Dienstag, 31. März 2015

Die anderen Aasgeier


Passiert eine Katastrophe wie Germanwings Flug 9525, dann sind unweigerlich die Aasgeier nicht weit. Neben den Gaffern sind Teile der Journaille mit Recht kritisiert worden. Dafür, wie sie jedes noch so windige Gerücht herausgeblasen und als Nachricht ausgegeben haben. Oder dafür wie einige besonders unappetitliche Vertreter der Zunft widerliche Kampagnen Marke 'Hängt das Schwein, wenn es nicht schon tot wäre!' gegen den Copiloten lostraten, ohne sich auch nur einmal mit Fragen aufzuhalten wie zum Beispiel der, wie es dessen ebenfalls trauernden Hinterbliebenen damit gehen könnte. Oder dafür, wie einige besonders eifrige Nachrichtensammler die Disziplin des Schülerschüttelns erfanden und Minderjährige gegen Bares um O-Töne ankoberten.

Sonntag, 29. März 2015

Quotenpiloten


Gelegentlich fliege ich mit dem als Fluglinie getarnten Leutezusammenpfercher easyJet von Dortmund nach Luton und ein paar Tage später wieder zurück. Verwandtschaft besuchen, büschen Londoner Luft inhalieren and all that Jazz. Vor ein paar Jahren waren auf dem Hinflug, was die Crew des Fliegers anging, die hergebrachten Geschlechterverhältnisse auf den Kopf gestellt: Der obligatorischen Durchsage nach dem Start zufolge, war die Cockpitcrew rein weiblich, die Kabinencrew hingegen zu 100 Prozent männlich. Ok, vielleicht handelte es sich bei den Flugbegleitern, einem alten Klischee gemäß, in Wahrheit um im falschen Körper gefangene Flugbegleiterinnen, aber das tut hier nichts zur Sache.

Freitag, 27. März 2015

Grenzerfahrungen in der Konsumgesellschaft (7)


Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, aber wenn ich in bestimmte Situationen gerate, passiert es mir manchmal, dass mir Szenen aus Filmen und oder Comics in den Sinn kommen, die aus irgendwelchen Gründen einmal auf meiner körpereigenen Festplatte gelandet sind, weil sie einfach passen wie Arsch auf Eimer. Weil mich das, was ich da gerade erlebe, mich so daran erinnert und man das einfach nicht besser sagen kann.

In Ralf Königs modernem Klassiker 'Der bewegte Mann' zum Beispiel kommt folgende, gleichermaßen zeitlos gültige wie hochkomische Episode vor: Die Co-Hauptfigur Norbert Brommer möchte sich gemeinsam mit zwei Freunden einen schönen Abend machen und sich in einem Programmkino die Visconti-Verfilmung von 'Der Tod in Venedig' ansehen. Als die drei vor Ort ankommen, stellt sich heraus, dass es sich um ein stinknormales 08/15-Kino handelt, von dem mit Rigipsplatten ein kleines, hellhöriges Nebengelass mit winziger Leinwand fürs ambitionierte Minderheitenprogramm abgetrennt ist. Dort läuft 'Tod in Venedig', während im Hauptkino das heute völlig zu Unrecht vergessene Meisterwerk 'Ruckzuck ist die Fresse dick' von und mit Sylvester Stallone gegeben wird.

Mittwoch, 25. März 2015

Unter den Opfern auch Deutsche


Es ist furchtbar, was passiert ist. Dass 150 Menschen bei jenem Flugzeugabsturz gestorben sind. Dass zirka 70 Deutsche darunter waren, macht es nicht schlimmer. Sicher, sie sind einem örtlich meist näher als Tote aus anderen Ländern, aber warum sollte es deswegen schlimmer sein? Hielte ich mich gerade in Frankreich auf, ginge mir der Tod der französischen Passagiere einen Millimeter mehr oder weniger nahe? Kaum. Menschen mussten sterben, zum Teil junge Menschen. Nur das zählt und es ist furchtbar, gar keine Frage. Begegnete ich jemandem der Hinterbliebenen und es käme dazu, ein paar Worte zu wechseln, ich würde natürlich mein aufrichtiges, ehrlich empfundenes Mitgefühl äußern. Nähme ich an einer Gedenkveranstaltung teil, bei der Hinterbliebene zugegen wären, es würde mich vermutlich sehr anfassen.

Sonntag, 22. März 2015

Tölen und Trottel reloaded


Einem verbreiteten Vorurteil zum Trotze, ist es nicht so, dass Fanatiker grundsätzlich humorlos wären, doch ist ihr Humor in der Regel ein armseliger und hinterhältiger. Lachen können sie wohl, aber nur dann, wenn es ihren Gegnern an den Hals geht. Sind sie hingegen qua Humor gefordert, auch mal über sich zu lachen, kann es schlimmstenfalls zu Aggressionen kommen. Das liegt, klar, an ihrer einseitigen Wahrnehmung der Welt, dass sie sich, resp. ihre Sicht auf selbige für die einzig Maßgebliche halten und daran, dass sie sich prinzipiell in der Defensive fühlen. Eine Zeit lang musste ich es beruflich mit einem Ultrafan des anderen, des königsblauen Vereins aushalten. Gewann sein Verein und verlor meiner, dann schien ihm die Sonne aus dem Hintern und alle mussten seine schalen Scherzchen ertragen. War es umgekehrt, dann kam man ihm besser nicht zu nahe.

Donnerstag, 19. März 2015

Terror in Bankfurt


Eröffnungen von Verwaltungsgebäuden sind normalerweise keine ausgelassenen Partys, sondern eher nüchterne Events. So konnte es nicht überraschen, dass auch die Eröffnung des babylonischen EZB-Turms kein fröhliches Volksfest werden würde. Dass es aber eine wurde, die gesichert werden musste wie eine Partie zwischen Schalke 04 und Borussia Dortmund, weil sonst zu befürchten gewesen wäre, dass Sicherheit und Gesundheit der Protagonisten um Mario Draghi und seine Handvoll Festgäste offenbar nicht mehr hätte gewährleistet werden können, sagt so einiges darüber aus, welche Formen das Verhältnis zwischen dem Volk und seinen Institutionen inzwischen angenommen hat.

Dienstag, 17. März 2015

Verdammte Selbstkritik aber auch!


Einem Bericht der 'Süddeutschen Zeitung' zufolge, versuchen in den USA den Republikanern nahestehende Kräfte, Einfluss auf den Geschichtsunterricht zu nehmen. Besonders sauer stößt ihnen auf, dass Schüler im Rahmen des 'Advanced Placement Program' (AP), dessen Inhalte teilweise auf das Grundstudium an Universitäten angerechnet werden können, lernen sollen, die Geschichte der USA auch kritisch zu reflektieren. Das ist Konservativen, die beseelt sind vom Glauben an die amerikanische Sonderstellung in der Welt, vom Bewusstsein, die USA seien die tugendhaftere, die 'bessere' Nation, die die Fehler anderer nicht gemacht hat, natürlich ein Dorn im Auge und sie setzten schäumenden Mundes alles daran, diese Inhalte wieder aus dem Curriculum zu kippen.

Sonntag, 15. März 2015

Seltsamkeiten


"Schön ist wüst, und wüst ist schön.", so sagen's die Hexen beim ollen Shakespeare. Und in der Tat, manchmal scheint es, als ob die Dinge sich tatsächlich in ihr jeweiliges Gegenteil verkehren. Durchaus oft zu hören ist ja die Klage, der Jugend von heute fehle es eklatant an Allgemeinwissen. Nur scheint das inzwischen längst nicht mehr auf schluffige Youngster beschränkt zu sein. So hätte ich etwa nie gedacht, dass ich als kompletter unternehmerischer Laie und notorisch abhängig Beschäftiger mich einmal bemüßigt fühlen würde, Unternehmern etwas über elementarste marktwirtschaftliche Grundbegriffe beibringen zu müssen, weil diese offenbar immer weniger beherrscht werden.