Freitag, 29. Mai 2015

Fairness für Blatter!


Natürlich war die Vergabe der WM 2022 an das Emirat Katar eine (vermutlich hervorragend vergütete) Schnapsidee, ihre Umsetzung in die Praxis ist bislang eine einzige Katastrophe, keine Frage. Natürlich liegt man wohl nicht ganz falsch, wenn man vermutet, dass der Verein komplett verfilzt ist. Selbstverständlich ist es richtig, dass jetzt Staatsanwaltschaften ermitteln, wenn der Verdacht auf Straftaten besteht. Allerdings, und da ist Jens Berger nur zuzustimmen, ist es höchst fraglich, ob eine Abwahl Blatters, vielleicht sogar eine Auflösung der FIFA irgendetwas an den herrschenden Zuständen im Weltfußball verbessern würde. Die nämlich sind das Problem, das Gebaren der FIFA ist bloß Symptom.

Dienstag, 26. Mai 2015

Ich will doch nur gutes Brot!


Oder: Was mein Brot inzwischen mit der Esoterikszene zu tun hat.

Die Welt der Esoterik gilt ja gemeinhin als Nische. Gibt es, hat ihre Anhänger, sollte man nicht allzu ernst nehmen. Sollte man vielleicht doch. Der österreichische Psychologe und Autor Johannes Fischler hat hautnah miterlebt, wie ein Paar, mit dem er viele Jahre gut befreundet war, mehr und mehr in die Szene abdriftete, immer stärker in eine Parallelwelt geriet, sich dabei wirtschaftlich komplett ruinierte und schließlich jeden Kontakt zu ihm abbrach. Für ihn der Auslöser, sich näher mit der Szene zu befassen.

Samstag, 23. Mai 2015

Homophobie, Homophobah...


Es eine Binsenweisheit, dass Leute, die besonders aggressiv kundtun, Probleme mit homosexuell orientierten Mitmenschen zu haben, vor allem mit schwulen Männern, dies nicht selten als Kompensation dafür tun, dass sie diesbezüglich selbst was am stecken haben. Es ist in meinem Umfeld mehr als ein mal vorgekommen, dass Männer, die sich auch im reiferen Alter entsprechend geoutet haben, noch Monate zuvor meinten, Homos auf die Fresse geben zu müssen oder jedem Prügel androhten, der aus reinem Interesse fragte, ob es denn nett gewesen sei gestern in dieser einschlägigen Kneipe. Wiewohl Anekdoten keine Beweise sind, ist dieses Phänomen unter dem Namen Homophobie recht gut erforscht und kann weitgehend als etabliert gelten.

Mittwoch, 20. Mai 2015

War's das?


Lange habe ich mich ja gefragt, wie man diese unterhaltsame politische Veranstaltung namens AfD inhaltlich/semantisch irgendwie zu fassen bekommen könnte. Gut möglich, dass die Frage sich bald erledigt hat, weil der Verein sich, allen Weckrufen zum Trotze, endgültig zu einem scheiternden Sammelbecken für rückwärtsgewandte, wissenschaftsresistente, geschichtsvergessene und rechthaberische 'besorgte Bürger' mausert, womit er sich aus der politischen Landschaft subtrahieren dürfte. Gute Nachrichten für all jene, die es für keine gute Idee halten, senile Fellini-Faces und reaktionäre Gewitterziegen auch nur in die Nähe politischer Ämter zu lassen, in denen sie irgendetwas Amtliches zu entscheiden hätten.

Sonntag, 17. Mai 2015

Neues vom Protestantismus (2)


Dass hier länger als üblich nichts erschienen ist, liegt daran, dass ich letzte Woche einen völlig unerwarteten Todesfall zu verdauen hatte und daher den Kopf einfach nicht frei hatte. Ein ehemaliger Chef und vor allem ein wunderbarer Mensch, der bald auch zu einem Freund geworden war, ist mit nicht einmal sechzig Jahren verstorben. Er hinterlässt eine Ehefrau, vier erwachsene Töchter und seinen im Januar geborenen ersten Enkel, auf den er mächtig stolz war. Zwar bin ich selbst als katholisch sozialisierter Agnostiker unterwegs, doch war es natürlich Ehrensache, den Trauergottesdienst zu besuchen, denn der Verstorbene war tief gläubig, übrigens weitgehend ohne missionarischen Eifer (sonst wären wir vermutlich auch keine Freunde geworden).

Mittwoch, 13. Mai 2015

Deutschlands Next Nichtzicke


Vor einiger Zeit habe ich mich hier für sauberen Trash im Fernsehen ausgesprochen und mich selbst zu gelegentlichem Konsum bekannt. Dafür habe ich teils Zuspruch erhalten, teils Kritik eingesteckt. Alles in Ordnung für mich, denn so lange man miteinander redet, ist alles gut. Trotzdem bleibe ich dabei, dass Fernsehen die Klugen klüger und die Dummen dümmer machen kann und dass es guten und schlechten Trash gibt. Guter erhebt lediglich den Anspruch, zu unterhalten und ein wenig abzulenken. Schlechter Trash manipuliert heimlich, hat miese Subtexte, pflanzt Menschen böse Narrative und destruktive Wertvorstellungen ein.

Samstag, 9. Mai 2015

Wenn die Dummheit mit der Eitelkeit...


Oder: Dummbeutel alter Schule

Keine Ahnung, wie das woanders läuft, aber wenn wir früher gemeinsam Fußball geschaut haben und jemand von der gegnerischen Mannschaft ein besonders brutales, besonders überflüssiges Foul beging, bei dem zudem noch der Schiedsrichter zwei Meter daneben stand, dann konnte es vorkommen, dass wir zusätzlich zur fälligen gelben Karte gleich noch eine zweite hinterher forderten, als Strafe für Dummheit. Gelegentlich passiert es auch, dass ich einem Verbrecher, der sich bei der Ausübung seiner Tätigkeit so richtig strunzblöd angestellt hat, im Stillen noch ein, zwei Extrajahre Bau für klinische Dummheit an den Hals wünsche. Ist natürlich utopisch, weil das leider nicht strafbar ist.

Freitag, 8. Mai 2015

Britische Lektionen


Vor allem Sozialdemokraten und ihnen Nahestehende können aus den gestrigen britischen Unterhauswahlen einmal mehr ein paar unbequeme Dinge lernen. Diese Wahl ist geradezu ein Lehrbuchbeispiel für das, was bei ihnen immer wieder schief läuft. Abgesehen von den Verzerrungen, die das reine, strikt lokal verwurzelte Mehrheitswahlrecht auf der Insel mit sich bringt und einigen landestypischen Besonderheiten ist bleibt es wohl unumstößlich so: Gerade in wirtschaftlich schwierigen, ungewissen Zeiten, in denen wenig Optimismus herrscht, macht bei Wahlen die Mehrheit ihr Kreuz grundsätzlich immer bei dem Kandidaten, der unabhängig vom tatsächlichen Wahlprogramm am überzeugendsten vermittelt, für Stabilität und Kontinuität zu stehen. Und das können Konservative nun einmal am besten von allen, das haben sie so perfektioniert, dass ihnen keiner was vormacht. Sie auf diesem Terrain angreifen zu wollen - aussichtslos.