Viktor Orbán wurde nach 16 Jahren mit einer Zweidrittelmehrheit abgewählt, und das ist nichts weniger als ein Grund zur Erleichterung. Ein Hoffnungsschimmer vielleicht, dass die Welle des Rechtsnationalismus beginnt, ihren Zenit zu erreichen. Aber auch nicht mehr. Zucker fürs Gemüt, dass der globalen Rechten ihr größtes Vorbild abhanden gekommen ist. Vor allem aber verlieren Putin und Trump ihren wichtigsten europäischen Verbündeten und ihr U-Boot in Brüssel. Mit der EU-Obstruktionspolitik wird es wohl auch vorbei sein. Was in der Ukraine mit Erleichterung zur Kenntnis genommen werden wird, denn die ist ein eindeutiger Gewinner dieser Wahl.
Nicht immer Kritisches über Politik, Gesellschaft, Medien, Kultur, Essen und manchmal auch Sport
Montag, 13. April 2026
Donnerstag, 9. April 2026
Wahre Worte (81)
Heute: Thomas Fischer über stehende Ovationen
"Die »stehende Ovation« hat sich über die Jahrzehnte von den Oscarverleihungen seuchenartig bis ins letzte Stadttheater und auf die läppischsten Ereignisse ausgebreitet und auch von der Politik-Inszenierung Besitz ergriffen. Sie führt, ihrer Natur nach, zu einer selbsterfüllenden Verstärkung und Bestätigung ihrer selbst und der kollektiven Illusion, Zeuge eines einzigartigen, begeisternden Ereignisses geworden zu sein. Während der Zuschauer oder Zuhörer beim Beifallspenden im Sitzen buchstäblich »bei sich« bleiben und die Frequenz und Stärke seiner Klatschbewegungen langsam und unbeachtet ausklingen lassen kann, fordert das Aufspringen der Nachbarschaft fast schon verpflichtend dazu auf, es ihr nachzutun. Und wenn man dann steht, kann man auch schlecht die Hände in die Hosentaschen stecken oder sich die Nase pudern; das fällt auf und lässt einen als Außenseiter dastehen." (SPON, 28. Februar 2026)
Montag, 6. April 2026
Reste von Dienstleistung
"Zu den Plagen der Arbeit im Servicebereich gehört der Zwang, ein bestimmtes Auftreten an den Tag zu legen. Bei Burger King soll dies nun eine computergenerierte Stimme aus dem Headset überwachen. Das KI-Programm »Patty«, das nach und nach in allen Burger-King-Filialen in den USA eingeführt wird, gibt nicht nur Arbeitsanweisungen und beantwortet Fragen wie die, ob die Cola-Maschine nachgefüllt werden muss; es analysiert die Gespräche mit den Kunden. Dabei achtet es vor allem auf Signalwörter wie »bitte« und »danke« sowie auf den Tonfall der Angestellten. Der daraus errechnete »Freundlichkeits-Score« gibt dann Rückmeldung darüber, ob die Arbeit zufriedenstellend ist oder das Personal gefälligst netter zu klingen habe." (Paul Simon)
Das oben Beschriebene trifft vor allem auf die Bereiche des Dienstleistungswesens zu, die in die Finger von Risikokapitalisten, Startuppern und BWLern gefallen sind. (Bin ich der einzige, dem inzwischen jedes Mal ein Messer in der Tasche aufklappt, wenn so ein Silicon Valley-Milliardär davon faselt die Welt zu einem besseren Ort machen zu wollen?) Jenseits von fordistisch durchgetakteten systemgastronomischen Kettenbetrieben gibt es durchaus noch Inseln, etwa in gut geführten Restaurants ab dem mittleren Preissegment, in denen Servicekräfte keine dressierten, devoten Worthülsenabsonderer sind, sondern geachtete Fachkräfte, die auch keine Domestiken sind, die man herumscheucht, sondern die eigentlichen Chefs im Ring, ohne einen das merken zu lassen, versteht sich. Aber gewiss, diese Inseln werden weniger und sie werden teurer.
Freitag, 3. April 2026
Vermischtes und Zeugs (CXLV)
Zunächst zum Spocht. Es scheint inzwischen zum beruflichen Profil von Fußball-Bundestrainern (m) zu gehören, einen Hassspieler zu haben, den sie partout nicht aufstellen, nur im Notfall nominieren, obwohl dieser Spieler der Mannschaft wirklich helfen würde. Bei Joachim Löw war das Stefan Kießling, ein klassischer Strafraumstürmer. Löw setzte aber auf kunstvolles Tiki-Taka-Rasenschach a l'Espagnole mit falscher Neun, da passte ein kunstloser Knipser nicht ins Konzept. Vor allem keiner, der auch mal aufmuckt. Bei Nagelsmann scheint das Deniz Undav zu sein. Der wurde kurz vor Schluss eingewechselt, machte das Siegtor und wurde danach vom Trainer in coram publico derart abgesaut, dass ernsthafte Zweifel an Nagelsmanns Professionalität angebracht sind.
Mittwoch, 1. April 2026
Elefant im Raum
Es gibt diesen sprichwörtlichen Elefanten im Raum. Der nimmt fast sämtlichen Platz ein, sodass man sich kaum mehr bewegen kann, aber trotzdem redet niemand drüber. Sinnbildlich steht der Elefant im Raum für ein Problem, das eigentlich allen bewusst ist, aber niemand den Mut oder die Ehrlichkeit aufbringt, es offen anzusprechen. Die 'A'fD etwa verdankt einen Gutteil ihres politischen Aufstiegs ihrer Kernerzählung, sie sei die einzige Partei, die den Mut besäße, den Elefanten beim Namen zu nennen, und der hieße: Illegale bzw. irreguläre Massenmigration.
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