Montag, 10. August 2020

Gegen den Strich


Florian Schroeder sprach am Wochenende auf der 'Querdenken 711'-Demo in Stuttgart. Er eröffnete seinen Auftritt, trotz Hitze in Anzug und Krawatte, mit den Worten: "Mein Name ist Schroeder, ich komme aus dem Mainstream.", und bürstete die Veranstaltung dann gute zehn Minuten lang gründlich gegen den Strich. Er wurde eingeladen (ob die Organisatoren vorab wussten, was sie sich damit einhandelten, ist nicht bekannt). Man hat ihn ausreden lassen, wenn auch unter teils heftigem Protest. Muss man lobend erwähnen. Ist ja längst nicht mehr selbstverständlich heute.


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Eine kleine Ergänzung zum 'Ring des Nibelungen': Der weitgehend festivalfreie Corona-Sommer sorgt dafür, dass diverse Fernsehsender momentan in die Mediatheken schaufeln was geht und so dem Musikfreund viel Schönes bescheren. Jetzt hat der Bayerische Rundfunk am Samstag auch den erwähnten 'Jahrhundertring' von Chéreau/Boulez übertragen und online gestellt. Allein Peter Hofmann (der leider stimmlich an Grenzen stößt) und die hinreißende Jeannine Altmeyer als Siegmund und Sieglinde im ersten Akt von 'Die Walküre' - mehr Sex war selten auf der Bayreuther Bühne.




Kommentare :

  1. Richard Wagner und Sex. Einen Flugzeugabsturz in der Economy-Class live erleben, die Sicherheitsüberprüfung einer Dampflokomotive der Baureihe 18.4-5 oder 18.6 oder den passenden Wein für eine Tiefkühlpizza aussuchen? Gibt es Begriffe, die noch weiter auseinanderliegen?
    Ich habe gerade festgestellt, daß Wagner vor dem Frühstück noch ein gutes Stück weniger unverdaulich ist, als mit vollem Magen.
    Abseits der Musik: Die Inszenierung erinnert mich an mein „Gastspiel“ beim Staatstheater Braunschweig (kleine Bühne, die mit den eher experimentellen Aufführungen). Da schlichen auch immer solche Erneuerer herum mit ganz phantastischen Ideen. Besonders gerne erinnere ich mich an Shakespeares Othello und der dringenden Frage, warum es keine Unterwassermikrophone gibt, in das die Schauspieler unter Wasser in einem Swimming-Pool singen können. Unter Wasser wohlgemerkt („doch, natürlich geht das – aber nur sehr, sehr kurz! Noch kürzer, als die Schauspieler „Blubb, blubb“ singen können.“) Nachdem mein Kollege und ich vorgerechnet haben, wieviel das pro Aufführung kosten würde, wir uns als typisch dumme, phantasielose Knechte und wenig innovativ haben brandmarken lassen, wurde die Szene ersatzlos gestrichen. Genau wegen dieser Uneinsichtigkeit über dem Kampf zwischen der heeren Kunst und der Physik wurde es dann auch kein Erfolg. Nicht mal ein kleiner. Es war eben Braunschweig und nicht Bayreuth.
    Ich sehe es vor mir: „Ach, lass die Walküren doch hinter der Staustufe einer Kläranlage auftreten! Die wohnen da! (gibt es eigentlich wasserdichte Mikrophone??? Nein? Was ist eigentlich mit den Walgesängen??? Ach, erwähnte ich schon, daß Wotan in einem Opel Manta auf die Bühne rollt? Das mit dem Hoitiho-Speer und den engen Türen klären wir noch! Braucht Wotan eigentlich einen Speer oder tuts nicht auch eine Axt? Dann können wir uns den Umbau mit den Türen schenken. Wenn der Manta ein Schiebedach hätte, könnte der Speer auch oben rausgucken“). So oder so ähnlich habe ich mir diese Aufführung heute Vormittag angesehen.
    Das ist so ähnlich wie bei „ das Leben des Brian“ oder dem klingschen Känguruh: Für bestimmte Szenen ist man ein für alle Mal gestrichen. „Halt mal kurz!“
    Aber – und das möchte ich an dieser Stelle festhalten! - ich hab`s mir angesehen!

    P.S. Der eine oder andere Shakespeare-Freund kann sich an den Swimming-Pool nicht erinnern? Auch nicht an die Band und das ewig verstimmte oder defekte Keyboard?
    Banausen, alles Banausen!

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    1. Moinsen Pantoufle,
      Du hast dir das komplett gegeben? Noch vor dem Frühgestückel? Respekt! Aber Wagner und Sex, das geht schon. Der Typ hatte kein Problem mit einer gepflegten Dreiecksgeschichte. In 'Tannhäuser' geht es im Prinzip darum, dass ein erotischer Schmecklecker von einer piefigen Gesellschaft zur Pilgerfahrt nach Rom geschickt wird und bei 'Tristan und Isolde' geht in der Musik bzw. im Orchester das ab, was auf der Bühne eben nicht gezeigt werden kann/konnte/darf/durfte. Und was die Inszenierung angeht - das ist Geschmackssache. Chéreau gilt jedenfalls als einer der ersten, der da in Bayreuth mal Leben bzw. Bewegung in die Bude gebracht hat, denn es ging da früher recht statisch zu. Und wenn alle Stricke reißen, hilft immer noch ein kräftiges "Hurz!", wenn's die Erneuerer zu dolle treiben...

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  2. Um die Sache zu vervollständigen: Braunschweigs Desdemona hatte wunderschöne blaue Augen und war auch sonst…lassen wir das! Außerdem war Othello auch schon so eifersüchtig genug.
    Also auch kein Sex.

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