Samstag, 3. November 2018

Gefegt und trockengeputzt


Lange in keinem Kurort mehr gewesen. Selber auch nie auf Kur gewesen. Vielleicht kein schlechtes Zeichen. Man hat ja so seine Vorurteile. Morgens Fango, abends Tango. Beige gekleidete Senioren lustwandelnd im Park. Mürbfleischig-welke, krampfadrige Unterschenkel beim Wassertreten. Ein aus unterbezahlten osteuropäischen Hilfskräften zusammengesetztes Kurorchester, das in einer baufälligen Konzertmuschel lustlos süßliche Operettenpotpourris zusammenfiedelt. Stiernackige Masseure und resolute, matronenhafte, sofakissenbrüstige Masseurinnen, unter deren schraubstockartigem Eisengriff noch der verspannteste Kassenpatient schlagartig wieder zum Springinsfeld mutiert.

Jetzt ergab sich die Gelegenheit, das alles mal einer genaueren Prüfung zu unterziehen, da ein lieber, nahe stehender Mensch gerade zur Kur ist und sich an öden, anwendungsfreien Wochenenden über Besuch freut. Zumal das gediegene Bad Sassendorf nahe dem schönen Soest nicht allzuweit weg ist. Und, wie war es? Wassertretende Senioren sind mir wegen der Temperaturen keine begegnet. Auch war wenig beige zu sehen, dafür viel starkfarbige Funktionskleidung. Eine Konzertmuschel war so wenig zu finden wie ein fiedelndes Kurorchester. Und da am Wochenende der Kurbetrieb, wie gesagt, ruht, auch keine Massagefachkräfte weit und breit.


Dafür viel westfälisches Fachwerk im und um den Kurpark. Der, wie mir versichert wurde, jeden Morgen durchgefegt wird. Die Parkbänke werden, wie mir ebenfalls glaubhaft versichert wurde, jeden Morgen vom Tau befreit und trockengeputzt. Irgendwo bleibt die Kurtaxe halt.



Das obligatorische original italienische Eiscafé hatte sogar personalisierte Espressotassen. Wow.







Kommentare :

  1. Ich empfehle Bad Bevensen, besonders zur Stint-Saison. Prima Bade-Anstalt, gute Hotels und sehr gute Gastronomie. Das Kur-Gedöns stört nicht weiter.
    Extrem empfehlenswert: Malente (ebenfalls Badeort). Sehr gute Kneipen, prima Essen, toller See und - natürlich - die Sportschule. Man muss an der Stelle, wo Uli Hoeneß und Sepp Maier 1974 über den Zaun Richtung Hamburg abgehauen sind, ein Selfie machen, sonst hat man nicht gelebt.

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  2. OT: Die Kanaken wollen unabhängig werden.

    Danke, Merkel!

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