Montag, 29. Juni 2026

Vemischtes und Zeugs (CLIII)


Allen guten Willen zusammenkratzend, kann man Dieter Nuhr in einem einzigen Nebenaspekt tatsächlich so was wie teilweise recht geben: Es gibt in der Tat Frauen, die in einem -- Obacht, Modewort! -- toxischen Beziehungsmuster festhängen. Die immer wieder an Männer geraten, die aus verschiedenen Gründen nicht gut für sie sind und vor denen Freundinnen und Familie sie vergeblich warnen. Arschgeigen sind, dominant sind, schlimmstenfalls gewalttätig oder noch schlimmer. Solche Frauen wären in der Tat gut beraten, sich zu fragen, was sie bei Männern eigentlich suchen. Aber auch denen hilft -- natürlich von Meinungs- und Kunstfreiheit gedecktes -- Gefrotzel, das mit den Worten "Einfach mal..." eingeleitet zu werden pflegt, nicht wirklich weiter.

***

***

"Ich komme nicht umhin, die aktuelle Welt immer mehr als eine Mischung aus »Don’t look up«, »Idiocracy« und »1984« wahrzunehmen. Und es ist eigentlich kaum noch zu ertragen." (Stefan Meiners)

***

Der Betreiber des Heidebads in Halle-Neustadt, der Deutschkenntnisse als Zugangsvoraussetzung verhängte, gab jetzt auf Nachfrage an, es ginge ihm nicht um Herkunft, sondern um Regeln. Alle müssten die Baderegeln verstehen. Er möchte nämlich nicht, so gab er an, dass ein Kind ertrinke. Wenn der Mann so regelversessen ist, dann möge er bitte konsequent sein: Eintritt nur mit gültigem B1-Zertifikat bitte. Übrigens: Baderegeln kann man in mehreren Sprachen aushängen. Piktogramme. Einfache Sprache. Man könnte auch nicht deutschsprachige Gäste darauf hinweisen, von den Baderegeln am Eingang bitte ein Handyfoto zu machen und in eine KI hochzuladen zwecks Übersetzung. Und wenn er unbedingt verhindern will, dass jemand ertrinkt, dann sollte er darüber nachdenken, auch ein Alkoholverbot zu verhängen. 

Ich könnte mir vorstellen, der Betreiber selbst würde ganz ähnlich argumentieren, wenn man ihm in einem Urlaubsland, dessen Sprache er nicht oder kaum beherrscht, mit solchen Begründungen den Zutritt zu einem Bad verwehren würde. Oder exekutiert da am Ende einer mit fadenscheinigen Begründungen einfach nur das, was Ulrich Siegmund, Landeschef der 'A'fD in Sachsen-Anhalt, meinte, wenn er sagte, es solle dortselbst "für dieses Klientel möglichst unattraktiv sein zu leben"? Ich stelle nur Fragen.

***

Volkswagen will bekanntlich bis zu 100.000 von weltweit gut 600.000 Jobs streichen. In Deutschland sollen vier Standorte geschlossen werden. Dort angesiedelte Bildungsträger werden sich schon jetzt die Hände reiben, denn es winkt ein Riesengeschäft. Es wird wahrscheinlich so genannte Transfergesellschaften geben, die einen allzu harten Aufprall auf dem Boden der Arbeitsagentur abfedern sollen. Die Betreffenden sind ein, zwei Jahre lang eine Art besonders geförderte Edelarbeitslose, die auch mehr Geld bekommen als das übliche ALG 1 und sollen dann entweder direkt in Jobs oder in Umschulungen oder Weiterbildungen vermittelt werden.

Das Problem daran ist, dass ein Jobverlust wie bei VW einen Rattenschwanz an weiteren Jobverlusten nach sich zieht. Von Zulieferfirmen über Logistikdienstleister bis zu Restaurant- und Ladenbetreibern, die den Kaufkraftverlust zu spüren bekommen werden. Für die gibt es keine Transfergesellschaften.

***

Erwähnte ich schon, dass ich großer Fan des britischen Schauspielers Toby Jones bin? Jones kann alles. Man nimmt ihm den irren Medientycoon in 'Sherlock' ebenso ab wie den Postfililalenbetreiber Alan Bates, der sich mit der Royal Mail anlegt. In einer seiner jüngeren Arbeiten, der in der Arte-Mediathek zu streamenden Serie 'The Hack' über den News International-Skandal gibt er Alan Rusbridger, den damaligen Chefredakteur des Guardian. Und er tut das mit einer derart unwiderstehlichen Mischung aus Empathie, Härte, Herzlichkeit und Selbstzweifel, dass man gar nicht wegsehen kann. Zu ihm gesellen sich noch die Schauspielgrößen Robert Carlyle und David Tennant.

***


***

Apropos Medien. Ebenfalls bei Arte ist gerade Ken Burns' sechsteilige Dokumentation über die Amerikanische Revolution zu streamen. Burns, der grundsätzlich nur für das öffentlich-rechtliche PBS arbeitet, hat bereits große mehrteilige Dokumentationen über den Sezessionskrieg, den zweiten Weltkrieg und den Vietnamkrieg produziert. Auch bei der jüngsten Serie bleibt er seinem Stil treu: Nur historische Originalbilder und -materialien, keine Animationen, keine nachgestellten Spielszenen, kein CGI, erst recht kein KI-Einsatz. An Text nur das großartig vorgetragene Skript und ausschließlich Beiträge von Experten. Das ist so wohltuend wie erhellend. Schon in der ersten Folge, in der es unter anderem um das Selbstverständnis der Siedler in den 13 Kolonien geht, wird klar, wo die Wurzeln für etliches liegen, was an US-Amerikanern noch heute zuweilen befremdet.







2 Kommentare :

  1. "was an US-Amerikanern noch heute zuweilen befremdet"
    ... alles befremdet mich an denen. (bis auf einige Ausnahme-Persönlichkeiten)
    Gruß, Jens

    AntwortenLöschen
  2. Mit Dieter "Haha, da kommt ein Lastenrad!" Nuhr gehts mir ganz ähnlich wie z.B. mit der Mehrzahl der AfD-MdB: selbst wenn die mal einen guten Witz machen vor der Kamera, dann wird mir meist kotzübel.

    AntwortenLöschen

Mit dem Absenden eines Kommentars stimmen Sie der Speicherung Ihrer Daten zu. Zu statistischen Zwecken und um Missbrauch zu verhindern, speichert diese Webseite Name, E-Mail, Kommentar sowie IP-Adresse und Timestamp des Kommentars. Der Kommentar lässt sich später jederzeit wieder löschen. Näheres dazu ist unter 'Datenschutzerklärung' nachzulesen. Darüber hinaus gelten die Datenschutzbestimmungen von Google LLC.