Mit dem Jahreswechsel wäre auch das alljährliche Hickhack um ein Böllerverbot wieder glücklich überstanden. Glaubt man Umfragen, dann ist inzwischen eine Mehrheit der Bevölkerung arg genervt von der Knallerei. Die Argumente sind auch jedes Jahr dieselben. Hie: Angst! Gefahr! Feinstaub! Denkt denn keiner an die Kinder/Tiere! Dort: Tradition! Ich lasse mir von diesem linksgrünen Nanny-/Verbotsstaat nicht meinen Spaß zu Silvester nehmen! (Wobei ein öffentliches Gesundheitswesen, das infolge eigener Doofheit zerfetzte Flossen ohne Mehrkosten wieder zusammenflickt und eine Stadtreinigung, die Tags drauf den ganzen Dreck wegmacht, natürlich gern genommen werden.)
Alles wie gehabt also. Zwei Argumente sollten aber unterbleiben wegen Unsinn: Das Traditionsargument und dass mittlerweile ja schon Tage vorher geböllert werde. Zwar hat es Tradition, das neue Jahr mit diversen Lärmgeräten einzuläuten, um böse Geister zu vertreiben, privates Feuerwerk kam aber erst im 20. Jahrhundert hinzu. Und vor Silvester rumgeknallt, sobald das erste Schießwerk über die Ladentheke war, wurde auch früher zu meiner Kindheit und Jugend bereits wie nicht gescheit. Kann mich noch gut erinnern, wie ein paar Honks es besonders lustig fanden, hinterrücks Kanonenschläge detonieren zu lassen.
Mittel- bis längerfristig sieht alles nach einem Verbot aus. Wird es aber vorerst nicht geben. Denn glücklicherweise haben wir eine Regierung, die nur die wirklich gefährlichen Sachen verbietet: Gendern zum Beispiel, das Selbstbestimmungsgesetz, Regenbogenfahnen am Bundestag, Kiffen, die Bezeichnung 'veganes Schnitzel' wegen möglicher arglistiger Täuschung ('Likör ohne Ei' bleibt hingegen legal). Aber betrunken mit Sprengstoff hantieren? Kein Problem! Weil: Eigenverantwortung.
(Bin ich übrigens der einzige, der gewisse Parallelen zwischen Böller-Befürworter:innen und 'Querdenker:innen' zu erkennen glaubt?)
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Kompromiss:
— E L H O T Z O (@elhotzo) December 11, 2025
kein Böllerverbot, aber jede Verpackung ist ab jetzt so designt, wir können mit 95% weniger Verkäufen rechnen pic.twitter.com/K4yvL7SvjL
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Putin, der alte Fuchs, weiß ganz genau, wieso er bei den 'Verhandlungen' über einen Frieden in der Ukraine nichts wissen will von verbindlichen Sicherheitsgarantien oder gar westlichen Truppen zur Friedenssicherung: Die Ukraine soll ein Land sein und bleiben, das unter permanenter Kriegsgefahr lebt, und das wirtschaftlich nicht aus dem Quark kommt. Wenn der nichtigste Vorwand genügen kann, die Kampfhandlungen ("notgedrungen") wieder aufzunehmen, würde niemand in solch einem Land in großem Stil ernsthaft investieren, außer russischen Staatskonzernen. Und eine Kampfpause gäbe der russischen Armee die Möglichkeit, sich zu reorganisieren, Verluste und Arsenale wieder aufzufüllen. Win-win.
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Die Forderung, angesichts des ächzenden deutschen Gesundheitswesens die gesetzlichen Krankenkassen zu einer großen zusammenzulegen, so nach dem Prinzip der Deutschen Rentenversicherung, ist müßig und ein typisches Beispiel für Populismus. Weil sich das irgendwann von selbst erledigt haben wird. 1970 hatten wir 1.815 Krankenkassen in Deutschland (West), 2025 waren es noch 93. Wegen Fusionen und weil viele kleine Branchen- und Betriebskassen sich einfach nicht mehr lohnten. Weil große Kassen mit vielen Versicherten die bessere Verhandlungsposition haben gegenüber Pharmafirmen und Krankenhauskonzernen etc. Selbst wenn jeder Vorstand der verbliebenen Kassen eine Mille irgendwas im Jahr bekommt, ist das im Verhältnis zu den riesigen Milliardenbeträgen, die im System insgesamt bewegt werden, eher marginal. Heikel wird es nur, wenn irgendwann ein Oligopol von 5-6 ganz Großen entstanden sein sollte, da wäre dann Handlungsbedarf.
Was die Finanzsituation angeht, wäre eine Bürgerversicherung hilfreich, in der alle, die ein Einkommen beziehen, egal ob beamtet, abhängig beschäftigt oder selbstständig, Mitglieder gesetzlicher Krankenversicherungen sein müssen. Und wer Premium will, soll dann eben Extrapakete buchen, gern auch bei privaten Versicherungen. Damit würden sich sogar etliche besser stellen. Etwa wenn Kinder von Beamt:innen nicht mehr extra versichert werden müssten, sondern kostenlos über die Familienversicherung abgedeckt wären. Ob es aber Krankenhauskonzerne geben müsste, wäre noch eine andere Frage.
Überhaupt lassen mich diverse Schlaglichter, die ich als Gesetzlicher von privat Versicherten aus dem näheren und weiteren Umfeld so mitbekomme, ernsthaft zweifeln, ob man da neidisch sein sollte. Der Papierkram ist immens. Eine befreundete Lehrerin (Beamtin) hatte eine komplizierte Schulter-OP und bedurfte heimischer Assistenz plus Reha und hat um jedes Bisschen wochenlang kämpfen müssen. Und wenn man alt wird und auch ein wenig tüddelig wie ein pensionierter Onkel von mir, ehemaliger Lehrer, braucht man definitiv jemanden, der die ganze Korrespondenz mit der Versicherung und evtl. auch der Beihilfe für einen erledigt.
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"Ein Symphonieorchester kostet heute weniger als ein Fußballspieler. Was für ein Erbe hoffen wir unseren Kindern zu hinterlassen? Kultur existiert nicht, um Profit zu machen, sondern um zu bilden. Wenn sich daran nichts ändert, werden in zukünftigen Generationen oberflächliche und sehr gefährliche Menschen vorherrschen." (Riccardo Muti)
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Frohes Neues übrigens!
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In Gelsenkirchen haben Diebe sich in den Tresorraum einer Sparkassenfiliale gebohrt und hatten dann noch genug Zeit, an die 3000 Schließfächer aufzuknacken. Es hat mich schon überrascht, dass es in Zeiten des Online-Bankings überhaupt noch Banken mit Tresorraum und Schließfächern gibt. Einiges ist halt doch noch wie früher. Weil klar: Wertsachen. Allerdings wurden meines Wissens nach schon ab den 1960ern Sensoren in den Wänden verbaut, die bei einem Eindringen per Bohrer Alarm auslösen. Weiters fragt sich, ob der Tresorraum nicht mit Kameras überwacht wurde, oder zumindest nachts und am Wochenende Bewegungsmelder scharf waren etc. Dass im 21. Jahrhundert ein Heist möglich ist wie weiland 1930 in 'M - eine Stadt sucht einen Mörder' von Fritz Lang, ist schon sehr bizarr.
Sicher sind viele ideelle Werte verloren gegangen, weil vermutlich einiges an Familienschmuck, Erbstücken usw. abhanden gekommen ist, was schlimm ist für die Betroffenen. Seltsam ist allerdings auch eine Meldung wie die, dass viele Kunden Bargeld in den Schließfächern gelagert hätten. Vorausgesetzt, es handelt sich nicht um staatlich geprägte Goldmünzen, die auch anerkannte Zahlungsmittel sind, fragt sich schon, wer so blöd ist, Bares im Schließfach zu deponieren, anstatt das auf dem Konto liegen zu haben, wofür die Bank dann im Zweifel bei Verlust haftet. Es sei denn, es geht darum, dass der Fiskus nichts mitkriegen soll. Da endete dann mein Mitleid.

erst mal ein gutes neues Jahr
AntwortenLöschenzum Bargeld im Schließfach, ich hätte da auch nicht all mein Geld auf dem Girokonto...hier in einer Demokratie vielleicht nicht so wichtig, aber in anderen Ländern schon mal lebensnotwendig .Konten können gesperrt werden.
zu Privatversicherungen. Jahrelang wird uns gesetzlich Versicherten ein lange Nase gezeigt, aber wenn im Alter die Beiträge "angepasst" werden, dann lacht der gesetzlich Versicherte. Und es wird bitter teuer. Und was nützt mir ne halbe Stunde früher beim Allgemein Mediziner, wenn ich auf einen Facharzt auch 3 Monate warten muss🤣Mein Vater muss bei vielen Medikamenten in Vorleistung treten, bei Medikamenten, die 200 € und mehr kosten. Und wehe, der Arzt hat die falsche Fallnummer auf das Rezept geschrieben. Dann noch einen hohen Eigenanteil, eine 100 % tige Leistung, wie bei der gesetzlichen kann sich man als privater nämlich nicht leisten
"Und vor Silvester rumgeknallt, sobald das erste Schießwerk über die Ladentheke war, wurde auch früher."
AntwortenLöschen... ja, wohl wahr. Aber "früher" gabs als Böller diese ganz kleinen Chinakracher plus die etwas Größeren. Dezibelmäßig hinkt der Vergleich etwas.
"Bin ich übrigens der einzige, der gewisse Parallelen zwischen Böller-Befürworter:innen und 'Querdenker:innen' zu erkennen glaubt?"
... Nö!
"Kultur existiert nicht, um Profit zu machen, sondern um zu bilden. Wenn sich daran nichts ändert, werden in zukünftigen Generationen oberflächliche und sehr gefährliche Menschen vorherrschen."
... sie Amiland.
"Weiters fragt sich, ob der Tresorraum nicht mit Kameras überwacht wurde, oder zumindest nachts und am Wochenende Bewegungsmelder scharf waren etc."
... da hat irgendwer, der natürlich im Zuge der Aufarbeitung des Raubs nicht benannt werden kann, richtig richtig Scheiße gebaut.
"Seltsam ist allerdings auch eine Meldung wie die, dass viele Kunden Bargeld in den Schließfächern gelagert hätten."
... Ich werfe mal die Stichworte Drogengeld, Schwarzarbeit, Sozialbetrug in den Raum.
Gruß Jens
Zum Bankraub:
AntwortenLöschenMich hat in erster Linie der Standort überrascht. Gelsenkirchen war meiner Ansicht nach nicht dafür bekannt,dass grosse Vermögenswerte weggeschlossen werden. Eher Ddorf oder so. Wwnn man davon ausgdht, dass die Räuber von auswärts kamen.
Zum Böllern:
Schaut man in andere Länder,wird dirt kurz geböllert, dann gefeiert. Hier dagegen geböllert und kurzdazwischen gefeiert.
Besonders toll, die von hinten Böller zwischen die Beine werfen (zb am 1.1. abends). Kippt man denen aber dann zb eine Buttermilch übern Latz, verstehen sie das nicht und rasten aus. Tja .. Individualismus pur wird das sein.
Die Rentenversicherung ist nicht überall gleich im Sinne der Bewchäftigungsverhältnisse ihrer MitarbeiterInnen! Teilweise wird verbeamtet,teilweise nicht mehr! Gesundheitsstörungen und private Kassen für Zusatzleistungen wäre nach dem Krieg das beste Modell gewesen, jetzt sehr schwer zu ändern!
AntwortenLöschenVermisstes unter Vermischtes:
AntwortenLöschen1. https://www.msn.com/de-de/politik/beh%C3%B6rde/stromterror-in-berlin-das-bekennerschreiben-im-wortlaut/ar-AA1TxiPw
2. Gangster und Kidnapper im weißen Haus. (1 Tag zu spät?)
3. Über die "Generation Deutschland" habe ich hier auch nichts gelesen. (Auch nicht unter "2025 - abgehakt")
(Bin ich übrigens der einzige, der gewisse Parallelen zwischen Böller-Befürworter:innen und 'Querdenker:innen' zu erkennen glaubt?)
AntwortenLöschenNope.
Trump kriegt Venezuela, Kolumbien, Kuba und Grönland, Putin die Ostkokaine und das Baltikum und Dings Ping kriegt Taiwan, die äußere Mongolei und alle Ferieninseln im Südchinesischen Meer. Gleich drei alte Füchse, sozusagen.
AntwortenLöschenUnd was kriegt Deutschland? Wenn sich unser Kanzler-Darstellerchen ("Die rechtliche Einordnung ist komplex") weiterhin so anstrengt, vielleicht wenigstens ein Dauerabo für Trumps Rektum.
Franzi G krempelt die Ärmel hoch. Geht doch.
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