Samstag, 16. Mai 2020

Horror vacui


Auch wenn die Glücks- und Unterhaltungsindustrie sowie diverse Rattenfänger uns was anderes glauben machen möchten: Was wir gemeinhin Realität nennen, war schon immer so unendlich komplex, dass sie jeden Menschen per se überfordert und das Leben ist für die allermeisten seit jeher eine einzige Reihe von Zumutungen. Dagegen half und hilft Religion. Keine Sorge, dies wird kein Versuch, die geneigte Leserschaft zu bekehren, sondern lediglich einer, gewisse Dinge zu verstehen, die gerade so passieren. Man kann die 'Hygiene-Demos' genannten Masernpartys, die auch an diesem Wochenende wieder vielerorts stattfinden und die immer absurderen Narrative in den 'sozialen' Medien nämlich auch als Indizien dafür lesen, wie sehr Religion an Bedeutung verloren hat.

Wer gläubig ist, kann sich angesichts schlimmer, irritierender Ereignisse mit einem gewissen Fatalismus panzern und Trost darin finden, dass nichts einfach so passiert, alles irgendwie einen Sinn hat, den man halt nur nicht versteht. Unter Christen ist dann etwa die Rede von: Die Wege des Herrn sind unergründlich! Oder: Der Herr hat‘s gegeben, der Herr hat‘s genommen! Gut möglich - Hypothese jetzt! -, dass Religion in der Urzeit ein evolutionärer Vorteil war. Eine Sippe, die zum Beispiel die Trauer über den Tod des Ältesten mit religiösen Ritualen kanalisierte, war schneller wieder handlungsfähig, wenn es galt, den nächsten Mammutbraten zu besorgen oder wenn der Säbelzahntiger kam, als eine, die die Trauer jedem selbst überließ und darüber vielleicht in allgemeine Depression verfiel.

Wer gelernt hatte, dass das furchterregende Gewitter da draußen kein Zufall war, sondern dass da eine höhere Macht im Spiel war, die sich mit ganz bestimmten Ritualen wieder besänftigen ließ, gewann damit ein Gefühl von Kontrolle. Glauben Sie nicht? Nun ja, noch meine selige Großmutter hatte panische Angst vor Gewittern und bis zuletzt immer eine geweihte Gewitterkerze aus Kevelaer im Hause. Wenn es blitzte und donnerte, wurde die Kerze angezündet, das Haus vor Schaden zu bewahren. In der Landwirtschaft, wo man noch heute, aller modernen Technik zum Trotze, abhängig ist vom Wetter, sind in entsprechender Gegend die Tempel nicht nur zu Erntedank besser besucht als woanders. Die einen nennen's Aberglaube, die anderen Volksfrömmigkeit. Kann man lustig finden, aber das Sein bestimmt letztlich das Bewusstsein.

"Ich habe immer eine geweihte Christophorus-Plakette an meiner Orgel und bin noch nie mit einer anderen Orgel zusammengestoßen." (Otto Waalkes)

Atheisten neigen zu der Ansicht, eine Welt ohne Religion wäre ein Hort der Vernunft und Aufklärung und damit eine bessere, friedlichere. Obzwar Agnostiker, habe ich da so meine Zweifel. Woanders mag das nicht so sein, aber zumindest in West- und Mitteleuropa müsste die heutige Zeit für Atheisten doch ein wahres Träumchen sein. Die christlichen Kirchen hatten noch nie so wenig Bedeutung, wo sie sie noch haben, schwindet sie und es sind auch kaum Anzeichen für eine größere Rechristianisierung erkennbar. Zudem beschleunigt speziell die katholische Kirche ihren Weg in die Irrelevanz durch eine Reihe von Lehrbuchbeispielen für, gelinde gesagt, katastrophales Krisenmanagement.

Und? Sieht es danach aus, als würden proportional zum Bedeutungsverlust der Kirchen nunmehr Vernunft und Aufklärung Einzug halten? Eher nicht. Es gibt da nämlich etwas, das man atheistischen Fehlschluss nennen könnte. Den hat Gilbert Keith Chesterton, Erfinder der Figur Pater Brown, einst formuliert, indem er sagte, wenn die Menschen aufhörten, an Gott zu glauben, dann glaubten sie eben nicht an nichts, sondern fingen an, an alles Mögliche zu glauben. Man könnte ergänzend anfügen: Je komplizierter die Welt wird, desto mehr gibt es, die sie gern wieder einfacher hätten.

Das Problem ist ja, die Zumutungen des Lebens und die permanente Überforderung bleiben. Und Spiritualität bzw. das Bedürfnis, das sie befriedigt, verschwindet ebenfalls nicht einfach so. Der Weg zur Erkenntnis ist mühsam und vor allem unendlich, da jede neue Erkenntnis (die auch jederzeit eine Sackgasse sein kann), nicht nur Antworten liefert, sondern sofort neue Fragen aufwirft. Das auszuhalten ist in normalen Zeiten schon Arbeit genug. Kommt dann noch etwas hinzu, das Angst macht, stresst, viele ratlos zurücklässt, eine Krisensituation also, dann versammelten verängstigte, frustrierte, wütende Menschen sich in diesem Teil der Welt früher in Kirchen. (Ist gar nicht so lange her. Im Vorfeld des zweiten Golfkrieges 1991 waren die Friedensgebete der katholischen und evangelischen Kirchen sehr gut besucht). Das fällt heute weitgehend weg. Politik und Wissenschaft sind, wie sich im Augenblick studieren lässt, kein adäquater Ersatz. Wodurch ein Vakuum entsteht.

Weder Politik noch Wissenschaft noch Medien sind in der Lage, jene gültigen Aussagen zu machen und jene Orientierung, auch jenen Trost zu bieten, den viele sich eigentlich erhoffen (daher die Enttäuschung, der Hass, die verbale Gewalt). Das ideale Klima für falsche Propheten vom Schlage eines KenFM, für echte und falsche Wissenschaftler, rechtsnationale Systemsprenger und ihren Rattenschwanz aus "autoritären Querulanten und Quartalsirren [...], deren diskursive Bedeutung im Wesentlichen auf einer medialen Überrepräsentation beruht" (Markwardt), sowie YouTube- und 'Social' Media-Schlaubisabblern. Sie wissen genau, wie man Menschen das wohlige Gefühl gibt, zu verstehen, das Leben wieder ein bisschen unter Kontrolle zu kriegen, einen Sinn zu sehen. Und weil sie auch genau wissen, was sie tun, kommen die Leute in Scharen.

"Anstatt rational mit der Situation umzugehen, und sich an Evidenz zu halten, wird blind auf Titel vertraut. […] Es reicht, wenn sich irgendein Schwätzer mit zur Not auch falschem Professorentitel vorstellt, und die Gemeinde hängt an den Lippen. Ein Dr. Wodarg gewinnt seine Zuhörer schon mit dem Satz »Ich bin Arzt«, das faktenresistente Zeug, das danach kommt, geht unter [...]. Auch der YouTube-Star Prof. Sucharit Bhakti zieht die Zuhörer mit seiner sanften Stimme in den Bann. Er meint zu Corona: »Gesunde Menschen erkranken daran nicht ernsthaft.« Nicht die einzige Merkwürdigkeit des emeritierten Mediziners. Vor kurzem wurde ein Rechtsmediziner gehypt, der bei Autopsien keine Corona-Ursache feststellen konnte, lediglich viele Embolien. […] Die Krönung der medizinischen Erkenntnis liefert aber mal wieder Prof. Bhakti: Die Embolien seien entstanden, »weil die Leute zu Hause herumsaßen«.

Keiner dieser interviewfreudigen Ärzte hat irgendeinen Beitrag dazu geleistet, die Therapien von Covid-19 tatsächlich zu verbessern." (Alexander Unzicker)


Und so versammeln sie sich auf Plätzen, wo sie mit dem Grundgesetz, das sie nur zum Teil verstehen, herumwedeln wie einst Missionare mit der Bibel, sie tragen lustige Alubommel als Zeichen ihrer Zugehörigkeit wie Kruzifixe und sie schreien gegen Merkel und Gates an als gelte es, den Teufel und Dämonen zu exorzieren oder ein paar zuvor zweifelsfrei und nach streng wissenschaftlichen Methoden als solche überführte Hexen zu verbrennen.

(Fun fact: Herr FM trägt heimlich Maske. Und das, obwohl doch nun wirklich jeder weiß, dass Covid-19 nicht schlimmer als eine Grippe ist. Nun gut, wer fängt sich schon gern eine Grippe ein.)

Aluhüterei als Religionsersatz also? Formulieren wir so:

Es gibt Menschen, die es problemlos als Wahrheit akzeptieren, dass um das Jahr 0 herum ein gewisser Heiliger Geist in eine vorderorientalische Jungfrau namens Maria gefahren ist, die daraufhin schwanger wurde und in Begleitung eines Handwerkers mit Namen Joseph, der ihr die Geschichte abgenommen hat und zur Belohnung heilig gesprochen wurde, in einem Stall ein Kind zur Welt brachte, das sich fortan als Wanderprediger und Religionsstifter verdingte, zirka 30 Jahre später aber infolge einer politischen Intrige grausam zum Tode befördert wurde, um drei Tage später wieder quicklebendig seiner Wege zu gehen.

Und es gibt Menschen, die finden es sonnenklar, dass wir von Echsenmenschen wie Bill Gates, George Soros und Goldman Sachs regiert werden, die mit Chemtrailflugzeugen und 5G-Strahlen (gegen die aber Akasha-Säulen helfen - the fools...) unser aller Bewusstsein kontrollieren, alle Regierungen der Welt gekapert, alle Medien gekauft und gleichgeschaltet haben, gemeinsam mit Hillary Clinton und Angela Merkel im Keller unter einer Washingtoner Pizzeria unaussprechliche Dinge mit neugeborenen Kindern anstellen, und das alles mit dem Ziel, die Menschheit per Zwangsimpfung willenlos zu chippen, wenn nicht gleich zu dezimieren und so weiter.

Dann gibt es welche, die fressen Kreide und propagieren die Lektüre eines berüchtigten rechten Blogs allen Ernstes als probates Mittel gegen Faschismus. Was in etwa dem Versuch gleichkommt, eine brennende Bohrinsel mit Benzin löschen zu wollen. Aber das nur am Rande.



Der grassierende Wahnwichtelei ist vielleicht keine Religion und auch keine Ersatzreligion. Aber nicht minder gegenaufklärerisch und dockt womöglich an die gleichen Bedürfnisse an wie Religion. Und mit besonders Strenggläubigen und Erleuchteten ist Diskutieren bekanntlich schwierig bis unmöglich.





Kommentare :

  1. Was kann man auf Bild 2 (nicht) lesen...?

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    1. Einen Klassiker: "Ob rot, ob grün, ob braun - Faschismus bleibt Faschismus." und dann die entsprechende URL, die ich hier nicht direkt verlinken mag.

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  2. Was bei der Auflistung etwas zu kurz kommt, ist wie Erkenntnisse im Kapitalismus zustande kommen. Nicht nur Deutschland brechnet Covid 19 nach Fallpauschalen, siehe https://www.bundesgesundheitsministerium.de/abrechnung-krankenhausleistungen.html
    "Die Höhe der DRG-Fallpauschalen richtet sich hautpsächlich nach Krankheitsart (Diagnose), Operation und Schweregrad der Erkrankung. Patienten und Patientinnen mit leichten Erkrankungen zahlen somit weniger als Patienten und Patientinnen mit schweren, aufwändig zu behandelnden Erkrankungen. Mit der Fallpauschale wird eine genau definierte Erkrankung und deren Behandlung in einer bestimmten Bandbreite der Verweildauer vergütet. Innerhalb dieser Bandbreite wird die gleiche Pauschale unabhängig von der tatsächlichen Verweildauer der Patientin bzw. des Patienten gezahlt."

    Das bedeutet: Je mehr Symptome, desto höher die Fallspauschale und desto mehr Geld kann man für den Patienten in Rechnung stellen.

    Coronaviren kennt man seit den 60ern. SARS ist zudem recht klar definiert, es gibt zwar Abweichung der Definition von div. Gesundheitsämtern und dem RKI und anderen, aber man kann nachschauen.
    Covid 19 ist eine Abart von SARS. Allerdigs die einzige, die für jedes Organversagen und Neuerdings auch für Haukrankheiten zuständig ist, bzw. sein soll. Bei der Fettleber hätten sie Dir früher gesagt: "Ja, hätteste ma' nicht gesoffen!" Heute: "Corona." Blumenkohl am Pillermann: "Corona." Schuppenflechte und COPD früher: "Hätteste ma' das Rauchen sein lassen." Heute: "Corona." Psychische Störungen aller Art früher: "Kann es sein das Du gewaltig einen an der Murmel hast?" Heute: "Corona." Abgerundet wird das von "Expertisen", die aussagen, dass Corona die Lebenszeit um mindestens 10 Jahre verkürzt.
    Man nutz also de Umkehrschluss. Weil man über das Virus noch nicht so viel weiß, ist es für alles, was man gerade nicht verarzten kann, zuständig. "Nur weil Du Dich nicht gesund ernährt hast, verkürzt sich Dein Leben um mindestens 10 Jahre". Wenn Helmut Schmidt auch morgen noch in Talkshows rumgeistern würde, hätte er sicher gesund gelebt.
    Keine Frage, dass Corona gefährlich für bestimmte Leute ist, aber der pandemische Charakter ist eben vielerorts nicht gegeben. Ein Hotspot wie eine globale Metropole namens New York ist da auch plausibel. Heinsberg und Sonneberg hier sind es schon weit weniger. Hamburg, Berlin, Köln, München? Da wird wohl noch gewaltig geforscht werden müssen. Dummerweise ist es um das Testing und Reporting hierzulande nicht sonderlich gut bestellt. Erkenntnisse werden also noch sehr lange auf sich warten lassen. Einstweilen lässt sich aber die höhere Coronapauschale abrechnen.
    Apropos Umkehrschluss. Glauben heißt nix wissen. Warum aber ihr Glaube vielen Menschen bei ihrem Dasein hilft, ist einfach eine gesunde Selbstzufriedenheit herzustellen.

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    1. ich bin jetzt kein Arzt,aber verwechseln sie nicht da Ursache und Wirkung.Bei HIV sind die Leute an 1000 Sachen gestorben,aber verursacht hat es der HIV Virus.Und Covid ist auch nicht anders.Im Übrigen ist es leicht nachzuweisen.Bluttest,Covid drin,dann kannst dir halt passieren,dass man für alles anfälliger ist,vor allem für schwere Lungenerkrankungen.Die Pauschalen sind nicht so viel höher,dass ein Arzt förmlich drauf geiert,Covid festzustellen.Vor allem,weil er als Facharzt da mehr Ausgaben und ein unverschämt hohe Arbeitsintensität hat,die die paar Euro nicht aufwiegen.So geht es übrigens auch den Krankenhäusern usw. Covid nützt keinen so sehr,dass er gerne Covid schreit,wenn echt was anderes ist

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    2. Da bin ich sehr gespannt auf die Erkenntnisse, die dann in etwa fünf Jahren vorliegen werden. Wie jedes Virus schwächt natürlich auch Covid 19 das Immunsystem. Wenn es die Mutations- und Fusionsfähigkeit von HIV hat, warum ist es als Coronavirus der Sarsfamilie klassifiziert? Das wäre dann ja abwegig. HIV hat noch bei keinem Staat zu Pandemiereaktionen geführt, obwohl das mitunter gerechtfertigt gewesen wäre. Was ist da jetzt anders?

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    3. Weil HIV andere Übertragungswege hat als Covid-19 und sich die Ausbreitung durch Maßnahmen wie Schutz vor dem Kontakt mit infektiösen Körperflüssigkeiten eindämmen lässt. Das ist bei einem Erreger, der u.a. durch Tröpfcheninfektion übertragen wird, erheblich schwieriger.

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    4. Nun, dass scheint mit den Erkenntnissen wiederum ein Zeitphänomen zu sein. Zu meinen Schulzeiten (80er) galt noch: Blut, Speichel, Sperma, Rotz noch nicht endgültig erforscht (dito Analsekrete). Jetzt gilt für HIV: https://www.aidshilfe.de/hiv-uebertragung?pk_campaign=cpc&pk_kwd=risiko%20hiv%20ansteckung#das-wichtigste-zur-hiv-bertragung-in-k-rze

      Wir können uns also zurücklehnen und sagen im Jahr 2050 wird man es auch für Covid 19 genauer wissen.

      Im Gegensatz zu Covid weist HIV überall eine ziemliche Letalitätsrate auf. Beides zusammen dürfte also richtig doof sein. OK.



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  3. Ein paar ungeordete Gedanken dazu, nach meiner vollen Zustimmung zum Beitrag:

    1. Der moderne Mensch ist zerrissen zwischen dem Imperativ der Aufklärung "Habe den Mut deinen eigenen Verstand zu gebrauchen" und der Unmöglichkeit, in allen Gebieten Experte zu sein, dadurch steigt automatisch die Bullshit-Frequenz in vielenvielen Lebensber. Oftmals ist die Aufklärung auch nur ein vorgeschobener Grund und das Ego steht der Erkenntnis im Weg, bei manchen Themen lieber erstmal zu schweigen und abzuwarten. Autoritätshörigkeit entspricht nicht dem Ideal der Aufklärung, Halbwahrheiten und falsche Aussagen zu tätigen aber auch nicht.

    2. Die neoliberale Sippe hält sich seit eh und je für unverwundbar. Sie glauben wer sich 100%ig vorbildlich verhält, müsse Krankheit, Armut und Arbeitslosigkeit nicht fürchten. Nach deren Weltbild sind die Corona-Patienten auf der Intensivstation genauso selbst schuld wie der arbeitslose Grundsicherungsempfänger und der Sozialhilfe beziehende Krebskranke. Deshalb ist mir bei ZAFs bislang keine Einhaltung der Hygieneregeln begegnet, die Personaler halten sich für unsterblich, die Leiharbeiter sind irrelevant und selbst schuld, wenn sie erkranken.
    Vor Corona waren sich alle Linken einig, dass es moralisch verwerflich ist, wenn Unternehmen die Gesundheit ihrer Mitarbeiter aus Profitgier gefährden. Jetzt sind die ZAFs mit ihrem maskenlosen Gruppenkuscheln geradezu Kämpfer für Freiheit und Demokratie. Super, dass sich wenigstens ein paar Unternehmen dem "Masken- und Desinfektionsmittelquatsch" widersetzen.

    3. Wenn in den 80ern jemand für das Recht demonstriert hätte, ungeschützten Sex bei einer möglichen Infektion mit was auch immer-muss nicht HIV sein, die Syphilis ist auch nicht lustig, haben zu dürfen, wäre das absurd erschienen. Wider besseren Wissens andere mit etwas zu infizieren, war schon immer strafbar. Bei Corona ist der Schutz der anderen für uns alle mit großen Einschränkungen verbunden, wir wissen nicht ob wir eventuell symptomfreie Überträger sind, aufgrund neoliberaler Mangelwirtschaft können wir nicht die ganze Bevölkerung mit FFP-3-Masken ausstatten (deren Nutzen eindeutig erwiesen ist, das wäre eine Diskussion weniger), deshalb werden die Fremdschutzmaßnahmen leider nicht in dem Maße akzeptiert, wie es der Sex mit Kondom als Maßnahme gegen HIV und Syphilis war (ist).

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  4. "Und so versammeln sie sich auf Plätzen, wo sie mit dem Grundgesetz, das sie nur zum Teil verstehen, herumwedeln wie einst Missionare mit der Bibel, sie tragen lustige Alubommel als Zeichen ihrer Zugehörigkeit wie Kruzifixe und sie schreien gegen Merkel und Gates an als gelte es, den Teufel und Dämonen zu exorzieren oder ein paar zuvor zweifelsfrei und nach streng wissenschaftlichen Methoden als solche überführte Hexen zu verbrennen."

    Du willst in einer Demokratie leben? Dazu gehört auch andere Meinungen zu tollererieren.
    Stattdessen beschimpfst Du jeden, der Deine Meinung nicht teilt, pauschal.
    Und Du willst die Stimme der Vernunft sein.

    Mit Deinen Beleidigungen Andersdenkenden gegenüber beleidigst Du Dich selbst.

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    1. Ich habe nie für mich in Anspruch genommen, die "Stimme der Vernunft" zu sein. Wenn Leser mich so nennen, danke, freut mich. Ich verstehe ehrlich gesagt nicht ganz, wo ich hier wen pauschal beschimpfe. Ich toleriere selbstverständlich andere Meinungen, nehme mir aber meinerseits die Freiheit, diese kritisch zu sehen. Mit Gründen. Viele der Demonstrierenden sehen sich durch die voll faschistische Maskenpflicht in ihrem Grundrecht auf freie Entfaltung der Persönlichkeit beeinträchtigt. Erstens gilt aber kein Grundrecht immer uneingeschränkt und zweitens sollten die dann auch so konsequent sein, vor jeder roten Ampel, jeder Einbahnstraße, jeder Geschwindigkeitsbegrenzung etc. auch gegen die Einschränkung ihrer Bewegungsfreiheit zu demonstrieren.

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    2. Die kübelst über alle, die bspw. die grundgerechtseingreifenden Maßnahmen zumindest entsprechend heutigem Stand für übertrieben halten, das abgegriffene Querfront-Argument.
      Alle unliebsamen Demonstrationen werden seit je her auf die selbe, billige Weise denunziert: Man pickt sich ein paar einzelne Spinner raus, vermeldet Kontaktschuld - und brauch sich deshalb natürlich nicht mit dem Ansinnen auseinanderzusetzen.
      Das ist eine ziemliche unseelige, meinungsmanipulative Tradition, die Du Dir da zu eigen machst.

      Der Pestarzt hat jüngst einen wunderbaren Text zu dem Thema geschrieben.
      "Das machen sie seither mit jedem, der sich irgendwo blicken lässt, um auch mal etwas anderes zu sagen als das was sowieso überall steht. Immer als ewiggleiches Muster. Eine Routinenschleife, die sofort anspringt, sobald sich etwas regt. Dann zerren sie die Randgruppen ins Licht und vor die Mikrofone.
      ...
      Und die Botschaft muss, wenn jeden Tag über mehrere Kanäle genug Material versendet worden ist, niemand mehr irgendwo hinschreiben. Die Botschaft ist Obacht. Obacht, Beobachter. Obacht. Stellen Sie sich nicht zu denen hin. Können Sie nicht machen. Sollten Sie nicht machen. Machen Sie das nicht. Sonst sind Sie einer von denen."

      ...

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    3. An unserem Bundespräsidenten solltest Du vielleicht auch ein paar mahnende Worte richten.
      Der scheint die Maskenpflicht auch nicht wirklich ernst zu nehmen (im Krankenhaus!):

      https://www.youtube.com/watch?v=y2qAKS6Hl4I

      Auch so ein unbelehrbarer Idiot?

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    4. Da wir gerade beim fröhlichen Zitieren sind. Siewurdengelesen antwortete drüben bei der werten Frau Mühlstein in ähnlicher Lage das folgende:
      "Die dort auf den Demos zugange sind, sind am wenigstens daran interessiert, die [...] genannten gesellschaftlichen Probleme zu lösen. Das ist genauso wie bei Pegida und Querfront einfach nur Getue und so wie damals die Flüchtlinge ist jetzt Corona und die Begleitumstände nur Aufhänger für bestimmte Bewegungen, um sich in Szene zu setzen. [...] Hier geht es einfach wieder um Dauerempörte ob der persönlichen Beschnitte, deren Frust sich solche Hiwis wie Jebsen und zunehmend auch rechte Parteien im eigenen Interesse zunutze machen."
      Das grundlegende Problem ist m.E., dass jede größere Demo zu jedem Reizthema seit ca. 2010 inzwischen sofort von Rechten und Idioten gekapert wird, die sich als ganz irre 'Anti-Establishment' bzw. '-Mainstream' abfeiern und dass diejenigen, die durchaus berechtigten politischen Protest anmelden, dann untergehen und sich angeekelt abwenden. Mir fällt da auch keine Lösung ein, bedaure. Sich mit diesen selbsternannten 'Quer-' bzw. 'Selbstdenkern' und anderem Gelichter gemein zu machen, ist jedenfalls keine.

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  5. @ Anonym "3. Wenn in den 80ern jemand für das Recht demonstriert hätte, ungeschützten Sex bei einer möglichen Infektion mit was auch immer-muss nicht HIV sein, die Syphilis ist auch nicht lustig, haben zu dürfen, wäre das absurd erschienen."

    Nein, wäre es nicht. Millionen Deutsche auf Dienstreise nach Thailand seit den 70ern könnten ein Beleg dafür sein. Gebumst wird immer noch nach Gutsherrenart, sofern man sich das leisten kann (wo auch immer). Dumm wird das nur für die Anderen, vgl. auch Deutsche Ergoparties (Ex- Hamburg-Ranschleimer in Budapest, https://www.youtube.com/watch?v=OyEAwxnTHTI). Ja, ich saß anno 96 selbst im Flieger nach Bangkok. 90 % Männer. Davon haben 80 % über das Ficken und Ihre Familie schwadroniert. Davon, dass man dort keine Kondome braucht, weil alles so sauber wäre, gefolgt von dem, wie man seine Alte nicht gut verarscht hätte, um sich endlich mal wie früher, die Hörner abzustoßen (Folgegespräch: Das wohlige Aufwachsen der eigenen Brut und die evtl. Zeugung neuer Nachzucht)...Ausnahmefall? Fehlanzeige! Bin durch den ganzen Flieger gekommen, da man damals als Raucher noch kurz vor der Toilette quarzen durfte. Auf dem Rückflug hattest Du Dir dann die Abenteuer angehört.
    Das Narrativ heute lautet: "Mit diesen Maßnahmen schützen wir das Deutsche Volk!" Nein, es ging nie um den Schutz der Bevölkerung, sondern um den Schutz der Klinikkonzerne. Wir haben einen Virus, der uns unbekannt ist und die Wirkung ist von nix bis tödlich, solange es keinen Impfstoff gibt. Wir möchten aber nicht, dass der Klinikbetrieb zu sehr leidet, daher versuchen wir den vielleicht zu erwartenden Effekt des Virus abzumildern, damit wir die Leute mit Armbrüchen nicht nach Hause schicken müssen. Mit umfangreichen Tests und einem entsprechenden Reporting begleiten wir die Maßnahmen allerdings nicht. Das sind Zahlen, die fehlen (und immer werden), deswegen verweist auch wieder jede Gazette (in D) auf amerikanische Studien, wo seit den 80ern eigentlich klar ist, wenn irgendwo amerikanische Studie dran steht, dann geht es um das Rütteln an Aktienkursen, nicht um die Gesundheit oder etwas anderes Substanzielles. Und Nein, eine zweite Welle wird nicht kommen. Die Erste war schon so ein Fiasko, dass man sich bemühen muss, den Pandemiecharakter irgendwie anzuheben (wozu Fallpauschalen trefflich geeignet sind, wenn man angeblich nix über die Krankheit weiß). Das ist zwar eigentlich ein Glück, aber leider nicht nur wirtschaftlich ein Desaster. An Atemerkrankungen vom Virus oder etwa an Hunger zu sterben macht einen Unterschied von fast einem Monat (reiner Todeskampf) aus, was Mortalität und Letalität bei diesem Begriff relativ erscheinen lässt und auch lassen sollte. Aber Hauptsache ist doch, dass seit dem 1. Mai zurückgefordert werden darf, um noch mal auf den Schutz der Bevölkerung zu kommen. Wer das gerne annehmen möchte, bitte. Ich tue es nicht! Wenn Ihr menschlich seid, tut ihr es auch nicht.






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