Sonntag, 22. November 2020

Jenseits der Blogroll - 11/2020

 
Wie immer gegen Ende eines jeden Monats,die Links und Fundstücke, die mir in letzter Zeit so untergekommen sind:

Corona/Covid-19. Onkel Michael über zwei besonders bizarre Beispiele für die unter Querpfeifen, Covidioten und anderem rechtsoffenen Schwurbelpack um sich greifende Mode, sich mit NS-Opfern gleichzusetzen: Jana, die 22jährige Sophie Scholl-Laiendarstellerin aus Kassel, die eine Heulattacke bekam, als jemand Widerspruch wagte, und die arme Elfjährige, die vermutlich von ihren Eltern einsouffliert bekommen hat, sich mit Anne Frank zu vergleichen. Weil sie ja auch immer zu Hause bleiben muss. Benutze Kopf mit Wand. Manchmal fragt man sich ehrlich, wohin einigen Leuten ihre politischen Maßstäbe inzwischen so gerutscht sind. "Hey Jana!", möchte man der ersteren am liebsten zurufen, "Sicher, dass du nicht doch eher Daisy Duck bist? Guck lieber noch mal genau hin!"

(Nachtrag, 17:36 Uhr: Knut Junker (FB!) zum Thema)

Thomasz Koniecz über die Leipziger Corona-Demo. Alles ganz harmlos, keine Randale, keine Nazis nirgends. Und wenn, dann nur ganz, ganz wenige. Einzelfälle halt. Wie immer.

Dazu passend: Der Soziologe Alexander Leistner im Interview über die Frage, wieso 'Querdenken' so scharf darauf ist, das Erbe von 1989 anzutreten.

Fefe über Covidioten:

"Wisst ihr, was mich daran am meisten ärgert? Dass die asozialen Schweinebacken, die uns durch nicht freiwillig zurücknehmen in die Situation gebracht haben, dass wir jetzt von der Regierung einen Lockdown verordnet kriegen müssen, jetzt so tun, als sei das Schuld der Regierung! Da könnte ich stundenlang im Strahl kotzen über so viel Assitum. Das ist wie ein Chemiewerk, das jahrelang die Umwelt vergiftet, und dann sagt, naja, die Regierung hätte ja die Grenzwerteinhaltung schärfer kontrollieren können. Ein Arschlochverhalten allerersten Kalibers. Aber Fefe, der arme Doktor Bhagdi macht sich Sorgen um seinen Blutdruck, wenn er eine Maske tragen muss!1!! Ja dann bleibt der halt drinnen und isoliert sich, dann braucht er auch keine Maske!" (fefe, ebd.)


Die spanische Zeitung El Pais hat eine animierte Infografik über die Ausbreitung von Corona-Viren in verschiedenen Settings angefertigt.

Eine Schweizer Intensivpflegerin erzählt aus ihrem Alltag und erklärt, warum sie ihren Job aufgibt. Cigdem Akyol hat das aufgezeichnet.

Das Bestattungsmuseum Wien hat da eine ganz entzückende Idee.

Politik, US-Wahl/Donald Trump. umair haque fragt: Wie viele American Idiots gibt es? Antwort: 73 Millionen. Haque verwendet 'Idiot' nicht als Schimpfwort bzw. Beleidigung, sondern in der ursprünglichen Bedeutung aus dem Griechischen:

"To the Greeks, »idiot« was the ultimate term of scorn. Idiots were the most contemptible people in classical society. Why? The term really means, in the classical context, »people who are consumed only with self-interest.« And to the Greeks, the progenitors of democracy, nobody — nobody was more dangerous than an idiot." (haque, ebd.)

Steile, aber bedenkenswerte These von Richard Volkmann: Wer bei Sonneborn und Semsrott begeistert Beifall klatscht, sollte sich nicht über Donald Trump beschweren.

Georg Seeßlen: Was von Trump bleibt.
 
Ist das noch jemandem aufgefallen? Jetzt, da das blau/braune Gesocks vollauf damit beschäftigt ist, sich als arme Diktaturopfer und Verteidiger der Grundrechte zu inszenieren, scheinen sie irgendwie gar keine Zeit mehr zu haben, Islamhass zu schüren. Und das, obwohl nun wirklich einiges vorgefallen ist in letzter Zeit. Schon älter: Yassin Musharbash hat fünf Ideen für eine vernünftige Islamdebatte.

Kultur. Die Ulmer Jazzrock-Dinos Kraan um Bassgott Hellmut Hattler, immer noch eine der wenigen deutschen Bands, die ernsthaft grooven können, haben tatsächlich noch ein neues Album herausgebracht.

(Video im erweiterten Datenschutzmodus eingebettet. Anklicken generiert keine Cookies.)

Max Czollek über den antisemitischen Ausfall der 'Süddeutschen Zeitung' an dem Pianisten Igor Levit

Carolin Pirich über Mozarts Geige und Christoph Koncz, Stimmführer der zweiten Violinen bei den Wiener Philharmonikern, der sie regelmäßig spielen darf. Berührend.

Slata Roschdal hat Georg Trakl wieder zur Hand genommen. Und ein melancholisches Entzücken verspürt. Verständlich.

Essen, Trinken, Lifestyle
(brrr!). Tobias Rüther über Bill Bufords neues Buch 'Dreck'. Werde ich mir wohl besorgen.

Rob Kiefer über belgische Trappistenbiere. Gelten als die besten Biere der Welt. Vier habe ich inzwischen getestet (Chimay, Westmalle, Hoegaarden, La Trappe) und muss sagen: Wer glaubt, Bier sei im Vergleich zu Wein eher unterkomplex, hat noch nie ein Trappistenbier probiert.

Das Rezept. Normalerweise mache ich hier ja keine Produktwerbung. Aber keine Regel ohne Ausnahme. Ich kann mich Natali Borsi nur anschließen: Ist man ein Freund von lange bei niedriger Temperatur gesimmerten Schmorgerichten sind und will das richtig gut machen, wird die Anschaffung einer Cocotte, eines gussstählernen emaillierten Schmortopfes, irgendwann unumgänglich. Die bekanntesten kommen aus Frankreich von Le Creuset, von Staub (eine Elsässer Firma, die inzwischen zu Zwilling gehört) oder Invicta (deren Ware etwas günstiger ist). 
 
So ein Kübel ist leider nicht ganz billig in der Anschaffung, aber es ist eine fürs Leben. Mindestens. Weil die Dinger bei richtiger Pflege quasi unzerstörbar sind und problemlos mehrere Generationen überstehen, kann man auch nach gebrauchter Ware Ausschau halten, wenn man die Investition scheut. Leider hat sich vor allem um die Le Creuset-Geschirre in den letzten Jahren ein ärgerlicher Hype gebildet, der die Preise treibt.

Seitdem ich vor Jahren so ein Gerät von lieben Menschen geschenkt bekommen habe, mag ich es in der Küche nicht mehr missen. Das Teil ist unhandlich schwer, aber das Kochen damit die reinste Freude. Degradiert alle anderen Töpfe, wiewohl kein Billigschrott, auf der Stelle zu Altmetall. Hebt Braten, Gulasch, Ratatouille und Ragouts auf die nächste Stufe. Als nächstes werde ich provenzalische Daube de bœuf in Angriff nehmen.




Kommentare :

  1. Bei den Neumondrebellen ist man jetzt auf die Seite der AfD gewechselt. Fehlt nur noch, dass Don Quichotte de Lapuente und UFO-Tom sich mit Sophie Scholl und Anne Frank vergleichen. Wie lange sind die Ronny-Anwärter noch in deiner Blogroll?

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    1. Mal sehen, wie die Rebellen noch so gehen, Epikur...
      Keine Ahnung, wo das mit den Widerstandshelden noch endet vermutlich hier...

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  2. Trappistenbiere gelten wahrscheinlich aufgrund Ihrer Stärke zu den Besten der Welt. Daher liegt der Vergleich mit dem Wein auch nahe. Einige haben einen süßlichen Abgang, was bei Bier etwas anfremdelt. Ich habe auch einige probiert, ziehe aber oft ein Normales oder ein Bock vor. Bei den Normalen gab es neulich ein Neues beim Versorger. Windberg. Gar nicht übel.
    Der Song von Kraan geht echt als Jazz durch? Für mich ist das bluesorientierter Rock mit leicht funkiger Attitüde. Ich lasse mich aber gern eines Besseren belehren. Es ist ein schönes Stück Musik. Etwas verwundert war ich über den dezenten Cher-Effekt auf den Vocals.
    Das hört man bei dieser Art Musik nicht häufig.
    Mit Kaltgarverfahren habe ich`s nicht so. Wenn da was fertig wird, habe ich meist schon wieder Hunger auf etwas Anderes. Das Fleisch darf auch gerne mal so sein, dass man zubeißen muss. ;)

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    1. Na ja, nicht wirklich oder irgendwie schon. Kraan wurden ursprünglich als Krautrock-/Fusion-Band gehandelt. Habe deren Schaffen aber nicht mehr konsequent verfolgt.

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  3. »Habe deren Schaffen aber nicht mehr konsequent verfolgt.«
    Aber doch wohl hoffentlich Tab Two?!?

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    1. Hab ich reingehört, sehr virtuos, großen Respekt, sprach aber irgendwie nicht zu mir.

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