Mittwoch, 18. Mai 2016

Die Quotenmänner sollen's richten


Es ist gut dokumentiert und schwer zu bestreiten, dass es in Spitzen- und Führungspositionen einen deutlichen Männerüberhang gibt. Daraus aber nun zu schließen, Männer verdienten immer und überall mehr Geld als Frauen und seien auch sonst privilegiert wie nur was, ist hanebüchener Kokolores, der auch durch jahrzehntelanges, stoisches Wiederholen nicht richtiger wird. Gereon Asmuth fällt anscheinend immer noch darauf herein, wenn er behauptet, das treffe besonders auf Berufe zu, die :

"… als Arbeitsfelder für Frauen gelten: Krankenschwester, Altenpflegerin, Grundschullehrerin, Kindergärtnerin, Putzfrau.
Für die letzten beiden gibt es zwar euphemistische Neubezeichnungen wie Erzieherin oder Raumpflegerin, doch eins ist geblieben: die extrem miese Bezahlung. Jedenfalls im Vergleich zu Männerberufen wie Automechaniker, Gymnasiallehrer, Installateur oder Hausmeister, die angeblich viel wichtiger sind und deshalb besser bezahlt werden."


Seine Konsequenz:

"Wenn aber Arbeitgebern vorgeschrieben wird, einen bestimmten Anteil aller Positionen mit Männern zu besetzen, bleibt ihnen nur eins übrig: Löhne raufsetzen." - verstehe, jetzt sollen es also Quotenmänner richten. Fragt sich nur, ob die das überhaupt können und ob eine Männerquote für Frauenberufe ein geeignetes Mittel sein kann. Danach sieht es nicht aus.

Es ist ja immer wieder faszinierend, mit welchen Oberflächlichkeiten weitreichende Zwangsmaßnahmen begründet werden sollen. Nein, ich habe nichts gegen die Idee, dass mehr Männer, die dies möchten, in typischen Frauenberufen arbeiten sollten, so wenig wie ich ein Problem habe mit Frauen in Blaumännern. Ich halte die Vorstellung, es gäbe Berufe, die Männer und Frauen allein qua Geschlecht a priori besser geeignet seien, eh für albern und überholt.

Abgesehen davon, dass es viele der genannten Berufsbezeichungen größtenteils nicht (mehr) gibt (erst recht nicht "Putzfrau"), sollte sich, wer so etwas ernsthaft behauptet, den Vorwurf gefallen lassen, keine Ahnung davon zu haben, was in diversen Berufen so für Löhne und Gehälter gezahlt werden. Die steile Forderung nach einer Männerquote in Frauenberufen ist nämlich nur begründbar, wenn die Situation tatsächlich so ist wie behauptet, dass nämlich in männlich dominierten Berufen prinzipiell besser bezahlt wird als in welchen, in denen vornehmlich Frauen arbeiten. Nehmen wir als Beispiel einmal die Top 3 der bei jungen Frauen und Männern beliebtesten Berufe. Konsultiert man einschlägige Statistikseiten, werden dort folgende Einstiegsgehälter genannt:

Frauen:
1. Kauffrau für Büromanagement: (1.800-2.400 €)
2. Verkäuferin (1.470-1.800 €)
3. Kauffrau - Einzelhandel: (1.500-2.200 €)

Männer:
1. Kfz-Mechatroniker: 1.500 € - 1.900 €
2. Industriemechaniker: 2.300 € - 2500 €
3. Kaufmann im Einzelhandel (s.o.)

Freilich sind das Einstiegsgehälter und Durchschnittswerte. Sollten die aber so weit in Ordnung sein, dann ist das, abgesehen von einem Ausreißer (Industriemechaniker), alles mehr oder weniger ein Brei, krasse Unterschiede kaum zu erkennen, weißes Rauschen. Zum Vergleich: Für Erzieherinnen werden 1,700-2.300 € genannt, für Gesundheits- und Krankenpfleger/innen 2.000-2.300 €. Keine Reichtümer. Ein Blick auf Einstiegsgehälter in diversen Handwerksberufen zeigt allerdings, dass sich auch in angestammten Männerberufen mitnichten hemmungslos die Taschen vollgemacht wird.

Apropos Lehrer: Wer oder was hindert Frauen mit Abitur (2014 war knapp 55 % des Abiturjahrgangs weiblich) eigentlich daran, sich für Lehramt Sekundarstufe II einzuschreiben statt für Primarstufe? Ich kenne aus Studienzeiten etliche Frauen, die problemlos Gymnasiallehrerinnen geworden sind, ohne dass ihnen jemand Steine in den Weg gelegt hätte. Auch im Seminar (Sek. II) fiel  das Geschlechterverhältnis insgesamt knapp zugunsten der Frauen aus. Man kann natürlich beklagen, dass in naturwissenschaftlich-technischen Fächern das Geschlechterverhältnis anders war als etwa in sprachlichen, nur wirkt sich das bei Lehrern meines Wissens nach nicht auf die spätere Bezahlung aus.

Oft wird auch mokiert, in vielen klassischen Frauenberufen wie (zahn-) medizinische Fachangestellte, Erzieherin oder in Pflegeberufen seien die Aufstiegschancen mau. Kann sein. Aber was ist mit denen in klassischen Männerberufen? Welche Aufstiegschancen hat ein Altgeselle im Handwerk, außer die (kostspielige) Meisterprüfung abzulegen und sich selbstständig zu machen? Hat auch längst nicht jeder die Chance. Zumal gerade pflegende und erziehende Berufe in letzter Zeit erheblich aufgewertet und akademisiert werden, wodurch sich Türen an den Hochschulen öffnen.

Natürlich steht zwischen Frauen und Männern nicht alles zum Besten. Ohne Frage ist es unzivilisiert, wenn nicht schlicht dämlich, wenn ein bestimmter Typ Mann sich voll berechtigt fühlt, Diskussionspartnerinnen mit breitärschigen sexistischen Tiraden, heillosen Unterstellungen oder allen Ernstes mit Vergewaltigungsdrohungen zu kommen wie eine Horde Backenhörnchen auf Speed. Es nervt nicht nur Frauen, wenn doofe Kerle so tun, als sei die Welt ein einziger erotischer Selbstbedienungsladen. Nur sind das längst nicht alle, daher fühle ich mich durchaus angegriffen, wenn ich mit solchen Honks in einen Topf geworfen werde.

Mag sein, dass es für Frauen nach wie vor schwierig ist, sich in gewissen Berufen zu etablieren, will ich gar nicht bestreiten. Nur ist das umgekehrt auch für Männer in klassischen Frauenberufen so. Männliche Erzieher und Grundschullehrer machen nicht selten einen echten Streifen mit und brauchen ein dickes Fell. Hämische Kommentare von wegen, hach, da könnten die armen, armen Kerlchen mal sehen, was Frauen seit Jahrtausenden widerführe, mögen die, die sie vom Stapel lassen, vielleicht amüsant finden, bringen aber ebenfalls niemanden weiter und treffen überdies ebenfalls genau die Falschen.

Es geht nämlich nicht um Frauen gegen Männer. Es geht um schwach gegen stark, arm gegen reich und vor allem um dumm gegen klug. Breitgetretener Quark wie das Märchen vom Gender Pay Gap oder der unhinterfragt verbreitete Mythos, in handwerklichen und technischen Berufen werde grundsätzlich besser bezahlt, helfen daher erst recht niemandem. Der eigentliche Skandal ist doch, dass in so vielen Berufen, darunter durchaus qualifizierten, durch die Bank so bezahlt wird, dass Altersarmut oft unvermeidlich ist. Miese Bezahlung aber bleibt miese Bezahlung, gleich in welchem Beruf und egal ob für Frauen oder Männer.




2 Kommentare :

  1. Interessant ist auch , daß die "Gleichheits"-Forderungen überall dort auftauchen , wo es was zu holen gibt . Niemand fordert Frauenquoten fürs Druckereigewerbe , für Bauhilfsarbeiten oder die Müllabfuhr.

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  2. Das ist in der Tat auch mein größtes Problem mit dem Feminismus: Es handelt sich vornehmlich um ein Elitenprojekt mit dem Talent, potenzielle Helfer vor den Kopf zu stoßen.

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