"In Deutschland gilt ein Rechtsdrall als vernünftig und erwachsen, linke Alternativen sind dagegen immer utopische Spinnereien. Wenn von harten Reformen die Rede ist, verbergen sich dahinter Kürzungen von Sozialleistungen, aber sicher nicht das von Thomas Piketty empfohlene Erbe für alle, das Ende des Dienstwagenprivilegs oder gar ein konsequenter Entzug aus unserer fossilen Abhängigkeit." (Nils Minkmar)
Will man, sagen wir, einen Ausflug unternehmen ins liebliche Waldecker Land, zum Beispiel um das schöne Warburg zu besuchen, das nicht zu unrecht als Rothenburg Westfalens bezeichnet wird, benutzt man, so man nicht öffentlichen Verkehr frequentieren mag, von hier aus am besten die A 44. Und da fährt man dann, vor allem in den Ebenen hinter Paderborn, zeitweise durch wahre Wälder an Windkraftanlagen. Glaubt man Frau Weidel von der 'A'fD, handelt es sich dabei um "Windmühlen der Schande", die alle "niedergerissen" gehören.
![]() |
| Nett hier... |
Nun kann man über den ästhetischen Wert der Propeller gewiss streiten (wobei andere Stromerzeugungsanlagen meist auch nicht gerade Augenweiden sind), aber: Wie genau soll das mit dem Niederreißen vonstatten gehen? Die Dinger stehen meist ja nicht auf staatlichem Grund und Boden, auf den Bund/Länder/Kommunen direkten Zugriff hätten, sondern auf privatem. Normalerweise auf dem von Bauern, die durch Stromerzeugung gewisse Einnahmen generieren. Auf die sie natürlich ungern verzichten würden. Auch würden sie den Teufel tun, auch nur einen Cent eigenes Geld aufzuwenden für den Rückbau. Selbst wenn man irgendwelche Gesetze durchpeitschen würde, die die Geräte aufgrund irgendeines unwissenschaftlichen Quarks rückwirkend für illegal erklärten, müssten die betreffenden Bauern wohl entschädigt werden usw. Ich will nicht behaupten, das sei unmöglich, aber auf legalem, verfassungskonformem Wege würde das extrem teuer.
Zumal erneuerbare Energien, anders als von Kulturkämpfer:innen verbreitet, ja nicht das spinnerte Hobby von ein paar verpeilten Lastenradfahrer:innen sind. Volkswirtschaften wie die chinesische sind dabei, komplett auf Erneuerbare umzustellen. Gleichzeitig müsste man natürlich die Versorgungslücke schließen, die sich dann sehr bald auftäte. Vermutlich durch Atomkraftwerke. Von denen die ersten wahrscheinlich in 20-25 Jahren ans Netz gingen. Also Kohle- und Gasverstomung. Die Rohstoffe dafür müssten dann wieder aus dem Ausland bezogen werden. Am besten bei Dann-wieder-Freund Putin wahrscheinlich.
Fun fact: Erneuerbare Energien haben den nicht wegzudiskutierenden Vorteil, dass sie einen vom Ausland komplett unabhängig machen. Aber pssst, nicht weitersagen!
"Das große Problem [mit der 'A'fD, d. V.] ist, dass diese Partei meiner Meinung nach nicht immer, aber doch immer wieder tatsächlich bestehende Probleme diagnostiziert, um dann mit derselben fauligen Therapie zu kommen, nämlich nationalistischer, völkischer Ideologie." (Hasnain Kazim)
Bzw., müsste man ergänzen, jenseits wolkiger Andeutungen a'la "Das werden Sie dann schon sehen!" oder "Warten Sie doch einfach mal ab!", für absolut nichts auch nur den Hauch eines ernst zu nehmenden Lösungsansatzes auf der Pfanne hat. Die meisten derer Wähler:innen scheinen es bereits für Politik zu halten oder sich damit zufriedenzugeben, wenn einfach mal ganz mutig Probleme offen ausgesprochen, andere sich ärgern und eigene Ressentiments gebauchpinselt werden. Bedaure, aber mir reicht das nicht.
Ein anderes Beispiel: Ulrich Siegmund, seines Zeichens Landeschef der 'A'fD in Sachsen-Anhalt und Ministerpräsident in spe, war einer der Redner beim Geheimtreffen von Potsdam. Berichten zufolge stellte er seine Vision für Sachsen-Anhalt vor für den Fall, dass die 'A'fD an die Regierung käme: "Das Straßenbild müsse sich ändern, sagte Siegmund. Ausländische Restaurants sollten unter Druck gesetzt werden. Es solle in Sachsen-Anhalt »für diese Klientel möglichst unattraktiv sein zu leben«. Und das könne man sehr einfach realisieren." (Anette Dowideit)
Nun kann man sich ja meinethalben daran stören, dass es in einigen Stadtvierteln einen Dönerladen am anderen gibt. Wie genau aber das Leben "für diese Klientel" unattraktiv gemacht werden soll, führt er nicht weiter aus. Obwohl es doch angeblich ganz einfach ist. Wie soll das aussehen? Wie soll das ohne massive staatliche Eingriffe in die Gewerbefreiheit gehen? Glauben die, wenn die ausländischen Restaurants dann alle leergezogen sind, stünden massenhaft nicht undeutsche Pächter Schlange, um endlich Schnitzelstübchen, Gulaschkanonen und Bratkartoffeln-mit-Sülze-Häuser zu eröffnen? Man weiß es nicht, aber es ist nicht ausgeschlossen, dass man da etwas nach US-Vorbild im Sinn hat und geltendes Recht einfach ignoriert werden soll.
In Österreich hatte die FPÖ vor ein paar Jahren mal die Idee, Gasthäuser staatlich zu prämieren, die einen bestimmten Anteil traditioneller regionaler Gerichte auf der Karte haben. Das ist meines Wissens nach sang- und klanglos im Sande verlaufen. Vermutlich haben Juristen ihnen erklärt, dass entsprechende gesetzliche Regelungen, die es bräuchte, im Einzelfall überaus schwierig werden dürften. Begriffe wie 'traditonell' und 'regional' sind halt maximal ungenau und jede:r verbindet was anderes damit. Was qualifiziert ein Gericht als traditionell? Viele traditionelle Gerichte der österreichischen Küche kommen aus ehemaligen k.u.k.-Kronländern. Man müsste also auf ein umstrittenes Konzept wie 'Kulturraum' zurückgreifen, was alles nur noch schwammiger machte.
Wie wäre das bei uns? Seit wie vielen Generationen muss ein Gericht hierzulande verzehrt werden, um als traditionell bzw. einheimisch zu gelten? Gehört der einst vom Deutschen Clemens Wilmenrod erfundene Toast Hawaii dazu, den immerhin schon meine Großeltern zwar nicht mochten, aber kannten? Hat die deutsche Erfindung Currywurst genug Tradition? Hamburger gehen ursprünglich zurück auf die hamburgische Spezialität 'Rundstück warm'. Also, Freiheit für Mäckes? Wie ist das in Grenzgebieten? Darf zum Beispiel bis 20 Kilometer vor der niederländischen Grenze Frikandel speciaal als traditionell serviert werden? Das ist doch alles komplett gaga.
Eigentlich fällt mir nur eine realistische Möglichkeit ein: Es wird eine staatliche Kommission gegründet, die beschlösse, was zur traditionellen deutschen Küche gehört und was nicht. Wenn die dann nach zehn Jahren fertig wären mit diskutieren, würde eine Kette staatlich betriebener Restaurants gegründet, die das dann zu subventionierten Preisen anbieten würde. Hätte zwar ein bisschen was von DDR, aber immerhin gäbe es schon Erfahrung damit.
Man könnte natürlich noch endlos weitermachen. Etwa mit der Frage, wie eine zusehends alternde deutsche Bevölkerung die ganzen Jobs machen soll, die mehrheitlich von jüngeren, fitteren Migrant:innen gemacht werden, die aber, wie es heißt, größtenteils 'remigriert' werden sollen. Erntehelfer:innen, Putzkräfte, Pfleger:innen, Housekeeping, Security, Küchenhilfen, Spülkräfte, ...
Deutsche dazu zu zwingen, würde größtenteils schwierig, denn wer ü50 ist und Rücken hat, schafft so was in der Regel nicht ohne weiteres. Zumal man, selbst wenn es irgendwie gelönge, die Deutschen massenhaft zu zielorientiertem Rammeln zu motivieren und die Geburtenrate binnen kurzem zu verdoppeln, man immer noch 15, 16 Jahre überbrücken müsste, bis die ersten Früchte dieser Bemühungen mit der Schule fertig sind. Als ich eine Dixiklo-Sympathisantin mal mit dieser Frage konfrontierte, gab sie zur Antwort, man dürfe halt nicht immer alles mit Ausländern regeln wollen. Als ich weiterfragte, mit wem denn sonst, war sie sauer und das Gespräch beendet.
Vermutlich blieben nur Zwangsarbeiter:innen. Auch damit gibt es hier ja Erfahrung. Um die zu rekrutieren, muss man aber in der Regel einen Krieg anfangen.

Keine Kommentare :
Kommentar veröffentlichen
Mit dem Absenden eines Kommentars stimmen Sie der Speicherung Ihrer Daten zu. Zu statistischen Zwecken und um Missbrauch zu verhindern, speichert diese Webseite Name, E-Mail, Kommentar sowie IP-Adresse und Timestamp des Kommentars. Der Kommentar lässt sich später jederzeit wieder löschen. Näheres dazu ist unter 'Datenschutzerklärung' nachzulesen. Darüber hinaus gelten die Datenschutzbestimmungen von Google LLC.