Freitag, 6. März 2026

Was sagen?


Was soll ich denn sagen? Zum Krieg im Iran. Keine Ahnung. Sicher, ich könnte erwähnen, der Unterschied zu früheren US-Feldzügen im Namen von Freedom and Democracy ist, dass man sich gar nicht erst um eine internationale Koalition bemüht hat, sondern es gleich alleine durchzieht. Eine neue Qualität, zweifellos. Hatten wir aber schon in Venezuela. Ein Testlauf vielleicht. Paar Nummern kleiner. Wie das ausgeht? Der Iran ist ein riesiges Land. Wer weiß, was von der Opposition noch übrig ist nach all dem Morden, wie stark die Revolutionsgarden noch sind. Vielleicht hat der Mossad da genauere Infos. Der wusste ja auch, wo Khamenei wohnt. 

(Noch so ein Drecks-Machthaber mit blutigen Stiefeln, bei dem man sagen muss: Ja, es waren Trump und Netanjahu, die ihn haben über die Klinge springen lassen und es war falsch. Aber es trifft eben auch keinen Falschen. Möge er in der Hölle schmoren.)

Wie lange dieser Krieg dauern wird? Auch da: Keine Ahnung. Kann ich hellsehen? Ich weiß nur so viel: Nach allen Erfahrungen erscheint es äußerst unwahrscheinlich, dass es gelingen könnte, ein Regime wie das iranische durch einen reinen Luftkrieg von der Macht zu vertreiben.


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Soll ich sagen, dass der selbsternannte Friedensfürst Donald Trump zur Abwechslung mal wieder das diametrale Gegenteil dessen macht, was er mal angekündigt hat? Was soll man denn groß reden über jenen Donald Trump, der seine Amtsvorgänger vor nicht allzulanger Zeit noch heftig dafür kritisierte, mit Kriegen von Missständen und Problemen im Innern ablenken zu wollen, nunmehr einen Orlog nach dem anderen lostritt, derweil ein riesengroßer rosa Elefant namens Epstein im Raum steht? Oder über Friedrich Merz, dessen mangelnde Impulskontrolle und fehlende politische Expertise sich immer katastrophaler auswirken, sodass er bislang bei jedem seiner Besucher im Oval Office im Rektum Trumps verschwand und den europäischen Partnern in den Rücken fiel? 

Immerhin scheint sich langsam ein Riss im Trump-Lager aufzutun. Die jüngere MAGA-Generation, darunter sein Vize, goutiert die Feldzüge des Chefs nicht so recht, wie es scheint. 

"Twenty years ago we invaded Iraq. The war killed many innocent Iraqis and Americans. It destroyed the oldest Christian populations in the world. It cost over $1 trillion, and turned Iraq into a satellite of Iran. It was an unforced disaster, and I pray that we learn its lessons. [...] There are many reasons I changed my mind on Donald Trump, but Iraq is perhaps the most important. Not that he was an early critic of the war, but that the people in the conservative movement who hated him most were the most wrong, and the most proud, about foreign policy in 2003." (JD Vance, 2023)

Was denn kommentieren zu doofen deutschen Dubaiinfluencern, die allen, die es nicht wissen wollten, andauernd erzählt hatten, wie endgeil es sei, vom unfreien Schurkenstaat Deutschland, der unverschämterweise von ihnen erwartete, Umsatz- und Einkommensteuer abzuführen, ins Reich der großen Freiheit, ins Geldwäsche- und Oligarchenparadies Dubai zu wechseln? Ok, sie sind keine VAE-Staatsbürger, deswegen quasi rechtlos, hätten auch als Eingebürgerte kein Wahlrecht, sie dürfen nicht alles posten, was sie wollen und werden beizeiten daran erinnert, wem sie gefälligst dankbar das Gemächt zu saugen haben als kleine Gegenleistung -- aber hey, was sind schon ein paar lumpige Bi-Ba-Bürgerrechte im Vergleich zu einem von Autokraten finanzierten Checker-Babo-Lifestyle? Aber keine Steuern. So geht Freiheit!

Oder die weise Voraussicht der Mineralölkonzerne rühmen und preisen, die die Spritpreise schon einmal saftig angehoben haben, bevor die Blockade der Straße von Hormus sich überhaupt auswirkt? Sie tun das ja alles nur für uns, um uns das Osterfest nicht zu vermiesen, wir Gelegenheit haben, uns mit der Situation zu arrangieren. 

Vielleicht etwas sagen zu dem Selbstbedienungsverein 'A'fD, dessen diverse Korruptions- und Vetternwirtschaftsangelegenheiten inzwischen auch die älteste 'Altpartei', wie es scheint, ziemlich alt aussehen lassen, und dessen armseliger Schlingerkurs in Sachen Iran die ganze programmatische Widersprüchlichkeit, wenn nicht Hohlheit dieses Ladens offenlegt? Eigentlich ist der (rechts-)libertäre Flügel der Partei um Alitze Weidel ja pro Trump und MAGA, während der rechtsextreme Teil um Höcke et al. tendenziell pro Putin ist und eine Orientierung in Richtung 'Eurasien' anstrebt. Dummerweise war der Iran einer der eifrigsten Unterstützer Putins. Der jetzt von Donnie bombardiert wird. Außenpolitik kann echt a bitch sein. 

Und dann wäre da noch das Völkerrecht. Das ist ist gewiss und ohne jede Ironie eine wunderbare menschliche und zivilisatorische Errungenschaft. Nur muss sie auch funktionieren. Und das geht nur, wenn die Rahmenbedingungen stimmen. Weil Völkerrecht im Kern bedeutet, auf Macht und deren Ausübung teilweise zu verzichten. 

Derzeit leben wir in einer multipolaren Weltordnung, in der die Machtverhältnisse auf der Welt neu austariert werden. Das heißt, mehrere nach Groß-/Weltmachtstatus strebende Mächte stecken ihre Claims ab, schmieden neue Allianzen etc. Es herrscht das Faustrecht. In einer idealen Welt würde sich allein der UN-Sicherheitsrat darum kümmern, dass es nicht zu Kriegen kommt bzw. allein entscheiden, ob und wo Krieg geführt wird. Sobald aber divergierende Interessen davon betroffen sind, ist der Sicherheitsrat schnell handlungsunfähig. (Dass Trump seine Frau eine Sitzung des Weltsicherheitsrates leiten ließ, war ja auch eine Botschaft: Seht her, auch eine Society-Lady ohne politische Erfahrung kann diese irrelevante Schwatzrunde leiten.)

Was dann dazu führt, dass das Völkerrecht auch von brutalen Terrorregimes, zu denen man das iranische Mullah-Regime zählen muss, als moralisch aufgeladener Schutzschild missbraucht wird. Zu früher Meisterschaft darin brachten es in den 1990ern Akteure wie Slobodan Milošević und Radovan Karadžić, die während der Jugoslawienkriege die UNO ein ums andere Mal am Nasenring durch die Arena schleiften. Die völkerrechtswidrige Luftkriegskampagne der NATO im Kosovokrieg 1999 war ein riskanter Versuch des Westens, diesen gordischen Knoten irgendwie zu durchschlagen. Kurzfristig gelang das, die Kämpfe wurden beendet. Mittelfristig jedoch höhlte das das Völkerrecht nur weiter aus. 

Allein, was wären die Alternativen gewesen. 'Verhandeln'? Sorry, das funktioniert nur mit einer überzeugenden Drohkulisse im Rücken. Die gab es aber nicht, weil Russland einem UN-Mandat für einen Militäreinsatz gegen Serbien nie zugestimmt hätte. Was hat die UNO in Somalia, in Sarajevo oder in Ruanda ausrichten können? Die bedauernswerten Blauhelme waren machtlose Witzfiguren, so sie das denn überlebten.  

Ob der Präventivschlag gegen die Atommacht in spe Iran nicht doch mit dem Völkerrecht in Einklang zu bringen wäre? Die einen sagen so, die anderen so. Bedaure, ich habe keine Antwort und es gibt keine einfache Lösung. Was ich weiß: Sich darauf zu beschränken, im Bewusstsein moralischer Überlegenheit, die sich vor allem daraus speist, zu der Erkenntnis gekommen zu sein, dass Krieg irgendwie echt nicht gut ist, die bösen uneinsichtigen Jungs so großtortig wie gedankenarm ans Völkerrecht zu erinnern, bekommt da etwas zunehmend Hilfloses. Es gibt in der Politik, erst recht in der Außenpolitik, keinerlei Bonus dafür, moralisch im Recht zu sein. 

"Wir haben ein Islamisches Regime, das Zehntausende seiner eigenen Leute hinrichtet [...]. Ich weiß, das nervt zu hören, aber es ist sehr europäisch, an den Seitenlinien zu stehen und Menschen das Regelbuch vorzulesen, während sie abgeschlachtet werden. Das gilt genauso für Gaza, Kongo, Jemen oder das Mittelmeer. [...] Iranische Stimmen werden in der Mehrheit komplett ignoriert. Natürlich sind Iraner auch kein Monolith, aber wenn die Menschen in Teheran den Tod des Ajatollahs bejubeln und Sebastians auf Twitter uns lieber das Völkerrecht vorlesen wollen, nachdem sie bei mehr als 35.000 toten Iranern den Mund gehalten haben, dann gibt es eine Diskrepanz, die wir uns näher anschauen sollten." (Shahak Shapira)

Zu glauben, man müsse mit solchen Regimes nur verhandeln, dann mäßigten sie schon, hat sich wieder einmal als illusorisch herausgestellt. Gerade Deutschland und die DeutschewirtschaftTM haben über Jahrzehnte glänzende Geschäfte gemacht mit den Mullahs und immer wieder behauptet, das trüge letztlich zur Befriedung des Regimes bei. Hat es nicht. 

Ehrlich, mehr fällt mir auch nicht ein.







13 Kommentare :

  1. ... stimmt in allen Punkten.
    Gruß Jens

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    1. Yep. Bis auf "den Präventivschlag gegen de Atommacht in spe" . Das ist ein Konstrukt, um China ein wenig vom Öl abzuschnüren.

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  2. Ich finde, Ihnen ist da eine ganze Menge eingefallen, und ihr Text ist lesenswert, auch wenn - oder weil - er keine Lösungen anbietet. Mehr fällt mir dazu auch nicht ein, außer vielleicht eine kleine Ergänzung: für eine Operation "Allied Forces" (à la Jugoslawien 1999) hat es diesmal zwar tatsächlich nicht gereicht, aber ganz alleine zieht Trump es dennoch nicht durch, da ist immerhin noch Netanjahu. Und der Killerprinz aus Saudi-Arabien macht zwar nicht mit (so blöd ist er nicht), soll aber lt. Spiegel & Co seinen Freund im Weißen Haus schon länger zu einer Spezialoperation gegen den Iran gedrängt haben.

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  3. DasKleineTeilchen7. März 2026 um 11:05

    Die jüngere MAGA-Generation, darunter sein Vize, goutiert die Feldzüge des Chefs nicht so recht, wie es scheint... (JD Vance, 2023)

    oh, COMEON! 2023. das war bevor der couch-fucker als vize aufgestellt wurde und wir wissen, daß vance einen scheiss auf das gibt wassa noch gestern gesagt hat. 2016 zum wahlkampf zur ersten amtszeit anyone?

    jd vance 2016: “I go back and forth between thinking Trump is a cynical asshole like Nixon who wouldn’t be that bad (and might even prove useful) or that he’s America’s Hitler. How’s that for discouraging?"

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    1. DasKleineTeilchen7. März 2026 um 12:27

      ah. oder war das subtilster sarkasmus, den ich in diesen kranken zeiten & aufgrund dessen in meiner vergröberten wahrnehmung nicht gerafft habe?

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    2. Der vergröberten Wahrnehmung mag eventuell entgangen sein, dass ich in dem Kontext das Wort "scheint" verwendet habe - weil ich das keineswegs für sicher halte.

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  4. Siewurdengelesen7. März 2026 um 19:41

    Für Merzens wäre das wirklich mal ein komplexes Thema.

    Aber es läuft halt viel hinein und die Analyse ist auf den Punkt. Verteilungskriege der Machtblöcke - hier eine USA und der schon länger Dorn im Auge seiende Iran, der mit dem jüngsten Krieg in Gaza wieder zu Hochform gegen Israel auflief.

    Andererseits kann es nur schiefgehen, wenn inere Konflikte genutzt werden, um einen Machtwechsel herbei zu bomben. Imho gibt es immer noch genügend reaktionäre Kräfte im Iran, die sich analog zu Syrien nur wenig von alten Machthabern unterscheiden dürften, so sie an die Tete kommen. Den Ausbruch einer bürgerlichen Demokratie mit mehr Rechten für Frauen und Opposition sehe ich deswegen nicht ausbrechen, während die meisten Staaten, in denen Dritte versucht haben, etwas zu richten, hinterher nach unseren Maßstäben eher noch rückständiger waren.

    Vielleicht täte es uns als vermeintliche Vorreiter in solchen Dingen wirklich gut, mal die Nummer des erhobenen Zeigefingers weg zu lassen und stattdessen den Staaten ihren Weg und ihr Miteinander selbst entscheiden zu lassen. Wenn andernorts ähnliche Gewalt gegen das eigene Volk ausgeübt wird in Staaten, die eher kein Ziel für Rohstoffe und dergleichen sind, juckt es tendenziell kaum. Das Völkerrecht ist dabei je nach gusto zwar vieldiskutiert, aber kaum geeignet mangels verbindlicher Gerichtsbarkeit und wirklichen Konsequenzen daraus, um Vertreter von Regierungen für ihr Tun zur Rechenschaft zu ziehen. Aber was weiß ich schon...

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  5. ... auf den Punkt gebracht:
    https://www.youtube.com/watch?v=OW-8dw44yzc&list=RDOW-8dw44yzc&start_radio=1

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  6. .... a propos Revolutionsgarden.
    die scheinen so eine Art "Staat im Staat" zu sein. Eine schwer bewaffnete Mega-Stasi sozusagen. Von denen müsste man hunderte töten, bevor sich das gleiche wie '89 abspielen könnte.
    https://www.sueddeutsche.de/projekte/artikel/politik/iran-revolutionsgarde-ayatollah-krieg-e464023/?reduced=true

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  7. Ach ja, Hunderte töten, eine wahrhaft grandiose Idee. Warum nicht gleich Tausende? Und wenn die ganzen fiesen Mega-Stasimänner tot sind, dann sind in Teheran endlich die Straßen frei für friedlich-revolutionäre Massendemos, und alle singen unisono "Donald, nimm uns an die Hand und führ uns ins Wirtschaftswunderland". Das muss ja einfach klappen!

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  8. "Hunderte töten, eine wahrhaft grandiose Idee."
    ... bitte nicht vom Thema ablenken. Ich sprach nur von der Revolutionsgarden-Führungsebene. Zur Info: Diejenigen, welche für vielen toten Demonstranten verantwortlich sind. Eigentlich ganz einfach: Die Mörder "wegballern" bis die Bevölkerung angstfrei agieren kann.

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  9. Es sieht derzeit so aus, als ob es nicht ganz so einfach wäre, die Mörder wegzuballern. Irgendwie trifft es bei solchen Aktionen meist andere(s), z.B. Schulen mit Mädchen drin.
    PS. Steht Trumps ICE eigentlich schon auf der Terrorliste? Und falls ja, könnte man die ICE-Leute auch einfach wegballern? Und was ist mit Mohammed bin Salman und seinen Freunden? Oder den Herren Ben-Gvir und Smotrich?

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  10. Wegballern? Der gelernte Christ und Chefsatiriker der Partei DIE LINKE empfiehlt den Iranern und Iranerinnen in einem Interview mit dem Kriegshetzer Ronzheimer am Vorbild der DDR 1089 "mit der Kerze in der Hand von denen, die in den Friedensgottesdiensten waren und die vor die Tür gegangen sind und gerufen haben: ‚Keine Gewalt‘" .die Mullahs hinwegzufegen“

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