Mittwoch, 23. April 2014

Gar nicht so kompliziert


Woran erkennt man Herrschaftswissen? Entweder daran, dass Wissen sich hinter einem Vorhang komplizierter Fachausdrücke und geschraubter Rhetorik versteckt oder dass einem gleich zu verstehen gegeben wird, dies und jenes sei viel zu kompliziert für jemanden, der das nicht lange Jahre studiert hätte. Nicht einmal hoch spezialisierte Experten verstünden das ganz. Auch Politiker, die zum Beispiel weitreichende Entscheidungen über unser aller Wohl und Wehe zu treffen hätten, seien auf Sachverstand von außen angewiesen. Vor allem das Feld der Ökonomie ist da prädestiniert.

Sonntag, 20. April 2014

Schöne Ostern


Eines muss man dem Religionsstifter lassen: Egal, ob seine Nagel- und anschließende "Ätsch, ich bin doch nicht tot"-Nummer nun stattgefunden hat oder nicht, sie hat uns ein konkurrenzlos langes freies Wochenende beschert. Zumindest all jenen, die nicht leider in Branchen tätig sind, in denen auch sonn- und feiertags geschafft werden muss. Und wenn dann noch das Wetter so gut passt wie heute, ist Laptop zu und raus aufs Fahrrad das Gebot der Stunde, am besten gemeinsam mit lieben Leuten, später, mal sehen, vielleicht noch irgendwo einkehren, wo es nett ist.

Donnerstag, 17. April 2014

Die Mär vom deutschen Billigesser


Zur Abwechslung ein wenig Statistik

Die Deutschen, heißt es immer mal wieder, gäben europaweit mit am wenigsten für Lebensmittel aus. Außerdem seien Lebensmittel hierzulande im internationalen Vergleich viel zu billig. Wir seien eine Nation von Schnäppchenjägern, kniepig und gnadenlos immer auf der Suche nach den paar Cent weniger. Auf Kosten der Wertschätzung von Lebensmitteln und des braven kleinen Einzelhändlers um die Ecke, zu gleichzeitigem Nutz und Frommen sinitstrer Billigheimer. In anderen Ländern, da sei das natürlich ganz anders: Dort verstehe man zu genießen, spiele gutes Essen eine ungleich größere Rolle als bei uns und daher gäben die Menschen dort auch größere Teile ihres Einkommens für Fressalien aus.

Montag, 14. April 2014

Der Soundtrack der Republik


"Downcasting people for their taste in music is close-minded. Except when their taste in music sucks."

Da ist man mal ein paar Tage nicht da (die etwas längere Sendepause in diesem Theater war übrigens einer mehrtägigen Fortbildung und einem gut gebuchten Wochenende geschuldet - sorry fürs Nichtankündigen), und schon kommen einem die lieben Kollegen zuvor. Bereits seit längerem brennt mir das Bedürfnis unter den Nägeln, ein paar Zeilen beizusteuern zu diesem gruseligen Trubel um Helene Fischer, der die Nation mehr und mehr im Würgegriff hat. Und, was passiert? Kommen einem gleich zwei Blogger mit derart wundervollen Beiträgen zum Thema um die Ecke, dass dem kaum etwas hinzuzufügen bleibt. Ein wenig Senf dazu mag ich mir allerdings dann doch nicht ganz verkneifen.

Dienstag, 8. April 2014

Lob der kleinen Form


edition-tiamat.de
Man kann sich vielleicht denken, dass mir Menschen, die gern und viel lesen, grundsätzlich sympathisch sind. Leider gibt es aber auch unter solchen Leuten welche, die das Leistungsprinzip so über alles zu stellen scheinen, dass sie es auch auf so schöne Dinge des Lebens wie das Lesen anwenden. Sie können einfach nicht anders. Ein Buch unter 500 Seiten würden sie gar nicht erst anpacken, denn nur dicke Schmöker, papierene Briketts sind für sie das Wahre, alles andere bloß Heftchen. Fliegen sie in Urlaub, dann müssen sie jedesmal teure Aufschläge fürs Zusatzgepäck berappen, denn unter 1.500 Seiten Lektüre pro Woche machen sie's nicht. Ein e-book-Reader käme ihnen nie ins Haus, weil sie das Haptische eines Buches brauchen, wie sie betonen.

Samstag, 5. April 2014

Musikalische Jubiläen (1)


Es gibt diese Knackpunkte im Leben. Diese Momente, in denen einem klar wird: Scheiße, das war's jetzt wohl mit der Kindheit, der Jugend, dem Jungsein, endgültig. Sie kommen plötzlich, gern unerwartet, und man hat das sichere Gefühl, dass das Leben soeben unwiederbringlich ein anderes geworden ist. Zum Beispiel, wenn die erste große Liebe in die Brüche gegangen ist. Oder später, wenn der Arzt einem zum ersten Mal ans Herz legt, es mal ein wenig ruhiger angehen zu lassen. Oder wenn man irgendwann feststellt, dass der Job einen so müde macht, dass man am Wochenende lieber seine Ruhe hat und ausschläft, um wieder Kraft zu tanken, anstatt auf die Piste zu gehen. Während gleichzeitig die verrenteten Eltern, die sich zum Glück bester Gesundheit erfreuen, es ordentlich krachen lassen und länger aufbleiben als man selbst.

Mittwoch, 2. April 2014

Der schiefe Elfenbeinturm von PISA


Wehe, wehe, die totale Bildungskatastrophe steht wieder einmal vor der Tür! Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr. Die neueste Runde des PISA-Tests hat nämlich unter anderem ergeben, dass ein Fünftel von Deutschlands Jugendlichen es nicht auf die Kette kriegt, Herausforderungen zu meistern wie die, ein Bahnticket zu kaufen oder eine Klimaanlage zu bedienen, deren Regler nicht beschriftet sind. Typisch, die Jugend von heute mal wieder! Zu blöd zum Milchholen, fällt hin und verbiegt das Kleingeld. Wahrlich, es steht schlimm um die Nation, und das, wo der Koreaner bekanntlich nicht schläft, niemals! Was finden die bloß als nächstes raus und wie sehen wohl die nächsten Schlagzeilen aus?

Sonntag, 30. März 2014

Alle nur neidisch


Die sind doch nur neidisch! - so pflegen neureiche Deppeneltern ihre verzogenen Bratzen zu trösten, wenn die mal wieder mit verbeulter Visage aus der Schule kommen, weil sie mit Mamas und Papas dickem Geldbeutel angegeben haben. Ohhh, mein armer Prinz! Schau mal, die anderen Kinder sind doch nur neidisch auf dich, weil die nicht so dicke Häuser und Autos haben und nicht so tolle Urlaube machen. Das kommt alles nur daher, weil Mama und Papa so irre viel arbeiten. Wir sind nämlich Leistungsträger, weißt du? Und die Mamas und Papas von den anderen sind eben faul und können sich nicht so schöne Sachen leisten. Das sind die selbst schuld. Und jetzt melden wir dich an dieser teuren Privatschule an, da passiert dir so was bestimmt nicht mehr.