Die gestrigen Midterms in den USA waren ein Plebiszit über Trump. Das hat er krachend verloren. Die US-amerikanischen Wähler:innen haben mitgeteilt, dass sie das Experiment für gescheitert halten. Alle Schmutzkampagnen und alle Milliarden der Techmilliardäre haben am Ende nichts ausrichten können. Das ist nichts weniger ein Grund zur Freude. Es handelt sich auch nicht um einen einfachen Wahlsieg, sondern im Gegensatz zu den Präsidentschaftswahlen von 2016 und 2024 wirklich um einen Erdrutsch. Die Demokraten konnten Sitze erobern, die seit Jahrzehnten fest in republikanischer Hand zementiert waren. Das ist nicht nichts, im Gegenteil.
Diese Midterms sind aber auch ein Dämpfer für sogenannte rechtspopulistische Bewegungen anderswo. Nach Ungarn, Serbien und, Brasilien haben die Rechten in den USA die nächste Klatsche bekommen. Das ist umso wichtiger, als dass Trump für viele Rechte auf der Welt eine Art Gallionsfigur war und man sich an dem Gedanken berauschte: Wenn wir die USA erobern können, dann die ganze Welt.
Die wichtigste Botschaft lautet: Rechtsextreme sind keineswegs unschlagbar, bloß weil sie es verstehen, viele Menschen auf emotionaler Ebene anzusprechen. Ihre größte Stärke ist gleichzeitig ihre größte Schwäche. Sie haben außer Emotionsbewirtschaftung nichts anzubieten, erst recht nicht in wirtschaftlicher Hinsicht. Nationalbesoffenheit, Patriotismus, Remigration, Minderheiten drangsalieren, Regenbogenfahnen abhängen, Universiäten maßregeln, Inklusionsprogramme und NGOs zusammenkürzen und Abtreibung kriminalisieren mag sich für etliche Leute befriedigend und gut anfühlen, aber davon wird halt kein Kühlschrank und kein Tank voll und zahlt kein Kredit sich ab. Die rechte Agenda, das gilt auch für die 'A'fD, ist vor allem ein Verarmungsprogramm für breite Bevölkerungsschichten.
US-Midterms: AfD-Wähler bejubelt blaue Welle www.der-postillon.com/2026/11/blau...
— Der Postillon 📯 (@der-postillon.com) 4. November 2026 um 13:04
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Es wäre übrigens verkürzt, Trumps Niederlage nach dem Motto "It's the ecomnomy, stupid!" allein aufs Wirtschaftliche zu reduzieren. Für seine historische Unpopularität gibt es neben dem Irankrieg, den ihm auch viele seiner Anhänger, die ihn gewählt hatten, weil er angekündigt hatte, die USA aus Kriegen herauszuhalten, übel genommen haben, eine reihe weiterer Gründe:
"Niemals zuvor gab es einen so offen antidemokratischen Präsidenten, niemals war jemand so kriminell wie er (und Richard Nixon war Präsident!), niemals gab es eine so korrupte Administration (und wir haben die Präsidentschaften der Gilded Age!), niemals einen solchen Angriff auf die Mehrheit der Bevölkerung, niemals eine so negative Sicht, selten so schlechte Wirtschaftspolitik, niemals eine so gerade aggressiv-herablassende Arroganz gegenüber der Bevölkerung." (Stefan Sasse)
Die zweite wichtige Botschaft: Rechtsextreme bewegen sich, entgegen ihrer Selbstdarstellung ("Links ist vorbei!!!"), nicht an der Spitze der gesellschaftlichen Entwicklung und sind erst recht nicht die Mehrheit. Besinnen sich Linke darauf, Themen zu adressieren, die die Menschen wirklich bewegen, und das ist in den meisten Fällen eben nicht Migration, sondern zuvörderst die Frage, wie man sich in diesen Zeiten ein vernünftiges Leben leisten kann, dann können sie auch gewinnen.
Trump wurde nicht abgewählt, sondern ist noch Präsident, aber komplett gerupft. Er kann zwar weiterhin telegen Executive Orders unterschreiben, aber der Kongress wird ihm bei so ziemlich allem in die Parade fahren können. So dürfte kein Geld mehr bewilligt werden für die Fortführung des grotesken Irankrieges und die Spielchen mit dem Haushalts-Lockdown sind auch erst einmal passé. Gemäß Trumps karlssonmäßigem Hang zu groteskem Selbstlob, müsste man sagen, er sei jetzt nicht einfach nur eine Lame duck, sondern die Lamest duck in the entire world. Außenpolitisch kann er allerdings sehr wohl noch Schaden anrichten.
"Trump wäre nicht der erste, der in Ermangelung innenpolitischer Möglichkeiten im Abendrot seiner Präsidentschaft noch stärker auf die Weltbühne strebt, und dass das mehr Anchorage 2025 und weniger Annapolis 2007 bedeuten wird, dürfte allen klar sein. Truppenabzüge aus Europa und Ostasien, weitere Fehltritte im Nahen Osten, noch plumpere Kumpelei mit Putin -- nichts davon ist abwegig. »It gets worse before it gets better«, dieses alte Bonmot könnte für Europa zum Leitmotiv der nächsten zwei Jahre werden." (Richard Volkmann)
Noch schlechte Nachrichten? Zu einem weiteren Amtsenthebungsverfahren wird es wohl nicht kommen, wiewohl es dieses Mal höchstwahrscheinlich nicht scheitern würde. Für die Demokraten ist Trump viel nützlicher, wenn er weiter im Weißen Haus rumoxidiert und die Republikaner sich über seine Nachfolge gegenseitig an die Gurgel gehen. Zudem würde ein erfolgreiches Impeachment automatisch JD Vance zum Präsidenten machen, der dadurch Gelegenheit hätte, seine reguläre Kandidatur vorzubereiten, beginnend mit einer großen Abrechnung mit Trump. Den Gefallen sollte man ihm nicht tun.
Was noch? Millionen von US-Amerikaner:innen wurden von der linksgrünwoken Verschwörung um die für den Fall eines Trump-Wahlsieges fest zugesagten 5000 Dollar betrogen. Und Conaisseure moderner Architektur warten jetzt vermutlich vergeblich auf einen Triumphbogen und einen prächtigen Ballsaal in Washington. Man kann nicht alles haben.
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