Freitag, 24. April 2026

Jenseits der Blogroll - 04/2026

 
Um die ganze Uninspiriertheit und Bigotterie derzeitiger Bundespolitik zu ermessen, braucht man sich eigentlich nur die Farce mit dem 'Tankrabatt' anzuschauen. 'Tankrabatt' bedeutet, der Staat verzichtet eine Zeitlang auf Steuereinnahmen -- die natürlich irgendwo anders fehlen werden, raten Sie mal, wo --, in der Hoffnung, ein Oligopol aus Mineralölkonzernen, das sich gerade goldene Nasen verdient, würde das anständigerweise schon an die Endkund:innen an den Zapfsäulen weitergeben. Und wenn nicht? Jo. Pfff. Dumm gelaufen jetzt. Machste nix. Aber jeder Euro zu viel, den irgendwo jemand vom Jobcenter kassiert, ist ein nicht hinnehmbarer Skandal, der die bourgeoise Weltordnung aus der Balance bringt.

Oder die Komödie mit der 'Entlastungsprämie'. Arbeitgeber:innen wird großzügig die Möglichkeit eingeräumt, Angestellten freiwillig 1.000 Euro steuer- und sozialabgabenfrei zu überweisen. Und wenn sie das nicht nicht tun, was in irgendwas um 99 Prozent der Fälle zu erwarten ist? Jo. Pfff. Dumm gelaufen jetzt. Sind ja auch schwere Zeiten gerade, muss man verstehen. Aber immerhin versucht haben wir's. Weil Leistung sich bekanntlich wieder lohnen muss. Das ist nicht Politik, das ist Kotau vor dem Kapital, nichts weiter. Und noch nicht mal sonderlich gut bemäntelt.

War noch was? Ach ja, der Wal in der Ostsee. Der war hier die Tage bereits Thema. Alles weitere von Stefan Gärtner. Neu ist das alles eh nicht wirklich: 1966 verirrte sich ein Belugawal, der bald Moby Dick getauft ward, in den Rhein. Der damalige Duisburger Zoodirektor Wolfgang Gewalt (sic) wollte das Tier per Narkosegewehr einfangen, was aber misslang. Aktivisten sabotierten, die Springerpresse forderte, den Mann zu verhaften. Nur gab es damals weder Internet noch 'soziale' Medien.

Genug der länglichen Vorrede. Die Links und Fundstücke des Monats:

Politik. Thomas Laschyk und Philipp Kreißl mit der Wahrheit über Orbán.

Und David Broder analysiert, Woran der Orbánismus gescheitert ist.

Michael Binswanger über Donald Trump und die Frage, für wen der Mann eigentlich arbeitet.

Für Bret Devereux ist Trumps Krieg im Iran "dumb as hell" (engl.).

"[It] is not possible for two sides to both win a war. But it is absolutely possible for both sides to lose; mutual ruin is an option. Every actor involved in this war -- the United States, Iran, arguably Israel, the Gulf states, the rest of the energy-using world -- is on net poorer, more vulnerable, more resource-precarious as a result." (Devereux, a.a.O.)

Influencer werden ist auch keine Lösung, meint Bernhard Torsch.

Wozu Satire noch gut ist in einer Welt, die schon komplett absurd ist, fragt Georg Seeßlen.

Ein "Essay über die Komplexität der Geschlechterrollen, die Mitverantwortung von Frauen, den Selbstwiderspruch des Konstruktivismus und die Frage, ob der feministische Kampfgedanke selbst Gewaltstrukturen reproduziert" (ohne Autor:in).

"Ein zentraler Pfeiler der modernen Gendertheorie, maßgeblich geprägt durch Denkerinnen wie Judith Butler, ist der soziale Konstruktivismus. Diese Theorie besagt, dass Geschlecht (Gender) keine biologische Realität, sondern ein performativer Akt und eine soziale Konstruktion sei. Die logische Konsequenz dieser Annahme ist die Methode der Dekonstruktion [...] Doch genau hier offenbart sich ein tiefgreifender methodischer Gegensatz, den der Philosoph Jürgen Habermas in einem anderen Kontext als »performativen Selbstwiderspruch« bezeichnete. Wenn alles sozial konstruiert ist, dann ist auch die feministische Dekonstruktion selbst eine soziale Konstruktion. Die Gendertheorie bedient sich exakt derselben Mechanismen -- Diskursmacht, soziale Normierung und kulturelle Prägung --, die sie dem Patriarchat vorwirft.“ (ebd.)

Ähnlich: Annekatrin Mücke zum momentanen Medienfeminismus.

Kultur/Gesellschaft/Gedöns. Mediathekperlen ist eine wahre Blogperle.

Wortvogel erinnert daran, dass es neben 'Manta, Manta' und 'Manta -- der Film' noch einen dritten Mantafilm namens 'Boh ey Manni!' gibt. Streng genommen noch einen vierten, aber der ist ab 18... 

Axel Hacke über Faulheit.

"Der Deutsche ist in seinem Kern ein fauler Mensch, der sich für fleißig hält. Ab und zu rafft er sich auf, führt ein, zwei Weltkriege oder schafft ein Wirtschaftswunder, dann schlafft er wieder ab. Und nur die stalinistischen Appelle seiner Kanzlerinnen und Kanzler, seiner Wirtschaftsministerinnen und Manager peitschen ihn morgens aus dem Bett, sonst würde er nicht mal aufstehen." (Hacke, a.a.O.)

Leo Fischer macht Urlaub in Balkonien.

Musik. Klingt Vinyl denn nun wirklich besser als CD oder Streaming? Kommt drauf an.

Mehr Musik. Dem Kollegen Uhle ist unbedingt zuzustimmen: 'Equinoxe' von Jean-Michel Jarre ist nichts weniger als ein Jahrhundertalbum. (Hier wird am Beispiel von Jarres zwei Jahre zuvor erschienenem größtem Hit 'Oxygene Pt. 4' demonstriert, was für ein Aufwand so was damals war, als es nur analoge Synthesizer gab.)

Noch mehr Musik. Wenn es um westliche Kunstmusik geht, sind Voces8 aus London eines der besten Vokalensembles der Welt, da diskutiere ich nicht. Wer selbst singt und das ein wenig beurteilen kann, wird mir da eventuell zustimmen. Ihr Repertoire ist riesig, doch nehmen wir als Beispiel eine mit der Academy of Ancient Music eingespielte frühe Kantate des Meisters. Wie gesagt, das sind alles Top-Sänger:innen, aber die Altistin Katie Jeffries-Harris sticht für mich noch einmal heraus. A voice like dark velvet! Selten, so was.


(Video im erweiterten Datenschutzmodus. Anklicken generiert keine Cookies.)


Sport. Ralf Rangnick trainiert seit einiger Zeit mit gewissem Erfolg die österreichische Fußball-Nationalmannschaft (m). Aber er steht in der Kritik. Weil er angeblich zu teuer ist. Das ist aber Quatsch, weiß Gerald Grossmann

Essen/trinken/gut leben. Vincent Klink zur Maultasche und zu Missverständnissen über die 'einfache Küche'.

Derzeit werden wir ja streng ermahnt, uns vor hochverarbeiteten Lebensmitteln zu hüten, soll Freund Hein uns nicht lang vor der Zeit die Eieruhr um die Ohren hauen. Tobias Kurfer hat da Zweifel.

Jörn Kabisch musste sich an fränkische Pünktlichkeit erst gewöhnen.

Das Rezept. Wir hatten hier schon Gulasch, wir hatten Vlaamse Carbonnade, wir hatten auch provenzalische Daube de Bœuf. Aber unverständlicherweise hatten wir immer noch kein Boeuf Bourgignon hier. Das Rezept von Alex Aïnouz' Großmutter wurde mal erwähnt, aber das war’s. Höchste Zeit also, sich diesem Klassiker zu widmen. 

"If you're afraid to cook, start with a beef stew." (Anthony Bourdain)

Bœuf Bourgignon wurde ganz zu Beginn meiner Kochkarriere mal bei 'Alfredissimo' vorgekocht. Ich war begeistert und schrieb das Rezept vom Videotext ab (nix Webseite, es waren die frühen Neunziger). Und so wurde das nach Tomatensauce aus Dosentomaten eines der ersten 'richtigen' Gerichte, das ich ohne Hilfe von Ficks-Tütchen etc. komplett from scratch zuwege brachte. Die Gäste, denen ich das vorsetzte, waren begeistert. Ich habe das danach immer wieder mal gemacht und immer wieder anders. Denn es gibt auch hier kein 'Originalrezept'. In Frankreich werden angeblich Glaubenskriege darum geführt, welches Teil vom Rind, welcher Wein zu verwenden sei, wie groß die Fleischstücke geschnitten werden, ob man vorher marinieren soll, was sonst noch hineinkommt u.v.a.m. 

Als mir letztens mal wieder der Sinn danach stand, habe ich das Rezept von Madame Bastian verwendet. Mir gefällt der entspannte No frills-/No-nonsense-Ansatz. In der Tat habe ich einfach normal vorgeschnittenes Rindergulasch genommen und mich ansonsten an das Rezept gehalten. Das Ergebnis war mehr als überzeugend. Besonders schön fand ich, dass das Fleisch nach guten zwei Stunden perfekt gegart war. Nicht komplett butterweich wie Gulasch, auch kein bisschen zäh oder hart oder sich zwischen die Zähne setzend, aber doch so, dass man gerade noch was zu beißen hatte. Für mich genau richtig.

Eine Abweichung habe ich mir allerdings geleistet: Statt zur Hälfte mit Wein und Wasser anzugießen, habe ich statt Wasser Rinderfond verwendet, den ich noch im Haus hatte. Die Idee, noch einen Schuss Grand Marnier reinzutun, habe ich aber verworfen, weil der Spätburgunder, den ich verwendet habe, nicht eben furztrocken war. 







1 Kommentar :

  1. Immerhin einen Bereich gibt es, in dem Tank-Rabatte nicht benörgelt werden: bei einer ausreichend großen Sammelbestellung kriegt man den fabrikneuen Leo 2 statt für knapp 30 schon für schlappe 25 Millionen pro Stück. Da freut sich der Türke, und der Grieche wundert sich. Danke, liebe KNDS Deutschland GmbH & Co. KG!

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