Davon, was das Œuvre des letzte Woche verstorbenen Jürgen Habermas bzw. dessen Lektüre mit mir gemacht hat, kann ich nicht viel berichten. In jüngeren Jahren versuchte ich mich, wie viele, an 'Strukturwandel der Öffentlichkeit', kurz darauf erschien sein, wie es hieß, eminentes Hauptwerk 'Faktizität und Geltung'. Zwar war ich damals überaus lesehungrig und pfiff mir alles mögliche ein, aber problematischerweise gab es immer auch so viel anderes Interessante zu entdecken, da blieb Habermas oft unten im Lesestapel. Tatsächlich gelesen habe ich damals seinen Beitrag 'Eine Art Schadensabwicklung' der den Historikerstreit mit lostrat, der letztlich die deutsche Schuld an der Shoah im akademischen Mainstream etablierte und Relativierungsbemühungen wie die von Nolte und Hillgruber problemlos erledigte.
Drei Nachrufe sind mir aufgefallen: Ein ausführlicher von Alex Demirović, einer aus etwas anderer Perspektive von Udo Endruscheit und ein teilweise kritischer von Ilko Sascha Kowalczuk.
Politik. Die Regierung hat also 95 Prozent des 'Sondervermögens' in Haushaltslöchern versickern lassen und damit die Wähler getäuscht? Ruhig, Brauner, mahnt Maurice Höfgen.
Fun fact: Der INSM-Vorsitzende rafft das Prinzip Spitzensteuersatz nicht.
Irankrieg, a.k.a. 'Operation Epic Fuck Up': Der Schwager von Hannes sitzt in Dubai fest.
Ein erhellendes Interview mit Florian Schroeder über die Schamgesellschaft, in der wir leben.
Peter Unfried über Konservatismus. No-na, ich würde ja nicht sagen, dass ausgerechnet die 'A'fD sonderlich progressive Standpunkte vertritt.
"[Die] einzige progressive Partei ist die rechtspopulistische bis rechtsextreme AfD. Sie will, wie ich sie verstehe, das Bestehende hinwegfegen, die liberale Demokratie, die pluralistische und vielfältige Gesellschaft, das diese Liberalität schützende Rechtssystem, seriös arbeitende Wissenschaft und Medien. Ich dagegen will, dass wir diese Dinge, dass wir unsere offene Gesellschaft behalten. Das ist eindeutig ein konservatives Bedürfnis." (Unfried, a.a.O.)
Minh Schredle über religiöse Rechte im Schwabenland. Nicht von ungefähr heißt es, in dieser Gegend herrsche der Pietcong.
Wolfgang M. Schmitt und Ole Nymoen im Podcast 'Wohlstand für alle' über China als Ingenieursgesellschaft. (Und westliche Gesellschaften als Anwaltsgesellschaften.)
Roderich Kiesewetter (CDU!) zum Quatsch mit der angeblich 'moralisierenden' deutschen Außenpolitik. Deutsche Außenpolitik war die letzten Jahrzehnte über nicht von Moral, sondern von wirtschaftlichen Interessen geleitet.
Der Antisemitismus hat gewonnen, meint Kolja Podkowik.
"Dass der Antisemitismus gewonnen hat, erkennt man außerdem am überbordenden Selbstbewusstsein der Antisemiten, die aber alle keine Antisemiten sind. Sich keinerlei Schuld bewusst, haben sie weder etwas zu verbergen noch zu befürchten, es drängt sie in die Öffentlichkeit. Die, die nicht mal legitime Gesprächspartner sein dürften, setzen die Rahmenbedingungen eines jeden Gesprächs. [...] Oft werden die Antisemiten allerdings auch rassistisch diskriminiert, dürfen beispielsweise keine Pali-Tücher in der Gedenkstätte Buchenwald tragen. Sogar ihre blöden Wassermelonen wurden schon in zionistischen Longdrinks geschreddert. Sie heulen ständig rum." (Podkowik, a.a.O.)
Kultur/Gesellschaft/Medien/Gedöns. Hans Mentz mit einer Hommage an Kenneth Williams, dem Protagonisten der britischen 'Carry On'-Filmreihe.
Docteur Knock zum Thema Atteste.
Peter Hintz über Jana Hensel und ihre Ost-Erzählung.
betonflüsterer zu Werbung und Werbern.
Jakob Schelberger über das Rush-Album '2112'. Neil Peart, der 2020 verstorbene Schlagzeuger der Band, hatte in jungen Jahren ein Faible für das Geschreibsel von Ayn Rand. So sehr, dass er daraus eine etwas krause Story für das legendäre Konzeptalbum drechselte (das Album ist übrigens so legendär, dass der 21.12. inzwischen International Rush Day ist). Kratzt heute keinen mehr. Aber nett, mal wieder leicht herablassend erklärt zu bekommen, was Prog-Rock ist.
Joachim Hentschel geht der Frage nach, wieso so viele vornehmlich britische Stars im reiferen Alter wie Chris Norman, Suzi Quatro, Bonnie Tyler und Deep Purple in der deutschen Provinz deutlich mehr Erfolg haben als anderswo.
Wurde hier eigentlich schon das sehr gute Trio 'Eure Mütter' vorgestellt? Nein? Dann passiert das jetzt.
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Essen/Trinken/gut leben. Eine Pizza mit tierischem Protein, also Salame/Tonno/Prosciutto zu bestellen, ist jetzt ein Beweis für 'toxische Männlichkeit' und pures Dating-Gift. Aha. Und da wir gerade beim Thema sind: Obacht auch vor Paperclipping, dem neuesten toxischen Dating-Trend (die meinen das übrigens ernst).
Kennen Sie noch die WMF-Nusskanne? In den Siebzigern ein Geschenkeklassiker unter allen Omas und Tanten. Nachdem sie sich gegenseitig Teppichkehrer und Rollenhalter geschenkt hatten. Eine Glaskanne mit weitem Ausguss, in die man oben Nüsschen einfüllte, sodass man sich die dann in froher Runde hygienisch in die Hand schütten konnte. Kein ranziges Rumgegrabbel mit garstig verkeimten Grabbelgriffeln mehr im Schälchen. So geht Innovation. Nehmt dies, Chinesen!
Wenn nach den Friseuren jetzt die Bäckereien witzig werden. Sachsenrammler. Roggenknüppel. Bauernlümmel... Für den Fall, dass sich jemand fragt, ob es wirklich nur am Preis liegt, dass immer mehr sich an den SB-Backtheken der Discounter versorgen.
Zu Tisch. Indische Küche mag ich sehr. Und ich kann verstehen, dass deren Gerüche auf Menschen, die das nicht gewohnt sind, zunächst vielleicht befremdlich wirken können. So ging es wohl der Kollegin eines indischstämmigen Doktoranden an der Universität von Boulder/Colorado. Als der sich in der Mikrowelle eine Mahlzeit erwärmte, beschwerte sie sich in drastischen Worten über den Geruch. Gewiss, so was tut man nicht, keine Frage. Amüsant aber, dass es bei jeder Petitesse und Schnurre immer gleich mindestens um das Gleichgewicht des Universums gehen muss. "Es geht darum, ob man als Kind einer kolonialisierten Nation in der westlichen Welt jemals wirklich dazugehört, und darum, wie hoch der Preis für das Dazugehören sein darf.", trompetet das ehemalige Nachrichtenmagazin. Und wirft damit mehr Fragen auf als es beantwortet. Haben Indien und die USA eine gemeinsame Kolonialgeschichte? Worin genau bemisst sich dieses 'wirklich Dazugehören'?
Nachdem seine Versuche, die Kollegin zu sensibilisieren, fehlgeschlagen waren, verklagte der Doktorand die Uni und bekam in einem außergerichtlichen Vergleich 200.000 Dollar Entschädigung zugesprochen. Wie gesagt, das Verhalten der Kollegin ging, so wie es geschildert wurde, nicht in Ordnung. Aber zweihunderttausend Schleifen für ein paar unpassende Worte? Mich befallen da ja immer so Phantasien, in denen ein besonders würzig müffelnder Fromage als Retourkutsche vorkommt, ein Limburger, Munster oder Romadur oder so. Auch schwedischer Stinkhering wäre eine Option. Und dann mal sehen, ob ich mir auch drölfzigausend Dollar rausklagen könnte, wenn so ein präkolonial verstrahlter Kulturbanause von Kollege sich erdreistete, sich darüber zu beschweren, alle meine Sensibilisierungsversuche erfolglos blieben und er meine Kultur weiter in den Schmutz zöge. Wer weiß, vielleicht wäre die Sache ja anders ausgegangen, wenn die Beklagte eine queere, gehandicapte Transgender-PoC wäre.
Nichtsdestoweniger ist das inkriminierte Gericht 'Darin Palak' mir unbekannt und ich konnte auch kein Rezept auftreiben (aber was weiß denn schon ich?). Palak Paneer hingegen kenne ich und das ist überaus köstlich. Ein Rezept gibt es hier (so was wie Originalrezept existiert nicht, weil jede Mutter/Großmutter es etwas anders macht). Und hier steht, wie man Paneer selbst macht (nein, Tofu ist hier kein Ersatz).
Das ist ja ein ganz helles Köpfchen, unser guter alter Knöterich Kiesewetter (Dank an Friedrich Küppersbusch). Der findet einfach alles raus, alles! Wer hätte auch nur mutmaßen können, dass die deutsche Außenpolitik in den letzten Jahrzehnten von wirtschaftlichen Interessen geleitet wurde?
AntwortenLöschenDer Herr Oberst a.D. sollte unbedingt in besagte Außenpolitik gehen! Wo er sich dann darum kümmern könnte, dass diesen komischen Menschen- und Völkerrechtsdingens nicht nur in China, Russland und im Iran, sondern auch in anderen Schurkenstaaten wie Saudi-Arabien, Israel oder den USA schleunigst die gebührende Beachtung geschenkt wird. Und wenn die nicht wollen, dann gibt's Taurus satt!
Beim Anblick der Nusskanne (im elterlichen Haus gab es sowohl eine Nusskanne als auch ein Nussfisch) wird mir ganz heimelig zumute.
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