Dienstag, 20. Oktober 2026

Vermischtes und Zeugs (CLXII)


Zu meinen Schulzeiten in den Achtzigern waren einige aus meiner Jahrgangsstufe in der Jungen Union. Das waren größtenteils Uncoole. Mit einem war ich aber tatsächlich privat befreundet, weil wir beide einen ähnlichen Musikgeschmack hatten sowie eine beginnende Vorliebe für gutes Essen und trockenen französischen Landwein teilten. Das funktionierte aber nur, wie wir sehr bald herausfanden, solange wir die Politik heraushielten. Die meisten JU-Typen bei uns erinnerten phänotypisch an jene gestylten Wichtigmenschen, die ein paar Jahre zuvor noch 'Popper' genannt worden waren (Ulf Poschardt war übrigens mal einer): Pullover über der Schulter, von Sylt labernd und die Welt mit Börsenkursen, ihren Finanzplänen und ihrer grenzenlosen Bewunderung für Helmut Kohl nervend.

Stellt sich jetzt raus: Es gibt Dinge, die ändern sich einfach nicht im Leben. Uncool bleibt uncool, da helfen keine Pillen. Und die 'A'fD bedankt sich freundlich.

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Wenn man mag, dann kann man die gewaltsamen Ausschreitungen in Frankreich und Italien sowie die groteske, hysterische Kakophonie, die seit der Berliner Wahl von CDU/CSU und Springer veranstaltet wird, zusammen denken. Es deutet einiges darauf hin, dass nicht nur das Zeitalter des Verbrennungsmotors vorbei ist, sondern auch das des Neoliberalismus: Das hatte 1979/80 mit den Wahlsiegen Margaret Thatchers und Ronald Reagans begonnen, seinen Höhepunkt erreicht in den 1990ern, als US-Demokraten und die europäische Sozialdemokratie geschlossen neoliberal wurden und seit der Finanzkrise 2008/09 auf dem absteigenden Ast ist.

Man sollte aus gegebenem Anlass daran erinnern, dass Berlin seit 2001 bereits vier Mal unter Mitwirkung der Linken regiert wurde (2001, 2006, 2016, 2021), ohne dass darob die Welt untergegangen ist, dass Mario Voigt (CDU) in Thüringen nur regieren kann, weil seine Minderheitsregierung von der Linken toleriert wird und dass die Linke im Bundestag nicht nur Friedrich Merz mit ins Amt gebracht, sondern auch für eine Lockerung der Schuldenbremse gestimmt hat. Vor diesem Hintergrund mutet die Hyperventiliererei, die CSU/CSU, Springer und Nius gerade anstimmen ob einer dräuenden kommunistischen Revolution ("Großmutter, werden sie jetzt kommen und uns alles nehmen?") schon arg grotesk an. Zumal die Union nur wenig Probleme mit Enteignungen hat, wenn es um Braunkohletagebau und Autobahnen geht.

Ja, antisemitische Tendenzen in der Berliner Linken sind ein Problem. Nur ist es ein Unterschied, ob in einer Partei ein paar Spinner herumlaufen, die kaum Einfluss auf die Politik eines möglichen rot-rot-grünen Senats haben werden, dem die Koalitionspartner von SPD und Grünen noch dazu jederzeit den Stecker ziehen können, oder ob eine Partei auch programmatisch anstrebt, "die vorhat, die Demokratie mit den Mitteln der Exekutive zu einer Art Mehrheitsdiktatur umzubauen." (Christian Bangel)

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Überhaupt ist zu erwarten, dass die soziale Frage sich in nächster Zeit völlig neu stellen wird. 'Hartz IV' wurde ja 2021 nicht deshalb in 'Bürgergeld' umbenannt und etwas weniger restriktiv gestaltet, weil der Ampelregierung ein sozialistisches Faulenzerparadies vorschwebte, sondern weil durch die Pandemie plötzlich die Eigenheime und die private Altersvorsorge jener Teile der Mittelschicht gefährdet waren, die sich beim Jobcenter wiederfanden. Die 'KI'-Revolution wird jede Menge Jobs überflüssig werden lassen, die bislang klassischerweise von der Mittelschicht gemacht wurden, vor allem Büro- und Verwaltungstätigkeiten. Parallel werden viele Dienstleistungsjobs ebenfalls von 'KI'-Agenten übernommen. Das wird noch lustig.

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Das BSW hat sich ja jetzt umbenannt und trägt die Gründerin nicht mehr im Namen. Wofür steht 'BSW' jetzt gleich? Baldiger Sieg für Wladimir?

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Die Welt geht mal wieder unter, denn McDonald's streicht den McRib aus dem permanenten Sortiment. Für die Vaterlandsretter von der 'A'fD war der Fall sofort klar: Das sei nur passiert, damit muslimische Mitarbeiter:innen kein Schweinefleisch anfassen müssten. Und so stürbe ein weiteres zentrales Element hiesiger Esskultur. Dass der McRib 1981 in den USA erfunden wurde? Dass der Laden auch weiterhin etliche Produkte feilbietet, die Bacon erhalten? Dass auch das geplante, temporäre Nachfolgeangebot wieder Schweinefleisch enthalten soll? Was sind schon Falten, wenn man sich richtig schön empören kann.

Ich erinnere mich an genau drei McRibs in meinem Leben. Den ersten aß ich, als ich 13 war, kurz nachdem eine McDonald's-Filiale in meiner Heimatstadt eröffnet hatte und ich liebte es. Den letzten 2002, als ich und andere einer Freundin beim Hausentrümpeln halfen und sie uns in den Gasthof Zum goldenen M einlud. Wenn ich mich recht entsinne, schmeckte das Moped so wie alles dort: salzigsüßlichfettig nämlich, allerdings mit mehr Zucker und ergänzt um eine penetrante Rauchnote. Ob der koagulierte Bremsklotz in der Mitte aus Schweinefleisch war oder woraus auch sonst, war für mich nicht feststellbar. Ich wette, man könnte ein in Barbecuesauce ertränktes Sojaproteinprodukt da rein packen und niemandem fiele der Unterschied auf.

Fun fact: Im Judentum ist Schweinefleisch auch verboten.

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Apropos 'KI' und Dienstleistungsjobs: Die Tage rief ich bei einem meiner Ärzte an, um einen Vorsorgetermin zu vereinbaren. Es meldete sich eine computergenerierte Frauenstimme, die sich als KI-Assistentin von doctolib vorstellte. Als ich meinen Terminwunsch kundtat und sie sich kümmerte, machte die virtuelle Dame Geräusche, als tippe sie -- klacker, klacker --gerade auf einer antiken Computertastatur herum. Aha.





2 Kommentare :

  1. Irgendwie mag ich diesen Blog, aber: Helmut Kohl war ein Gott gegen diese Union, Ihr Hass als eher grün-wählender Mann ist Ihre Sache, aber für mich verbinden die die einzig richtigen urlinken Themen Soziale Frage,Verhältnis Arbeit vs. Kapital, Frauenfrage Klassisch, Friedensfrage mit BürgerInnenbeteiligung, intelligenter Migrationspolitik, Bekämpfung von Alltagsgewalt, Zuviel Diskussion über Corona (bin selbst 6 Mal dagegen geimpft ) interessieren mich nicht! Problem in der BRD, linksliberal ist nicht klassisch links!

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  2. Am Telefon tut die KI noch so, als würde sie auf einer Tastatur tippen. Aber in Dänemark testen sie in einem Supermarkt schon echte Roboter. Diese räumen nachts ganz alleine die Regale ein.
    Wenn bald Millionen solcher Roboter eingesetzt werden, verlieren viele Menschen im Verkauf ihren Job. Das erinnert mich an eine Idee von Bill Gates: Er fordert schon lange eine Roboter-Steuer.
    Seine Idee ist einfach: Wenn ein Mensch durch einen Roboter ersetzt wird, bekommt der Staat weniger Steuern. Wenn man die Roboter aber versteuert, hat der Staat wieder Geld. Damit könnte man Umschulungen bezahlen oder Berufe unterstützen, die nur Menschen machen können – wie zum Beispiel in der Pflege. Wir brauchen solche Lösungen, bevor die Roboter überall arbeiten - und das sage ich als Konservativer und KI-Begeisterter!

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