Sonntag, 22. Januar 2017

Middle Of Nowhere (2)


Wie vermutet, ist es in hohem Maße wetterabhängig, welche Stimmung die niederrheinische Tiefebene zu verbreiten vermag. Verhagelten beim letztjährigen Workshop noch tiefstehende graue Wolken und Schnürlregen Sicht und Seele, zog der Anblick dieses tristen Hardcore-Flachlands einen herunter, so gab es heuer sonniges, kristallklares, trockenes und knackig kaltes Winterwetter. Am Morgen noch schön mit Reif überpudert, das Ganze. So mag ich das. Bei schönem Wetter bestimmt ganz reizend, beliebte ich ich letztes Jahr zu ahnen. Was soll ich sagen? So ist es.

Donnerstag, 19. Januar 2017

Björn again


Die das als 'Holocaust-Mahnmal' bekannte Denkmal für die ermordeten Juden Europas in Berlin entworfen und gebaut haben, sind insofern durchaus klug vorgegangen, indem sie keinem Vorschriften machen. Jedem, der das Stelenfeld besucht, ist es selbst überlassen, damit für sich irgendetwas zu machen oder eben nicht. Die einen fasst diese Erfahrung irgendwie an, andere lässt sie völlig kalt, wieder andere nutzen die Stelen zum Sonnenbaden oder zum Posieren für Selfies. Nur Grafittis verbittet man sich, weswegen die Betonklötze mit einem farbabweisenden Präparat behandelt sind. Das wurde übrigens ausgerechnet von einem Laden geliefert, der einmal an jenem Unternehmen beteiligt war, das den Mördern gut 50 Jahre zuvor Zyklon B geliefert hatte. (Was seinerzeit für kurze Unruhe im Blätterwald sorgte.)

Sonntag, 15. Januar 2017

Das Imperium schlägt zurück


Der am Freitag (es war der 13. - Zufall?) im Alter von 56 Jahren verstorbene Udo Ulfkotte (RIP), der beim Kopp-Verlach wohl eine schmerzliche Lücke hinterlassen wird, ist noch nicht unter der Erde, da ist der Fall für die Anhänger des Paranoia-Papstes schon klar wie Doppelkorn: Umgelegt, kein Zweifel. Wusste zuviel. Bekanntlich wird ja jeder, der in Merkels Diktatur unbequeme, brisante Dinge ausplaudert, zum Beispiel den irre geheimen Geheimplan, mit dem die hiesige Bevölkerung gegen eine Arabischstämmige ausgetauscht werden soll, so gnadenlos wie diskret aus dem Weg geräumt, notfalls mittels Space-Technologie (dass man ihn im Herbst bei Facebook für 30 Tage gesperrt hat, hätte ihm wirklich zur Warnung gereichen sollen). Es sollte aussehen wie ein natürlicher Tod. Sollte. Aber die vereinigten Checker haben das, wie gesagt, sofort durchschaut. Eine kleine Auswahl, wie sie bei den Kollegen vom GWUP-Blog und den ruhrbaronen zu finden war:

Freitag, 13. Januar 2017

Alles so ermüdend


Tut mir leid, das wird jetzt länger. Und grundsätzlich. Es wurde also gewarnt. Ob das originell ist? Weiß ich nicht.

Wo diese Leute eigentlich früher waren, ist man in letzter Zeit gelegentlich geneigt zu fragen. Hat man, wie jetzt im US-Bundesstaat Virginia geschehen, schon immer auf der Restaurantrechnung explizit vermerkt, man gebe prinzipiell kein Trinkgeld für Schwarze oder traut man sich das einfach nur wieder? War es schon immer so, dass man überall seinen misogynen, menschenverachtenden Dreck hingegöbelt hat, bloß weil einem eine Aussage einer Politikerin nicht gepasst hat? Guckt man sich die Kloake an, zu der Soziale Netzwerke in Teilen verkommen sind, dann fragt man sich weiterhin: Was haben diese Menschen vorher gemacht? Wo sind sie ihre ganze unterdrückte Wut, ihren Hass, ihre Aggressionen, ihren unbewältigten Frauenhass und Rassismus, ihre Gewalt- und Vergewaltigungsphantasien losgeworden? Sind sie explodiert? Zu Staub zerfallen?  Wen oder was haben die möglicherweise alles verprügelt und misshandelt in den letzten Jahrzehnten?

Dienstag, 10. Januar 2017

Ronny des Monats - Januar 2017


Nicht nur ein neues Jahr ist angebrochen, auch der Monat seit der letzten Ronny-Verleihung ist schon wieder rum. Ich muss sagen, Ronny & Co. waren zwischen den Jahren ganz besonders fleißig. Lag vielleicht an den paar freien Tagen oder dass viele mal Urlaub hatten. Wäre dann auch ein schönes Indiz dafür, dass die einschlägige Szene nicht ausschließlich von so genannten Abgehängten und Globalisierungsverlieren bevölkert ist, sondern durchaus Menschen mit eher weniger Tagesfreizeit sich dort tummeln. Aber, Hand aufs Herz, konnte man das nicht zumindest ahnen, ein Stück?

Samstag, 7. Januar 2017

Am Automaten


In der nahegelegenen Filiale jenes Discounters, der sich auf Ghetto reimt, haben sie einen neuen Pfandautomaten. So ein mordshochmodernes Hightech-Teil mit Touchscreen. Abwarten, dachte ich, gib ihnen noch ein paar Jahre, dann ist da ein Fingerabdruckscanner integriert und die Speichelspuren am Flaschenhals können einer DNA-Analyse unterzogen werden, deren Ergebnisse bei Bedarf automatisch an die Ermittlungsbehörden... Lieber nichts beschreien, aber diverse Entwicklungen der letzten Jahre haben gezeigt, dass man lieber niemals nie sagen sollte, wie's der große Philosoph Ian Fleming einst formulierte. Im Namen einer wie auch immer gearteten Sicherheit ist im Zweifel noch jede kleine Freiheit abgeschafft worden. Wir haben schließlich Terror.

Donnerstag, 5. Januar 2017

Über 'Lügenpresse'


Auch 2016  hat das Diktum von der 'Lügenpresse' sich im öffentlichen Diskurs recht zählebig gehalten. Obgleich ich mit dem Wort selbst nach wie vor meine Probleme habe, da es, wiewohl keine genuin Goebbelssche Erfindung, einschlägig belastet ist, trifft es natürlich ein gewisses Gefühl, scheint es an Wahrnehmungen vieler zu rühren. Vielleicht ist nicht das Problem, dass wir eine Presse haben, die vorsätzlich bzw. wissentlich lügt oder vorsätzlich Propaganda macht, sondern dass wir eine weitestgehend bürgerliche Presse haben, die nicht kapiert oder nicht wahrhaben will, dass das bürgerliche Zeitalter unwiederbringlich auf sein Ende zusteuert. Und weil diese Presse (wozu natürlich immer auch andere Medien wie Fernsehen und Hörfunk gezählt werden müssen) immer verzweifelter ein totes Pferd reitet, entsteht halt bei denen, die nicht dazugehören, sich mit dem Establishment über Kreuz sehen, der Eindruck von Lüge und Propaganda.

Montag, 2. Januar 2017

Schönes bleibt (2)


Na klasse, das neue Jahr ist noch keine 24 Stunden alt, da zeigt es schon seine Kehrseite. So musste ich erfahren, dass meine werte Heimatstadt zum Jahreswechsel diverse Gebühren kräftig erhöht, darunter die Eintrittspreise für die Schwimmbäder. Die Jahreskarte, die ich mir immer zu Beginn eines jeden Jahres besorge, ist über Nacht satte 12,5 Prozent teurer geworden. Groß angekündigt wurde das meines Wissens nach nirgends, sondern bloß zu Silvester in der Lokalpresse vermeldet, zusammen mit den Hinweis, man setze damit einen Ratsbeschluss um, der auf den letzten Drücker noch verabschiedet worden sei. Aha. Dafür darf man an einigen Parkplätzen der Stadt wieder jeden Tag ab 16:00 frei parken. Der Einzelhandel will schließlich leben und die Kohle muss irgendwo wieder hereinkommen. Geht ja gut los.

Samstag, 31. Dezember 2016

2016 - fast geschafft


So denn, das wäre es fast mit 2016, diesem Kack-/Arschloch-/Stinkstiefel-/Driss-/Drecksjahr. Darf man so was überhaupt schreiben, ohne sich des distinktionsschwachen Mitläufertums schuldig zu machen? Oho, spitzen da coole, Aufmerksamkeit witternde Redaktionspraktikanten die Laptops: 2016 ein Mistjahr zu finden, ist voll spießig, das machen doch alle. Ich hingegen bin dagegen. Den Strom. Den Mainstream. Das Establishment. Bitte beachtet mich und findet mich originell! Anders! Oder wenigstens unkonventionell, ein Stück weit. Oder es wird altväterlich geonkelt: Nein, nicht wirklich, wahrnehmungsgestörtes Dummerchen. Lass mich erklären... Establishment aber, bzw. gegen selbiges zu sein, ist ein gutes Stichwort. Daran lässt sich nämlich die These festtackern, dass das beinahe vergangene zumindest in zweierlei Hinsicht vielleicht doch eines der eher weniger gelungenen Jahre war. Man muss ja nicht immer zwanghaft originell sein.

Samstag, 24. Dezember 2016

In diesem Sinne!


So, der 24. des Dezembers ist einmal mehr erreicht und es ist hier zur Tradition erwachsen, das musikalisch zu begehen. Und da ist die Auswahl groß, denn zahlreiche, vielleicht zu zahlreiche musikalische Stimmen sind heuer für immer verstummt. Die schönste Stimme davon war ziemlich sicher diejenige von Greg Lake. Welch ein Tenor! Sein zum Klassiker gewordener Song 'I Believe In Father Christmas' teilt hier und da möglicherweise das Schicksal von Bruce Springsteens 'Born In The U.S.A.', weil man sich von der Hülle täuschen lässt. Auch hinter der beinahe schon zu schönen Fassade dieses kleinen Meisterwerks verbirgt sich dezent konsumkritischer Inhalt.