Montag, 28. September 2026

Vermischtes und Zeugs (CLIX)


Böll hatte schon recht, das mit der Leistungsgesellschaft ist eine arge Quatschveranstaltung. Das lässt sich problemlos an mehreren Dingen ablesen. Etwa daran, dass viele Berufe, in denen definitiv sehr viel Leistung gebracht wird, keineswegs leistungsgerecht entlohnt werden. Wenn Menschenleben und Menschenwürde wirklich die höchsten Güter wären, müssten Pflegekräfte Spitzenverdiener sein. Oder dass viele, darunter etliche, die dauernd von Leistungsgesellschaft reden, eigentlich gar nicht dazu gehören wollen, sondern nur auf der Suche nach Wegen sind, sich irgendwie aus ihr zu verabschieden. Lottogewinn, Erbe, möglichst früher Renteneintritt, paar Jahre hart schuften, sich dann zur Ruhe setzen etc. Dazu, es erstrebenswert zu finden, sich 40, 45 Jahre lang krank zu rackern, währenddessen vielleicht noch per Immobilienerwerb auf Kredit sich 30 Jahre an eine Bank zu ketten, muss der Mensch erst konditioniert werden.

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Hätte man mich vor die Wahl gestellt, dass entweder die deutsche Mannschaft 0 : 1 gegen die griechische verliert oder sich wie die irische mit Boykottaufrufen gegen Israel zum Horst macht, dann bin ich mit dem gestrigen Verlauf eigentlich ganz zufrieden. 

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"Und, ja, Antisemitismus ist hierzulande auch in den kultiviertesten Haushalten gang und gäbe. Um das zu beweisen, genügen meist ein, zwei Gläser Wein und ein verschwörerisches Zwinkern." (Chris Kurbjuhn)

Antisemitismus zu erkennen, ist eigentlich gar nicht so schwer. Für Antisemiten können Juden nichts richtig machen. Leben sie ihre traditionelle Kultur, dann wollen sie sich nicht anpassen, passen sie sich aber an, so tarnen sie sich arglistig, um irgendwann den ganzen Laden zu übernehmen. Wehren sie sich nicht wie 1933ff., dann sind sie halt auch ein bisschen selbst schuld, wehren sie sich doch wie 1948ff., dann wird ihnen Brutalität bis hin zum Völkermord vorgeworfen. Sie sind gleichzeitig amoralische Kapitalisten und Bolschewisten. "Die Juden bringen Pest und Krankheit. -- Die Juden sind Ärzte und verkaufen falsche Impfstoffe. [...] Die Juden kontrollieren die öffentliche Meinung, man kann nichts über sie sagen. -- Aber die Juden sind furchtbar, denn, schaut her, alle sagen's." (Alexander Estis) Sie sind wurzellose Globalisten, aber wenn Israel Krieg führt, sind sie fanatische Nationalisten. Die meist unausgesprochene Konsequenz: Es wäre besser, sie verschwänden ganz. 

Antisemitismus unter Linken ist natürlich ein Problem, das zu leugnen wäre töricht. Aber die Vehemenz, mit der sich das rechte bis rechtsbürgerliche Lager nunmehr einer drohenden Regierungsübernahme in Berlin unter dem Schlagwort 'Antisemitismus!!!' entgegenstellt, ist auffällig. Fast könnte man vermuten, hier fände eine Art Schuldumkehr statt. Eigene antisemitische Aufwallungen werden auf Linke und migrantische Milieus abgeladen. Seht her, dort sind die wahren Faschisten und Feinde der Juden! Oh, und apropos: Mit einem rot-rot-grünen Senat in Berlin verlöre nicht nur die Union die Mehrheit im Bundesrat, sondern es gäbe dortselbst auch eine für die Einleitung eines Prüfverfahrens der 'A'fD. Die wiederum unterstützt wird unter anderem von den Herren Musk und Thiel. Von denen zumindest einer sehr von Springer hofiert wird. Honi soit qui mal y pense. 

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Die Maß auf dem Oktoberfest kostet heuer 15 Euro. Eigentlich ist das Ganze nur noch besoffen zu ertragen, aber einen ordentlichen Rausch kann man sich also auch nicht mehr leisten. 

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Das Fatale am Tankrabatt, der ab heute wieder gilt, ist weniger seine begrenzte Wirksamkeit und fehlende Nachhaltigkeit (sobald er ausläuft/nicht verlängert wird, ist alles wieder beim Alten). Das Problem ist, dass er die ganze Borniertheit und Uninspiriertheit einer Regierung offenlegt, die, allen voran der Kanzler, geistig in den Neunzigern festsitzt. Das Prinzip hinter dem Tankrabatt ist: Hey, lasst uns der Wirtschaft, in diesem Fall einem Oligopol aus einer Handvoll Mineralölkonzernen, ein paar Milliarden Steuergeld in Form einer Steuersenkung rüberschieben und das als soziale Wohltat ausgeben. Während wir den Leuten gleichzeitig erzählen, was alles leider, leider nicht finanzierbar ist. 

Eng verwandt damit ist übrigens das Prinzip: Hey, lasst uns doch lieber fünf Milliarden im Jahr für Wohngeld heraushauen, Tendenz steigend, das dann als indirekte Subvention auf die Konten von Vermietern wandert, anstatt uns mal Gedanken über bezahlbaren Wohnraum zu machen. Bis 1990 galt im erzkommunistischen Westdeutschland übrigens ein Wohnungsgemeinnützigkeitsgesetz. Das bedeutete Wohnraum konnte als gemeinnützig ausgewiesen werden, Gewinnausschüttungen und Mieten waren dann gedeckelt, im Gegenzug gab es Steuervorteile. Das musste diese berühmte soziale Marktwirtschaft gewesen sein, von der immer alle reden. 






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