Donnerstag, 27. August 2015

Marxloh to go


Preisfrage: Ist es wirklich bloß Zufall, dass ausgerechnet in diesem Sommer, in dem der hässliche Deutsche endgültig zurückgekehrt ist, "Mitleidlosigkeit zur Konsenshaltung" gerinnt (Georg Seeßlen) und das braune Pack sich nicht mehr genötigt sieht, sich irgendwie noch einen Zwang anzutun, so intensiv über den Stadtteil Duisburg-Marxloh berichtet wird? Glaubt man dem, was so geschrieben wird, dann ist das ja eine No-go-Area, in der Hell’s Angels und Clans aus  libanesischen Muskelbergen ein wahres Schreckensregime errichtet haben. Kein Biodeutscher, wird suggeriert, könne sich mehr dorthin trauen, ohne Gefahr zu laufen, ausgeraubt zu werden oder Drogen aufgeschwatzt, die Tochter geraubt, mindestens jedoch ein Messer in den Rücken gerammt zu bekommen. Oder, horror of horrors, ohne dass Kinder auf Autos trampeln. Oder alles gleichzeitig. Buh!

Montag, 24. August 2015

In sehr dickem Strahl


Nun ja, vielleicht müssen wir doch noch mal über Meinungsfreiheit reden, auch wenn der Hals schon schmerzt. Vor allem aber schmerzen die Augen. Da haben die Widerstandskämpfer und Besorgten BürgerTM der Nation am Wochenende wieder einmal wahre Heldentaten begangen bei der Rettung des christlichen Abendlandes. Im sächischen Heidenau haben sie besonders nachdrücklich gezeigt, was passiert, wenn man - mimimimimi! - ihre Sorgen und Nöte nicht ernst genug nimmt. Macht man dann, trotz aller Bedenken, dennoch den Fehler, sich den Kommentarbereich unter einem x-beliebigen Artikel zum Thema anzusehen, befällt einen das ganz dringende Bedürfnis, in sehr dickem Strahl zu kotzen ob des ganzen Relativierens, Beschwichtigens und sich in Opferpose Werfens.

Donnerstag, 20. August 2015

Zocken wie damals


Erinnert sich eigentlich noch jemand an Point-and-Click-Adventures? (Die die Frage mit 'ja' beantwortet haben, können diesen Absatz getrost überspringen.) Das waren Spiele, die man meist noch von Disketten auf seinem Desktop-PC installieren musste und in denen man per Maus einen oder mehrere Helden steuern musste. Man konnte in der Regel kein Leben verlieren, es gab auch keine Skills und Erfahrungspunkte zu holen oder Feinde zu bekämpfen. Es ging nur darum, Rätsel zu lösen, indem man mit anderen Charakteren redete, Gegenstände einsammelte, diese per Maus irgendwie verwendete, sie mit anderen Gegenständen kombinierte, bis man der Sache irgendwann auf den Grund gegangen war.

Dienstag, 18. August 2015

Bedrohte Arten


Heute: Das Kompliment


Wir wollen fair sein. Es mag sein, dass es nicht der Feminismus allein ist, der die Geschlechterbeziehungen in den Augen vieler so kompliziert gemacht hat. Nur ist, wenn es zwischen den Geschlechtern kompliziert wird, meist eine Feministin nicht weit. Ferner ist es ein Irrtum, wenn auch ein verbreiteter, dass Feminismus sich gegen Männer richte. Das stimmt insofern nicht, als dass Feminismus sich im Zweifel gegen alles richtet, was nicht auf dessen Linie liegt. Also durchaus auch gegen Frauen, das vielleicht gar in höherem Maße. Wer das nicht glaubt, sehe sich an, mit welchem Absolutheitsanspruch auf Deutungshoheit Alice Schwarzer gegen Amnesty International auskeilte - eine Organisation mithin, die bislang nicht eben als Zuhälter- und Mädchenhändlerring auffällig geworden ist.

Samstag, 15. August 2015

Ein Knackpunkt?


Es gibt Knackpunkte, die sich erst hinterher als welche erweisen. Im Frühjahr 1989 etwa ging in West- wie Ostdeutschland noch alles seinen gewohnten bleiernen Gang und jeder, dem man gesagt hätte, am Ende diesen Jahres würden die Grenzen offen sei, Reisefreiheit herrschen und man würde von Wiedervereinigung reden, hätte einen schallend ausgelacht. Im Mai des Jahres fanden in der damaligen DDR Kommunalwahlen statt. Die SED hatte nichts anderes gemacht als all die Jahre zuvor und die Ergebnisse ins Groteske frisiert. Doch dieses Mal schluckte das Volk die Wahlfälschungen nicht mehr achselzuckend und protestierte erstmals seit 1953.

Montag, 10. August 2015

Wunderland hat Risse


Immer wenn ein Modellbahnhersteller pleite geht, wie jetzt Fleischmann, gibt mir das einen klitzekleinen Stich ins Herz. Sollte Fleischmann es nicht schaffen, wieder auf die Beine zu kommen und verschwinden, dann ginge da wieder ein Stück Kindheit und ein Stück ihres Zaubers. Natürlich ist mir bewusst, dass Modellbahnhersteller schnöde Unternehmen sind wie alle anderen auch, die Gewinne machen müssen und wollen und eben irgendwann weg vom Fenster sind, wenn das nicht mehr der Fall ist. Trotzdem hat sich bei mir der Rest des Kinderglaubens gehalten, dass Firmen, die die Menschheit mit so etwas schönem bereichern, vielleicht doch etwas Besonderes sind. Ist natürlich Quatsch, aber richtig objektiv bin da bis heute nicht, siehe oben.

Samstag, 8. August 2015

Jung & Fromm


Zu den mit Abstand unterhaltsamsten Eigenschaften des Feminismus zählt ja seine (warum eigentlich ist ausgerechnet 'Feminismus' ein Maskulinum?) immer wieder aufblitzende Doppelmoral. Frauen sind grundsätzlich die besseren Menschen, Männer hingegen Schweine. Sollten Frauen doch einmal nicht die besseren Menschen sein, dann nur aus Notwehr. Quod licet Iovi non licet bovi. Wahlweise sind Frauen höhere Wesen, die alles können, und das auch noch besser, oder hilf- und schutzlose Opfer, die mit aller Macht des Gesetzes geschützt werden müssen. Wie es eben gerade passt. So wird auch eine Titelzeile wie "Töchter sind die einfacheren Nachfolger" offenbar nicht als sexistisch empfunden. Stünde dort aber etwas wie "Söhne sind die einfacheren Nachfolger", es täte vermutlich gewaltig rappeln im Karton.

Freitag, 7. August 2015

Propagandistisches Eigentor


Einem Ratschlag Wiglaf Drostes zufolge (wann und wo er ihn gab, ist mir im Moment entfallen), sollte man sich in der Schweiz mit Komplimenten über das Land lieber zurückhalten. Wer sich Einheimischen gegenüber allzu schwärmerisch ergehe über die Schönheit der Landschaft, die dezente Freundlichkeit der Bewohner, die köstlichen Spezialitäten, die Sauberkeit und Sicherheit der Städte, mache sich damit nicht etwa beliebt, sondern müsse vielmehr damit rechnen, misstrauisch beäugt zu werden: Was führt der Ausländer im Schilde? Will er jetzt, nachdem er sein Geld dagelassen hat, etwa noch länger bleiben? Sich am Ende gar häuslich niederlassen hier?