Dienstag, 6. Februar 2018

Elitesündenböcke


'Elite' war früher mal eine Joghurtmarke. Die gibt es nicht mehr. Elite aber ist inzwischen zum arg zweischneidigen verbalen Schwert mutiert, so rein semantisch. Einerseits ist es als Präfix vielen eine willkommene Hilfe beim alltäglichen Dicketun und Selbstüberschätzen. Etwa weil sie ein Profil bei 'Elitepartner' unterhalten, jenem Paarungsportal derer, die sich selbst schon ein Stück weit zu den gebildeten Ständen zählen und daher gern eine/n scharfe/n und/oder zahlungskräftige/n Akademiker/in abkriegen würden. Andererseits ist Elite als Substantiv, hier vor allem im Plural, also im Aggregatszustand der 'Eliten' mittlerweile zum Universalwatschenmann geworden für alles, was so schief läuft.

(Weitere akzeptable Universalschuldige sind, je nach dem, wo man sich selbst politisch so verortet, der Weiße Heterosexuelle MannTM bzw. der Alte Weiße Heterosexuelle MannTM oder der Flüchtling bzw. Der MigrantTM, Der WirtschaftsflüchtlingTM oder auch der Kulturell Anders GeprägteTM.)

Das geschieht verstärkt, seit die Zahl derjeniger, die hinter allem und jedem finstere Mächte am Werk sehen, spürbar anzusteigen scheint. Oder der Grad ihrer Vernetzung in diversen 'sozialen' Medien. Der Hinweis auf 'Eliten' oder auf 'Gewisse Eliten' dient dabei entweder der Verschleierung der Tatsache, dass man halt nur vermuten kann, weil das Pack sich so verteufelt geschickt tarnt, oder er dient der Verschleierung einer handfesten antisemitischen Gesinnung. Denn wer im Jahr 2018 mit Anspielungen arbeitet wie 'Gewisse Banker', 'Soros', 'Rothschild' etc. und sich dann damit herausreden will mit hihihi, ja gar nix gesagt zu haben, hat entweder verstärkt einen an der Waffel oder will die Menschen für dumm verkaufen.

So etwas, also sowohl das mit den Buzzwords als auch mit dem Rausreden, hat auch die Kabarettistin Lisa Fitz probiert, als sie in einem voll böse gerappten Liedlein die Welt über die wahren Schuldigen aufzuklären trachtete. Aha.

"Antisemitism is often expressed in dog whistle terms, which are picked up by those familiar with the main concepts of Antisemitism but not by the populace as a whole. Examples are talk about the 'controlled' media (without specifying who controls it, but anti-Semites know 'who' that means); 'international bankers' (without specifying Jewish international bankers, but anti-Semites know who); etc. 'Dual loyalty' is a dog whistle term used by both anti-Semites and anti-Catholics to imply the person's real loyalty is to Israel or the Vatican and not their own country (demands to curtail people with 'dual citizenship' are also used as an antisemitic dog whistle in a similar fashion). Another term is anti-Zionism, or criticism of Israel. While people can legitimately criticize Israel for a great many reasons, professed anti-Zionism can be a thinly-veiled front for Antisemitism. Other antisemitic dog whistles in German language sources include bemoaning the huge influence of ('certain people' on) the 'East Coast [of the US]' or an 'Israel Lobby' that 'stifles debate' or 'controls the media.'" (RationalWiki: Dog whistle politics)

Das Magazin 'Focus' wurde einst gegründet im Hinblick auf eine Zielgruppe, die der damalige Herausgeber Helmut Markwort als 'Infoelite' zu benamsen sich nicht entblödete. Gemeint waren seinerzeit jene viel beschäftigten Urban Professionals, die vor lauter Vielbeschäftigtsein keine Zeit mehr haben, sich mit länglichem 'Spiegel'- oder 'Zeit'-Bleiwüsten aufzuhalten und deshalb mit vielen, vielen bunten Info-Häppchen gefüttert werden sollten (später vom 'Spiegel' erfolgreich kopiert). In besagtem Magazine erschien nun ein Beitrag zum Thema Lisa Fitz und die Reaktion diverser Medien auf ihr gratismutiges Widerstandsgesinge. Und wenn man sich so die Kommentare anschaut, welche die Infoelite der Nation da weitgehend einhellig absondert, dann kann man nur anerkennend sagen: Glückwunsch, Markwort, Konzept aufgegangen.

Ich will nicht behaupten, früher sei alles besser gewesen. War es definitiv nicht. Aber einiges hat weniger genervt, als mit 'Elite' bloß ein Joghurt gemeint war. Eines frage ich mich aber immer wieder: Wenn diese Leute die von Soros, Rothschild et al. gekaufte und kontrollierte Mainstreampresse so sehr hassen und ablehnen, wieso verbringen sie dann so viel Lebenszeit damit, selbige zu lesen und die Kommentarspalten vollzuklötern?



Kommentare :

  1. Naja, - erst bringt man die Lüdden dazu, Elite positiv zu konnotieren, schon will jeder dazu gehören, - natürlich der alten Hierarchie entsprechend, von den Unter- Mittel- zu den Oberschichteliten aufwärts. Geht das schief, sind's die Eliten die schuld sind, - und plötzlich siehst du plötzlich wieder unglaublich viele kleine Männer, die aber trotzdem noch beim Adel nachluargen, - wie dat denn so wäre/sein könnte etc. usw. usf. (Man darf doch mal träumen, - und so)

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    1. Apropos Lüdde: Als ich damals zur Schule ging (an einem durchaus gediegenen Gymnasium - nicht, weil ich angeben will, sondern weil das dazugehört), haben sich diejenigen, die sich als künftige Elite ausgaben, zuverlässig lächerlich gemacht. Tempi passati wohl...

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  2. Ich habe mir das Video von Lisa Fitz mal angeschaut. Systemkritik auf Schülerzeitungsniveau 1980 mit dem sozialpädagogischen Holzhammer. Ihre Kabarettbeiträge sind schon lange nicht mehr lustig, sie war (laut Wikipedia) 1983 die erste Frau in D mit einem Soloprogramm. Die Petra Kelly des Bühnenhumors.

    Ein Eliteblogger wie Andy Bonetti würde sich mit dieser Person nicht beschäftigen ;o)

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    1. Ups, ganz vergessen, mit wem ichs zu tun habe... ;-)

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  3. Von den systemtreuen Kabarettisten war meines Wissens keiner im extrem subversiven und systemkritischen Dschungelcamp.

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  4. ZB. hat ein Donald Trump und sein Kabinet, welches alleine locker mehr Kohle hat denn das erste Drittel aller amerikanischer Haushalte, saemtlichen Eliten den Krieg erklaert.
    Wesentlich belustigender geht es im Kampf gegen die Eliten kaum mehr. ...Joghurt

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