1. Spielerisch wissen wir gar nichts.
Was auch sonst? Größe ist nicht natürlich nicht alles. Der DFB hat doppelt so viele Mitglieder wie Kroatien Einwohner:innen hat. Trotzdem stand die kroatische Auswahl vor vier Jahren im Finale. Aber es gibt Grenzen. Das 7 : 1 der deutschen Mannschaft gegen Curaçao (160.000 Einwohner:innen) ist sicher eine gute Basis und sorgt für Stimmung, wird aber am Ende so viel oder so wenig wert sein wie das eher gehemmte torlose Unentschieden der favorisierten Spanier gegen die Kapverden oder das dominante 4 : 2 der englischen Auswahl gegen die kroatische. Ein Sieg im Auftaktspiel kann beflügelnd wirken, eine Niederlage muss einen aber nicht zurückwerfen. Bestes Beispiel: Die späteren Weltmeister aus Argentinien verloren 2022 ihr Auftaktspiel gegen Saudi-Arabien. Am ehesten wird eine Mannschaft zur Meistermannschaft, wenn sie im Turnierverlauf einmal am Abgrund stand, in einer der k.o.-Runden ein Spiel zu überstehen hatte, nach dem das Team das Gefühl hat: Jetzt kann uns keiner mehr.
2. Die verpflichtenden Trinkpausen verändern das Spiel. Erheblich
Weil Gianni Infantino zu den Menschen gehört, die sich keine Einnahmequelle entgehen lassen, geht es der FIFA bei den nunmehr obligaten Trinkpausen zur Mitte jeder Halbzeit nicht um die Gesundheit der Spieler. Ginge es darum, hätte man alles so lassen können, wie es war. Denn Trinkpausen während der Halbzeit sind bereits seit 2014 möglich, allerdings nur bei entsprechenden klimatischen Bedingungen. Wenn Stadien die US-typisch auch in härtester Sommerhitze auf Kühlschrank herunterklimatisiert werden, ist das unnötig. Eher müssten zum Ausgleich Pinkelpausen eingefügt werden.
Zumal das Spiel sich durch die feste Trinkpause verändert in Richtung vier Viertel statt zweier Halbzeiten. Im Spiel gegen Curaçao schien die deutsche Mannschaft nach dem Ausgleich ein wenig aus dem Tritt zu geraten, das Momentum zu verlieren. Durch die Zwangspause hatte Nagelsmann die Chance, alle zusammenzutrommeln und noch einmal neu einzuschwören. Was es genau gebracht hat, weiß man natürlich nicht, aber das Spiel war danach ein anderes.
die Lücke in meinem Lebenslauf ist eine Hydration Break powered by Powerade
— E L H O T Z O (@elhotzo) June 16, 2026
3. Wer 2026 immer noch von 'Goldenen Generationen' redet, hat den Knall nicht gehört.
Die portugiesische und die belgische Auswahl waren ja angeblich mit einer solchen ausgestattet. Einer Ansammlung einzigartiger Talente, die den Weltfußball fürderhin dominieren würden. Ausbeute bis hierhin: Einmal Europameister (Portugal 2016), ein dritter Platz bei einer WM (Belgien 2022). Glückwunsch, das ist natürlich nicht nichts, aber Weltherrschaft sieht anders aus. Nach diesem Turnier werden mit Ronaldo und de Bruyne wohl die letzten Goldjungs in Rente gehen. Derweil drückt zumindest einer aus der belgischen Golden Generation dem Fußball einen Stempel auf: Bayern-Trainer Vincent Kompany.
4. Die Stimmung in den Stadien ist überraschend gut.
Allen Zumutungen zum Trotze wie Orwellschen Einreisebestimmungen, festungsartigen Grenzkontrollen, absurd hohen Reise- und Hotelkosten und Mondpreisen fürs Stadionbier, pardon marktüblichen Preisen für ein im Stadion erhältliches, leicht alkoholisches kohlensäurehaltiges Erfrischungsgetränk mit dezentem Malzaroma, scheinen die Fans sich die Laune nicht verderben zu lassen.
5. Die missionarische Beterei nervt.
Dass Felix Nmecha (BVB) und Jonathan Tah (FCB) gläubige Christen sind, ist ihre Sache und ihnen unbenommen. Und wenn Nmecha glaubt, beim 7 : 1 habe Jesus Christus persönlich die Finger im Spiel gehabt, dann ist auch das natürlich seine Sache. So wie ich die Freiheit habe zu glauben, der letzte WM-Titel einer deutschen Mannschaft 2014 sei dem Fliegenden Spaghettimonster zu verdanken. Niemand sollte ein Problem haben damit, wenn ein religiöser Spieler nach einem Tor für sich eine entsprechende Dankesgeste macht.
Wenn Nmecha aber nach dem Spiel eine öffentliche Gebetszeremonie veranstaltet und dann tatsächlich gesagt haben sollte: "Wir alle glauben, dass Jesus durch das Spiel verherrlicht wird.", dann begehre ich nicht mitgemeint zu sein beim brühwarm übergriffigen "Wir alle", wenn's recht ist. Nun bin ich nicht gläubig, aber wäre ich es, dann würde ich annehmen, dass es für Jesus momentan weit wichtigere Baustellen gäbe auf der Welt als die, elf Jungmilliönären in weißen Leibchen irgendwie beim Wettkicken zu helfen.
Übrigens: Es heißt ja, Evangelikale nähmen die Bibel wörtlich. Schlagen wir doch mal nach:
"Und wenn ihr betet, dann tut das nicht wie die Heuchler! Sie beten gern öffentlich in den Synagogen und an den Straßenecken, um von den Menschen gesehen zu werden. Ich versichere euch: Diese Leute haben ihren Lohn schon erhalten! Wenn du beten willst, zieh dich zurück in dein Zimmer, schließ die Tür hinter dir zu und bete zu deinem Vater." (Mt 6, 5/6)
Also, was bitte gibt es an diesen Worten Jesu Christi falsch zu verstehen?
6. Messi scheint deutlich besser gealtert als Ronaldo
Der eine macht einen Dreierpack, der andere steht im Weg rum wie Opa, der seinen Rollator nicht findet.
"dem Fliegenden Spaghettimonster zu verdanken"
AntwortenLöschen... versündige dich nicht Forist!
Gruß, Lasagne-Leo der Vierzehnte