Samstag, 24. Januar 2026

Frage am Rande


Was ich mich schon länger frage: Wie ist das eigentlich so als Fan von Bayern München? Jener Übermannschaft, die den Meistertitel, von einem Ausrutscher abgesehen, seit zehn Jahren quasi abonniert hat, in dieser Saison bislang jeden Gegner aus dem Stadion geschossen hat, schon jetzt, am 18. Spieltag, komfortable elf Punkte vorn liegt und deren größte Herausforderung für den Rest der Saison sein dürfte, die Spannung für die Champions League hochzuhalten. Sollte also während der Restsaison kein Meteorit an der Säbener Straße während des Trainings einschlagen und den gesamten Kader ausschalten, wodurch der FCB gezwungen wäre, mit einer B-Garnitur anzutreten (aber auch das müsste nichts heißen), können sie in München schon mal in aller Ruhe die nächste Meisterfeier vorbereiten.

Die Bayern sind für die Bundesliga inzwischen das, was die USA für die Weltpolitik sind: Alle außer den eigenen Anhänger:innen wollen sie verlieren sehen. Ja, ich weiß, die Bayern haben vieles richtig gemacht und stehen zu recht dort, wo sie stehen. Was sollen sie auch machen? Absichtlich verlieren? Auch muss man konzedieren, dass es ihnen seit einiger Zeit gelingt, nicht mehr allzu großkotzig und unsympathisch aufzutreten. 

Sicher kann man sagen: Dann müssen die anderen halt besser werden. Aber was sollen potenzielle Herausforderer also machen? Sich halt einfach mal ein bisschen schlauer anstellen? Dass in allen Geschäftsstellen der Liga ausschließlich Hirndimpfel ohne Ahnung vom Fußball sitzen, ist eher unwahrscheinlich. Das hilft überdies nur wenig, wenn ein einziger Verein über mehr Ressourcen verfügt als der komplette Rest der Liga. Die Erfahrung der letzten 10 Jahre hat gezeigt, dass die Bayern nur dann mal Zweiter werden, wenn sie selbst (a) ein paar echt grobe Fehler machen und sich (b) gleichzeitig woanders ein Dream Team aus Trainer und Mannschaft gefunden hat wie Alonso und Leverkusen oder Klopp und der BVB. Und diese Herrlichkeit währt dann nicht länger als eine Saison. 

Daher meine Frage, Bayern-Fans, macht euch das wirklich immer noch richtig Spaß? Zu einer Mannschaft zu halten, deren größter Misserfolg auf nationaler Ebene seit zehn Jahren ein zweiter Platz in der Liga war? Gewiss, wer von euch schon lang dabei ist, sucht sich das Momentane ja nicht aus -- einmal Fan, immer Fan -- aber erinnert sich noch jemand von euch an Zeiten, lang ist’s her, da man wenigstens hin und wieder nicht nur um den Titel, sondern sogar um die Champions League-Teilnahme bangen, ja kämpfen musste (von Abstieg gar nicht zu reden)? Herausforderer wie Otto Rehhagel und Jürgen Klopp im Nacken saßen? Man am letzten Spieltag punktgleich mit Schalke war? Oder ist das nur mehr so: Ok, Wolfsburg. Zack. Leipzig. Bäm! Hätten wir das auch abgehakt, nice. Lassma Bier trinken gehen. Alkoholfrei für mich, muss noch fahren. 

Ich frage, weil ich das als ehemaliger Formel 1-Fan aus den großen Zeiten eines Michael Schumacher kenne. Da gab es Jahre, in denen die Kerpener Kinnlade einen öden Start-Ziel-Sieg an den anderen reihte. Auch der frenetische Jubel der Schumi-Fans ging mir zunehmend auf den Zeiger. Weil ich dachte, die würden vermutlich auch enthemmt jubeln, wenn Mike Tyson einen Achtjährigen k.o. schlägt. Oder ein paar süße Häschen von einem Güterzug übrrollt werden (sie hatten ja eine Chance). Gewiss, auch Schumachers Erfolge waren überlegenem fahrerischen Können geschuldet, aber sportlicher Wettbewerb, fand ich, sieht anders aus. Die FIA schraubte dann so lange am Reglement herum, bis es wieder ausgeglichener zuging. Beim Fußball leider nicht so einfach. 

Aber nächste Saison! Nächste Saison brechen sie ganz bestimmt ein.








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