Mittwoch, 24. Juni 2026

The Heat Is On

 
Ziemlich genau vor zehn Jahren im Juni knaxte ich mir bei einem Arbeitsunfall das Handgelenk an. In der Ambulanz verpasste man mir eine gipserne Dorsalschiene und einen Krankenschein. Die nächste Zeit musste ich einmal die Woche zur Kontrolle vorsprechen, um den Heilungsverlauf begutachten zu lassen. In jenem Frühsommer 2016 hatten wir nicht nur Fußball-EM, sondern auch eine heftige Hitzewelle. An einem besonders heißen Tag saß ich in der klimatisierten Wartezone und wurde Zeuge, wie Sanis im Akkord Hitzeopfer ankarrten. Vor allem viele alte Menschen waren kollabiert, weil deren Organismus die Belastung nicht mehr so wegsteckt.

Die Zahl der statistisch ermittelten Hitzetoten nicht nur in Europa, sondern weltweit, steigt kontinuierlich. In Europa verursachen  sommerliche Hitzewellen inzwischen mehr Todesopfer als der Straßenverkehr.

"Between 2000–2019 studies show approximately 489 000 heat-related deaths occur each year, with 45% of these in Asia and 36% in Europe. In Europe alone in the summer of 2022, an estimated 61 672 heat-related excess deaths occurred. High intensity heatwave events can bring high acute mortality; in 2003, 70 000 people in Europe died as a result of the June–August event. In 2010, 56 000 excess deaths occurred during a 44–day heatwave in the Russian Federation.

Vulnerability to heat is shaped by both physiological factors, such as age and health status, and exposure factors such as occupation and socio-economic conditions. [...]" (WHO)


An dieser Stelle könnte man ferner auf die politisch-soziale Dimension der momentan wieder grassierenden Gluthitze zu sprechen kommen. Dass diejenigen, die es zu entscheiden haben, normalerweise abgeschottet in klimatisierten Autos, angehnehm temperierten Büros und Häusern sitzen und nicht in Wellblechhallen arbeiten und in brutheißen Dachwohnungen wohnen. Dass auch heuer wieder viele, die sich kein angenehm klimatisiertes Umfeld leisten können nicht nur leiden, sondern schlimmstenfalls wegen der Hitze sterben werden. Was aber zunächst in keiner Statistik auftauchen wird. Weil 'Hitze' keine eigene Todesursache ist und das im Nachhinein aus der Übersterblichkeit extrapoliert werden muss. Und deswegen wohl als nicht weiter schlimm empfunden werden. Jeder Frosch ist schlauer.

Holgi: "Das ganze Ausland lacht sich kaputt/ist entsetzt/geschockt über uns Deutsche!"
Holgi (2 min. später): "Müssen wir denn wirklich jeden Quatsch nachmachen, den das Ausland macht? Haben wir keine eigenen Lösungen? Das ist immer noch Deutschland!!!1!11!!"

(Holgi apperars courtesy of Bonetti Media Inc.)

Wenn nun wieder irgendwo heißt, das sei doch alles bloß wieder typisch deutsche Klimahysterie, alles bloß Propaganda, früher sei es schließlich auch heiß gewesen, dann möge man bitte einen Blick nach Frankreich werfen. Dort rattern bekanntlich etliche Atomkraftwerke vor sich hin. Und auch dieses Jahr müssen gerade ältere Reaktoren, die zwecks Kühlung noch an Flüssen errichtet wurden, heruntergefahren oder zumindest gedrosselt werden, weil es so heiß ist, dass das Kühlwasser zu warm wird. 

Man darf annehmen, dass vermutlich auch früher beim Bau von Atomkraftwerken berücksichtigt wurde, dass es im Sommer heiß werden kann. Wenn nun aber der Kraftwerksbetrieb bei Hitze andauernd zurückgefahren werden muss, dann stellt sich die Frage, ob die Ingenieure das damals nicht ausreichend einkalkuliert haben bzw. sich nicht vorstellen konnten, wie heiß die Sommer einmal werden würden.

Jein. Das inzwischen jährliche Herunterfahren der Kraftwerke hat weniger technische Gründe. Die Anlagen könnten auch mit deutlich wärmerem Kühlwasser weiterlaufen, solange genug davon da ist. Die Drosselungen sind vor allem Umweltauflagen geschuldet. In die im Sommer ohnehin bereits aufgeheizten Flüsse noch heißeres Kühlwasser einzuleiten, würde deren Ökosysteme erheblich gefährden. Daher werden In Frankreich auch in Zukunft Kernkraftwerke gebaut, die moderner sind und dieses Problem nicht mehr haben.

Kann Holgi sich also freuen? Alles doch bloß typisch deutsche Klimahysterie und Atomangst? Jein. Zu erfahren ist nämlich auch, dass die hitzebedingten Abschaltungen sich seit 2000, vor allem seit dem 'Jahrhundertsommer' 2003 (zur Erinnerung: 70.000 Tote allein in Europa) signifikant häufen. Ferner kommt es in den letzten 25 Jahren immer öfter vor, dass die betreffenden Flüsse im Hochsommer schlicht zu wenig Wasser führten, um die Reaktoren noch ausreichend zu versorgen. Und die Strompreise steigen dann auch immer. Also vielleicht doch nicht zu früh freuen wegen Klimalüge.

Post by @derpostillon@mastodon.social
View on Mastodon

Fun fact: Dies ist er erste Artikel in dieser digital vollverschnarchten Monade, für den KI eingesetzt wurde. Aber nur, weil die momentane Gluthitze mir die Hirnwindungen verklebt. 









Keine Kommentare :

Kommentar veröffentlichen

Mit dem Absenden eines Kommentars stimmen Sie der Speicherung Ihrer Daten zu. Zu statistischen Zwecken und um Missbrauch zu verhindern, speichert diese Webseite Name, E-Mail, Kommentar sowie IP-Adresse und Timestamp des Kommentars. Der Kommentar lässt sich später jederzeit wieder löschen. Näheres dazu ist unter 'Datenschutzerklärung' nachzulesen. Darüber hinaus gelten die Datenschutzbestimmungen von Google LLC.