Das Konzept der Coolness ist angeblich einst in der Community afroamerikanischen Sklaven in den USA entstanden. Indem man die Demütigungen und Misshandlungen der Besitzer regungslos und ohne eine Miene zu verziehen ertrug, bewahrte man seine Würde und teilte gleichzeitig ohne offenen Protest mit: Was immer ihr tut, ihr brecht mich nicht! Das wurde ins Gegenteil verkehrt. Inzwischen kommt es darauf an, der Welt möglichst laut und ausdauernd mitzuteilen, wie getriggert, traumatisiert, gemobbt, geghostet und gewasauchimmer mensch ist. Stoische, grummlig-resiliente Gelassenheit ist jetzt cringer Boomerkram.
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wir haben so Glück, dass die Französische Revolution schon passiert ist pic.twitter.com/hMy0DLbvR7
— E L H O T Z O (@elhotzo) June 15, 2026
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Mein Plan so weit für die statistische Restlaufzeit: Wenn möglich, nicht von einer KI aus dem Job sortiert werden. Danach nicht von einer KI als lebensunwertes Kroppzeug aussortiert werden. Ich befürchte, das wird noch Arbeit genug.
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Zirka 500 Jahre gehörte der unvollendete Dom mit dem prominent auf dem Stumpf des Südturms ragenden Domkran zum Kölner Stadtbild. Dass der Tempel weit länger unfertig herumstand als fertig, wurde wohl mit rheinischer Gelassenheit genommen. Bei der Fertigstellung im 19. Jahrhundert hielt man sich weitestgehend an die mittelalterlichen Originalpläne und wich nur beim Dachstuhl davon ab, den man als Stahlkonstruktion anlegte und bei den Langhausfenstern, die im Stil der Zeit gestaltet wurden.
Als jüngerer Mensch konnte ich mich für Bilder der Sagrada Familia in Barcelona ehrlich begeistern. Die von Gaudí noch selbst verantwortete südliche Geburtsfassade fand und finde ich bis heute eine grandiose Neuinterpretation gotischer Formensprache, die in den 1960ern errichtete, karg-radikale Passionsfassade eine spannende und mutige Weiterentwicklung. Der Gedanke, die Vollendung des Jahrhundertwerks noch selbst erleben zu können, faszinierte mich durchaus. Und jetzt, da das Teil fast fertig ist, finde ich es, ehrlich gesagt -- umpf, bedaure -- eher hässlich. Drüber. Kitschig. Tschingbumm! Außen eine Mischung aus außer Kontrolle geratener Sandburg und Klein-Dubai, innen eine Art überdimensionale Tiffany-Lampe. Als Torso hat der Bau mir besser gefallen.
Vielleicht muss ich mal hin, um das kultische Gerät persönlich in Augenschein zu nehmen. Sofern ich mir eine Unterkunft in Batzelona leisten kann, versteht sich.
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"In den sozialen Medien sind Typen laut, die sonst nirgendwo gehört werden. Die sind mir völlig egal." (Christoph Kramer)
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Was von vielen als Verengung des sagbaren Korridors, der Zensur, als sich immer weiter in das Leben der Bürger:innen einmischende Strafjustiz o.ä. wahrgenommen wird, hat vor allem damit zu tun, dass unser (bürgerliches) Rechtssystem noch eine private und eine öffentliche Sphäre kennt und mit dem Verwischen der Grenzen zwischen beiden in Zeiten 'sozialer' Medien schlicht überfordert ist. Richter:innen müssen aber geltende Gesetze anwenden, sonst machten sie ihren Job nicht.
Verbalinjurien wie 'Schwachkopf' oder 'Lackaffe' zum Beispiel sind ja weiß Gott keine ehrabschneidenden und damit strafwürdigen Beleidigungen, sollte man meinen. Wäre so etwas früher im privaten bis halbprivaten Rahmen geäußert worden, so in der Art von: "Boah, der Bundeskanzler ist vielleicht ein Lackaffe!", etwa am Stammtisch, beim Verein oder unter Kolleg:innen, dann wäre die Wahrscheinlichkeit, dass der Betreffende irgendwie Wind davon bekommen hätte, irgendwo bei Null gewesen. Wenn überhaupt. Ich vermute, gerade viele Ältere, die noch durch Zeiten ohne 'soziale' Medien geprägt sind, kapieren oft nicht bzw. scheinen sie immer wieder zu vergessen, dass 'soziale' Medien eben keine virtuelle Kneipenrunde sind und kein Stammtisch, sondern potenziell immer breite Öffentlichkeit, in der jede:r von allem Wind bekommt.
Im Übrigen bin ich der Ansicht, dass die obsolete Sonderregelung namens § 188 StGB, die Beleidigungen von Politiker:innen härter bestraft als andere, schnellstmöglich abgeschafft gehört.
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Dieses Gefühl, wenn Dinge irgendwie auszuufern scheinen...
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Die verdienstvolle Band 'Die Ärzte' hat schon vor vielen Jahren begriffen, dass unter den gegebenen Verhältnissen irgendwann der Zeitpunkt im Leben kommt, ab dem ein gut sitzender Anzug mehr Punk ist als der krasseste Iro oder die abgefahrensten Klamotten. Alles scheiße zu finden und dagegen zu sein und sich Gott weiß was einzubilden auf sein Rebellentum, oft nur ein schlecht maskierter Zynismus, ist in bestimmten Milieus inzwischen so sehr Mainstream geworden, dass es die wahre Provokation ist, gut gelaunt, unverspannt und gelassen durchs Leben zu gehen und Deutschland bzw. die Welt nicht untergehen zu sehen.

Ich bin eigentlich meistens gut gelaunt, aber "Deutschland" (Anführungsstriche geliehen von Tucholsky) sähe ich trotzdem ganz gern (wenigstens in Teilen) untergehen, die Welt natürlich nicht.
AntwortenLöschen(Ein Land, in dem es gestattet ist, wehrlose Salatköpfe als Fußbälle zu verkleiden, macht mir Angst und gehört in die Biotonne der Geschichte.)
Zu den Ärzten und ihrem Habitus ist anzumerken, dass sie das Rebellische nie als Selbstzweck betrieben haben, was sie authentisch macht – sprich, da ist eine Haltung dahinter – . Im Gegensatz zu Poschardt, Fleischhauer und den anderen Vögeln. Deren selbstmitleidiges Geschreibsel lässt auch ein Bedürfnis erkennen, wie "getriggert, traumatisiert, gemobbt, geghostet und gewasauchimmer" sie doch von ihren bösen 68-iger Eltern wurden. Und die bösen NGO-Linkgsgrünen immer...
AntwortenLöschen"Außen eine Mischung aus außer Kontrolle geratener Sandburg und Klein-Dubai, innen eine Art überdimensionale Tiffany-Lampe"
AntwortenLöschen... so fand ich das Teil immer schon.
Wobei — ich fand die romanischen Sakralbauten eigentlich immer angemessener ... aber, jeder wie er mag.
Gruß Jens
ich kann das Hostel Mare Nostrum sehr empfehlen
AntwortenLöschen... wo Benito schon herumphantasierte … naja.
LöschenGruß Jens
Den Besuch der Sagrada Familia nebst restlichem Barcelona kann ich empfehlen. Ich war selbst sehr skeptisch - zu viel Hype, zu viele schreckliche moderne Kirchen gesehen, Fan von französischer Gotik und italienischer Renaissance -, aber das Ding hat mich beeindruckt. Wunderbarerweise gab es nicht mal Wartezeiten in endlosen Schlangen, die Besucherorganisation war perfekt durchgetaktet und so sicher wie an einem Flughafen.
AntwortenLöschenUm Gottes Willen! Welcher Flughafen genau ist gemeint? KWI? DXB? AUH? BER? Nö, da bete ich doch lieber zu Hause, nix für ungut.
LöschenIch finde den §188 auch überflüssig, aber man kann sich dem Thema Politik durchaus auch ohne justitiable Verbalinjurien nähern, auch wenn eine sachliche Diskussion etwas aus der Mode gekommen scheint.
AntwortenLöschenBarcelona lohnt sich, gerade wenn man sich für Antoni Gaudi interessiert. Die Casa Battlo und der Park Guell, von dem man eine großartige Aussicht über die Stadt hat, sind zu empfehlen. Die Ramblas sind hoffnungslos überfüllt und der Palast von Franco ist der steingewordene Fascho-Horror, aber die Altstadt fand ich toll und man ist nur ein paar Schritte vom Strand entfernt.