Mittwoch, 28. Januar 2026

Jenseits der Blogroll - 01/2026

 
"Wenn wir zu hoffen aufhören, kommt, was wir befürchten, bestimmt." (Ernst Bloch)

Als ich Ende 2017 diese Rubrik vom Stapel und in die Welt ließ, frug ich mich noch jedes Mal: Hui, wirst du überhaupt genügend Material zusammenbekommen? Inzwischen geht einiges an Zeit dafür drauf, jede Menge wieder auszusortieren, erst recht in politisch so bewegten Zeiten wie diesen. Scheint aber gut anzukommen. Die monatliche Linksammlung bekommt  regelmäßig hohe und höchste Klickzahlen. Dieses Mal ist übrigens ungewohnt viel Feuilleton dabei. Warum? Keine Ahnung. Das nur als Vorwarnung.

Politik. Georg Diez zum Ende der Davos-Männer (hier der zitierte Aufsatz von Samuel Huntington).

"Das Freihandelsabkommen Mercosur, das seit den frühen 1990er Jahren verhandelt wurde und eine Erfindung jener Zeit und Ideologie ist, wurde als Antwort auf die Herausforderung des merkantilistischen Imperialismus von Donald Trump präsentiert -- dabei ist das Denken, das in Mercosur steckt, der Grund dafür, dass es einen US-Präsidenten Donald Trump überhaupt gibt." (Diez, a.a.O.)

Claudia Klinger mit einer Anti-Trump-Watchlist.

Wortvogel zu Trump.

"Keine diktatorische Clique kann gegen das System regieren. Und darin liegt die Gefahr von Trumps zweiter Amtszeit: das System hat sich ihm gebeugt. Wir sollten alle gelernt haben, dass er nichts auslassen wird, um seine Macht und deren Erhalt zu sichern. Sämtliche Regeln sind gebrochen und wer heute noch meint, Trump würde irgendeine rote Linie nicht überschreiten, der hat nicht aufgepasst. [...] Die Midterm-Wahlen werden aus den ganz falschen Gründen sehr spannend." (Wortvogel, a.a.O.)

(Nach Minneapolis stellt sich allerdings die Frage, ob es noch Midterm-Wahlen geben wird. Ich habe Zweifel.)

Jonas Schaible zu Maduro und Völkerrecht.

"Bisher hoffen sehr viele offensichtlich und verständlicherweise darauf, dass die USA sich noch besinnen, dass sie Europa verteidigen, wenn es nötig wird, und dass sie die Ukraine unterstützen. Außerdem sucht niemand die Konfrontation mit den USA, und die Truppen rauszuschmeißen, das wäre eine Konfrontation. [...] Nur muss man eben davon ausgehen, dass die transatlantische Verteidigungsgemeinschaft Geschichte ist, solange MAGA regiert. [...] Viele mögen denken: Uns doch egal, wenn die USA ihre Gegner angreifen. Sie haben nicht verstanden: Wer in Europa nicht von der extremen Rechten regiert wird, gehört dazu." (Schaible, a.a.O.)

Was zu Trump und Minnesota noch zu sagen ist? Mr. Pie, übernehmen Sie! (Engl.)


(Video im erweiterten Datenschutzmodus. Anklicken generiert keine Cookies.)


Für Thomas von der Osten-Sacken ist die Islamische Republik Iran ein sterbendes Regime. Hoffentlich hat er recht.

Bernd Rheinberg über die Realisten Moskaus.

Maurice Höfgen zu den Lügen der Lobby beim Thema Erbschaftssteuer. Apropos: Chris über Ungleichheit.

Warum die Reparatur der Kabelschäden in Berlin so lange gedauert hat (danke). Ist nämlich nicht so, dass man bei Hochspannungsleitungen einfach in den nächsten Baumarkt gehen und mal eben ein paar Ersatzteile besorgen kann. Respekt dafür, dass es nur vier Tage gedauert hat.

Kultur/Gesellschaft/Gedöns
. Berthold Seliger zu Ai Weiwei, so was wie dem Lieblingskünstler des deutschen bürgerlichen Föjetongs. Alice Weidel ist auch Fan.

Uwe Spiekermann über historische Fußbodenpflege im Allgemeinen und die 'Kultmarke' (brrr!) 'Wichsmädel' im Speziellen.

Christian Koller liest Mixed Martial Arts als reaktionären Code: Blut und Spiele.

Till Oliver Becker über Gil Ofarim im Dschungelcamp.

Onkel Michael zur stillen Verödung der Welt. War bereits hier verlinkt, ich würde die Reichweite gern weiter erhöhen.

Lorenz Praeger über den Mythos Tiger-Panzer. Militär.

Mehr Militär. Bret Devereux mit einer längeren Serie über griechische Hopliten (engl.). I - II - IIIa - IIIb - Intermisson - IVa - IVb. Zu gut, um schnöde unterzugehen. 

Musik. Detlef Diedrichsen mit ein paar Gedanken zu Musik und KI.

"Kunst interessiert nur eine verschwindende Minderheit. [...] Das war aber schon immer so. Seit die Musik zu einem Wirtschaftszweig geworden ist, in dem sich viel Reibach machen lässt, war -- Verzeihung -- Scheißmusik die Norm und Kunst die Abweichung. Ob diese Scheißmusik nun von Menschen oder KIs produziert wird, ist doch eigentlich herzlich egal." (Diederichsen, a.a.O.
)

Apropos Kunst: Letztens hatte ich glücklicherweise die Gelegenheit, mich einen Abend lang der Arbeit der Schwestern Katia und Marielle Labèque live und in Farbe aussetzen zu können. Nach etwas Debussy und Schuberts mächtiger f-moll-Phantasie habe ich nach der Pause zum ersten Mal bewusst Musik von Philip Glass gehört (stabiler Typ nebenbei). Genauer gesagt, eine Bearbeitung seiner Oper 'Les enfants terribles' für zwei Klaviere, womit die Damen mich ziemlich abgeholt haben. Noch am selben Abend den entsprechenden Tonträger geordert (ja, in der 'E-Musik' hört man noch CDs). Und es nicht bereut.


(Video im erweiterten Datenschutzmodus. Anklicken generiert keine Cookies.)


Sport. Fällt heute aus. 

Essen/Trinken/gut leben. Maître Klink mit einer Ehrenrettung Alfons Schuhbecks. Nun, ich kann das schon irgendwie verstehen, nur hat es einem der Fonsl auch nicht immer leicht gemacht, nicht genervt zu sein von seiner zuweilen doch arg überdrehten Geschäftstüchtigkeit. Ich sag' nur: Nudelwasser-Gewürzsalz (9,80 €/kg, derzeit nicht lieferbar).

Noch eine Ehrenrettung: Jörn Kabisch beherbergt in seinem Gasthaus auch Montagearbeiter. Und sieht sich zu einer entsprechenden solchen berufen.

Das Rezept. Nein, gleich zwei. Wenn es eine unumstößliche Küchenregel gibt, dann die, dass, Süßes ausgenommen, alles besser schmeckt, wenn man es mit Käse überbackt. (Na ja, fast. Saure Heringe z.B würden mich da schon an Grenzen bringen.) Das Ergebnis sieht zwar nicht selten aus wie ein schwerer Küchenunfall, ist aber egal, da geil, erst recht an diesen kalten Wintertagen. Und Kinder lieben es sowieso. Nachteil: Die Gefahr des heillosen Überfressens ist gleichsam systemimmanent. Zwei Beispiele seien genannt: Madame Bastians Ficelle Picarde, mit Schinken und Käse gefüllte und gratinierte Crèpes, quasi ein Croque Monsieur, bei dem Crèpes die Funktion des Weißbrots übernehmen. Und Herrn Westerhausens Kartoffel-Lauch-Zucchiniauflauf. Kann eigentlich auch nichts schiefgehen. 

Nun kann man da freilich klugscheißen, von wegen überbackene Gerichte mit Sauce nenne man Gratins, während Aufläufe gebackene Gerichte seien, die mit einer Eier-Milch-/Sahne-Mischung (Royale) übergossen, gegart und gestockt werden, auf dass sie hernach in stabile Stücke geschnitten werden können. Ein ehemaliger Arbeitskollege, gelernter Koch, schleppte da wohl ein schweres Trauma aus seiner Ausbildung mit sich herum, weil der Küchenchef damals jedem Commis eins mit der Bratpfanne verpasste, der das verwechselte. Nur sind die Übergänge halt fließend. Auf meine Frage, ob Lasagne al forno denn nun ein Auflauf sei oder ein Gratin, enthielte sie doch keine rohen Eier, werde aber im Ofen gegart und in Stücke geschnitten, wusste er auch keine Antwort. 








4 Kommentare :

  1. Guter Text vom Herrn Seliger! Den Au Wehweh bzw. sein Öwre fand ich eigentlich schon immer reichlich öde. Seit der Mann vor gut zehn Jahren seine Wohlstandsplauze auf einem Bildmotiv präsentierte, das einem Foto von einem ertrunkenen Flüchtlingskind am Strand (das Foto ging damals durch sämtliche Medien) "nachempfunden" war, finde ich den Dicken einfach nur noch widerlich.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Besonders schön auch seine Einlassungen von wegen die Deutschen seien alle Nazis, am schlimmsten die berliner Taxifahrer. Die zum allergrößten Teil Migrationshintergrund haben.

      Löschen
  2. Vielen Dank für Ihre monatliche Mühe! Es sind doch immer ein paar interessante Links dabei; aber das absolute Ausnahmestück ist der Link auf das Video und Klavierspiel von Katia und Marielle Labèque. Wow! Es hat meine etwas eisige Zurückhaltung ggü Musik von Philip Glass zerschmelzen lassen. Dieses Konzert live zu hören.. Sie Glückspilz !
    Was die Absage des Konzerts im Kennedy-Center angeht, äußerte sich Renaud Capucin gestern Abend, dass es schade ist, Musiker (u.a.) für die politischen Missverhältnisse zu bestrafen, denen sie ausgeliefert sind. Die Orchester in den USA sind alle finanziell am Ende (wo hatte ich neulich gehört, dass ein Orchester soviel kostet wie 1 Fußballspieler?). Er fand es auch schräg, russische, israelische usw Künstler auszuladen und damit - was eigentlich - zu bewirken?
    mhg

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Oh, vielen Dank, mache ich gern.
      Die Konzertkarte war das Weihnachtsgeschenk eines sehr lieben Menschen, ich fühlte mich sehr beschenkt und bin immer noch dankbar. Ich empfehle die vollen knapp 45 Minuten - eine Achterbahnfahrt.
      Was die Cancelei angeht, stimme ich größtenteils zu. Höhepunkt war, das einige besonders amusische Deppen vorgeschlagen haben, keine Musik von russischen Komponisten wie Tschaikowski, Mussorgsky etc. zu spielen. Glass' Absage in New York war wohl eher der Art und Weise geschuldet, wie der aktuelle POTUS da die Trägerschaft gehandhabt hat.
      Die Bemerkung, dass ein Fußballer inzwischen mehr kostet als ein Orchester, ist übrigens von Riccardo Muti.

      Löschen

Mit dem Absenden eines Kommentars stimmen Sie der Speicherung Ihrer Daten zu. Zu statistischen Zwecken und um Missbrauch zu verhindern, speichert diese Webseite Name, E-Mail, Kommentar sowie IP-Adresse und Timestamp des Kommentars. Der Kommentar lässt sich später jederzeit wieder löschen. Näheres dazu ist unter 'Datenschutzerklärung' nachzulesen. Darüber hinaus gelten die Datenschutzbestimmungen von Google LLC.