Freitag, 6. Februar 2026

Inhaltlich blank


"Die Friedhöfe der Welt sind voll von Leuten, die sich für unentbehrlich hielten." (Georges Clemenceau)

Nicht unbeträchtliche Teile Deutschlands erinnern in diesen Zeiten an einen älteren, langjährigen Mitarbeiter eines kriselnden Traditionsunternehmens, der sich angesichts einer Entlassungswelle einredet, ihm werde schon nichts passieren, der neumodische Kram ihn schon nicht betreffen, überdies habe er doch so viel geleistet, sei doch schon so lange dabei, sie könnten ihm gar nichts, sollen sie doch kommen und überhaupt. Der parlamentarische Arm dieses Denkens hört auf den Namen CDU.

Immer, wenn sie bei der Union merken, dass sie argumentativ und inhaltlich absolut blank dastehen, was in letzter Zeit offenbar in immer kürzeren Abständen passiert, schalten sie in den Kulturkampf-Modus. Momentan haben das Stadtbild verschandelnde Migranten und in ihren sozialen Hängematten lungernde Bürgergeld-Bärenhäuter mal kurz Pause, dafür sind jetzt Arbeitnehmer:innen dran. Work-life-Minderleister! Faule Teilzeit-Bande! All diese Anwürfe haben zwei Dinge gemeinsam: Sie halten keinerlei empirischen Überprüfung stand und sie beträfen jeweils nur eine kleine Minderheit, um die maximaler Lärm gemacht wird. So wie angeblich die Volkswirtschaft abwürgenden 'Totalverweigerer', sind auch diejenigen, die nicht aus Gründen (Kindererziehung, Pflege von Angehörigen) schon jetzt ein gesetzliches Recht auf Teilzeit haben, vergleichsweise wenige.

Dass es überdies vielleicht ein wenig kontraproduktiv, ja deppert ist, in Zeiten, in denen die Arbeitslosigkeit wieder kräftig steigt, Arbeitnehmer:innen dazu schurigeln zu wollen, mehr Stunden zu kloppen (weil mehr Arbeit bekanntlich auch immer produktiver ist), kann man Zehnjährigen erklären. Wo sollen die Jobs herkommen, die die faulen Säcke gefälligst annehmen sollen? Dass die Idee, gesetzlich Versicherte ihre Zahnbehandlungen, wozu auch Prophylaxe gehörte, selbst zahlen zu lassen, vielleicht kurzfristig Einsparungen bringen mag, mittel- und langfristig aber vieles teurer machen dürfte, ebenfalls.

Ach was red ich! Küppersbusch, übernehmen Sie…


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Abgesehen davon, dass es autoritäre Zwangscharaktere natürlich immer freut, wenn es heißt: Peitsche statt Zuckerbrot, so lange es nur andere, vorzugsweise schlechter gestellte trifft, wird derlei dumm Tüch natürlich nicht verbreitet, weil es auch nur ansatzweise Sinn ergibt. Es geht allein um die Drohkulisse und um die Machtdemonstration. Bilde dir bloß nicht ein, Arbeitnehmer:in, du könntest es dir hier einfach so zu gut gehen lassen! Und so lange sich alle über derlei Vorstöße aufregen, regt sich auch niemand über andere Fehlleistungen auf.

Welche Fehlleistungen? Nun, ich fühle mich ja schon ein wenig bestätigt. Als letztes Jahr die 'Ampel' auseinanderfiel, dachte ich: Man wird ihr vielleicht nicht unbedingt hinterhertrauern, aber sehr schnell feststellen, dass sie deutlich besser war als ihr Ruf und das Bild, das von ihr gezeichnet wurde. Das mit Abstand sicherste Indiz dafür, dass die momentane Bundesregierung absolut nichts auf die Reihe bekommt, ist die Tatsache, dass Markus Söder nicht von der Seitenlinie rumpöbelt, sondern sich ruhig und geradezu staatstragend verhält. Weil die Regierung es ganz allein und ohne sein Zutun schafft, sich zum Gemüse zu machen. Fritze Merz und Gaskathi Reiche haben es nach weniger als einem Jahr geschafft, noch unbeliebter zu sein als die Ampel, und das ohne eine knieschießende FDP in den eigenen Reihen. Reiche unterschreitet sogar Habecks Unbeliebtheits-Highscore, und das, obwohl Springer und Nius sie im Vergleich zu ihrem Vorgänger mit Samthandschuhen anfassen.

"Jede zukunftstaugliche Branche abwürgen, klimaschädliches Verhalten subventionieren (Flugbenzin, Pendlerpauschale, Dienstwagenprivileg) auf Kohle/Gas/Öl setzen und eine massive Abhängigkeit zum faschistischen Staat USA ausbauen." (Tammox)


Fun fact: China und Indien, die beiden bevölkerungsreichsten Länder des Planeten, wenden sich von fossiler Energie ab und setzen voll auf erneuerbare Energien. Sind auch bestimmt alles linksgrüne Spinner, die schon sehen werden, was sie davon haben.



Der Chef der in Berlin residierenden Regierung jedenfalls nimmt bekanntlich für sich in Anspruch, besonders wirtschaftskompetent zu sein. Diese Regierung hat, nachdem sie noch bis zum Wahltag jegliche Forderung nach Neuverschuldung vehement bekämpfte, durch Sondervermögen, a.k.a. Neuverschuldung 1.000 (in Worten: ein-tausend) Milliarden frisches Geld zur Verfügung. Mehr als jede andere Bundesregierung jemals zuvor. Merkt da jemand was von? Obwohl man derart im Geld schwimmt, schafft man es nicht, damit auch nur einen winzigen Wirtschaftsaufschwung anzuschieben, geschweige denn, auch nur einen Hauch von sowas wie Aufbruchsstimmung.

Die kann man in breiteren Bevölkerungsschichten nämlich nur erzeugen, wenn man ihnen glaubhaft vermittelt: Jetzt geht es auch für dich aufwärts. Stattdessen setzt man auf neoliberale Verzichts- und Zumutungsrhethorik. Sparen! Gürtel enger! Auf Bewährtes setzen. Bloß keine Experimente. Und würgt die Wirtschaft damit derart ab, dass jetzt wieder so viele Menschen arbeitslos sind wie zuletzt 2014. Ein Kunststück, das wirklich nicht jeder hinbekommt.

Selbst wenn man die Hälfte des Geldes dafür auf den Kopp haute, allen 83 Millionen Deutschen 6.000 Euro steuerfrei zu schenken, hätte man einen Wirtschaftsaufschwung. Aber das wäre ja anstrengungsloser Wohlstand. Der arbeitende Plebs soll gefälligst bluten. Meine Wette: Wenn in einigen Jahren mal analysiert wird, wo das ganze Sondervermögen geblieben ist, wird man auf sehr viele Formulierungen stoßen, die bemänteln, dass ein großer Teil irgendwo bei lobbymäßig hervorragend Vernetzten versickert sein wird. Aber ich will natürlich nicht unken.









5 Kommentare :

  1. https://de.wikipedia.org/wiki/Hesco_(Unternehmen)

    https://www.tagesschau.de/inland/innenpolitik/reiche-wirtschaftsausschuss-100.html

    Der Begriff "Integre Person" ist auf die Dame eher nicht nicht anwendbar.

    Gruß Jens

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    1. Nein, 'sympathisch' oder 'vertrauenerweckend' sind da nicht die Wörter der Wahl.

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  2. Ich (Pflegefachkraft) habe damals aus gesundheitlichen Gründen (Burnout, Depression, you name it) von Vollzeit auf 80%-Teilzeit reduziert. Ich habe dennoch auch heute noch ein dreistelliges Überstundenkonto, das ich "abbummeln" will und nicht ausbezahlt haben möchte.

    Wenn sich die Arbeitsbedingungen in der Pflege ändern würden, würde ich dann wieder zur Vollzeit wechseln? Wahrscheinlich eher nicht, denke ich, zumindest nicht im steigenden Alter. Ich merke schon bei meiner magischen "40", die bald mein Alter zieren wird, dass ich mehrere Schichtwechsel in der Woche nicht mehr ganz so flockig wegstecke wie vor zehn Jahren. Well.

    Und ja, ich bin "faul", ich arbeite, weil ich leben muss und nicht umgekehrt. Ich sehe schon im Familien- und Bekanntenkreis (und bei meinen Patienten), dass den "Boomern" das jahrelange Malochen auch nicht vom AG gedankt wird. Wer schwächelt, fliegt. Da ist egal, wenn da einer 30+ Jahre für sein Unternehmen gebrannt hat.

    Warum sich schinden lassen, damit das obere Prozentchen eine weitere Jacht finanzieren kann... ?

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  3. Ich gehöre auch zu den Boomern. Und ich suche seit ÜBER EINEM JAHR!!! einen Job und höre mir die Dauerlügerei vom Fachkräftemangel an. 115 Bewerbungen!! Und dann traut dieses elende unfähige Politikerpack sich ernsthaft, mehr Arbeit zu fordern, während gleichzeitig Leute rausgeschmissen werden oder verzweifelt suchen? Ernsthaft? Ich müßte noch ein Jahr arbeiten, dann könnte ich - natürlich mit Abschlägen - in Rente. Die Situation macht mich fertig, inzwischen kommt zu Rücken und Knie auch noch die Depression dazu. Ich hab nur noch genug...

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  4. Siewurdengelesen8. Februar 2026 um 17:06

    Selber kann ich den Vorrednern nur recht geben. Inzwischen knapp 40 im rollierenden Schichtdienst und zwar nach meinem Einschätzen und dank halbwegs vernünftiger Lebensweise noch relativ fit, aber mein Bedarf an Lohnarbeit ist für´s Leben gedeckt. Ich würde lieber heute als morgen in den Sack hauen und mich noch an ein paar Jahren Leben erfreuen.

    Aber das funktioniert doch immer nach dem Prinzip, dass die fette Sau rausgehängt wird im Sinne von völlig klar unsinnigen Forderungen und das seit der Kanzlersimulation in einer enormen Schlagzahl. Wenn dann nur die Hälfte davon durchkommt, anstatt das sämtliche Gewerkschaften und Arbeiter Sturm laufen, feiern das alle als Erfolg. Wenn die Bonzen nicht jetzt unter so einer Regierung die Daumenschrauben anzuziehen versuchen, brauchen sie es gar nicht mehr zu machen. Aber wie gesagt fehlt ja schonmal der Aufstand des SPD-Wurmfortsatzes DGB und seiner Sparten. Aber die haben ja auch unter Schröder und vorher nur geschluckt.

    Wohin die Reise gehen soll, ist doch klar:

    https://www.tagesschau.de/inland/innenpolitik/produktivitaet-forderungen-politik-100.html

    https://www.mdr.de/nachrichten/sachsen-anhalt/ministerpraesident-sven-schulze-buergergeld-forderung-100.html

    Und ein Rürup ist auch mal wieder unter seinem Stein herausgekrochen. Wenn dieses Geschmeiß etwas dahersalbadert, kann nichts Gutes nachkommen.

    https://www.cash-online.de/a/rentenreform-im-realitaetscheck-was-bert-ruerup-der-politik-zutraut-711345/

    Schön, dass der uns erklärt, warum angeblich die gesetzliche Rente nicht reicht, nachdem dank ihm und mit seinem Namen selbige mit zerlegt wurde...

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