Dienstag, 12. November 2019

Ronny des Monats - November 2019


"Es gibt drei Dinge, die sich nicht vereinen lassen:
Intelligenz, Anständigkeit und Nationalsozialismus.
Man kann intelligent und Nazi sein. Dann ist man nicht anständig.
Man kann anständig und Nazi sein. Dann ist man nicht intelligent.
Und man kann anständig und intelligent sein. Dann ist man kein Nazi." 

(Gerhard Bronner)

So schockierend die Gewaltandrohungen gegen Politiker sind, zuletzt gegen Claudia Roth, Cem Özdemir (Grüne) und jüngst Michael Roth (SPD), so wenig können sie wirklich überraschen. Die rechte Agenda ist derart ranzig, tumb, unausgegoren und menschenfeindlich, dass kein halbwegs aufgeklärter Mensch mit einem Rest an Menschlichkeit, Empathie und Anstand sich das ernsthaft und ohne schlechtes Gewissen zu eigen machen kann. Daher müssen Rechte sich auch Mitteln bedienen wie Drohungen, Gewalt, Einschüchterung und Terror, um ihre blödsinnigen Vorstellungen durchzusetzen. Mit Argumenten allein wäre das hoffnungslos

Nur gibt es immer noch eine Menge Gründe, optimistisch zu sein. Nach wie vor mag das braune Pack sehr gut darin sein, in Teilen des Netzes, vor allem in 'sozialen' Netzwerken den Eindruck zu erwecken, die Mehrheit zu sein, und die Landtagswahlen in Neufünfland geben in der Tat Anlass zu Besorgnis. Dann aber erfährt man, dass die AfD in Nordrhein-Westfalen, aktuellen Umfragen zufolge, auf dem absteigenden Ast ist. Oder wenn man erfährt, dass die Partei 'Die Rechte' ausgerechnet am 9. November in Bielefeld mit 230 Leuten eine Sympathiekundgebung für die mehrfach verurteilte Holocaust-Leugnerin Ursula Haverbeck abhielt. Und sich nicht weniger als 14.000 Gegendemonstranten (DANKE!!!) gegenübersah.

Trotz allem, es bleibt viel zu tun und es wird nicht weniger werden. Die Top 5 des Monats:

Platz 5: Alle Jahre wieder
Kommt nicht nur das Christuskind, sondern kommen auch die depperten rechten Weihnachtshysteriker aus den Löchern, denen vor lauter künstlicher Aufregung jedes Mal die doofe Murmel platzt, weil irgendwo wieder das Abendland untergeht, irgendwo wieder irgendeine angeblich uralte Tradition, von der sie aber normalerweise absolut keinen Schimmer haben, angeblich auf dem Altar der Umvolkung geopfert wird. Nach dem Lichtermarkt in Elmshorn, den Zipfelmännern bei Penny, den Herbststernen bei Aldi, dem nicht blonden und blauäugigen Nürnberger Christkind, kröppt Gevatter Ronny sich angeblich gerade über Aldis 'Wintersterne' auf. Weil man sich, so der besorgte Durchblicker, bei Aldi "linken Foren und dem Islam" unterwürfe. Aha.

Merke: Wenn die Social media-Abteilung von Aldi gegen deine hirnlose und aufgeblasene Empörerei ziemlich cool wirkt ("Du darfst ihn aber auch gerne Horst nennen."), dann läuft definitiv was schief.


(Apropos, noch ein Brüller: Ex-AfD-Mann André Poggenburg rief während des diesjährigen Ramadan auch zum demonstrativen Verzehr des 'Schweineohren' genannten Blätterteiggebäcks auf. Um damit Muslime zu provozieren. Wegen 'Schwein' im Namen. Weeßte? Kennste? Vasteeehste? 'Schweineohren'! Ickhaumaweck, Alda! Dazu muss man folgendes wissen: Was bei uns 'Schweineohren' heißt, kam zu uns aus Frankreich, wo es 'palmier' heißt, also 'Palme'. Das ist kein Zufall, denn nach Frankreich wiederum ist diese Leckerei gekommen aus -- Algerien. Von den Moslems! Da ruft also einer zum Verzehr einer in einem muslimischen Land entstandenen Süßigkeit auf, um damit Muslime zu ärgern. Wie nennt man so was gleich? Moment, gleich… Doofheit? Ja, das auch, aber da war doch noch… Ha, Eigentor! Jetzt hab' ich‘s.)

Wussten Sie schon? Der heilige Nikolaus war Klingone. Ich habe Beweise!


Ab jetzt wird es deutlich weniger lustig.

Platz 4: Grenzen dicht!
Und zwar die zu Bayern. Es hilft nichts. Ich habe nichts gegen Bayern, ehrlich. Ich kenne ein paar sehr nette. Aber auf die ganzen Intensivsexualstraftäter, die unsere Kinder belästigen und unser Abendland versenken, habe ich halt keinen Bock.

Platz 3: Unliebsame Stimmen und mimimi und so.
Um es mal in Anlehnung an den zu Unrecht verstorbenen Frank Schirrmacher zu sagen: Manchmal beginne ich zu glauben, dass die Rechten recht haben. Äußerst du nämlich was, was nicht im Mainstream liegt -- sobutz, bringen sie dich zum Schweigen. Machen dich mundtot. So hat eine aktuelle Studie des Leibniz-Instituts für Länderkunde im Auftrag des Landes Sachsen-Anhalt ergeben, dass das Land Sachsen-Anhalt Zuwanderung benötige, wenn es politisch und wirtschaftlich nicht an Bedeutung verlieren wolle. Woraufhin der Leiter des Referats Demografische Entwicklung und Prognosen, der die Studie in Auftrag gegeben hatte, strafversetzt wurde. Können sich nun alle ihr Teil zu denken.

Platz 2: Der Evakuierer von Dresden
Bekanntlich hat der Dresdner Stadtrat Anfang November mehrheitlich den 'Nazinotstand' ausgerufen.  Daraufhin schlug Jan Harlaß (AfD) vor, am besten doch gleich mal prophylaktisch alle potenziellen Opfer außer Landes zu schaffen (Facebook-Link). Damit ihnen halt nichts passiert. Verschwurbelter und verlogener hat vermutlich noch nie jemand "Ausländer raus!" gesagt. Aber Moment mal, wenn das so ist, hat er damit nicht auch eingeräumt, dass an der Sache mit dem Notstand was dran ist? Wie nennt man so was gleich? Moment, gleich hab' ich's… Blödheit? Ja, das auch, aber… Eigentor, das isses!

Platz 1 und Ronny des Monats geht dieses Mal an:

Michael Heym (CDU)
Der warb offen für ein Bündnis der thüringischen CDU mit der AfD. Es ist übrigens nicht bekannt, was genau er gesagt hat. Gerüchten zufolge: "In zwei Monaten haben wir Höcke in die Ecke gedrückt, bis er quietscht." (Vielleicht sollte ich für Vertreter wie ihn die Sonderkategorie 'Bettvorleger des Monats' ins Leben rufen.)



Die Honourable mention, der Ehrenronny des Monats November geht an:


Stefan Brandner, MdB (AfD)

Und zwar für folgende feinsinnige historische Analyse:

"Was ja auch völlig unbegreiflich ist, dass sich Überlebende des Holocaust oder der Shoah hinstellen und ihr Leid, was sie ja zweifelsohne erfahren haben, und ihre Erfahrungen dazu missbrauchen, heutige Parteien oder Fraktionen anzugreifen. Möglicherweise verzerren sie da auch was aufgrund des Alters inzwischen. Sie haben das Rederecht vor einem Parlament, um an konkrete Ereignisse zu erinnern, und nicht, um in die heutige Politik sich plumpst einzumischen."

Man liest es und hat danach das dringende Bedürfnis, lange und heiß zu duschen.

Fun fact: Herr Brandner ist Vorsitzender des Rechtsausschusses des Deutschen Bundestages

(Aber wohl nicht mehr lange.)





Kommentare :

  1. Hm... War es nicht auch die CDU - damals noch Zentrumspartei - die den Nazis schon mal in den Sattel geholfen hat? Das wollen sie heute natürlich nicht mehr wissen - drum machen sie denselben Mist nochmals.

    Und erwarten wahrscheinlich, daß es diesmal anders ausgeht...

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Sie haben ihm ja nach eigenem Verständnis nicht in den Sattel geholfen. Sie haben geglaubt, ihn beherrschen zu können, und dass der Regierungsalltag ihn schon disziplinieren würde. Mit durchschlagendem Erfolg...

      Löschen
  2. Nazinotstand?? Watn datt?
    Ein Lebensmittelnotstand bedeutet: zu wenige Lebensmittel.
    Ein Wassernotstand bedeutet: Wasserknappheit.
    Auf Antrag von @DiePARTEI beschließt der Stadtrat von #Dresden, dass Dresden einen „Nazinotstand“ hat.

    Ein semantischer Griff ins Klo.

    Ergänzung zum "Gazetteur":
    Wenn der Faschismus wiederkommt, wird er sagen: »Ihr habt unsere Ideologie auf eine Stufe mit dem Kampf gegen unsere Ideologie gestellt. Das war ein genialer Beitrag zu unserer Macht. Herzlichen Dank! Und jetzt bitte dort drüben am Galgen anstellen!«

    AntwortenLöschen
  3. Zu Platz 4: München ist nicht Bayern. Ich weiss das, ich bin da ge­zeugt, geboren und drei Jahre aufgewachsen (also in (Nie­der-) Bayern, nicht in München) – und das sage ich als Exil­franke, also ehemaliger Einwohner der bairisch besetzten Ge­bie­te zwi­schen Thü­ringen und Altbayern.

    Bayern enthält allerlei erstaunliche und schöne Dinge, wie man z. B. dem von Holger Klein produzierten Bayern-Werbe-Podcast hockdiher entnehmen kann. Keine einzige der bisherigen Folgen hatte etwas mit München zu tun, und ich bin recht zu­ver­sicht­lich, dass das so bleibt.

    Sollte also Grenzen geschlossen und Mauern gebaut werden sol­len, dann bitte nur um München herum, gern aber in aus­rei­chen­der Entfernung, um die ein­schlä­gi­gen Vor­städte sicher mit ein­zu­schließen.

    Danke schön und gute Nacht.

    AntwortenLöschen

Mit dem Absenden eines Kommentars stimmen Sie der Speicherung Ihrer Daten zu. Zu statistischen Zwecken und um Missbrauch zu verhindern, speichert diese Webseite Name, E-Mail, Kommentar sowie IP-Adresse und Timestamp des Kommentars. Der Kommentar lässt sich später jederzeit wieder löschen. Näheres dazu ist unter 'Datenschutzerklärung' nachzulesen. Darüber hinaus gelten die Datenschutzbestimmungen von Google LLC.