Dienstag, 21. März 2017

Der blinde Fleck


"... und wenn jemand Ihnen sagt, er kenne keine unfähigen Lehrer, dann kennt er aus einem ganz bestimmten Grund keine." (Volker Pispers, 2002)

Lehrer standen schon lange vor Gigi Schröders Diktum von den 'Faulen Säcken' in dem Ruf, überbezahlte, unkündbare, jammernde Halbtagsjobber mit fünfzig Tagen Urlaub zu sein, die aus Ratlosigkeit zwei halbe Fächer studiert haben, weil's für ein richtiges nicht reichte in der Runkel. Das deckt sich nur wenig mit meinen Erfahrungen der letzten 10, 15 Jahre, während derer ich immer wieder an und mit Schulen zu tun hatte und habe. Die allermeisten Lehrer, die mir da begegnet sind, waren bzw. sind freundliche, positive, engagierte Leute, die ihren Job gern machen, für ihre Schüler da sind, mindestens die halben Ferien an der Schule verbringen oder über Korrekturen hängen und dabei Wochenstundenzahlen schieben, die jeden Tarifangestellten im öffentlichen Dienst auf die Barrikaden treiben würden.

Interessanterweise waren es gerade die berüchtigten Hauptschulen, und hier nicht selten die besonders verrufenen, an denen ich das meiste Engagement gesehen habe, den Kindern und Jugendlichen, die oft aus so genannten schwierigen Verhältnissen stammten, einen Ort zu schaffen, an dem nicht nur was lernten, sondern an den sie auch gern kamen und an dem sie sich wohlfühlten. Was ich auf Schulhöfen und in Gängen erlebt habe, finde ich unter dem Strich nicht schlimmer als das, was wir Gymnasiasten damals angestellt haben, eher im Gegenteil. So wie ich auch das multikulturelle Gewusel auf den Schulhöfen nie als bedrohlich empfand. Noch nicht allzu verbogene Kinder gehen mit solchen Situationen nämlich sehr entspannt um.

Ferner sollte, wer sich über die Jugend mokiert, vielleicht bedenken, dass es seit längerem keine Generation Jugendlicher gab, die es so schwer haben wird, sich beruflich wirklich zu etablieren, das ziemlich unverblümt gesteckt bekommt und die einem solchen Konformitätsdruck ausgesetzt ist wie die heutige. Und natürlich soll und darf man nicht leugnen, dass die Arbeit mit jungen Menschen nicht einfacher, sondern eher anspruchsvoller geworden ist. Allein, weil Eltern nicht immer am gleichen Strang ziehen und man auch nicht mehr die Mittel hat, sich autoritär durchzusetzen. Ich halte das, allen Unkenrufen zum Trotze, für eine gute Sache. Es wäre sicher falsch, heutige, hiesige Schulen einseitig zu Paradiesen hochzustilisieren, aber mein Eindruck ist insgesamt, dass dort keineswegs immer nur alles schief, sondern vieles auch gut und richtig läuft, worüber nur selten berichtet wird. Weswegen man auch nicht allen apokalyptischen Schilderungen in diversen Medien glauben sollte.

Warum ich das alles erzähle? Weil ich auf keinen Fall den Eindruck erwecken möchte, ein undifferenziertes Bild über die Lehrerschaft spazieren zu führen.

Preisfrage: Was sollte man so können als als nicht nur theoretisch tätiger Pädagoge? Neben einem gewissen Fachwissen sollte man vor allem über zwei Fähigkeiten bzw. Eigenschaften verfügen. Erstens sollte man in der Lage sein, sein eigenes Verhalten kritisch zu reflektieren und zweitens sollte man irgendwie Menschen mögen. Ist das nicht der Fall, sollte man sich schnellstens einen anderen Job suchen, denn die Gefahr, sich und andere auf Dauer krank zu machen, ist dann sehr hoch. Woher ich das weiß? Weil ich eben auch die anderen gesehen habe, und es waren keineswegs nur gnatternde alte Säcke.

Es mangele Schülern heutzutage an Respekt, so ist oft zu hören. Das mag sein (ist aber auch ein Klassiker). Nur hat jedes Problem dummerweise mindestens zwei Seiten. Es ist eben auch so, dass gerade Kinder und Jugendliche, unabhängig von sozialer Herkunft und Bildungsstand, normalerweise ein ausgesprochen feines Gespür dafür haben, ob jemand sie respektiert oder nicht, und das meist auch gnadenlos spiegeln. Wenn man erlebt, wer da zuweilen Respekt einfordert von jungen Menschen, die er selbst wie evolutionäre B-Ware behandelt, dann sollte einen gar nichts mehr wundern.

Es gibt sie nämlich sehr wohl, die ungeeigneten Lehrer, die autoritären, die unreflektierten und die dauerüberforderten, die aber nie gelernt haben, sich Hilfe zu holen. Die ihre Schüler hassen, sie außer ein paar Hätschelkindern als Abschaum betrachten. Unterricht als Kampf ansehen, in dem widerborstige Schüler rund gemacht werden. Die nie auf ihre eigenen in der Kindheit oder noch im Referendariat erlittenen autoritären Deformationen geschaut haben. Oder die Standesdünkeligen, die verhinderten Professoren, die am liebsten an der Uni gearbeitet hätten, und den Frust darüber, dass das nicht geklappt hat, an den ihnen Anvertrauten auslassen. Auch solche habe ich erlebt und noch andere. Sie waren, wie gesagt, nicht die Mehrheit, aber es gibt sie und sie richten Schaden an. Und es muss darüber geredet werden.

(Wenn man sie nicht sieht, dann könnte das übrigens daran liegen, dass Stereotype, Gemeinheiten, Demütigungen und autoritäres Gehabe auch sehr nett daherkommen können, wie in Zuckerguss gehüllt. Etwa wenn dem hochintelligenten Mädchen mit Migrationshintergrund freundlich nahegelegt wird, das mit dem Abitur mal sein zu lassen, da sie eh heiraten würde. Wenn der zehnjährige Erkan trotz guter Noten keine Gymnasialempfehlung bekommt, der zehnjährige Alex hingegen schon, weil dessen Familie sich schließlich die Nachhilfe leisten kann. Alles nur, um Überforderungen vorzubeugen, versteht sich.)

Daher befremdet mich die Art und Weise, wie in Deutschland über Schulen, Schüler und Lehrer geredet wird, zuweilen auch so. Sicher, Lehrer waren und sind - siehe oben - nicht selten unfairen, pauschalen, meist schlicht falschen Anwürfen ausgesetzt, gegen die sie sich völlig mit Recht zur Wehr setzen. Und ja, es nervt ungemein, wenn jede hergelaufene Lallbacke sich als Bildungsexperte aufspielt, weil Pädagogik ja bloß Gedöns und man durch den eigenen Schulbesuch vor dreißig Jahren völlig ausreichend qualifiziert ist. Es regt mich auch auf, wenn Menschen, die die Verantwortung über ihr Leben und das ihrer Kinder weitgehend abgegeben haben und daher grundsätzlich nie an etwas Schuld sind, die Verantwortung für ihr eigenes schulische Scheitern oder das ihrer Kinder allein unfähigen Lehrern zuschieben wollen. Ich würde da wohl auch die Stacheln aufstellen, keine Frage.

Trotzdem fällt schon auf, dass eigentlich immer nur über die Defizite heutiger Schüler, sowie abwechselnd über ignorante Eltern, die den Erziehungsauftrag verweigern oder impertinente Helikoptereltern geredet wird, sicher durchaus zutreffend, wie selten aber zur Sprache kommt, dass es schlicht auch Lehrer gibt, die ihrer Aufgabe nicht gewachsen sind. Scheint ein echter blinder Fleck zu sein. Dito die Frage, wie sich damit umgehen lässt. Oder wieso die von vielen als traumatisch erlebte Lehrerausbildung immer noch weitgehend eine Black Box ist.

Daher begrüße ich es auch so, dass endlich jemand den Anfang macht und ausspricht, dass es nicht nur Problemschüler, -eltern, -schulen und Problembezirke, sondern definitiv auch Problemlehrer gibt. Es ist bezeichnend und heißt vielleicht so einiges, dass die Berliner Lehrerin, die diesen mutigen Schritt tut, sich möglicherweise nicht aus reiner Feigheit gezwungen sieht, das anonym zu tun. Umso mehr Erfolg ist ihr zu wünschen.


Kommentare :

  1. Guter Text, wobei ich die Polarisierung zwischen guten/schlechten Lehrern gar nicht mal nötig finde, auch wenn sie der Fairness dient. Man könnte die z.B. bereits schon bei den Helikoptereltern generell erweitern, bei ein wenig Gedanken von Lehrern wie Eltern gemeinsam, woher denn eigentlich so der Wille zum z.B. auch Abiturzwang mit Druck über Eltern auf Kinder kam, als ca. nach dem Millenium so die große Leistungsgesellschaft des schönsten, tollsten, besten "intelligentesten" ausgerufen wurde, und Diskussionen selbst noch darüber statt fanden, ob man nicht bereits schon an den Grundschulen zwei Fremdsprachen lehren sollte. Ich kann mich sogar noch an Elternabende erinnern, wo Bücher über die Hardcore-Methoden chinesischer Pädagogik gegen verweichlichte westliche Schmusekurse diskutiert wurden. Viele der alten Phrasen von Eltern wie Lehrern, könnte man in ein größeres Verständnis füreinander und damit auch für die Kids überführen, wenn sich die ersteren beiden über Zusammenhänge und Einflüsse alleine schon von so schönen Wörtern wie Leistungsgesellschaft oder Bildungsföderalismus klarer werden würden. Heute haben wir den Zustand, dass die Kids das Ergebnis davon, bzw. die Realität durchaus sehen und eine entsprechende Hoffnungslosigkeit leben, - nur Eltern wie Lehrer, leben anscheinend noch ihren Staatsauftrag.

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  2. Wobei man noch hinzufügen sollte, dass ein mittlerweile recht bekannter Spruch auch hier in BW eben auch bis in die Lehrerkollegien vorgedrungen ist, der da heißt; dass man das ja mit begrenzten Ressourcen machen muss. Ich bin jetzt kein Lehrer, aber ich kann mir auch dort, dieses i.d.R. darauf folgende verbissene Kopfnicken vorstellen.

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  3. Guter Text, sehr gute Schlußforderung.

    Ich kenne selbst ziemlich viele Schulsysteme "around the world".

    Was in Dt. durch die Drecks-Agenda losgetreten wurde, haben nur noch die Schüler, als Objekte, auszubaden.

    Auch hier weiß ich, wovon ich rede. Das alles verständlich auszuführen, würde hier viel zu weit gehen.

    Wenn jedoch ein Schulrektor einer Realschule sich mehr damit beschäftigt, Sponsorendeals mit dem Philips-Konzern als Großtat seines Rektorats im Großraum Stgtt zu feiern, als einer Lehrerin für kath. Religion in der 5ten Klasse ein für allemal zu verbieten,in diesem Fach benotete "Arbeiten" schreiben zu lassen, dafür es der gleichen Lehrerin im Fach Deutsch aber erlaubt, den etwa 50% ausländischen Kindern, die fast alle noch Schwierigkeiten mit der dt. Sprache hatten, mitzuteilen, sie müßten sich eben viel mehr anstrengen, dies sei eben eine Realschule mit hohen Lernzielen, dann weiß ich was bereits da schon alles nicht stimmt.

    Inkompetente Lehrer, Zielvorgaben erfüllende Schulleitungen und Ministerien, Kultusministerkonferenzen, die mittlerweile flächendeckend durch die Anwesenheit der "Wirtschaft" in die Richtung "wirtschaftliche Verwertbarkeit" geschubst werden.

    Und Eltern, die entweder selbst mit dem lernstoff überfordert sind und oder durch mehrere "Jobs" auch zeitlich nicht in der lage sind, ihren Kindern Hilfestellung zukommen zu lassen.

    Und jene Eltern, die einfach blind und taub von ihren Kindern Höchstleistungen verlangen, die einzelne Kinder bei der Rückgabe von "verhauenen" Arbeiten in Tränen ausbrechen lassen. Die verhauene Arbeit war eine 3, die elterliche Vorgabe lautete 2, besser 1. "Mit was anderem brauchst Du dich hier gar nicht blicken zu lassen."

    Wenn ich dann noch einen alten Ex-Lehrer wie Wahnfried Krätzmann den MP von BW geben sehe, der so dermaßen im Arsch von "Lord Zwetschge" und der gesamten BW-Industrie steckt, dann braucht sich niemand mehr Gedanken um die Zukunft von Kindern in Dt. zu machen.

    Bei den Themen Schulen, Bildung und Hartz IV gehen alle Gäule mit mir durch.

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  4. Fluchtwagenfahrer22. März 2017 um 10:56

    Moin,
    alles richtig und noch viel mehr.
    Ursache und nach dem Schulbesuch,die Wirkung. Alles blinde Flecken. Die ganze Sch.... kommt mir vor wie eine sich selbst erfüllende Prophezeiung.
    Entweder vorher Krüppel und/oder nachher. Empathielose, selbstgerechte, strampelnde und Ellenbogen fahrende Erfolgstypen oder H4.
    Nimm noch ein bisschen SOMA sagt der Birnendoktor, eine echt "schöne neue Welt"
    A.H. 1932

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  5. Guter Artikel, wichtiges Thema!


    "Trotzdem fällt schon auf, dass eigentlich immer nur über die Defizite heutiger Schüler, sowie abwechselnd über ignorante Eltern, die den Erziehungsauftrag verweigern oder impertinente Helikoptereltern geredet wird."

    Was meines Erachtens medial betrieben wird, ist ein Ping-Pong-Spiel der Verantwortlichkeiten zwischen Erziehern, Lehrern, Eltern und Schülern. Immer ist die andere Partei schuld. Das erlebt man wirklich überall: in der Schule ärgern sich die Lehrer über die Schüler und die Eltern, im Kindergarten die Eltern über die Erzieher und so weiter und umgekehrt. Dabei geht es mir nicht einmal darum, dass sich jeder mal selbst reflektieren sollte (ja, ist wichtig!), sondern dass bei diesem "Teile-und-Herrsche-Spielchen zwei andere Parteien, die für den ganzen Leistungsdruck, die Kürzungen und den katastrophalen Arbeitsmarkt verantwortlich sind, schlicht nicht ins Visier genommen werden: Politik und Wirtschaft. Da tun sich lieber Eltern zusammen, um gemeinsam gegen Schul- oder Kindergartenkonzepte vorzugehen, die aber auch nur aus der Not der Finanzierung hervorgegangen sind.

    Ich stimme da "Alles Nur Satire" komplett zu:

    "Und jene Eltern, die einfach blind und taub von ihren Kindern Höchstleistungen verlangen, die einzelne Kinder bei der Rückgabe von "verhauenen" Arbeiten in Tränen ausbrechen lassen. Die verhauene Arbeit war eine 3, die elterliche Vorgabe lautete 2, besser 1. "Mit was anderem brauchst Du dich hier gar nicht blicken zu lassen."

    Gerade im privaten Umfeld selbst erlebt. Da hat es ein 9jähriger gewagt, eine 3 in Mathe zu schreiben, bekam Riesen-Anschiss dafür und durfte dann tagelang Mathe pauken. Die Ängste der Eltern ihren vermeintlichen "Wohlstand" zu verlieren, weil die Kinder keine großen Abschlüsse/Noten machen, sitzt tief. Dabei kann keiner wissen, wie der Arbeitsmarkt in 10 Jahren aussehen wird. Unter Umständen nutzen dann auch die besten Noten gar nichts, wenn man nicht entsprechende Beziehungen und/oder irgendwie Glück hat. Derweil wird den Kindern ihre Kindheit regelrecht versaut.

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  6. Ja, es gibt Problemlehrer, Problemschüler, Problemeltern, Problemviertel, von der Problemschulpolitik ganz zu schweigen (wenn ich nur daran denke, wieviele Stunden der Tag haben müsste, um die ganzen vehement eingeforderten zusätzlichen Unterrichtsfächer unterzubringen...)

    Was allen Beteiligten gut täte, wäre, sich bewusst zu machen, dass Schule ein komplexes System ist, das dann am besten funktioniert, wenn jeder seine Rolle wahrnimmt und die Aufgaben erfüllt, die sie mit sich bringt. Das gilt besonders für die Erwachsenen, weniger für die Schüler.

    Es macht keinen Sinn, wenn Eltern und Lehrer sich gegenseitig die Schuld für die schlechten schulischen Leistungen eines Kindes in die Schuhe schieben. Beide Seiten müssen ihren Job machen und sich vor einigen falschen Geisteshaltungen hüten. Das heißt konkret für Lehrer:

    -sich nicht als Einzelkämpfer halbgöttlicher Abstammung begreifen, der über jede Kritik erhaben ist. Unterrichten ist Teamplay. Immer. Ob man will oder nicht. Und der Austausch mit Kollegen ist einfach wichtig, selbst wenn es nur Dialoge sein sollten wie: "Mensch, war der Leon bei dir heut auch so komisch drauf? Das kenn ich gar nicht von ihm." "Stimmt, der war seltsam heute. Mal drauf achten."

    -Eltern nicht von vornherein als Gegner oder Rivalen begreifen. Kein noch so guter Lehrer kann das Elternhaus ersetzen und keine noch so fürsorglichen Eltern die Schule.

    -sich einmal ein bisschen mehr mit Sozialpsychologie beschäfitgen, Stichwort: Rosenthaleffekt. Wenn ich als Lehrer der Meinung bin, nur einen Haufen Deppen vor mir zu haben, werde ich ihnen deutlich weniger beibringen, als wenn ich dieses Vorurteil nicht hätte. Ist so.

    Eltern hingegen sollten sich bewusst machen, dass:


    -Schule weder ein Basar, noch ein Unternehmen ist, in dem es darauf ankommt, den Konkurrenten (die Lehrer) möglichst geschickt übers Ohr zu hauen. Eltern und Lehrer sind vielmehr aufeinander angewiesen. Der Lehrer kann nicht ins heimische Wohnzimmer schauen und die Eltern nicht in den Unterricht. Gerade um schwierige Schüler auffangen zu können, ist es wichtig, dass Lehrer und Eltern an einem Strang zu ziehen und sich nicht gegenseitig die Autorität untergraben.

    - dass Eltern nicht all ihre Erziehungsaufgaben an die Schulen abtreten können. Das gilt nicht mal für Internate. Wer Kinder hat, trägt Veratnwortung für sie und die äußert sich nicht nur darin, dass man viel Geld für die Kleinen ausgibt, sondern vor allem, dass man Zeit mit ihnen verbringt. Da muss das eigene Ego zurückstehen. Das Kindeswohl kommt zuert.

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  7. Unser Lehrer war super.Aufklärungsunterricht war auch super.Weder ich noch meine Mitschülerinnen wurden vor 30 schwanger.Keine hat mehr als ein Kind. Danke Herr Wieland.

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    1. Freut mich für Sie.

      @UJ: Oh ja, neue Unterrichtsfächer für Irgendwas zu fordern ist ja eh ein Volkssport. Aber nur im Sinne der jeweiligen Lobbygruppe bitteschön. Wehe, es würde jemand im so oft und vehement geforderten Fach Ökonomie etwa eine kritische Auseinendersetzung mit den herrschenden Verhältnissen anfangen...
      Im übrigen völlig richtig. Schule war und ist eine Dreiecksbeziehung aus Eltern, Schüler und Schule/Lehrer. Wenn eine Ecke ausfällt, können die jeweils anderen beiden das normalerweise kompensieren, wenn zwei das tun, schon nicht mehr.

      @epikur: Ich wurde vor vielen Jahren einmal gebeten, einer Nachbarstochter meiner Eltern Nachhilfe in Deutsch zu geben. Habe ich auch gemacht. Als die Lehrerin das erfuhr, muss die durch die Decke gegangen sein, denn das Mädchen stand auch ohne meine Hilfe zwischen 1 und 2. Die Eltern hatten halt Angst um die glatte Eins...

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  8. Und wo sind die Vorurteile, die Ausgrenzung und die rücksichtslose systemgerechte Umformung am Schlimmsten? An den Gymnasien. Zumindest in Städten, wo es viele Schulen gibt. Nach einem Jahr G8-Hölle mit gnadenlosem Leistungsdruck und null Unterstützung bei Problemen weinte unser Sohn jeden Morgen vor der Schule. Diesen Fehler werde ich als Papa NIEMALS wiederholen. Wir haben dann glückerweise eine tolle Gesamtschule mit modernem Konzept und höchst engagierten Lehrern gefunden, die mit großer Mühe den armen Kerl wieder aufgepäppelt haben und auch sonst mit großem Einsatz um jede Schülerin und jeden Schüler kämpfen. Mit viel Respekt und Empathie, egal aus welchem Kulturkreis die Schäfchen kommen. Heute ist mein Sohn ein selbstbewusster Jugendlicher, der ohne jede Hilfe von außen mit soliden Noten Richtung Abi marschiert und sich in der Freizeit in der Jugendarbeit engagiert. Auch mit der heftig pubertierenden Tochter gibt es viele Probleme, aber die Schule hält die Stellung.

    PS: Die Schule ist übrigens eine Ex Hauptschule und liegt auch eher in einem "schwierigen" städtischen Umfeld.

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    1. Das Loblied der guten Gesamtschule und deren Arbeit wird viel zu selten gesungen. Diese Erfahrungen decken sich sehr schön mit denen, die ich die letzten 15 Jahre über machen konnte und die sich zusammenfassen lassen mit: Schulformen sind irrelevant, es gibt nur gute und schlechte Schulen.

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    2. Hast recht, es gibt nur gute Schulen und schlechte Schulen, die Schulform ist da bestenfalls zweitrangig.

      Das Gymnasium meiner Tochter (G8-Hölle, die hat in der 5. und 6. Klasse schon ungefähr soviele Wochenstunden wie ich damals in der Oberstufe, aber wir hatten auch noch G9 und eine 6-Tage-Woche) ist sehr engagiert, begleitet die Schüler beim Wechsel aus der Grundschule, hat ein gut durchdachtes Konzept mit Förderung und Begleitung wo nötig. Das geht also ohne Extramittel.

      Ich bin kein Freund von G8, aber so wie diese Schule das anstellt, funktioniert es. Und das nicht, weil es ein Gym-na-si-um ist, sondern weil es eine gute Schule ist, wo engagierte Lehrer_innen mit Unterstützung einer offensichtlich vernünftigen und ebenfalls engagierten Schulleitung das Beste aus einer suboptimalen Anforderungssituation machen. Die kommunizieren tatsächlich auch mit Eltern.

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