Samstag, 28. März 2026

Vermischtes und Zeugs (CXLIV)


Der offenkundig hochgradig schusselige Buckelwal, der in der Lübecker Bucht bei Timmendorfer Strand auf Grund gerauscht war (und von einigen allen Ernstes 'Timmi' getauft wurde) und sich auch ohne die Bemühungen von Tierrettern irgendwie freigeschwommten hatte, ist jetzt bei Wismar schon wieder gestrandet. Fun fact: Derweil sich halb Deutschland einen Kopf macht um das arme Tier, rollen Tag für Tag 3,6 Millionen Tiere in Tiertransporten durch eben jenes Deutschland, um dann als Produkte in Bedien- und SB-Theken zu landen. Nun bin ich bekanntlich weder Vegetarier noch Veganer, aber bin ich der einzige, dem das ein kleines Bisschen befremdlich dünkt?

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Ich vergaß die Tage noch zu erwähnen, dass der verstorbene Chris Kurbjuhn nicht nur ein begnadeter Bonvivant und Gourmand mit einer im besten Sinne bewegten Biographie war, sondern auch ein überaus fleißiger Leser, dem ich einige sehr schöne Literaturtipps verdanke, die mir schon etliche frohe Stunden beschert haben. Die 'Bruno'-Romane von Martin Walker etwa oder die um die provenzalische Madame le Comissaire. Danke auch dafür. Und er hat mir mit seinem Rezept für Ragù alla Bolognese, hinter dem 20 Jahre Entwicklungsarbeit und stetige Optimierung stecken, was auf die Bucketlist geschrieben, das noch der Umsetzung harrt. 

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Sicher lehnt man sich mit so einer Prognose aus dem Fenster, aber wenn Donald Trump tatsächlich eine Invasion des Iran mit Bodentruppen anordnen sollte, ist es nicht völlig ausgeschlossen, dass er damit sein politisches Ende einläuten würde. Im Fall Afghanistan hatte der Orange-Utan im Weißen Haus sich von den Taliban über den Tisch ziehen lassen und hatte noch Glück, dass sein Nachfolger Joe Biden sein Versagen ausbaden musste. Etliche seiner Anhänger:innen haben Trump 2024 vor allem für sein Versprechen gewählt, die USA in den Fokus seiner Politik zu stellen und fortan aus Kriegen herauszuhalten. Erschwerend hinzu kommt, dass Trump die steigenden Spritpreise nicht in den Griff bekommt, worauf viele konservative US-Amerikaner:innen mit dicken SUVs, Pickups und ebenso dicken Verbrennungsmotoren unter der Haube traditionell höchst allergisch reagieren. 

George W. Bush, der das Desaster des dritten Irakkrieges 2003 zu verantworten hat, der hunderttausende Menschenleben gefordert und den IS auf die Weltbühne gebracht hat, war wenigstens militärisch erfolgreich. Unter anderem, weil im Pentagon mit Colin Powell ein hoch intelligenter und hochqualifizierter Ex-Offizier saß, der wusste, was er tut. Jetzt sitzt dort ein frömmelnder Säufer (oder saufender Frömmler), der es geschafft hat, binnen eines Monats Steak and Lobster im Wert von 22 Millionen Dollar auf Staatskosten auftischen zu lassen. Schlimmer noch, wähnt er sich auf einem Kreuzzug, ist bereit, einen dritten Weltkrieg loszutreten, weil er der Bibel entnimmt, dann bräche Armageddon an und er und die seinen würden nach dem Weltende selig in den Himmel auffahren. Man sollte religiöse Fanatiker einfach nicht in gewisse Positionen lassen.

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Adidas scheint zum Abschied als DFB-Trikotausstatter (was man übrigens erst seit 1980 war, vorherige Deals bezogen sich nur auf Schuhe), beschlossen zu haben, der Nationalmannschaft noch mal richtig einen einzuschenken und sich die nationalen Kicker zum Horst machen zu lassen. Diese blauen Auswärtstrikots sollen laut Adidas an die Zeiten erinnern, da Helmut Schön und Jupp Derwall in dunkelblauen Trainingsanzügen herumliefen, sehen aber aus wie aus einem Wäschekatalog für Kinderpyjamas aus den 1970ern. Fehlt nur noch eine grinsende gelbe Mondsichel auf der Brust, um das optische Grauen perfekt zu machen.








6 Kommentare :

  1. Gourmet bitte. Gourmand ist ein Fresssack.

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  2. Damit das Leiden des verwirrten Buckeltiers endlich ein Ende hat, ein Vorschlag zur Güte: achtsam sedieren, den Gnadenschuss verpassen und dann rausfischen und in kleine Blechdosen portionieren. Z.B. in Japan gibts für sowas durchaus einen Markt.

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  3. Jedes Jahr werden in Norwegen, Island und Japan mehrere Tausend Tonnen Walfleisch produziert, welches anschließend in Supermärkten, auf Fischmärkten, in Restaurants oder Souvenirshops verkauft wird.

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    1. Das ist durchaus unschön. Jedoch finde ich, ähnlich wie der Herr Rose, das mediale Affentheater, das um "Timmi" veranstaltet wird, mindestens befremdlich, glaube jedoch nicht, dass sich halb Deutschland einen Kopf darum macht. Insofern Deutschland überhaupt über so etwas wie einen solchen verfügen sollte, dann geht ihm derzeit vermutlich anderes darin herum.

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  4. Die Antwort auf die Frage, warum wir „Timmi“ bemitleiden, während wir herzhaft in eine Wurschtsemmel beißen, lautet: Wirklichkeitskonstruktion. Wir denken in Konstrukten, die widersprüchlich sein können, uns aber schlüssig vorkommen (mal googeln: Kelly Konstrukte, nach dem US-Psychologen George Kelly). Und so können wir problemlos Unmengen billigst produziertes Fleisch essen, obwohl die meisten von uns niemals wollen, dass so ein süßes kleines Schweinchen (geschweige denn ein Wal) leiden muss. Wir konstruieren uns einfach eine Wirklichkeit, in der das marinierte Aldi-Steak für 99 Cent nichts mit dem Lebewesen zu tun hat, das es mal war und dessen sehr kurzes sehr hartes Leben sehr unschön unter dem Messer eines schlecht bezahlten Tönnies-Subdienstleisters endete.

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