Freitag, 31. Oktober 2014

Es mieft nach Kleinbürger


Woran erkennt man unter anderem einen miefigen Kleinbürger? Er hat grundsätzlich Angst und fühlt sich und seine kleine Gartenzwergwelt immer von irgendwas existenziell bedroht, woraufhin er nach Verbot und Durchgreifen schreit, wenn er nicht gleich selbst zur Gewalt greift. Ohne Angsthaben kann er einfach nicht, dauernd geht die Welt unter. Wer in Gegenwart solcher Leute äußert, sich selbst, Deutschland oder die Welt eben nicht permanent von irgendwas bedroht zu sehen und statt dessen meint, sicher, es gäbe schon Probleme, auch durchaus ernste, aber es werde nichts so heiß gegessen wie es gekocht werde, ist entweder Kölner oder verdächtig.

Mittwoch, 29. Oktober 2014

Mündige Mehrheit


„Dumm sein und Arbeit haben, das ist das Glück.“ (Gottfried Benn)

Das Tarifeinheitsgesetz (Zumutungen verstecken sich gern hinter solchen bürokratischen Wortmonstern), dessen Verabschiedung durch das Kabinett Andrea Nahles gestern für den 3. Dezember verkündete - faszinierend, wie schnell sich was bewegt, wenn die richtigen Leute im Hintergrund Druck machen – läuft im Prinzip auf eine Einschränkung unseres eingeschränkten Streikrechts und auf eine Marginalisierung kleiner Spartengewerkschaften hinaus. In einem Land mit einem wachen Sinn für Gerechtigkeit und Sensibilität für soziale Schieflagen sowie einer Presse, die ihre Rolle als vierte Gewalt ernst nimmt, käme spätestens jetzt eine ernsthafte Debatte in Gang und die Leute würden auf die Straße gehen.

Sonntag, 26. Oktober 2014

Out of touch


Was im Deutschen 'realitätsfern' heißt, nennt der Englischsprachige, wie so oft platischer und cooler, out of touch. Nehmen wir den deutschen Sparkassen- und Giroverband und seinen Präsidenten Rudolf Fahrenschon. Der stellte letzten Donnerstag das alljährliche Vermögensbarometer seines Verbandes vor. Das offenbart Beunruhigendes - vor allem, wenn man ein Sparkassenverband ist: Immer weniger Deutsche sparen. Inzwischen geben 30 Prozent der Befragten an, finanziell nicht für die Zukunft vorzusorgen. Bei jungen Menschen zwischen 18 und 29 Jahren sieht es ganz finster aus: Von denen gibt jeder Zweite an, nichts zu sparen. Auch bei Menschen mit einem verfügbaren Einkommen unter 1.000 Euro pro Monat spart mehr als die Hälfte der Befragten nichts.

Freitag, 24. Oktober 2014

Schande, Schande!


Wenn ein in christlicher Hinsicht vorbildlich lebender Mensch (so das überhaupt möglich ist) mir etwas erzählen will über christliche Werte und alle, die das nicht hinbekämen, in Bausch und Bogen verdammt, dann mag das vielleicht ungeheuer nerven, ist aber legitim. Immerhin lebt dieser Mensch das, was er predigt und ist somit in der Position, so was zu tun, ohne sich in Bezug aus Glaubwürdigkeit komplett lächerlich zu machen. Hält mir aber jemand Vorträge über Moral, Sitte und eheliche Treue, von dem im Prinzip alle wissen, dass er nebenher ein notorischer Puffgänger und Seitenspringer ist, dann wird es lustig.

Dienstag, 21. Oktober 2014

Ratlos


Hm, ich komme nicht allzu häufig nach Frankfurt am Main. Aber vom letzten Mal hatte ich die Stadt der Bankentürme und des Ebbelwois noch ein wenig anders in Erinnerung. So war ich doch ein wenig geschockt, als am Wochenende mein Blick auf den Regionalteil der 'Frankfurter Rundschau' fiel. Wie sieht's denn da aus? Hat sich wirklich so viel geändert in letzter Zeit? Schrecken diese Islamisten denn vor nichts mehr zurück?

Sonntag, 19. Oktober 2014

Wer ist hier schamlos?


Manchmal, da komme ich einfach nicht mehr mit bei den ganzen Veränderungen um mich herum. Klar, man wird älter, die diesbezügliche Flexibilität mag ein wenig nachlassen, ist wohl so. So war mir zum Beispiel überhaupt nicht bewusst, was ein Amoklauf eigentlich ist. Ich hatte ja immer gedacht, ein Amoklauf sei eine furchtbare und tragische Sache, bei der ein armer Durchgeknallter (manchmal auch mehrere) sich bewaffnet und wahllos alle massakriert, die ihm zufällig über den Weg laufen. Dank der Chefetage der Deutschen Bahn, weiß ich jetzt, wie falsch ich gelegen habe all die Jahre. Ich musste lernen, dass ein Amoklauf ist, wenn Angestellte für mehr Lohn streiken. Und das nicht nur für sich, sondern solidarischerweise auch für andere Berufsgruppen im gleichen Unternehmen.

Donnerstag, 16. Oktober 2014

Auf dünnem Eis


Über Sex-, Rass-, Fasch- und andere Ismen

Mit dem Sexismus ist das so eine Sache. Vor langer Zeit, es waren die Neunziger, jobbte ich als jungspundiger Student eine Zeit lang an einer Tankstelle. Eines Tages, es war Sommer, stand eine junge blonde Kundin vor mir, die mich auf der Stelle stockkatholisch werden ließ. Das wahrhaft gottlose Nichts von einem Oberteil, das sie anhatte, ließ nämlich nur einen Schluss zu: Dieser Oberkörper musste vom Leibhaftigen selbst erschaffen worden sein! Und zwar einzig und allein zu dem Zweck, mich in Versuchung zu führen.

Montag, 13. Oktober 2014

Carnivor, hardcore


Zu den schönsten Arbeiten des völlig zu Unrecht verstorbenen Loriot zählen seine Kochrezepte. Eine gelungene, nach wie vor aktuelle Parodie auf das Gehabe eines zu Wohlstand gekommenen, eitlen Spießbürgertums, dem es nicht um gutes Essen geht, sondern darum, sich mit immer extravaganteren und immer exotischeren Kreationen gegenseitig zu übertrumpfen. Zum Beispiel Nilpferd in Burgunder ("Nilpferd waschen und trocknen, in passendem [!] Schmortopf mit 2000 Litern Burgunder, 6 bis 8 Zwiebeln, 2 kleinen Mohrrüben und einigen Nelken 8 bis 14 Tage kochen, herausnehmen, abtropfen lassen und mit Petersilie servieren.").