Samstag, 29. Oktober 2016

Warum nicht mal ein Arschloch?


Könnte, so habe ich mich während dieses Jahres schon des öfteren gefragt, Freund Hein zur Abwechslung auch mal ein richtiges Arschloch zu sich holen, wenn er heuer schon so einen Bodycount hinlegt? Viele Gute hat es dieses Jahr erwischt. Jetzt Manfred Krug. Mit 79. Geht in Ordnung, kann man nicht meckern. Er selbst war's auch zufrieden, hatte sich ja schon seit längerem aus der Öffentlichkeit verabschiedet. Krug kam aus der DDR, hat sich nie verbiegen oder vereinnahmen lassen und war in vielem das, was der eitle Wolf Biermann immer so verzweifelt zu sein begehrte: Ein Künstler, ohne klischeehaft zu sein, ein Übersiedler ohne Gewese drum zu machen, ein Dissident ohne zu nerven, ein Kerl ohne ein Macho zu sein. Darüber hinaus uneitel und verdammt cool, vor allem aber: anständig. Als er einsehen musste, dass er durch seine unseligen Werbeaktivitäten für Telekom-Aktien dazu beigetragen hatte, dass viele Kleinanleger ihr Erspartes verloren, entschuldigte er sich öffentlich. Für so was brauchst du Rückgrat. Dafür liebten ihn die Menschen. Gäbe es mehr von seiner Sorte, die Welt wäre vermutlich eine bessere.

Swing auf deutsch funktioniert nicht? Funktioniert schon, es müssen nur echte Könner wie Manfred Krug und der kongeniale Günther Fischer am Werk sein:



Krug hatte im kleinen Finger, was so viele so genannte Promis nie begreifen werden, nämlich, dass Coolness absolut nichts mit Äußerlichkeiten und Moden zu tun hat, sondern zuvörderst eine Frage der Haltung ist. Kann man nicht oft genug wiederholen. Das Gespann Krug/Fischer überwarf sich übrigens kurz nach der Wiedervereinigung, als Fischers Stasi-Aktivitäten bekannt wurden. Krugs offener Brief an den einstigen Weggefährten, den Chris Kurbjuhn freundlicherweise herausgesucht hat, ist ein Lehrbuchbeispiel für die Kunst des öffentlichen Schimpfens und Freundschaftkündigens. Auch darin ein Künstler.



Kommentare :

  1. Schön gesagt. Für mich – Jahrgang 1980 - war Herr Krug ein elementarer Teil meiner Fernsehzeit in der Kindheit. Zunächst in der Sesamstraße (da hat er mit Lilo Pulver zusammen die Menschen in der Rahmenhandlung gegeben), dann „Auf Achse“ und wenn ich mal länger auf war „Liebling Kreuzberg“ (nicht dass ich das als Vorschulkind verstanden hätte, man saß halt vor der Glotze und musste schauen was die Erwachsenen wollten).

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    1. Lang ist`s her. Die Serie "Auf Achse" habe ich (wir) damals auch gerne gesehen. Zum Start der Telekomaktie kam er jedenfalls zum richtigen Zeitpunkt um diese populär zu machen und ausserdem wurde der Job gut bezahlt. Ich hab Ihn nicht persönlich für den Börsencrash verantwortlich gemacht, der hatte andere Ursachen.

      Da, schau her:
      https://de.wikipedia.org/wiki/T-Aktie

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  2. Ich hab ihn im Februar gesehen und hab mich verliebt

    http://annikahansen7.blogspot.de/2016/02/ich-bin-verliebt.html?m=0

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    1. Ja, was so ein echter Crooner ist, der vermag mit seiner Stimme Liebe zu machen.

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  3. Er war unbestreitbar ein Schauspieler mit Weltklasse; außerdem, privat, sicherlich charakterstark.

    Ich denke, er hatte außer einem guten Leben auch einen würdigen Tod.

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