Dienstag, 19. November 2019

Schmähkritik des Tages (33)


Heute: Wolfgang Abel über Weihnachtsmärkte

"Wenn es den Gemeinden wirklich um die Reduktion von Emissionen jeder Art ginge, müßten Weihnachtsmärkte an vorderster Stelle der Schamliste stehen. Öffentliche Plätze als Resterampe mißbrauchen und das ganze noch Markt nennen, tiefer kann ein Gemeinwesen nicht sinken." (Wolfgang Abels Kolumne vom 10. November 2019)

Anmerkung: Es ist nicht so, dass ich grundsätzlich gegen Weihnachtsmärkte eingestellt wäre. Ich war schon auf wirklich stimmungsvollen (und ich bin da schwer zu kriegen). Denn hier im Münsterland, und woanders auf dem Land sicher auch, gibt es sie noch. Die Do it yourself-Märkte, auf denen überwiegend Selbstgemachtes verkauft wird und Konservenmusik verpönt ist. Die Landjugend den Grill bedient, die Landfrauen Selbstgekochtes und -gebackenes feilbieten und lokale Kunsthandwerker ausstellen.* Und wo man dann oft einen kleinen Obolus als Eintritt entrichten muss. Die Kosten müssen halt reinkommen und auch Gemeinnützige brauchen Geld.

Das obige Zitat hingegen gibt sehr treffend die traurige Realität vieler Weihnachtsmärkte in hiesigen Städten wieder. Kitschig beschallte und illuminierte Fress- und Sauftröge, auf denen ansonsten belangloser Industriekrimskrams Made in China verscherbelt wird. Die großen in der Gegend (Dortmund, Essen, Münster) sind zumindest an den Wochenenden fest in der Hand lärmenden Feiervolks mit blinkender Zipfelmütze auf der Murmel und Wegebier im Anschlag. Immerhin gibt es in meiner bescheidenen Heimatstadt eine Bude, die genießbare alkoholische Heißgetränke verabfolgt.



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* Die Werkstätten Karthaus hier bei Dülmen veranstalten übrigens vom 5.-8. Dezember so einen Markt.


Kommentare :

  1. Ein Volksfest muss dem Volk offen stehen, sonst ist es ein Reichenfest. Von denen gibt es überall genug.

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  2. Der Weihnachtsmarkt 2009 in der Duisburger Altstadt war so ein Ausnahmemarkt. Dort habe ich u. a. den besten Glühwein meines Lebens getrunken. Hoffe dass das Niveau des Marktes gehalten werden konnte …

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    1. Drücke die Daumen.
      @Eike Brüning: Im Prinzip ja. Aber man sollte vielleicht unterscheiden zwischen einem Eintrittspreis im Sinne einer reinen Kostenumlage und einem Eintrittspreis als Teil eines auf Gewinnmaximierung angelegten Geschäftsmodells.

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    2. Nein. Da gibt es keinen Unterschied zu machen. Bourgeoisie. Charity Gala als Ersatz für den Sozialstaat ist doch bestimmt auch eine tolle Nummer? Mein Tipp an die Armen: Wollt ihr bei derartigen Events auch zumindest mal zusehen, mal schauen, was die feinen Pinkel so treiben? Dann reist dort gemeinsam illegal ein. Soviel Security wollen die sich nicht leisten und der Typ am Eingang bekommt auch nur 'nen Einer die Stunde, wenn ihn das Amt nicht gerade komplett subventioniert. Der wird sich da sicher nicht totmachen.

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  3. Nö, ich glaube, da bin ich etwas überschätzt worden. Zwar kann ich die Fertilisation von 1973 recherchieren, aber ich mache mir da nicht die Mühe. Es gibt einfach Dinge, die ich lasse. Zum Beispiel auf Feste zu gehen, die einfach per Se bestimmte Leute ausklammert, weil sie nicht das nötige Geld mitbringen. Wenn das eine Privatparty ist, OK. Wenn das eine Art Volksfest ist, für den vielleicht das Dorf oder der Stadtteil sogar so abgeriegelt wird, dass man selbst, wenn man nur von A nach B will, nicht ohne Wegezoll durchkommt, dann ist das ungehörig.

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