Man gestatte mir an dieser Stelle ein paar Worte zum unten an erster Stelle verlinkten Beitrag. Die Tendenz, dass absolut niemand mehr für irgendeine Entscheidung, irgendein Verhalten, wie krass auch immer, verantwortlich sein soll und auch niemandem irgendwelche Konsequenzen zumuten sind, wie begründet und moderat auch immer, geht mir schon länger auf den Keks. Immer ist irgendwer oder irgendwas anderes schuld: die Gesellschaft/das Scheißpatriarchat/das leidige Machtgefälle/die Grünen und ihr Klimafetisch/die harte Kindheit/der verlogene Westen/die imperialistischen USA/die Globalisten, aberdasdarfmanjanichtsagen/die Systemmedien/das faschistoide Jobcenter etc. Und wenn alles nicht mehr hilft, der Dreckskapitalismus, dessen Annehmlichkeiten man aber ansonsten gern in Anspruch nimmt.
Nicht dass daran immer alles nur falsch wäre, so ist es schließlich die Pflicht von Gerichten, bei der Urteilsfindung die individuellen Umstände jedes Falls zu berücksichtigen. Wenn man es aber konsequent versäumt, Erklärungen von Rechtfertigungen zu unterscheiden, dann hat das wenig zu tun mit auf- bzw. abgeklärtem oder kritischem Denken, sondern läuft meist auf "leeres Ressentiment" (Soboczynski) und letztlich Infantilisierung der Betreffenden hinaus. Alle immer nur Opfer, 'die da oben' voll böse, alles im Zweifel bloß Reaktanz. So liefert man auch Wähler:innen der 'A'fD bequeme Entlastung, indem man sie zu wehrlosen, quasi unmündigen Kindern erklärt. Neiiin, das sind doch keine Faschos, na gut, ein paar verlorene Seelen vielleicht, aber die allermeisten haben doch quasi aus Notwehr gehandelt, die konnten ja gar nicht anders, wenn man mal die Umstände bedenkt.
Die Links und Fundstücke:
Politik. Robert Misik zum sachsen-anhaltinischen Wahlverhalten.
"Wer im vollen Bewusstsein eine faschistische Partei wählt, ist ein Faschist, und nicht bloß ein unglücklicher Dödel, der nicht weiß, was er tut. Gewiss wäre die Sache weniger katastrophal ausgegangen, wenn es nicht ein gut begründetes Gefühl der Verunsicherung, Zukunftsangst und auch Kränkungen gäbe, die viele Menschen empfinden; vermutlich wäre es auch glimpflicher gekommen, würde in Berlin nicht eine weitgehend dysfunktionale Koalition regieren, mit Friedrich Merz an der Spitze der personifizierten Unfähigkeit. Aber nichts davon schafft die Verantwortung der Wählerinnen und Wähler aus der Welt, die bereit waren, bei Hasspredigern ihr Kreuz zu machen -- und die das sogar noch in weiten Teilen mit Begeisterung taten." (Misik, a.a.O.)
Feinanteil versteht seine Heimat nicht mehr.
Georg Seeßlen zum Aufstieg der Neofaschisten. Pardong, der Gesirems.
"Die Gesirems sind keine Faschisten. Sie haben bloß dieselben Worte, dieselben Taktiken, dieselben Anschauungen, dieselben Symbole, dieselben Ziele und dieselbe offene Unmenschlichkeit. Du darfst die Gesirems nicht verbieten, weil das sie einerseits nur stärker macht. Denn die Gesirems zeigen sich immer zuerst als Opfer, bevor sie zu Tätern werden. Und natürlich wegen der Demokratie. Die Gesirems haben halt eine andere Meinung über Menschlichkeit, über Wahrheit, über Gewalt, über Recht und Gerechtigkeit. Das freut den amerikanischen wie den russischen Präsidenten, dass es in Deutschland noch eine Meinungsfreiheit gibt." (Seeßlen, a.a.O.)
Dirk Laabs hatte da mal so eine Begegnung mit Markus Lanz.
Ein sehr interessanter und informativer Thread von Julius Kölzer zur Wahl in Mecklenburg-Vorpommern.
Matthias v. Schramm über Zornige "alte" Männer, Chris über den Alten weißen Mann und Christina Baum.
Bernd Rheinberg zum 11. September 2001 und Onkel Michael zu antisemitischen Verschwörungstheorien zum selbigen.
Stefan Gärtner über Springer und die CDU.
"Für die freiheitliche demokratische Grundordnung war da immer gut sein, solange sich niemand um das grundgesetzliche Gebot kümmerte, dass Eigentum verpflichte, und man den Souverän dahingehend auf dem Laufenden halten durfte, dass ihm nicht Banken und Konzerne das Leben schwermachen, sondern Ausländer, Sozialfälle und linker Moralterror." (Gärtner, a.a.O.)
Ulrike Herrmann zu dem Quatsch vom angeblichen Ende Europas. Ausnahmsweise audiovisuell.
(Video im erweiterten Datenschutzmodus. Anklicken generiert keine Cookies.)
Über dem Land der Dichter und Denker dämmert's, so dämmert's Onkel Michael.
Apropos: You are probably wrong about everything (engl.). Und Germany liegt auf Platz 2 des Index of Ignorance. Nicht, dass mich das überrascht. Aber schön, das mal schwarz auf weiß zu haben.
Kultur/Gesellschaft/Gedöns. Bret Devereux auf Englisch über Christopher Nolans 'The Odyssey' (via). Eine weitere Rezension auf Deutsch bei Geist und Gegenwart.
Der Hamburger Architekt Jakob Siemonsen hat keine Lust mehr. Auf modisches Bauen.
Sieglinde Geisel unterzieht den aktuellen Roman '1999 Meter über dem Meer' von Caroline Wahl einem Page-99-Test.
Musik. Ende der Siebziger, Anfang der Achtziger machte eine Band namens Sky von sich reden. Eine Supergroup mit geballter Kompetenz: Aus Australien kamen der klassische Gitarrist John Williams und der Studiogitarrist Kevin Peek. Aus England der Keyboarder, Organist und Cembalist Francis Monkman, Gründungsmitglied der Band Curved Air und Mitglied der Academy of St. Martin-In-The-Fields. Dann der Bassist und Tubist Herbie Flowers, der unter anderem bei T-Rex war. Am Schlagzeug Tristan Fry, Mitglied beim London Philharmonic Orchestra und noch heute bei der Academy. Sky waren eine reine Instrumentalband, es wurden vor allem Adaptionen so genannter 'klassischer' Musik gespielt, aber auch Eigenkompositionen. Ein Top Ten-Hit gelang ihnen 1980 mit einer verrockten Version von Bachs berühmter d-Moll-Toccata BWV 565. Danach erschienen noch Alben, neue Mitglieder kamen und gingen, an den Erfolg des Anfangs konnte man nicht mehr anknüpfen. Williams stieg 1984 aus, Flowers und Fry hielten von Anfang bis zum Ende 1995 durch. Hier 'La Danza' von ihrem Debutalbum 1980.
Apropos: You are probably wrong about everything (engl.). Und Germany liegt auf Platz 2 des Index of Ignorance. Nicht, dass mich das überrascht. Aber schön, das mal schwarz auf weiß zu haben.
Kultur/Gesellschaft/Gedöns. Bret Devereux auf Englisch über Christopher Nolans 'The Odyssey' (via). Eine weitere Rezension auf Deutsch bei Geist und Gegenwart.
Der Hamburger Architekt Jakob Siemonsen hat keine Lust mehr. Auf modisches Bauen.
Sieglinde Geisel unterzieht den aktuellen Roman '1999 Meter über dem Meer' von Caroline Wahl einem Page-99-Test.
Musik. Ende der Siebziger, Anfang der Achtziger machte eine Band namens Sky von sich reden. Eine Supergroup mit geballter Kompetenz: Aus Australien kamen der klassische Gitarrist John Williams und der Studiogitarrist Kevin Peek. Aus England der Keyboarder, Organist und Cembalist Francis Monkman, Gründungsmitglied der Band Curved Air und Mitglied der Academy of St. Martin-In-The-Fields. Dann der Bassist und Tubist Herbie Flowers, der unter anderem bei T-Rex war. Am Schlagzeug Tristan Fry, Mitglied beim London Philharmonic Orchestra und noch heute bei der Academy. Sky waren eine reine Instrumentalband, es wurden vor allem Adaptionen so genannter 'klassischer' Musik gespielt, aber auch Eigenkompositionen. Ein Top Ten-Hit gelang ihnen 1980 mit einer verrockten Version von Bachs berühmter d-Moll-Toccata BWV 565. Danach erschienen noch Alben, neue Mitglieder kamen und gingen, an den Erfolg des Anfangs konnte man nicht mehr anknüpfen. Williams stieg 1984 aus, Flowers und Fry hielten von Anfang bis zum Ende 1995 durch. Hier 'La Danza' von ihrem Debutalbum 1980.
(Video im erweiterten Datenschutzmodus. Anklicken generiert keine Cookies.)
Sport. Philipp Köster mit einem ausführlichen Portrait (€) von Jürgen 'Erlöser'/'Heilsbringer'/'Retter'/'32 Zähne, alle oben'/'Schattenkanzler' Klopp.
"Die ersten Spiele mit dem neuen Bundestrainer stehen an. Sie werden garantiert gewonnen, es fragt sich nur, wie hoch: zehn zu null, zwanzig zu null oder gar hundert zu null? Wir lassen uns überraschen. [...] Das Volk johlt, "Kloppo, Kloppo!", denn so heißt der neue Bundestrainer. Das macht was mit den Fans; das ist irre effektiv, was die Bindung zur Mannschaft anbelangt. Keine noch so dünne Taktikbesprechung passt mehr zwischen Team und Anhänger." (Ulli Hannemann)
Essen/Trinken/gutes Leben. Jörn Kabisch würde das Ende von Fine Dining sehr begrüßen.
Nicolai Hagedorn über gutes und schlechtes Wurstgulasch.
Vincent Klink schreitet zur Verteidigung der Maggiwürze. Im Privaten. Und womit? Mit recht! Über den Humbug der Glutamat-Panik haben sich schon die Kochgenossen mal ausgelassen.
"Die prinzipielle Verachtung des Suppenwürfels ist ein Statussymbol, ein Unterscheidungsmerkmal für »bessere« Menschen, die es sich leisten können, darauf zu verzichten (oder ihn ohnehin heimlich benutzen) -- während »Proleten« darauf angewiesen sind, weil es einfach, billig und machbar ist. Soziale Distinktion durch zur Schau getragenen guten Geschmack -- mehr ist es oft nicht." (Kochgenossen, a.a.O.)
Götz A. Primke testet eine alkoholfreie Getränkebegleitung zum Menü und ist durchaus angetan.
Das Rezept. Nach diesem Tropensommer mit seinen gefühlt 56 Grad unter der Hitzeglocke und einem Verbrauch an Sonnencreme, der langsam in die Kilogramm ging, sind inzwischen kühlere Tage angebrochen und mit ihnen die Saison der wärmenden Heißgetränke, dunklen Biere, kräftigeren Rotweine und wohligen Schmorgerichte. Bei Frau Herrmann haben wir soeben gelernt, dass wir alle weniger Fleisch essen müssen. Und was das angeht, bedeutet von Indern lernen, siegen lernen. Leider hat es sich für mich immer noch nicht ergeben, von meiner in England hausenden indischstämmigen Schwippschwiegermutter bekocht zu werden, die zur fleischlosen Community zählt und deren Currys einen legendären Ruf genießen. Da trifft es sich, dass die bereits erwähnten Kochgenossen gerade ein passendes Rezept in der Pipeline haben und es gibt Blumenkohlcurry. Pardon: Karfiol Masala. Also Gobi Masala. Beim Überfliegen der Zutaten fällt angesichts der Mengen an Ghee, Kokosmilch und Sahne bereits auf, dass das alles andere als leichte Küche ist, sondern ein ziemlich sättigender Brummer, nach dessen Verzehr man vermutlich einen Schnaps oder etwas anderes zur Verdauung braucht und garantiert niemand hungrig vom Tisch aufstehen wird. Die Zutaten sollen auch in Asia-Läden in kleineren Städten problemlos zu bekommen sein und das Ganze lässt sich charmanterweise mit wenig Aufwand auf komplett vegan umstricken, wenn man selbst so unterwegs ist und/oder entsprechene Gäste glücklich machen will.
Mehr Maggi, Mehr Wurst. Da haben die nicht ganz unrecht. Leider muss auch ich zugeben, dass Siegmund mit seinem T-Shirt und den Spirelli-Nudeln auf den ersten Blick sympathischer wirkt als Merz in Wimbledon im Kolionalherrenanzug. Und ja, auch der Vorwurf der veganen Großstadt-Performance-Linken aka "Dinkelkeksburgeosie" ist nicht von der Hand zu weisen. Wie schafft man es aber, das glaubhaft rüberzubringen, ohne wie Söder zu wirken? Und muss man sich auf sowas herablassen? Ja, muss man. Genau das gräbt den Agitatoren das Wasser ab,die immer von "denen da oben" und "uns" phantasieren. Die Mehrheit ist halt einfacher gestrickt, aber deswegen kein böswilliger Mob, der geil auf die nächste Stelle als Blockwart oder IM ist. Robert Misik hat das Phanömen in "Die Falschen Freunde der einfachen Leute" ja schön beschrieben.
AntwortenLöschenSiehe auch https://www.sueddeutsche.de/leben/politik-alltag-afd-erfolg-populismus-sachsen-anhalt-li.3542232
L'enfer, c'est les autres. So isses nun mal im Dreckskapitalismus. Und an ein paar anderen Orten, zugegeben.
AntwortenLöschenAloo Gobi - warum das in Sanskrit wohl Gobi heisst? Alte örtliche Tempelbilder geben Aufschluss - lecker, gesund und nicht zwingend mit Sahne bzw Koko. Dafür reichlich verschiedene Gewürze geröstet.
AntwortenLöschenAuch lecker: Palak Paneer (Spinat + gepresster Weisskäse).Dazu Keerareis (Reis mit für die bessere Verdauung beigesetztem Kreuzkümmel)
Letzteres ist bekannt und in der Tat lecker. Anzumerken wäre, dass man unbedingt ganzen Kreuzkümmel verwenden sollte, der ist noch mal eine Liga höher.
LöschenIch versteh das ganze Rumgenörgel auch nicht. Wo doch das Leben besser geworden ist, Genossen, und fröhlicher! Oder?
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LöschenIch bin ja völlig dabei, wenn es heißt, dass Kapitalimus wenige reich und viele ärmer macht und auch sonst eine Menge Schaden anrichtet etc. Ich denke aber auch, dass man dem nicht mit plattem Ressentiment a'la "Alles Verbrecher, die da oben" beikommen wird.