Donnerstag, 26. Februar 2026

Jenseits der Blogroll - 02/2026


Und? Sind Sie auch so erleichtert? Haben Sie die spontanen Partys in den Straßen mitbekommen? Die Jubel- und Dankgesänge? Habecks Heiz-Hammer ist endlich Geschichte! Dank unserer genialen Regierung ist die Nation endlich erlöst von den finsteren Machenschaften des Thermo-Terroristen, der nur ganz knapp daran gehindert werden konnte, Oma Kasuppke die Gasheizung aus dem Keller ihres klein Häuschens zu reißen, auf dass sie fürderhin gar jämmerlich fröre im Winter oder auf ewig in Zinsknechtschaft sich hätte begeben müssen, weil sie gezwungenermaßen so eine neumodische, linksgrüne, woke Wärmepumpe hätte kaufen müssen. Gerettetet, hurra! 

Fun fact: Den Gag mit der nunmehr wiederhergestellten "Freiheit im Heizungskeller" können Sie sich getrost in die Haare schmieren. Bei der Fossil-Lobby knallen die Korken, aber viele, viele Mieter:innen werden kräftig draufzahlen in den nächsten Jahren. Und werden sich dann wieder erbosen über 'die da oben!!!', die uns nach Strich und Faden ausplündern. Schon klar. Hätte ja wirklich keiner wissen können. 

(Pardon, ich konnte gerade nicht anders angesichts dieses neuerlichen Beweises politischer Brillanz und der Wirksamkeit springerischer Gehirnwäschen.) Die Links und Fundstücke des Monats:

Mehr Politik. Die dauernden Vorstöße der CDU bei Krankentagen, Arbeitszeiten und Zahnarztbehandlung sind keine ernst gemeinten Debattenbreiträge, sondern vor allem Testballons. Wie Maurice Höfgen weiß.

Mit Trump haben wir noch Glück. Findet Timo Lochocki.

Hannes Stein über selbigen. Also Trump.

"Es rächt sich jetzt, dass es über die Jahre beinahe tabu war, öffentlich über Trumps Geisteszustand zu reden. Dabei braucht man keine psychiatrische Ausbildung, um Folgendes zu erkennen. Erstens: Trump ist ein bösartiger Narzisst, und zwar seit seiner Kindheit. Zweitens: Der IQ von Trump ist dermaßen niedrig, dass er, wenn er nicht 500 Millionen Dollar von seinem Vater geerbt hätte, bestenfalls eine Anstellung als Straßenfeger gefunden hätte; wäre Trump schwarz, säße er jetzt wahrscheinlich im Gefängnis. Drittens: In den vergangenen Jahren ist Trump rapide verfallen." (Stein, a.a.O.)


Bernd Rheinberg mit einer Verteidigung der Störenfriede Ukraine und Israel.

Robert Misik erklärt, wie wenig zielführend es sei, Faschisten ihre Inkohärenzen und Widersprüche nachzuweisen. "Dass Faschismus ohne klare Doktrin und ohne fixe Prinzipien auskommt, war immer die Stärke des Faschismus und erklärt teilweise sogar seinen Erfolg." (Misik, a.a.O.) Deswegen ist ihr teils abstruses Gaga-Parteiprogramm für die 'A'fD auch absolut kein Problem. Oder dass regelmäßig 'A'fD-Personal sich in Talkshows in einer Weise blamiert, die in jeder anderen Partei ihr politisches Ende bedeuten würde. Es geht nicht um Logik oder Inhalte, sondern um ein Grundgefühl, das diese Leute treffen.  

Simon Sahner: Warum Reden mit Rechten ein Problem ist.

Nico Graab über die Tücken des 'Ethnopluralismus'
. Eines der zentralen Denkgebäude der 'Identitären Bewegung'.

Kultur/Gesellschaft/Gedöns. Ein Berlinale-Special: Stefan Laurin über die komplett albernen Drohungen des syrischen Regisseurs Abdallah Alkhatib auf der Berlinale. (Was hat es mit legitimem politischen Protest zu tun, wenn jemand droht, er wisse, wer ich sei, man werde sich an mich erinnern und ich würde dereinst bezahlen dafür? Und wie soll man bitte reagieren darauf? Sich bedanken? Dem aufgeblasenen Tünnes die Füße küssen? Fcuk off!) Merle Stöver über diesbezüglichen Bekenntniszwang dortselbst. Oh, und wussten Sie übrigens schon, dass Fladenbrot jetzt 'kulturelle Aneignung' und daher für Nicht-Palästinenser totenverboten ist? Haram! Wieder was gelernt.

Liebes Tagebuch! Hier wird heute auf ein Modemagazin verlinkt. Es geht um die wohl sehenswerte Netflicks-Dokumentation über Model-Castingshows. Ich ziehe einen Willemsen!

Der betongflüsterer mit einem Tipp fürs Leben: Nie, nie, niemals nicht von einer Airline downgraden lassen. Lassen Sie sich bloß nicht belabern. Never. Macht nur Stress. Pokerface ist angesagt, Da ich nicht Business Class reise, betrifft es mich nicht wirklich, aber es sollte halt mal gesagt werden. 

Till Oliver Becker wollte Gil Ofarim als Dschungelkönig sehen. Weil sich ja sonst alle so irre einig waren, lasse ich diese Gegenstimme mal so stehen.

Ulli Hannemann hat sich thaimassieren lassen. Knacks. Aua.

"Da eine richtig gute Thai-Massage ja nichts anderes als eine medizinische Behandlung ist, erscheint der Gedanke umso absurder: Denn man sagt ja zum Beispiel nie, dass eine richtig gute Zahnarztbehandlung richtig doll wehtun muss. »Ah, jaaa, tiefer in den Nerv, ja, das ist gut, kreisch aaargh, ah herrlich, jetzt lösen sich so richtig die Verspannungen in der Pulpa, nein, bitte keine Betäubung, der Körper soll die Maßnahme selbst aktiv mit verarbeiten, nur so kommen die natürlichen Heilkräfte korrekt in Gang, ja, der Schmerz ist mein Freund, ich höre die Wurzelspitzen singen, strong please, very, very strong.«" (Hannemann, a.a.O.)

Benjamin Lammertz und Sabine Staske alias inforo1300 über Hexenverfolgungen (via).

Musik. Erschien kurz nach Redaktionsschluss der letzten Linksammlung und hat es deshalb nicht mehr dorthinein geschafft. The Boss zu Minneapolis. Könnte einer der wichtigsten Songs des Jahres sein.


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Sport
. Tobias Ahrens hat schon vor eineinhalb Jahren ein Standardschreiben verfasst für den Fall, dass Borussia Dortmund mal wieder irgendwo ausscheidet. Passt immer. 

Essen/trinken/gut leben. Klink über Mundgefühl und 'al dente'. Und das Essen seines Lebens.

"Schluss mit dem Tortenarsch, der knackige Hintern ist die Votivtafel unserer Zeit. Und dass das so wird oder bleibt, muss auch die Spargelzeit herhalten. Der Spargel muss »al dente« auf den Tisch. Die Zeiten sind hart glaubt der Wohlstandsverwahrloste. Je weicher die Birne um so härter das Gemüse. Über Rohes und Gekochtes gibt es ein erschöpfendes Buch von Claude Levi-Strauss. Letztlich ist man mit Rohem näher an der Natur, mit Gekochtem näher an der Zivilisation. Zivilisation ist grob gesagt, das Gegenteil von Barbarei." (Klink, a.a.O.)

Die Kochgenossen waren wieder in Übersee unterwegs. Dieses Mal in der mexikanischen Provinz Oaxaca. Und haben sich durchgefuttert.

Das Rezept. Im Rahmen eines Hamburg-Aufenthalts letzten Sommer bin ich nach einer gefühlten Ewigkeit mal wieder in Kontakt mit Labskaus gekommen. Hatte ich als Kind 1-2 Mal vorgesetzt gekriegt und kann mich nicht erinnern, das als negative Erfahrung abgespeichert zu haben. Also aus Laune ein paar Dosen des 'echten' Hamburger Labskaus aus dem Old Commercial Room günstig bei einem örtlichen Supermarkt eingesackt. Und? Ein Batz aus Kartoffelstampf und Fleischfutzeln eben. Erinnert optisch ein wenig an das, was die Knackis in amerikanischen Knastfilmen immer auf die Blechteller geklatscht kriegen, kurz bevor die Revolte ausbricht. Kann man essen, aber man muss schon sehr viel Seefahrerromantik in sich tragen, um das mit echtem Genuss zu verspeisen. Wobei Spiegelei, saure Gurken und optional rote Bete als Garnituren eine angenehme Ergänzung sind, der Rollmops allerdings gar nicht ging für mich. 

Die Geschichte, das Geschlodder habe vor allem den Zweck erfüllt, die in früheren Jahrhunderten vom Skorbut zahnlos gewordenen Matrosen satt zu bekommen, gehört möglicherweise ins Reich der Phantasie. Schon im 18. Jahrhundert hatte man durch Beobachtung raus, dass bestimmte Lebensmittel die Mangelkrankheit verhüten konnten. Und so bekamen die britischen Matrosen Zitronen oder Limonen verabfolgt (daher die Bezeichnung 'Limeys'), deutsche Seefahrer kriegten Sauerkraut (daher der Name 'Krauts'). Zumal es für die Liverpooler Variante Scouse schon halbwegs gesunde Zähne braucht. Die Wahrheit ist vermutlich prosaischer: Kartoffeln und Corned Beef, letzteres klassisch gepökelt oder als Dosenware, sind gut lagerfähig, beides als Eintopf zusammengekocht gab halt eine sättigende Mahlzeit. 

Ach ja, man kann das verfeinern. Zum Beispiel nicht durchpürieren bzw. -stampfen, sondern alles in Stücken lassen, knusprig braten und als Corned Beef Hash servieren. Und Spiegelei geht immer. 








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