Donnerstag, 17. Oktober 2019

Pizza fratello maggiore


Kennen Sie das auch? Treibt Sie das auch so um? Diese nagende Angst vor dem schludrigen Pizzadienst? So ziemlich jeder bestellt irgendwann mal eine Pizza. Weil kein Bock oder keine Zeit fürs Selbermachen. Weil's manchmal halt muss. Also ganz altmodisch zu dem bunten Flyer mit den bunten Bildern gegriffen, der in der Küche hängt (bei den meisten an der Pinnwand, so vorhanden, oder auf der Kühlschranktür - ich kann hellsehen!) und das Gewünschte per Telefon oder, ganz Digital native, per App geordert.

Keine halbe Stunde später läutet's an der Tür und ein prekär ausgebeuteter Bote liefert. Man öffnet den Karton, froh gestimmt, da man, um die Vorfreude sich zu versüßen, auf nüchternem Magen bereits ein, zwei Bierchen intus hat, inhaliert den köstlichen Duft -- und dann das. Der Horror! Eine der Salamischeiben auf der Pizza liegt nicht dort, wie sie nach dem Bild im Werbeflyer liegen sollte. Unglaublich! Misstrauisch geworden, nehmen Sie sich die Pizza der Liebsten zur Brust und stellen fest: Statt der beworbenen 23 Champignonscheiben, wie mit einer handelsüblichen Lupe problemlos feststellbar, liegen da nur 20 drauf. Un-fucking-fassbar!

Abend im Eimer, vielen Dank! Na die können was erleben. Das ist doch... Das ist doch... Betrug ist so was doch! Wo war noch gleich die Visitenkarte dieser netten Anwältin…?

Kennen Sie, oder? Klar doch. Das müssen Sie, denn das ist offenbar ein Massenphänomen. Kann gar nicht anders sein. Zumindest wenn es nach der auch in Deutschland aktiven Firma Domino's Pizza geht. Die hat jetzt nämlich ein Gerät namens DOM Pizzachecker entwickelt bzw. entwickeln lassen. Das hängt über der Fertigungstheke, scannt jede in der Filiale produzierte Pizza vollautomatisch auf solche Fehlleistungen ab, gleicht sie mit den Produktionsvorlagen ab und ermahnt den schuldigen Sudelfritzen entsprechend. Und das alles nur, weil man bei Domino‘s findet, der Kunde verdiene immer die perfekte Pizza. Wow! Demnächst kommt es noch doller: Kunden können ihre Pizzafotos hochladen und mit anderen teilen.

(Erwähnte ich schon, dass seit ca. 10 Jahren diverse Alarmglocken bei mir angehen, wenn ich irgendwo das Wort 'teilen' lese oder höre? Egal.)

Also, fassen wir mal zusammen: Die Firma Domino's investiert so einiges in eine Technik und in die Entwicklung einer Software, nur um den Beschwerden von ein paar pedantischen Kunden zuvorzukommen, die sich allen Ernstes über eine schief liegende Salamischeibe aufkröppen. Oder den Tunfisch mit der Pinzette herunterfutzeln und auf die Briefwaage legen. Überwachung? Tracking? Iwo! Denn: "Dom Pizza Checker is a tool used to train our team members … not to punish those who make mistakes", ließ ein Unternehmenssprecher verlauten. Oh yes, erzählt mir mehr bitte!

Aber das trifft ja zum Glück nur Honks, die keinen Schulabschluss hinbekommen haben und deswegen selbst schuld sind, wenn sie im Akkord Pizzen belegen müssen, gell? Abwarten.

"According to the research firm Gartner, 50% of businesses monitor employees, a figure it expects to rise to 80% by 2020. This monitoring takes a variety of forms. Your employer may be taking remote screenshots of your computer. It may be logging your keystrokes or recording your Google searches. It may be tracking the time you are spending reading this, so it can plug that data into an algorithm to analyse your behaviour and predict whether you are likely to quit. It may even be monitoring your facial expressions or tone of voice and gauging your mood." (Arwa Mahdawi)

Für die, die es gar nicht mehr erwarten können, gibt es eine schlechte Nachricht: Das Teil ist bislang erst in Australien und Neuseeland im Einsatz. Ob das smarte Gerät es auch mitkriegt, wenn der totalüberwachte Pizzasklave unbemerkt im Toten Winkel seinen Gummihandschuh durch die Kimme gezogen hat?

Gibt so Tage, da weiß man, wie fefe sich andauernd fühlt.




Kommentare :

  1. Das ist aber keine Pizza! Das Originalrezept für Pizza kann man im Museum oder auch im Netz (wenn man es findet) bestaunen. Eins ist schon mal sicher: Belag gehört nicht dazu! Italiener würden sowas eher Teigware nennen.

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  2. War das nicht ursprünglich eine Verlegenheitslösung, um lästige Nahrungsmittelüberbleibsel los zu werden, ein Reste-Essen? Hefeteigfladen mit allem, was noch übrig ist?

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    1. Resteessen? Kein Belag? Die AVPN würde euch geteert und gefedert unter großem Hallo aus der Stadt und an der nächsten Pinie...

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    2. Wohl kaum – die Pizza Margherita ist nach DER Margherita, der damaligen italienischen Königin benannt, die eines Tages bei einem piazzaiolo eine Pizza in den Königlichen Palast orderte.
      Kein Jux, sondern Geschichte :D

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  3. Ich frage mich ja, wieso Pizzen überhaupt von Hand belegt werden müssen. Das könnte man doch sicher sehr viel präziser von einer Maschine erledigen lassen, oder? Der Pizza-Vollautomat würde Teiglinge ausrollen und mit genormten Mengen Zutaten so belegen, dass das Resultat genau den Musterfotos auf der Speisekarte/Webseite entspricht. Der Chef schiebt die fertigen Erzeugnisse dann vom Ausgabeschacht in den Steinofen, danach alles wie gehabt. Kundenseitiges Erbsenzählen erübrigt sich, alle glücklich.

    @ Eike Brüning: Originalrezept? Und seit wann nennen Italiener Pizza fast egal welcher Ausformung denn Nudeln? Wenn es um die Vorformen der Pizza geht - Teigklumpen mit einem Klecks Tomatensoße und u.U. Zwiebeln oder Oliven im Teig wären doch eher Brot als Nudel. Oder verstehe ich da nur einen Insiderwitz nicht?

    Egal, hauptsache meine Pizza schmeckt mir, und wenn jedem braven italienischen Chef dabei das kalte Grausen kommt...

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    1. Könnte tatsächlich sein, dass das (auch) dazu dient dazu, alle Fertigungsschritte so weit zu vermessen, dass sie irgendwann vollautomatisiert werden können. In diesen Amazon-Bunkern laufen auch nur deswegen noch menschliche 'Picker' rum, weil es noch keine Roboter dafür gibt bzw. die (noch) zu teuer sind.

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  4. Das Klischee wurde wieder beweiesen: Deutsche haben keine Ahnung von Esskultur! :D

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  5. Nö! Muaa es nicht. Aber für Europa reichts!

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