Sonntag, 24. Juli 2016

Die Einzeltäterin


"Auch lesbische, schwarze Behinderte können ätzend sein." (Funny van Dannen)

Zu den zählebigsten Missverständnissen gehört der Glaube, es ginge, wenn erst einmal diskriminierte, marginalisierte oder sonstwie -ierte Minderheiten das Sagen hätten, besser, friedlicher, herzlicher oder mitmenschlicher zu auf der Welt. Weil Minderheiten per se Opfer und Opfer ja wertvollere, edlere Menschen sind als die Mehrheitsverbrecher. Schön und gut, stimmt nur leider nicht. Stimmt nie, tut mir leid. Weil Nettsein nicht davon abhängt, männlich, weiblich, LGBT zu sein, keine Frage von Religion, Hautfarbe oder Migrationshintergrund ist, sondern einzig und allein davon, ein Arschloch zu sein oder nicht. Arschlöcher aber gibt es bekanntlich überall. Und die Opfernummer (Ich werde verfolgt und unterdrückt, schluchzbuhu!) beherrscht inzwischen noch der dämlichste Dorfnazi souverän.

Freitag, 22. Juli 2016

Bye bye, VHS!


Hach ja, wieder geht ein Stück Kindheit und Jugend. Das VHS-Video ist seit vorgestern offiziell Geschichte, dead and gone. Der letzte Hersteller hat die Produktion von Recordern eingestellt. Im Gegensatz zu anderen Dingen, ruft aber deren Verschwinden keinerlei irgendwie gearteten Gefühle bei mir hervor. Dafür waren die Dinger einfach zu inferior. Ich trauere schließlich auch nicht ums Testbild. Welche Gründe sollte es auch geben, den ollen Gurken hinterherzuweinen, angesichts der momentanen technischen Möglichkeiten?

Dienstag, 19. Juli 2016

Wir Vergleichgültigten


Besonders kindische Gemüter pflegen ja zu glauben, jemand, der mal die eine oder andere Sentenz getan hat, die ihnen irgendwie voll nicht in den Kram passt, disqualifiziere sich völlig für jedweden weiteren Diskurs. Im akademischen Umfeld scheint, was mich als gelernten Philologen schmerzt, diese Unsitte zur Zeit besonders in Teilen der Geistes- und Sozialwissenschaften modern zu sein. Traurige Berühmtheit erlangte die Komödie vom vorletzten Jahr, als an der Berliner Humboldt-Uni eine paar sich weigerten, sich in einer Einführungsveranstaltung im Fach Erziehungswissenschaften mit Texten von Kant, Rousseau und Voltaire zu befassen. Die jungen Gehirnakrobaten in spe waren der Ansicht, derlei Texte seien nichts weiter als von toten weißen Männern verzapfte, rassistische und eurozentrische Kackscheiße und somit komplett irrelevant. Wow, Meilensteine der Hermeneutik!

Samstag, 16. Juli 2016

Frankreich, wieder einmal


Erst Charlie Hebdo und der jüdische Supermarkt, dann der blutige Novembersamstag, jetzt Nizza. Zum dritten Mal binnen eineinhalb Jahren haben sich, heißt es, Islamisten Frankreich als Ziel von Terroranschlägen ausgeguckt. Das Ergebnis ist bekannt, die Vorgehensweise kennt man aus dem Irak und aus Israel. Der Täter raste mit einem gemieteten Lastwagen die Strandpromenade entlang, tötete mindestens 84 und verletzte 202 Menschen teils schwer, so die vorläufige Bilanz der Staatsanwaltschaft. Wenn es denn ein Islamist war. Vieles spricht dafür, dass es sich um einen psychisch kranken Einzeltäter handelte, dessen Tat vom IS nun zur Strafaktion stilisiert wird für Präsident Hollandes Ankündigung, die Angriffe gegen den IS zu verstärken. Auch sollte man nicht vergessen, dass der IS bzw. Täter, die sich auf den IS berufen, auch anderswo tödliche Anschläge verübt haben, dennoch fragt man sich: Warum immer Frankreich?

Donnerstag, 14. Juli 2016

Grenzerfahrungen in der Konsumgesellschaft (12)


Weil ich im Getränkemarkt meines Vertrauens Stammkunde bin, passiert es von Zeit zu Zeit, dass ich zu meinem Einkauf irgendein Werbegeschenk als Dreingabe angeboten bekomme. Freundlicherweise hat man heuer davon abgesehen, mir zur Europameisterschaft irgendeinen schwarzrotgoldenen Tinnef aufnötigen zu wollen. Ob ich vielleicht ein Grillkochbuch möchte, lautete dieses Mal die Frage. Na, da sage ich doch nicht nein und bekomme ein schmales Bändchen überreicht. 50 Seiten sind's gerade mal, wie das heimische Auspacken später ergab. Aber man soll nicht meckern, geschenkter Gaul und so. Ich dankte artig.

Montag, 11. Juli 2016

Fordern und fördern


David Folkerts-Landau ist Chefökonom der Deutschen Bank und sieht eine neue Bankenkrise dräuen. Die Lösung sieht er darin, die europäischen Banken nach amerikanischem Vorbild mit Staatskohle auszustatten (er nennt es vornehmer "rekapitalisieren"). Gut 450 Milliarden Dollar sind damals in den USA geflossen. Den Kapitalbedarf der europäischen Banken bezifferte Folkerts-Landau auf 150 Milliarden Euro. Nur etwa ein Drittel dessen also, was amerikanische Banken bekommen haben. Na, wenn das kein Schnäppchen ist!

Freitag, 8. Juli 2016

Ronny des Monats - EM-Special


"Nationalismus bedeutet Krieg." (François Mitterrand)

In Zeiten von Fußball-Welt- und Europameisterschaften haben Gevatter Ronny und seine Kumpels bekanntlich Hochkonjunktur. Grund genug, in diesem Monat ein EM-Special zu veranstalten. Wobei das Aus im Halbfinale dem nichtnationalistisch tickenden Fußballfan, der sich einfach an einem guten Spiel erfreuen möchte, ohne deswegen Fähnchen schwenken oder sich mit Horden weitgehend ahnungsloser Brüllaffen gemein machen zu wollen, natürlich sehr zupass kommt. Das Ausscheiden der zu 'Jungs' verniedlichten Millionärstruppe sorgt wegen der nunmehr ausbleibenden nächtlichen Lärmbelästigung für ungestörte Nachtruhe und wegen des allgemeinen Abflaggens des ganzen scheißrotgoldenen Tinnefs für ein deutlich weniger getrübtes Blickfeld. Natürlich sollte bei aller Fokussierung auf das Wettgekicke nicht vergessen werden, dass auch abseits der Stadien wieder ordentlich hingelangt wurde. Freut euch nicht zu früh. Wir sehen alles.

Anyway, die Top 3 aus dem Umfeld der Fußball-EM:

Donnerstag, 7. Juli 2016

Streifzüge (3). Ex-Eisenbahnromantik


So, der Gips ist ab, der Röntgenbefund war, wie man mir sagte, gut, aber der Griffel ist natürlich immer noch arg lädiert und schmerzt bei falschen Bewegungen. Und so ist auch die ärztliche Verbotsliste nach wie vor unangenehm lang: Neben schwer heben (was heißt: alles, was schwerer ist als ein Glas Wasser), sind Auto fahren, Fahrrad fahren und schwimmen fürs erste tabu. Also bleibt nach wie vor nur die Fortbewegung zu Fuß im unmittelbaren Nahraum zur Ertüchtigung. Der Vorteil ist natürlich, dass man - Platitüdenalarm! - vieles um einen herum anders erlebt, Dinge sieht, an denen man immer nur vorbeigerauscht ist.