1932 die Synagogen nicht wie seit 1990 bis heute die Ausländerheime, noch konnten Juden mit ihrer Kippa auf dem Kopf, anders als heute, unversehrt durch Berlin spazieren. Deutschland, zeigt Figura, war vor 1933 weniger nazistisch (und viel weniger antisemitisch) als heute. " Gremlitza in konkret 10/2016

    Die Reichstagswahl vom 6. November 1932 war die Wahl zum 7. Deutschen Reichstag. Sie war nötig geworden, weil Paul von Hindenburg den Reichstag nach einer schweren parlamentarischen Niederlage der Regierung unter Franz von Papen aufgelöst hatte. Die Wahl endete mit erheblichen Stimmenverlusten der NSDAP. Für kurze Zeit schien der Aufstieg der Partei damit gestoppt zu sein. Die Reichstagswahl am 5. März 1933 war die Wahl zum achten Deutschen Reichstag in der Weimarer Republik. Sie war die letzte Reichstagswahl, an der mehr als eine Partei teilnahm. Danach rauschte das deutsche Herrenmenschenvolk mit Hurra in die Diktatur. (Und hinterher wollte es wieder keiner gewesen sein.)

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  5. @Stefan, - bei aller Sympathie. Du kannst Rechtsextremismus nicht bequem nach Kompassen und separierbaren Punkten einfach abhaken und in Prozent aufteilen. Und selbst wenn, - der Schwachpunkt der Studien ist z.B. unbedingt der, das es sie vor 1945 nicht gegeben hat. Gebrauchen wir sie jetzt als moderaten Zeitgeist um uns zurück zu lehnen, weil es ja nur 13 Prozent sind, - die auch statisch immer gleich scheinen, - die man kategorisch jederzeit einschätzen kann, ohne jede gleitendem Übergänge, ohne jede Vorentwicklungen, ohne Geschichte, -indem man sie trotzdem nach den klischeeisierbarsten Punkten der Geschichte betrachtet? Was soll das werden? Wieso geht dann z.B. auch das Gehampel mit "linksextrem" nicht genauso? Was ist linksextrem? Nach Meinung der Neoliberalen, - die Linke. Meine Güte, die ist gerade mal so links, wie die Sozen vor zwanzig Jahren. Wieso haben die also keine solchen abhackbaren Kategorien? Gibt es Studien darüber, - was linksextrem ist? Du glaubst auch nicht wirklich, wie viel deutlich sich bekennende Rechte, - Merkel für linksradikal halten. Oder anders gefragt, - was ist z.B. mit Sarrazin, - welche Kriterien erfüllt der für dich, - um rechtsextrem zu sein. Ist er es? Für mich ja. Ich definiere das nämlich nach einer Form von Menschenverachtung- die ich nicht einfach so in nonchalanten Kriterien des Klischees abhacke, - und im Ernst, - ich fand ihn extrem, - und rechts. Sorry, da bin ich extrem, -was ich aber besser finde, wie der extreme Hang dazu, einfach zu übersehen, wie sich Dinge schleichend normalisieren und dann einem uralten Prinzip folgend, - welches ich die Dynamik des Schrägen nenne, - immer das nächst Schlimmere, was "immer" auf dem normalisierten Schlimmen folgt, wenn die Richtung nicht verändert wird, immer als Maßstab zu nehmen, - nach dem man das Vorherige bequem per abhakbaren Kategorien einfach so aussortiert, wie du das hier machst. Natürlich ist das Rechts-links Schema eindimensional, das Problem ist, ich kann nicht sehen, dass du das irgendwie besser machst.

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    1. Vergiss das mit dem Punkt vor 1945, der Altautonome hat das schon gebracht. (War einfach zeitgleich geschrieben)

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  6. Das Problem bei der Debatte ist wohl die unterschiedliche Sichtweise und Definition darüber, was rechts, rechtsextrem und/oder faschistisch sei. Für mich ist schon lange klar, dass rechts eben nicht nur völkisch-nationalsitisch und/oder ausländerfeindlich bedeutet und das faschistisch eben nicht ausschließlich bedeutet, gegen Juden, Flüchtlinge oder beispielsweise Türken zu sein, sondern der Kern ist und bleibt die Menschenverachtung! In all ihren Formen und Ausprägungen! Genau das ist doch der elementare Gegensatz gegenüber linker Politik und Denkweise. Und nein, lieber Stefan Rose, daraus entsteht dann keine große Definitionssuppe. Wer im Kern Menschen entwertet, erniedrigt, verachtet und ausgrenzt, ist ein rechtes Arschloch! Punkt.

    Und genau hier muss ich Dennis82 vollumfänglich zustimmen! Seit Jahrzehnten wird in Deutschland in sehr vielen Familien, der Verwandtschaft, der Stammkneipe oder im Schrebergarten das gedacht und gesagt, was heute auf Facebook steht oder die AfD formuliert. Das ist kein "neues Phänomen" und das sind auch keine paar Frust- oder Wutbürger, das ist die Mitte, wie sie leibt und lebt!

    "Ich habe ja nichts gegen Ausländer, aber..."
    "Der Türke bei uns im Haus ist ja ganz anders. Er grüßt immer ganz nett."
    "Benehmen die sich Zuhause in ihrem Land etwa auch so?"
    "Die bekommen doch nur so viele Kinder, weil die Kindergeld absahnen wollen!"
    "Die Ausländer kommen alle nur nach Deutschland weil sie Hartz4 wollen!"

    Und so weiter und so fort. Das ist nicht AfD-Wählerdenke, sondern Mitte-Michel-Biedermeier-Allgemeingut seit Jahrzehnten! Nur jetzt trauen sie sich eben mehr aus ihren Löchern raus.

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    1. Epikur, das ist ein auf den ersten Blick einleuchtendes, aber gefährlich simples Weltbild, das der Komplexität der Welt nicht im Geringsten gerecht wird und (sicher aus besten Absichten heraus) geradewegs in den autoritär-totalitären Sozialismus führen kann. Wenn allein Menschenverachtung der Maßstab sein soll, mithin jeder Mensch, der andere Menschen u.a. ausgrenzt und verachtet, schon ein "rechtes Arschloch" ist, wird es ungemütlich. Was ist dann jemand, der "rechte Arschlöcher" ausgrenzt und verachtet? Auf welcher Grundlage wird entschieden, wer rechts ist und wer nicht? Lässt du dabei nur deine eigene Definition von "rechtes Arschloch" gelten oder bist du da flexibel?
      Ich kenne derartigen Alltagsrassismus auch und finde ihn scheiße. Aber ich weigere mich, jeden, dem mal so ein Spruch rausrutscht, deswegen gleich zum Nazi zu stempeln. Allein, weil mir die Gefahr zu groß ist, mich mithilfe einfacher Schwarz-weiß-Schubladen auf Kosten anderer zum moralisch höherstehenden Menschen zu stilisieren. Du kannst mir jetzt sehr gern den Versuch der Relativierung vorwerfen. Oder dass ich Faschismus per Zerreden verharmlosen will. Dann würde ich dir allerdings vorhalten, dich zu weigern, sprachlich mal etwas genauer hinzusehen.

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    2. @Stefan Das ist jetzt nicht fair, denn das ist ein Punkt den wir alle kennen. Wir wissen alle, dass rechts genauso in unglaublich kaltschnäuziger Technokratie enden kann, - wie links. Darum denken wir ja nicht eindimensinonal sondern wehren uns gegen den Klischeebetrieb. Wir schauen in Richtungen, - wo es sich hin bewegt. Dafür sind wir blogger. Ich dachte, du wüsstes das. Deshalb erschreckt mich deine Reaktion auf Dennis82 ja so, und eben auch dieses Handling mit diesen Studien.

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    3. Wieso nicht fair? Die Frage lässt sich nicht so leicht abschütteln, das ist wahr. Aber unfair? Pardon, aber die Art, mit der du das wegwischt, finde wiederum ich ein wenig arg nonchalant.
      Meine Reaktion auf Dennis82 finde ich im Übrigen völlig angemessen. Wer mich hier autoritär anpatzt, links oder nicht, muss damit rechnen, eine entsprechende Antwort zu bekommen. Wald rein und raus und so.
      Und was mein "Handling mit den Studien" angeht: Ich habe eine Studie angeführt, die aus meiner Sicht nahelegt, dass es keinerlei Gründe gibt, jetzt entsetzt zu sein, als seien die 13 Prozent für die AfD vom Himmel gefallen. Um mehr ging es eigentlich nicht.

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  7. Stefan: Zu Deinem letzten Satz las ich gerade einen guten Text von Ulla Jelpke (DO):

    https://www.jungewelt.de/artikel/318997.steigb%C3%BCgelhalter.html


    Die 13 % hatten einen multifaktorellen Vorlauf mit politischer Unterstützung der SPD.

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  8. Ich würde das eher mit den Jahren 88/89 (REP , DVU, etc., damals gab es ja auch eine "Flüchtlingskrise") ff. vergleichen. Guck an, die Kinder der damaligen Jungwähler wählen also entsprechend ihrer Eltern.

    Wer hätte das in einem Stammwählerland, wie Deutschland wohl erwartet? Ich, z. B.!

    Revolutiönchen wird es in Deutschland leider nur von rechts geben können.

    Ich frag mich immer, was aus diesem immer so viel beschworenen Linksruck der letzten 30 Jahre geworden ist? Wohl eher ein Häufchen Elend.

    Bei dem "Gespenst" der AFD ist doch schon abzusehen, dass sie sich nicht einig werden und daher innerpateiliche Querelen zur Zersplitterung führen werden und damit der rechte Dorn im Fleisch der angeblich linken Parteien wohl alles andere als ein Dorn sein wird. Im nächsten Jahr wird das vielleicht noch reichen, um rechte Positionen durchzuboxen, sofern sie als Partei denn auch aktiv sind. In vielen Landesparlamenten hört man ja, dass die parlamentarische Aktivität wohl nicht besonders hoch ist und es dann eher um tagespolitisch nicht relevante Einwürfe geht. Die Frage bleibt jedoch, wie entwickelt sich das und was kommt danach? Autokratie und Feudalismus sind derzeit wieder groß in Mode. Offenbar ist an der Wiedergeburt mehr dran, als man denken mag.

    Was wird wohl in Frankreich passieren, wenn Macron jetzt sein Hartz IV umgesetzt hat? Im übrigen finde ich es ziemlich vermessen, einen Staat im jahrelangen, permanenten Ausnahmezustand überhaupt als Demokratie zu bezeichnen, gerade wenn es mal die Wiege der Demokratie in Europa war. Das ist nur Orbanität und PISität mit anderen Mitteln, sozusagen die Erdoganiserung des Morgenlandes.

    Die Demokratie ist letztlich gescheitert, an ihrem Volk, dass da nie Bock darauf gehabt hat (es sei denn, unmittelbare, persönliche Vorteile waren bzw. sind damit verknüpft), einer Wirtschaft, die feudalistische Strukturen seit eh und jeh verfolgt (je angeblich flacher die Hierarchie, desto größer der König, desto ausgelassener die Hofstaatenfeste), einer Politik, die sich als Galionsfigur der Wirtschaft gefällt und damit einhergehend, komplett ausgehöhlter Säulen der Demokratie.

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