Dienstag, 30. September 2014

Fairness für die Büttel!


Dass Asylbewerber von Angestellten privater Sicherheitsfirmen misshandelt wurden, ist widerlich und es ist verständlich, aber auch sehr einfach, da Schaum vor dem Mund zu bekommen. Vielleicht ein wenig zu einfach und man sollte sich um äußerste Fairness bemühen. Allzuleicht ist man geneigt, in den empörten Chor einiger Verantwortlicher einzustimmen und die Wachmänner als brutale, verrohte Subjekte hinzustellen. Man sollte aber, ohne sie deswegen zu Unschuldsengeln machen zu wollen, nicht vergessen, dass sie letztlich nur Büttel sind, das letzte Glied eines zynischen Systems.

Sonntag, 28. September 2014

Ich glotz' TV!


Irgendwann muss es ja raus. Wir haben schließlich alle so unsere Spleens, Macken und schwachen Seiten. Außerdem sind öffentliche Geständnisse ja sehr angesagt seit einiger Zeit. Also könnte ich zur Abwechslung auch mal was öffentlich gestehen. Und weil Sonntag ist, mache ich sogar zwei Geständnisse.

Geständnis Nummer eins: Ich besitze einen Fernseher und gucke tatsächlich noch Fernsehen. Auf dem Sofa, wie früher. Nicht dauernd, aber durchaus gern. Ich habe die Kiste nicht abgeschafft und werde es auch nicht tun. Seinen Fernseher abgeschafft zu haben, oft gepaart mit missionarisch vorgetragener Pauschalablehnung des Mediums, gilt in gebildeten Ständen ja als Zeichen besonderen Gebildetseins. Ist natürlich Quatsch, denn so ein Gepluster ist kein Zeichen von Bildung, sondern von Dünkelhaftigkeit und dafür, es aus irgendwelchen Gründen gewaltig nötig zu haben.

Samstag, 27. September 2014

It's not a bug -- it's a feature


So ziemlich alles, was es zum Thema 'Faule Arbeitslose liegen allen auf der Tasche und wollen nicht arbeiten' zu sagen gibt:

Donnerstag, 25. September 2014

Geschockte Medien wollen Rache


Letzte Woche hat der französische Präsident Francois Hollande dem 'Islamischen Staat' (IS) offiziell den Krieg erklärt. Er hat ihn bekommen. Dummerweise kämpft der IS mit seinen eigenen Waffen und nach seinen eigenen Regeln. Jetzt haben IS-Kämpfer Hervé Gourdel, einen 55jährigen Bergführer aus Südfrankreich bei einer Wanderung in der Nähe von Algier entführt und enthauptet, nachdem die französische Regierung ihre Forderung abgelehnt hatte, die Angriffe einzustellen.

Die Grande Nátion, so heißt es, stehe seitdem "unter kollektivem Schock, geeint in Trauer, Empörung, Wut.", so der SPIEGEL. "Barbarei!" ('Le Figaro'), "Verbrechen" ('Le Parisien') oder "enthauptet, weil er Franzose war", entblödet sich sogar die linksliberale 'Liberation' nicht zu meinen.

Montag, 22. September 2014

Kein Verlust


Bei der 'Süddeutschen Zeitung' darf nicht mehr kommentiert werden. Na und? 

Nach dem stern hat auch die 'Süddeutsche Zeitung' vor einiger Zeit ihre Kommentarfunktion abgeschafft und man kann nur noch zu wenigen, ausgewählten Fragen Stellung nehmen. Ich finde das - ausgesprochen erholsam. Im Falle vieler besonders breitärschig und beleidigend auftretender Zeitgenossen kann ich mir, um ehrlich zu sein, auch eine gewisse Schadenfreude nicht verkneifen. Eine Zeitung ist ein asymmetrisches Medium mit nur minimaler Interaktivität. Man liest sie, bildet sich seine Meinung und fertig. Die Möglichkeit, mit einer Zeitung irgendwie in Dialog zu treten, gab es lange nur in Form von Leserbriefen, deren Auswahl und Kürzung die Redaktionen sich vorbehielten.

Samstag, 20. September 2014

Endlich. Shoppen. Können.


Seit ein paar Jahren gibt es in Dortmund ein Einkaufszentrum namens Thier-Galerie (der Name rührt daher, dass es auf dem Gelände der ehemaligen Thier-Brauerei steht). Dortmund hat gut eine halbe Million Einwohner, in der Galerie gibt es insgesamt 117 Geschäfte. Jetzt hat auch in meiner Heimatstadt nach gut zweijähriger Bauzeit ein nicht minder klotziger Konsumtempel eröffnet. Zum Vergleich: Mein Heimatstädtchen hat gut 115.000 Einwohner und in dem neuen Shoppingghetto befinden sich nicht weniger als 120 Geschäfte. Kawumm! Die umliegenden Städte können sich warm anziehen.

Mittwoch, 17. September 2014

Scotland The Brave


Die Sicht vieler Engländer auf ihre schottischen Nachbarn im Norden lässt sich in etwa so zusammenfassen: Liebenswerte, gleichzeitig ein wenig belächelte Hinterwäldler, mit deren skurrilen Trachten und Bräuchen man sich gern schmückt, deren Whisky man schätzt, in deren malerischer Landschaft sich nicht nur die Königin gern im Sommer erholt und deren sprichwörtliche Tapferkeit im Krieg ebenfalls immer wieder willkommen ist (noch im ersten Weltkrieg hatten die schottischen Regimenter von allen britischen Einheiten die höchsten Verluste).

Sonntag, 14. September 2014

Tölen und Trottel


Immer wieder reizend, was aus Menschen wird, die so von der Menschheit enttäuscht sind, dass sie sich in eine absurde Liebe zu Tieren hineinsteigern, zum Beispiel zu Hunden. Dabei habe ich mit Hunden in der Regel kein Problem und komme mit fast allen zurecht. Gut, als ich zehn Jahre alt war, hat mich einmal ein Schäferhund, der im Park unserem Fußball hinterherjagte, versehentlich am Bein erwischt, weil das kleine Mädchen am anderen Ende der Leine nicht in der Lage war, ihn noch zu kontrollieren. Danach begegnete ich größeren Hunden ein paar Jahre lang eher reserviert, aber das ist längst überwunden. Sicher war es verantwortungslos, ein Kind einen so starken und offenbar kaum erzogenen Hund führen zu lassen, aber auf die Idee, alle Hundebesitzer deswegen über einen Kamm zu scheren, bin ich schon damals nicht gekommen.

Mittwoch, 10. September 2014

Verapplet


Immer, wenn ein Laden namens Apple irgendwelche neuen, sensationellen Produkte vorstellt, schlägt die hiesige Qualitätspresse Purzelbäume und wird nicht müde, dieselben sogleich als 'Designikonen' und 'Revolutionen' zu befeiern (bekommen die eigentlich Geld für das devote Gehuste?). Jeder, der nicht sofort in den nächsten Apple Store rennt und sich ruiniert für so ein Teil, soll sich gefälligst vorkommen wie ein Troglodyt, der das Licht mit dem Hammer ausmacht, sich von rohem Mammutfleisch ernährt und noch mit Lagerfeuer und Pferdedecke telefoniert. Das nervt weiß Gott schon genug. Aber ich kann mich arrangieren. Man stumpft ab.

Montag, 8. September 2014

Scharia, Polizei!


Es mag vielleicht nerven, aber selbstverständlich ist es im Rahmen von Religions- und Meinungsfreiheit bis zu einem gewissen Maße erlaubt, im öffentlichen Raum anderen Leuten zu erzählen, wie sie zu leben haben, wenn sie nicht in der Hölle schmoren wollen. Machen die Zeugen Jehovas so, auch wenn sie in der Öffentlichkeit normalerweise eher den Mund halten und Druckwerk sprechen lassen. Haben auch schon diese äußerst verkrampft auf locker machenden 'Jesus Freaks' bei uns auf dem Marktplatz gemacht. Alle, die es nicht wissen wollten, wurden mit per Lautsprecher brülllaut vorgetragenen Anekdoten belästigt über ihre persönlichen Begegnungen mit dem voll coolen Jesus, die ihr Leben verändert haben.

Samstag, 6. September 2014

Es wird aufgerüstet


Ja, ich habe mich lange zurück gehalten zum Thema Ukraine und mich nicht oder nur sehr sporadisch dazu geäußert. Mich überforderte das alles. Ich wusste nicht, wem ich überhaupt noch irgendetwas glauben sollte. Ich hasse das Gefühl, zu etwas bloß eine Meinung zu haben und nicht den Schimmer einer Ahnung davon. Alles schien zu verschwimmen in einer einzigen Wolke aus winzigen Details, offenkundigen Lügen und Propaganda. Ich habe nicht den kleinsten Anhaltspunkt gesehen. Eines immerhin wusste ich ziemlich genau: Den guten Westen, der nur lautere Absichten verfolgt, gibt es ebensowenig wie den bösen Kriegstreiber Putin. Mit Präsident Gaucks Rede in Danzig anlässlich des 75. Jahrestages des deutschen Überfalls auf Polen aber ist mal Schluss mit schweigen.

Dienstag, 2. September 2014

Sorge vor der AfD? Nee!


Dass sich in Deutschland unter dem Deckmantel, eurokritisch zu sein, eine in Teilen rechtspopulistische Partei wohl endgültig zu etablieren beginnt, sollte nicht weiter überraschen. Musste irgendwann passieren. Zum einen, weil von wirtschaftlich schwierigen Zeiten kaum linke, sondern meist eher rechts stehende Bewegungen profitieren - auch der Aufstieg der so genannten rechtspopulistischen Parteien fällt zeitlich nicht zufällig zusammen mit dem des politischen Neoliberalismus und seiner verheerenden Folgen. Zum anderen, weil ein gesamteuropäischer Trend, der seit den Achtzigern mehr und mehr an Bedeutung gewinnt, mit Verzögerung jetzt auch in Deutschland angekommen ist. Man kann sich fragen, warum das so lange gedauert hat.